Reduco
Vergleich16 Min. Lesezeit

Dämmstoffe im Vergleich: Kosten, Eigenschaften & Einsatzbereiche

Dämmstoffe im Vergleich 2026: 8 Materialien mit WLG, Kosten pro m2, Brandschutz und Einsatzbereichen. Tabelle und Entscheidungshilfe für Ihre Sanierung.

Verschiedene Dämmstoffe im Querschnitt: EPS, Mineralwolle, Holzfaser und PUR

Die Wahl des richtigen Dämmstoffs entscheidet über die Kosten, die Dämmwirkung, den Brandschutz und die Langlebigkeit einer Sanierungsmaßnahme. Allein auf dem deutschen Markt sind über 20 verschiedene Dämmmaterialien erhältlich -- von der günstigen EPS-Platte bis zum hochpreisigen Aerogel. Für die meisten Sanierungsprojekte kommen acht Materialien in Frage, die sich in ihren Eigenschaften deutlich unterscheiden.

Dieser Ratgeber vergleicht alle relevanten Dämmstoffe anhand harter Kennzahlen: Wärmeleitgruppe (WLG), Kosten pro Quadratmeter bei vergleichbarer Dämmwirkung, Brandschutzklasse, ökologische Bewertung und typische Einsatzbereiche. Am Ende wissen Sie, welches Material für welche Anwendung am besten geeignet ist.

Grundlagen: WLG, Lambda-Wert und U-Wert

Bevor die einzelnen Materialien verglichen werden, müssen drei zentrale Kenngrößen verstanden werden. Sie bestimmen, wie gut ein Material dämmt und wie dick die Dämmschicht sein muss.

Lambda-Wert (Wärmeleitfähigkeit)

Der Lambda-Wert (Formelzeichen: lambda) gibt an, wie viel Wärme ein Material pro Sekunde durch eine Fläche von einem Quadratmeter bei einem Temperaturunterschied von einem Kelvin leitet. Die Einheit ist W/(mK) -- Watt pro Meter und Kelvin.

Faustregel: Je kleiner der Lambda-Wert, desto besser dämmt das Material. Ein Dämmstoff mit lambda = 0,035 W/(mK) dämmt besser als einer mit lambda = 0,045 W/(mK). Um die gleiche Dämmwirkung zu erzielen, muss der Stoff mit dem höheren Lambda-Wert dicker aufgebracht werden.

Wärmeleitgruppe (WLG)

Die Wärmeleitgruppe ist die in Deutschland gebräuchliche Klassifizierung. Sie entspricht dem Lambda-Wert, multipliziert mit 1.000 und gerundet:

Lambda-Wert WLG
0,024 W/(mK) 024
0,032 W/(mK) 032
0,035 W/(mK) 035
0,040 W/(mK) 040
0,045 W/(mK) 045

Praxisbeispiel: Ein Dämmstoff der WLG 032 hat einen Lambda-Wert von 0,032 W/(mK). Um einen U-Wert von 0,24 W/(m2K) zu erreichen, benötigt man ca. 12 cm dieses Materials. Ein Dämmstoff der WLG 040 benötigt für denselben U-Wert ca. 16 cm.

U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient)

Der U-Wert beschreibt, wie viel Wärme durch ein komplettes Bauteil (z. B. eine Wand inklusive Dämmung, Mauerwerk und Putz) pro Quadratmeter und Kelvin Temperaturdifferenz fließt. Er wird in W/(m2K) angegeben.

Anforderungen nach BEG EM (für BAFA-Förderung):

Bauteil Maximaler U-Wert für Förderung
Außenwand 0,24 W/(m2K)
Dachfläche 0,14 W/(m2K)
Oberste Geschossdecke 0,14 W/(m2K)
Kellerdecke / Bodenplatte 0,30 W/(m2K)

Der große Dämmstoff-Vergleich: 8 Materialien

Die folgende Tabelle zeigt alle acht relevanten Dämmstoffe im direkten Vergleich. Die Kosten sind auf eine vergleichbare Dämmwirkung normiert (U-Wert 0,24 W/(m2K) bei einer Bestandswand mit U = 1,5 W/(m2K)):

Dämmstoff WLG Lambda W/(mK) Erforderliche Dicke (U = 0,24) Materialkosten pro m2 (bei dieser Dicke) Brandklasse Ökologische Bewertung
EPS (Styropor) 032--035 0,032--0,035 12--14 cm 12--22 EUR B1 Mittel
Mineralwolle (Steinwolle) 035--040 0,035--0,040 14--16 cm 16--28 EUR A1 Mittel
XPS 030--040 0,030--0,040 12--16 cm 25--45 EUR B1 Gering
PUR/PIR 024--028 0,024--0,028 9--11 cm 30--50 EUR B1/B2 Gering
Holzfaser 038--045 0,038--0,045 15--18 cm 30--55 EUR B1 Sehr gut
Zellulose 038--042 0,038--0,042 15--17 cm 10--20 EUR B2 Sehr gut
Hanf 040--045 0,040--0,045 16--18 cm 20--35 EUR B2 Sehr gut
Schaumglas 040--050 0,040--0,050 16--20 cm 50--90 EUR A1 Gut

Hinweis: Die Kosten beziehen sich auf den reinen Materialpreis. Einbaukosten variieren je nach Methode und Bauteil.

EPS (expandiertes Polystyrol / Styropor)

EPS ist der meistverwendete Dämmstoff in Deutschland. Rund 30 % aller Dämmstoffe am Markt sind EPS-Produkte. Der Grund: EPS bietet ein sehr gutes Verhältnis aus Dämmwirkung und Preis.

Eigenschaften

Eigenschaft Wert
WLG 032--035
Rohdichte 15--30 kg/m3
Druckfestigkeit 60--200 kPa
Brandklasse B1 (schwer entflammbar)
Wasseraufnahme Gering (< 3 Vol.-%)
Diffusionswiderstand (mu) 20--100
Lebensdauer 40--50 Jahre

Einsatzbereiche

  • WDVS (Fassade): Der Standard-Dämmstoff für Wärmedämmverbundsysteme. Ca. 80 % aller WDVS verwenden EPS.
  • Geschossdecke (begehbar): EPS-Platten mit hoher Druckfestigkeit als begehbare Dämmung.
  • Perimeterdämmung: Spezielle EPS-Typen (erhöhte Druckfestigkeit, geringe Wasseraufnahme) für erdberührte Bauteile.

Vorteile und Nachteile

Vorteile: Günstigster Dämmstoff, leicht zu verarbeiten, gute Dämmwirkung, bewährtes System (seit über 60 Jahren), geringes Gewicht.

Nachteile: Brennbar (B1), kein sommerlicher Wärmeschutz (geringe Wärmespeicherfähigkeit), erdölbasiert, Recycling eingeschränkt (wird besser), Algenbildung auf WDVS möglich (biozidhaltige Putze nötig).

Tipp: EPS ist der wirtschaftlichste Dämmstoff für die meisten Fassaden- und Geschossdeckendämmungen. Wenn Brandschutz oder Ökologie für Sie Priorität haben, greifen Sie zu Mineralwolle oder Holzfaser.

Mineralwolle (Steinwolle / Glaswolle)

Mineralwolle ist der zweithäufigste Dämmstoff in Deutschland. Sie umfasst zwei Varianten: Steinwolle (aus Basalt/Diabas geschmolzen) und Glaswolle (aus Altglas und Sand). Beide haben ähnliche Dämmeigenschaften, unterscheiden sich aber in Rohdichte und Brandverhalten.

Eigenschaften

Eigenschaft Steinwolle Glaswolle
WLG 035--040 032--040
Rohdichte 20--200 kg/m3 15--80 kg/m3
Brandklasse A1 (nicht brennbar) A1 (nicht brennbar)
Schmelzpunkt > 1.000 C > 700 C
Diffusionswiderstand (mu) 1--2 1--2
Lebensdauer 40--50 Jahre 40--50 Jahre

Einsatzbereiche

  • Zwischensparrendämmung (Dach): Der Standard für die Dachdämmung. Klemmfilze aus Mineralwolle werden zwischen die Sparren geklemmt.
  • WDVS (Fassade): Mineralwolle-Lamellenplatten als Alternative zu EPS, besonders bei erhöhten Brandschutzanforderungen (Hochhäuser, Brandriegel).
  • Innendämmung (Vorsatzschale): Mineralwolle-Matten in der Unterkonstruktion.
  • Geschossdecke: Auflegematten oder Einblasflocken.
  • Kellerdecke: Steinwolle-Platten von unten geklebt.

Vorteile und Nachteile

Vorteile: Nicht brennbar (A1), sehr guter Schallschutz, dampfdurchlässig, formstabil, breites Einsatzspektrum.

Nachteile: Teurer als EPS, empfindlich gegen Feuchtigkeit (Dämmwirkung sinkt bei Durchfeuchtung), bei der Verarbeitung staubend (Hautreizung, Atemschutz empfohlen), schwerer als EPS.

XPS (extrudiertes Polystyrol)

XPS ist der feuchteresistente Bruder von EPS. Durch das Extrusionsverfahren entsteht eine geschlossenzellige Struktur, die kaum Wasser aufnimmt. XPS ist damit der Spezialist für feuchtebelastete Einsatzbereiche.

Eigenschaften

Eigenschaft Wert
WLG 030--040
Rohdichte 25--45 kg/m3
Druckfestigkeit 200--700 kPa
Brandklasse B1 (schwer entflammbar)
Wasseraufnahme Sehr gering (< 0,7 Vol.-%)
Diffusionswiderstand (mu) 80--250
Lebensdauer 40--50 Jahre

Einsatzbereiche

  • Perimeterdämmung: Erdberührte Bauteile (Kellerwände, Bodenplatte). Hier ist XPS der Standard, da es dauerhaft gegen Erdfeuchte und drückendes Wasser beständig ist.
  • Umkehrdach: Dämmung oberhalb der Dachabdichtung.
  • Sockeldämmung: Spritzwasserbereich am Gebäudesockel.

Vorteile und Nachteile

Vorteile: Extrem feuchteresistent, hohe Druckfestigkeit, kein Kapillartransport, frostbeständig.

Nachteile: Teurer als EPS, höherer CO2-Fußabdruck als EPS (energieintensivere Herstellung), in der Fläche (Fassade, Dach) unwirtschaftlich -- dort ist EPS oder Mineralwolle günstiger.

Tipp: Verwenden Sie XPS nur dort, wo es wirklich gebraucht wird: an erdberührten Bauteilen und im Spritzwasserbereich. Für Fassade, Dach und Geschossdecke gibt es günstigere Alternativen.

PUR/PIR (Polyurethan / Polyisocyanurat)

PUR- und PIR-Platten haben die beste Dämmwirkung aller gängigen Dämmstoffe. Mit einem Lambda-Wert von 0,024--0,028 W/(mK) benötigen sie die geringste Aufbaustärke für einen gegebenen U-Wert. Das macht sie zur ersten Wahl, wenn Platz knapp ist.

Eigenschaften

Eigenschaft PUR PIR
WLG 024--028 024--026
Rohdichte 30--80 kg/m3 30--60 kg/m3
Druckfestigkeit 100--500 kPa 100--300 kPa
Brandklasse B2 (normal entflammbar) B1 (schwer entflammbar)
Wasseraufnahme Gering Gering
Lebensdauer 40--50 Jahre 40--50 Jahre

PIR ist eine Weiterentwicklung von PUR mit verbessertem Brandverhalten. In der Praxis werden beide oft synonym verwendet.

Einsatzbereiche

  • Aufsparrendämmung (Dach): PUR/PIR-Platten auf den Sparren sind der Standard für die Aufsparrendämmung. Dank der geringen Aufbauhöhe bleibt die Dachform schlank.
  • Flachdachdämmung: Sehr häufig als Wärmedämmung unter der Dachabdichtung.
  • Innendämmung: Verbundplatten (PUR + Gipskarton) für die Innendämmung mit minimalem Aufbau.
  • Kellerdeckendämmung: PIR-Platten von unten für geringstmöglichen Höhenverlust im Keller.
  • Fußbodendämmung: Unter Estrich, wenn geringe Aufbauhöhe gefordert ist.

Vorteile und Nachteile

Vorteile: Beste Dämmwirkung pro Zentimeter, geringe Wasseraufnahme, vielseitig einsetzbar, leicht.

Nachteile: Teurer als EPS und Mineralwolle, erdölbasiert, PUR nur B2 (normal entflammbar), Recycling schwierig, bei Brand Entwicklung giftiger Gase (Isocyanate).

Holzfaser

Holzfaserplatten sind der bekannteste ökologische Dämmstoff. Sie werden aus Holzresten (Schwachholz, Sägewerksabfälle) unter Druck und Hitze zu Platten gepresst. Kein Klebstoff nötig -- das holzeigene Lignin bindet die Fasern.

Eigenschaften

Eigenschaft Wert
WLG 038--045
Rohdichte 110--270 kg/m3
Spezifische Wärmekapazität 2.100 J/(kgK)
Brandklasse B1 (schwer entflammbar, mit Behandlung)
Diffusionswiderstand (mu) 3--10
Lebensdauer 40--60 Jahre

Besonderheit: Sommerlicher Wärmeschutz

Holzfaser hat eine extrem hohe Wärmespeicherfähigkeit (2.100 J/(kgK) -- zum Vergleich: EPS hat nur 1.500 J/(kgK), Mineralwolle ca. 1.000 J/(kgK)). In Kombination mit der hohen Rohdichte ergibt sich eine Phasenverschiebung von 10--14 Stunden bei Dachkonstruktionen. Das bedeutet: Die sommerliche Hitze, die tagsüber auf das Dach trifft, erreicht den Innenraum erst in den kühlen Nachtstunden. Dieser Effekt ist bei keinem anderen gängigen Dämmstoff so ausgeprägt.

Einsatzbereiche

  • WDVS (Fassade): Holzfaser-WDVS als ökologische Alternative zu EPS. Auch für Putzfassaden zugelassen.
  • Zwischensparrendämmung (Dach): Flexible Holzfasermatten zwischen den Sparren, ergänzt durch eine Holzfaser-Unterdeckplatte als Witterungsschutz.
  • Aufsparrendämmung: Druckfeste Holzfaserplatten auf den Sparren.
  • Innendämmung: Kapillaraktive Holzfaserplatten als Alternative zu Kalziumsilikat.

Vorteile und Nachteile

Vorteile: Hervorragender sommerlicher Wärmeschutz, CO2-Speicher (bindet ca. 1,0--1,3 kg CO2 pro kg), dampfdurchlässig, kapillaraktiv, gute Schallschutzwirkung, nachwachsender Rohstoff.

Nachteile: Teurer als konventionelle Dämmstoffe (Aufpreis ca. 10--30 %), höhere Aufbaustärke als EPS oder PUR, empfindlich gegen dauerhafte Durchfeuchtung, brandschutztechnisch schlechter als Mineralwolle.

Tipp: Holzfaser lohnt sich besonders bei der Dachdämmung, wo der sommerliche Wärmeschutz den größten Unterschied macht. Unter einem ungedämmten Dach mit EPS wird es im Sommer deutlich heißer als unter einem mit Holzfaser gedämmten Dach.

Zellulose

Zellulose-Einblasdämmung wird aus geschreddertem Altpapier (90--95 %) und Borsalzen als Flammschutz (5--10 %) hergestellt. Sie wird als lose Flocken in Hohlräume eingeblasen oder auf Flächen aufgesprüht.

Eigenschaften

Eigenschaft Wert
WLG 038--042
Rohdichte (eingebaut) 28--65 kg/m3
Spezifische Wärmekapazität 2.000 J/(kgK)
Brandklasse B2 (normal entflammbar)
Diffusionswiderstand (mu) 1--2
Lebensdauer 30--50 Jahre

Einsatzbereiche

  • Zwischensparrendämmung (Dach): Einblasen in die Sparrenfelder (Dachschräge). Besonders bei ungleichmäßigen Sparrenabständen vorteilhaft, da keine Zuschnitte nötig sind.
  • Geschossdeckendämmung: Aufblasen auf die oberste Geschossdecke (günstigste Variante).
  • Holzbalkendecken: Einblasen in Hohlräume von Holzbalkendecken.
  • Holzständerwände: Einblasen in die Gefache von Holzrahmenkonstruktionen.
  • Einblasdämmung in zweischaligem Mauerwerk: Füllung des Hohlraums bei zweischaligen Außenwänden.

Vorteile und Nachteile

Vorteile: Günstigster ökologischer Dämmstoff, fugenloses Einblasen (keine Wärmebrücken an Stößen), Recyclingprodukt (>90 % Altpapier), guter sommerlicher Wärmeschutz, hohe Schalldämmung.

Nachteile: Nur durch Fachbetrieb mit Einblasmaschine einzubringen, nicht als Platte verfügbar (außer als gebundene Zelluloseplatte -- teurer), Brandklasse nur B2, Setzverhalten von ca. 5--10 % bei horizontaler Anwendung, Borsalze als Flammschutz in der Diskussion.

Hanf

Hanfdämmung wird aus den Fasern der Industriehanfpflanze hergestellt. Sie ist als Matten, Platten und Stopfwolle erhältlich. Hanf wächst ohne Pestizide und Herbizide und bindet während des Wachstums CO2.

Eigenschaften

Eigenschaft Wert
WLG 040--045
Rohdichte 25--100 kg/m3
Spezifische Wärmekapazität 1.600--2.300 J/(kgK)
Brandklasse B2 (normal entflammbar)
Diffusionswiderstand (mu) 1--2
Lebensdauer 40--50 Jahre

Einsatzbereiche

  • Zwischensparrendämmung (Dach): Hanfmatten als Klemmfilz zwischen den Sparren.
  • Innendämmung (Vorsatzschale): Hanfmatten in der Unterkonstruktion.
  • Holzrahmenbau: Ausfachung der Gefache.

Vorteile und Nachteile

Vorteile: Nachwachsender Rohstoff, pestizidfrei, guter Feuchtigkeitstransport, angenehme Verarbeitung (keine Hautreizung wie bei Mineralwolle), gute Schallschutzwirkung.

Nachteile: Begrenzte Verfügbarkeit in Deutschland, höherer Preis als Mineralwolle, Brandklasse nur B2, nicht als Einblasdämmung verfügbar.

Schaumglas

Schaumglas wird aus recyceltem Altglas geschäumt und ist der robusteste Dämmstoff im Vergleich. Es nimmt kein Wasser auf, ist nicht brennbar und druckfest. Schaumglas ist der Spezialist für extreme Anforderungen.

Eigenschaften

Eigenschaft Wert
WLG 040--050
Rohdichte 100--165 kg/m3
Druckfestigkeit 400--1.600 kPa
Brandklasse A1 (nicht brennbar)
Wasseraufnahme 0 Vol.-%
Diffusionswiderstand (mu) Dampfdicht
Lebensdauer > 50 Jahre

Einsatzbereiche

  • Perimeterdämmung (Keller, Bodenplatte): Dort, wo dauerhaft drückendes Wasser ansteht.
  • Flachdachdämmung: Unter der Dachabdichtung auf Betondächern.
  • Industriebauten: Dort, wo Brandschutz A1 und mechanische Belastbarkeit gefordert sind.

Vorteile und Nachteile

Vorteile: Absolut wasserundurchlässig, nicht brennbar (A1), extrem druckfest, verrottungsfest, frei von Schadstoffen.

Nachteile: Teuerster Dämmstoff im Vergleich (50--90 EUR/m2), schwer, hoher Energieaufwand bei der Herstellung, spröde (bricht bei Verformung).

Welcher Dämmstoff für welchen Einsatzbereich?

Die folgende Entscheidungsmatrix zeigt, welche Materialien für welchen Einsatzbereich am besten geeignet sind:

Einsatzbereich Erste Wahl Alternative Nicht geeignet
Fassade (WDVS) EPS (WLG 032) Mineralwolle, Holzfaser Zellulose, Schaumglas
Fassade (Einblasdämmung) Zellulose, Mineralwollegranulat EPS-Granulat Schaumglas, Hanf
Dachdämmung (Zwischensparren) Mineralwolle Holzfaser, Zellulose, Hanf XPS, Schaumglas
Dachdämmung (Aufsparren) PUR/PIR Holzfaser EPS, Zellulose
Oberste Geschossdecke Zellulose (Aufblas) EPS/Mineralwolle (Platten) Schaumglas
Kellerdecke EPS, Mineralwolle PUR/PIR (bei geringer Deckenhöhe) Zellulose, Holzfaser
Perimeter (erdberührt) XPS Schaumglas EPS, Mineralwolle, Holzfaser
Innendämmung Kalziumsilikat Holzfaser, PUR-Verbund EPS, Zellulose

Kostenvergleich bei gleicher Dämmwirkung

Entscheidend für den Kostenvergleich ist nicht der Preis pro Quadratmeter bei gleicher Materialstärke, sondern der Preis bei gleicher Dämmwirkung. Denn ein Material mit besserer WLG benötigt weniger Stärke und damit weniger Fläche an Material.

Vergleichsbasis: Erreichung eines U-Werts von 0,20 W/(m2K) an einer Außenwand (Bestandswand: Vollziegel 36 cm, U-Wert ca. 1,5 W/(m2K)):

Dämmstoff Erforderliche Stärke Materialkosten pro m2 Einbaukosten pro m2 Gesamtkosten pro m2
EPS (WLG 032) 14 cm 14--22 EUR 35--50 EUR 49--72 EUR
Mineralwolle (WLG 035) 16 cm 18--28 EUR 40--55 EUR 58--83 EUR
PUR/PIR (WLG 024) 10 cm 30--45 EUR 30--45 EUR 60--90 EUR
Holzfaser (WLG 040) 18 cm 35--55 EUR 45--60 EUR 80--115 EUR
Zellulose (WLG 040, Einblas) 18 cm 12--20 EUR 15--25 EUR 27--45 EUR
XPS (WLG 035) 16 cm 30--48 EUR 35--50 EUR 65--98 EUR
Hanf (WLG 042) 18 cm 22--38 EUR 40--55 EUR 62--93 EUR
Schaumglas (WLG 045) 20 cm 55--95 EUR 50--70 EUR 105--165 EUR

Kosten als WDVS-Fassadendämmung (außer Zellulose: Einblasdämmung in zweischaligem Mauerwerk). Stand: Anfang 2026.

Die Zellulose-Einblasdämmung ist mit Abstand am günstigsten -- allerdings nur bei zweischaligem Mauerwerk möglich. Für das WDVS ist EPS die wirtschaftlichste Option. PUR/PIR und Holzfaser kosten 30--60 % mehr, bieten dafür aber spezifische Vorteile (geringe Dicke bzw. sommerlicher Wärmeschutz).

Brandschutzklassen im Überblick

Klasse Bezeichnung Dämmstoffe
A1 Nicht brennbar Mineralwolle (Stein-/Glaswolle), Schaumglas, Kalziumsilikat, Perlite
A2 Nicht brennbar (mit geringem brennbarem Anteil) Einige Mineralwollprodukte mit Bindemittel
B1 Schwer entflammbar EPS (mit Flammschutzmittel), XPS, PIR, Holzfaser (behandelt)
B2 Normal entflammbar PUR, Zellulose, Hanf, Schafwolle
B3 Leicht entflammbar Nicht zulässig im Hochbau

Relevanz in der Praxis:

  • Hochhäuser (ab 22 m Höhe): WDVS muss Brandklasse A erreichen. Nur Mineralwolle-WDVS ist zulässig.
  • Brandriegel: Bei EPS-WDVS müssen alle zwei Geschosse umlaufende Brandriegel aus Mineralwolle eingebaut werden.
  • Innenräume: Für die Innendämmung ist Brandklasse A1 (Mineralwolle, Kalziumsilikat) die sicherste Wahl.
  • Geschossdecke/Dach: Die Anforderungen hängen von der Nutzung und der Gebäudeklasse ab.

Ökologische Bewertung: Graue Energie und CO2-Fußabdruck

Dämmstoff Primärenergie (MJ/kg) CO2-Äquivalent (kg CO2/kg) Recycelbar? Nachwachsend?
EPS 85--105 3,0--3,5 Eingeschränkt Nein (erdölbasiert)
Mineralwolle 15--25 1,0--1,5 Ja (Schmelze) Nein (mineralisch)
XPS 90--120 3,5--4,5 Schwierig Nein (erdölbasiert)
PUR/PIR 90--110 3,5--4,0 Schwierig Nein (erdölbasiert)
Holzfaser 8--15 -1,0 bis -1,3 (CO2-Senke) Ja (Kompostierung) Ja
Zellulose 3--8 -0,5 bis -1,0 (CO2-Senke) Ja (Kompostierung) Ja (Recyclingpapier)
Hanf 5--12 -1,0 bis -1,5 (CO2-Senke) Ja (Kompostierung) Ja
Schaumglas 20--30 1,5--2,5 Ja (Schmelze) Nein (Recyclingglas)

Holzfaser, Zellulose und Hanf haben eine negative CO2-Bilanz: Sie speichern mehr CO2, als bei ihrer Herstellung freigesetzt wird. Auf die gesamte Lebensdauer gerechnet ist der ökologische Vorteil allerdings relativ gering, weil die eingesparte Heizenergie den Herstellungs-Fußabdruck nach wenigen Jahren überwiegt -- unabhängig vom Material. Der ökologische Unterschied zwischen den Dämmstoffen wird durch die Energieeinsparung nivelliert.

Tipp: Wählen Sie den Dämmstoff primär nach technischer Eignung, Kosten und Brandschutz. Die ökologische Bewertung kann bei ansonsten gleichwertigen Optionen den Ausschlag geben. Ein ökologischer Dämmstoff, der zu dünn oder am falschen Ort eingesetzt wird, ist weniger nachhaltig als ein konventioneller Dämmstoff in der richtigen Anwendung.

Rechenbeispiel: Fassadendämmung mit verschiedenen Materialien

Ausgangssituation:

  • Einfamilienhaus, 120 m2 Fassadenfläche (abzüglich Fenster)
  • Bestandswand: 36 cm Vollziegel, U-Wert 1,5 W/(m2K)
  • Ziel-U-Wert: 0,20 W/(m2K) (BAFA-Förderung)
Variante Stärke Materialkosten Gesamtkosten (inkl. Einbau) BAFA 20 % (iSFP) Eigenanteil
EPS (WLG 032) 14 cm 1.680--2.640 EUR 5.880--8.640 EUR 1.176--1.728 EUR 4.704--6.912 EUR
Mineralwolle (WLG 035) 16 cm 2.160--3.360 EUR 6.960--9.960 EUR 1.392--1.992 EUR 5.568--7.968 EUR
Holzfaser (WLG 040) 18 cm 4.200--6.600 EUR 9.600--13.800 EUR 1.920--2.760 EUR 7.680--11.040 EUR
PUR/PIR (WLG 024) 10 cm 3.600--5.400 EUR 7.200--10.800 EUR 1.440--2.160 EUR 5.760--8.640 EUR

Die Kostendifferenz zwischen EPS und Holzfaser beträgt rund 3.000--5.000 EUR für die gesamte Fassade. Ob dieser Aufpreis für den besseren sommerlichen Wärmeschutz und die ökologische Bilanz gerechtfertigt ist, muss individuell entschieden werden.

Häufige Fragen

Welcher Dämmstoff ist der günstigste?

EPS (Styropor) ist der günstigste Plattendämmstoff mit 12--22 EUR/m2 bei 12--14 cm Stärke. Zellulose-Einblasdämmung ist insgesamt am günstigsten (10--20 EUR/m2), aber nur für bestimmte Anwendungen geeignet (Geschossdecke, Hohlräume, Sparrenfelder). Für das WDVS an der Fassade bleibt EPS die wirtschaftlichste Wahl.

Was ist besser: EPS oder Mineralwolle?

Das hängt vom Einsatzbereich ab. Für das WDVS ist EPS günstiger und ausreichend. Wenn Brandschutz Priorität hat (Hochhäuser, öffentliche Gebäude), ist Mineralwolle (Brandklasse A1) zwingend. Für die Dachdämmung (Zwischensparren) ist Mineralwolle der Standard, weil sie sich gut zwischen die Sparren klemmen lässt und nicht brennbar ist.

Was bedeutet WLG und warum ist sie wichtig?

Die Wärmeleitgruppe (WLG) gibt an, wie gut ein Material dämmt. WLG 032 bedeutet einen Lambda-Wert von 0,032 W/(mK). Je niedriger die Zahl, desto besser die Dämmwirkung und desto dünner kann die Dämmschicht sein. Die WLG bestimmt damit direkt die erforderliche Aufbaustärke und beeinflusst die Gesamtkosten.

Welcher Dämmstoff hat den besten sommerlichen Wärmeschutz?

Holzfaser hat mit Abstand den besten sommerlichen Wärmeschutz. Die Kombination aus hoher Wärmespeicherfähigkeit (2.100 J/(kgK)) und hoher Rohdichte (110--270 kg/m3) ergibt eine Phasenverschiebung von 10--14 Stunden. EPS und PUR haben deutlich geringere Wärmespeicherfähigkeiten und bieten kaum sommerlichen Wärmeschutz.

Sind ökologische Dämmstoffe genauso gut wie konventionelle?

In Bezug auf die Winterdämmwirkung: Ja, wenn die Stärke entsprechend angepasst wird. Holzfaser (WLG 040) benötigt ca. 25 % mehr Stärke als EPS (WLG 032) für denselben U-Wert. Die zusätzlichen Vorteile (sommerlicher Wärmeschutz, CO2-Speicherung, Kapillaraktivität) können je nach Anwendung den Mehrpreis rechtfertigen. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie in unserem Ratgeber zu ökologischen Dämmstoffen.

Welcher Dämmstoff eignet sich für den Keller?

Für die Kellerdeckendämmung von unten sind EPS-Platten der Standard (günstig, gute Dämmwirkung). PIR-Platten bieten die geringste Aufbauhöhe. Mineralwolle ist die Wahl, wenn Brandschutz A1 gefordert ist (Keller mit Heizungsanlage). Für die Perimeterdämmung (Kellerwand erdberührt) ist XPS oder Schaumglas erforderlich, da nur diese Materialien dauerhaft feuchteresistent sind.

Fazit und nächste Schritte

Die Wahl des Dämmstoffs richtet sich nach dem Einsatzbereich, dem Budget und den individuellen Prioritäten (Brandschutz, Ökologie, Platz). Für die meisten Sanierungsprojekte gilt:

  • Fassade (WDVS): EPS als wirtschaftlichster Standard, Holzfaser als ökologische Alternative.
  • Dach (Zwischensparren): Mineralwolle als bewährter Standard, Holzfaser für besseren Sommerwärmeschutz.
  • Geschossdecke: Zellulose (Aufblas) für nicht begehbare, EPS-Platten für begehbare Lösungen.
  • Keller: EPS oder Mineralwolle von unten, XPS für erdberührte Bauteile.
  • Innendämmung: Kalziumsilikat als sicherste Lösung ohne Dampfbremse.

Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) berücksichtigt nicht nur den richtigen Dämmstoff, sondern auch die optimale Reihenfolge der Maßnahmen und die Förderfähigkeit. reduco erstellt Ihren Sanierungsfahrplan digital und auf Basis Ihrer konkreten Gebäudedaten.

Jetzt kostenlosen Sanierungsfahrplan starten

dämmstoffedämmungvergleichsanierung

Sanierungspotenzial Ihres Gebäudes entdecken

Finden Sie heraus, welche Maßnahmen sich für Ihr Gebäude lohnen – kostenlos und in wenigen Minuten.

Kostenlos Gebäude analysieren

Verwandte Artikel