ESRS E1 für Immobilienunternehmen: Welche Gebäudedaten Sie pro Objekt erheben müssen
ESRS E1 Klimawandel erfordert gebäudescharfe CO₂-Daten: Scope 1–3, Emissionsintensität, Reduktionsziele. Praktische Daten-Checkliste für Immobilienunternehmen.

Die CSRD verpflichtet Immobilienunternehmen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Für den Gebäudesektor ist ESRS E1 (Klimawandel) der mit Abstand relevanteste Standard -- und der datenintensivste. Denn E1 verlangt nicht nur Portfolio-Durchschnittswerte, sondern gebäudebezogene Emissionsdaten, Reduktionsziele und Übergangspläne.
Für Nachhaltigkeitsbeauftragte in Wohnungsunternehmen und Asset-Management-Gesellschaften stellt sich eine ganz konkrete Frage: Welche Daten muss ich für jedes einzelne Gebäude erheben, um den ESRS E1 zu erfüllen? Dieser Artikel beantwortet sie mit einer praktischen Checkliste.
ESRS E1: Überblick der Offenlegungspflichten
ESRS E1 umfasst neun Offenlegungsanforderungen (Disclosure Requirements, DR), die für Immobilienunternehmen in unterschiedlichem Maß relevant sind:
| DR | Bezeichnung | Gebäudedaten erforderlich? |
|---|---|---|
| E1-1 | Übergangplan für den Klimaschutz | Indirekt (Basis für Klimapfad) |
| E1-2 | Strategien im Zusammenhang mit Klimaschutz und Anpassung | Nein (Unternehmenspolitik) |
| E1-3 | Maßnahmen und Ressourcen | Ja (Sanierungspläne pro Gebäude) |
| E1-4 | Ziele im Zusammenhang mit Klimaschutz und Anpassung | Ja (Reduktionsziele, Basisjahr) |
| E1-5 | Energieverbrauch und Energiemix | Ja (Kernpflicht) |
| E1-6 | Brutto-Treibhausgasemissionen Scope 1, 2, 3 | Ja (Kernpflicht) |
| E1-7 | THG-Abbau und CO₂-Gutschriften | Bedingt (PV-Eigenverbrauch) |
| E1-8 | Interne CO₂-Bepreisung | Bedingt (falls eingesetzt) |
| E1-9 | Erwartete finanzielle Effekte von Klimarisiken | Ja (Transition Risk pro Gebäude) |
Die Offenlegungsanforderungen E1-5 und E1-6 bilden den Datenkern: Sie verlangen den Nachweis des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen nach Scopes 1, 2 und 3.
Die Daten-Checkliste: Was Sie pro Gebäude brauchen
Pflichtdaten für E1-5 (Energieverbrauch)
| Datenpunkt | Beschreibung | Typische Quelle |
|---|---|---|
| Gesamtenergieverbrauch (MWh/a) | Endenergieverbrauch für Heizung, Warmwasser, ggf. Kühlung | Heizkostenabrechnung |
| Energiemix (%) | Anteil je Energieträger (Gas, Öl, Fernwärme, Strom, Biomasse) | Lieferverträge |
| Anteil erneuerbarer Energien (%) | PV-Eigenverbrauch, Ökostrom (mit HKN), Fernwärme-EE-Anteil | Versorgerdaten |
| Energieintensität (kWh/m²a) | Verbrauch bezogen auf beheizte Fläche | Berechnung |
| Beheizte Fläche (m²) | Netto-Grundfläche oder Wohnfläche | ERP / Mietvertrag |
Pflichtdaten für E1-6 (THG-Emissionen)
| Datenpunkt | Scope | Beschreibung | Typische Quelle |
|---|---|---|---|
| Scope-1-Emissionen (tCO₂e) | 1 | Direkte Verbrennung in eigenen Heizungsanlagen (Gas, Öl) | Verbrauch × Emissionsfaktor |
| Scope-2-Emissionen (tCO₂e) location-based | 2 | Fernwärme und Allgemeinstrom nach Durchschnitts-Emissionsfaktoren | Versorger-EF oder UBA-Durchschnitt |
| Scope-2-Emissionen (tCO₂e) market-based | 2 | Fernwärme und Strom nach versorgerspezifischen Faktoren (HKN) | Versorgerspezifischer EF |
| Scope-3-Emissionen (tCO₂e) | 3 | Mieterverbräuche (downstream), Baumaterialien (upstream) | Schätzung, Mieterdaten |
| CO₂-Intensität (kgCO₂e/m²a) | Alle | Emissionen bezogen auf beheizte Fläche | Berechnung |
Wichtig: ESRS E1 verlangt sowohl die location-based als auch die market-based Methode für Scope-2-Emissionen. Für Immobilienunternehmen bedeutet das: Wer Ökostrom mit Herkunftsnachweisen bezieht, darf die Emissionen nach Market-Based-Methode auf null setzen -- muss aber parallel den Location-Based-Wert (Bundesmix) ausweisen.
Ergänzende Daten für E1-4 und E1-9
| Datenpunkt | DR | Beschreibung |
|---|---|---|
| Basisjahr-Emissionen | E1-4 | CO₂-Emissionen im Referenzjahr (typisch: 2020 oder 2022) |
| Reduktionsziel (absolut oder Intensität) | E1-4 | Zielpfad bis 2030, 2035, 2045 |
| Energieeffizienzklasse | E1-9 | Für Transition-Risk-Bewertung (EPC-Verteilung im Portfolio) |
| Geschätzte Sanierungskosten | E1-9 | CapEx-Plan für Dekarbonisierung |
| Physische Klimarisiken | E1-9 | Hochwasser, Hitze, Sturm -- pro Standort |
Scope-Zuordnung für Immobilien
Die Scope-Zuordnung bei Immobilien ist komplexer als in anderen Branchen. Die folgende Übersicht orientiert sich am GHG Protocol und der GdW-Arbeitshilfe 85:
| Emissionsquelle | Scope | Bedingung |
|---|---|---|
| Eigene Gasheizung (Zentralheizung) | Scope 1 | Vermieter betreibt Heizung |
| Eigener Ölkessel | Scope 1 | Vermieter betreibt Heizung |
| Fernwärme | Scope 2 | Wärmelieferung von Drittanbieter |
| Allgemeinstrom (Treppenhaus, Aufzug) | Scope 2 | Vom Vermieter bezogen |
| Mieterstrom (individuelle Heizung) | Scope 3 (Category 13) | Gasetagenheizung, Mieter als Verbraucher |
| Mieterhaushaltsstrom | Scope 3 (Category 13) | Downstream Leased Assets |
| Bau-/Sanierungsmaterialien | Scope 3 (Category 1/2) | Embodied Carbon |
Praxisrelevant: In Mehrfamilienhäusern mit Gaszentralheizung (häufigster Fall) sind die Heizungsemissionen Scope 1. Bei Gasetagenheizungen (Mieter betreibt eigene Therme) fallen dieselben Emissionen unter Scope 3 -- obwohl das Gebäude physisch identisch ist. Diese Unterscheidung hat erhebliche Auswirkungen auf die Berichtspflicht.
Der Übergangplan (E1-1): Was Immobilienunternehmen vorlegen müssen
ESRS E1-1 verlangt einen Übergangplan (Transition Plan), der die Paris-Konformität des Unternehmens nachweist. Für Immobilienunternehmen bedeutet das:
- Basisjahr und aktuelle Emissionen: Woher kommen wir?
- Reduktionsziele: Wie viel weniger bis 2030, 2035, 2045?
- Maßnahmenplan: Welche Gebäude werden wann wie saniert? (Verbindung zum Klimapfad)
- Investitionsplanung: Wie viel CapEx ist für die Dekarbonisierung eingeplant?
- Restrisiken: Welche Gebäude werden den Pfad voraussichtlich nicht einhalten?
Der Übergangplan ist de facto das, was die Wohnungswirtschaft als "Klimapfad" kennt -- nur in das ESRS-Format übersetzt.
Datenqualität: Was akzeptabel ist
Die ESRS erwarten keine perfekten Daten im ersten Berichtsjahr. Entscheidend ist:
- Transparente Methodik: Dokumentieren, welche Methode (Verbrauch vs. Bedarf vs. Schätzung) pro Gebäude verwendet wurde.
- Datenqualitätsindikatoren: Angabe der Unsicherheit oder des PCAF-Scores pro Datenpunkt.
- Verbesserungsplan: Darlegung, wie die Datenqualität in den Folgejahren verbessert wird.
Für die Ersterfassung ist eine Mischung aus TABULA-Schätzungen (PCAF Score 4) und Verbrauchsdaten (Score 2) akzeptabel, sofern transparent dokumentiert. Die GdW-Arbeitshilfe 85 (CO₂e-Monitoring, überarbeitet März 2025) bietet die branchenspezifische Methodik.
Omnibus I: Was sich geändert hat
Die Omnibus-I-Richtlinie (EU/2026/470) hat die CSRD-Anwendung erheblich verändert:
| Aspekt | Vor Omnibus I | Nach Omnibus I |
|---|---|---|
| Schwellenwerte | 250 Mitarbeitende, 50 Mio. € Umsatz | 1.000 Mitarbeitende, 450 Mio. € Umsatz |
| Wave 2 (große Unternehmen) | Berichtsjahr 2025, erster Bericht 2026 | Berichtsjahr 2027, erster Bericht 2028 |
| Börsennotierte KMU | Berichtsjahr 2026 (urspr.) | Komplett befreit (freiwillig nach VSME) |
| Pflicht-Datenpunkte | ~1.100 | Reduktion um ~61 % |
Für Wohnungsunternehmen bedeutet das: Die meisten GdW-Mitgliedsunternehmen (unter 1.000 Mitarbeitende) fallen nicht mehr unter die CSRD-Pflicht. Sie müssen aber trotzdem ESG-Daten liefern -- für die GdW-ESG-Mindestanforderungen, für Banken (EBA ESG Guidelines), für GRESB und für die eigene Portfoliosteuerung.
Häufige Fragen
Muss jedes Gebäude einzeln berichtet werden?
Nein. ESRS E1 verlangt Unternehmensdaten, nicht Objektdaten. Die Emissionen werden auf Unternehmensebene aggregiert. Für die interne Steuerung (Sanierungspriorisierung, CO2KostAufG) sind jedoch gebäudescharfe Daten unerlässlich. Die GdW-Arbeitshilfe 85 empfiehlt die Erfassung auf Objektebene.
Welche Emissionsfaktoren soll ich verwenden?
Für den CSRD-Bericht: Die aktuellen UBA-Emissionsfaktoren (Strom-Mix 2025: 0,344 kgCO₂/kWh; Erdgas: 0,201 kgCO₂/kWh nach EBeV 2030). Für Fernwärme: versorgerspezifische Faktoren beim lokalen Versorger anfragen.
Brauche ich Scope-3-Daten von Anfang an?
Für große Unternehmen unter CSRD-Pflicht: Ja, Scope 3 muss berichtet werden, wobei Schätzungen für das erste Jahr akzeptabel sind. Für Unternehmen, die freiwillig nach VSME berichten: Scope 3 ist optional.
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