Altbau energetisch sanieren: Kosten, Maßnahmen & die richtige Reihenfolge
Altbau sanieren lohnt sich: 50–80 % Energieeinsparung sind realistisch. Kosten pro m², Maßnahmen nach Priorität, Förderung und typische Fehler.

Rund 75 % des deutschen Wohngebäudebestands wurden vor 1979 errichtet, also vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Diese Gebäude verbrauchen im Schnitt das Drei- bis Fünffache eines modernen Neubaus. Gleichzeitig bieten sie das größte Einsparpotenzial: Eine gut geplante energetische Sanierung kann den Energiebedarf eines Altbaus um 50 bis 80 Prozent senken.
Die Frage ist nicht ob, sondern wie, und in welcher Reihenfolge. Denn bei der Altbausanierung kommt es auf die richtige Abfolge der Maßnahmen an. Wer zuerst die Heizung tauscht und dann dämmt, dimensioniert die Heizung zu groß. Wer falsch dämmt, riskiert Feuchteschäden. Dieser Artikel zeigt, wie Sie es richtig machen.
Was macht einen Altbau zum Energiefresser?
Vor 1979 gab es in Deutschland keine verbindlichen Anforderungen an den Wärmeschutz von Gebäuden. Die typischen Schwachstellen variieren nach Baualter:
| Baujahr | Typische Bauweise | Schwachstellen | Energiebedarf |
|---|---|---|---|
| Vor 1948 | Massives Mauerwerk (Ziegel, Naturstein) | Keine Dämmung, Einscheibenfenster, oft Einzelöfen | 200-350 kWh/m²a |
| 1949-1968 | Einfache Nachkriegsbauweise | Minimale Dämmung, einfache Verglasung, oft Öleinzelöfen | 150-300 kWh/m²a |
| 1969-1978 | Erste Dämmversuche | Dünne Dämmung, Doppelverglasung, Ölzentralheizung | 150-250 kWh/m²a |
| 1979-1994 | WSchVO-Standard | Bessere Dämmung, aber nach heutigen Standards unzureichend | 100-180 kWh/m²a |
Zum Vergleich: Ein nach aktuellem GEG errichteter Neubau kommt auf rund 40-60 kWh/m²a, ein KfW-Effizienzhaus 40 auf unter 40 kWh/m²a.
Die größten Wärmeverluste entstehen typischerweise an:
- Außenwänden (25-35 % der Gesamtverluste bei ungedämmten Altbauten)
- Dach / Oberste Geschossdecke (15-25 %)
- Fenstern (15-25 %)
- Kellerdecke / Bodenplatte (5-10 %)
- Lüftung (15-25 %, steigt nach Dämmung relativ)
Sanierungsmaßnahmen nach Priorität
Nicht jede Maßnahme bringt den gleichen Effekt pro investiertem Euro. Hier die wichtigsten Maßnahmen, sortiert nach Wirtschaftlichkeit:
| Priorität | Maßnahme | Kosten/m² | Energieeinsparung | Förderung (BAFA) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Oberste Geschossdecke dämmen | 30-60 EUR | 10-15 % | 15 % (20 % mit iSFP) |
| 2 | Kellerdecke dämmen | 40-100 EUR | 5-10 % | 15 % (20 % mit iSFP) |
| 3 | Fenster tauschen (3-fach) | 500-800 EUR/Stk. | 10-15 % | 15 % (20 % mit iSFP) |
| 4 | Fassade dämmen (WDVS) | 150-300 EUR | 20-35 % | 15 % (20 % mit iSFP) |
| 5 | Heizung tauschen (WP) | 27.000-40.000 EUR | 20-40 % | bis 70 % KfW 458 |
| 6 | Photovoltaik | 1.000-1.400 EUR/kWp | Eigenverbrauch | EEG-Vergütung |
| 7 | Lüftungsanlage mit WRG | 3.000-8.000 EUR | 10-15 % | 15 % BAFA |
iSFP = individueller Sanierungsfahrplan. Die 5 % Extra-Förderung gibt es, wenn die Maßnahme in einem von einem Energieberater erstellten iSFP empfohlen wird. Zusätzlich verdoppelt sich die förderfähige Kostenhöchstgrenze von 30.000 EUR auf 60.000 EUR pro Wohneinheit.
Einen umfassenden Überblick über die Gesamtkosten einer Sanierung finden Sie in unserem Artikel Haus sanieren: Was kostet es wirklich?.
Die richtige Reihenfolge
Bei der energetischen Sanierung eines Altbaus gilt eine klare Faustregel: Erst die Hülle, dann die Technik.
Schritt 1: Gebäudehülle dämmen Dach oder oberste Geschossdecke, Fassade, Kellerdecke, Fenster. Die Dämmung reduziert den Wärmebedarf und bestimmt, wie groß die neue Heizung dimensioniert werden muss. Wer zuerst die Heizung einbaut, riskiert eine überdimensionierte (und teurere) Anlage.
Zielwerte für eine hochwertige Sanierung (orientiert an KfW-Effizienzhaus-Standards):
| Bauteil | U-Wert-Ziel | Typische Konstruktion |
|---|---|---|
| Außenwand | 0,24 W/(m²·K) | 14-16 cm WDVS (WLG 035) |
| Dach / Oberste Geschossdecke | 0,20 W/(m²·K) | 20-24 cm Mineralwolle |
| Fenster | 1,30 W/(m²·K) | 3-fach-Verglasung, Kunststoff-/Holzrahmen |
| Kellerdecke / Bodenplatte | 0,30 W/(m²·K) | 10-12 cm Dämmplatten |
Schritt 2: Heizung tauschen Nach der Dämmung kennen Sie den tatsächlichen Heizwärmebedarf. Jetzt lässt sich die Heizung passend dimensionieren. Bei einem gut gedämmten Altbau reicht oft eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, selbst mit vorhandenen Heizkörpern, solange die Vorlauftemperatur unter 55 Grad C bleibt.
Schritt 3: Photovoltaik und Lüftung Eigener Strom macht die Wärmepumpe günstiger. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung verhindert Feuchteprobleme, die nach einer dichten Dämmung auftreten können, und spart zusätzlich Energie.
Ausnahme: Wenn Ihre alte Heizung irreparabel defekt ist, tauschen Sie sie natürlich sofort, unabhängig von der Dämmung. Kalkulieren Sie dann aber die spätere Dämmung bei der Heizungsdimensionierung ein.
Was eine Altbau-Sanierung realistisch kostet
Rechenbeispiel: Einfamilienhaus, Baujahr 1965, 120 m² Wohnfläche, ungedämmt, alte Ölheizung.
| Maßnahme | Kosten (brutto) | Förderung (20 % BAFA mit iSFP) | Eigenanteil |
|---|---|---|---|
| Fassadendämmung (WDVS, 160 m²) | 32.000 EUR | 6.400 EUR | 25.600 EUR |
| Dachdämmung (80 m²) | 16.000 EUR | 3.200 EUR | 12.800 EUR |
| Fenster tauschen (12 Stk.) | 9.600 EUR | 1.920 EUR | 7.680 EUR |
| Kellerdeckendämmung (80 m²) | 4.800 EUR | 960 EUR | 3.840 EUR |
| Wärmepumpe (Luft-Wasser) | 32.000 EUR | 21.000 EUR (70 % KfW) | 11.000 EUR |
| Gesamt | 94.400 EUR | 33.480 EUR | 60.920 EUR |
Energieeinsparung: Von ca. 250 kWh/m²a auf ca. 60 kWh/m²a, eine Reduktion um rund 76 %.
Jährliche Einsparung: Bei einem Gaspreis von 12 ct/kWh (inkl. CO₂) spart dieses Haus ca. 2.740 EUR pro Jahr an Heizkosten. Die Investition amortisiert sich nach rund 22 Jahren durch die Energieeinsparung allein, bei steigenden Energiepreisen deutlich schneller. Hinzu kommt eine Wertsteigerung der Immobilie um geschätzt 15-25 %.
Wirtschaftlichkeitsberechnung: Wann rechnet sich die Sanierung?
Die pauschale Amortisationsrechnung (Investition geteilt durch jährliche Einsparung) liefert nur eine grobe Orientierung. Für eine fundierte Wirtschaftlichkeitsbetrachtung müssen weitere Faktoren einbezogen werden: Energiepreissteigerung, Instandhaltungskosten, die ohne Sanierung anfallen würden (sogenannte Sowieso-Kosten), Wertsteigerung der Immobilie und Finanzierungskosten.
Wirtschaftlichkeit nach Gebäudealter
Die Wirtschaftlichkeit einer energetischen Sanierung hängt stark vom Ausgangszustand ab. Je älter und schlechter gedämmt das Gebäude, desto höher das Einsparpotenzial und desto kürzer die Amortisation:
| Baualtersklasse | Typische Einsparung | Typische Sanierungskosten/m² | Amortisation (ohne Preissteigerung) | Amortisation (3 % Preissteigerung/a) |
|---|---|---|---|---|
| Vor 1948 | 60-80 % | 600-1.000 EUR | 18-25 Jahre | 13-18 Jahre |
| 1949-1968 | 55-75 % | 500-800 EUR | 15-22 Jahre | 11-16 Jahre |
| 1969-1978 | 45-65 % | 400-700 EUR | 16-24 Jahre | 12-17 Jahre |
| 1979-1994 | 30-50 % | 300-550 EUR | 20-30 Jahre | 15-22 Jahre |
Der Faktor Sowieso-Kosten
Ein häufig übersehener Punkt: Viele Sanierungsmaßnahmen fallen ohnehin an, wenn Bauteile das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Wenn die Fassade neu verputzt werden muss, kostet das Gerüst und der Putz ohnehin Geld. Die Mehrkosten für das Anbringen einer Dämmung unter dem neuen Putz betragen dann nur noch 40-60 EUR/m² statt 150-300 EUR/m² bei einer reinen Dämmmaßnahme. Ähnlich beim Dach: Wenn die Eindeckung erneuert wird, sind die Mehrkosten für eine Aufsparrendämmung relativ gering.
Wenn Sie die Sanierung an den Instandhaltungszyklus koppeln, sinken die energiebedingten Mehrkosten erheblich und die Amortisation verkürzt sich auf oft unter 10 Jahre.
Wertsteigerung berücksichtigen
Neben der Energieeinsparung steigert die Sanierung den Immobilienwert. Mit der neuen A-G-Effizienzklassifizierung wird dieser Effekt noch transparenter. Ein Gebäude, das von Klasse G auf Klasse C springt, gewinnt nach Marktbeobachtungen 15-25 % an Wert. Bei einem Einfamilienhaus mit einem Marktwert von 300.000 EUR vor Sanierung entspricht das 45.000-75.000 EUR, was die Netto-Sanierungskosten in vielen Fällen zu einem großen Teil auffängt.
Förderstrategie für die Altbausanierung
Die Förderlandschaft für energetische Sanierung ist leistungsfähig, aber komplex. Die beiden Hauptwege sind die Komplettsanierung zum KfW-Effizienzhaus und die schrittweise Sanierung mit BAFA-Einzelmaßnahmen. Welcher Weg sich besser eignet, hängt vom Gebäude, Budget und Zeitplan ab.
Weg 1: Komplettsanierung zum KfW-Effizienzhaus (KfW 261)
Die KfW fördert die Sanierung zu einem definierten Effizienzhaus-Standard mit einem zinsgünstigen Kredit und einem Tilgungszuschuss:
| Effizienzhaus-Stufe | Tilgungszuschuss | Max. Kreditsumme | Maximale Förderung |
|---|---|---|---|
| Effizienzhaus 85 | 5 % | 120.000 EUR | 6.000 EUR |
| Effizienzhaus 70 | 10 % | 120.000 EUR | 12.000 EUR |
| Effizienzhaus 55 | 15 % | 120.000 EUR | 18.000 EUR |
| Effizienzhaus 40 | 20 % | 120.000 EUR | 24.000 EUR |
| EE-Klasse (erneuerbare Energien) | +5 % | 150.000 EUR | bis 37.500 EUR |
Vorteile: Höherer Gesamt-Tilgungszuschuss bei ambitionierter Sanierung, Planungssicherheit durch definierte Standards, zinsgünstiger Kredit.
Nachteile: Alle Maßnahmen müssen in einem Zug umgesetzt werden, höherer Planungsaufwand, Baubegleitung durch Energieeffizienz-Experten zwingend erforderlich.
Weg 2: Einzelmaßnahmen mit BAFA + KfW 458
Bei der schrittweisen Sanierung werden einzelne Maßnahmen separat gefördert:
- Gebäudehülle (BAFA): 15 % Zuschuss auf förderfähige Kosten, mit iSFP-Bonus 20 %. Förderfähige Kosten: 30.000 EUR pro Wohneinheit und Jahr, mit iSFP 60.000 EUR.
- Heizungstausch (KfW 458): Grundförderung 30 %, Einkommensbonus 30 % (Haushaltseinkommen bis 40.000 EUR/a), Klimageschwindigkeitsbonus 20 % (bis 2028 bei Austausch fossiler Heizung). Maximal 70 % Gesamtförderung, gedeckelt auf 21.000 EUR.
Vorteile: Flexibel über Jahre verteilbar, geringere Einmalbelastung, iSFP-Bonus nutzt die Fördermittel optimal aus, passt zu schrittweiser Sanierung.
Nachteile: In Summe bei ambitionierter Sanierung oft geringerer Gesamtförderbetrag als KfW 261.
Optimale Kombination
Meine Empfehlung: Lassen Sie zuerst einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellen. Dann entscheiden Sie auf Basis des iSFP:
- Budget für Komplettsanierung vorhanden und Gebäude kann auf Effizienzhaus 70 oder besser gebracht werden: KfW 261 ist oft vorteilhafter.
- Schrittweise Sanierung über 5-10 Jahre: BAFA-Einzelmaßnahmen mit iSFP-Bonus für die Hülle, KfW 458 für den Heizungstausch. Der iSFP sichert den 5-%-Bonus und verdoppelt die förderfähige Kostenhöchstgrenze von 30.000 auf 60.000 EUR pro Wohneinheit.
- Wichtig: BAFA-Einzelmaßnahmen und KfW 261 lassen sich nicht für dieselbe Maßnahme kombinieren. Sie müssen sich pro Maßnahme für einen Förderweg entscheiden.
Spezialfall Denkmalschutz
Rund 5 % der Wohngebäude in Deutschland stehen unter Denkmalschutz. Hier gelten besondere Regeln:
- Außendämmung der Fassade ist bei erhaltenswerten Fassaden meist ausgeschlossen. Alternative: Innendämmung (30-80 EUR/m²), dabei ist eine fachgerechte Dampfbremse zwingend erforderlich.
- Fenstertausch muss das Erscheinungsbild wahren: Sprossen, Proportionen, Materialien. Denkmalschutzgerechte Fenster kosten 50-100 % mehr als Standardfenster.
- Dachdämmung ist in der Regel unproblematisch, da sie das äußere Erscheinungsbild nicht verändert (Zwischensparrendämmung oder Aufsparrendämmung).
- Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde ist in jedem Fall erforderlich, bevor Maßnahmen begonnen werden.
Innendämmung im Detail
Die Innendämmung ist die wichtigste Maßnahme bei denkmalgeschützten Fassaden. Sie ist bauphysikalisch anspruchsvoll, aber bei fachgerechter Ausführung sicher und wirksam:
- Kapillaraktive Systeme (Kalziumsilikat, Holzfaserplatten): Diese Materialien können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Sie verzeihen kleinere Ausführungsfehler und reduzieren das Schimmelrisiko. Typische Dämmstärke: 6-8 cm, erreichbarer U-Wert: 0,4-0,6 W/(m²·K). Kosten: 80-120 EUR/m² (Material und Montage).
- Systeme mit Dampfbremse (Mineralwolle, PUR/PIR-Platten): Höhere Dämmwirkung bei geringerer Stärke (4-6 cm, U-Wert 0,3-0,5 W/(m²·K)), aber fehlerempfindlicher. Eine lückenlose Dampfbremse auf der Raumseite ist zwingend. Kosten: 60-100 EUR/m².
- Kritische Punkte: Fensterlaibungen, Geschossdeckenanschlüsse und Innenwandanschlüsse sind die häufigsten Schwachstellen. Hier entstehen Wärmebrücken, die Schimmel verursachen können. Eine sorgfältige Detailplanung durch einen erfahrenen Planer ist unverzichtbar.
KfW Effizienzhaus Denkmal
Die KfW bietet für denkmalgeschützte Gebäude eine eigene Effizienzhausstufe: das KfW-Effizienzhaus Denkmal. Diese Stufe berücksichtigt, dass bei denkmalgeschützten Gebäuden nicht alle Maßnahmen technisch möglich sind, und akzeptiert daher höhere Energiebedarfswerte als bei regulären Effizienzhausstufen.
- Anforderung: Primärenergiebedarf max. 160 % des Referenzgebäudes (zum Vergleich: Effizienzhaus 70 verlangt max. 70 %).
- Förderung: Tilgungszuschuss von 5 %, maximale Kreditsumme 120.000 EUR (mit EE-Klasse: 150.000 EUR).
- Voraussetzung: Nachweis, dass das Gebäude denkmalgeschützt ist oder in einem Ensemble-Schutzgebiet liegt, und dass die Einschränkungen der Denkmalschutzbehörde ambitioniertere Standards verhindern.
Der Vorteil: Auch mit den Einschränkungen des Denkmalschutzes können Eigentümer von der KfW-Förderung profitieren, anstatt komplett darauf verzichten zu müssen.
Energetische Sanierung in der Praxis: Fallbeispiel
Um die Theorie greifbar zu machen, hier ein detailliertes Fallbeispiel einer typischen Altbausanierung.
Ausgangslage
- Gebäudetyp: Freistehendes Einfamilienhaus, Baujahr 1962
- Wohnfläche: 140 m², zwei Vollgeschosse, nicht ausgebautes Dach
- Bausubstanz: 24 cm Vollziegelmauerwerk ohne Dämmung (U-Wert Wand: 1,5 W/(m²·K)), Holzbalkendecke zum Dach ungedämmt, Einscheibenfenster teils durch Isolierverglasung ersetzt
- Heizung: Öl-Niedertemperaturkessel, Baujahr 1998, Heizkörper, Warmwasser über Heizung
- Energieverbrauch: ca. 280 kWh/m²a (Endenergie), Heizkosten ca. 4.200 EUR/a (3.500 l Heizöl)
- Energieausweis-Klasse (alt): H
Sanierungsmaßnahmen (umgesetzt in 2 Etappen)
Etappe 1 (Jahr 1): Gebäudehülle
| Maßnahme | Details | Kosten | Förderung (BAFA, 20 % mit iSFP) | Eigenanteil |
|---|---|---|---|---|
| Fassadendämmung | 16 cm EPS WDVS (WLG 035), U-Wert neu: 0,22 W/(m²·K) | 38.000 EUR | 7.600 EUR | 30.400 EUR |
| Dachdämmung | 22 cm Mineralwolle Zwischensparren + 6 cm Untersparren, U-Wert neu: 0,18 W/(m²·K) | 14.000 EUR | 2.800 EUR | 11.200 EUR |
| Fenster | 12 Stk. 3-fach-Verglasung, Uw: 0,95 W/(m²·K) | 14.400 EUR | 2.880 EUR | 11.520 EUR |
| Kellerdecke | 10 cm PUR-Platten, U-Wert neu: 0,28 W/(m²·K) | 5.600 EUR | 1.120 EUR | 4.480 EUR |
| Summe Etappe 1 | 72.000 EUR | 14.400 EUR | 57.600 EUR |
Etappe 2 (Jahr 2): Technik
| Maßnahme | Details | Kosten | Förderung | Eigenanteil |
|---|---|---|---|---|
| Wärmepumpe | Luft-Wasser-WP, 9 kW, JAZ 3,5 | 32.000 EUR | 21.000 EUR (70 % KfW 458) | 11.000 EUR |
| Flächenheizung EG | Fußbodenheizung Erdgeschoss (60 m²) | 7.200 EUR | in KfW 458 enthalten | 7.200 EUR |
| Lüftung mit WRG | Zentrale Lüftungsanlage, WRG 85 % | 6.500 EUR | 975 EUR (15 % BAFA) | 5.525 EUR |
| PV-Anlage | 8 kWp, Eigenverbrauch ca. 30 % | 9.600 EUR | EEG-Vergütung | 9.600 EUR |
| Summe Etappe 2 | 55.300 EUR | 22.975 EUR | 32.325 EUR |
Ergebnis
| Kennwert | Vor Sanierung | Nach Sanierung | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Endenergiebedarf | 280 kWh/m²a | 48 kWh/m²a | -83 % |
| Primärenergiebedarf | 310 kWh/m²a | 52 kWh/m²a | -83 % |
| CO₂-Emissionen | 8,4 t/a | 0,9 t/a | -89 % |
| Heizkosten | 4.200 EUR/a | 980 EUR/a | -77 % |
| Energieausweis-Klasse (neu, A-G) | G | B-C | deutliche Verbesserung |
Gesamtinvestition: 127.300 EUR brutto Gesamtförderung: 37.375 EUR Eigenanteil: 89.925 EUR Jährliche Einsparung: 3.220 EUR (Heizkosten) + ca. 700 EUR (PV-Eigenverbrauch) = 3.920 EUR Amortisation Eigenanteil: ca. 23 Jahre (bei konstanten Energiepreisen), ca. 16 Jahre (bei 3 % jährlicher Preissteigerung) Geschätzte Wertsteigerung: 50.000-80.000 EUR
Typische Fehler bei der Altbausanierung
- Heizung vor der Dämmung tauschen. Die Heizung wird zu groß dimensioniert, läuft ineffizient und kostet unnötig viel.
- Fenster tauschen ohne Fassade. Neue Fenster sind oft dichter als die alten Wände, und die Schimmelgefahr an den Fensterlaibungen steigt.
- Innendämmung ohne Dampfbremse. Feuchtigkeit aus der Raumluft kondensiert in der Dämmung und verursacht Bauschäden.
- Zu wenig Lüftung nach der Sanierung. Ein gedämmtes Haus ist dichter, und ohne ausreichende Lüftung steigt die Feuchtigkeit. Eine kontrollierte Lüftung mit WRG löst das Problem und spart zusätzlich Energie.
- Förderung zu spät beantragen. Der Antrag muss vor der Auftragserteilung gestellt werden, nicht erst nach Baubeginn.
Häufige Fragen
Lohnt sich die Sanierung eines Altbaus finanziell?
Bei Gebäuden vor 1978 fast immer. Die Energieeinsparung liegt bei 50-80 %, die Amortisation bei 10-20 Jahren, je nach Energiepreisentwicklung. Zusätzlich steigt der Immobilienwert um geschätzt 15-25 %. Bei Gebäuden ab 1995 sind Einzelmaßnahmen oft sinnvoller als eine Komplettsanierung.
Kann ich einen Altbau auf Wärmepumpe umrüsten?
Ja, auch im Altbau kann eine Wärmepumpe funktionieren, vorausgesetzt, die Gebäudehülle wird vorher (oder gleichzeitig) gedämmt. Entscheidend ist die Vorlauftemperatur: Liegt sie nach der Sanierung unter 55 Grad C, arbeitet eine Luft-Wasser-Wärmepumpe effizient. Größere Heizkörper oder eine Fußbodenheizung im Erdgeschoss können helfen, die Vorlauftemperatur zu senken.
Muss ich alle Maßnahmen auf einmal machen?
Nein. Eine schrittweise Sanierung ist möglich und wird sogar durch den iSFP (individuellen Sanierungsfahrplan) unterstützt. Der iSFP legt fest, in welcher Reihenfolge die Maßnahmen über 15 Jahre umgesetzt werden, und sichert den zusätzlichen 5-%-Förderbonus bei BAFA-Einzelmaßnahmen.
Was kostet ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)?
Ein iSFP kostet für ein Ein- oder Zweifamilienhaus ca. 1.500-2.500 EUR. Die BAFA fördert die Energieberatung mit 50 %, maximal 650 EUR (EFH/ZFH). Der Eigenanteil liegt damit bei ca. 750-1.850 EUR. Angesichts des 5-%-Förderbonus auf alle Folge-Maßnahmen und der Verdopplung der förderfähigen Kosten von 30.000 auf 60.000 EUR rechnet sich der iSFP in der Regel schon bei einer einzigen umgesetzten Maßnahme.
Ab welchem Energieverbrauch lohnt sich eine Komplettsanierung?
Als Faustregel: Bei einem Endenergieverbrauch über 200 kWh/m²a ist eine Komplettsanierung fast immer wirtschaftlich sinnvoll, insbesondere wenn ohnehin Instandhaltungsmaßnahmen anstehen. Bei 150-200 kWh/m²a lohnt sich eine sorgfältige Einzelfallprüfung. Unter 150 kWh/m²a (typisch für Gebäude ab Baujahr 1979-1994) sind gezielte Einzelmaßnahmen oft die bessere Wahl.
Wie finde ich einen guten Energieberater?
Nutzen Sie die Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes (www.energie-effizienz-experten.de). Nur dort gelistete Berater dürfen den iSFP erstellen und BAFA-/KfW-Förderanträge begleiten. Achten Sie auf Erfahrung mit Ihrem Gebäudetyp (Altbau, Denkmal) und holen Sie mindestens zwei Angebote ein.
Welche Rolle spielt der neue Energieausweis bei der Sanierung?
Mit der neuen A-G-Effizienzklassifizierung wird die Energieeffizienz von Gebäuden transparenter und vergleichbarer. Die Effizienzklasse beeinflusst den Marktwert und die Vermietbarkeit. Nach einer Sanierung sollten Sie einen neuen Energieausweis ausstellen lassen, der den verbesserten Zustand dokumentiert. Der Sprung um zwei oder mehr Klassen (z. B. von G auf C) ist ein starkes Verkaufs- und Vermietungsargument.
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