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Infrarotheizung: Kosten, Stromverbrauch & ehrliche Bewertung 2026

Infrarotheizung im Faktencheck: Anschaffung ab 200 EUR, aber 3.600–7.200 EUR Stromkosten pro Jahr. Wann sie sich lohnt und wann nicht.

Infrarot-Wandpaneel an einer Wohnzimmerwand mit sichtbarer Wärmestrahlung

Infrarotheizungen versprechen einfache Installation, niedrige Anschaffungskosten und angenehme Strahlungswärme. Die Realität ist differenzierter: Während die Geräte selbst zwischen 200 und 800 EUR pro Paneel kosten, sorgt der Stromverbrauch im Dauerbetrieb für laufende Kosten, die ein Mehrfaches einer Wärmepumpe oder Gasheizung betragen. In diesem Artikel rechne ich alle Szenarien ehrlich durch – mit konkreten Zahlen für 2026.

Das Ergebnis vorweg: Infrarotheizungen können in bestimmten Nischen sinnvoll sein. Als primäres Heizsystem für ein durchschnittliches Einfamilienhaus oder eine Altbauwohnung sind sie in den meisten Fällen die teuerste Option im laufenden Betrieb. Wer sich trotzdem dafür interessiert, findet hier alle Fakten, die für eine fundierte Entscheidung nötig sind.

Wie funktioniert eine Infrarotheizung?

Eine Infrarotheizung wandelt elektrischen Strom direkt in Infrarotstrahlung um. Im Unterschied zu konventionellen Konvektionsheizungen (Heizkörper, Fußbodenheizung) erwärmt sie nicht primär die Raumluft, sondern Oberflächen: Wände, Möbel, Boden und Personen im Raum. Die erwärmten Oberflächen geben die Wärme anschließend gleichmäßig an die Raumluft ab.

Das Funktionsprinzip ähnelt der Sonnenstrahlung. Die Infrarotstrahlung liegt im langwelligen Bereich (C-Strahlung, 3–50 Mikrometer) und ist gesundheitlich unbedenklich. Die Paneele erreichen Oberflächentemperaturen zwischen 80 und 120 Grad Celsius und wandeln dabei nahezu 100 Prozent des eingesetzten Stroms in Wärme um.

Wichtig: Ein elektrischer Wirkungsgrad von nahezu 100 Prozent bedeutet nicht, dass das System effizient ist. Eine Wärmepumpe erreicht mit derselben Kilowattstunde Strom das 2,5- bis 4,5-fache an Heizwärme, weil sie Umweltwärme nutzt. Diesen Unterschied übersehen viele Anbieter in ihrer Werbung bewusst.

Typen von Infrarotheizungen

Auf dem Markt finden sich verschiedene Bauformen, die sich in Leistung, Einsatzzweck und Preis unterscheiden.

Typ Leistung Anschaffung Einsatzbereich Typische Größe
Wandpaneel (Standard) 300–900 W 200–600 EUR Wohn- und Schlafzimmer 60x90 bis 60x120 cm
Deckenpaneel 300–1.200 W 250–700 EUR Bade-, Wohnzimmer, Büros 30x120 bis 60x120 cm
Bildheizung / Designpaneel 300–800 W 400–1.200 EUR Wohnbereiche (dekorativ) Variabel
Spiegelheizung 300–600 W 500–1.000 EUR Badezimmer 60x80 bis 60x120 cm
Glasheizung 300–900 W 400–800 EUR Wohn- und Badezimmer Variabel
Mobiles IR-Gerät 500–2.000 W 80–300 EUR Übergangsheizung, Werkstatt Standgerät

Die meisten Hersteller geben an, dass ein Paneel mit 500–600 Watt für einen Raum von 10–15 Quadratmetern ausreicht. Das gilt allerdings nur bei guter Dämmung (Neubau oder sanierter Altbau mit U-Wert der Außenwand unter 0,3 W/m²K). In einem unsanierten Altbau mit hohem Wärmebedarf kann die doppelte oder dreifache Leistung erforderlich sein.

Anschaffungskosten im Detail

Die Anschaffungskosten einer Infrarotheizung sind der größte Pluspunkt dieses Systems. Für ein Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern Wohnfläche ergibt sich folgende Kalkulation:

Position Kosten (EFH 120 m²) Anmerkung
Infrarotpaneele (8–12 Stück) 2.400–7.200 EUR Je nach Qualität und Typ
Thermostate (je Raum) 300–800 EUR Funk-Thermostate mit Zeitsteuerung empfohlen
Elektroinstallation 500–2.000 EUR Zusätzliche Steckdosen, ggf. separate Sicherungen
Montage 200–600 EUR Wandmontage ist einfach, Eigenleistung möglich
Gesamt 3.400–10.600 EUR

Zum Vergleich: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet 27.000–40.000 EUR vor Förderung und 11.000–19.000 EUR nach maximaler KfW-Förderung. Eine Gasheizung liegt bei 7.000–10.000 EUR. Die Infrarotheizung ist damit bei der Anschaffung am günstigsten – allerdings verschiebt sich das Bild bei den laufenden Kosten drastisch.

Tipp: Wenn Sie Infrarotpaneele installieren, lassen Sie einen Elektriker prüfen, ob Ihr Hausstromnetz die zusätzliche Last verträgt. Bei 8 Paneelen mit je 600 Watt ergibt sich eine Gesamtlast von 4,8 kW, die unter Umständen eine Erweiterung des Sicherungskastens erfordert.

Stromverbrauch: Die entscheidende Schwachstelle

Der Stromverbrauch ist der Punkt, an dem die Infrarotheizung in den meisten Szenarien scheitert. Rechnen wir konkret:

Ein durchschnittliches Einfamilienhaus in Deutschland hat einen Heizwärmebedarf von 15.000–25.000 kWh pro Jahr (abhängig vom energetischen Zustand). Für die folgenden Berechnungen nehme ich drei Szenarien an.

Szenario Heizwärmebedarf Gebäudezustand
Gut gedämmt (KfW 70) 10.000 kWh/a Neubau oder umfassend saniert
Durchschnitt (1970–1990) 20.000 kWh/a Teilsaniert, neue Fenster, alte Fassade
Unsanierter Altbau (vor 1978) 30.000 kWh/a Keine Dämmung, alte Fenster

Da eine Infrarotheizung Strom im Verhältnis 1:1 in Wärme umwandelt, entspricht der Stromverbrauch nahezu dem Heizwärmebedarf. In der Praxis kommen noch Verteilverluste und Regelungsverluste hinzu; ein realistischer Nutzungsgrad liegt bei 95 Prozent, sodass der tatsächliche Stromverbrauch etwa 5 Prozent über dem theoretischen Bedarf liegt.

Laufende Kosten bei aktuellen Strompreisen (2026)

Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis in Deutschland lag Anfang 2026 bei rund 33 ct/kWh (brutto). Für die Berechnung verwende ich zusätzlich einen optimistischen Szenario-Preis von 28 ct/kWh (günstiger Ökostromtarif) und einen höheren Preis von 38 ct/kWh (Grundversorger, teurer Tarif).

Heizwärmebedarf Stromverbrauch IR Kosten bei 28 ct/kWh Kosten bei 33 ct/kWh Kosten bei 38 ct/kWh
10.000 kWh/a 10.500 kWh/a 2.940 EUR 3.465 EUR 3.990 EUR
20.000 kWh/a 21.000 kWh/a 5.880 EUR 6.930 EUR 7.980 EUR
30.000 kWh/a 31.500 kWh/a 8.820 EUR 10.395 EUR 11.970 EUR

Diese Zahlen sind ernüchternd. Selbst im besten Fall (gut gedämmtes Haus, günstiger Strom) liegen die jährlichen Heizkosten bei fast 3.000 EUR. Im schlechtesten Fall (Altbau, teurer Strom) bei über 10.000 EUR pro Jahr.

Tipp: Einige Anbieter werben damit, dass Infrarotheizungen durch die Strahlungswärme die gefühlte Temperatur erhöhen und man deshalb die Raumtemperatur 1–2 Grad niedriger einstellen kann, was rund 6–12 Prozent Einsparung bringen soll. Selbst wenn das stimmt, ändert es das Gesamtbild nicht wesentlich: Statt 6.930 EUR wären es dann 6.100–6.500 EUR bei 20.000 kWh Bedarf.

Der große Vergleich: Infrarotheizung vs. Wärmepumpe vs. Gasheizung

Um eine faire Bewertung vorzunehmen, vergleiche ich alle drei Systeme über einen Zeitraum von 20 Jahren für ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Heizwärmebedarf.

Annahmen für den Vergleich

  • Strompreis Haushalt: 33 ct/kWh (Infrarotheizung)
  • Strompreis Wärmepumpe: 24 ct/kWh (WP-Tarif)
  • Gaspreis: 12 ct/kWh (inkl. CO₂-Abgabe 2026: 55–65 EUR/t CO₂)
  • CO₂-Preisentwicklung Gas: Anstieg auf ca. 100 EUR/t bis 2030, danach EU-ETS
  • JAZ Wärmepumpe: 3,5
  • Energiepreissteigerung: 2 Prozent pro Jahr (alle Energieträger)
Kostenposition Infrarotheizung Luft-Wasser-WP Gasheizung
Anschaffung 5.000 EUR 35.000 EUR 9.000 EUR
Förderung (KfW 458) 0 EUR −16.500 EUR (55 %) 0 EUR
Effektive Anschaffung 5.000 EUR 16.500 EUR 9.000 EUR
Wartung/Jahr 0–50 EUR 200–350 EUR 200–300 EUR
Schornsteinfeger/Jahr 0 EUR 0 EUR 80–120 EUR
Energiekosten Jahr 1 6.930 EUR 1.680 EUR 2.200 EUR
Energiekosten 20 Jahre* ~168.000 EUR ~41.000 EUR ~58.000 EUR
Gesamtkosten 20 Jahre ~174.000 EUR ~60.000 EUR ~72.000 EUR

Inklusive 2 % jährlicher Energiepreissteigerung und steigender CO₂-Abgabe bei Gas.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Infrarotheizung ist über 20 Jahre fast dreimal so teuer wie eine Wärmepumpe. Der Anschaffungsvorteil von rund 9.000 EUR gegenüber der geförderten Wärmepumpe ist bereits nach 1,5 Jahren durch die höheren Stromkosten aufgezehrt.

Warum ist der Unterschied so groß?

Der Grund liegt in der Physik: Eine Wärmepumpe erzeugt aus 1 kWh Strom rund 3,5 kWh Wärme (bei JAZ 3,5). Die Infrarotheizung erzeugt aus 1 kWh Strom genau 1 kWh Wärme. Bei identischem Heizwärmebedarf von 20.000 kWh verbraucht die Wärmepumpe also rund 5.700 kWh Strom, die Infrarotheizung dagegen 21.000 kWh. Multipliziert mit dem Strompreis ergibt sich ein Faktor von etwa 3,5 bei den Energiekosten.

Dazu kommt: Die Wärmepumpe nutzt vergünstigte WP-Stromtarife (oft 22–28 ct/kWh netto), während die Infrarotheizung über den normalen Haushaltsstrom läuft, für den kein separater Zähler und kein günstigerer Tarif verfügbar ist. Einen Wärmepumpen-Stromtarif erhalten Sie für eine Infrarotheizung in der Regel nicht, da die Netzbetreiber hierfür eine steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG voraussetzen.

Förderung: Fehlanzeige

Für Infrarotheizungen gibt es in Deutschland 2026 keine staatliche Förderung:

  • KfW 458 (Heizungstausch): Nur für erneuerbare Heizsysteme (Wärmepumpe, Biomasse, Solarthermie, Fernwärme). Direktelektrische Heizungen sind explizit ausgeschlossen.
  • BAFA-Förderung: Keine Einzelmaßnahmen-Förderung für Stromdirektheizungen.
  • Steuerliche Absetzbarkeit (§ 35c EStG): Die Infrarotheizung ist grundsätzlich nicht als förderfähige Einzelmaßnahme gelistet. Einige Steuerberater argumentieren, dass sie im Rahmen einer Gesamtsanierung mit iSFP absetzbar sein könnte, aber das ist rechtlich umstritten und wird von den Finanzämtern unterschiedlich bewertet.

Das bedeutet: Während Sie für eine Wärmepumpe bis zu 70 Prozent Förderung erhalten (maximal 21.000 EUR bei 30.000 EUR Investition), zahlen Sie die Infrarotheizung komplett selbst.

Tipp: Wenn Sie die Anschaffungskosten einer Infrarotheizung mit denen einer Wärmepumpe vergleichen, rechnen Sie immer die Förderung ein. Der reale Kostenvergleich ist nicht 5.000 EUR vs. 35.000 EUR, sondern 5.000 EUR vs. 11.000–14.000 EUR.

Wann eine Infrarotheizung Sinn machen kann

Trotz der hohen laufenden Kosten gibt es Nischen, in denen Infrarotheizungen eine sinnvolle Lösung darstellen:

1. Selten genutzte Räume

Ein Gästezimmer, das nur 20–30 Tage im Jahr beheizt wird, erzeugt mit einer Infrarotheizung Energiekosten von 50–150 EUR pro Jahr. Hier lohnt sich der Anschluss an ein zentrales Heizsystem nicht.

2. Übergangsheizung während einer Sanierung

Wenn Sie ein Haus sanieren und die alte Heizung bereits demontiert ist, können mobile oder fest installierte Infrarotpaneele die Übergangszeit von einigen Wochen oder Monaten überbrücken. Die niedrigen Anschaffungskosten machen das wirtschaftlich vertretbar.

3. Extrem gut gedämmte Gebäude (Passivhaus)

Ein Passivhaus hat einen Heizwärmebedarf von maximal 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Bei 120 Quadratmetern sind das 1.800 kWh. Mit einer Infrarotheizung ergeben sich laufende Kosten von rund 600 EUR pro Jahr – das ist konkurrenzfähig und der Installationsaufwand ist minimal. Allerdings sind Passivhäuser in Deutschland weiterhin selten (unter 1 Prozent des Gebäudebestands).

4. Einzelne Räume ohne Heizkörperanschluss

In ausgebauten Dachgeschossen oder nachträglich eingerichteten Hobbyräumen, in denen keine Heizungsrohre liegen, kann ein einzelnes Infrarotpaneel eine pragmatische Lösung sein. Voraussetzung: Der Raum ist gut gedämmt und wird nicht ganztägig beheizt.

5. Kombination mit eigener Photovoltaikanlage

Wer eine große PV-Anlage (10+ kWp) mit Batteriespeicher besitzt, kann überschüssigen Eigenstrom für die Infrarotheizung nutzen. Die effektiven Stromkosten liegen dann bei den Gestehungskosten der PV-Anlage (ca. 8–12 ct/kWh). Allerdings fällt der höchste Heizwärmebedarf in die Wintermonate, in denen PV-Anlagen in Deutschland nur 10–20 Prozent ihres Jahresertrags liefern. Eine vollständige Deckung des Heizbedarfs durch PV ist daher unrealistisch.

Wann eine Infrarotheizung keinen Sinn macht

In den folgenden Situationen rate ich klar von einer Infrarotheizung als primäres Heizsystem ab:

  • Unsanierter oder teilsanierter Altbau: Heizwärmebedarf zu hoch, laufende Kosten prohibitiv.
  • Einfamilienhaus mit normalem Heizwärmebedarf (15.000–25.000 kWh/a): Wärmepumpe ist trotz höherer Anschaffung deutlich günstiger im Betrieb.
  • Mehrfamilienhaus: Hier kommen die hohen Stromkosten multipliziert auf den Vermieter oder die Mieter zurück.
  • Als Ersatz für eine defekte Gas- oder Ölheizung: Die KfW-Förderung für eine Wärmepumpe macht den Umstieg wirtschaftlich weitaus attraktiver.

Rechenbeispiel: Infrarotheizung vs. Wärmepumpe über 15 Jahre

Für ein konkretes Szenario rechne ich ein typisches Einfamilienhaus (Baujahr 1985, teilsaniert) mit folgenden Eckdaten durch:

  • Wohnfläche: 130 Quadratmeter
  • Heizwärmebedarf: 18.000 kWh/a
  • Aktuelle Heizung: Alte Ölheizung (defekt)
  • PV-Anlage: Nein

Variante A: Infrarotheizung

Position Betrag
Anschaffung (10 Paneele à 600 W, Thermostate, Installation) 5.500 EUR
Stromverbrauch/Jahr (18.900 kWh bei 95 % Nutzungsgrad) 18.900 kWh
Stromkosten Jahr 1 (33 ct/kWh) 6.237 EUR
Stromkosten 15 Jahre (2 % Steigerung/Jahr) ~107.000 EUR
Wartung 15 Jahre ~300 EUR
Gesamtkosten 15 Jahre ~112.800 EUR

Variante B: Luft-Wasser-Wärmepumpe

Position Betrag
Anschaffung (inkl. Einbau, Pufferspeicher, Elektrik) 33.000 EUR
Förderung KfW 458 (55 %: 30 % Grund + 20 % Klimabonus + 5 % Effizienzbonus) −16.500 EUR
Eigenanteil 16.500 EUR
Stromverbrauch/Jahr (18.000 / 3,5 JAZ = 5.143 kWh) 5.143 kWh
Stromkosten Jahr 1 (24 ct/kWh WP-Tarif) 1.234 EUR
Stromkosten 15 Jahre (2 % Steigerung/Jahr) ~21.200 EUR
Wartung 15 Jahre (250 EUR/Jahr) 3.750 EUR
Gesamtkosten 15 Jahre ~41.450 EUR

Ergebnis

Die Wärmepumpe spart in 15 Jahren rund 71.000 EUR gegenüber der Infrarotheizung. Der höhere Anschaffungspreis (Differenz: 7.700 EUR nach Förderung) amortisiert sich in weniger als 2 Jahren. Selbst ohne jede Förderung wäre die Wärmepumpe nach rund 6 Jahren günstiger.

GEG-Anforderungen und baurechtliche Einordnung

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in der Fassung von 2024 schreibt für neue Heizungen in Neubaugebieten vor, dass mindestens 65 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien stammen müssen. Eine Infrarotheizung erfüllt diese Anforderung nur, wenn der Strom nachweislich aus erneuerbaren Quellen stammt – etwa durch eine eigene PV-Anlage mit entsprechender Dimensionierung oder einen zertifizierten Grünstromtarif.

In der Praxis ist die Anerkennung als 65-Prozent-EE-Heizung bei reinen Stromdirektheizungen allerdings komplex. Das GEG erkennt Stromdirektheizungen nur unter bestimmten Voraussetzungen an:

  • Das Gebäude muss sehr gut gedämmt sein (vergleichbar KfW-40-Standard).
  • Der Wärmebedarf muss so gering sein, dass der Stromverbrauch in einem vertretbaren Rahmen bleibt.
  • Es muss ein Nachweis über den erneuerbaren Anteil geführt werden.

Für Bestandsgebäude gelten die 65-Prozent-EE-Vorgaben erst, wenn die kommunale Wärmeplanung vorliegt (in Großstädten ab Mitte 2026, in kleineren Kommunen ab Mitte 2028). Bis dahin dürfen Sie grundsätzlich jede Heizung einbauen, auch eine Infrarotheizung. Ob das wirtschaftlich sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.

Erfahrungen aus der Praxis

In Gesprächen mit Eigentümern und Energieberatern zeichnet sich ein konsistentes Bild:

Positive Erfahrungen betreffen nahezu ausschließlich Szenarien mit geringem Heizwärmebedarf: Passivhäuser, einzelne Räume, Ferienwohnungen, die nur wenige Wochen im Jahr genutzt werden, und Übergangsphasen während einer Sanierung.

Negative Erfahrungen häufen sich bei Eigentümern, die eine Infrarotheizung als Vollheizsystem im Altbau installiert haben. Die häufigsten Beschwerden:

  1. Stromkosten deutlich höher als erwartet. Viele Käufer verlassen sich auf Herstellerangaben, die von unrealistisch niedrigen Heizstunden ausgehen (z. B. 6 Stunden pro Tag an 180 Tagen). In der Realität heizen die meisten Gebäude in Deutschland 8–12 Stunden pro Tag an 200–230 Tagen.

  2. Trägheit bei niedrigen Außentemperaturen. Wenn die Wände und der Estrich keine Wärme gespeichert haben, dauert es lange, bis der Raum auf Temperatur kommt. Bei Außentemperaturen unter minus 5 Grad Celsius stoßen die Paneele in schlecht gedämmten Gebäuden an ihre Grenzen.

  3. Keine zentrale Steuerung. Einzelne Paneele mit separaten Thermostaten sind weniger komfortabel als ein zentrales Heizsystem mit Raumregler und Zeitprogramm. Einige Hersteller bieten inzwischen smarte Steuerungen an, die kosten aber zusätzlich 500–1.000 EUR.

Häufige Fragen

Stimmt es, dass eine Infrarotheizung gesundheitsfördernd ist?

Infrarotstrahlung selbst ist unbedenklich. Sie entspricht der natürlichen Wärmestrahlung, die auch von der Sonne und jedem warmen Körper ausgeht. Werbeaussagen zu therapeutischen Effekten (z. B. Linderung von Gelenkbeschwerden, Verbesserung der Durchblutung) sind wissenschaftlich nicht belastbar belegt, wenn es um Raumheizung geht. Medizinische Infrarotanwendungen arbeiten mit deutlich höheren Intensitäten und gezielter Bestrahlung.

Kann ich mit einer Infrarotheizung Schimmel vermeiden?

Die direkte Erwärmung der Wandoberfläche kann theoretisch helfen, Kondensat und damit Schimmelbildung an Außenwänden zu reduzieren. Das funktioniert aber nur, wenn das Paneel gezielt an der gefährdeten Wand montiert wird und ausreichend Leistung hat. Es ist keine universelle Lösung für Schimmelprobleme, die in erster Linie durch Wärmebrücken und unzureichende Dämmung verursacht werden.

Wie hoch ist die Lebensdauer einer Infrarotheizung?

Infrarotpaneele haben keine beweglichen Teile und keine Verschleißelemente. Hersteller geben Lebensdauern von 20–30 Jahren an. In der Praxis sind Ausfälle selten. Allerdings gibt es noch keine Langzeiterfahrungen über 20+ Jahre, da die Technologie erst seit etwa 10–15 Jahren in größerer Stückzahl verbaut wird.

Lohnt sich eine Infrarotheizung als Zusatzheizung im Bad?

Für ein Badezimmer, das morgens und abends jeweils 30–60 Minuten auf Wohlfühltemperatur gebracht werden soll, kann ein einzelnes Infrarotpaneel (500–600 W, ggf. als Spiegelheizung) sinnvoll sein. Der jährliche Stromverbrauch liegt bei rund 200–400 kWh, also 70–130 EUR. Das ist wirtschaftlich vertretbar, und die Installationskosten (300–800 EUR) sind überschaubar.

Was kostet der Betrieb eines einzelnen Infrarotpaneels?

Ein 600-Watt-Paneel, das täglich 6 Stunden läuft und dabei im Schnitt 50 Prozent der Maximalleistung zieht (Thermostatregelung), verbraucht 0,3 kWh pro Stunde Betrieb, also 1,8 kWh pro Tag. Über eine Heizperiode von 200 Tagen sind das 360 kWh, entsprechend rund 119 EUR bei 33 ct/kWh.

Gibt es Unterschiede in der Qualität der Paneele?

Erhebliche. Billigpaneele unter 100 EUR haben oft eine ungleichmäßige Wärmeverteilung, eine kürzere Lebensdauer und entsprechen nicht immer den deutschen Sicherheitsnormen. Achten Sie auf CE-Kennzeichnung, TÜV- oder GS-Prüfzeichen und eine Garantie von mindestens 5 Jahren. Empfehlenswerte Hersteller aus Deutschland und Österreich liegen preislich bei 300–700 EUR pro Paneel.

Fazit: Ehrliche Einordnung

Die Infrarotheizung ist ein Nischenprodukt. Sie hat ihre Berechtigung in genau definierten Anwendungsfällen – selten genutzte Räume, extrem gut gedämmte Gebäude, Übergangslösungen. Als primäres Heizsystem für ein durchschnittliches deutsches Wohngebäude ist sie die mit Abstand teuerste Option im laufenden Betrieb.

Wer vor der Entscheidung steht, eine alte Heizung zu ersetzen, sollte in fast allen Fällen eine Wärmepumpe prüfen. Die KfW-Förderung (Programm 458) senkt die Anschaffungskosten erheblich, und die laufenden Kosten liegen bei einem Bruchteil der Infrarotheizung. Einen umfassenden Vergleich aller Heizsysteme finden Sie in unserem Ratgeber zum Heizungstausch.


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