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Wärmepumpe Stromverbrauch: So viel Strom braucht Ihre Heizung wirklich

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe pro Jahr? Berechnung mit JAZ, typische Kosten, Wärmepumpenstrom-Tarife und Spartipps – mit konkreten Rechenbeispielen.

Stromzähler und Wärmepumpe als Symbol für Energieverbrauch

Die wichtigste Frage nach den Anschaffungskosten: Was kostet mich die Wärmepumpe im Betrieb? Die Antwort vorweg: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus verbraucht zwischen 3.000 und 6.000 kWh Strom pro Jahr. Bei einem Wärmepumpentarif von rund 24 ct/kWh entspricht das jährlichen Stromkosten von 720 bis 1.440 EUR. Das ist in den meisten Fällen günstiger als eine Gasheizung – und deutlich günstiger als Öl.

In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie den Stromverbrauch Ihrer Wärmepumpe exakt berechnen, welche Faktoren ihn beeinflussen und wie Sie die Kosten mit einem WP-Tarif, einer PV-Anlage und den richtigen Einstellungen weiter senken.

So berechnen Sie den Stromverbrauch Ihrer Wärmepumpe

Die Formel ist einfach:

Stromverbrauch (kWh/Jahr) = Heizwärmebedarf (kWh/Jahr) / JAZ

Zwei Werte müssen Sie kennen: den Heizwärmebedarf Ihres Gebäudes und die Jahresarbeitszahl (JAZ) Ihrer Wärmepumpe.

Heizwärmebedarf bestimmen

Der Heizwärmebedarf beschreibt, wie viel Wärmeenergie Ihr Gebäude pro Jahr zum Heizen benötigt. Er hängt ab von der Gebäudegröße, dem Dämmstandard, dem Standort und dem Nutzerverhalten. Für ein typisches Einfamilienhaus (120–150 m² Wohnfläche) liegen die Werte je nach Baujahr und Sanierungsstand zwischen 5.000 und 25.000 kWh pro Jahr.

Zusätzlich zum Raumheizen kommt die Warmwasserbereitung hinzu. Für einen Vier-Personen-Haushalt sind das etwa 2.000 bis 3.000 kWh Wärmebedarf pro Jahr. Dieser Anteil wird häufig vergessen, macht aber einen spürbaren Unterschied bei der Berechnung.

Ihren tatsächlichen Heizwärmebedarf finden Sie im Energieausweis Ihres Gebäudes oder Sie können ihn mit einem Tool wie reduco.ai berechnen lassen.

Jahresarbeitszahl (JAZ) verstehen

Die JAZ gibt an, wie effizient Ihre Wärmepumpe über ein ganzes Jahr arbeitet. Eine JAZ von 3,5 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 3,5 kWh Wärme erzeugt. Je höher die JAZ, desto weniger Strom benötigt die Wärmepumpe.

Rechenbeispiel

Ein saniertes Einfamilienhaus hat einen Heizwärmebedarf von 15.000 kWh (inklusive Warmwasser). Die Luft-Wasser-Wärmepumpe erreicht eine JAZ von 3,5.

Stromverbrauch = 15.000 kWh / 3,5 = 4.286 kWh pro Jahr

Bei einem Wärmepumpentarif von 24 ct/kWh ergeben sich jährliche Stromkosten von 4.286 × 0,24 = 1.029 EUR.

Typischer Stromverbrauch nach Gebäudetyp

Die folgende Tabelle zeigt realistische Werte für verschiedene Gebäudetypen. Ich rechne jeweils mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe und einem WP-Tarif von 24 ct/kWh (Durchschnitt 2026). Der Heizwärmebedarf beinhaltet bereits die Warmwasserbereitung.

Gebäudetyp Heizwärmebedarf JAZ (typisch) Stromverbrauch WP Jährliche Stromkosten
KfW-40-Neubau 5.000 kWh 4,5 ~1.110 kWh ~270 EUR
Sanierter Neubau (nach 2000) 10.000 kWh 4,0 ~2.500 kWh ~600 EUR
Sanierter Altbau (Dämmung + neue Fenster) 15.000 kWh 3,5 ~4.290 kWh ~1.030 EUR
Teilsanierter Altbau 20.000 kWh 3,0 ~6.670 kWh ~1.600 EUR
Unsanierter Altbau (vor 1978) 25.000 kWh 2,8 ~8.930 kWh ~2.140 EUR

Die Werte zeigen klar: Der Dämmstandard des Gebäudes hat einen größeren Einfluss auf die Stromkosten als der Wärmepumpentyp. Ein gut gedämmtes Haus mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe kommt auf niedrigere Betriebskosten als ein unsanierter Altbau mit einer hocheffizienten Sole-Wasser-Anlage.

Tipp: Wenn Ihr Gebäude einen Heizwärmebedarf von über 20.000 kWh hat, lohnt es sich fast immer, vor oder zusammen mit dem Wärmepumpeneinbau in Dämmmaßnahmen zu investieren. Informationen zu Kosten und Förderung finden Sie in unserem Artikel zur energetischen Sanierung im Altbau.

Jahresarbeitszahl (JAZ): Der entscheidende Faktor

Die JAZ ist die wichtigste Kennzahl für die Effizienz einer Wärmepumpe im realen Betrieb. Sie unterscheidet sich vom COP (Coefficient of Performance), der nur einen Momentanwert unter genormten Laborbedingungen angibt. Die JAZ bildet dagegen die tatsächliche Effizienz über ein gesamtes Jahr ab – inklusive Abtauvorgängen, Warmwasserbereitung und schwankenden Außentemperaturen.

Typische JAZ-Werte nach Wärmepumpentyp

Wärmepumpentyp JAZ-Bereich (Praxis) Optimale Bedingungen
Luft-Wasser 2,5–4,5 Fußbodenheizung, Vorlauftemperatur ≤ 35 °C, mildes Klima
Sole-Wasser (Erdwärme) 3,5–5,0 Ausreichend dimensionierte Erdsonde, Fußbodenheizung
Wasser-Wasser (Grundwasser) 4,0–5,5 Konstante Grundwassertemperatur (~10 °C), geringe Brunnentiefe

Das Fraunhofer ISE hat in Langzeitstudien an Bestandsgebäuden bestätigt, dass moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen in der Praxis regelmäßig JAZ-Werte von 3,0 bis 4,0 erreichen. Sole-Wasser-Anlagen liegen in der Praxis typischerweise bei 4,0 bis 4,6. Die höheren JAZ-Werte der Erd- und Grundwasser-Wärmepumpen erklären sich durch die konstante Temperatur der Wärmequelle: Während die Außenluft im Winter auf -10 °C oder tiefer fallen kann, liegen Erdreich und Grundwasser ganzjährig bei 8–12 °C.

Was beeinflusst die JAZ?

  • Vorlauftemperatur: Der wichtigste Faktor. Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur verbessert die JAZ um ca. 2–3 %. Fußbodenheizungen (30–35 °C) sind effizienter als Heizkörper (45–55 °C).
  • Wärmequelle: Erdwärme und Grundwasser liefern konstantere und höhere Quellentemperaturen als Außenluft.
  • Gerätetype und Kältemittel: Moderne Inverter-Wärmepumpen mit R290 (Propan) als Kältemittel erreichen bessere Werte als ältere Modelle.
  • Warmwasseranteil: Hohe Warmwassertemperaturen (z. B. 60 °C) verschlechtern die JAZ, weil die Wärmepumpe bei höherer Vorlauftemperatur arbeiten muss.
  • Dimensionierung: Eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet häufig, was die Effizienz mindert. Eine korrekte Heizlastberechnung ist die Basis.

COP vs. JAZ: Warum der Unterschied wichtig ist

Hersteller werben gerne mit COP-Werten von 5 oder höher. Diese Werte werden unter genormten Laborbedingungen gemessen (z. B. Außentemperatur 7 °C, Vorlauf 35 °C nach EN 14511). Im realen Betrieb sind die Bedingungen selten so günstig. Daher liegt die JAZ praktisch immer unter dem COP. Lassen Sie sich also nicht von hohen COP-Zahlen blenden, sondern fragen Sie nach der zu erwartenden JAZ für Ihr konkretes Gebäude und Heizsystem.

Wärmepumpenstrom: Spezielle Tarife nutzen

Wer eine Wärmepumpe betreibt, sollte unbedingt einen speziellen Wärmepumpentarif nutzen. Der Preisunterschied zum normalen Haushaltsstrom ist erheblich und spart je nach Verbrauch mehrere Hundert Euro pro Jahr.

Warum gibt es günstigere WP-Tarife?

Wärmepumpen werden als steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG eingestuft. Im Gegenzug für die Möglichkeit des Netzbetreibers, die Leistungsaufnahme der Wärmepumpe in Spitzenlastzeiten zeitweise zu reduzieren (sogenanntes „Dimmen"), erhalten Betreiber reduzierte Netzentgelte. Wichtig: Die Wärmepumpe wird dabei nicht vollständig abgeschaltet. Die Mindestleistung von 4,2 kW bleibt jederzeit gewährleistet. In der Praxis kommt es nur selten zu einer tatsächlichen Dimmung – und wenn, dann ist sie für die Bewohner kaum spürbar, weil die Gebäudemasse als Wärmespeicher wirkt.

Die drei Module nach § 14a EnWG

Seit dem 1. Januar 2024 gelten bundeseinheitliche Regeln für steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Betreiber können zwischen verschiedenen Rabattmodellen wählen:

  • Modul 1 (pauschaler Rabatt): Ein fester jährlicher Rabatt von ca. 110–200 EUR (regional unterschiedlich). Dieser setzt sich zusammen aus einem Festbetrag von 80 EUR brutto (für die Kosten des intelligenten Messsystems) plus einer pauschalen Netzentgeltreduzierung von 20 % auf 3.750 kWh. Kein separater Zähler nötig.
  • Modul 2 (prozentuale Reduzierung): 60 % Reduzierung des Netzentgelt-Arbeitspreises. Voraussetzung: ein separater Zähler für die Wärmepumpe. Dieses Modul lohnt sich besonders bei hohem Stromverbrauch.
  • Modul 3 (zeitvariable Netzentgelte): Seit dem 1. April 2025 verfügbar. Drei Preisstufen je nach Tageszeit (Schwachlast, Standard, Spitzenlast). Kombinierbar mit Modul 1, aber nicht mit Modul 2. Interessant für Betreiber mit intelligenter Steuerung oder Batteriespeicher.

Aktuelle Tarifhöhe (Stand März 2026)

  • WP-Tarif mit separatem Zähler: 21–26 ct/kWh (brutto)
  • Normaler Haushaltsstrom: 28–36 ct/kWh (brutto)

Bei Neuabschlüssen und über Vergleichsportale sind aktuell WP-Tarife ab ca. 20 ct/kWh erhältlich. Der Durchschnitt liegt bei rund 24 ct/kWh.

Wie viel spart ein WP-Tarif?

Die Ersparnis gegenüber dem Haushaltsstrom beträgt typischerweise 5–10 ct/kWh. Je nach Verbrauch macht das einen erheblichen Unterschied:

Stromverbrauch WP Ersparnis bei 7 ct/kWh Unterschied
2.500 kWh (Neubau) ~175 EUR/Jahr
4.300 kWh (sanierter Altbau) ~300 EUR/Jahr
6.700 kWh (teilsanierter Altbau) ~470 EUR/Jahr

So bekommen Sie einen WP-Tarif

  1. Separater Zähler: Voraussetzung für Modul 2 ist ein eigener Stromzähler für die Wärmepumpe. Die Installation kostet 500–1.000 EUR und ist in den meisten WP-Installationsangeboten bereits enthalten.
  2. Anmeldung beim Netzbetreiber: Ihr Installateur meldet die Wärmepumpe als steuerbare Verbrauchseinrichtung an.
  3. Tarifvergleich: Vergleichen Sie über Verivox, Check24 oder direkt bei überregionalen Anbietern. Die günstigsten Tarife liegen oft deutlich unter dem Grundversorger-Angebot.

Einen umfassenden Überblick über alle Kosten rund um die Wärmepumpe – inklusive Anschaffung und Förderung – finden Sie in unserem Artikel Wärmepumpe: Kosten, Förderung und Wirtschaftlichkeit.

Stromverbrauch im Vergleich: Wärmepumpe vs. Gas vs. Öl vs. Pellet

Der faire Vergleich verschiedener Heizsysteme muss die Gesamtkosten betrachten. Ich rechne mit einem Heizwärmebedarf von 15.000 kWh/Jahr (saniertes Einfamilienhaus inklusive Warmwasser) und den aktuellen Preisen 2026 inklusive aller Steuern und Abgaben.

Heizsystem Wirkungsgrad / JAZ Brennstoffverbrauch Brennstoffpreis Jährliche Heizkosten
Wärmepumpe (Luft-Wasser, WP-Tarif) JAZ 3,5 4.290 kWh Strom 24 ct/kWh ~1.030 EUR
Gas-Brennwert 0,92 16.300 kWh Gas 11 ct/kWh (inkl. CO₂) ~1.790 EUR
Öl-Brennwert 0,90 16.670 kWh Öl ~11 ct/kWh (inkl. CO₂) ~1.830 EUR
Pelletkessel 0,90 16.670 kWh Pellets 7 ct/kWh ~1.170 EUR

Hinweise zur Tabelle:

  • Der Gaspreis von 11 ct/kWh enthält den CO₂-Preis 2026 (55–65 EUR/t CO₂, entspricht ca. 1,1–1,4 ct/kWh Aufschlag). Ohne CO₂-Steuer läge Gas bei ca. 10 ct/kWh.
  • Der Heizölpreis liegt 2026 bei ca. 10–11 ct/kWh (ca. 90–100 ct/Liter netto plus CO₂-Aufschlag von ca. 20 ct/Liter).
  • Der Pelletpreis beträgt aktuell ca. 6,7–7,1 ct/kWh (ca. 315–355 EUR/Tonne).
  • Wartungskosten und Schornsteinfegergebühren sind in der Tabelle nicht enthalten. Bei Gas und Öl kommen ca. 250–350 EUR/Jahr hinzu, bei der Wärmepumpe ca. 150–300 EUR/Jahr, bei Pellets ca. 300–500 EUR/Jahr.

Was die Tabelle zeigt – und was nicht

Bei den reinen Betriebskosten kann die Pelletheizung mit der Wärmepumpe mithalten oder sie sogar unterbieten. Warum empfehle ich trotzdem in den meisten Fällen die Wärmepumpe?

  1. CO₂-Preis-Risiko: Ab 2028 wird der CO₂-Preis über das EU-ETS2 marktbasiert gebildet. Experten erwarten dann 100–160 EUR/t. Das trifft Gas und Öl massiv – Strom und Pellets bleiben davon verschont.
  2. Pelletpreis-Volatilität: Pelletpreise schwankten 2022/2023 zwischen 300 und 800 EUR/Tonne. Die Preise sind wieder gefallen, aber die Erfahrung zeigt, dass Holzbrennstoffe nicht so preisstabil sind wie oft angenommen.
  3. Kombination mit PV: Die Wärmepumpe ist das einzige Heizsystem, das eigenen Solarstrom direkt nutzen kann. Eine 10-kWp-Anlage kann 20–30 % des WP-Strombedarfs decken und die Betriebskosten weiter senken. Mehr dazu in unserem Artikel zur Kombination Wärmepumpe und Photovoltaik.
  4. Wartungsaufwand: Wärmepumpen haben keine Verbrennung, keinen Schornstein und keinen Brennstofftank. Der Wartungsaufwand ist minimal.

Einen ausführlichen Vergleich speziell zwischen Wärmepumpe und Gas finden Sie im Artikel Wärmepumpe vs. Gasheizung.

Stromverbrauch senken: 5 praktische Tipps

Der Stromverbrauch Ihrer Wärmepumpe ist kein fester Wert – Sie können ihn aktiv beeinflussen. Die folgenden fünf Maßnahmen lassen sich teilweise sofort und ohne Kosten umsetzen.

1. Hydraulischen Abgleich durchführen lassen

Der hydraulische Abgleich stellt sicher, dass jeder Heizkörper exakt die richtige Wassermenge erhält. Ohne Abgleich arbeiten einige Heizkörper mit zu viel, andere mit zu wenig Durchfluss – die Folge: Die Vorlauftemperatur muss unnötig hoch eingestellt werden, und die JAZ sinkt. Ein professioneller hydraulischer Abgleich kostet 500–1.500 EUR und ist bei KfW-gefördertem Heizungstausch ohnehin Pflicht. Die Einsparung beträgt typischerweise 5–15 % beim Stromverbrauch.

2. Vorlauftemperatur optimieren (Heizkurve anpassen)

Die Heizkurve bestimmt, bei welcher Außentemperatur welche Vorlauftemperatur gefahren wird. Viele Heizkurven sind ab Werk zu steil eingestellt – die Wärmepumpe liefert dann mehr Wärme als nötig. Senken Sie die Heizkurve schrittweise ab (z. B. um 2 °C pro Woche) und prüfen Sie, ob die Räume weiterhin warm genug werden. Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur verbessert die JAZ um ca. 2–3 % und spart entsprechend Strom.

3. PV-Anlage nutzen

Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kann einen Teil des Wärmepumpenstroms selbst erzeugen. Der Eigenverbrauchsanteil liegt typischerweise bei 20–30 % des WP-Jahresbedarfs – bei einem Batteriespeicher auch höher. Da selbst erzeugter Solarstrom nur ca. 8–10 ct/kWh kostet (Gestehungskosten einer Dach-PV-Anlage), senkt jede selbst verbrauchte Kilowattstunde die Heizkosten um ca. 14–16 ct gegenüber dem WP-Tarif.

Bei einem WP-Stromverbrauch von 4.300 kWh und 25 % Eigenverbrauchsanteil spart die PV-Anlage ca. 160–170 EUR pro Jahr an Stromkosten allein für die Wärmepumpe. Details zur optimalen Kombination finden Sie im Artikel Wärmepumpe und Photovoltaik.

4. Warmwassertemperatur senken

Viele Wärmepumpen erhitzen das Warmwasser auf 60 °C – das ist energetisch ungünstig, weil die Wärmepumpe bei hoher Vorlauftemperatur ineffizienter arbeitet. Eine Absenkung auf 50 °C spart spürbar Energie.

Wichtig: Die Legionellenprophylaxe muss gewährleistet bleiben. In Einfamilienhäusern mit Speichervolumen unter 400 Litern und kurzen Leitungswegen ist eine dauerhafte Temperatur von 50 °C in der Regel ausreichend. Bei größeren Speichern oder in Mehrfamilienhäusern schreibt die DVGW-Arbeitsblatt W 551 eine regelmäßige Erwärmung auf 60 °C vor (z. B. einmal wöchentlich als Legionellenschaltung).

5. Zeitsteuerung und Nachtabsenkung

Eine moderate Nachtabsenkung (1–2 °C) kann die Stromkosten leicht reduzieren. Wichtig: Bei Wärmepumpen sollte die Absenkung nicht zu stark sein (maximal 2–3 °C), weil das Wiederaufheizen am Morgen dann überproportional viel Strom verbraucht und die JAZ verschlechtert. Bei gut gedämmten Gebäuden mit Fußbodenheizung bringt eine Nachtabsenkung nur geringe Einsparungen, weil die Gebäudemasse die Wärme ohnehin speichert.

Sinnvoller ist oft eine intelligente Steuerung über die Wetterprognose: Moderne Wärmepumpen können per Internet-Anbindung Wetterdaten abrufen und die Heizleistung vorausschauend anpassen.

Meine Empfehlung

Die Angst vor hohen Stromkosten ist der häufigste Einwand gegen Wärmepumpen. In den meisten Fällen ist sie unbegründet. Ein saniertes Einfamilienhaus kommt mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe auf rund 1.000 EUR Stromkosten pro Jahr – das ist weniger als die meisten Gasheizungen kosten und wird sich mit steigenden CO₂-Preisen weiter zu Gunsten der Wärmepumpe verschieben.

Entscheidend ist, dass Ihr Gebäude und Ihre Heizungsanlage zusammenpassen. Eine Wärmepumpe in einem unsanierten Altbau mit hoher Vorlauftemperatur kann tatsächlich teuer werden. Aber genau deshalb sollten Sie vor der Entscheidung Ihren konkreten Heizwärmebedarf kennen.

Mit reduco.ai können Sie Ihren konkreten Heizwärmebedarf ermitteln und sehen, was eine Wärmepumpe für Ihr Gebäude an Strom verbrauchen würde. So treffen Sie die richtige Entscheidung – auf Basis Ihrer tatsächlichen Zahlen, nicht auf Basis von Angst oder Hoffnung.

Häufige Fragen zum Stromverbrauch von Wärmepumpen

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe pro Jahr?

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus verbraucht zwischen 3.000 und 6.000 kWh Strom pro Jahr. Der genaue Wert hängt vom Heizwärmebedarf des Gebäudes und der Jahresarbeitszahl (JAZ) der Wärmepumpe ab. In einem gut gedämmten Neubau (KfW 40) können es auch nur 1.000–1.500 kWh sein, in einem unsanierten Altbau bis zu 9.000 kWh.

Was kostet der Strom für eine Wärmepumpe im Monat?

Bei einem jährlichen Stromverbrauch von 4.300 kWh (sanierter Altbau) und einem WP-Tarif von 24 ct/kWh liegen die monatlichen Stromkosten bei ca. 86 EUR. In einem Neubau sind es ca. 22 EUR/Monat, in einem unsanierten Altbau bis zu 180 EUR/Monat. Beachten Sie, dass der Verbrauch im Winter deutlich höher ist als im Sommer – die monatlichen Kosten schwanken daher erheblich.

Lohnt sich ein separater Stromzähler für die Wärmepumpe?

Ja, in den allermeisten Fällen. Der separate Zähler (Kosten: 500–1.000 EUR) ermöglicht die Nutzung eines WP-Tarifs mit 5–10 ct/kWh Preisunterschied zum Haushaltsstrom. Ab einem Wärmepumpen-Stromverbrauch von ca. 2.500 kWh/Jahr hat sich der Zähler durch die Ersparnis innerhalb von ein bis zwei Jahren amortisiert. Außerdem ist ein separater Zähler Voraussetzung für Modul 2 nach § 14a EnWG mit der höchsten Netzentgeltreduzierung.

Verbraucht eine Wärmepumpe im Altbau zu viel Strom?

Nicht zwangsläufig. Entscheidend ist die erreichbare JAZ, und die hängt vor allem von der Vorlauftemperatur ab. In einem Altbau mit Heizkörpern und Vorlauftemperaturen von 45–55 °C liegt die JAZ einer Luft-Wasser-Wärmepumpe bei ca. 2,5–3,5. Der Stromverbrauch ist dann höher als im Neubau, aber die Betriebskosten liegen trotzdem meist unter denen einer Gas- oder Ölheizung. Mit einer Teilsanierung (z. B. Fenster und Dach) lässt sich die Vorlauftemperatur oft auf 40–45 °C senken, was die JAZ deutlich verbessert. Mehr dazu in unserem Artikel Wärmepumpe im Altbau.

Kann eine Wärmepumpe vom Netzbetreiber abgeschaltet werden?

Nein, eine vollständige Abschaltung ist nach § 14a EnWG nicht zulässig. Der Netzbetreiber darf die Leistungsaufnahme der Wärmepumpe in Spitzenlastzeiten temporär reduzieren (dimmen) – allerdings nur zur Verhinderung oder Behebung einer konkreten Netzgefährdung. Dabei muss jederzeit eine Mindestleistung von 4,2 kW gewährleistet bleiben. In der Praxis sind solche Eingriffe selten und für die Bewohner kaum spürbar, weil die thermische Trägheit des Gebäudes die kurzzeitige Leistungsreduzierung überbrückt.

Wie viel Strom spart eine PV-Anlage bei der Wärmepumpe?

Eine 10-kWp-PV-Anlage kann typischerweise 20–30 % des jährlichen WP-Strombedarfs direkt decken. Bei einem Verbrauch von 4.300 kWh entspricht das 860–1.290 kWh Eigenverbrauch. Bei einem WP-Tarif von 24 ct/kWh und PV-Gestehungskosten von ca. 9 ct/kWh spart das rund 130–195 EUR pro Jahr. Mit einem Batteriespeicher steigt der Eigenverbrauchsanteil auf 40–50 %, die zusätzliche Ersparnis muss aber gegen die Speicherkosten abgewogen werden.

Wie unterscheidet sich der Stromverbrauch verschiedener Wärmepumpentypen?

Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdwärme) verbrauchen bei gleichem Heizwärmebedarf ca. 20–30 % weniger Strom als Luft-Wasser-Wärmepumpen, weil sie höhere JAZ-Werte erreichen (typisch 4,0–4,6 vs. 3,0–3,5 bei Luft-Wasser). Wasser-Wasser-Wärmepumpen sind nochmals effizienter (JAZ 4,0–5,5). Die höheren Anschaffungskosten für Erdsondenbohrung oder Grundwasserbrunnen relativieren diesen Vorteil aber – die Gesamtkosten über 20 Jahre sind bei allen drei Typen oft vergleichbar. Die Wahl des Typs sollte sich daher nach den Gegebenheiten vor Ort richten, nicht allein nach dem Stromverbrauch.

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