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Agri-Photovoltaik: Solarstrom und Landwirtschaft kombinieren

Agri-PV erzeugt Solarstrom für 800-1.400 EUR/kWp auf landwirtschaftlichen Flächen. Typen, Kosten, EEG-Vergütung und 3 Wirtschaftlichkeitsrechnungen für Landwirte.

Hochaufgeständerte Agri-PV-Anlage über einem Getreidefeld

Agri-Photovoltaik -- die gleichzeitige Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für Nahrungsmittelproduktion und Stromerzeugung -- ist in Deutschland 2026 kein Nischenthema mehr. Die installierte Agri-PV-Leistung hat sich seit 2023 vervielfacht, getrieben durch verbesserte EEG-Rahmenbedingungen, steigende Strompreise und den wachsenden Druck, landwirtschaftliche Flächen effizienter zu nutzen. Für Landwirte bietet Agri-PV eine zweite Einkommensquelle, ohne die primäre Bewirtschaftung aufgeben zu müssen.

Dieser Ratgeber erklärt die technischen Varianten, die regulatorischen Grundlagen, die Wirtschaftlichkeit und die praktischen Herausforderungen von Agri-PV-Anlagen in Deutschland. Er richtet sich an Landwirte, Grundstückseigentümer und Investoren, die prüfen möchten, ob Agri-PV für ihre Flächen infrage kommt.

Was ist Agri-Photovoltaik?

Agri-Photovoltaik (Agri-PV) bezeichnet die duale Nutzung einer Fläche für landwirtschaftliche Produktion und Solarstromerzeugung. Anders als bei konventionellen Freiflächen-PV-Anlagen, bei denen die landwirtschaftliche Nutzung vollständig entfällt, bleibt bei Agri-PV mindestens 66 % der Fläche landwirtschaftlich nutzbar -- so die Vorgabe der DIN SPEC 91434.

Die Norm unterscheidet zwei Kategorien:

Kategorie Beschreibung Aufbauhöhe Fläche für Landwirtschaft
Kategorie I (hochaufgeständert) Module auf hohen Trägerstrukturen 5--6 m Mind. 85 % der Bezugsfläche
Kategorie II (bodennahe Systeme) Vertikale oder niedrig aufgeständerte Module 0,8--2,5 m Mind. 66 % der Bezugsfläche

Die DIN SPEC 91434, erstmals 2021 veröffentlicht, definiert die technischen Anforderungen und ist die Grundlage für die EEG-Förderung von Agri-PV. Seit dem EEG 2023 erhält Agri-PV einen eigenen Zuschlag in den Ausschreibungen -- ein wichtiger Meilenstein für die Wirtschaftlichkeit.

Typen von Agri-PV-Anlagen

1. Hochaufgeständerte Systeme (Kategorie I)

Bei dieser Variante werden die Solarmodule auf einer Stahlkonstruktion in 5 bis 6 Metern Höhe montiert. Darunter kann konventioneller Ackerbau mit Standardmaschinen betrieben werden. Mähdrescher, Traktoren und Erntemaschinen passen problemlos unter die Konstruktion hindurch.

Typische Anwendungen:

  • Getreideanbau (Weizen, Gerste, Roggen)
  • Kartoffelanbau
  • Sonderkulturen (Obst, Gemüse, Wein)
  • Grünland mit Mähnutzung

Vorteile:

  • Volle maschinelle Bewirtschaftung möglich
  • Verdunstungsschutz für die Kulturen (bis zu 20 % weniger Wasserverlust)
  • Schutz vor Hagel und extremer Sonneneinstrahlung
  • Höchster Flächenerhalt (min. 85 %)

Nachteile:

  • Hohe Investitionskosten durch massive Tragekonstruktion
  • Aufwändige Genehmigung
  • Eingeschränkte Modulneigung (flacher Winkel, ca. 10--20 Grad)
Parameter Wert
Kosten pro kWp 1.000--1.400 EUR
Typische Anlagengröße 500 kWp -- 5 MWp
Jahresertrag pro kWp 850--1.000 kWh
Flächeneffizienz 0,3--0,5 MWp/ha
Ertrag relativ zu Standard-Freiflächenanlage 80--95 %

2. Vertikal-bifaziale Systeme (Kategorie II)

Vertikale Agri-PV-Anlagen bestehen aus bifazialen (doppelseitig aktiven) Modulen, die in Ost-West-Ausrichtung senkrecht aufgestellt werden. Die Module stehen in Reihen mit einem Abstand von 8 bis 12 Metern. Zwischen den Reihen wird die Fläche landwirtschaftlich genutzt.

Typische Anwendungen:

  • Grünland (Beweidung, Mähwiese)
  • Extensiver Ackerbau
  • Blühmischungen (Biodiversitätsflächen)

Vorteile:

  • Geringere Kosten als hochaufgeständerte Systeme
  • Erzeugungsprofil mit zwei Peaks (morgens Ost-Seite, abends West-Seite) -- netzdienlicher als Süd-Anlagen
  • Geringer Schattenwurf durch vertikale Aufstellung
  • Gute Kombination mit Beweidung (Schafe, Rinder)

Nachteile:

  • Geringerer spezifischer Ertrag als südausgerichtete Anlagen
  • Reihenabstand verringert die installierbare Leistung pro Hektar
  • Maschinelle Bewirtschaftung nur zwischen den Reihen möglich
Parameter Wert
Kosten pro kWp 800--1.100 EUR
Typische Anlagengröße 1--10 MWp
Jahresertrag pro kWp 800--950 kWh
Flächeneffizienz 0,2--0,4 MWp/ha
Ertrag relativ zu Standard-Freiflächenanlage 80--90 %

3. Gewächshaus-PV

Bei dieser Variante werden semitransparente oder teiltransparente PV-Module in das Dach eines Gewächshauses integriert. Die Module lassen 10 bis 30 % des Lichts durch -- ausreichend für viele Gewächshauskulturen.

Typische Anwendungen:

  • Beerenobst
  • Salate und Kräuter
  • Zierpflanzen
  • Tomaten, Paprika, Gurken
Parameter Wert
Kosten pro kWp 1.100--1.400 EUR
Typische Anlagengröße 100--1.000 kWp
Jahresertrag pro kWp 900--1.050 kWh
Lichtdurchlässigkeit der Module 10--30 %

Vergleich der drei Varianten

Merkmal Hochaufgeständert Vertikal-bifazial Gewächshaus
Kosten pro kWp 1.000--1.400 EUR 800--1.100 EUR 1.100--1.400 EUR
Jahresertrag pro kWp 850--1.000 kWh 800--950 kWh 900--1.050 kWh
Flächenerhalt > 85 % > 66 % 100 % (Doppelnutzung)
Maschineneinsatz Voll möglich Zwischen Reihen Im Gewächshaus
Genehmigungsaufwand Hoch Mittel Hoch (Baugenehmigung)
Investition (1 MWp) 1,0--1,4 Mio. EUR 0,8--1,1 Mio. EUR 1,1--1,4 Mio. EUR

Regulatorische Grundlagen und EEG-Förderung

EEG-Zuschlag für Agri-PV

Seit dem EEG 2023 erhält Agri-PV einen spezifischen Zuschlag in den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur. Dieser Zuschlag soll die Mehrkosten der Doppelnutzung gegenüber reinen Freiflächen-PV-Anlagen kompensieren.

Aspekt Regelung 2026
Ausschreibungssegment Besondere Solaranlagen (§37 EEG)
Zuschlag Kategorie I (hochaufgeständert) 1,2 ct/kWh auf den Zuschlagswert
Zuschlag Kategorie II (bodennah) 0,5 ct/kWh auf den Zuschlagswert
Mindestgröße für Ausschreibungspflicht > 1 MWp
Anlagen < 1 MWp Feste Einspeisevergütung nach EEG
Vergütungsdauer 20 Jahre ab Inbetriebnahme

Für Anlagen unter 1 MWp gilt die reguläre Einspeisevergütung. Da Agri-PV-Anlagen in der Regel größer als 1 MWp sind, ist der Ausschreibungszuschlag der übliche Förderweg.

Genehmigungsverfahren

Die Genehmigung einer Agri-PV-Anlage ist deutlich aufwändiger als bei einer Dachanlage. Folgende Schritte sind typisch:

  1. Flächennutzungsplan prüfen: Die Fläche muss im Flächennutzungsplan der Gemeinde als Sondergebiet für Solarenergie ausgewiesen sein -- oder es muss eine Änderung beantragt werden.

  2. Bebauungsplan aufstellen: In der Regel ist ein vorhabenbezogener Bebauungsplan erforderlich. Die Aufstellung dauert 6 bis 18 Monate.

  3. Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP): Für Anlagen > 10 ha ist eine UVP-Vorprüfung erforderlich. Anlagen in Schutzgebieten benötigen in jedem Fall eine vollständige UVP.

  4. Baugenehmigung: Die Agri-PV-Anlage benötigt eine Baugenehmigung nach Landesbauordnung.

  5. Netzanschluss: Der Netzanschluss muss beim zuständigen Netzbetreiber beantragt werden. Gerade im ländlichen Raum kann die Netzkapazität ein Engpass sein.

Tipp: Beginnen Sie mit der Abstimmung mit der Gemeindeverwaltung frühzeitig -- idealerweise 12 bis 24 Monate vor dem geplanten Baubeginn. Viele Gemeinden stehen Agri-PV aufgeschlossen gegenüber, wenn die landwirtschaftliche Nutzung nachweislich erhalten bleibt.

DIN SPEC 91434: Anforderungen im Detail

Die DIN SPEC 91434 stellt konkrete Anforderungen an Agri-PV-Anlagen, die für die EEG-Förderung erfüllt sein müssen:

Anforderung Kategorie I Kategorie II
Mindest-Flächenerhalt 85 % 66 %
Bewirtschaftung unter/zwischen Modulen Muss möglich sein Muss möglich sein
Lichtverfügbarkeit für Pflanzen Mind. 60 % der Referenzfläche Mind. 60 % der Referenzfläche
Ertragsverlust Landwirtschaft Max. 34 % Max. 34 %
Monitoring Pflicht Ja (jährlich) Ja (jährlich)

Das jährliche Monitoring ist ein wichtiger Punkt: Der Anlagenbetreiber muss nachweisen, dass die landwirtschaftliche Nutzung tatsächlich aufrechterhalten wird. Fällt die landwirtschaftliche Nutzung weg, entfällt auch der Agri-PV-Zuschlag.

Wirtschaftlichkeit: Drei Szenarien

Szenario 1: Hochaufgeständert, 2 MWp, Ackerbau

Position Wert
Anlagengröße 2 MWp
Investition 2.400.000 EUR (1.200 EUR/kWp)
Jahresertrag 1.800.000 kWh
EEG-Zuschlagswert 7,0 ct/kWh
Agri-PV-Zuschlag Kat. I 1,2 ct/kWh
Gesamtvergütung 8,2 ct/kWh
Jährlicher Stromerlös 147.600 EUR
Betriebskosten (1,5 % der Investition) 36.000 EUR/Jahr
Pacht an Landwirt (Flächenkompensation) 1.500 EUR/ha, ca. 8.000 EUR/Jahr
Jährlicher Überschuss ca. 103.600 EUR
Amortisation ca. 18--20 Jahre
Eigenkapitalrendite (bei 70 % Fremdkapital) 5--8 %

Szenario 2: Vertikal-bifazial, 3 MWp, Grünland/Beweidung

Position Wert
Anlagengröße 3 MWp
Investition 2.850.000 EUR (950 EUR/kWp)
Jahresertrag 2.550.000 kWh
EEG-Zuschlagswert 6,8 ct/kWh
Agri-PV-Zuschlag Kat. II 0,5 ct/kWh
Gesamtvergütung 7,3 ct/kWh
Jährlicher Stromerlös 186.150 EUR
Betriebskosten 42.750 EUR/Jahr
Pacht 10.000 EUR/Jahr
Jährlicher Überschuss ca. 133.400 EUR
Amortisation ca. 16--18 Jahre
Eigenkapitalrendite (bei 70 % Fremdkapital) 6--9 %

Szenario 3: Direktvermarktung mit PPA (Power Purchase Agreement)

Größere Agri-PV-Anlagen können alternativ zur EEG-Vergütung über ein PPA (langfristiger Stromliefervertrag) vermarktet werden. PPAs bieten 2026 je nach Laufzeit und Abnehmer Preise von 7 bis 10 ct/kWh -- teilweise über der EEG-Vergütung.

Merkmal EEG-Ausschreibung PPA
Vergütung 7--8,5 ct/kWh (fix, 20 Jahre) 7--10 ct/kWh (verhandelbar, 10--20 Jahre)
Preisrisiko Kein (feste Vergütung) Teilweise (je nach Indexierung)
Vermarktungsaufwand Gering (Ausschreibungsteilnahme) Hoch (Vertragsverhandlung)
Flexibilität Gering Hoch
Zusatzeinnahmen möglich Nein Ja (Herkunftsnachweise, ca. 0,3--0,5 ct/kWh)

Tipp: Für Anlagen ab 5 MWp lohnt es sich, PPA-Angebote parallel zur EEG-Ausschreibung einzuholen. Die Marktpreise für Solarstrom-PPAs sind 2026 attraktiv, insbesondere für Industrieabnehmer mit ESG-Zielen, die grünen Strom mit Herkunftsnachweis benötigen.

Vorteile der Agri-PV im Detail

Doppelnutzung und Flächeneffizienz

Deutschland hat eine begrenzte Fläche. Der Ausbau der Photovoltaik steht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Agri-PV löst diesen Konflikt, indem beide Nutzungen auf derselben Fläche stattfinden. Die sogenannte Land Equivalent Ratio (LER) -- ein Maß für die Flächeneffizienz der Doppelnutzung -- liegt bei gut geplanten Agri-PV-Anlagen bei 1,4 bis 1,8. Das bedeutet: Für den gleichen Gesamtertrag (Strom + Nahrungsmittel) würde man bei getrennter Nutzung 40 bis 80 % mehr Fläche benötigen.

Verdunstungsschutz und Klimaanpassung

In trockenen Sommern profitieren die Kulturen unter der Agri-PV-Anlage vom reduzierten Verdunstungsstress. Studien des Fraunhofer ISE auf Versuchsanlagen in Heggelbach und Weihenstephan zeigen:

Effekt Messergebnis
Reduzierte Evapotranspiration 15--25 % weniger Wasserverlust
Ertragswirkung bei Trockenheit 5--20 % Mehrertrag gegenüber Referenzfläche
Ertragswirkung in Normaljahren 0--10 % Minderertrag
Bodentemperatur 2--4 Grad C kühler unter Modulen

Dieser Klimaanpassungseffekt wird mit zunehmenden Hitze- und Trockensommern immer relevanter. In den Trockenjahren 2018, 2019 und 2022 wären viele Kulturen unter einer Agri-PV-Anlage besser gefahren als auf offenem Feld.

Tierwohl bei Beweidung

Vertikale Agri-PV-Anlagen auf Grünland bieten Weidetieren Schatten. Gerade Schafe nutzen den Schattenwurf der vertikalen Module intensiv. Gleichzeitig halten die Tiere den Bewuchs zwischen den Modulen kurz -- eine natürliche Pflege, die Mähkosten spart.

Herausforderungen und Risiken

Höhere Investitionskosten

Agri-PV-Anlagen kosten 800 bis 1.400 EUR/kWp, während konventionelle Freiflächen-PV-Anlagen bei 700 bis 1.000 EUR/kWp liegen. Der Mehrpreis resultiert aus den aufwändigeren Tragekonstruktionen und der Notwendigkeit, die landwirtschaftliche Nutzung nicht zu behindern.

Anlagentyp Kosten pro kWp Differenz zu Freifläche
Konventionelle Freifläche 700--1.000 EUR Referenz
Agri-PV Kategorie II (vertikal) 800--1.100 EUR +10--20 %
Agri-PV Kategorie I (hochaufgeständert) 1.000--1.400 EUR +30--50 %
Gewächshaus-PV 1.100--1.400 EUR +40--50 %

Genehmigungsdauer

Die Genehmigung einer Agri-PV-Anlage dauert in der Praxis 12 bis 24 Monate. Hauptgründe sind die Aufstellung des Bebauungsplans und die Abstimmung mit der Landwirtschaftsbehörde. In einzelnen Bundesländern gibt es beschleunigte Verfahren, insbesondere in Brandenburg und Niedersachsen.

Finanzierung

Die Finanzierung von Agri-PV-Projekten ist komplexer als bei Standard-PV, weil Banken die Doppelnutzung als Risikofaktor bewerten. Relevante Finanzierungsquellen sind:

  • KfW Erneuerbare Energien (Programm 270): Zinssätze ab 4,0 % effektiv (Stand März 2026)
  • Landwirtschaftliche Rentenbank: Spezielle Programme für Agri-PV, Zinssätze ab 3,5 %
  • Landesförderbanken: Regionale Zusatzförderung in einigen Bundesländern
  • Private Projektfinanzierer: Eigenkapitalanforderung typischerweise 20--30 %

Akzeptanz und Landschaftsbild

Agri-PV-Anlagen verändern das Landschaftsbild. Die frühzeitige Einbindung der Gemeinde und der Anwohner ist entscheidend. Hochaufgeständerte Anlagen mit 5 bis 6 Metern Höhe sind von weitem sichtbar. Vertikale Systeme sind unauffälliger, verändern aber ebenfalls den Charakter einer offenen Landschaft.

Tipp: Erstellen Sie frühzeitig Visualisierungen der geplanten Anlage und präsentieren Sie diese im Gemeinderat. Zeigen Sie, dass die landwirtschaftliche Nutzung erhalten bleibt, und benennen Sie konkrete Vorteile für die Gemeinde (Gewerbesteuer, Pachteinnahmen, regionale Wertschöpfung).

Aktuelle Projekte und Marktentwicklung in Deutschland

Deutschland hat Ende 2025 rund 800 MWp Agri-PV-Leistung installiert -- ein Bruchteil der über 90 GWp Gesamt-PV-Leistung, aber mit stark steigender Tendenz. Die Ziele der Bundesregierung sehen vor, dass Agri-PV bis 2030 einen signifikanten Anteil am jährlichen PV-Zubau von 22 GWp erreicht.

Bedeutende Projekte und Akteure:

  • Fraunhofer ISE: Betreibt seit 2016 die Referenzanlage in Heggelbach (194 kWp, hochaufgeständert, Ackerbau). Die Ergebnisse zeigen, dass Winterweizen und Kartoffeln unter der Anlage wirtschaftlich angebaut werden können.
  • BayWa r.e.: Hat mehrere Großprojekte realisiert, darunter eine 4,1-MWp-Anlage in den Niederlanden und Pilotprojekte in Süddeutschland.
  • Next2Sun: Spezialisiert auf vertikal-bifaziale Systeme. Die Anlage in Donaueschingen-Aasen (4,1 MWp) ist eine der größten vertikalen Agri-PV-Anlagen Europas.
  • Vattenfall: Plant mehrere große Agri-PV-Projekte in Norddeutschland, teilweise mit Direktvermarktung an Industriekunden.

Relevanz für unterschiedliche Zielgruppen

Zielgruppe Relevanz Typische Anlagengröße
Landwirte (Eigenland) Sehr hoch -- zweites Einkommen 0,5--5 MWp
Landwirte (Pachtland) Mittel -- Abstimmung mit Eigentümer nötig 1--10 MWp
Projektierer/Investoren Hoch -- skalierbares Geschäftsmodell 5--50 MWp
Kommunen Mittel -- Steuereinnahmen und Klimaziele 1--20 MWp
Eigenheimbesitzer Gering -- Dach-PV oder Balkonkraftwerk sind relevanter --

Häufige Fragen

Darf ich auf Ackerland einfach eine PV-Anlage bauen?

Nein. Ackerland ist baurechtlich Außenbereich. Für eine PV-Anlage benötigen Sie einen Bebauungsplan oder eine Änderung des Flächennutzungsplans. Bei Agri-PV wird in der Regel ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt. Der Prozess dauert 6 bis 18 Monate und erfordert die Zustimmung des Gemeinderats. Konventionelle Freiflächen-PV ist nur auf bestimmten Flächen förderfähig (z. B. benachteiligte Gebiete, Seitenstreifen entlang von Autobahnen). Agri-PV hat den Vorteil, auch auf hochwertigen Ackerflächen genehmigungsfähig zu sein, sofern die Doppelnutzung nachgewiesen wird.

Wie viel Ertragsverlust hat die Landwirtschaft unter einer Agri-PV-Anlage?

Die Ertragseinbußen hängen stark vom Anlagentyp und der Kultur ab. Hochaufgeständerte Systeme führen zu 5 bis 15 % Minderertrag in Normaljahren. In trockenen Jahren kann der Ertrag unter der Anlage jedoch gleich hoch oder sogar höher sein als auf der freien Fläche, weil die Module den Verdunstungsstress reduzieren. Vertikale Systeme beeinträchtigen den Ertrag der Kulturen zwischen den Reihen kaum (0 bis 5 %), da die Module nur morgens und abends Schatten werfen.

Erhalte ich die EU-Agrarzahlungen weiterhin?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Die EU-Agrarförderung (Direktzahlungen aus der Ersten Säule) bleibt für Agri-PV-Flächen erhalten, sofern die Fläche weiterhin als landwirtschaftlich genutzt gilt. Die DIN SPEC 91434 und die Einhaltung der Mindest-Flächenanteile sind hier entscheidend. Bei konventionellen Freiflächen-PV-Anlagen entfällt die Agrarförderung vollständig.

Welche Versicherung brauche ich für eine Agri-PV-Anlage?

Sie benötigen eine Ertragsausfallversicherung, eine Betreiberhaftpflicht und eine Allgefahrenversicherung (Sturm, Hagel, Blitz, Diebstahl, Vandalismus). Die jährlichen Versicherungskosten liegen typischerweise bei 0,3 bis 0,5 % der Investitionssumme. Einige Versicherer bieten spezielle Agri-PV-Policen an, die auch den landwirtschaftlichen Ertragsausfall mitversichern.

Kann ich eine bestehende Freiflächen-PV-Anlage zu Agri-PV umrüsten?

Das ist technisch möglich, aber in der Praxis selten wirtschaftlich. Der Umbau einer konventionellen Freiflächen-PV-Anlage zu einer hochaufgeständerten Agri-PV-Anlage erfordert eine komplett neue Unterkonstruktion. Bei vertikalen Systemen ist eine Nachrüstung nicht möglich. Es ist fast immer günstiger, eine neue Agri-PV-Anlage auf einer anderen Fläche zu errichten.

Wie finde ich einen Projektierer für Agri-PV?

Spezialisierte Projektierer für Agri-PV sind in Deutschland noch rar, aber ihre Zahl wächst. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) führt eine Liste von Unternehmen mit Agri-PV-Erfahrung. Alternativ können Sie sich an die Landwirtschaftskammer Ihres Bundeslandes wenden, die zunehmend Informationsveranstaltungen zu Agri-PV anbietet. Achten Sie bei der Auswahl des Projektierers darauf, dass er Erfahrung mit dem Genehmigungsverfahren und der Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsbehörden hat.


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