Innendämmung: Kosten, Methoden & Dampfbremse 2026
Innendämmung 2026: 3 Methoden von 40-120 EUR/m², U-Werte bis 0,4 W/(m2K). Dampfbremse, Taupunkt, Förderung und Rechenbeispiel für den Altbau.

Die Außenwand ist in vielen Altbauten der größte Schwachpunkt in der thermischen Gebäudehülle. Eine Fassadendämmung von außen -- also ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) oder eine vorgehängte hinterlüftete Fassade -- ist bauphysikalisch die beste Lösung. Doch es gibt Situationen, in denen eine Außendämmung schlicht nicht möglich oder nicht zulässig ist: denkmalgeschützte Fassaden, Grenzbebauung ohne Platz für den Dämmaufbau, erhaltenswerte Sichtfassaden aus Klinker oder Naturstein, Mischnutzung mit uneinigen Eigentümergemeinschaften. In all diesen Fällen bleibt die Innendämmung als einzige Möglichkeit, den Transmissionswärmeverlust der Außenwand zu reduzieren.
Die Innendämmung ist bauphysikalisch anspruchsvoller als die Außendämmung, aber bei korrekter Ausführung eine sichere und wirksame Maßnahme. Dieser Ratgeber erklärt die drei gängigen Methoden, nennt realistische Kosten für 2026, behandelt das kritische Thema Dampfbremse und Taupunktverschiebung und zeigt, wie Sie die BAFA-Förderung optimal nutzen.
Wann ist eine Innendämmung sinnvoll?
Die Innendämmung ist keine Notlösung, sondern eine gezielte Maßnahme für klar definierte Situationen. Bevor Sie investieren, sollten Sie prüfen, ob eine der folgenden Bedingungen zutrifft:
Typische Einsatzfälle:
- Denkmalschutz: Die Fassade steht unter Denkmalschutz und darf nicht verändert werden. Das betrifft in Deutschland rund 1,3 Millionen Gebäude.
- Grenzbebauung: Das Gebäude steht direkt an der Grundstücksgrenze. Ein WDVS mit 12--16 cm Dämmstärke würde in den öffentlichen Raum oder auf das Nachbargrundstück ragen.
- Erhaltenswerte Fassade: Klinkerfassaden, Sichtmauerwerk, aufwendige Stuckfassaden oder regionaltypische Natursteinfassaden, die nicht hinter einer Putzschicht verschwinden sollen.
- Einzelne Wohnungen: In Mehrfamilienhäusern kann eine Wohnungseigentümerin oder ein Wohnungseigentümer die Innendämmung in der eigenen Einheit umsetzen, ohne die Zustimmung der gesamten Eigentümergemeinschaft zu benötigen.
- Wirtschaftliche Gründe: Wenn nur einzelne Räume oder Wandbereiche besonders kalt sind, kann eine punktuelle Innendämmung wirtschaftlicher sein als eine vollflächige Außendämmung.
Tipp: Lassen Sie vor der Planung einen Energieberater prüfen, ob eine Außendämmung wirklich ausgeschlossen ist. Die Außendämmung ist bauphysikalisch robuster und in den meisten Fällen wirtschaftlicher. Nur wenn eine Außendämmung nachweislich nicht realisierbar ist, sollte die Innendämmung zum Einsatz kommen.
Die drei Methoden der Innendämmung im Überblick
| Methode | Kosten pro m² (inkl. Einbau) | U-Wert erreichbar | Aufbaustärke | Dampfbremse erforderlich | Eigenleistung |
|---|---|---|---|---|---|
| Verbundplatten (Kalziumsilikat) | 60--100 EUR | 0,4--0,6 W/(m2K) | 6--8 cm | Nein (kapillaraktiv) | Bedingt geeignet |
| Vorsatzschale mit Dämmung | 80--120 EUR | 0,3--0,5 W/(m2K) | 8--14 cm | Ja (zwingend) | Bedingt geeignet |
| Dämmputz | 40--70 EUR | 0,5--0,8 W/(m2K) | 3--6 cm | Nein | Nur vom Fachbetrieb |
Jede Methode hat spezifische Stärken und Grenzen. Im Folgenden werden alle drei detailliert beschrieben.
Verbundplatten (Kalziumsilikat) -- der Standard bei Innendämmung
Kalziumsilikatplatten sind das am häufigsten eingesetzte Material für die Innendämmung. Der Grund: Sie sind kapillaraktiv und können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, ohne dass eine separate Dampfbremse erforderlich ist. Das reduziert das Schimmelrisiko erheblich und vereinfacht die Konstruktion.
Aufbau und Funktionsweise
Der typische Aufbau besteht aus drei Schichten:
- Klebemörtel (Leichtmörtel): Die Platten werden vollflächig mit einem Leichtmörtel auf die bestehende Wand geklebt. Hohlräume hinter der Platte sind nicht zulässig, da dort Tauwasser kondensieren könnte.
- Kalziumsilikatplatte (5--8 cm): Die mineralische Platte hat eine Wärmeleitfähigkeit von etwa 0,060--0,065 W/(mK). Das ist deutlich mehr als bei konventionellen Dämmstoffen (EPS: 0,032--0,035 W/(mK)), weshalb die Dämmwirkung bei gleicher Stärke geringer ausfällt.
- Innenputz oder Spachtelmasse: Abschließend wird die Platte verputzt oder gespachtelt und kann gestrichen oder tapeziert werden.
Materialkosten und Gesamtkosten
| Position | Kosten pro m² |
|---|---|
| Kalziumsilikatplatte (6 cm) | 25--40 EUR |
| Klebemörtel (Leichtmörtel) | 5--10 EUR |
| Innenputz/Spachtelung | 5--8 EUR |
| Arbeitskosten Fachbetrieb | 25--42 EUR |
| Gesamtkosten (inkl. Einbau) | 60--100 EUR |
Vorteile der Kalziumsilikatplatten
- Keine separate Dampfbremse nötig (kapillaraktives System)
- Alkalisches Material hemmt Schimmelbildung (pH-Wert ca. 10)
- Nicht brennbar (Baustoffklasse A1)
- Gute Verträglichkeit mit historischem Mauerwerk
- Feuchteregulierende Wirkung verbessert das Raumklima
Nachteile
- Geringere Dämmwirkung pro Zentimeter als konventionelle Dämmstoffe
- Höherer Materialpreis als EPS oder Mineralwolle
- Vollflächiges Kleben erfordert sorgfältige Ausführung
- Untergrund muss tragfähig und weitgehend eben sein
Tipp: Kalziumsilikatplatten sind die sicherste Wahl für die Innendämmung im Altbau. Die kapillaraktive Funktion reduziert das Feuchtigkeitsrisiko erheblich. Investieren Sie in eine saubere Verarbeitung -- ein hohlraumfreier Klebemörtelauftrag ist der entscheidende Faktor.
Vorsatzschale mit Dämmung -- maximale Dämmwirkung
Bei der Vorsatzschale wird eine Unterkonstruktion (Metallprofile oder Holzlatten) vor die Außenwand gestellt, der Zwischenraum mit Dämmstoff gefüllt und die Konstruktion mit Gipskartonplatten oder Gipsfaserplatten bekleidet. Diese Methode erlaubt die höchste Dämmwirkung, ist aber bauphysikalisch am kritischsten.
Aufbau
- Dampfbremse (zwingend): Auf der raumseitigen Seite der Dämmung muss eine Dampfbremsfolie luftdicht verlegt werden.
- Gipskarton-/Gipsfaserplatte: Bekleidung der Unterkonstruktion.
- Dämmstoff (Mineralwolle oder Holzfaser): 6--10 cm zwischen den Profilen.
- Unterkonstruktion: Metallprofile (CW/UW) oder Holzlatten.
- Bestandswand: Die vorhandene Außenwand.
Kosten
| Position | Kosten pro m² |
|---|---|
| Unterkonstruktion (Metallprofile) | 8--15 EUR |
| Dämmstoff (Mineralwolle 8 cm, WLG 035) | 8--15 EUR |
| Dampfbremsfolie inkl. Klebebänder | 3--6 EUR |
| Gipskartonplatte (12,5 mm) | 5--10 EUR |
| Spachteln, Grundieren, Streichen | 8--12 EUR |
| Arbeitskosten Fachbetrieb | 48--62 EUR |
| Gesamtkosten (inkl. Einbau) | 80--120 EUR |
Vorteile
- Beste Dämmwirkung: U-Werte von 0,3--0,5 W/(m2K) erreichbar
- Leitungen und Installationen können in der Vorsatzschale geführt werden
- Unebenheiten der Bestandswand werden ausgeglichen
- Günstigere Dämmstoffe einsetzbar (Mineralwolle statt Kalziumsilikat)
Nachteile
- Dampfbremse muss absolut luftdicht ausgeführt werden -- jede Fehlstelle ist ein Schadenspotenzial
- Höchster Wohnflächenverlust (8--14 cm Aufbaustärke)
- Fensterbänke, Steckdosen, Heizkörper und Türzargen müssen angepasst werden
- Wärmebrücken an den Anschlüssen zu Innenwänden, Decken und Böden müssen sorgfältig gelöst werden
Dämmputz -- die dezenteste Lösung
Dämmputz besteht aus einem speziellen Putz mit wärmedämmenden Zuschlagstoffen (Perlite, Aerogel oder Blähglas). Er wird in mehreren Schichten direkt auf die Bestandswand aufgetragen. Die Dämmwirkung ist geringer als bei den anderen Methoden, dafür ist der Flächenverlust minimal.
Kosten und Eigenschaften
| Position | Kosten pro m² |
|---|---|
| Dämmputz (3--6 cm, je nach Produkt) | 20--35 EUR |
| Grundierung und Vorbehandlung | 3--5 EUR |
| Innenputz/Feinputz | 5--8 EUR |
| Arbeitskosten Fachbetrieb | 12--22 EUR |
| Gesamtkosten (inkl. Einbau) | 40--70 EUR |
Erreichbare Dämmwirkung:
| Dämmputz-Typ | Wärmeleitfähigkeit | Aufbaustärke | U-Wert-Verbesserung |
|---|---|---|---|
| Perlite-Dämmputz | 0,060--0,080 W/(mK) | 3--6 cm | Moderat |
| Aerogel-Dämmputz | 0,028--0,035 W/(mK) | 2--4 cm | Gut |
| Blähglas-Dämmputz | 0,060--0,090 W/(mK) | 4--6 cm | Moderat |
Vorteile
- Geringster Flächenverlust (3--6 cm)
- Keine Dampfbremse bei kapillaraktiven Produkten erforderlich
- Gute Verträglichkeit mit historischem Mauerwerk
- Keine aufwendige Unterkonstruktion
Nachteile
- Geringste Dämmwirkung der drei Methoden
- Aerogel-Dämmputze sind teuer (bis 70 EUR/m2)
- Aufwendige Handwerksarbeit (mehrere Putzlagen)
- U-Werte unter 0,5 W/(m2K) nur mit Aerogel-Putzen erreichbar
Tipp: Dämmputz eignet sich besonders für Räume, in denen jeder Zentimeter zählt -- zum Beispiel enge Flure oder kleine Bäder. Wenn die Außenwand einen U-Wert von 1,5 W/(m2K) oder schlechter aufweist, bringt selbst ein 4-cm-Dämmputz eine spürbare Verbesserung.
Bauphysik: Dampfbremse und Taupunktverschiebung
Die Bauphysik ist bei der Innendämmung der entscheidende Faktor. Wer hier Fehler macht, riskiert Feuchteschäden und Schimmel in der Konstruktion. Das Grundproblem: Bei der Innendämmung liegt die Dämmschicht auf der warmen Seite der Wand. Dadurch wird die Bestandswand kälter als zuvor -- der Taupunkt verschiebt sich in die Konstruktion.
Was ist die Taupunktverschiebung?
Warme Raumluft enthält Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf. Dieser Dampf wandert durch die Wand nach außen (Dampfdiffusion). Ohne Innendämmung ist die Wand warm genug, damit der Dampf die Wand durchdringt, ohne zu kondensieren.
Mit Innendämmung wird die Bestandswand kälter. Der Taupunkt -- also die Temperatur, bei der die Luft ihre Feuchtigkeit als Kondenswasser abgibt -- kann nun innerhalb der Wand oder an der Grenzfläche zwischen Dämmung und Bestandswand liegen. Dort kondensiert dann Feuchtigkeit.
Die zwei Strategien gegen Feuchteschäden
Strategie 1: Dampfbremse (diffusionsdicht)
Eine Dampfbremsfolie auf der raumseitigen Oberfläche der Dämmung verhindert, dass Raumfeuchtigkeit in die Konstruktion eindringt. Das funktioniert, wenn die Folie absolut luftdicht verlegt ist. Jede Fehlstelle -- ein nicht verklebter Stoß, eine Durchdringung durch eine Steckdose, ein Nagel -- wird zur Schadstelle, an der Feuchtigkeit in die Konstruktion gelangt und kondensiert.
Sogenannte feuchtevariable Dampfbremsen (z. B. Intello von Pro Clima) passen ihren Diffusionswiderstand an die Feuchtebedingungen an: Im Winter sind sie dampfdicht und verhindern das Eindringen von Raumfeuchte. Im Sommer werden sie dampfdurchlässiger und ermöglichen eine Rücktrocknung der Konstruktion. Diese Variante bietet ein deutlich höheres Sicherheitsniveau als starre Dampfsperren.
Strategie 2: Kapillaraktive Dämmstoffe (diffusionsoffen)
Kapillaraktive Materialien wie Kalziumsilikat nehmen Feuchtigkeit auf und transportieren sie durch Kapillarwirkung zurück zur Raumoberfläche, wo sie verdunsten kann. Die Feuchtigkeit wird nicht blockiert, sondern kontrolliert umverteilt. Eine separate Dampfbremse entfällt.
Voraussetzung: Das System muss vollflächig und hohlraumfrei verklebt sein. Luftschichten hinter der Platte würden die Kapillarfunktion unterbrechen.
Wärmebrücken an Innenwandanschlüssen
Ein oft unterschätztes Problem bei der Innendämmung: An den Stellen, wo Innenwände, Decken oder Böden auf die Außenwand treffen, entsteht eine geometrische Wärmebrücke. Die Innendämmung endet an der Innenwand, aber die Außenwand ist an dieser Stelle nicht gedämmt. Die Folge: Dort ist die Wandoberfläche kalt, und es kann zu Kondensation und Schimmelbildung kommen.
Lösungen:
- Dämmkeile (Flankendämmung): An den Anschlüssen von Innenwänden und Decken werden keilförmige Dämmstreifen (ca. 20--30 cm Breite) angebracht, die den Temperaturverlauf glätten.
- Innenwände thermisch entkoppeln: In der Planungsphase kann geprüft werden, ob Innenwände an der Anschlussstelle zur Außenwand getrennt werden können.
- Hygrothermische Simulation: Ein Energieberater oder Bauphysiker kann mit Software (z. B. WUFI oder Delphin) die kritischen Stellen simulieren und die richtige Lösung dimensionieren.
Tipp: Lassen Sie bei der Innendämmung immer eine hygrothermische Berechnung durchführen -- nicht nur für die Fläche, sondern auch für die Anschlussdetails. Die Kosten von 300--600 EUR für eine professionelle Berechnung stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten einer Schimmelsanierung.
Wohnflächenverlust: Wie viel Platz kostet die Innendämmung?
Ein häufiger Einwand gegen die Innendämmung ist der Verlust an Wohnfläche. Die folgende Tabelle zeigt den tatsächlichen Flächenverlust für einen typischen Raum (4 m x 5 m = 20 m2 Grundfläche, zwei Außenwände):
| Methode | Aufbaustärke | Flächenverlust pro Raum | Anteil an Raumfläche |
|---|---|---|---|
| Dämmputz | 3--6 cm | 0,27--0,54 m2 | 1,4--2,7 % |
| Kalziumsilikatplatten | 6--8 cm | 0,54--0,72 m2 | 2,7--3,6 % |
| Vorsatzschale mit Dämmung | 8--14 cm | 0,72--1,26 m2 | 3,6--6,3 % |
Berechnung: Zwei Außenwände mit je 4 m bzw. 5 m Länge. Flächenverlust = (Wandlänge 1 + Wandlänge 2) x Aufbaustärke
Bei einer Aufbaustärke von 8 cm (typisch für Kalziumsilikat) und zwei Außenwänden verliert ein 20-m2-Raum also rund 0,72 m2 -- das entspricht 3,6 %. In den meisten Fällen ist das hinnehmbar. Bei kleinen Räumen unter 10 m2 oder Räumen mit drei Außenwänden kann der Verlust jedoch spürbar werden.
Kosten für ein typisches Altbau-Projekt
Rechenbeispiel: Innendämmung einer Altbauwohnung (70 m2)
Ausgangssituation:
- Altbauwohnung, Baujahr 1910, denkmalgeschützte Fassade
- 3 Räume mit Außenwänden, zusammen 45 m2 Wandfläche (abzüglich Fenster)
- Bestandswand: 36 cm Vollziegel, U-Wert 1,5 W/(m2K)
- Methode: Kalziumsilikatplatten, 6 cm
| Position | Kosten |
|---|---|
| Material (Kalziumsilikat, Mörtel, Putz) | 1.575--2.160 EUR |
| Arbeitskosten Fachbetrieb | 1.125--1.890 EUR |
| Nebenarbeiten (Steckdosen, Fensterbänke, Heizungsrohre) | 400--800 EUR |
| Flankendämmung (Dämmkeile an Innenwänden/Decken) | 300--500 EUR |
| Hygrothermische Berechnung | 300--600 EUR |
| Gesamtkosten brutto | 3.700--5.950 EUR |
| Kosten pro m2 Wandfläche | 82--132 EUR/m2 |
Kostenvergleich: Innendämmung vs. Außendämmung
| Kriterium | Innendämmung (Kalziumsilikat) | Außendämmung (WDVS) |
|---|---|---|
| Kosten pro m2 | 60--100 EUR | 120--250 EUR |
| U-Wert erreichbar | 0,4--0,6 W/(m2K) | 0,15--0,24 W/(m2K) |
| Wohnflächenverlust | 6--8 cm pro Wand | Keiner |
| Gerüst erforderlich | Nein | Ja |
| Bewohnbar während Arbeiten | Eingeschränkt | Ja |
| Bauphysikalische Sicherheit | Mittel (wenn korrekt ausgeführt) | Hoch |
| Denkmalschutz-tauglich | Ja | Meist nein |
Die Innendämmung ist pro Quadratmeter günstiger als die Außendämmung, erreicht aber einen deutlich schlechteren U-Wert. Die Gesamtenergieeinsparung ist daher geringer, und die Amortisationszeit ist länger. Die Innendämmung ist eine gute Lösung, wenn die Außendämmung nicht möglich ist -- aber kein gleichwertiger Ersatz.
Förderung 2026: BAFA-Zuschuss für die Innendämmung
Die Innendämmung wird als Einzelmaßnahme an der Gebäudehülle über die Bundesförderung für effiziente Gebäude -- Einzelmaßnahmen (BEG EM) gefördert. Zuständig ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).
| Förderweg | Zuschuss | Förderfähige Kosten pro WE |
|---|---|---|
| BAFA-Einzelmaßnahme (Gebäudehülle) | 15 % | Max. 30.000 EUR |
| Mit iSFP-Bonus | 20 % (15 % + 5 %) | Max. 60.000 EUR |
Voraussetzungen
- U-Wert nach Sanierung: Der U-Wert der gedämmten Wand muss die Anforderungen der BEG-Richtlinie erfüllen. Für Außenwände gilt ein maximaler U-Wert von 0,24 W/(m2K).
- Sonderregelung Innendämmung: Wenn der geforderte U-Wert von 0,24 W/(m2K) mit einer Innendämmung aus technischen Gründen nicht erreichbar ist (z. B. wegen zu geringem Platz oder bauphysikalischen Einschränkungen), kann im Einzelfall eine Ausnahme beantragt werden. Der Energieberater muss dies im Antrag begründen.
- Fachunternehmer: Die Arbeiten müssen durch einen qualifizierten Fachbetrieb ausgeführt werden.
- Energieeffizienz-Experte: Für den Antrag ist die Einbindung eines Energieeffizienz-Experten aus der dena-Expertenliste erforderlich.
- Antragstellung vor Beginn: Der BAFA-Antrag muss genehmigt sein, bevor ein Auftrag erteilt oder mit den Arbeiten begonnen wird.
Rechenbeispiel Förderung
| Position | Betrag |
|---|---|
| Gesamtkosten (aus Beispiel oben) | 5.000 EUR |
| BAFA-Zuschuss ohne iSFP (15 %) | 750 EUR |
| BAFA-Zuschuss mit iSFP (20 %) | 1.000 EUR |
| Eigenanteil ohne iSFP | 4.250 EUR |
| Eigenanteil mit iSFP | 4.000 EUR |
Die Förderung deckt bei der Innendämmung einen nennenswerten Teil der Kosten. Bedenken Sie: Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) kostet für ein Ein-/Zweifamilienhaus ca. 300--500 EUR Eigenanteil (nach BAFA-Förderung des iSFP selbst) und bringt neben dem Förderbonus eine fundierte Gesamtstrategie für die Sanierung.
Tipp: Prüfen Sie, ob Ihre Kommune oder Ihr Bundesland zusätzliche Förderprogramme für die Innendämmung anbietet. Einige Kommunen bezuschussen Maßnahmen an denkmalgeschützten Gebäuden gesondert. Die Förderdatenbank des Bundes unter foerderdatenbank.de listet alle Programme.
Energieeinsparung und Amortisation
Rechenbeispiel: Altbauwohnung mit Innendämmung
| Kennwert | Vor Innendämmung | Nach Innendämmung |
|---|---|---|
| U-Wert Außenwand | 1,5 W/(m2K) | 0,5 W/(m2K) |
| Transmissionswärmeverlust (45 m2 Wandfläche) | ca. 4.860 kWh/a | ca. 1.620 kWh/a |
| Einsparung | -- | ca. 3.240 kWh/a |
| Heizkostenersparnis (Gas, 11 ct/kWh inkl. CO2-Preis 2026) | -- | ca. 356 EUR/a |
Berechnung: Q = U x A x Gt. Gradtagzahl Berlin: ca. 72.000 Kh (3.000 K x 24 h = 72.000 Kh). Vereinfacht: Einsparung = (1,5 - 0,5) x 45 x 72 = 3.240 kWh/a.
| Amortisation | Ohne Förderung | Mit BAFA 20 % |
|---|---|---|
| Investition | 5.000 EUR | 4.000 EUR |
| Jährliche Einsparung | 356 EUR | 356 EUR |
| Amortisation | ca. 14 Jahre | ca. 11 Jahre |
Die Amortisation der Innendämmung ist länger als bei einer Kellerdeckendämmung (3--6 Jahre) oder Geschossdeckendämmung (3--7 Jahre), aber kürzer als bei vielen anderen Sanierungsmaßnahmen. Bedenken Sie außerdem: In denkmalgeschützten Gebäuden ist die Innendämmung oft die einzige Möglichkeit, die Heizkosten zu senken -- der Vergleich mit der Außendämmung ist dann irrelevant.
Materialvergleich für die Innendämmung
| Material | Wärmeleitfähigkeit | Typische Stärke | Kosten/m2 (Material) | Dampfbremse nötig | Brandklasse | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kalziumsilikat | 0,060--0,065 W/(mK) | 6--8 cm | 25--40 EUR | Nein | A1 | Kapillaraktiv, schimmelhemmend |
| Mineralwolle (Vorsatzschale) | 0,035--0,040 W/(mK) | 6--10 cm | 8--15 EUR | Ja | A1 | Beste Dämmwirkung pro EUR |
| Holzfaserplatte | 0,038--0,045 W/(mK) | 6--10 cm | 15--30 EUR | Bedingt | B1 | Kapillaraktiv, guter Sommerwärmeschutz |
| Perlite-Dämmputz | 0,060--0,080 W/(mK) | 3--6 cm | 20--35 EUR | Nein | A1 | Geringster Aufbau |
| Aerogel-Dämmputz | 0,028--0,035 W/(mK) | 2--4 cm | 40--70 EUR | Nein | A1 | Dünnster Aufbau, hoher Preis |
| PUR-Verbundplatten | 0,024--0,028 W/(mK) | 4--6 cm | 20--35 EUR | Ja (integriert) | B1/B2 | Hohe Dämmwirkung, nicht kapillaraktiv |
Tipp: Für die meisten Innendämmungsprojekte im Altbau empfehlen sich Kalziumsilikatplatten. Bei engen Platzverhältnissen und hohem Budget ist Aerogel-Dämmputz eine Alternative. Die Vorsatzschale mit Mineralwolle bietet die beste Dämmwirkung pro investiertem Euro, erfordert aber eine fehlerfreie Dampfbremse.
Schritt-für-Schritt: Ablauf einer Innendämmung
- Bestandsaufnahme: Energieberater prüft den Bestandsaufbau, misst die vorhandenen U-Werte und identifiziert kritische Stellen (Wärmebrücken, Feuchtigkeit).
- Hygrothermische Berechnung: Simulation des Feuchteverhaltens in der neuen Konstruktion. Festlegung der Methode und Materialstärke.
- BAFA-Antrag stellen: Vor Auftragserteilung den Förderantrag beim BAFA einreichen. Bearbeitungszeit: derzeit 4--8 Wochen.
- Fachbetrieb beauftragen: Erst nach Bewilligung des Förderantrags darf ein Auftrag erteilt werden.
- Vorbereitung: Raum räumen, alte Tapeten und lose Putzschichten entfernen, Untergrund prüfen.
- Montage: Platten kleben (Kalziumsilikat), Vorsatzschale errichten oder Dämmputz auftragen.
- Anschlüsse: Flankendämmung an Innenwänden, Decken und Böden anbringen. Fensterlaibungen dämmen.
- Oberfläche: Verputzen, spachteln, streichen oder tapezieren.
- Dokumentation: Fachunternehmer erstellt Verwendungsnachweis für die BAFA-Abrechnung.
Häufige Fragen
Ist eine Innendämmung ohne Dampfbremse möglich?
Ja, wenn kapillaraktive Materialien wie Kalziumsilikatplatten oder bestimmte Holzfaserplatten verwendet werden. Diese Materialien regulieren die Feuchtigkeit eigenständig und benötigen keine separate Dampfbremse. Voraussetzung ist eine vollflächige, hohlraumfreie Verklebung. Bei einer Vorsatzschale mit Mineralwolle oder PUR-Platten ist eine Dampfbremse hingegen zwingend erforderlich.
Wie viel Wohnfläche verliere ich durch eine Innendämmung?
Bei einer typischen Kalziumsilikat-Innendämmung (6--8 cm) und zwei Außenwänden verliert ein 20-m2-Raum rund 0,5--0,7 m2 (2,5--3,6 %). Bei Dämmputz (3--6 cm) ist der Verlust geringer. Bei einer Vorsatzschale (8--14 cm) kann der Verlust bis zu 6 % betragen. In der Praxis fällt der Verlust weniger auf, als die Zahlen vermuten lassen.
Führt eine Innendämmung zwangsläufig zu Schimmel?
Nein. Schimmel entsteht, wenn die Konstruktion dauerhaft feucht wird. Bei korrekter Ausführung -- also mit kapillaraktiven Materialien oder einer fehlerfreien Dampfbremse -- ist das Risiko beherrschbar. Probleme treten auf, wenn die Dampfbremse Lücken hat, Hohlräume hinter der Dämmung existieren oder die Wärmebrücken an den Innenwandanschlüssen nicht behandelt werden. Eine hygrothermische Berechnung vor der Ausführung ist deshalb unverzichtbar.
Kann ich die Innendämmung in Eigenleistung ausführen?
Grundsätzlich ja, aber mit Einschränkungen. Für die BAFA-Förderung ist die Ausführung durch einen Fachbetrieb Pflicht. Ohne Förderung können handwerklich geschickte Eigentümer Kalziumsilikatplatten selbst verkleben. Von einer Vorsatzschale mit Dampfbremse in Eigenleistung ist abzuraten -- die Anforderungen an die Luftdichtheit sind zu hoch. Dämmputz erfordert professionelle Verputzkenntnisse und ist für Laien nicht geeignet.
Was kostet eine Innendämmung im Vergleich zur Außendämmung?
Die Innendämmung kostet 40--120 EUR/m2, die Außendämmung (WDVS) 120--250 EUR/m2. Allerdings erreicht die Außendämmung deutlich bessere U-Werte (0,15--0,24 vs. 0,4--0,6 W/(m2K)) und hat keine bauphysikalischen Risiken durch Taupunktverschiebung. Pro eingesparter Kilowattstunde ist die Außendämmung daher oft wirtschaftlicher -- sie ist immer die erste Wahl, wenn sie baulich möglich ist.
Welche Innendämmung eignet sich für denkmalgeschützte Gebäude?
Kalziumsilikatplatten sind die erste Wahl für denkmalgeschützte Gebäude. Sie sind kapillaraktiv (keine Dampfbremse nötig), verträglich mit historischem Mauerwerk und als mineralischer Baustoff diffusionsoffen. Auch Holzfaserdämmplatten werden im Denkmalschutz eingesetzt. Aerogel-Dämmputze eignen sich, wenn minimaler Aufbau gefordert ist. Sprechen Sie die Maßnahme immer mit der Denkmalschutzbehörde ab -- in vielen Fällen ist eine Genehmigung erforderlich.
Fazit und nächste Schritte
Die Innendämmung ist eine bewährte Lösung für Gebäude, bei denen eine Außendämmung nicht in Frage kommt. Mit Kalziumsilikatplatten (60--100 EUR/m2) erhalten Sie ein sicheres, kapillaraktives System ohne Dampfbremse. Die Vorsatzschale (80--120 EUR/m2) bietet die beste Dämmwirkung, erfordert aber eine fehlerfreie Dampfbremse. Dämmputz (40--70 EUR/m2) ist die dezenteste Variante mit minimalem Flächenverlust.
Entscheidend ist die sorgfältige Planung: Eine hygrothermische Berechnung, die korrekte Behandlung der Wärmebrücken an Innenwandanschlüssen und die Wahl des richtigen Systems für Ihren spezifischen Bestandsaufbau. Die BAFA-Förderung (15 % + 5 % iSFP-Bonus) reduziert den Eigenanteil spürbar.
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