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Dämmstoffe im Vergleich 2026: Eigenschaften, Kosten & Anwendung

Dämmstoffe Vergleich 2026: Steinwolle, EPS, Holzfaser, PUR und 10 weitere Materialien. Lambda-Werte, Kosten pro m² und welcher Dämmstoff wofür.

Verschiedene Dämmstoffe im Vergleich: Steinwolle, Holzfaser, EPS

Wer sein Haus dämmen will, steht vor einer grundlegenden Entscheidung: Welcher Dämmstoff ist der richtige? Auf dem deutschen Markt sind über 14 verschiedene Dämmmaterialien erhältlich -- von der bewährten Mineralwolle über kostengünstiges EPS bis hin zu Hightech-Lösungen wie Vakuumdämmplatten mit einer Wärmeleitfähigkeit von nur 0,004 W/(mK). Die Spanne reicht also von Lambda 0,004 bis 0,050 -- ein Faktor von über 12 in der Dämmleistung.

Die Wahl des Materials beeinflusst nicht nur die Energieeinsparung, sondern auch die Kosten, den Brandschutz, den sommerlichen Wärmeschutz, die Förderfähigkeit und die ökologische Bilanz. Dieser Ratgeber vergleicht alle 14 relevanten Dämmstoffe in einer umfassenden Tabelle, ordnet sie nach Anwendungsbereichen und zeigt, welches Material für welche Situation die beste Wahl ist.

Hinweis: Die hier genannten Preise sind Materialkosten pro Quadratmeter bei einer typischen Dämmstärke von 10--14 cm (je nach Lambda-Wert) und beziehen sich auf das Preisniveau Anfang 2026. Einbaukosten kommen je nach Maßnahme hinzu.

Die große Dämmstoffe-Vergleichstabelle 2026

Die folgende Tabelle zeigt alle 14 marktrelevanten Dämmstoffe im direkten Vergleich. Sie ist die zentrale Referenz dieses Artikels -- alle weiteren Abschnitte vertiefen einzelne Materialgruppen.

Dämmstoff Lambda W/(mK) Brandklasse (DIN 4102) Preis Material EUR/m² µ-Wert Nachhaltigkeit
Steinwolle 0,033--0,040 A1 (nicht brennbar) 7--14 1 Mittel, recycelbar
Glaswolle 0,032--0,040 A1 (nicht brennbar) 5--9 1 Mittel, recycelbar
EPS (Styropor) 0,030--0,040 B1 (schwerentflammbar) 8--25 20--50 Mittel (HBCD-Altlast)
XPS (Styrodur) 0,028--0,040 B1 (schwerentflammbar) 15--25 80--250 Gering--mittel
PUR 0,022--0,028 B2 (normal entflammbar) 14--27 40--200 Gering (fossiler Rohstoff)
PIR 0,020--0,023 B1/B2 20--60 40--200 Gering (fossiler Rohstoff)
Holzfaser 0,038--0,055 B2 (normal entflammbar) 20--45 3--5 Sehr gut (CO2-Speicher)
Zellulose 0,038--0,045 B1/B2 10--20 1--2 Sehr gut (Recyclingpapier)
Hanf 0,040--0,045 B2 (normal entflammbar) 10--30 1--2 Sehr gut (nachwachsend)
Schafwolle 0,035--0,045 B2 (normal entflammbar) 8--42 1--5 Sehr gut (nachwachsend)
Kork 0,040--0,050 B1/B2 5--40 5--10 Gut (nachwachsend, Import)
Schaumglas 0,036--0,060 A1 (nicht brennbar) 40--150 dampfdicht Mittel (hoher Energiebedarf)
VIP (Vakuumdämmplatte) 0,004--0,008 A2/B1 ab 200 dampfdicht Gering (Spezialprodukt)
Aerogel 0,013--0,022 A1/A2 100--150 (Putz) variabel Gering (hoher Energiebedarf)

Lesehinweis: Der Lambda-Wert (Wärmeleitfähigkeit) ist die wichtigste Kenngröße. Je kleiner der Wert, desto besser dämmt das Material. Ein Dämmstoff mit Lambda 0,020 benötigt nur die halbe Dicke eines Dämmstoffs mit Lambda 0,040, um dieselbe Dämmwirkung zu erreichen. Der µ-Wert (Wasserdampfdiffusionswiderstand) gibt an, wie stark ein Material den Durchgang von Wasserdampf bremst. Ein µ-Wert von 1 bedeutet: so durchlässig wie Luft. Wer die Zusammenhänge zwischen Lambda, U-Wert und Dämmstärke im Detail verstehen möchte, findet eine ausführliche Erklärung im U-Wert-Ratgeber.

Mineralwolle: Steinwolle und Glaswolle

Mineralwolle ist mit einem Marktanteil von rund 43 % der am zweithäufigsten eingesetzte Dämmstoff in Deutschland -- direkt hinter den Polystyrol-Produkten. Unter dem Oberbegriff Mineralwolle werden zwei Materialien zusammengefasst, die sich in Rohstoff, Dichte und Anwendungsschwerpunkten unterscheiden.

Steinwolle

Steinwolle wird aus vulkanischem Gestein (vor allem Basalt und Diabas) bei Temperaturen über 1.500 Grad Celsius geschmolzen und zu feinen Fasern versponnen.

  • Lambda-Wert: 0,033--0,040 W/(mK)
  • Brandklasse: A1 -- nicht brennbar, Schmelzpunkt über 1.000 Grad Celsius
  • Rohdichte: 20--200 kg/m³ (je nach Produktform)
  • µ-Wert: 1 (diffusionsoffen wie Luft)
  • Materialkosten: 7--14 EUR/m² (WLS 035, 10 cm)

Steinwolle ist der Allrounder unter den Dämmstoffen. Sie eignet sich für nahezu jede Anwendung: Fassadendämmung als WDVS, Zwischensparrendämmung, Flachdachdämmung, Trennwanddämmung und als Einblasdämmung. Ihr größter Vorteil gegenüber EPS und Holzfaser ist die Brandklasse A1: Steinwolle brennt nicht und wird als Brandriegel in EPS-Wärmedämmverbundsystemen eingesetzt.

Recycling: Über das Rücknahmesystem Rockcycle (Rockwool) können alte Steinwolleplatten dem Herstellungsprozess wieder zugeführt werden.

Glaswolle

Glaswolle wird aus Altglas (bis zu 80 %) und Sand bei rund 1.000 Grad Celsius geschmolzen.

  • Lambda-Wert: 0,032--0,040 W/(mK)
  • Brandklasse: A1 -- nicht brennbar
  • Rohdichte: 15--80 kg/m³ (deutlich leichter als Steinwolle)
  • µ-Wert: 1
  • Materialkosten: 5--9 EUR/m² (WLS 035, 10 cm)

Glaswolle ist der günstigste nicht brennbare Dämmstoff auf dem Markt. Sie wird vor allem für Dachdämmungen zwischen den Sparren, in Trennwänden im Trockenbau und als Schalldämmung eingesetzt. Im Vergleich zur Steinwolle hat sie einen niedrigeren Schmelzpunkt (über 500 Grad Celsius) und eine geringere Rohdichte, weshalb sie für druckbelastete Anwendungen (Flachdach, Perimeter) weniger geeignet ist.

Steinwolle vs. Glaswolle im Direktvergleich

Eigenschaft Steinwolle Glaswolle
Lambda-Bereich 0,033--0,040 0,032--0,040
Brandklasse A1 A1
Schmelzpunkt > 1.000 °C > 500 °C
Rohdichte 20--200 kg/m³ 15--80 kg/m³
Preis (WLS 035) 7--14 EUR/m² 5--9 EUR/m²
Druckbelastbarkeit Hoch (Flachdach geeignet) Gering
Schalldämmung Sehr gut Gut
Typische Anwendung WDVS, Flachdach, Brandschutz Zwischensparren, Trockenbau

Fazit Mineralwolle: Wer maximalen Brandschutz zu einem fairen Preis sucht, greift zu Mineralwolle. Steinwolle für druckbelastete und brandschutzrelevante Anwendungen, Glaswolle wenn das Budget knapp ist und die Dämmung nicht druckbelastet wird.

Polystyrol: EPS und XPS

Polystyrol-Dämmstoffe machen rund 48 % des deutschen Dämmstoffmarktes aus. Sie sind günstig, leicht zu verarbeiten und in nahezu jeder Baumarkt-Filiale erhältlich. Die beiden Varianten EPS und XPS unterscheiden sich in Herstellungsverfahren, Dampfdurchlässigkeit und Einsatzbereich erheblich.

EPS (expandiertes Polystyrol / Styropor)

EPS ist der meistverkaufte Fassadendämmstoff in Deutschland. Die weißen oder grauen Platten werden durch Aufschäumen von Polystyrol-Granulat mit Wasserdampf hergestellt.

  • Lambda-Wert: 0,030--0,040 W/(mK) -- graues EPS (mit Graphit) erreicht bis 0,030
  • Brandklasse: B1 nach DIN 4102 (schwerentflammbar), aber nur E nach EN 13501 (normal entflammbar)
  • µ-Wert: 20--50
  • Rohdichte: 15--30 kg/m³
  • Materialkosten: 8--25 EUR/m² (je nach WLG und Stärke)

EPS ist der Preisleistungssieger für Fassadendämmung: Ein komplettes WDVS mit EPS kostet ab etwa 120 EUR/m² inklusive Einbau. Die Dämmleistung ist gut, die Verarbeitung einfach. Der größte Nachteil ist der Brandschutz: EPS schmilzt ab circa 140 Grad Celsius und kann heiß abtropfen. Seit 2016 sind deshalb Brandriegel aus Mineralwolle alle zwei Geschosse Pflicht bei EPS-WDVS.

XPS (extrudiertes Polystyrol / Styrodur)

XPS wird im Extrusionsverfahren hergestellt, wodurch eine geschlossenzellige Struktur entsteht. Das macht XPS wasserunempfindlich und druckfest.

  • Lambda-Wert: 0,028--0,040 W/(mK), typisch 0,035--0,040
  • Brandklasse: B1 (schwerentflammbar)
  • µ-Wert: 80--250 (deutlich dampfdichter als EPS)
  • Rohdichte: 25--45 kg/m³
  • Druckfestigkeit: bis 70 t/m²
  • Materialkosten: 15--25 EUR/m² (circa dreimal teurer als EPS)

XPS ist der Spezialist für Anwendungen, bei denen der Dämmstoff Feuchtigkeit und Druck ausgesetzt ist: Perimeterdämmung im Erdreich, Sockeldämmung, Umkehrdach (Flachdach mit Dämmung oberhalb der Abdichtung) und unter der Bodenplatte. XPS ist neben Schaumglas der einzige Dämmstoff, der für den Einsatz bei drückendem Grundwasser zugelassen ist.

EPS vs. XPS im Direktvergleich

Eigenschaft EPS XPS
Lambda-Bereich 0,030--0,040 0,028--0,040
µ-Wert 20--50 80--250
Wasseraufnahme Gering, aber vorhanden Praktisch null
Druckfestigkeit Gering--mittel Sehr hoch
Preis 8--25 EUR/m² 15--25 EUR/m²
Perimeter geeignet Nein Ja
WDVS geeignet Ja (Standardanwendung) Möglich, aber überdimensioniert

PUR und PIR: Die dünnsten konventionellen Dämmstoffe

Polyurethan-Hartschaum (PUR) und Polyisocyanurat-Hartschaum (PIR) sind die leistungsstärksten konventionellen Plattendämmstoffe. PIR ist die Weiterentwicklung von PUR mit verbesserter Brandschutzklasse und noch niedrigerem Lambda-Wert.

PUR (Polyurethan)

  • Lambda-Wert: 0,022--0,028 W/(mK)
  • Brandklasse: B2 (normal entflammbar)
  • µ-Wert: 40--200
  • Materialkosten: 14--27 EUR/m²
  • Einbaukosten komplett: circa 170 EUR/m² (Flachdach)

PIR (Polyisocyanurat)

  • Lambda-Wert: 0,020--0,023 W/(mK) -- Spitzenprodukte bis 0,019
  • Brandklasse: B1 oder B2 (je nach Ausführung)
  • µ-Wert: 40--200
  • Materialkosten: 20--60 EUR/m²
  • Einbaukosten komplett: circa 177 EUR/m² (Flachdach)

Der entscheidende Vorteil von PUR/PIR ist die geringe erforderliche Dämmstärke. Wo Steinwolle (WLG 035) eine Stärke von 14 cm benötigt, um einen U-Wert von 0,24 W/(m²K) zu erreichen, reichen bei PIR (WLG 023) nur 9 cm. Das macht PUR/PIR zur ersten Wahl, wenn der Platz knapp ist: bei der Dachdämmung als Aufsparrendämmung, im Flachdach und bei der Fußbodendämmung.

Nachteil: PUR und PIR werden auf Basis fossiler Rohstoffe (Erdöl) hergestellt und haben eine vergleichsweise schlechte Ökobilanz. Der Brandschutz ist bei PUR (B2) der schwächste unter allen gängigen Plattendämmstoffen.

Erforderliche Dämmstärke für U-Wert 0,24 W/(m²K)

Dämmstoff Lambda W/(mK) Erforderliche Stärke
PIR 0,023 ca. 9 cm
PUR 0,025 ca. 10 cm
EPS grau 0,032 ca. 12 cm
Steinwolle 0,035 ca. 14 cm
Holzfaser 0,042 ca. 16 cm
Zellulose 0,040 ca. 16 cm

Naturdämmstoffe: Holzfaser, Zellulose und Hanf

Naturdämmstoffe (nachwachsende Rohstoffe, NawaRo) haben ihren Marktanteil in Deutschland auf circa 9 % gesteigert -- Tendenz steigend. Innerhalb dieser Gruppe dominieren Holzfaser (58--60 %) und Zellulose (30--32 %), gefolgt von Hanf, Schafwolle und Kork. Der entscheidende Vorteil von Naturdämmstoffen liegt nicht nur in der ökologischen Bilanz, sondern vor allem im sommerlichen Wärmeschutz -- ein Aspekt, der angesichts zunehmender Hitzeperioden in Deutschland immer relevanter wird. Wer sich intensiver mit den ökologischen Varianten beschäftigen möchte, findet einen ausführlichen Vergleich im Ratgeber zu ökologischen Dämmstoffen.

Holzfaser -- Der Allrounder unter den Naturdämmstoffen

Holzfaserdämmplatten werden aus Schwachholz und Sägewerksabfällen unter Druck und Hitze gefertigt. Das holzeigene Lignin dient als natürliches Bindemittel.

  • Lambda-Wert: 0,038--0,055 W/(mK), typisch 0,040--0,050
  • Brandklasse: B2 (normal entflammbar)
  • µ-Wert: 3--5 (diffusionsoffen)
  • Rohdichte: 110--600 kg/m³
  • Wärmespeicherkapazität: 2.000--2.100 J/(kg·K)
  • Materialkosten: 20--45 EUR/m²
  • WDVS komplett: ab 160 EUR/m²

Holzfaser ist der vielseitigste Naturdämmstoff. Er eignet sich als WDVS-Platte, Zwischensparrendämmung, Aufsparrendämmung, Innendämmung (kapillaraktiv) und als Einblasdämmung.

Der entscheidende Vorteil: Sommerlicher Wärmeschutz. Holzfaser hat durch die Kombination aus hoher Rohdichte und hoher Wärmespeicherkapazität eine Phasenverschiebung von 8--12 Stunden. Das bedeutet: Die Mittagshitze erreicht den Innenraum erst nachts, wenn die Außentemperatur bereits gesunken ist und gelüftet werden kann. Zum Vergleich: EPS erreicht bei gleicher Stärke nur 4--6 Stunden, Mineralwolle 5--7 Stunden.

Zellulose -- Der Preis-Leistungs-Sieger bei Einblasdämmung

Zellulosedämmung wird aus Altpapier (über 90 % Recyclingmaterial) hergestellt und mit Borsalzen als Brandschutzmittel behandelt.

  • Lambda-Wert: 0,038--0,045 W/(mK), typisch 0,040
  • Brandklasse: B1/B2
  • µ-Wert: 1--2 (sehr diffusionsoffen)
  • Rohdichte: 30--80 kg/m³ (eingeblasen)
  • Materialkosten: 10--20 EUR/m²
  • Einblasdämmung komplett: 15--50 EUR/m²

Zellulose wird fast ausschließlich als Einblasdämmung eingesetzt: in Hohlräume, zwischen Sparren, in Geschossdecken und als Kerndämmung bei zweischaligem Mauerwerk. Sie hat den geringsten Primärenergiebedarf aller Dämmstoffe, da sie aus einem Abfallprodukt hergestellt wird.

Hanf -- Nachwachsend und pestizidfrei

  • Lambda-Wert: 0,040--0,045 W/(mK)
  • Brandklasse: B2 (normal entflammbar)
  • µ-Wert: 1--2
  • Rohdichte: 20--50 kg/m³ (Matten), bis 150 kg/m³ (Schäben)
  • Materialkosten: 10--30 EUR/m²

Hanf wird als Matte oder Rolle vor allem in der Zwischensparrendämmung, als Innendämmung und als Trittschalldämmung eingesetzt. Industriehanf wächst schnell, benötigt kaum Pestizide und speichert CO2 während des Wachstums.

Weitere Naturdämmstoffe im Überblick

Neben den drei Hauptvertretern gibt es weitere ökologische Materialien, die in Nischenanwendungen ihre Berechtigung haben:

Schafwolle (Lambda 0,035--0,045, B2, 8--42 EUR/m²): Kann Schadstoffe wie Formaldehyd aus der Raumluft binden, ist schimmelresistent und feuchteregulierend. Einsatz vor allem in der Innendämmung und Zwischensparrendämmung. Selbstentzündung erst bei 560--600 Grad Celsius.

Kork (Lambda 0,040--0,050, B1/B2, 5--40 EUR/m²): Druckbelastbar, verrottungsfest, als WDVS-Platte und Trittschalldämmung einsetzbar. Nachteil: Rohstoff wird überwiegend aus Portugal importiert.

Naturdämmstoffe im Direktvergleich

Eigenschaft Holzfaser Zellulose Hanf Schafwolle Kork
Lambda 0,038--0,055 0,038--0,045 0,040--0,045 0,035--0,045 0,040--0,050
Brandklasse B2 B1/B2 B2 B2 B1/B2
µ-Wert 3--5 1--2 1--2 1--5 5--10
Preis EUR/m² 20--45 10--20 10--30 8--42 5--40
Sommerlicher Wärmeschutz Hervorragend Gut Gut Gut Gut
Einblasfähig Ja Ja (Standard) Nein Nein Nein
WDVS geeignet Ja Nein Nein Nein Ja

Hightech-Dämmstoffe: VIP und Aerogel

Für Situationen, in denen extrem wenig Platz zur Verfügung steht -- etwa bei Innendämmung denkmalgeschützter Fassaden, in niedrigen Kellern oder bei Fensterlaibungen -- kommen Hightech-Dämmstoffe zum Einsatz. Sie bieten eine um den Faktor 3--10 bessere Dämmleistung als konventionelle Materialien, sind aber entsprechend teurer.

Vakuumdämmplatten (VIP)

  • Lambda-Wert: 0,004--0,008 W/(mK) -- der beste verfügbare Dämmwert überhaupt
  • Brandklasse: A2/B1 (je nach Ummantelung)
  • Platzbedarf: Nur 3--5 cm für dieselbe Dämmwirkung wie 20--30 cm konventioneller Dämmstoff
  • Materialkosten: Ab 200 EUR/m², Maßanfertigung über 1.000 EUR/m²
  • Lebensdauer: Begrenzt -- Vakuumverlust über Jahrzehnte möglich

VIP bestehen aus einem gepressten Kern aus pyrogener Kieselsäure, der in eine gasdichte Folie eingeschweißt und evakuiert wird. Die extrem niedrige Wärmeleitfähigkeit entsteht durch das Vakuum, das jede Wärmeleitung durch Gas eliminiert.

Kritische Einschränkungen: VIP sind nicht zuschneidbar -- jede Platte wird maßgefertigt. Nägel, Schrauben oder andere Durchdringungen zerstören das Vakuum und damit die Dämmwirkung. Die Platten müssen von einem eingebetteten Rahmen aus konventionellem Dämmstoff umgeben werden, um die Stöße abzudecken.

Einsatzgebiete: Innendämmung bei extremem Platzmangel, Fensterlaibungen, niedrige Kellerdecken, Denkmalschutz.

Aerogel

  • Lambda-Wert: 0,013--0,022 W/(mK)
  • Brandklasse: A1/A2 (Silikat-Aerogel ist nicht brennbar)
  • Materialkosten: Platten circa 1.100 EUR/m³, Dämmputz circa 100--150 EUR/m²
  • Besonderheit: Leichtestes festes Material der Welt

Aerogel wird als Dämmputz, als Dämmplatte und als Granulat angeboten. Aerogel-Dämmputz ist besonders interessant für denkmalgeschützte Fassaden, bei denen ein WDVS nicht genehmigungsfähig ist: 3--4 cm Aerogel-Putz erreichen eine Dämmwirkung, für die mit konventionellem Putz 10--12 cm nötig wären.

Nachteil: Sehr hoher Preis und hoher Energieaufwand bei der Herstellung (überkritische Trocknung). Aerogel rechnet sich wirtschaftlich nur dann, wenn die Alternative ein Verzicht auf jede Dämmung wäre.

Schaumglas -- Der Sonderfall

Schaumglas verdient eine gesonderte Erwähnung, weil es Eigenschaften kombiniert, die kein anderer Dämmstoff bietet: nicht brennbar (A1), absolut wasser- und dampfdicht, druckfest und verrottungsfest.

  • Lambda-Wert: 0,036--0,060 W/(mK), neueste Produkte bis 0,036
  • Brandklasse: A1 (nicht brennbar)
  • µ-Wert: Praktisch unendlich (dampfdicht)
  • Rohdichte: 100--165 kg/m³
  • Materialkosten: 40--150 EUR/m²

Einsatzgebiete: Perimeterdämmung bei drückendem Grundwasser (neben XPS der einzige zugelassene Dämmstoff), Flachdach, dampfdichte Innendämmung.

Anwendungsmatrix: Welcher Dämmstoff für welchen Einsatzbereich?

Die folgende Tabelle zeigt auf einen Blick, welche Dämmstoffe für welche Anwendung geeignet sind. Ein Häkchen bedeutet: bewährt und in der Praxis häufig eingesetzt. Die Fettmarkierung zeigt die jeweils beste Wahl für den typischen Anwendungsfall.

Anwendung Steinwolle Glaswolle EPS XPS PUR/PIR Holzfaser Zellulose Schaumglas VIP Aerogel
Fassade / WDVS Ja -- Ja -- -- Ja -- -- -- --
Dach (Zwischensparren) Ja Ja -- -- -- Ja Ja -- -- --
Dach (Aufsparren) -- -- -- -- Ja Ja -- -- -- --
Flachdach Ja -- Ja Ja Ja -- -- Ja -- --
Keller / Perimeter -- -- -- Ja -- -- -- Ja -- --
Kellerdecke Ja -- Ja -- -- Ja Ja -- Ja --
Einblasdämmung Ja Ja Ja (Kügelchen) -- -- Ja Ja -- -- Ja (Granulat)
Innendämmung -- -- -- -- -- Ja -- Ja Ja Ja
Denkmalschutz -- -- -- -- -- Ja -- -- Ja Ja

Erläuterung der wichtigsten Anwendungsbereiche:

  • Fassade / WDVS: EPS dominiert den Markt wegen des niedrigen Preises. Steinwolle bietet besseren Brandschutz. Holzfaser bietet besseren sommerlichen Wärmeschutz, ist aber teurer. Mehr dazu im Ratgeber Fassadendämmung.
  • Dach: Glaswolle und Zellulose dominieren die Zwischensparrendämmung. Holzfaser bietet den besten sommerlichen Hitzeschutz -- besonders relevant für bewohnte Dachgeschosse. PUR/PIR ermöglicht die dünnste Aufsparrendämmung. Alle Details im Dachdämmung-Ratgeber.
  • Keller: XPS und Schaumglas sind die einzigen Materialien für den Einsatz im Erdreich bei Grundwasserkontakt. Für die Kellerdeckendämmung von unten eignen sich EPS, Steinwolle und Holzfaser.
  • Innendämmung: Holzfaser ist wegen der kapillaraktiven Feuchteregulierung die bewährteste Lösung. VIP und Aerogel kommen zum Einsatz, wenn der Platz extrem begrenzt ist. Ausführliche Informationen im Innendämmung-Ratgeber.

GEG-Anforderungen und Förderung: U-Werte im Überblick

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt maximale U-Werte vor, die bei der Sanierung von Bauteilen eingehalten werden müssen. Die Anforderungen gelten, wenn mehr als 10 % der Bauteilfläche erneuert werden. Für die Förderung über das BEG-Programm (Bundesförderung für effiziente Gebäude) gelten strengere Werte.

GEG-Höchstwerte vs. BEG-Förderanforderungen

Bauteil Max. U-Wert GEG (Pflicht) Max. U-Wert BEG (für Förderung)
Außenwand 0,24 W/(m²K) 0,20 W/(m²K)
Steildach 0,24 W/(m²K) 0,14 W/(m²K)
Flachdach 0,20 W/(m²K) 0,14 W/(m²K)
Oberste Geschossdecke 0,24 W/(m²K) 0,14 W/(m²K)
Kellerdecke / Bodenplatte 0,30 W/(m²K) 0,25 W/(m²K)
Fenster 1,3 W/(m²K) 0,95 W/(m²K)

Wichtig: Wer nur die GEG-Mindestanforderungen erfüllt, erhält keine Förderung. Die Förderung lohnt sich in den meisten Fällen: 15 % Grundzuschuss auf die förderfähigen Kosten, plus 5 % iSFP-Bonus (bei Vorlage eines individuellen Sanierungsfahrplans) -- insgesamt also bis zu 20 %. Die förderfähigen Kosten liegen bei maximal 60.000 EUR pro Wohneinheit und Kalenderjahr (mit iSFP). Ein dena-gelisteter Energieberater ist für die Antragstellung Pflicht.

Erforderliche Dämmstärken für BEG-Förderung (Außenwand, Bestandswand U = 1,5)

Dämmstoff Lambda W/(mK) Stärke für U = 0,20
PIR 0,023 ca. 11 cm
PUR 0,025 ca. 12 cm
EPS grau 0,032 ca. 15 cm
Steinwolle 0,035 ca. 17 cm
Holzfaser 0,042 ca. 20 cm

Hinweis: Die genaue erforderliche Stärke hängt von der Bestandswand ab. Die Tabelle zeigt Richtwerte für eine typische Bestandswand mit U = 1,5 W/(m²K).

Brandschutz: Brandklassen und die EPS-Kontroverse

Der Brandschutz ist eines der wichtigsten Auswahlkriterien für Dämmstoffe -- und gleichzeitig eines der am meisten diskutierten Themen, insbesondere bei EPS-Fassadendämmung.

Brandklassen nach DIN 4102

Brandklasse Bezeichnung Dämmstoffe
A1 Nicht brennbar Steinwolle, Glaswolle, Schaumglas
A2 Nicht brennbar (mit organischen Bestandteilen) VIP (bestimmte Varianten), Aerogel
B1 Schwerentflammbar EPS, XPS, Zellulose, Kork, PIR (bestimmte Varianten)
B2 Normal entflammbar PUR, Holzfaser, Hanf, Schafwolle

Die EPS-Brandschutz-Debatte

EPS wird nach DIN 4102 als B1 (schwerentflammbar) eingestuft, nach der europäischen Norm EN 13501 jedoch nur als E (normal entflammbar). Diese Diskrepanz hat zu einer intensiven öffentlichen Debatte geführt, die durch mehrere WDVS-Brände an Wohngebäuden befeuert wurde.

Die Fakten:

  • EPS schmilzt ab circa 140 Grad Celsius
  • Heißes Abtropfen ist möglich und kann Brände auf tiefer liegende Bereiche ausweiten
  • Die Mehrzahl der dokumentierten WDVS-Brände wurde durch Brände vor der Fassade ausgelöst -- typischerweise durch brennende Müllcontainer direkt an der Hauswand
  • Seit 2016 sind Brandriegel aus Mineralwolle alle zwei Geschosse Pflicht bei EPS-WDVS an Mehrfamilienhäusern

Konsequenzen für die Praxis:

  • Bei Einfamilienhäusern mit maximal zwei Geschossen ist EPS aus Brandschutzsicht unproblematisch, sofern keine besonderen Risiken vorliegen
  • Bei Mehrfamilienhäusern ab drei Geschossen sollte Mineralwolle als WDVS-Dämmstoff bevorzugt werden -- oder zumindest müssen die vorgeschriebenen Brandriegel korrekt ausgeführt werden
  • Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt Steinwolle (A1) oder Holzfaser (B2 -- brennt langsam ab, aber kein Schmelzen oder Abtropfen)

Recycling und Entsorgung: Was passiert am Lebensende?

Die Entsorgung von Dämmstoffen gewinnt zunehmend an Bedeutung, da Gebäude aus den 1980er und 1990er Jahren -- der ersten großen Sanierungswelle -- jetzt in die Nachsanierung kommen. Nicht alle Dämmstoffe sind gleich einfach zu entsorgen.

Entsorgung nach Dämmstofftyp

Dämmstoff Recycling/Entsorgung Besonderheiten
Mineralwolle Recycelbar über Rücknahmesysteme Rockcycle (Rockwool), Isover Return (Saint-Gobain)
EPS (ohne HBCD) Werkstofflich recycelbar Neue Produkte seit 2015 ohne HBCD
EPS (mit HBCD, vor 2013) Nur thermische Verwertung Sondermüll, Verbrennung bei über 1.100 °C
XPS Thermische Verwertung Begrenzt recycelbar
PUR/PIR Klebepressverfahren möglich Recycling zu Werkstoffplatten (z. B. puren GmbH)
Holzfaser Kompostierbar oder energetische Verwertung Unproblematisch
Zellulose Kompostierbar oder Recycling Unproblematisch
Hanf / Schafwolle / Kork Kompostierbar oder Wiederverwendung Unproblematisch
Schaumglas Als Schotter wiederverwendbar Langlebig
VIP / Aerogel Spezialentsorgung Problematisch

Das HBCD-Problem bei Altbestand-EPS

Bis 2013 wurde EPS mit dem Flammschutzmittel HBCD (Hexabromcyclododecan) behandelt. HBCD ist ein persistenter organischer Schadstoff (POP), der im Stockholmer Übereinkommen gelistet ist. Seit 2015 verwenden alle Hersteller das unbedenkliche polymere Flammschutzmittel (Polymer-FR).

Die Entsorgungsproblematik betrifft ausschließlich Altbestand: Millionen Quadratmeter EPS-Dämmung aus den 1980er bis 2010er Jahren enthalten HBCD und müssen als Sondermüll behandelt werden. Die Entsorgungskosten liegen deutlich über denen normaler Bauabfälle. Ein neuartiges Verfahren (CreaSolv) zur chemischen Trennung von HBCD und Polystyrol befindet sich in der Erprobung -- die einzige Recyclinganlage in Europa steht in Terneuzen (Niederlande).

Für neue Sanierungen bedeutet das: Wer heute EPS verbaut, hat kein HBCD-Problem. Wer alte EPS-Dämmung rückbaut, muss die Entsorgungskosten einkalkulieren. Bei Naturdämmstoffen (Holzfaser, Zellulose, Hanf) fällt dieses Problem nicht an -- sie können kompostiert oder thermisch verwertet werden.

Kosten im Gesamtüberblick: Material und Einbau

Die reinen Materialkosten sagen wenig über die tatsächlichen Sanierungskosten aus. Entscheidend sind die Kosten inklusive Einbau, Unterkonstruktion, Putz und gegebenenfalls Gerüst. Die folgende Tabelle zeigt typische Gesamtkosten für die häufigsten Dämmmaßnahmen.

Maßnahme Kosten komplett EUR/m² Typischer Dämmstoff
WDVS EPS ab 120 EPS (WLG 032--035)
WDVS Mineralwolle ab 140 Steinwolle (WLG 035)
WDVS Holzfaser ab 160 Holzfaser (WLG 042)
Kerndämmung (Einblas) 15--50 Zellulose, EPS-Kügelchen, Glaswolle
Zwischensparrendämmung 50--120 Glaswolle, Steinwolle, Holzfaser
Aufsparrendämmung 150--250 PUR/PIR, Holzfaser
Flachdachdämmung 100--180 PUR/PIR, EPS, XPS
Einblasdämmung (Hohlraum) 20--80 Zellulose, Glaswolle
Kellerdeckendämmung 30--70 EPS, Steinwolle, Holzfaser
Innendämmung (konventionell) 50--120 Holzfaser, Kalziumsilikat
Innendämmung (Aerogel-Putz) 100--150 Aerogel
Vorgehängte hinterlüftete Fassade 250--350 Steinwolle, Holzfaser

Alle Preise inklusive Material, Einbau und üblicher Nebenkosten. Stand: Anfang 2026. Regionale Abweichungen von 10--20 % sind möglich.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welcher Dämmstoff hat den besten Lambda-Wert?

Vakuumdämmplatten (VIP) mit Lambda 0,004--0,008 W/(mK) haben den besten Dämmwert aller verfügbaren Materialien. Im Bereich der konventionellen Plattendämmstoffe führt PIR mit Lambda 0,020--0,023. Unter den kostengünstigen Standarddämmstoffen bietet graues EPS mit Lambda 0,030--0,032 das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

Was kostet Dämmung pro Quadratmeter?

Die Materialkosten reichen von 5 EUR/m² (Glaswolle) bis über 200 EUR/m² (VIP). Für die häufigste Maßnahme -- ein WDVS mit EPS -- liegen die Gesamtkosten inklusive Einbau bei circa 120--160 EUR/m². Eine Einblasdämmung kostet komplett nur 15--80 EUR/m² und ist damit die günstigste Dämmmethode. Der WDVS-vs.-Einblasdämmung-Vergleich zeigt, wann welche Methode sinnvoller ist.

Welcher Dämmstoff ist der beste für die Fassade?

Für die Fassade mit WDVS sind drei Materialien Standard: EPS ist am günstigsten (ab 120 EUR/m²), Steinwolle bietet den besten Brandschutz (Klasse A1), und Holzfaser den besten sommerlichen Wärmeschutz und die beste Ökobilanz. Bei Einfamilienhäusern ist EPS in den meisten Fällen die wirtschaftlichste Wahl. Bei Mehrfamilienhäusern ab drei Geschossen sollte aus Brandschutzgründen Steinwolle bevorzugt werden. Eine detaillierte Kosten-Nutzen-Analyse finden Sie im Fassadendämmung-Ratgeber.

Sind ökologische Dämmstoffe genauso gut wie konventionelle?

In der reinen Dämmwirkung (Lambda-Wert) sind konventionelle Materialien im Vorteil: EPS und Mineralwolle dämmen bei gleicher Stärke circa 10--20 % besser als Holzfaser oder Zellulose. Dafür bieten Naturdämmstoffe einen deutlich besseren sommerlichen Wärmeschutz, eine negative CO2-Bilanz bei der Herstellung und eine unproblematische Entsorgung. Auf die gesamte Lebensdauer von 40--50 Jahren gerechnet spart jeder Dämmstoff ein Vielfaches seines Herstellungsfußabdrucks an Heizenergie ein -- der ökologische Unterschied zwischen den Materialien ist in der Gesamtbilanz daher gering. Eine gut gedämmte Wand ist unabhängig vom Material ökologisch besser als eine ungedämmte Wand. Mehr dazu im Ratgeber ökologische Dämmstoffe.

Welchen Dämmstoff soll ich für das Dach wählen?

Für bewohnte Dachgeschosse empfehlen sich Holzfaser oder Zellulose -- beide bieten hervorragenden sommerlichen Wärmeschutz mit Phasenverschiebungen von 8--12 Stunden. Glaswolle ist die günstigste Option für die Zwischensparrendämmung, bietet aber nur 5--7 Stunden Phasenverschiebung. PUR/PIR eignet sich für die Aufsparrendämmung, wenn der Aufbau dünn bleiben soll. Alle Details und Kosten im Dachdämmung-Ratgeber.

Brauche ich für die Förderung einen Energieberater?

Ja. Für die BEG-Förderung (BAFA-Zuschuss oder KfW-Kredit) ist ein bei der dena gelisteter Energieberater Pflicht. Dieser erstellt die technische Projektbeschreibung, bestätigt die Einhaltung der Mindestanforderungen und übernimmt die Antragstellung. Die Kosten für den Energieberater werden ebenfalls zu 50 % gefördert (bis maximal 5.000 EUR pro Wohneinheit). Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) bringt zusätzlich 5 % Förder-Bonus auf die Dämmmaßnahme.

Kann ich EPS-Dämmung nach 30 Jahren recyceln?

EPS-Dämmung, die nach 2015 verbaut wurde, enthält kein HBCD und ist werkstofflich recycelbar. Ältere EPS-Platten (vor 2013) enthalten in der Regel HBCD und müssen als Sondermüll thermisch entsorgt werden (Verbrennung bei über 1.100 Grad Celsius). Die Entsorgungskosten für HBCD-haltiges EPS sind deutlich höher als für andere Baustoffe. Bei Naturdämmstoffen (Holzfaser, Zellulose) fällt dieses Problem nicht an.

Was ist besser: Einblasdämmung oder WDVS?

Einblasdämmung ist deutlich günstiger (15--80 EUR/m² gegenüber 120--160 EUR/m² für WDVS), setzt aber voraus, dass ein geeigneter Hohlraum vorhanden ist -- etwa bei zweischaligem Mauerwerk, in Holzbalkendecken oder zwischen Sparren. Ein WDVS eignet sich für massive Außenwände und bietet die Möglichkeit, gleichzeitig die Fassade optisch zu erneuern. Der WDVS-vs.-Einblasdämmung-Vergleich analysiert beide Varianten im Detail.

Fazit: Kein Dämmstoff ist universell der beste

Die Wahl des richtigen Dämmstoffs hängt immer von der konkreten Anwendung ab:

  • Preis-Leistung Fassade: EPS (ab 120 EUR/m² im WDVS)
  • Brandschutz: Steinwolle oder Glaswolle (Klasse A1)
  • Sommerlicher Wärmeschutz: Holzfaser (Phasenverschiebung 8--12 Stunden)
  • Dünnster Aufbau: PIR (Lambda 0,020--0,023) oder VIP (Lambda 0,004--0,008)
  • Ökologische Bilanz: Holzfaser, Zellulose oder Hanf
  • Einblasdämmung: Zellulose (günstigstes Material mit bester Ökobilanz)
  • Erdreich / Feuchtigkeit: XPS oder Schaumglas
  • Denkmalschutz / Innendämmung bei Platzmangel: VIP oder Aerogel

Am Ende zählt vor allem eines: dass überhaupt gedämmt wird. Jeder der hier vorgestellten Dämmstoffe spart über seine Lebensdauer ein Vielfaches der Energie ein, die für seine Herstellung aufgewendet wurde. Die Unterschiede in der Ökobilanz zwischen den Materialien sind über 40--50 Jahre betrachtet gering im Vergleich zum Unterschied zwischen gedämmt und ungedämmt.

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