Etagenwärmepumpe: Alternative zur Gasetagenheizung 2026
Etagenwärmepumpe statt Gasetagenheizung: Luft-Luft ab 3.000 EUR, Luft-Wasser ab 8.000 EUR. KfW-Förderung bis 70 % pro Wohneinheit, Technik und 3 Praxisbeispiele.

In Deutschland sind schätzungsweise 3,5 bis 4 Millionen Wohnungen mit Gasetagenheizungen ausgestattet -- dezentrale Gasthermen, die Heizung und Warmwasser jeweils für eine einzelne Wohnung bereitstellen. Dieses System steht vor dem Ende: Steigende Gaspreise, die CO₂-Bepreisung und die 65-%-Erneuerbare-Energien-Pflicht des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) machen eine Nachfolgelösung nötig. Die zentrale Wärmepumpe im Keller ist die naheliegende Alternative -- aber in vielen Mehrfamilienhäusern (MFH) scheitert sie an der WEG-Beschlussfassung, an fehlendem Platz für ein zentrales Heizsystem oder an der Kostenverteilung.
Hier kommt die Etagenwärmepumpe ins Spiel: ein dezentrales System, bei dem jede Wohnung ihre eigene Wärmepumpe erhält -- mit einem Außengerät an der Fassade oder auf dem Balkon und einem Innengerät in der Wohnung. Dieses Konzept ist technisch ausgereift, wird von mehreren Herstellern angeboten und ist seit 2025 zunehmend in der Praxis verbreitet. Dieser Artikel erklärt die Technik, die Kosten, die Förderung und die Herausforderungen -- mit konkreten Beispielen aus der Praxis.
Was ist eine Etagenwärmepumpe?
Eine Etagenwärmepumpe ist eine Wärmepumpe, die eine einzelne Wohnung (Etage) mit Heizung und optional Warmwasser versorgt. Sie besteht aus zwei Komponenten:
- Außengerät: Enthält den Verdampfer und den Ventilator. Es wird an der Fassade, auf dem Balkon, auf dem Dach oder im Innenhof montiert. Typische Abmessungen: 80 x 55 x 30 cm (B x H x T), Gewicht: 30-50 kg.
- Innengerät: Enthält den Kompressor, den Verflüssiger und die Regelung. Es wird in der Wohnung installiert -- je nach Typ als Wandgerät (ähnlich einer Klimaanlage), als Hydro-Modul (für Anschluss an Heizkörper/Fußbodenheizung) oder als Truhengerät.
Die Verbindung zwischen Außen- und Innengerät erfolgt über Kältemittelleitungen (bei Split-Systemen) oder Luft-Kanäle (bei kompakten Systemen). Die Leistung liegt typischerweise bei 3-8 kW -- ausreichend für eine 60-120 m² große Wohnung.
Typen von Etagenwärmepumpen
Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Technologien, die jeweils unterschiedliche Einsatzbereiche haben.
Typ 1: Luft-Luft-Wärmepumpe (Split-Klimaanlage mit Heizfunktion)
Die Luft-Luft-Wärmepumpe erwärmt die Raumluft direkt -- ohne Umweg über ein Wasserheizsystem. Das Prinzip ist identisch mit einer reversiblen Split-Klimaanlage: Im Sommer kühlt sie, im Winter heizt sie.
Technische Daten:
| Kennwert | Typischer Bereich |
|---|---|
| Heizleistung | 2,5-6,0 kW |
| COP bei A7/A20 (Heizen) | 4,0-5,5 |
| COP bei A-7/A20 (Heizen) | 2,5-3,5 |
| Jahresarbeitszahl (JAZ) | 3,0-4,5 |
| Vorlauftemperatur | Nicht zutreffend (direkte Lufterwärmung) |
| Kältemittel | R32 oder R290 |
| Schallleistungspegel Außengerät | 40-52 dB(A) |
| Schallleistungspegel Innengerät | 19-30 dB(A) |
Vorteile:
- Günstigste Option: 3.000-6.000 EUR pro Wohnung (inkl. Installation)
- Kühlfunktion im Sommer inklusive
- Keine Änderung an der Heizungsverteilung nötig
- Schnelle Installation (1-2 Tage pro Wohnung)
- Sehr hohe Effizienz bei moderatem Klima
Nachteile:
- Keine Warmwasserbereitung (separater Durchlauferhitzer nötig)
- Ungleichmäßige Wärmeverteilung (warme Luft steigt auf)
- Trocknet die Raumluft leicht aus
- Nicht kompatibel mit Heizkörpern oder Fußbodenheizung
- In Deutschland als "Heizung" weniger akzeptiert als wassergeführte Systeme
Einsatzbereich: Gut gedämmte Wohnungen (Heizlast < 40 W/m²), ergänzend zu vorhandenen Heizkörpern (Hybridbetrieb), Wohnungen mit offenen Grundrissen.
Typ 2: Luft-Wasser-Wärmepumpe (Split, für Heizkörper/Fußbodenheizung)
Die Luft-Wasser-Etagenwärmepumpe erwärmt Wasser und speist es in das vorhandene Heizkörper- oder Fußbodenheizungssystem der Wohnung ein. Sie ersetzt die Gastherme 1:1 und nutzt die bestehende Wärmeverteilung.
Technische Daten:
| Kennwert | Typischer Bereich |
|---|---|
| Heizleistung | 4-12 kW |
| COP bei A7/W35 | 3,5-5,0 |
| COP bei A-7/W35 | 2,2-3,0 |
| Jahresarbeitszahl (JAZ) | 2,8-4,0 |
| Max. Vorlauftemperatur | 55-75 °C (je nach Modell) |
| Kältemittel | R290 oder R32 |
| Warmwasser | Integriert (mit Kleinspeicher 30-80 l) oder separat |
| Schallleistungspegel Außengerät | 42-55 dB(A) |
Vorteile:
- Ersetzt die Gasetagenheizung 1:1
- Nutzt vorhandene Heizkörper und Verrohrung
- Warmwasserbereitung möglich (integriert oder über separate Brauchwasser-WP)
- Höhere Akzeptanz als Luft-Luft-System
Nachteile:
- Teurer: 8.000-15.000 EUR pro Wohnung (inkl. Installation)
- Erfordert Kältemittelleitungen durch die Fassade (Kernbohrung)
- Größeres Innengerät (ähnlich einer Gastherme, ca. 60 x 80 x 40 cm)
- Ggf. Anpassung der elektrischen Installation (separater Stromkreis)
Einsatzbereich: Universell einsetzbar, besonders geeignet als direkter Ersatz für Gasetagenheizungen in Mehrfamilienhäusern mit vorhandener Heizkörperverteilung.
Typvergleich: Luft-Luft vs. Luft-Wasser
| Kriterium | Luft-Luft (Split-Klima) | Luft-Wasser (Split) |
|---|---|---|
| Kosten pro Wohnung | 3.000-6.000 EUR | 8.000-15.000 EUR |
| Heizkörper nutzbar | Nein | Ja |
| Fußbodenheizung nutzbar | Nein | Ja |
| Warmwasser | Nein (separater DEH) | Ja (optional integriert) |
| Kühlung | Ja | Teilweise (nur mit Fan-Coils) |
| JAZ (typisch) | 3,0-4,5 | 2,8-4,0 |
| KfW-Förderung (458) | Ja | Ja |
| Installation pro Wohnung | 1-2 Tage | 2-3 Tage |
| Geeignet für Altbau (unsaniert) | Bedingt | Ja |
So funktioniert die Installation
Die Installation einer Etagenwärmepumpe folgt einem standardisierten Ablauf, der sich je nach Gebäude und Systemtyp leicht unterscheidet.
Schritt 1: Bestandsaufnahme und Planung
Ein Energieberater oder Fachhandwerker prüft die Wohnung und das Gebäude:
- Heizlastberechnung der Wohnung (nach DIN EN 12831)
- Zustand der vorhandenen Heizkörper und Verrohrung
- Eignung der Fassade für das Außengerät (Statik, Optik, Genehmigung)
- Elektrischer Anschluss (ausreichend Kapazität für Wärmepumpe + ggf. Durchlauferhitzer)
- Schallschutzprognose (insbesondere bei mehreren Außengeräten)
Schritt 2: Genehmigungen einholen
| Genehmigung | Erforderlich bei | Zuständige Stelle |
|---|---|---|
| WEG-Beschluss (Fassade) | Außengerät an Gemeinschaftsfassade | Eigentümerversammlung |
| Baugenehmigung | Je nach Landesbauordnung und Gebiet | Bauamt der Gemeinde |
| Denkmalschutz | Denkmalgeschütztes Gebäude | Untere Denkmalschutzbehörde |
| Vermieter-Zustimmung | Mietwohnung | Vermieter |
Praxishinweis zum WEG-Beschluss: Seit der WEG-Reform 2020 (§ 20 WEG) kann jeder Eigentümer eine bauliche Veränderung verlangen, die der Energieeffizienz dient. Die Eigentümerversammlung kann die Maßnahme mit einfacher Mehrheit beschließen -- und muss dies tun, wenn die Maßnahme der ordnungsgemäßen Verwaltung entspricht. Die Kosten trägt der antragstellende Eigentümer allein. Das bedeutet: Selbst wenn nicht alle Eigentümer mitmachen, kann ein einzelner Eigentümer seine Gasetagenheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen -- vorausgesetzt, der WEG-Beschluss für die Fassadenänderung (Außengerät) wird gefasst.
Schritt 3: KfW-Antrag stellen
Der KfW-Antrag (Programm 458) wird vor der Auftragsvergabe gestellt. Bei Etagenwärmepumpen wird der Antrag pro Wohneinheit gestellt -- jeder Eigentümer beantragt die Förderung für seine eigene Wohnung. Details zum Antragsprozess finden Sie unter KfW 458: Heizungsförderung 2026.
Schritt 4: Installation
Die eigentliche Installation umfasst:
- Demontage der alten Gastherme und Abklemmen der Gasleitung
- Montage des Außengeräts (Fassadenkonsole, Balkonständer oder Dachaufstellung)
- Verlegung der Kältemittelleitungen (Kernbohrung durch die Außenwand, 6-8 cm Durchmesser)
- Montage des Innengeräts (Wandmontage, Anschluss an bestehende Heizungsverrohrung)
- Elektrischer Anschluss (separater Stromkreis, ggf. separater Zähler für WP-Tarif)
- Inbetriebnahme, Kältemittelfüllung, hydraulischer Abgleich
- Einweisung des Nutzers
Zeitaufwand: 2-3 Tage pro Wohnung bei Luft-Wasser-Systemen, 1-2 Tage bei Luft-Luft-Systemen.
Kosten im Detail
Die Kosten einer Etagenwärmepumpe setzen sich aus mehreren Positionen zusammen, die je nach System und Gebäude variieren.
Luft-Luft-Etagenwärmepumpe (Split-Klima)
| Kostenposition | Betrag |
|---|---|
| Geräte (Außen- + Inneneinheit, 3,5 kW) | 1.500-3.000 EUR |
| Montage (Fassadenkonsole, Kernbohrung, Inbetriebnahme) | 1.000-2.000 EUR |
| Elektrischer Anschluss | 300-600 EUR |
| Durchlauferhitzer (Warmwasser, falls nicht vorhanden) | 300-600 EUR |
| Gesamt pro Wohnung | 3.100-6.200 EUR |
Luft-Wasser-Etagenwärmepumpe (Split)
| Kostenposition | Betrag |
|---|---|
| Geräte (Außen- + Inneneinheit mit Hydro-Modul, 6 kW) | 4.500-8.000 EUR |
| Montage (Fassadenkonsole, Kernbohrung, Anschluss an Heizkreis) | 2.000-4.000 EUR |
| Demontage Gastherme + Gasleitung abklemmen | 300-800 EUR |
| Elektrischer Anschluss (separater Stromkreis) | 500-1.200 EUR |
| Hydraulischer Abgleich | 300-600 EUR |
| Warmwasserspeicher (30-80 l, falls integriert) | 400-1.000 EUR |
| Gesamt pro Wohnung | 8.000-15.600 EUR |
Kostenvergleich für ein 6-WE-MFH
| System | Kosten gesamt (6 WE) | Kosten pro WE | Warmwasser inklusive |
|---|---|---|---|
| 6x Luft-Luft + 6x DEH | 22.000-42.000 EUR | 3.700-7.000 EUR | Nein (DEH separat) |
| 6x Luft-Wasser (Split) | 48.000-93.600 EUR | 8.000-15.600 EUR | Ja (optional) |
| Zentrale Luft-WP (Vergleich) | 43.500-72.000 EUR | 7.250-12.000 EUR | Ja |
| Zentrale Sole-WP (Vergleich) | 70.000-110.000 EUR | 11.700-18.300 EUR | Ja |
Einen ausführlichen Kostenvergleich zentraler Systeme im MFH finden Sie unter Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus: Systeme, Kosten und Förderung.
KfW-Förderung für Etagenwärmepumpen
Der entscheidende Vorteil der dezentralen Lösung: Jede Wohneinheit wird einzeln gefördert. Die förderfähigen Kosten betragen 30.000 EUR pro Wohneinheit -- im Gegensatz zur zentralen Lösung, bei der die förderfähigen Kosten gestaffelt sind (30.000 EUR für die 1. WE, 15.000 EUR für die 2.-6. WE, 8.000 EUR ab der 7. WE).
Förderung pro Wohneinheit (dezentral)
| Förderbestandteil | Fördersatz | Max. Zuschuss (bei 30.000 EUR) |
|---|---|---|
| Grundförderung | 30 % | 9.000 EUR |
| Klimageschwindigkeitsbonus (Gasetagenheizung!) | 20 % | 6.000 EUR |
| Effizienzbonus (R290) | 5 % | 1.500 EUR |
| Einkommensbonus | 30 % | 9.000 EUR |
| Maximum (70 %) | 70 % | 21.000 EUR |
Besonders attraktiv: Gasetagenheizungen qualifizieren unabhängig von ihrem Alter für den Klimageschwindigkeitsbonus (20 %), da sie als "Gas-Konstanttemperaturkessel" eingestuft werden. Das bedeutet: Auch eine erst 5 Jahre alte Gasetagenheizung berechtigt selbstnutzende Eigentümer zum vollen Bonus.
Rechenbeispiel: Etagenwärmepumpe in einer Eigentumswohnung
Ausgangssituation: Selbstnutzender Eigentümer, 80-m²-Wohnung im 3. OG eines 6-WE-MFH in Berlin. Gasetagenheizung (15 Jahre alt), Einbau einer Luft-Wasser-Etagenwärmepumpe mit R290-Kältemittel. Haushaltseinkommen: 52.000 EUR/Jahr.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Investitionskosten (Gerät + Installation) | 12.500 EUR |
| Förderfähige Kosten (max. 30.000 EUR) | 12.500 EUR |
| Grundförderung (30 %) | 3.750 EUR |
| Klimageschwindigkeitsbonus (20 %, Gasetagenheizung) | 2.500 EUR |
| Effizienzbonus (5 %, R290) | 625 EUR |
| Gesamtförderung (55 %) | 6.875 EUR |
| Eigenanteil | 5.625 EUR |
Zum Vergleich: Bei einer zentralen Wärmepumpe für das gesamte 6-WE-MFH (62.000 EUR Gesamtinvestition) läge der Eigenanteil pro Wohneinheit bei ca. 6.717 EUR (nur Grundförderung + Effizienzbonus für WEG). Die dezentrale Lösung ist für den einzelnen selbstnutzenden Eigentümer mit Klimageschwindigkeitsbonus also günstiger.
Einen vollständigen Überblick über die Förderprogramme finden Sie unter Wärmepumpenförderung 2026: Übersicht.
Rechenbeispiel: Betriebskosten im Vergleich
Die Wirtschaftlichkeit einer Etagenwärmepumpe zeigt sich im laufenden Betrieb. Hier ein Vergleich für eine 80-m²-Wohnung mit 8.000 kWh/a Heizwärmebedarf und 2.500 kWh/a Warmwasserbedarf:
Jährliche Betriebskosten
| Kostenposition | Gasetagenheizung | Luft-Wasser-Etagen-WP | Luft-Luft + DEH |
|---|---|---|---|
| Energiekosten Heizung | 960 EUR (Gas 0,12 EUR/kWh) | 750 EUR (WP-Tarif 0,24/JAZ 3,2) | 571 EUR (WP-Tarif 0,24/JAZ 3,8) |
| Energiekosten Warmwasser | 300 EUR (Gas 0,12 EUR/kWh) | 250 EUR (WP-Tarif 0,24/JAZ 2,5) | 625 EUR (DEH, Haushaltsstrom 0,36/COP 1,0) |
| CO₂-Steuer (55 EUR/t, 2026) | 127 EUR | 0 EUR | 0 EUR |
| Gasgrundgebühr | 120 EUR | 0 EUR | 0 EUR |
| Wartung | 150 EUR | 120 EUR | 80 EUR |
| Schornsteinfeger | 60 EUR | 0 EUR | 0 EUR |
| Gesamt pro Jahr | 1.717 EUR | 1.120 EUR | 1.276 EUR |
| Ersparnis vs. Gas | -- | 597 EUR/a (35 %) | 441 EUR/a (26 %) |
Annahmen: Gaspreis 0,12 EUR/kWh (inkl. CO₂-Steuer-Umlage), WP-Stromtarif 0,24 EUR/kWh, Haushaltsstrom 0,36 EUR/kWh, CO₂-Steuer 55 EUR/t (Emissionsfaktor Erdgas 0,22 t/MWh), Jahresarbeitszahl Luft-Wasser 3,2 (Heizung) / 2,5 (WW), Luft-Luft 3,8 (Heizung).
Tipp: Die Luft-Luft-Lösung ist in der Anschaffung deutlich günstiger, hat aber durch den Durchlauferhitzer höhere Warmwasserkosten. Bei Wohnungen mit hohem Warmwasserverbrauch (Familien) ist die Luft-Wasser-Lösung langfristig wirtschaftlicher. Bei geringem Warmwasserverbrauch (Singles, Paare) kann die Luft-Luft-Lösung die bessere Wahl sein.
20-Jahres-Betrachtung pro Wohnung
| Kostenposition | Gasetagenheizung (neue Therme) | Luft-Wasser-Etagen-WP |
|---|---|---|
| Anschaffung | 4.000 EUR | 12.500 EUR |
| Förderung | 0 EUR | -6.875 EUR |
| Eigenanteil | 4.000 EUR | 5.625 EUR |
| Betriebskosten 20 Jahre (inkl. Preissteigerung) | ca. 45.000 EUR | ca. 27.000 EUR |
| Gesamtkosten 20 Jahre | ca. 49.000 EUR | ca. 32.625 EUR |
| Ersparnis vs. Gas | -- | ca. 16.375 EUR |
Annahmen für Preissteigerung: Gas +4 %/a (inkl. steigender CO₂-Steuer und ETS II ab 2028), Strom WP-Tarif +2 %/a. Die steigende CO₂-Bepreisung (55 EUR/t 2026, ca. 120 EUR/t 2030, perspektivisch 200+ EUR/t durch ETS II) treibt die Gaskosten überproportional.
Herausforderungen und Lösungen
Fassadengestaltung: Viele Außengeräte an einem Gebäude
Das offensichtlichste Problem dezentraler Etagenwärmepumpen: An einem 6-WE-MFH hängen potenziell 6 Außengeräte an der Fassade. Das ist ästhetisch anspruchsvoll und kann -- je nach Stadtbild und Bauordnung -- genehmigungspflichtig oder sogar untersagt sein (insbesondere im Denkmalschutzbereich).
Lösungsansätze:
| Lösung | Beschreibung | Kosten (Aufpreis) |
|---|---|---|
| Einheitliche Konsolen und Verkleidung | Alle Geräte gleicher Typ, gleiche Farbe, gleiche Konsolenhöhe | 500-1.500 EUR/Gerät |
| Sammelkonsole (Technikwand) | Alle Außengeräte auf einer gemeinsamen Fassadenkonsole | 2.000-5.000 EUR gesamt |
| Dachaufstellung | Geräte auf dem Flachdach, unsichtbar von der Straße | 1.000-2.000 EUR/Gerät |
| Innenhofaufstellung | Geräte im Innenhof statt zur Straße | 0 EUR (nur andere Position) |
| Balkontechnikschrank | Gerät in einem belüfteten Schrank auf dem Balkon | 800-1.500 EUR/Gerät |
Praxisbeispiel Berlin-Prenzlauer Berg (2025): Ein 8-WE-Altbau (Baujahr 1905, Denkmalbereich) wurde mit Etagenwärmepumpen ausgestattet. Die Lösung: Alle Außengeräte wurden auf dem Innenhof-Flachdachanbau installiert, verkleidet mit einer Lamellenstruktur in der Farbgebung der Hoffassade. Die Denkmalschutzbehörde genehmigte die Maßnahme, da von der Straße nichts sichtbar ist. Kosten für die Sonderlösung: ca. 12.000 EUR Aufpreis (verteilt auf 8 WE: 1.500 EUR/WE).
Schallschutz bei mehreren Außengeräten
Die Kumulierung mehrerer Außengeräte kann die Schallimmission am Nachbargebäude erhöhen. Zwei Geräte mit je 48 dB(A) ergeben zusammen nicht 96 dB(A), sondern ca. 51 dB(A) (logarithmische Addition). Sechs Geräte mit je 48 dB(A) ergeben ca. 56 dB(A). Das liegt immer noch unter dem Tagwert der TA Lärm für reine Wohngebiete (50 dB(A) am Nachbarfenster), kann aber bei ungünstiger Aufstellung den Nachtwert (35 dB(A)) am nächstgelegenen Fenster überschreiten.
Maßnahmen:
- Aufstellung mit mindestens 5 m Abstand zum nächsten Nachbarfenster
- Nachtmodus aktivieren (reduziert je Gerät um 5-10 dB(A))
- Schallschutzgehäuse (je 5-10 dB(A) Reduktion)
- Dach- oder Innenhofaufstellung statt straßenseitiger Fassade
Genehmigungssituation nach Bundesland
Die Genehmigungspflicht für Wärmepumpen-Außengeräte an Fassaden variiert erheblich zwischen den Bundesländern. Die meisten Länder haben ihre Bauordnungen 2023-2025 zugunsten von Wärmepumpen angepasst.
| Bundesland | Genehmigungsfrei bis | Anmerkung |
|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | Alle Wärmepumpen-Außengeräte (seit 2023) | Kein Abstand zur Grundstücksgrenze |
| Bayern | Alle Wärmepumpen-Außengeräte (seit 2024) | Mindestabstand 2 m zur Grenze |
| Baden-Württemberg | Geräte bis 1,5 m Höhe und 2,0 m Breite | In Abstandsflächen privilegiert |
| Niedersachsen | Alle Wärmepumpen-Außengeräte (seit 2023) | Mindestabstand 1 m zur Grenze |
| Berlin | Geräte bis 50 dB(A) Schallleistung | Sonderregel für Denkmalbereich |
| Hamburg | Alle Wärmepumpen-Außengeräte (seit 2024) | Genehmigungsfrei im Hinterhof |
Tipp: Prüfen Sie vor der Planung die aktuelle Landesbauordnung Ihres Bundeslandes. Die Regelungen ändern sich derzeit schnell zugunsten von Wärmepumpen. Im Zweifelsfall hilft eine Bauvoranfrage beim zuständigen Bauamt (Kosten: 50-200 EUR, Dauer: 2-4 Wochen).
Dezentral vs. zentral: Wann lohnt sich welches System?
Die Entscheidung zwischen dezentralen Etagenwärmepumpen und einer zentralen Anlage hängt von mehreren Faktoren ab:
| Kriterium | Dezentrale Etagen-WP bevorzugt | Zentrale WP bevorzugt |
|---|---|---|
| Vorhandenes Heizsystem | Gasetagenheizungen (dezentral) | Zentrale Gas-/Ölheizung |
| WEG-Einigung | Nicht alle Eigentümer wollen mitmachen | Einigung erzielt |
| Platz für Technik | Kein Kellerraum für Zentrale | Heizraum vorhanden |
| Schallschutz | Wenige Wohneinheiten (3-4) | Viele WE (hohe Kumulierung) |
| Investition | Schrittweise möglich (WE für WE) | Gesamtinvestition auf einmal |
| Förderoptimierung | Selbstnutzer (Klimageschw.-Bonus je WE) | WEG mit Vermietern |
| Effizienz | Geringer (JAZ 2,5-3,5) | Höher (JAZ 2,8-4,0) |
| Wartung | Aufwendiger (je Gerät) | Zentralisiert (ein Vertrag) |
Tipp: In der Praxis gibt es auch Mischformen. Beispiel: Drei von sechs Eigentümern im MFH installieren Etagenwärmepumpen, die anderen drei behalten vorübergehend ihre Gasthermen. Sobald die Gasthermen das Lebensende erreichen, wird nachgerüstet -- oder die WEG einigt sich auf eine zentrale Lösung. Diese schrittweise Umstellung ist bei Etagenwärmepumpen problemlos möglich.
Praxisbeispiele
Beispiel 1: Altbau-MFH in Berlin-Neukölln (6 WE)
- Gebäude: Baujahr 1927, 6 Wohneinheiten, 450 m² Wohnfläche
- Ausgangslage: 6 Gasetagenheizungen (8-22 Jahre alt), keine zentrale Heizungsverteilung
- Lösung: 6x Luft-Wasser-Etagenwärmepumpe (R290, je 5 kW), Außengeräte im Innenhof auf Sammelkonsole
- Investition: 72.000 EUR gesamt (12.000 EUR/WE)
- Förderung: 4 Selbstnutzer mit 55 % (je 6.600 EUR), 2 Vermieter mit 35 % (je 4.200 EUR)
- Gesamtförderung: 34.800 EUR
- Eigenanteil gesamt: 37.200 EUR (Selbstnutzer: je 5.400 EUR, Vermieter: je 7.800 EUR)
- Ergebnis: Heizkosten pro WE sanken von ca. 1.700 EUR/a auf ca. 1.100 EUR/a
Beispiel 2: 70er-Jahre-Zeilenbau in Hamburg-Bramfeld (10 WE)
- Gebäude: Baujahr 1972, 10 Wohneinheiten, 750 m² Wohnfläche, Flachdach
- Ausgangslage: Zentrale Ölheizung (30 Jahre alt), aber einzelne Eigentümer wollten dezentrale Lösung
- Lösung: Kompromiss -- 6 WE mit Etagenwärmepumpen (Luft-Wasser, Dachaufstellung), 4 WE an eine zentrale Luft-WP (ebenfalls Dach)
- Investition dezentral: 78.000 EUR (6x 13.000 EUR)
- Investition zentral: 42.000 EUR (4 WE)
- Förderung dezentral: Durchschnitt 50 % (39.000 EUR)
- Förderung zentral: 35 % WEG (14.700 EUR)
- Ergebnis: Alle Eigentümer zufrieden, da jeder die für ihn passende Lösung wählen konnte
Beispiel 3: Gründerzeit-MFH in Hamburg-Eimsbüttel (4 WE)
- Gebäude: Baujahr 1899, 4 Wohneinheiten, 320 m² Wohnfläche, Denkmalbereich
- Ausgangslage: 4 Gasetagenheizungen, Eigentümer wollten kein zentrales System
- Lösung: 4x Luft-Luft-Wärmepumpe (Multi-Split, 1 Außengerät für 2 WE, insgesamt 2 Außengeräte) + 4x elektronische Durchlauferhitzer
- Investition: 26.000 EUR gesamt (6.500 EUR/WE inkl. DEH)
- Förderung: 3 Selbstnutzer mit 55 % (je 3.575 EUR), 1 Vermieter mit 35 % (2.275 EUR)
- Gesamtförderung: 13.000 EUR
- Eigenanteil gesamt: 13.000 EUR (Selbstnutzer: je 2.925 EUR, Vermieter: 4.225 EUR)
- Besonderheit: Denkmalschutzgenehmigung erteilt, da Außengeräte im Innenhof unsichtbar montiert
Hersteller und Produkte 2026
Der Markt für Etagenwärmepumpen wächst schnell. Die wichtigsten Hersteller mit dediziert für die Etagensanierung entwickelten Produkten:
| Hersteller | Produktlinie | Typ | Leistung | Kältemittel | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| Vaillant | aroTHERM split | Luft-Wasser | 3-8 kW | R290 | Kompaktes Innengerät, flüsterleise |
| Bosch | Compress 5800i AW | Luft-Wasser | 4-7 kW | R290 | Integrierte Warmwasserbereitung |
| Daikin | Altherma 3 R MT | Luft-Wasser | 4-8 kW | R32 | Hohe Vorlauftemperatur (65 °C) |
| Samsung | EHS Mono HT | Luft-Wasser | 5-8 kW | R32 | Sehr kompaktes Außengerät |
| Mitsubishi | Ecodan SUZ/SWZ | Luft-Wasser | 4-14 kW | R32/R290 | Bewährte Split-Technologie |
| Panasonic | Aquarea J | Luft-Wasser | 3-9 kW | R290 | Wi-Fi-Steuerung serienmäßig |
Einen Vergleich der verschiedenen Wärmepumpen-Bauarten finden Sie unter Wärmepumpe: Split-Gerät vs. Monoblock.
Häufige Fragen
Kann ich meine Gasetagenheizung einfach durch eine Etagenwärmepumpe ersetzen?
Technisch ja -- die Luft-Wasser-Etagenwärmepumpe ersetzt die Gastherme 1:1 und nutzt die vorhandenen Heizkörper und Leitungen. Organisatorisch brauchen Sie einen WEG-Beschluss für die Montage des Außengeräts an der Gemeinschaftsfassade (einfache Mehrheit reicht). Die Gasleitung wird abgeklemmt und stillgelegt. Wenn alle Wohnungen umgerüstet sind, kann der Gasanschluss des gesamten Gebäudes gekündigt werden, was die Grundgebühr einspart.
Wie laut sind Etagenwärmepumpen an der Fassade?
Ein einzelnes Außengerät einer Etagenwärmepumpe (3-8 kW) erzeugt im Normalbetrieb 42-55 dB(A) Schallleistungspegel, im Nachtmodus 35-45 dB(A). In 3 m Abstand entspricht das einem Schalldruckpegel von 28-40 dB(A) -- vergleichbar mit einem Kühlschrank. Die Kumulierung mehrerer Geräte erhöht den Pegel nur geringfügig (6 Geräte mit je 48 dB(A) ergeben zusammen ca. 56 dB(A) am Gerät). Detaillierte Informationen zum Thema finden Sie unter Wärmepumpe Nachteile und Probleme.
Kann ich als Mieter eine Etagenwärmepumpe einbauen lassen?
Nein, nicht ohne Zustimmung des Vermieters. Der Einbau einer Wärmepumpe ist eine bauliche Veränderung, die die Zustimmung des Vermieters erfordert. Allerdings: Im Rahmen des GMG sind Vermieter verpflichtet, bei einem Heizungsdefekt (Havarie) innerhalb von fünf Jahren auf ein 65-%-System umzustellen. Sie können Ihren Vermieter auf die Fördermöglichkeiten hinweisen -- für vermietete Wohnungen beträgt die Grundförderung 30 % + ggf. 5 % Effizienzbonus. Zusätzlich kann der Vermieter die Kosten über die Modernisierungsumlage (§ 559 BGB, 8 % p. a.) teilweise auf die Miete umlegen.
Brauche ich einen separaten Stromzähler für die Etagenwärmepumpe?
Für den vergünstigten Wärmepumpentarif (0,22-0,26 EUR/kWh statt 0,34-0,38 EUR/kWh Haushaltsstrom) ist ein separater Stromzähler erforderlich. Die Kosten für den Einbau liegen bei 300-600 EUR, die laufende Zählergebühr bei ca. 50-80 EUR/Jahr. Die Ersparnis durch den WP-Tarif beträgt bei 2.500 kWh Stromverbrauch der WP ca. 250-350 EUR/Jahr -- der separate Zähler rechnet sich also in der Regel innerhalb von zwei Jahren. Allerdings: Nicht jeder Stromkasten im MFH hat Platz für zusätzliche Zähler. In diesem Fall kann die WP auch über den Haushaltsstrom betrieben werden -- die Wirtschaftlichkeit sinkt, bleibt aber in den meisten Fällen besser als Gas. Mehr zum Thema Stromkosten finden Sie unter Wärmepumpe: Stromverbrauch und Stromkosten.
Was passiert mit der Gasleitung in meiner Wohnung?
Die Gasleitung wird vom Fachbetrieb abgeklemmt, verschlossen und drucklos gemacht. Eine vollständige Entfernung ist nicht zwingend nötig, aber empfehlenswert, wenn ohnehin Sanierungsarbeiten anstehen. Die Kosten für das Abklemmen liegen bei 100-300 EUR. Wenn alle Wohnungen im Gebäude umgerüstet sind, kann der zentrale Gasanschluss beim Netzbetreiber gekündigt werden. Die Stilllegung des Netzanschlusses ist kostenlos. Die Gasgrundgebühr (ca. 100-150 EUR/Jahr pro Anschluss) entfällt dann.
Lohnt sich eine Luft-Luft-Wärmepumpe als Heizung wirklich?
In gut gedämmten Wohnungen (ab Baujahr ~1995 oder nach Sanierung) mit einer Heizlast unter 40 W/m² ist die Luft-Luft-Wärmepumpe eine ernstzunehmende Option. Die Vorteile: niedrige Kosten (3.000-6.000 EUR), hohe Effizienz (JAZ 3,0-4,5), Kühlung im Sommer, schnelle Installation. Der Nachteil: Kein Warmwasser, daher ist ein Durchlauferhitzer nötig, der die Gesamtbetriebskosten erhöht. Für unsanierte Altbauten mit hoher Heizlast und großen Räumen ist die Luft-Wasser-Variante die bessere Wahl, da sie die vorhandenen Heizkörper nutzt und eine gleichmäßigere Wärmeverteilung gewährleistet.
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