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Wärmepumpe mit Photovoltaik kombinieren: Kosten, Autarkie & Wirtschaftlichkeit 2026

Wärmepumpe und Photovoltaik ergänzen sich ideal: Eigenverbrauch steigern, Heizkosten senken, Förderung kombinieren. Alle Kosten, Szenarien und Rechenbeispiele.

Wärmepumpe und Solarmodule auf einem Einfamilienhaus

Wärmepumpe plus Photovoltaik ist 2026 die beliebteste Kombination bei der Heizungsmodernisierung in Einfamilienhäusern -- und das aus gutem Grund. Die Wärmepumpe braucht Strom, die PV-Anlage erzeugt ihn. Wer beides zusammen installiert, kann seine Heizkosten gegenüber dem reinen Netzbezug um 600 bis 1.200 EUR pro Jahr senken. Aber die Kombination hat auch eine ehrliche Einschränkung: Im Winter, wenn die Wärmepumpe am meisten Strom braucht, liefert die PV-Anlage am wenigsten. Wer das weiß und richtig plant, macht trotzdem ein sehr gutes Geschäft.

In diesem Ratgeber rechne ich alle Szenarien durch -- mit aktuellen Kosten, Fördersätzen und einem konkreten 20-Jahres-Vergleich für ein typisches Einfamilienhaus.

Warum Wärmepumpe und Photovoltaik zusammenpassen

Die Grundidee ist simpel: Eine Wärmepumpe erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom rund 3 bis 4 Kilowattstunden Wärme (abhängig von der Jahresarbeitszahl). Sie braucht also deutlich weniger Strom als eine klassische Elektroheizung -- aber sie braucht Strom. Eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach produziert diesen Strom kostenlos, sobald die Anlage abbezahlt ist, und in den Jahren davor zu Gestehungskosten von 6 bis 10 ct/kWh -- deutlich weniger als Netzstrom.

Der wirtschaftliche Hebel ist klar: Jede Kilowattstunde Solarstrom, die direkt in der Wärmepumpe verbraucht wird, spart den Netzbezug von aktuell 22 bis 31 ct/kWh (je nach Tarif). Das ist der doppelte bis vierfache Wert der Einspeisevergütung von 7,79 ct/kWh.

Dazu kommt ein oft übersehener Vorteil: Die Wärmepumpe ist ein großer, flexibler Stromverbraucher. Anders als eine Waschmaschine oder ein Herd kann die Wärmepumpe ihren Betrieb zeitlich verschieben -- der Pufferspeicher im Keller hält die Wärme über Stunden. Damit ist die Wärmepumpe der ideale Partner für die PV-Anlage: Sie nimmt Leistung genau dann ab, wenn Solarstrom im Überfluss vorhanden ist. Kein anderes Gerät im Haushalt kann so viel PV-Überschuss sinnvoll verwerten.

Die ehrliche Einschränkung: Der saisonale Mismatch

So gut die Kombination grundsätzlich passt, es gibt ein physikalisches Problem, das sich nicht wegrechnen lässt:

  • Sommer (Mai--August): Die PV-Anlage produziert etwa 55--60 % ihres Jahresertrags. Die Wärmepumpe braucht in dieser Zeit fast keinen Strom, höchstens für die Warmwasserbereitung.
  • Winter (November--Februar): Die PV-Anlage produziert nur 10--15 % ihres Jahresertrags. Die Wärmepumpe läuft dagegen auf Hochtouren und verbraucht 50--65 % ihres Jahresstroms.

Eine 10-kWp-Anlage erzeugt im Dezember im Schnitt nur 150 kWh -- die Wärmepumpe braucht im gleichen Monat aber 800 bis 1.200 kWh. Im Juli ist es umgekehrt: Die PV erzeugt 1.400 kWh, die Wärmepumpe braucht vielleicht 100 kWh fürs Warmwasser.

Dieser Mismatch bedeutet: Man kann eine Wärmepumpe nicht vollständig mit Solarstrom betreiben. Das Netz bleibt unverzichtbar. Trotzdem lohnt sich die Kombination wirtschaftlich, denn auch ein Eigenverbrauchsanteil von 25--40 % spart über 20 Jahre mehrere tausend Euro.

Wie ein Stromspeicher den Mismatch teilweise überbrückt

Ein Batteriespeicher kann den Eigenverbrauchsanteil erhöhen, indem er tagsüber erzeugten Solarstrom für den abendlichen und nächtlichen Betrieb der Wärmepumpe zwischenspeichert. Im Frühling und Herbst funktioniert das gut -- an sonnigen Tagen wird der Speicher geladen und abends läuft die Wärmepumpe mit gespeichertem Strom.

Im Dezember und Januar hilft der Speicher allerdings nur begrenzt: Wenn die PV-Anlage an kurzen, bewölkten Tagen nur 3--5 kWh produziert, ist ein 10-kWh-Speicher nicht einmal halb voll. Der Beitrag zur winterlichen Heizversorgung bleibt gering. Die Hauptwirkung des Speichers liegt in den Übergangsmonaten (März--April, September--Oktober), wo er die Eigenverbrauchsquote deutlich steigert.

Was kostet die Kombination?

Die Gesamtinvestition für Wärmepumpe, PV-Anlage und optionalen Speicher im Überblick:

Komponente Kosten (inkl. Installation) Bemerkung
Luft-Wasser-Wärmepumpe 27.000--40.000 EUR Inkl. Pufferspeicher, Elektrik, hydraul. Abgleich
PV-Anlage 10 kWp 10.000--13.000 EUR Inkl. Montage, Wechselrichter, Zähler (0 % MwSt.)
Stromspeicher 10 kWh 3.000--5.000 EUR LFP-Batterien, inkl. Installation (0 % MwSt.)
Gesamt ohne Speicher 37.000--53.000 EUR
Gesamt mit Speicher 40.000--58.000 EUR

Diese Kosten verstehen sich vor Abzug der Förderung. Die PV-Anlage und der Speicher profitieren bereits vom Nullsteuersatz (0 % MwSt.) -- die angegebenen Preise sind also Nettopreise, die Sie tatsächlich bezahlen.

Für die Wärmepumpe kommt die KfW-Förderung hinzu, die den Eigenanteil erheblich senkt. Beide Förderprogramme lassen sich kombinieren.

Warum die Preisspanne so groß ist

Die Kostendifferenz zwischen 40.000 und 58.000 EUR ergibt sich aus:

  • Wärmepumpe: Geräte mit R290-Kältemittel und hoher Vorlauftemperatur (bis 75 °C) kosten mehr als Einstiegsmodelle. In Altbauten mit Heizkörpern fallen oft zusätzliche Anpassungen an (Heizflächen, Rohrleitungen).
  • PV-Anlage: Premium-Module (z. B. Glas-Glas-Module mit 30 Jahren Garantie) und optimale Unterkonstruktionen kosten mehr als Standardlösungen.
  • Speicher: Die Preisspanne ergibt sich vor allem aus der Herstellerwahl. BYD-Systeme liegen aktuell am unteren Ende, Huawei und LG eher am oberen.
  • Regionale Handwerkerkosten: Zwischen ländlichen Gebieten und Ballungsräumen liegen oft 15--20 % Unterschied.

Förderung kombinieren: KfW 458 und Nullsteuersatz

Die gute Nachricht: Für Wärmepumpe und PV-Anlage gibt es unterschiedliche Fördertöpfe, die sich problemlos parallel nutzen lassen. Es gibt keinen Ausschluss bei Kombination.

KfW 458 für die Wärmepumpe

Das Programm KfW 458 (Heizungsförderung für Privatpersonen) gewährt einen direkten Investitionszuschuss:

  • Grundförderung: 30 % der förderfähigen Kosten
  • Klimageschwindigkeitsbonus: +20 % beim Austausch einer funktionstüchtigen Öl-, Kohle- oder alten Gasheizung (mindestens 20 Jahre alt). Befristet bis Ende 2028.
  • Einkommensbonus: +30 % bei einem zu versteuernden Haushaltseinkommen bis 40.000 EUR/Jahr
  • Effizienzbonus: +5 % für Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel (R290) oder Erdwärme-/Wasser-Wärmequelle

Maximal 70 % Förderung, gedeckelt auf 30.000 EUR förderfähige Kosten pro Wohneinheit. Der maximale Zuschuss beträgt damit 21.000 EUR. Seit 2026 gelten außerdem strengere Lärmschutzvorgaben für geförderte Wärmepumpen.

Nullsteuersatz für PV und Speicher

Seit dem 1. Januar 2023 gilt auf Lieferung und Installation von PV-Anlagen bis 30 kWp (einschließlich Stromspeicher) ein Mehrwertsteuersatz von 0 % (§ 12 Abs. 3 UStG). Diese Regelung ist unbefristet und gilt 2026 unverändert weiter.

Kombiniertes Rechenbeispiel

Ein Einfamilienhaus mit Öl-Heizung (Baujahr 1998). Eigentümer mit Haushaltseinkommen über 40.000 EUR:

Position Bruttoinvestition Förderung Eigenanteil
Luft-Wasser-WP (R290) 35.000 EUR KfW: 30 % + 20 % (Ölheizung) + 5 % (R290) = 55 %, max. 30.000 EUR förderfähig = 16.500 EUR 18.500 EUR
PV-Anlage 10 kWp 11.500 EUR (bereits netto, 0 % MwSt.) -- 11.500 EUR
Speicher 10 kWh 4.000 EUR (bereits netto, 0 % MwSt.) -- 4.000 EUR
Gesamt 50.500 EUR 16.500 EUR 34.000 EUR

Ohne den Einkommensbonus und mit Ölheizung kommt man auf 55 % KfW-Förderung. Die Gesamtinvestition nach Förderung liegt bei rund 34.000 EUR -- für ein komplett neues Heizsystem plus eigene Stromerzeugung.

Wer den Einkommensbonus erhält (Einkommen bis 40.000 EUR), kommt auf die maximalen 70 %: 21.000 EUR Zuschuss. Der Eigenanteil für die Wärmepumpe sinkt dann auf 14.000 EUR, die Gesamtinvestition auf 29.500 EUR.

Eigenverbrauch und Autarkie: Was ist realistisch?

Viele Anbieter werben mit hohen Autarkiegraden. Hier die realistischen Werte, differenziert nach Konfiguration.

Ausgangslage: Typisches Einfamilienhaus

  • Wohnfläche: 130 m², Baujahr ca. 1990, teilsaniert
  • Heizwärmebedarf: ca. 20.000 kWh/Jahr (inkl. Warmwasser)
  • Wärmepumpe mit JAZ 3,5 (realistisch für Luft-Wasser-WP im Altbau mit Vorlauftemperatur 45--50 °C)
  • Stromverbrauch der Wärmepumpe: 20.000 / 3,5 = ca. 5.700 kWh/Jahr
  • Haushaltsstrom (ohne WP): ca. 4.000 kWh/Jahr
  • Gesamtstromverbrauch: ca. 9.700 kWh/Jahr
  • PV-Anlage: 10 kWp, Südausrichtung, 30° Neigung
  • PV-Jahresertrag: ca. 9.500 kWh/Jahr (950 kWh/kWp, Durchschnitt Deutschland)

Eigenverbrauchsanteil der Wärmepumpe

Konfiguration WP-Strom aus PV WP-Strom aus Netz Eigenverbrauchsanteil WP
PV ohne Speicher 900--1.400 kWh 4.300--4.800 kWh 15--25 %
PV + 10-kWh-Speicher 1.700--2.600 kWh 3.100--4.000 kWh 30--45 %

Der Eigenverbrauchsanteil bezogen auf den gesamten Haushalt (WP + Hausstrom) liegt etwas höher, weil der Haushaltsstrom besser mit der PV-Erzeugung zusammenfällt:

Konfiguration Gesamt-Eigenverbrauchsanteil Autarkiegrad
PV ohne Speicher 25--35 % 25--35 %
PV + 10-kWh-Speicher 40--55 % 40--55 %

Warum volle Autarkie nicht realistisch ist

100 % Autarkie mit PV und Wärmepumpe ist im deutschen Klima nicht erreichbar -- und auch nicht sinnvoll. Im Winter fehlt schlicht die Solarstrahlung. Um die Winterlücke mit Batterien zu überbrücken, bräuchte man einen saisonalen Speicher mit 2.000--3.000 kWh Kapazität. Das wäre ein Speicher von der Größe eines Kleinbusses und würde über 500.000 EUR kosten.

Die pragmatische Lösung: Das Stromnetz als „Saisonalspeicher" nutzen. Im Sommer Überschüsse einspeisen (Vergütung 7,79 ct/kWh), im Winter günstigen Wärmepumpenstrom beziehen (22--26 ct/kWh). Die PV-Anlage senkt die jährliche Stromrechnung -- sie ersetzt sie nicht.

Rechenbeispiel: Was spart die Kombination über 20 Jahre?

Grundannahmen für alle drei Szenarien:

  • EFH, Heizwärmebedarf 20.000 kWh/Jahr, JAZ 3,5
  • WP-Stromverbrauch: 5.700 kWh/Jahr
  • Haushaltsstrom: 4.000 kWh/Jahr (in allen Szenarien identisch, hier nicht berücksichtigt)
  • WP-Stromtarif: 24 ct/kWh (Mittelwert 2026)
  • Haushaltsstrompreis: 31 ct/kWh
  • Strompreissteigerung: 2 % pro Jahr
  • Einspeisevergütung: 7,79 ct/kWh (fest für 20 Jahre)
  • PV-Degradation: 0,4 % pro Jahr
  • Kein Batterieaustausch innerhalb 20 Jahren (moderne LFP-Speicher erreichen 6.000--10.000 Zyklen)

Szenario A: Wärmepumpe + nur Netzbezug

Position Betrag
WP-Investition (nach 55 % Förderung) 15.750 EUR
Jährliche Stromkosten WP (Jahr 1) 1.368 EUR
Stromkosten WP über 20 Jahre (2 % Steigerung) ca. 33.200 EUR
Gesamtkosten 20 Jahre ca. 48.950 EUR

Szenario B: Wärmepumpe + PV 10 kWp (ohne Speicher)

Position Betrag
WP-Investition (nach 55 % Förderung) 15.750 EUR
PV-Investition 11.500 EUR
Jährliche Stromkosten WP nach PV-Eigenverbrauch (Jahr 1) ca. 1.026 EUR (75 % Netzbezug)
Stromkosten WP über 20 Jahre (2 % Steigerung, PV-Anteil spart) ca. 24.300 EUR
Einspeiseerlöse PV (Überschuss) über 20 Jahre ca. --10.800 EUR
Gesamtkosten 20 Jahre ca. 40.750 EUR

Szenario C: Wärmepumpe + PV 10 kWp + Speicher 10 kWh

Position Betrag
WP-Investition (nach 55 % Förderung) 15.750 EUR
PV-Investition 11.500 EUR
Speicher-Investition 4.000 EUR
Jährliche Stromkosten WP nach PV+Speicher (Jahr 1) ca. 770 EUR (56 % Netzbezug)
Stromkosten WP über 20 Jahre ca. 18.700 EUR
Einspeiseerlöse PV (weniger Überschuss wegen Speicher) über 20 Jahre ca. --6.900 EUR
Gesamtkosten 20 Jahre ca. 43.050 EUR

Vergleich der Szenarien

Szenario A (WP + Netz) Szenario B (WP + PV) Szenario C (WP + PV + Speicher)
Investition gesamt 15.750 EUR 27.250 EUR 31.250 EUR
20-Jahres-Gesamtkosten 48.950 EUR 40.750 EUR 43.050 EUR
Ersparnis gg. Szenario A -- 8.200 EUR 5.900 EUR
Jährliche Ersparnis (Durchschnitt) -- ca. 410 EUR ca. 295 EUR

Interpretation: Die PV-Anlage ohne Speicher rechnet sich am besten, weil die Einspeisevergütung den geringeren Eigenverbrauchsanteil teilweise kompensiert. Der Speicher erhöht zwar die Eigenverbrauchsquote, kostet aber 4.000 EUR zusätzlich und reduziert die Einspeiseerlöse. Wirtschaftlich steht Szenario B dadurch besser da.

Allerdings: Die Rechnung berücksichtigt nur den WP-Strom. Bezieht man den gesamten Haushaltsstrom (4.000 kWh/Jahr) mit ein, verbessert sich die Wirtschaftlichkeit des Speichers deutlich, weil der Haushaltsstrom zu 31 ct/kWh statt 24 ct/kWh bezogen wird. In der Gesamtbetrachtung (WP + Haushalt) liegt die Ersparnis von Szenario C dann bei 8.000--10.000 EUR über 20 Jahre.

Dimensionierung: Wie groß sollte die PV-Anlage sein?

Die richtige Größe der PV-Anlage hängt vom Gesamtstromverbrauch und der verfügbaren Dachfläche ab.

Faustformel

1 kWp pro 1.000 kWh Jahresstromverbrauch ist ein guter Ausgangspunkt. Für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe ergibt sich:

Verbrauchsposten Typischer Verbrauch Empfohlene PV-Leistung
Haushaltsstrom 3.500--5.000 kWh 4--5 kWp
Wärmepumpenstrom 4.000--7.000 kWh 4--7 kWp
Gesamt 7.500--12.000 kWh 8--12 kWp

Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit Wärmepumpe empfehle ich 10 kWp als Standard-Dimensionierung. Das ist ein guter Kompromiss zwischen Investitionskosten und Ertrag.

Wann größer sinnvoll ist

  • E-Auto geplant: +3.000--4.000 kWh/Jahr. Anlage auf 12--15 kWp vergrößern.
  • Pool oder Klimaanlage: Saisonaler Verbrauch im Sommer, passt gut zur PV-Erzeugung.
  • Dachfläche vorhanden: Bei niedrigen Preisen pro kWp (unter 1.100 EUR) lohnt sich jedes zusätzliche Modul, solange die Einspeisevergütung die Investition amortisiert.

Speicherdimensionierung

Die Faustformel: 1 kWh Speicherkapazität pro 1 kWp PV-Leistung. Für eine 10-kWp-Anlage also ein 10-kWh-Speicher.

Ein deutlich größerer Speicher (z. B. 15 kWh bei 10 kWp) bringt nur marginal mehr Eigenverbrauch, weil das Problem im Winter nicht die Speichergröße ist, sondern die fehlende PV-Erzeugung. Ein 10-kWh-Speicher, der im Dezember nur mit 3 kWh geladen wird, bringt identisch viel wie ein 15-kWh-Speicher.

Technische Kopplung: SG-Ready und intelligente Steuerung

Moderne Wärmepumpen verfügen über eine SG-Ready-Schnittstelle, die eine direkte Kommunikation mit der PV-Anlage ermöglicht. Wenn die PV-Anlage Überschuss produziert, signalisiert die Steuerung der Wärmepumpe: „Jetzt heizen." Die Wärmepumpe erhöht dann die Speichertemperatur des Pufferspeichers (thermische Speicherung) und nutzt so den kostenlosen Solarstrom optimal.

Dieser „thermische Speicher" ist deutlich günstiger als ein Batteriespeicher: 500 Liter Pufferspeicher kosten 1.000--2.000 EUR und können 5--10 kWh Wärme speichern. In der Praxis erhöht die intelligente Kopplung den PV-Eigenverbrauch um weitere 5--10 Prozentpunkte.

Achten Sie bei der Wärmepumpen-Auswahl darauf, dass die SG-Ready-Funktion vorhanden und im Zusammenspiel mit dem Wechselrichter getestet ist. Die meisten aktuellen Markengeräte (Viessmann, Vaillant, Bosch, Daikin) unterstützen das.

Meine Empfehlung

Ich rate grundsätzlich dazu, PV-Anlage und Wärmepumpe gleichzeitig zu planen -- auch wenn die Umsetzung in zwei Schritten erfolgen kann. Der Grund: Die PV-Anlage beeinflusst die Wahl des Wärmepumpen-Stromtarifs, die Zählerinfrastruktur und die Speicherdimensionierung. Wer zuerst die Wärmepumpe einbaut und erst zwei Jahre später die PV-Anlage plant, muss unter Umständen den Zählerschrank nochmals umbauen lassen -- das kostet unnötig 500--1.000 EUR extra.

Wenn ich priorisieren müsste: PV zuerst installieren (oder gleichzeitig). Die PV-Anlage produziert vom ersten Tag an Strom und senkt sofort die Stromrechnung -- auch ohne Wärmepumpe. Die Wärmepumpe ohne PV funktioniert ebenfalls, kostet aber mehr im Betrieb.

Zur Speicherfrage: Ein Batteriespeicher lohnt sich wirtschaftlich 2026 knapp -- vor allem dann, wenn der Haushalt tagsüber wenig Strom verbraucht und die Alternative hohe Einspeisemengen zu 7,79 ct/kWh wären. Wer Wert auf Unabhängigkeit und Komfort legt, fährt mit Speicher gut. Wer rein auf Wirtschaftlichkeit optimiert, kann den Speicher zunächst weglassen und später nachrüsten. Die meisten Wechselrichter und Speichersysteme sind heute modular aufgebaut, eine Nachrüstung ist technisch unproblematisch.

Mein konkreter Fahrplan für die meisten Hausbesitzer:

  1. Gebäudeanalyse durchführen -- Solarpotenzial, Heizlast und Dämmzustand klären.
  2. PV-Anlage installieren -- 10 kWp als Standardgröße, bei Wärmepumpen-Plan gleich größer dimensionieren.
  3. Wärmepumpe einbauen -- idealerweise im Frühling oder Sommer, wenn die Heizung nicht gebraucht wird.
  4. Speicher optional nachrüsten -- nach einem Jahr Betrieb sehen Sie anhand realer Daten, ob sich der Speicher für Ihr Verbrauchsprofil lohnt.

Ein letzter Punkt: Die Wirtschaftlichkeit der Kombination steht und fällt mit der korrekten Dimensionierung. Überdimensionierte Anlagen produzieren viel Überschuss zu niedriger Einspeisevergütung, unterdimensionierte Anlagen lassen Potenzial liegen. Mit der Gebäudeanalyse von reduco.ai können Sie das Solarpotenzial Ihres Dachs und den optimalen Sanierungsfahrplan in wenigen Minuten ermitteln -- kostenlos und ohne Vor-Ort-Termin.

Häufige Fragen zur Kombination Wärmepumpe und Photovoltaik

Kann ich eine Wärmepumpe komplett mit Solarstrom betreiben?

Nein, nicht im deutschen Klima. Im Winter (November bis Februar) produziert eine PV-Anlage nur 10--15 % ihres Jahresertrags, während die Wärmepumpe in dieser Zeit 50--65 % ihres Jahresstroms verbraucht. Auch mit einem großen Batteriespeicher bleibt die Winterlücke bestehen. Ein Netzanschluss ist weiterhin zwingend erforderlich. Im Jahresdurchschnitt lassen sich mit PV und Speicher aber 30--45 % des Wärmepumpenstroms solar decken.

Brauche ich einen Stromspeicher für die Kombination?

Nicht zwingend. Auch ohne Speicher nutzt die Wärmepumpe tagsüber erzeugten Solarstrom direkt -- vor allem, wenn sie über eine SG-Ready-Schnittstelle verfügt und bei PV-Überschuss gezielt den Pufferspeicher aufheizt. Ein Batteriespeicher erhöht den Eigenverbrauchsanteil um weitere 15--20 Prozentpunkte, kostet aber 3.000--5.000 EUR. Wirtschaftlich ist der Speicher 2026 ein Grenzfall; wer Wert auf höhere Unabhängigkeit legt, sollte einen 10-kWh-Speicher einplanen.

Welche Förderung gibt es für die Kombination?

Wärmepumpe und PV-Anlage werden über unterschiedliche Fördermechanismen gefördert und lassen sich ohne Einschränkung kombinieren:

  • Wärmepumpe: KfW-Programm 458, bis zu 70 % Zuschuss (max. 21.000 EUR)
  • PV-Anlage und Speicher: 0 % Mehrwertsteuer (unbefristet seit 2023)
  • Es gibt keine zusätzliche Bundesförderung speziell für die Kombination, aber viele Kommunen bieten eigene Zuschüsse für Speicher oder PV. Informieren Sie sich bei Ihrer Kommune.

Wie groß muss die PV-Anlage für eine Wärmepumpe sein?

Die Faustformel lautet: 1 kWp pro 1.000 kWh Jahresstromverbrauch. Für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe (Gesamtverbrauch 8.000--12.000 kWh/Jahr) empfehle ich 8--12 kWp. 10 kWp ist für die meisten Haushalte die optimale Größe -- groß genug für signifikante Einsparungen, klein genug für eine gute Wirtschaftlichkeit.

Lohnt sich die Kombination auch im Altbau?

Ja, gerade im Altbau ist die Kombination sinnvoll. Altbauten haben in der Regel einen höheren Heizwärmebedarf, die Wärmepumpe verbraucht also mehr Strom. Dadurch steigt der absolute Eigenverbrauch des PV-Stroms. Aktuelle Feldtests (Fraunhofer ISE) zeigen, dass Luft-Wasser-Wärmepumpen im Altbau eine durchschnittliche Jahresarbeitszahl von 3,3 erreichen. Mit Vorlauftemperaturen bis 55 °C und modernen R290-Geräten ist der Altbau kein Ausschlusskriterium mehr.

Was passiert 2027 mit der Einspeisevergütung?

Ab 2027 soll die feste Einspeisevergütung für neue kleine PV-Anlagen durch marktorientierte Modelle ersetzt werden. Wer seine Anlage noch 2026 in Betrieb nimmt, sichert sich den festen Vergütungssatz von 7,79 ct/kWh (Teileinspeisung, bis 10 kWp) für die vollen 20 Jahre EEG-Laufzeit. Das ist ein relevanter Planungsfaktor, auch wenn der Eigenverbrauch ohnehin der wichtigere Wirtschaftlichkeitshebel ist.

Muss ich die PV-Anlage und die Wärmepumpe gleichzeitig installieren?

Nein, eine gleichzeitige Installation ist nicht erforderlich. Es ist aber sinnvoll, beide Maßnahmen gemeinsam zu planen, auch wenn die Umsetzung zeitversetzt erfolgt. Der Grund: Der Zählerkasten muss für den Wärmepumpen-Stromtarif und den PV-Einspeisezähler vorbereitet werden. Wer beides von Anfang an berücksichtigt, spart einen zweiten Elektrikertermin. Die KfW-Förderung für die Wärmepumpe und der Nullsteuersatz für die PV-Anlage sind unabhängig voneinander beantragbar.

Welche Wärmepumpe eignet sich am besten für die Kombination mit PV?

Grundsätzlich eignet sich jede Wärmepumpe für die Kombination mit einer PV-Anlage. Entscheidend ist die SG-Ready-Schnittstelle, über die die Wärmepumpe bei PV-Überschuss automatisch den Pufferspeicher aufheizt. Luft-Wasser-Wärmepumpen mit R290-Kältemittel sind 2026 der Standard und erhalten den 5-%-Effizienzbonus bei der KfW-Förderung. Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdwärme) haben eine höhere JAZ (3,5--4,5 vs. 2,5--4,0 bei Luft-Wasser), kosten aber durch die Erdsondenbohrung deutlich mehr. Für die PV-Kombination ist der Wärmepumpentyp weniger entscheidend als die intelligente Steuerung.

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