Dämmstoffe im Vergleich: Kosten, Eigenschaften & Einsatzbereiche
Dämmstoffe im Vergleich 2026: 8 Materialien mit WLG, Kosten pro m2, Brandschutz und Einsatzbereichen. Tabelle und Entscheidungshilfe für Ihre Sanierung.

Die Wahl des richtigen Dämmstoffs entscheidet über die Kosten, die Dämmwirkung, den Brandschutz und die Langlebigkeit einer Sanierungsmaßnahme. Allein auf dem deutschen Markt sind über 20 verschiedene Dämmmaterialien erhältlich -- von der günstigen EPS-Platte bis zum hochpreisigen Aerogel. Für die meisten Sanierungsprojekte kommen acht Materialien in Frage, die sich in ihren Eigenschaften deutlich unterscheiden.
Dieser Ratgeber vergleicht alle relevanten Dämmstoffe anhand harter Kennzahlen: Wärmeleitgruppe (WLG), Kosten pro Quadratmeter bei vergleichbarer Dämmwirkung, Brandschutzklasse, ökologische Bewertung und typische Einsatzbereiche. Am Ende wissen Sie, welches Material für welche Anwendung am besten geeignet ist.
Grundlagen: WLG, Lambda-Wert und U-Wert
Bevor die einzelnen Materialien verglichen werden, müssen drei zentrale Kenngrößen verstanden werden. Sie bestimmen, wie gut ein Material dämmt und wie dick die Dämmschicht sein muss.
Lambda-Wert (Wärmeleitfähigkeit)
Der Lambda-Wert (Formelzeichen: lambda) gibt an, wie viel Wärme ein Material pro Sekunde durch eine Fläche von einem Quadratmeter bei einem Temperaturunterschied von einem Kelvin leitet. Die Einheit ist W/(mK) -- Watt pro Meter und Kelvin.
Faustregel: Je kleiner der Lambda-Wert, desto besser dämmt das Material. Ein Dämmstoff mit lambda = 0,035 W/(mK) dämmt besser als einer mit lambda = 0,045 W/(mK). Um die gleiche Dämmwirkung zu erzielen, muss der Stoff mit dem höheren Lambda-Wert dicker aufgebracht werden.
Wärmeleitgruppe (WLG)
Die Wärmeleitgruppe ist die in Deutschland gebräuchliche Klassifizierung. Sie entspricht dem Lambda-Wert, multipliziert mit 1.000 und gerundet:
| Lambda-Wert | WLG |
|---|---|
| 0,024 W/(mK) | 024 |
| 0,032 W/(mK) | 032 |
| 0,035 W/(mK) | 035 |
| 0,040 W/(mK) | 040 |
| 0,045 W/(mK) | 045 |
Praxisbeispiel: Ein Dämmstoff der WLG 032 hat einen Lambda-Wert von 0,032 W/(mK). Um einen U-Wert von 0,24 W/(m2K) zu erreichen, benötigt man ca. 12 cm dieses Materials. Ein Dämmstoff der WLG 040 benötigt für denselben U-Wert ca. 16 cm.
U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient)
Der U-Wert beschreibt, wie viel Wärme durch ein komplettes Bauteil (z. B. eine Wand inklusive Dämmung, Mauerwerk und Putz) pro Quadratmeter und Kelvin Temperaturdifferenz fließt. Er wird in W/(m2K) angegeben.
Anforderungen nach BEG EM (für BAFA-Förderung):
| Bauteil | Maximaler U-Wert für Förderung |
|---|---|
| Außenwand | 0,24 W/(m2K) |
| Dachfläche | 0,14 W/(m2K) |
| Oberste Geschossdecke | 0,14 W/(m2K) |
| Kellerdecke / Bodenplatte | 0,30 W/(m2K) |
Der große Dämmstoff-Vergleich: 8 Materialien
Die folgende Tabelle zeigt alle acht relevanten Dämmstoffe im direkten Vergleich. Die Kosten sind auf eine vergleichbare Dämmwirkung normiert (U-Wert 0,24 W/(m2K) bei einer Bestandswand mit U = 1,5 W/(m2K)):
| Dämmstoff | WLG | Lambda W/(mK) | Erforderliche Dicke (U = 0,24) | Materialkosten pro m2 (bei dieser Dicke) | Brandklasse | Ökologische Bewertung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| EPS (Styropor) | 032--035 | 0,032--0,035 | 12--14 cm | 12--22 EUR | B1 | Mittel |
| Mineralwolle (Steinwolle) | 035--040 | 0,035--0,040 | 14--16 cm | 16--28 EUR | A1 | Mittel |
| XPS | 030--040 | 0,030--0,040 | 12--16 cm | 25--45 EUR | B1 | Gering |
| PUR/PIR | 024--028 | 0,024--0,028 | 9--11 cm | 30--50 EUR | B1/B2 | Gering |
| Holzfaser | 038--045 | 0,038--0,045 | 15--18 cm | 30--55 EUR | B1 | Sehr gut |
| Zellulose | 038--042 | 0,038--0,042 | 15--17 cm | 10--20 EUR | B2 | Sehr gut |
| Hanf | 040--045 | 0,040--0,045 | 16--18 cm | 20--35 EUR | B2 | Sehr gut |
| Schaumglas | 040--050 | 0,040--0,050 | 16--20 cm | 50--90 EUR | A1 | Gut |
Hinweis: Die Kosten beziehen sich auf den reinen Materialpreis. Einbaukosten variieren je nach Methode und Bauteil.
EPS (expandiertes Polystyrol / Styropor)
EPS ist der meistverwendete Dämmstoff in Deutschland. Rund 30 % aller Dämmstoffe am Markt sind EPS-Produkte. Der Grund: EPS bietet ein sehr gutes Verhältnis aus Dämmwirkung und Preis.
Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| WLG | 032--035 |
| Rohdichte | 15--30 kg/m3 |
| Druckfestigkeit | 60--200 kPa |
| Brandklasse | B1 (schwer entflammbar) |
| Wasseraufnahme | Gering (< 3 Vol.-%) |
| Diffusionswiderstand (mu) | 20--100 |
| Lebensdauer | 40--50 Jahre |
Einsatzbereiche
- WDVS (Fassade): Der Standard-Dämmstoff für Wärmedämmverbundsysteme. Ca. 80 % aller WDVS verwenden EPS.
- Geschossdecke (begehbar): EPS-Platten mit hoher Druckfestigkeit als begehbare Dämmung.
- Perimeterdämmung: Spezielle EPS-Typen (erhöhte Druckfestigkeit, geringe Wasseraufnahme) für erdberührte Bauteile.
Vorteile und Nachteile
Vorteile: Günstigster Dämmstoff, leicht zu verarbeiten, gute Dämmwirkung, bewährtes System (seit über 60 Jahren), geringes Gewicht.
Nachteile: Brennbar (B1), kein sommerlicher Wärmeschutz (geringe Wärmespeicherfähigkeit), erdölbasiert, Recycling eingeschränkt (wird besser), Algenbildung auf WDVS möglich (biozidhaltige Putze nötig).
Tipp: EPS ist der wirtschaftlichste Dämmstoff für die meisten Fassaden- und Geschossdeckendämmungen. Wenn Brandschutz oder Ökologie für Sie Priorität haben, greifen Sie zu Mineralwolle oder Holzfaser.
Mineralwolle (Steinwolle / Glaswolle)
Mineralwolle ist der zweithäufigste Dämmstoff in Deutschland. Sie umfasst zwei Varianten: Steinwolle (aus Basalt/Diabas geschmolzen) und Glaswolle (aus Altglas und Sand). Beide haben ähnliche Dämmeigenschaften, unterscheiden sich aber in Rohdichte und Brandverhalten.
Eigenschaften
| Eigenschaft | Steinwolle | Glaswolle |
|---|---|---|
| WLG | 035--040 | 032--040 |
| Rohdichte | 20--200 kg/m3 | 15--80 kg/m3 |
| Brandklasse | A1 (nicht brennbar) | A1 (nicht brennbar) |
| Schmelzpunkt | > 1.000 C | > 700 C |
| Diffusionswiderstand (mu) | 1--2 | 1--2 |
| Lebensdauer | 40--50 Jahre | 40--50 Jahre |
Einsatzbereiche
- Zwischensparrendämmung (Dach): Der Standard für die Dachdämmung. Klemmfilze aus Mineralwolle werden zwischen die Sparren geklemmt.
- WDVS (Fassade): Mineralwolle-Lamellenplatten als Alternative zu EPS, besonders bei erhöhten Brandschutzanforderungen (Hochhäuser, Brandriegel).
- Innendämmung (Vorsatzschale): Mineralwolle-Matten in der Unterkonstruktion.
- Geschossdecke: Auflegematten oder Einblasflocken.
- Kellerdecke: Steinwolle-Platten von unten geklebt.
Vorteile und Nachteile
Vorteile: Nicht brennbar (A1), sehr guter Schallschutz, dampfdurchlässig, formstabil, breites Einsatzspektrum.
Nachteile: Teurer als EPS, empfindlich gegen Feuchtigkeit (Dämmwirkung sinkt bei Durchfeuchtung), bei der Verarbeitung staubend (Hautreizung, Atemschutz empfohlen), schwerer als EPS.
XPS (extrudiertes Polystyrol)
XPS ist der feuchteresistente Bruder von EPS. Durch das Extrusionsverfahren entsteht eine geschlossenzellige Struktur, die kaum Wasser aufnimmt. XPS ist damit der Spezialist für feuchtebelastete Einsatzbereiche.
Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| WLG | 030--040 |
| Rohdichte | 25--45 kg/m3 |
| Druckfestigkeit | 200--700 kPa |
| Brandklasse | B1 (schwer entflammbar) |
| Wasseraufnahme | Sehr gering (< 0,7 Vol.-%) |
| Diffusionswiderstand (mu) | 80--250 |
| Lebensdauer | 40--50 Jahre |
Einsatzbereiche
- Perimeterdämmung: Erdberührte Bauteile (Kellerwände, Bodenplatte). Hier ist XPS der Standard, da es dauerhaft gegen Erdfeuchte und drückendes Wasser beständig ist.
- Umkehrdach: Dämmung oberhalb der Dachabdichtung.
- Sockeldämmung: Spritzwasserbereich am Gebäudesockel.
Vorteile und Nachteile
Vorteile: Extrem feuchteresistent, hohe Druckfestigkeit, kein Kapillartransport, frostbeständig.
Nachteile: Teurer als EPS, höherer CO2-Fußabdruck als EPS (energieintensivere Herstellung), in der Fläche (Fassade, Dach) unwirtschaftlich -- dort ist EPS oder Mineralwolle günstiger.
Tipp: Verwenden Sie XPS nur dort, wo es wirklich gebraucht wird: an erdberührten Bauteilen und im Spritzwasserbereich. Für Fassade, Dach und Geschossdecke gibt es günstigere Alternativen.
PUR/PIR (Polyurethan / Polyisocyanurat)
PUR- und PIR-Platten haben die beste Dämmwirkung aller gängigen Dämmstoffe. Mit einem Lambda-Wert von 0,024--0,028 W/(mK) benötigen sie die geringste Aufbaustärke für einen gegebenen U-Wert. Das macht sie zur ersten Wahl, wenn Platz knapp ist.
Eigenschaften
| Eigenschaft | PUR | PIR |
|---|---|---|
| WLG | 024--028 | 024--026 |
| Rohdichte | 30--80 kg/m3 | 30--60 kg/m3 |
| Druckfestigkeit | 100--500 kPa | 100--300 kPa |
| Brandklasse | B2 (normal entflammbar) | B1 (schwer entflammbar) |
| Wasseraufnahme | Gering | Gering |
| Lebensdauer | 40--50 Jahre | 40--50 Jahre |
PIR ist eine Weiterentwicklung von PUR mit verbessertem Brandverhalten. In der Praxis werden beide oft synonym verwendet.
Einsatzbereiche
- Aufsparrendämmung (Dach): PUR/PIR-Platten auf den Sparren sind der Standard für die Aufsparrendämmung. Dank der geringen Aufbauhöhe bleibt die Dachform schlank.
- Flachdachdämmung: Sehr häufig als Wärmedämmung unter der Dachabdichtung.
- Innendämmung: Verbundplatten (PUR + Gipskarton) für die Innendämmung mit minimalem Aufbau.
- Kellerdeckendämmung: PIR-Platten von unten für geringstmöglichen Höhenverlust im Keller.
- Fußbodendämmung: Unter Estrich, wenn geringe Aufbauhöhe gefordert ist.
Vorteile und Nachteile
Vorteile: Beste Dämmwirkung pro Zentimeter, geringe Wasseraufnahme, vielseitig einsetzbar, leicht.
Nachteile: Teurer als EPS und Mineralwolle, erdölbasiert, PUR nur B2 (normal entflammbar), Recycling schwierig, bei Brand Entwicklung giftiger Gase (Isocyanate).
Holzfaser
Holzfaserplatten sind der bekannteste ökologische Dämmstoff. Sie werden aus Holzresten (Schwachholz, Sägewerksabfälle) unter Druck und Hitze zu Platten gepresst. Kein Klebstoff nötig -- das holzeigene Lignin bindet die Fasern.
Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| WLG | 038--045 |
| Rohdichte | 110--270 kg/m3 |
| Spezifische Wärmekapazität | 2.100 J/(kgK) |
| Brandklasse | B1 (schwer entflammbar, mit Behandlung) |
| Diffusionswiderstand (mu) | 3--10 |
| Lebensdauer | 40--60 Jahre |
Besonderheit: Sommerlicher Wärmeschutz
Holzfaser hat eine extrem hohe Wärmespeicherfähigkeit (2.100 J/(kgK) -- zum Vergleich: EPS hat nur 1.500 J/(kgK), Mineralwolle ca. 1.000 J/(kgK)). In Kombination mit der hohen Rohdichte ergibt sich eine Phasenverschiebung von 10--14 Stunden bei Dachkonstruktionen. Das bedeutet: Die sommerliche Hitze, die tagsüber auf das Dach trifft, erreicht den Innenraum erst in den kühlen Nachtstunden. Dieser Effekt ist bei keinem anderen gängigen Dämmstoff so ausgeprägt.
Einsatzbereiche
- WDVS (Fassade): Holzfaser-WDVS als ökologische Alternative zu EPS. Auch für Putzfassaden zugelassen.
- Zwischensparrendämmung (Dach): Flexible Holzfasermatten zwischen den Sparren, ergänzt durch eine Holzfaser-Unterdeckplatte als Witterungsschutz.
- Aufsparrendämmung: Druckfeste Holzfaserplatten auf den Sparren.
- Innendämmung: Kapillaraktive Holzfaserplatten als Alternative zu Kalziumsilikat.
Vorteile und Nachteile
Vorteile: Hervorragender sommerlicher Wärmeschutz, CO2-Speicher (bindet ca. 1,0--1,3 kg CO2 pro kg), dampfdurchlässig, kapillaraktiv, gute Schallschutzwirkung, nachwachsender Rohstoff.
Nachteile: Teurer als konventionelle Dämmstoffe (Aufpreis ca. 10--30 %), höhere Aufbaustärke als EPS oder PUR, empfindlich gegen dauerhafte Durchfeuchtung, brandschutztechnisch schlechter als Mineralwolle.
Tipp: Holzfaser lohnt sich besonders bei der Dachdämmung, wo der sommerliche Wärmeschutz den größten Unterschied macht. Unter einem ungedämmten Dach mit EPS wird es im Sommer deutlich heißer als unter einem mit Holzfaser gedämmten Dach.
Zellulose
Zellulose-Einblasdämmung wird aus geschreddertem Altpapier (90--95 %) und Borsalzen als Flammschutz (5--10 %) hergestellt. Sie wird als lose Flocken in Hohlräume eingeblasen oder auf Flächen aufgesprüht.
Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| WLG | 038--042 |
| Rohdichte (eingebaut) | 28--65 kg/m3 |
| Spezifische Wärmekapazität | 2.000 J/(kgK) |
| Brandklasse | B2 (normal entflammbar) |
| Diffusionswiderstand (mu) | 1--2 |
| Lebensdauer | 30--50 Jahre |
Einsatzbereiche
- Zwischensparrendämmung (Dach): Einblasen in die Sparrenfelder (Dachschräge). Besonders bei ungleichmäßigen Sparrenabständen vorteilhaft, da keine Zuschnitte nötig sind.
- Geschossdeckendämmung: Aufblasen auf die oberste Geschossdecke (günstigste Variante).
- Holzbalkendecken: Einblasen in Hohlräume von Holzbalkendecken.
- Holzständerwände: Einblasen in die Gefache von Holzrahmenkonstruktionen.
- Einblasdämmung in zweischaligem Mauerwerk: Füllung des Hohlraums bei zweischaligen Außenwänden.
Vorteile und Nachteile
Vorteile: Günstigster ökologischer Dämmstoff, fugenloses Einblasen (keine Wärmebrücken an Stößen), Recyclingprodukt (>90 % Altpapier), guter sommerlicher Wärmeschutz, hohe Schalldämmung.
Nachteile: Nur durch Fachbetrieb mit Einblasmaschine einzubringen, nicht als Platte verfügbar (außer als gebundene Zelluloseplatte -- teurer), Brandklasse nur B2, Setzverhalten von ca. 5--10 % bei horizontaler Anwendung, Borsalze als Flammschutz in der Diskussion.
Hanf
Hanfdämmung wird aus den Fasern der Industriehanfpflanze hergestellt. Sie ist als Matten, Platten und Stopfwolle erhältlich. Hanf wächst ohne Pestizide und Herbizide und bindet während des Wachstums CO2.
Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| WLG | 040--045 |
| Rohdichte | 25--100 kg/m3 |
| Spezifische Wärmekapazität | 1.600--2.300 J/(kgK) |
| Brandklasse | B2 (normal entflammbar) |
| Diffusionswiderstand (mu) | 1--2 |
| Lebensdauer | 40--50 Jahre |
Einsatzbereiche
- Zwischensparrendämmung (Dach): Hanfmatten als Klemmfilz zwischen den Sparren.
- Innendämmung (Vorsatzschale): Hanfmatten in der Unterkonstruktion.
- Holzrahmenbau: Ausfachung der Gefache.
Vorteile und Nachteile
Vorteile: Nachwachsender Rohstoff, pestizidfrei, guter Feuchtigkeitstransport, angenehme Verarbeitung (keine Hautreizung wie bei Mineralwolle), gute Schallschutzwirkung.
Nachteile: Begrenzte Verfügbarkeit in Deutschland, höherer Preis als Mineralwolle, Brandklasse nur B2, nicht als Einblasdämmung verfügbar.
Schaumglas
Schaumglas wird aus recyceltem Altglas geschäumt und ist der robusteste Dämmstoff im Vergleich. Es nimmt kein Wasser auf, ist nicht brennbar und druckfest. Schaumglas ist der Spezialist für extreme Anforderungen.
Eigenschaften
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| WLG | 040--050 |
| Rohdichte | 100--165 kg/m3 |
| Druckfestigkeit | 400--1.600 kPa |
| Brandklasse | A1 (nicht brennbar) |
| Wasseraufnahme | 0 Vol.-% |
| Diffusionswiderstand (mu) | Dampfdicht |
| Lebensdauer | > 50 Jahre |
Einsatzbereiche
- Perimeterdämmung (Keller, Bodenplatte): Dort, wo dauerhaft drückendes Wasser ansteht.
- Flachdachdämmung: Unter der Dachabdichtung auf Betondächern.
- Industriebauten: Dort, wo Brandschutz A1 und mechanische Belastbarkeit gefordert sind.
Vorteile und Nachteile
Vorteile: Absolut wasserundurchlässig, nicht brennbar (A1), extrem druckfest, verrottungsfest, frei von Schadstoffen.
Nachteile: Teuerster Dämmstoff im Vergleich (50--90 EUR/m2), schwer, hoher Energieaufwand bei der Herstellung, spröde (bricht bei Verformung).
Welcher Dämmstoff für welchen Einsatzbereich?
Die folgende Entscheidungsmatrix zeigt, welche Materialien für welchen Einsatzbereich am besten geeignet sind:
| Einsatzbereich | Erste Wahl | Alternative | Nicht geeignet |
|---|---|---|---|
| Fassade (WDVS) | EPS (WLG 032) | Mineralwolle, Holzfaser | Zellulose, Schaumglas |
| Fassade (Einblasdämmung) | Zellulose, Mineralwollegranulat | EPS-Granulat | Schaumglas, Hanf |
| Dachdämmung (Zwischensparren) | Mineralwolle | Holzfaser, Zellulose, Hanf | XPS, Schaumglas |
| Dachdämmung (Aufsparren) | PUR/PIR | Holzfaser | EPS, Zellulose |
| Oberste Geschossdecke | Zellulose (Aufblas) | EPS/Mineralwolle (Platten) | Schaumglas |
| Kellerdecke | EPS, Mineralwolle | PUR/PIR (bei geringer Deckenhöhe) | Zellulose, Holzfaser |
| Perimeter (erdberührt) | XPS | Schaumglas | EPS, Mineralwolle, Holzfaser |
| Innendämmung | Kalziumsilikat | Holzfaser, PUR-Verbund | EPS, Zellulose |
Kostenvergleich bei gleicher Dämmwirkung
Entscheidend für den Kostenvergleich ist nicht der Preis pro Quadratmeter bei gleicher Materialstärke, sondern der Preis bei gleicher Dämmwirkung. Denn ein Material mit besserer WLG benötigt weniger Stärke und damit weniger Fläche an Material.
Vergleichsbasis: Erreichung eines U-Werts von 0,20 W/(m2K) an einer Außenwand (Bestandswand: Vollziegel 36 cm, U-Wert ca. 1,5 W/(m2K)):
| Dämmstoff | Erforderliche Stärke | Materialkosten pro m2 | Einbaukosten pro m2 | Gesamtkosten pro m2 |
|---|---|---|---|---|
| EPS (WLG 032) | 14 cm | 14--22 EUR | 35--50 EUR | 49--72 EUR |
| Mineralwolle (WLG 035) | 16 cm | 18--28 EUR | 40--55 EUR | 58--83 EUR |
| PUR/PIR (WLG 024) | 10 cm | 30--45 EUR | 30--45 EUR | 60--90 EUR |
| Holzfaser (WLG 040) | 18 cm | 35--55 EUR | 45--60 EUR | 80--115 EUR |
| Zellulose (WLG 040, Einblas) | 18 cm | 12--20 EUR | 15--25 EUR | 27--45 EUR |
| XPS (WLG 035) | 16 cm | 30--48 EUR | 35--50 EUR | 65--98 EUR |
| Hanf (WLG 042) | 18 cm | 22--38 EUR | 40--55 EUR | 62--93 EUR |
| Schaumglas (WLG 045) | 20 cm | 55--95 EUR | 50--70 EUR | 105--165 EUR |
Kosten als WDVS-Fassadendämmung (außer Zellulose: Einblasdämmung in zweischaligem Mauerwerk). Stand: Anfang 2026.
Die Zellulose-Einblasdämmung ist mit Abstand am günstigsten -- allerdings nur bei zweischaligem Mauerwerk möglich. Für das WDVS ist EPS die wirtschaftlichste Option. PUR/PIR und Holzfaser kosten 30--60 % mehr, bieten dafür aber spezifische Vorteile (geringe Dicke bzw. sommerlicher Wärmeschutz).
Brandschutzklassen im Überblick
| Klasse | Bezeichnung | Dämmstoffe |
|---|---|---|
| A1 | Nicht brennbar | Mineralwolle (Stein-/Glaswolle), Schaumglas, Kalziumsilikat, Perlite |
| A2 | Nicht brennbar (mit geringem brennbarem Anteil) | Einige Mineralwollprodukte mit Bindemittel |
| B1 | Schwer entflammbar | EPS (mit Flammschutzmittel), XPS, PIR, Holzfaser (behandelt) |
| B2 | Normal entflammbar | PUR, Zellulose, Hanf, Schafwolle |
| B3 | Leicht entflammbar | Nicht zulässig im Hochbau |
Relevanz in der Praxis:
- Hochhäuser (ab 22 m Höhe): WDVS muss Brandklasse A erreichen. Nur Mineralwolle-WDVS ist zulässig.
- Brandriegel: Bei EPS-WDVS müssen alle zwei Geschosse umlaufende Brandriegel aus Mineralwolle eingebaut werden.
- Innenräume: Für die Innendämmung ist Brandklasse A1 (Mineralwolle, Kalziumsilikat) die sicherste Wahl.
- Geschossdecke/Dach: Die Anforderungen hängen von der Nutzung und der Gebäudeklasse ab.
Ökologische Bewertung: Graue Energie und CO2-Fußabdruck
| Dämmstoff | Primärenergie (MJ/kg) | CO2-Äquivalent (kg CO2/kg) | Recycelbar? | Nachwachsend? |
|---|---|---|---|---|
| EPS | 85--105 | 3,0--3,5 | Eingeschränkt | Nein (erdölbasiert) |
| Mineralwolle | 15--25 | 1,0--1,5 | Ja (Schmelze) | Nein (mineralisch) |
| XPS | 90--120 | 3,5--4,5 | Schwierig | Nein (erdölbasiert) |
| PUR/PIR | 90--110 | 3,5--4,0 | Schwierig | Nein (erdölbasiert) |
| Holzfaser | 8--15 | -1,0 bis -1,3 (CO2-Senke) | Ja (Kompostierung) | Ja |
| Zellulose | 3--8 | -0,5 bis -1,0 (CO2-Senke) | Ja (Kompostierung) | Ja (Recyclingpapier) |
| Hanf | 5--12 | -1,0 bis -1,5 (CO2-Senke) | Ja (Kompostierung) | Ja |
| Schaumglas | 20--30 | 1,5--2,5 | Ja (Schmelze) | Nein (Recyclingglas) |
Holzfaser, Zellulose und Hanf haben eine negative CO2-Bilanz: Sie speichern mehr CO2, als bei ihrer Herstellung freigesetzt wird. Auf die gesamte Lebensdauer gerechnet ist der ökologische Vorteil allerdings relativ gering, weil die eingesparte Heizenergie den Herstellungs-Fußabdruck nach wenigen Jahren überwiegt -- unabhängig vom Material. Der ökologische Unterschied zwischen den Dämmstoffen wird durch die Energieeinsparung nivelliert.
Tipp: Wählen Sie den Dämmstoff primär nach technischer Eignung, Kosten und Brandschutz. Die ökologische Bewertung kann bei ansonsten gleichwertigen Optionen den Ausschlag geben. Ein ökologischer Dämmstoff, der zu dünn oder am falschen Ort eingesetzt wird, ist weniger nachhaltig als ein konventioneller Dämmstoff in der richtigen Anwendung.
Rechenbeispiel: Fassadendämmung mit verschiedenen Materialien
Ausgangssituation:
- Einfamilienhaus, 120 m2 Fassadenfläche (abzüglich Fenster)
- Bestandswand: 36 cm Vollziegel, U-Wert 1,5 W/(m2K)
- Ziel-U-Wert: 0,20 W/(m2K) (BAFA-Förderung)
| Variante | Stärke | Materialkosten | Gesamtkosten (inkl. Einbau) | BAFA 20 % (iSFP) | Eigenanteil |
|---|---|---|---|---|---|
| EPS (WLG 032) | 14 cm | 1.680--2.640 EUR | 5.880--8.640 EUR | 1.176--1.728 EUR | 4.704--6.912 EUR |
| Mineralwolle (WLG 035) | 16 cm | 2.160--3.360 EUR | 6.960--9.960 EUR | 1.392--1.992 EUR | 5.568--7.968 EUR |
| Holzfaser (WLG 040) | 18 cm | 4.200--6.600 EUR | 9.600--13.800 EUR | 1.920--2.760 EUR | 7.680--11.040 EUR |
| PUR/PIR (WLG 024) | 10 cm | 3.600--5.400 EUR | 7.200--10.800 EUR | 1.440--2.160 EUR | 5.760--8.640 EUR |
Die Kostendifferenz zwischen EPS und Holzfaser beträgt rund 3.000--5.000 EUR für die gesamte Fassade. Ob dieser Aufpreis für den besseren sommerlichen Wärmeschutz und die ökologische Bilanz gerechtfertigt ist, muss individuell entschieden werden.
Häufige Fragen
Welcher Dämmstoff ist der günstigste?
EPS (Styropor) ist der günstigste Plattendämmstoff mit 12--22 EUR/m2 bei 12--14 cm Stärke. Zellulose-Einblasdämmung ist insgesamt am günstigsten (10--20 EUR/m2), aber nur für bestimmte Anwendungen geeignet (Geschossdecke, Hohlräume, Sparrenfelder). Für das WDVS an der Fassade bleibt EPS die wirtschaftlichste Wahl.
Was ist besser: EPS oder Mineralwolle?
Das hängt vom Einsatzbereich ab. Für das WDVS ist EPS günstiger und ausreichend. Wenn Brandschutz Priorität hat (Hochhäuser, öffentliche Gebäude), ist Mineralwolle (Brandklasse A1) zwingend. Für die Dachdämmung (Zwischensparren) ist Mineralwolle der Standard, weil sie sich gut zwischen die Sparren klemmen lässt und nicht brennbar ist.
Was bedeutet WLG und warum ist sie wichtig?
Die Wärmeleitgruppe (WLG) gibt an, wie gut ein Material dämmt. WLG 032 bedeutet einen Lambda-Wert von 0,032 W/(mK). Je niedriger die Zahl, desto besser die Dämmwirkung und desto dünner kann die Dämmschicht sein. Die WLG bestimmt damit direkt die erforderliche Aufbaustärke und beeinflusst die Gesamtkosten.
Welcher Dämmstoff hat den besten sommerlichen Wärmeschutz?
Holzfaser hat mit Abstand den besten sommerlichen Wärmeschutz. Die Kombination aus hoher Wärmespeicherfähigkeit (2.100 J/(kgK)) und hoher Rohdichte (110--270 kg/m3) ergibt eine Phasenverschiebung von 10--14 Stunden. EPS und PUR haben deutlich geringere Wärmespeicherfähigkeiten und bieten kaum sommerlichen Wärmeschutz.
Sind ökologische Dämmstoffe genauso gut wie konventionelle?
In Bezug auf die Winterdämmwirkung: Ja, wenn die Stärke entsprechend angepasst wird. Holzfaser (WLG 040) benötigt ca. 25 % mehr Stärke als EPS (WLG 032) für denselben U-Wert. Die zusätzlichen Vorteile (sommerlicher Wärmeschutz, CO2-Speicherung, Kapillaraktivität) können je nach Anwendung den Mehrpreis rechtfertigen. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie in unserem Ratgeber zu ökologischen Dämmstoffen.
Welcher Dämmstoff eignet sich für den Keller?
Für die Kellerdeckendämmung von unten sind EPS-Platten der Standard (günstig, gute Dämmwirkung). PIR-Platten bieten die geringste Aufbauhöhe. Mineralwolle ist die Wahl, wenn Brandschutz A1 gefordert ist (Keller mit Heizungsanlage). Für die Perimeterdämmung (Kellerwand erdberührt) ist XPS oder Schaumglas erforderlich, da nur diese Materialien dauerhaft feuchteresistent sind.
Fazit und nächste Schritte
Die Wahl des Dämmstoffs richtet sich nach dem Einsatzbereich, dem Budget und den individuellen Prioritäten (Brandschutz, Ökologie, Platz). Für die meisten Sanierungsprojekte gilt:
- Fassade (WDVS): EPS als wirtschaftlichster Standard, Holzfaser als ökologische Alternative.
- Dach (Zwischensparren): Mineralwolle als bewährter Standard, Holzfaser für besseren Sommerwärmeschutz.
- Geschossdecke: Zellulose (Aufblas) für nicht begehbare, EPS-Platten für begehbare Lösungen.
- Keller: EPS oder Mineralwolle von unten, XPS für erdberührte Bauteile.
- Innendämmung: Kalziumsilikat als sicherste Lösung ohne Dampfbremse.
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Alle Heizungsarten 2026 im Vergleich: Anschaffung, laufende Kosten, Förderung bis 70 % und CO₂-Bilanz. Mit 20-Jahres-Kostenrechnung und Entscheidungshilfe.
