Sanierungsfahrplan (iSFP): Inhalt, Kosten & warum er sich fast immer lohnt
Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) im Detail: Was er enthält, was er kostet, wie der 5-%-Förderbonus funktioniert und wann sich ein iSFP 2026 wirklich lohnt. Mit Rechenbeispielen.

Sie planen eine energetische Sanierung und stoßen immer wieder auf den Begriff „individueller Sanierungsfahrplan" oder „iSFP"? Zu Recht: Der iSFP ist eines der wichtigsten Instrumente für Eigentümer, die ihr Gebäude schrittweise energetisch verbessern wollen. Er zeigt nicht nur, welche Maßnahmen sinnvoll sind, sondern in welcher Reihenfolge sie umgesetzt werden sollten -- und welche Förderung dafür bereitsteht.
Dieser Ratgeber erklärt, was ein Sanierungsfahrplan genau enthält, was er kostet, wie die BAFA-Förderung funktioniert und warum sich der iSFP über den 5-%-Förderbonus und die verdoppelte Förderobergrenze bei BEG-Einzelmaßnahmen fast immer rechnet. Wenn Sie wissen möchten, was ein Energieberater insgesamt kostet, finden Sie das in unserem Ratgeber zu Energieberater-Kosten und iSFP. Hier geht es um den Sanierungsfahrplan selbst -- seinen Inhalt, seinen Nutzen und seine Grenzen.
Was ist ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)?
Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) ist ein standardisiertes Beratungsdokument, das den energetischen Zustand eines Wohngebäudes analysiert und einen konkreten, schrittweisen Sanierungsweg aufzeigt. Er wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK, damals BMWi) von der Deutschen Energie-Agentur (dena) und dem Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) entwickelt.
Die wichtigsten Merkmale
- Individuell: Der iSFP wird speziell für Ihr Gebäude erstellt -- nicht generisch, sondern auf Basis einer Vor-Ort-Begehung und energetischer Berechnung.
- Langfristig angelegt: Die Maßnahmenempfehlungen sind auf einen Zeithorizont von 15 Jahren ausgelegt. Sie müssen nicht alles sofort umsetzen, sondern können Schritt für Schritt vorgehen.
- Unverbindlich: Der iSFP ist eine Empfehlung, kein verbindlicher Plan. Sie entscheiden selbst, ob und wann Sie welche Maßnahmen umsetzen.
- Förderfähig: Die Erstellung wird vom BAFA gefördert. Außerdem berechtigt ein vorhandener iSFP zum 5-%-Förderbonus bei BEG-Einzelmaßnahmen.
- Standardisiert: Das Format ist bundesweit einheitlich, mit einer farbcodierten Darstellung (Ampelsystem), die auch für Laien verständlich ist.
Was der iSFP nicht ist
Der iSFP wird oft mit dem Energieausweis verwechselt. Das sind zwei grundlegend verschiedene Dokumente:
- Der Energieausweis dokumentiert den energetischen Ist-Zustand eines Gebäudes. Er ist bei Verkauf oder Neuvermietung Pflicht, enthält aber keine konkreten Maßnahmenempfehlungen.
- Der iSFP geht weit darüber hinaus: Er analysiert Schwachstellen, schlägt konkrete Sanierungsschritte vor, ordnet sie in eine sinnvolle Reihenfolge und schätzt Kosten sowie Förderung für jede Maßnahme.
Was enthält ein Sanierungsfahrplan? -- Aufbau im Detail
Der iSFP ist ein umfassendes Dokument, das typischerweise 20 bis 40 Seiten umfasst. Er folgt einem standardisierten Aufbau mit farbcodierten Darstellungen, die den energetischen Zustand auf einen Blick zeigen -- von Rot (schlecht) über Gelb (mittelmäßig) bis Grün (gut). Im Folgenden die einzelnen Bestandteile:
1. Gebäudesteckbrief und Ist-Zustand
Der erste Teil dokumentiert den aktuellen energetischen Zustand Ihres Gebäudes:
- Gebäudedaten: Baujahr, Gebäudetyp, Wohnfläche, Anzahl Geschosse und Wohneinheiten
- Aktuelle Energieeffizienzklasse: Einordnung auf der Skala A+ bis H gemäß dem Energieausweis-System
- Endenergieverbrauch/-bedarf: In kWh pro Quadratmeter und Jahr
- CO₂-Emissionen: Jährlicher Ausstoß des Gebäudes
- Heizkosten: Aktuelle jährliche Energiekosten
Diese Daten bilden die Grundlage für alle weiteren Empfehlungen. Sie sind farblich auf einer Skala dargestellt, sodass sofort erkennbar ist, wo das Gebäude im Vergleich steht.
2. Schwachstellenanalyse
Im zweiten Teil identifiziert die Energieberaterin oder der Energieberater die energetischen Schwachstellen des Gebäudes:
- Gebäudehülle: Welche Bauteile sind unzureichend gedämmt? Wo entstehen Wärmebrücken? Sind Fassade, Dach, Kellerdecke und Fenster auf dem Stand der Technik?
- Heizung: Wie alt ist die Anlage? Wie hoch ist der Wirkungsgrad? Passt die Dimensionierung zur Gebäudegröße?
- Warmwasserbereitung: Effizienz des Systems, Leitungsverluste
- Lüftung: Gibt es eine kontrollierte Wohnraumlüftung? Wie steht es um die Luftdichtheit?
Jedes Bauteil wird mit dem Ampelsystem bewertet: Rot bedeutet dringenden Handlungsbedarf, Gelb zeigt Verbesserungspotenzial, Grün signalisiert einen zufriedenstellenden Zustand.
3. Maßnahmenpakete
Der Kern des iSFP sind die konkreten Sanierungsempfehlungen, die in 2 bis 5 Maßnahmenpakete gegliedert werden. Jedes Paket enthält:
- Beschreibung der Maßnahme (z. B. „Fassadendämmung WDVS, 16 cm Mineralwolle")
- Technische Spezifikationen und Anforderungswerte
- Erwartete Energieeinsparung
- Geschätzte Investitionskosten
- Verfügbare Fördermittel
Die Pakete sind in einer sinnvollen zeitlichen Reihenfolge angeordnet -- das ist einer der größten Vorteile des iSFP. Der Grundsatz lautet dabei in der Regel: Erst die Hülle, dann die Technik. Zuerst werden Dämmmaßnahmen umgesetzt, damit die neue Heizung anschließend kleiner dimensioniert werden kann.
4. Kosten- und Förderschätzung
Für jedes Maßnahmenpaket enthält der iSFP eine Kostenprognose mit:
- Geschätzten Brutto-Investitionskosten
- Verfügbarer Förderung (BEG-Einzelmaßnahmen, KfW-Programme, ggf. Landesförderung)
- Voraussichtlichem Eigenanteil nach Abzug der Förderung
- Amortisationszeit durch Energieeinsparungen
Wichtig: Die Kostenangaben im iSFP sind Schätzungen auf Basis aktueller Marktpreise. Sie ersetzen keine Handwerkerangebote. Reale Kosten können je nach Region und Ausführung abweichen.
5. Energetisches Ziel
Der iSFP zeigt, welche Energieeffizienzklasse das Gebäude nach Umsetzung aller empfohlenen Maßnahmen erreichen kann. Die Darstellung erfolgt als „Vorher-Nachher-Vergleich" auf der Farbskala:
- Ist-Zustand (z. B. Klasse F, 180 kWh/m²a)
- Ziel nach Paket 1 (z. B. Klasse D, 130 kWh/m²a)
- Ziel nach Paket 2 (z. B. Klasse C, 95 kWh/m²a)
- Ziel nach allen Paketen (z. B. Klasse B, 60 kWh/m²a)
Zusätzlich wird die erwartete Reduktion der CO₂-Emissionen und der jährlichen Energiekosten dargestellt.
6. Umsetzungsfahrplan
Der letzte Teil ordnet die Maßnahmenpakete auf einer Zeitachse an und zeigt den empfohlenen Ablauf über den gesamten 15-Jahres-Zeitraum. Dabei berücksichtigt der Energieberater:
- Technische Abhängigkeiten: Welche Maßnahmen müssen vor anderen kommen?
- Wirtschaftliche Optimierung: Wann fallen ohnehin Instandhaltungsarbeiten an, die sich mit energetischen Maßnahmen kombinieren lassen?
- Fördermittel-Strategie: Wie lassen sich Fördermittel über mehrere Jahre optimal nutzen?
Warum ist der iSFP so wertvoll?
Der Sanierungsfahrplan bietet mehrere konkrete Vorteile, die weit über eine allgemeine Beratung hinausgehen:
1. Der 5-%-Förderbonus bei BEG-Einzelmaßnahmen
Der wichtigste finanzielle Anreiz: Wer Sanierungsmaßnahmen umsetzt, die in einem iSFP empfohlen werden, erhält über die BEG-Einzelmaßnahmen einen zusätzlichen Zuschuss von 5 Prozentpunkten und eine Verdopplung der förderfähigen Kosten. Die Details erklären wir im nächsten Abschnitt.
2. Vermeidung teurer Fehler
Ohne Gesamtplan passieren in der Praxis häufig vermeidbare Fehler:
- Überdimensionierte Heizung: Wer zuerst die Heizung tauscht und danach dämmt, hat eine zu große Anlage, die ineffizient im Teillastbereich arbeitet. Eine Wärmepumpe für einen unsanierten Altbau kostet mehr und verbraucht mehr Strom als eine für ein gedämmtes Gebäude.
- Wärmebrücken durch unkoordinierte Maßnahmen: Fenster tauschen ohne gleichzeitige oder spätere Fassadendämmung kann zu Schimmelbildung an den Fensterlaibungen führen.
- Verpasste Synergien: Wenn das Dach ohnehin neu gedeckt werden muss, ist eine Dachdämmung deutlich günstiger als bei einer separaten Beauftragung.
3. Richtige Reihenfolge spart Geld
Der Grundsatz „Hülle vor Technik" ist eine der wichtigsten Regeln der energetischen Sanierung -- und der iSFP setzt ihn konsequent um. Das spart in mehrfacher Hinsicht:
- Kleinere, günstigere Heizungsanlage nach der Dämmung
- Bessere Fördersätze durch aufeinander abgestimmte Maßnahmen
- Geringere laufende Energiekosten bereits nach den ersten Maßnahmen
4. Entscheidungsgrundlage für WEG-Beschlüsse
In einer Wohnungseigentümergemeinschaft müssen Sanierungsbeschlüsse mehrheitlich gefasst werden. Ein iSFP liefert die sachliche Grundlage: Was kostet die Sanierung? Was spart sie? Welche Fördermittel gibt es? Das erleichtert die Diskussion und Beschlussfassung in der Eigentümerversammlung erheblich. Für MFH-Eigentümer haben wir einen separaten Ratgeber zum Sanierungsfahrplan für Mehrfamilienhäuser.
5. Steigerung des Immobilienwerts
Ein dokumentierter Sanierungsfahrplan zeigt Kaufinteressenten und Banken, welches Potenzial ein Gebäude hat. Käufer können einschätzen, welche Investitionen auf sie zukommen -- und welche Förderung sie dafür erhalten. Das kann sich positiv auf den Verkaufspreis auswirken, insbesondere bei Altbauten in schlechten Energieeffizienzklassen.
6. Voraussetzung für KfW-Effizienzhaus-Förderung
Für die KfW-Förderung einer Komplettsanierung zum Effizienzhaus (KfW 261) ist ein Energieeffizienz-Experte ohnehin Pflicht. Der iSFP bildet in der Regel die planerische Grundlage für diese Komplettsanierung.
Der iSFP-Bonus im Detail: So funktioniert er
Der iSFP-Bonus ist der Hauptgrund, warum sich ein Sanierungsfahrplan finanziell fast immer rechnet. Hier die genauen Zahlen:
Was der iSFP-Bonus bringt
| Ohne iSFP | Mit iSFP | |
|---|---|---|
| Fördersatz Gebäudehülle & Anlagentechnik | 15 % | 20 % (+5 % Bonus) |
| Förderfähige Kosten pro Wohneinheit | 30.000 € | 60.000 € |
| Maximaler Zuschuss pro WE | 4.500 € | 12.000 € |
Der Bonus besteht also aus zwei Komponenten: einem höheren Fördersatz und einer Verdopplung der förderfähigen Kostenbasis.
Für welche Maßnahmen gilt der iSFP-Bonus?
Der Bonus greift bei allen BEG-Einzelmaßnahmen (BEG EM) an der Gebäudehülle und Anlagentechnik, die im iSFP empfohlen werden:
iSFP-Bonus gilt für:
- Fassadendämmung (WDVS, vorgehängte Fassade, Innendämmung)
- Dachdämmung (Aufsparren, Zwischensparren, Flachdach)
- Kellerdeckendämmung
- Fenstertausch und Außentüren
- Sommerlicher Wärmeschutz
- Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung
- Heizungsoptimierung (hydraulischer Abgleich)
- Einbau von Mess-, Steuer- und Regelungstechnik
iSFP-Bonus gilt nicht für:
- Heizungstausch (KfW 458 hat eigene Boni: Klimageschwindigkeits-Bonus, Einkommens-Bonus)
- Emissionsminderung bei Biomasseanlagen
Das ist ein wichtiger Punkt: Für den Heizungstausch gibt es über die KfW separate Zuschüsse mit eigenen Bonusstufen, die unabhängig vom iSFP sind.
Rechenbeispiel: Fassadendämmung mit und ohne iSFP
Ein Einfamilienhaus erhält eine Fassadendämmung für 30.000 € und neue Fenster für 15.000 €. Gesamtinvestition: 45.000 €.
Ohne iSFP:
- Förderfähige Kosten: maximal 30.000 € (Deckel)
- Zuschuss: 15 % von 30.000 € = 4.500 €
Mit iSFP:
- Förderfähige Kosten: 45.000 € (unter dem 60.000-€-Deckel)
- Zuschuss: 20 % von 45.000 € = 9.000 €
Differenz: 4.500 € mehr Förderung durch den iSFP.
Bei iSFP-Kosten von rund 1.800 € brutto und einem Eigenanteil von ca. 900–1.150 € (nach BAFA-Förderung) ergibt sich ein Nettogewinn von 3.350–3.600 € -- bereits bei der ersten Maßnahme. Bei einer schrittweisen Sanierung über mehrere Jahre greift der Bonus erneut für jede weitere Maßnahme, die im iSFP empfohlen wird.
Rechenbeispiel: Schrittweise Sanierung über 5 Jahre
Ein unsaniertes Einfamilienhaus (Baujahr 1975, Energieklasse F) wird schrittweise saniert:
| Jahr | Maßnahme | Investition | Ohne iSFP | Mit iSFP | Mehrförderung |
|---|---|---|---|---|---|
| 2026 | Dachdämmung | 18.000 € | 2.700 € | 3.600 € | +900 € |
| 2027 | Fassadendämmung + Fenster | 42.000 € | 4.500 €* | 8.400 € | +3.900 € |
| 2029 | Kellerdecke + Lüftung | 12.000 € | 1.800 € | 2.400 € | +600 € |
| Gesamt | 72.000 € | 9.000 € | 14.400 € | +5.400 € |
*Ohne iSFP greift der 30.000-€-Deckel, daher nur 15 % von 30.000 € = 4.500 €.
Ergebnis: Mit einem iSFP-Eigenanteil von rund 1.000 € ergibt sich über die drei Maßnahmen ein Nettovorteil von ca. 4.400 €.
Kosten und Förderung des iSFP
Was kostet die Erstellung eines iSFP?
Die Kosten hängen vom Gebäudetyp, der Größe und dem regionalen Preisniveau ab:
| Gebäudetyp | Typische Kosten (brutto) | BAFA-Zuschuss | Eigenanteil |
|---|---|---|---|
| Einfamilienhaus (EFH) | 1.500–2.500 € | 50 %, max. 650 € | ca. 850–1.850 € |
| Zweifamilienhaus (ZFH) | 1.800–2.800 € | 50 %, max. 650 € | ca. 1.150–2.150 € |
| MFH (ab 3 WE) | 2.500–5.000 € | 50 %, max. 850 € | ca. 1.650–4.150 € |
| WEG-Bonus (ab 3 WE) | -- | +250 € für Eigentümerversammlung | -- |
BAFA-Förderung der Energieberatung (EBW)
Die Erstellung des iSFP wird über das BAFA-Programm „Energieberatung für Wohngebäude" (EBW) gefördert:
- Förderhöhe: 50 % der Beratungskosten
- Maximum EFH/ZFH: 650 € Zuschuss
- Maximum MFH (ab 3 WE): 850 € Zuschuss
- WEG-Zuschlag: Zusätzlich 250 € einmalig für die Vorstellung des iSFP in der Eigentümerversammlung
- Gesamtzuschuss WEG: Bis zu 1.100 €
- Voraussetzung: Der iSFP muss von einem Energieberater oder einer Energieberaterin erstellt werden, der/die in der Energieeffizienz-Expertenliste (EEE-Liste) für die Kategorie „Energieberatung für Wohngebäude" eingetragen ist
- Gebäudealter: Mindestens 10 Jahre alt, ausschließlich als Wohngebäude genutzt
Hinweis zur Förderabwicklung (seit April 2025): Der BAFA-Zuschuss wird direkt an den Auftraggeber ausgezahlt. Sie zahlen den Energieberater vollständig selbst und erhalten den Zuschuss anschließend vom BAFA erstattet.
Detaillierte Informationen zu allen Kosten rund um den Energieberater finden Sie in unserem Ratgeber: Energieberater-Kosten 2026.
iSFP vs. Energieausweis: Die Unterschiede auf einen Blick
| Merkmal | iSFP (Sanierungsfahrplan) | Energieausweis |
|---|---|---|
| Zweck | Sanierungsplanung und -beratung | Gebäudebewertung und Vergleichbarkeit |
| Inhalt | Ist-Zustand, Schwachstellen, konkrete Maßnahmen mit Kosten, Förderung, Zeitplan | Energiekennwert (Verbrauch oder Bedarf), Effizienzklasse |
| Umfang | 20–40 Seiten, ausführliches Dokument | 4–5 Seiten, standardisiertes Formular |
| Kosten | 1.500–2.500 € (EFH) | 300–500 € (Bedarfsausweis), 80–150 € (Verbrauchsausweis) |
| BAFA-Förderung | 50 %, max. 650 € (EFH) / 850 € (MFH) | Keine |
| Gültigkeit | 15 Jahre (Empfehlungszeitraum) | 10 Jahre (gesetzlich) |
| Gesetzliche Pflicht? | Nein (aber Förderbonus) | Ja, bei Verkauf, Neuvermietung, Neubau |
| Wer erstellt ihn? | In der EEE-Liste gelisteter Energieberater | Ausstellungsberechtigte nach GEG §88 |
| Fördervorteil | 5 % Bonus + doppelte Fördergrenze bei BEG EM | Keiner |
| Vor-Ort-Begehung | Ja, zwingend erforderlich | Nicht immer (Verbrauchsausweis ohne Begehung) |
Fazit: Der Energieausweis beantwortet die Frage „Wie gut ist mein Gebäude?" Der iSFP beantwortet die Frage „Was sollte ich wann tun, um es besser zu machen -- und was kostet das?"
Alles zum Energieausweis und den neuen Effizienzklassen finden Sie in unserem Ratgeber Energieausweis 2026.
Für wen lohnt sich ein iSFP?
Der iSFP ist nicht in jeder Situation sinnvoll. Hier eine ehrliche Einordnung:
iSFP ist empfehlenswert für:
- Eigentümer, die mehrere Maßnahmen planen: Wer in den nächsten 5–15 Jahren Dämmung, Fenster und Heizung erneuern will, profitiert vom Gesamtplan und vom wiederkehrenden Förderbonus
- Hauskäufer: Wer ein älteres Haus kauft, bekommt mit dem iSFP eine fundierte Einschätzung der anstehenden Sanierungskosten und kann den Förderbonus nutzen
- WEG und MFH-Eigentümer: Hier ist der Förderhebel besonders groß, da sich die förderfähigen Kosten pro Wohneinheit multiplizieren. Mehr dazu im iSFP-Ratgeber für Mehrfamilienhäuser
- Eigentümer vor einer BEG-EM-Antragstellung: Wenn Sie eine Einzelmaßnahme an der Gebäudehülle planen und der iSFP-Bonus die Investition in die Beratung übersteigt
- Eigentümer in Unsicherheit: Wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen, gibt der iSFP eine klare Prioritätenliste
iSFP ist weniger sinnvoll für:
- Nur Heizungstausch geplant: Bei einem reinen Heizungstausch über KfW 458 gibt es keinen iSFP-Bonus -- die Heizungsförderung hat eigene Bonusstufen. Wenn Sie aber in den Folgejahren auch Dämmung oder Fenster planen, lohnt sich der iSFP trotzdem
- Steuerförderung nach §35c EStG: Wenn Sie die steuerliche Förderung nutzen (20 % über 3 Jahre absetzbar), gibt es keinen iSFP-Bonus. Hier reicht eine Fachunternehmererklärung. Allerdings ist der BEG-EM-Zuschuss mit iSFP-Bonus oft vorteilhafter als die Steuerförderung
- Bereits gut sanierte Gebäude: Wenn Ihr Gebäude schon in Effizienzklasse A oder B liegt, ist das Einsparpotenzial begrenzt und ein iSFP bringt wenig Neues
- Einzelne kleine Maßnahme unter 10.000 €: Wenn der iSFP-Bonus geringer ausfällt als der Eigenanteil der Beratung
So erhalten Sie einen Sanierungsfahrplan -- Schritt für Schritt
Schritt 1: Energieberater finden
Der iSFP muss von einem Energieberater erstellt werden, der in der Energieeffizienz-Expertenliste (EEE-Liste) des Bundes für die Kategorie „Energieberatung für Wohngebäude" gelistet ist. Über die offizielle Suchfunktion unter energie-effizienz-experten.de finden Sie zugelassene Beraterinnen und Berater in Ihrer Nähe.
Tipp: Holen Sie mindestens zwei Angebote ein. Die Preise variieren regional um 30–50 %. Achten Sie neben dem Preis auch auf Erfahrung und Referenzen -- besonders bei Altbauten oder Sonderkonstruktionen wie Fachwerk.
Ausführliche Hinweise zur Suche finden Sie in unserem Ratgeber: Energieberater finden.
Schritt 2: BAFA-Förderung beantragen
Bevor die Beratung beginnt, muss der BAFA-Förderantrag gestellt werden. In der Regel übernimmt das der Energieberater für Sie. Wichtig: Die Beratung darf erst nach Eingang der Antragsbestätigung starten. Die genehmigte Beratung muss innerhalb von neun Monaten abgeschlossen werden.
Schritt 3: Vor-Ort-Begehung
Der Energieberater kommt zu Ihnen und erfasst alle relevanten Gebäudedaten:
- Außenwände, Dachkonstruktion, Fenster, Kellerdecke
- Heizungsanlage, Warmwasserbereitung
- Lüftungssituation
- Vorhandene Baupläne und Energieausweise
Für ein Einfamilienhaus dauert die Begehung typischerweise 2 bis 3 Stunden. Halten Sie Baupläne, Heizkostenabrechnungen der letzten drei Jahre und Informationen zu bereits durchgeführten Maßnahmen bereit.
Schritt 4: Berechnung und Berichterstellung
Der Energieberater erstellt das rechnerische Gebäudemodell, bewertet den Ist-Zustand und entwickelt die Maßnahmenpakete. Diese Phase dauert in der Regel 4 bis 8 Wochen, kann bei hoher Auslastung aber auch länger dauern.
Die Berechnung erfolgt nach DIN V 18599, dem technischen Standard für die energetische Bewertung von Gebäuden. Seit Januar 2024 ist die Ausgabe DIN V 18599:2018-09 verbindlich.
Schritt 5: Ergebnisbesprechung
In einem persönlichen Gespräch (1–2 Stunden) erläutert der Energieberater den fertigen iSFP: den Ist-Zustand, die empfohlenen Maßnahmen, die Kosten und die Fördermöglichkeiten. Hier können Sie Fragen stellen und Prioritäten besprechen.
Schritt 6: Dokument und Verwendungsnachweis
Sie erhalten den fertigen iSFP als gedrucktes und digitales Dokument. Der Energieberater reicht den Verwendungsnachweis beim BAFA ein, und Sie erhalten den Förderzuschuss auf Ihr Konto.
Gesamtdauer
Von der ersten Kontaktaufnahme bis zum fertigen iSFP sollten Sie 6 bis 12 Wochen einplanen -- je nach Region und Auslastung des Energieberaters. Die reine Bearbeitungszeit nach der Begehung beträgt typischerweise 4–8 Wochen.
Tipp: Da die Wartezeiten bei Energieberatern regional 4–12 Wochen betragen können, lohnt es sich, frühzeitig einen Termin zu vereinbaren -- besonders wenn Sie einen Förderantrag stellen möchten, bevor eine Maßnahme beginnt.
Was der iSFP nicht leisten kann
Der iSFP ist ein wertvolles Planungsinstrument, hat aber klare Grenzen:
- Keine Detailplanung: Der iSFP zeigt die Richtung, ersetzt aber keine Ausführungsplanung durch einen Architekten oder Fachplaner.
- Keine Handwerkerangebote: Die Kostenangaben sind Schätzungen. Reale Angebote können 20–30 % abweichen.
- Keine Garantie für Förderhöhe: Förderprogramme können sich ändern. Die im iSFP genannten Fördersätze sind eine Momentaufnahme.
- Keine Baubegleitung: Für die Umsetzung brauchen Sie zusätzlich eine Baubegleitung durch einen Energieeffizienz-Experten (die ebenfalls gefördert wird).
- Keine bindende Vorgabe: Sie sind nicht verpflichtet, die Maßnahmen umzusetzen -- aber der Förderbonus gilt nur für Maßnahmen, die im iSFP stehen.
So bereiten Sie sich vor: Digitale Erstanalyse
Bevor Sie einen Energieberater beauftragen und mehrere Wochen auf den iSFP warten, kann eine digitale Gebäudeanalyse eine sinnvolle Vorbereitung sein. Sie liefert eine erste Einschätzung:
- Welche Maßnahmen kommen für Ihr Gebäude grundsätzlich in Frage?
- In welcher Größenordnung liegen Kosten und Förderung?
- Lohnt sich ein vollständiger iSFP für Ihre Situation?
Mit reduco erhalten Sie in wenigen Minuten eine erste energetische Analyse Ihres Gebäudes -- als Vorbereitung auf Ihren iSFP oder als eigenständige Orientierung, ob sich eine Energieberatung für Sie lohnt. Die digitale Analyse ersetzt keinen iSFP und berechtigt nicht zum Förderbonus, aber sie hilft Ihnen, das Gespräch mit dem Energieberater vorbereitet zu führen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen iSFP und Sanierungsfahrplan?
Es gibt keinen Unterschied -- beide Begriffe bezeichnen dasselbe Dokument. „iSFP" steht für „individueller Sanierungsfahrplan" und ist die offizielle Abkürzung. Im Alltag werden die Begriffe „Sanierungsfahrplan", „iSFP" und „individueller Sanierungsfahrplan" synonym verwendet. Das standardisierte Format wurde von dena und ifeu entwickelt und wird bundesweit einheitlich eingesetzt.
Wie lange ist ein iSFP gültig?
Die Maßnahmenempfehlungen des iSFP sind auf 15 Jahre ausgelegt. In diesem Zeitraum können Sie den 5-%-Förderbonus und die verdoppelte Förderobergrenze für alle im iSFP empfohlenen Maßnahmen nutzen. Der iSFP hat kein formales „Ablaufdatum", aber nach 15 Jahren sollten Sie prüfen, ob ein neuer Fahrplan sinnvoll ist -- etwa wegen geänderter Förderbedingungen oder technischer Entwicklungen.
Muss ich alle Maßnahmen im iSFP umsetzen?
Nein. Der iSFP ist eine Empfehlung, keine Verpflichtung. Sie können frei entscheiden, welche Maßnahmen Sie wann umsetzen. Allerdings gilt der iSFP-Bonus nur für Maßnahmen, die im iSFP als Empfehlung enthalten sind. Wenn Sie eine Maßnahme umsetzen, die nicht im iSFP steht, erhalten Sie den Standardfördersatz ohne Bonus.
Kann ich den iSFP auch erstellen lassen, wenn ich gerade nicht sanieren will?
Ja. Es gibt keine Pflicht, nach Erstellung des iSFP sofort Maßnahmen umzusetzen. Viele Eigentümer lassen den iSFP erstellen, um sich einen Überblick zu verschaffen und die Sanierung dann in Ruhe zu planen. Die BAFA-Förderung der Beratung erhalten Sie unabhängig davon, ob Sie anschließend sanieren. Der Förderbonus steht Ihnen dann für 15 Jahre zur Verfügung, wenn Sie sich entscheiden.
Brauche ich einen neuen iSFP, wenn ich den Energieberater wechsle?
Nein. Der iSFP gilt unabhängig davon, wer ihn erstellt hat. Für die Umsetzung einzelner Maßnahmen benötigen Sie zwar einen Energieeffizienz-Experten als Antragsteller bei der BAFA, aber das muss nicht derselbe Berater sein, der den iSFP erstellt hat. Der Experte prüft, ob die geplante Maßnahme mit den iSFP-Empfehlungen übereinstimmt.
Was kostet ein iSFP nach BAFA-Förderung tatsächlich?
Für ein typisches Einfamilienhaus liegt der Eigenanteil nach BAFA-Förderung bei 850 bis 1.850 €. Die Spannweite erklärt sich durch regionale Preisunterschiede und die Komplexität des Gebäudes. Bei einem Gesamtpreis von 1.800 € und einem BAFA-Zuschuss von 650 € ergibt sich beispielsweise ein Eigenanteil von 1.150 €. Dieser Betrag amortisiert sich in der Regel bereits bei der ersten umgesetzten Maßnahme über den Förderbonus. Alle Details zu den Kosten finden Sie in unserem Ratgeber zu Energieberater-Kosten.
Sie möchten wissen, ob sich ein iSFP für Ihr Gebäude lohnt? Mit reduco erhalten Sie in wenigen Minuten eine erste Einschätzung des energetischen Zustands, der sinnvollen Maßnahmen und der verfügbaren Förderung -- kostenlos und unverbindlich. Jetzt Gebäude analysieren.
Noch unsicher, welche Maßnahme sich bei Ihrem Haus lohnt?
Gebäude kostenlos analysierenVerwandte Artikel
Energieberater: Kosten, iSFP & wann sich die Beratung lohnt
Was kostet ein Energieberater 2026? iSFP-Kosten, BAFA-Förderung, der 5-%-Bonus und wann sich ein individueller Sanierungsfahrplan für Ihr Haus wirklich auszahlt.
RatgeberSanierungsfahrplan (iSFP) für Mehrfamilienhäuser: Kosten, Ablauf & Förderbonus
Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) für MFH zeigt die optimale Sanierungsstrategie. Kosten, Ablauf, 5 %-Förderbonus und Nutzen für Hausverwaltungen und WEG.
RatgeberEnergieberatung: Arten, Ablauf & der richtige Einstieg
Energieberatung in Deutschland: Verbraucherzentrale, BAFA-geförderte Beratung, private Angebote und digitale Tools im Vergleich. Ablauf, Kosten und welche Beratung zu Ihrem Vorhaben passt.
