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Energieausweis Kosten 2026: Preise & in 5 Schritten beantragen

Hendrik Stotz

Hendrik Stotz

Zertifizierter Energieeffizienz-Experte

Stand: 18. Oktober 202626 Minuten

Energetische Bewertung eines Wohnhauses

Das Wichtigste in Kürze

  • Preisspanne: Ein Energieausweis kostet je nach Typ zwischen rund 70 und 1.500 Euro; eine amtliche Preisliste gibt es nicht, die Obergrenze ist ein Orientierungswert.
  • Verbrauchsausweis: Laut Verbraucherzentrale schon für knapp unter 100 Euro erhältlich, Online-Schnäppchen teils unter 70 Euro. Basis ist der tatsächliche Verbrauch.
  • Bedarfsausweis: Spürbar teurer (Orientierungswert 300–800 Euro, Mehrfamilienhaus bis 1.500 Euro); bis 31.12.2026 Pflicht für Wohngebäude mit weniger als 5 Wohnungen, deren Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde und die nicht mindestens das Niveau der Wärmeschutzverordnung 1977 erreichen. Ab 01.01.2027 entfällt diese Sonderregel.
  • Beantragen in 5 Schritten: Ausweisart bestimmen → Aussteller wählen → Unterlagen sammeln → Begehung/Datenprüfung → Ausstellung mit Registriernummer.
  • Gültigkeit: Jeder Energieausweis ist 10 Jahre ab Ausstellung gültig (§ 79 Abs. 3 GModG).
  • Bußgeld: Bei fehlendem Ausweis oder fehlenden Pflichtangaben drohen bis zu 10.000 Euro (§ 108 GModG).
  • Aktuelle Skala: Für Wohngebäude gilt weiterhin die Skala A+ bis H; daran hat auch das am 28.07.2026 verkündete Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) nichts geändert. Die Skala A bis G kommt ab 01.01.2027 ausschließlich für Nichtwohngebäude (Anlage 10a GModG).

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Ein Energieausweis kostet je nach Typ zwischen rund 70 und 1.500 Euro; eine amtliche Preisliste gibt es nicht, die Obergrenze ist ein Orientierungswert. Die Spanne ist groß, weil es zwei grundlegend verschiedene Ausweisarten gibt, weil die Gebäudegröße eine Rolle spielt und weil sich die Preise zwischen Online-Anbietern und Energieberatern vor Ort erheblich unterscheiden. Den günstigen Verbrauchsausweis bekommen Sie laut Verbraucherzentrale schon für knapp unter 100 Euro, online teils unter 70 Euro. Der Bedarfsausweis ist laut Stiftung Warentest deutlich aufwändiger und daher teurer.

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Dieser Artikel erklärt, was Verbrauchsausweis und Bedarfsausweis 2026 kosten, wie Sie einen Energieausweis Schritt für Schritt beantragen, wann Sie welchen Typ brauchen, welche Kostenfaktoren den Preis treiben, was sich zum 1. Januar 2027 ändert und was an der viel zitierten „neuen Skala ab Mai 2026" wirklich dran ist.

Energieausweis fürs Haus: Kosten 2026 im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt die typischen Kosten für die verschiedenen Ausweisarten im Jahr 2026. Die belastbaren externen Anker stammen von der Verbraucherzentrale (Verbrauchsausweis knapp unter 100 Euro, online teils unter 70 Euro) und der Stiftung Warentest (Verbrauchsausweis schon für unter 100 Euro, Preis abhängig von Gebäudegröße, Bauteilen, Heizsystem und Bauunterlagen). Die Preise für den Verbrauchsausweis beim Energieberater und für den Bedarfsausweis sind Orientierungswerte: Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest nennen dafür keine Spanne, und eine amtliche Preisliste gibt es nicht.

Ausweistyp Kosten Vor-Ort-Begehung Gültigkeit
Verbrauchsausweis (online) ab unter 70 € nein, Fotos statt Begehung 10 Jahre
Verbrauchsausweis (Energieberater) ca. 100–250 € möglich, nicht vorgeschrieben 10 Jahre
Bedarfsausweis (Einfamilienhaus) ca. 300–500 € empfohlen, nicht vorgeschrieben 10 Jahre
Bedarfsausweis (Mehrfamilienhaus) ca. 500–1.500 € empfohlen, nicht vorgeschrieben 10 Jahre

Quellen: Verbraucherzentrale (Stand 09.10.2025), Stiftung Warentest (Stand 16.02.2026), § 79 Abs. 3 und § 84 Abs. 1 GModG; Berater- und Bedarfsausweispreise sind Orientierungswerte · Stand: Oktober 2026

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Warum kostet der eine unter 100 Euro und der andere deutlich mehr? Laut Stiftung Warentest hängt der Preis unter anderem von Gebäudegröße, dem Aufwand für die Erfassung der einzelnen Bauteile, dem Heizsystem und den vorliegenden Bauunterlagen ab. Ein einfacher Verbrauchsausweis für ein kompaktes Haus mit vollständigen Heizkostenabrechnungen liegt am unteren Ende, ein Bedarfsausweis für einen verschachtelten Altbau ohne Baupläne am oberen.

Verbrauchsausweis: ab unter 70 Euro

Der Verbrauchsausweis basiert auf dem tatsächlichen Energieverbrauch der letzten Jahre. Der Aussteller benötigt dafür Ihre Heizkostenabrechnungen, die Gebäudegrunddaten (Adresse, Baujahr, Wohnfläche, Heizsystem) und gegebenenfalls Angaben zum Warmwasserverbrauch. Eine Vor-Ort-Begehung ist nicht vorgeschrieben; kommt der Aussteller nicht vorbei, muss er sich aber geeignete Fotos des Gebäudes geben lassen (§ 84 Abs. 1 GModG). Weil der Aufwand für die Datenerhebung geringer ist, ist diese Variante günstig: Laut Verbraucherzentrale schon für knapp unter 100 Euro, online teils unter 70 Euro.

Die 36-Monate- und 18-Monate-Regel (§ 82 GModG): Damit überhaupt ein Verbrauchsausweis ausgestellt werden darf, müssen ausreichende Verbrauchsdaten vorliegen. Den Verbrauchsdaten sind mindestens die Abrechnungen aus einem zusammenhängenden Zeitraum von 36 Monaten zugrunde zu legen, der die jüngste Abrechnungsperiode einschließt, und deren Ende darf nicht mehr als 18 Monate zurückliegen. Praktisch heißt das: Sie brauchen die Heizkostenabrechnungen aus drei zusammenhängenden Jahren, und die jüngste davon darf höchstens 18 Monate zurückliegen. Für Ausweise ab dem 01.01.2027 genügen Verbrauchsdaten aus zwei Jahren; die 18-Monate-Grenze für die jüngste Abrechnung bleibt (§ 82 Abs. 1 und 4 GModG in der Fassung ab 2027). Fehlen verwertbare Verbrauchsdaten, etwa weil das Haus lange leer stand, ist ein Verbrauchsausweis nicht möglich und Sie müssen auf den Bedarfsausweis ausweichen.

Beim Energieberater vor Ort liegt der Verbrauchsausweis als Orientierungswert bei 100–250 Euro. Eine Energieberatung ist laut Verbraucherzentrale bei keiner der beiden Ausweisarten inbegriffen.

Bei Online-Anbietern beginnen die Preise laut Verbraucherzentrale unter 70 Euro. Sie geben die Daten selbst in ein Formular ein und liefern Fotos des Gebäudes, der Anbieter erstellt den Ausweis auf Basis Ihrer Angaben. Das ist schnell und günstig, hat aber eine Schwäche: Die Qualität hängt stark davon ab, wie korrekt Ihre Eingaben sind. Fehlerhafte Angaben führen zu einem fehlerhaften Ausweis, und der Anbieter kann Ihre Daten nur anhand Ihrer Fotos und Unterlagen prüfen, nicht am Gebäude selbst.

Energiebedarfsausweis: Kosten und wovon der Preis abhängt

Der Bedarfsausweis basiert auf einer technischen Berechnung des Energiebedarfs. Ein qualifizierter Aussteller nimmt den baulichen Zustand auf (Wandaufbau, Fenster, Dach, Kellerdecke, Heizungsanlage, Lüftung), am besten bei einem Ortstermin, und berechnet den theoretischen Energiebedarf nach DIN V 18599 (für Ausweise ab dem 01.01.2027 nach DIN/TS 18599:2025-10). Das Ergebnis ist unabhängig vom tatsächlichen Nutzerverhalten und damit aussagekräftiger als der Verbrauchsausweis.

Laut Stiftung Warentest ist der Bedarfsausweis deutlich aufwändiger und daher teurer als der Verbrauchsausweis; wie hoch der Preis ausfällt, hängt von Gebäudegröße, dem Erfassungsaufwand für die einzelnen Bauteile, dem Heizsystem und den vorliegenden Bauunterlagen ab. Konkrete Preisspannen nennen die belastbaren Quellen nicht. Die hier genannte Spanne von 300 bis 800 Euro ist deshalb ein Orientierungswert, kein amtlich festgelegter Tarif.

Für ein Einfamilienhaus gelten als Orientierung 300–500 Euro. Der Preis hängt von der Gebäudekomplexität ab: Ein einfaches Reihenhaus ist schneller erfasst als eine freistehende Villa mit Anbauten, verschiedenen Wandaufbauten und komplexer Haustechnik.

Für Mehrfamilienhäuser steigt der Orientierungswert auf 500–1.500 Euro. Der Aufwand wächst mit der Anzahl der Wohneinheiten, der Gebäudegröße und der Vielfalt der vorhandenen Baukonstruktionen. Ein Mehrfamilienhaus mit 10 Wohneinheiten und drei verschiedenen Anbaujahren ist deutlich aufwändiger zu erfassen als ein kompakter Vierfamilienhaus-Neubau.

Wichtig: Jeder Energieausweis für ein bestehendes Gebäude enthält Modernisierungsempfehlungen, der Verbrauchsausweis ebenso wie der Bedarfsausweis, es sei denn, sinnvolle Maßnahmen sind nicht möglich (§ 84 Abs. 1 GModG). Das sind kurz gefasste Vorschläge zur energetischen Verbesserung des Gebäudes. Für sanierungswillige Eigentümer ist der Bedarfsausweis trotzdem meist die bessere Wahl, weil er die Gebäudeeigenschaften bewertet und nicht das bisherige Heizverhalten. Welche Angaben der Bedarfsausweis im Detail enthält und für welche Gebäude er Pflicht ist, ordnet der Ratgeber Bedarfsausweis: Kosten und Pflicht ein.

Kosten für den Energiepass: welcher Begriff welchen Ausweis meint

Rund um den Energieausweis kursieren mehrere Begriffe, das führt bei der Preisrecherche leicht zu Verwirrung:

Gesuchter Begriff Gemeint ist Preis
Energiepass umgangssprachlich der Energieausweis (das Gesetz spricht nur vom Energieausweis) wie unten, je nach Typ
Energienachweis meist kein Ausweis, sondern der Nachweis beim Neubau, dass die Anforderungen des GModG eingehalten sind (Erfüllungserklärung, § 92 GModG) eigene Leistung, kein Ausweispreis
Energiebedarfsausweis der Bedarfsausweis, die berechnete Variante meist die teurere der beiden
Energieverbrauchsausweis der Verbrauchsausweis, die Variante auf Basis realer Verbräuche meist die günstigere der beiden

Quellen: §§ 79 bis 82 und § 92 GModG, Verbraucherzentrale · Stand: Oktober 2026

Der Preis hängt also nicht vom Suchbegriff ab, sondern vom Ausweistyp und vom Gebäude. Welchen Typ Sie nehmen dürfen, ist gesetzlich geregelt und steht weiter unten.

Energieausweis beantragen: In 5 Schritten zum Ausweis

Einen Energieausweis „beantragen" ist kein Behördengang. Sie beauftragen einen berechtigten Aussteller, der das Dokument erstellt und dafür bei der Registrierstelle eine Registriernummer beantragt (§ 98 GModG). So gehen Sie Schritt für Schritt vor:

Schritt 1: Ausweisart bestimmen. Klären Sie zuerst, ob für Ihr Gebäude ein Verbrauchs- oder ein Bedarfsausweis zulässig bzw. Pflicht ist (Details im Abschnitt Wer braucht was?). Faustregel bis 31.12.2026: Wohngebäude mit weniger als 5 Wohnungen und Bauantrag vor dem 1. November 1977 brauchen in der Regel einen Bedarfsausweis, alle anderen haben oft die Wahl. Ab dem 01.01.2027 entfällt diese Sonderregel. Eine ausführliche Entscheidungshilfe finden Sie unter Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis: Welchen brauchen Sie?.

Schritt 2: Aussteller oder Plattform wählen. Suchen Sie einen berechtigten Aussteller (Energieberater, Architekt, Ingenieur, qualifizierter Handwerksmeister oder Schornsteinfeger; siehe Wer darf Energieausweise ausstellen?). Für einen einfachen Verbrauchsausweis kommt auch ein Online-Dienst infrage; wie das abläuft und worauf Sie achten müssen, lesen Sie unter Energieausweis online erstellen 2026: Kosten, Anbieter & Ablauf. Wer genau ausstellen darf, erklärt der Beitrag Energieausweis Aussteller: Wer darf ihn erstellen?.

Schritt 3: Unterlagen sammeln. Welche Dokumente Sie brauchen, hängt von der Ausweisart ab:

  • Verbrauchsausweis: Heizkostenabrechnungen aus 3 zusammenhängenden Jahren (36 Monate, für Ausweise ab dem 01.01.2027 zwei Jahre), die jüngste davon mit einem Abrechnungsende, das nicht länger als 18 Monate zurückliegt (§ 82 GModG). Dazu Grunddaten wie Adresse, Baujahr, beheizte Wohnfläche und Heizsystem sowie aussagekräftige Fotos des Gebäudes, wenn der Aussteller nicht vor Ort kommt.
  • Bedarfsausweis: Baupläne/Grundrisse, Angaben zu Wandaufbau und U-Werten, Daten zur Heizungsanlage und Lüftung sowie aussagekräftige Fotos der Bauteile. Je vollständiger die Bauunterlagen, desto schneller (und günstiger) die Erstellung.

Schritt 4: Begehung oder Datenprüfung. Der Aussteller muss das Gebäude vor Ort begehen oder sich geeignete Fotos geben lassen (§ 84 Abs. 1 GModG, ab 2027 § 83 Abs. 1). Beim Bedarfsausweis empfiehlt die Verbraucherzentrale ausdrücklich den Ortstermin, bei dem der Aussteller die Bauteile aufnimmt. Beim Verbrauchsausweis prüft der Aussteller Ihre eingereichten Verbrauchsdaten auf Plausibilität; seriöse Anbieter fragen bei Unstimmigkeiten nach.

Schritt 5: Ausstellung mit Registriernummer. Sie erhalten den fertigen Energieausweis als Dokument. Jeder gültige Ausweis trägt eine Registriernummer, die der Aussteller bei der Registrierstelle des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) beantragt. Die Nummer ist eine Pflichtangabe im Ausweis (§ 85 Abs. 1 Nr. 4 GModG): Fehlt sie, ist der Ausweis nicht ordnungsgemäß registriert. Ab Ausstellung läuft die 10-Jahres-Gültigkeit nach § 79 Abs. 3 GModG.

Welche Faktoren beeinflussen die Kosten?

Laut Stiftung Warentest hängt der Preis eines Energieausweises unter anderem von vier Stellschrauben ab: Gebäudegröße, Aufwand für die Erfassung der einzelnen Bauteile, Heizsystem und vorliegende Bauunterlagen. Im Detail:

Energieausweis fürs Mehrfamilienhaus: Größe und Zahl der Wohnungen

Je größer das Gebäude und je mehr Wohnungen vorhanden sind, desto aufwändiger ist die Datenaufnahme für den Bedarfsausweis. Bei Mehrfamilienhäusern müssen oft verschiedene Wohnungstypen, unterschiedliche Heizsysteme und mehrere Geschosse erfasst werden. Beim Verbrauchsausweis ist der Mehraufwand geringer, aber auch hier steigt der Preis mit der Gebäudekomplexität, weil mehr Verbrauchsdaten zusammengetragen und plausibilisiert werden müssen.

Altbau mit Anbauten: warum die Begehung länger dauert

Ein Altbau mit mehreren Anbauten, nachträglichen Umbauten oder unbekanntem Wandaufbau erfordert mehr Aufwand bei der Vor-Ort-Begehung als ein standardisierter Neubau. Wenn Bauunterlagen fehlen, muss der Aussteller den Wandaufbau einschätzen; dafür darf er gesicherte Erfahrungswerte für Bauteile vergleichbarer Altersklassen verwenden (§ 38 Abs. 4 GModG) oder Probebohrungen empfehlen. Das verlängert die Begehung und erhöht den Preis.

Vor-Ort-Begehung: beim Bedarfsausweis empfohlen, aber keine Pflicht

Gesetzlich vorgeschrieben ist die Begehung bei keiner Ausweisart: Der Aussteller muss ein bestehendes Gebäude vor Ort begehen oder sich geeignete Fotos geben lassen (§ 84 Abs. 1 GModG, ab 2027 § 83 Abs. 1). Für den Bedarfsausweis empfiehlt die Verbraucherzentrale ausdrücklich eine Prüfung vor Ort; ob der Ortstermin im Preis enthalten ist, sollten Sie im Angebot prüfen. Auch beim Verbrauchsausweis ist ein Ortstermin möglich. Er erhöht den Preis, liefert laut Verbraucherzentrale aber aussagekräftigere Ergebnisse.

Heizsystem, Bauunterlagen und Anfahrt als Preistreiber

Auch das Heizsystem wirkt sich aus: Eine komplexe Anlage mit mehreren Wärmeerzeugern oder Lüftungstechnik erhöht den Erfassungsaufwand. Und je vollständiger Ihre Bauunterlagen sind, desto schneller geht es. Fehlen Pläne und U-Werte, muss der Aussteller mehr selbst aufnehmen oder annehmen. Bei einem Ortstermin kann zudem die Anfahrt den Preis erhöhen.

Zusatzleistungen: Erläuterung der Empfehlungen und Förderberatung

Kurze Modernisierungsempfehlungen gehören zu jedem Energieausweis für ein bestehendes Gebäude (§ 84 Abs. 1 GModG). Einige Aussteller bieten Pakete an, die über den reinen Energieausweis hinausgehen: eine ausführliche Erläuterung der Modernisierungsempfehlungen, eine erste Kostenschätzung für Sanierungsmaßnahmen oder eine Einordnung der Fördermöglichkeiten. Diese Zusatzleistungen kosten mehr, liefern aber einen konkreten Mehrwert, besonders wenn eine Sanierung ohnehin geplant ist.

Energieeffizienzklassen A+ bis H: Die kWh-Grenzwerte

Auf jedem Wohngebäude-Energieausweis steht eine Effizienzklasse. Aktuell gilt in Deutschland die Skala A+ bis H, die den Endenergiebedarf bzw. -verbrauch in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²·a) in Klassen einteilt. Die folgende Tabelle zeigt die Grenzwerte nach Anlage 10 GModG; die Einordnung stützt sich auf die Verbraucherzentrale:

Effizienzklasse Endenergie (kWh/m²·a) Einordnung
A+ bis 30 besser als ein typischer Neubau
A über 30 bis 50 typischer Neubau
B über 50 bis 75 effizient
C über 75 bis 100 gut
D über 100 bis 130 besser als der Durchschnitt
E über 130 bis 160 Durchschnitt der Wohngebäude (rund 150)
F über 160 bis 200 schlechter als der Durchschnitt
G über 200 bis 250 hoher Verbrauch
H über 250 sehr hoher Verbrauch

Quellen: Anlage 10 GModG; Einordnung nach Verbraucherzentrale (Stand 11.08.2026) · Stand: Oktober 2026

Ein unsaniertes Einfamilienhaus landet laut Verbraucherzentrale typischerweise in den Klassen G oder H, ein moderner Neubau in A oder A+. Maßgeblich für die Einstufung ist dabei stets die Endenergie; worin sich Endenergiebedarf und Primärenergiebedarf unterscheiden, erklärt unser Vergleichsartikel. Die Klasse fließt auch in Pflichtangaben für Immobilienanzeigen ein (siehe unten) und beeinflusst laut Stiftung Warentest inzwischen auch den Kaufpreis. Wenn ohnehin ein Verkauf ansteht, lohnt es sich, den Wert vorher kostenlos einschätzen zu lassen.

Verbrauchsausweis oder Bedarfsausweis: Wer braucht was?

Die Wahl zwischen Verbrauchsausweis und Bedarfsausweis ist nicht immer frei. Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) schreibt in bestimmten Fällen den Bedarfsausweis vor.

Bedarfsausweis ist Pflicht für:

Die Sonderregel für ältere kleine Wohngebäude betrifft viele ältere Ein- und Zweifamilienhäuser. Wenn der Bauantrag für Ihr Haus vor dem 1. November 1977 gestellt wurde und es weder bei Fertigstellung noch durch spätere Maßnahmen (z. B. nachträgliche Fassadendämmung, Fenstertausch, Dachdämmung) das Niveau der Wärmeschutzverordnung 1977 erreicht, benötigen Sie bis zum 31.12.2026 einen Bedarfsausweis. Mit dem 01.01.2027 entfällt diese Sonderregel.

Verbrauchsausweis ist ausreichend für:

  • Wohngebäude mit 5 oder mehr Wohnungen (unabhängig vom Baujahr)
  • Wohngebäude mit Bauantrag ab dem 1. November 1977 (auch mit weniger als 5 Wohnungen)
  • Wohngebäude mit Bauantrag vor dem 1. November 1977 und weniger als 5 Wohnungen, die schon bei Fertigstellung oder durch spätere Sanierung mindestens den Stand der 1. WSchVO erreichen
  • ab dem 01.01.2027 alle bestehenden Gebäude, die ausschließlich dem Wohnen dienen (§ 82 Abs. 1 GModG in der Fassung ab 2027)

Achtung: Auch wenn der Verbrauchsausweis theoretisch zulässig ist, scheitert er manchmal an den Daten. Liegen keine Verbrauchsdaten über 36 zusammenhängende Monate vor (§ 82 GModG; für Ausweise ab dem 01.01.2027 zwei Jahre), bleibt nur der Bedarfsausweis, unabhängig vom Baujahr.

Welcher Ausweis ist besser?

Auch wenn der Verbrauchsausweis ausreicht, kann der Bedarfsausweis die bessere Wahl sein:

  • Vor einem Verkauf: Der Bedarfsausweis ist für Käufer aussagekräftiger, weil er den energetischen Zustand des Gebäudes unabhängig vom bisherigen Nutzerverhalten bewertet. Ein Verbrauchsausweis kann durch sparsames Heizverhalten geschönt sein oder durch hohen Verbrauch eines Vorbewohners ein verzerrtes Bild liefern.
  • Vor einer Sanierung: Die Modernisierungsempfehlungen liefern erste Anhaltspunkte, welche Maßnahmen sinnvoll sind; beim Bedarfsausweis beruhen sie auf den aufgenommenen Bauteilen und der Anlagentechnik. Für eine detaillierte Sanierungsplanung empfiehlt sich allerdings ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP), der deutlich über den Energieausweis hinausgeht.
  • Für Vermieter: Mit einem Bedarfsausweis können Sie die Energieeffizienz Ihres Gebäudes objektiv nachweisen, unabhängig davon, wie die aktuellen Mieter heizen.

Wann ist ein Energieausweis Pflicht?

Der Energieausweis muss in folgenden Situationen vorliegen:

Wann der Energieausweis heute schon vorliegen muss

  • Verkauf einer Immobilie: Dem potenziellen Käufer ist spätestens bei der Besichtigung ein Energieausweis oder eine Kopie vorzulegen; unverzüglich nach Abschluss des Kaufvertrags ist er zu übergeben (§ 80 Abs. 4 GModG). Mehr dazu im Beitrag Energieausweis beim Hausverkauf: Pflichten und Fristen.
  • Neuvermietung: Bei Vermietung, Verpachtung oder Leasing gelten dieselben Pflichten wie beim Verkauf (§ 80 Abs. 5 GModG): Der Energieausweis muss dem Mietinteressenten spätestens bei der Besichtigung vorgelegt und nach Vertragsschluss übergeben werden.
  • Immobilienanzeigen: Liegt beim Aufgeben einer Anzeige in kommerziellen Medien, online wie gedruckt, ein Energieausweis vor, müssen angegeben werden: Art des Energieausweises (Bedarf oder Verbrauch), Endenergiebedarf bzw. -verbrauch, wesentlicher Energieträger für die Heizung, Baujahr und Energieeffizienzklasse (§ 87 GModG). Bei Ausweisen ab dem 01.01.2027 gehören statt des Endenergiewerts der Jahres-Primärenergiebedarf und das Ausstellungsdatum in die Anzeige; für ältere Ausweise bleibt es bei den bisherigen Angaben (§ 87 und § 112 Abs. 3 GModG in der Fassung ab 2027).
  • Neubau: Für einen Neubau muss ein Energieausweis erstellt werden (§ 80 Abs. 1 GModG).

Wer keinen Energieausweis braucht: die Ausnahmen

Bis zum 31.12.2026 nennt § 79 Abs. 4 GModG zwei Ausnahmen von der Ausweispflicht: Baudenkmäler brauchen bei Verkauf und Vermietung keinen Energieausweis, kleine Gebäude mit nicht mehr als 50 Quadratmetern Nutzfläche gar keinen. Ab dem 01.01.2027 nennt § 79 Abs. 4 GModG Baudenkmäler nicht mehr als Ausnahme, und als kleines Gebäude gilt nur noch eines mit weniger als 50 Quadratmetern Nutzfläche. Unabhängig davon gilt das GModG unter anderem nicht für Wohngebäude, die für eine Nutzung von weniger als vier Monaten im Jahr bestimmt sind (§ 2 Abs. 2 Nr. 8 GModG); auch für sie ist kein Energieausweis nötig. Wer seine Immobilie selbst bewohnt und weder verkauft noch vermietet, ist ohnehin nicht verpflichtet: Die Ausweispflicht greift erst bei einem konkreten Anlass wie Verkauf, Vermietung oder Neubau.

Neue Pflichten durch EPBD und GModG: Vertragsverlängerung und neue Angaben ab 2027

Die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) erweitert die Ausweispflicht. Die Energieausweis-Vorgaben setzt Deutschland mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) um, das am 28.07.2026 verkündet wurde; der Energieausweis-Teil tritt zum 01.01.2027 in Kraft (Stand 18.10.2026):

  • Miet- oder Pachtvertragsverlängerung: Auch bei Verlängerung eines bestehenden Vertrags ist ein gültiger Energieausweis vorzulegen (§ 80 Abs. 3 und 5 GModG).
  • Treibhausgasangabe: Die betriebsbedingten Treibhausgasemissionen in kg CO₂-Äquivalent je m² und Jahr stehen schon seit dem GEG 2020 im Ausweis (heute § 85 Abs. 2, 3 und 6 GModG, ab 2027 § 85 Abs. 1 Nr. 16) und sind keine neue Pflicht. Neu sind ab 2027 unter anderem die Angaben, ob das Gebäude auf externe Signale reagieren und seinen Verbrauch anpassen kann und ob die Wärmeverteilung mit niedrigen Temperaturen betrieben werden kann (§ 85 Abs. 1 Nr. 26 und 27 GModG).
  • Wohngebäude: Die Bedarfsausweis-Pflicht für Häuser mit weniger als fünf Wohnungen und Bauantrag vor dem 1. November 1977 entfällt; für den Verbrauchsausweis genügen Verbrauchsdaten aus zwei Jahren (§ 80 Abs. 3 und § 82 Abs. 1 GModG).
  • Behördengebäude: Die Aushangpflicht bei starkem Publikumsverkehr gilt ohne die bisherige Mindestfläche von 250 m² (§ 80 Abs. 6 GModG).

Ändert sich der Energieausweis ab Mai 2026?

Hier kursiert die häufigste Verwirrung zum Thema, deshalb die klare Einordnung: Der 29. Mai 2026 ist kein Tag, an dem Sie automatisch einen Ausweis nach neuer Skala bekommen. Er ist lediglich die EU-Umsetzungsfrist der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD, Richtlinie (EU) 2024/1275), also der Termin, bis zu dem Deutschland die Richtlinie in nationales Recht gegossen haben muss. Diese Frist hat Deutschland nicht eingehalten.

Die nationale Umsetzung der Energieausweis-Vorgaben erfolgte über das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das am 28.07.2026 verkündet wurde. Es ist kein neues Gesetz, sondern das umbenannte Gebäudeenergiegesetz. Und die entscheidende Nachricht für Hauseigentümer: Für Wohngebäude bleibt die Skala A+ bis H bestehen. Die Klassengrenzen der Anlage 10 GModG bleiben unverändert; angepasst wurden nur die Überschrift und die Bezugsfläche. Die Skala A bis G gilt ab 01.01.2027 ausschließlich für Nichtwohngebäude (neue Anlage 10a, § 86 Abs. 3 GModG).

Zeitstrahl 2024 bis 2027: was wann passiert

Zeitpunkt Was passiert
2024 EPBD (Richtlinie (EU) 2024/1275) tritt EU-weit in Kraft
29. Mai 2026 EU-Frist zur nationalen Umsetzung der EPBD (von Deutschland verpasst)
28. Juli 2026 GModG verkündet (BGBl. 2026 I Nr. 226); es benennt das GEG um
ab 1. Januar 2027 Skala A bis G ausschließlich für Nichtwohngebäude (Anlage 10a GModG); Wohngebäude behalten die Skala A+ bis H; bestehende Ausweise bleiben bis zum Ablaufdatum gültig

Quellen: Richtlinie (EU) 2024/1275, BGBl. 2026 I Nr. 226 · Stand: Oktober 2026

Was die Skala A bis G für Nichtwohngebäude bringt

Nichtwohngebäude-Ausweise nutzen ab 2027 eine geschlossene Skala von A bis G. Klasse A ist Nullemissionsgebäuden vorbehalten (§ 86 Abs. 3 Satz 2 GModG). Die Einstufung ergibt sich nicht aus festen kWh-Schwellen, sondern aus dem Verhältnis des berechneten Primärenergiebedarfs zu dem eines Referenzgebäudes: A bei einem Faktor bis 1,0, G ab einem Faktor über 3,5 (Anlage 10a GModG). An der Skala für Wohngebäude ändert sich nichts: Dort bleibt es bei A+ bis H auf Basis von Endenergiebedarf oder -verbrauch (§ 86 Abs. 2 GModG).

Ausführliche Informationen zu den neuen Klassen, den Grenzwerten und den Auswirkungen auf den Immobilienmarkt finden Sie in unserem Artikel Energieausweis: neue Klassen für Nichtwohngebäude ab 2027.

Was bedeutet das für Ihre Kosten heute?

Ein heute ausgestellter Ausweis bleibt 10 Jahre gültig, auch nach dem 01.01.2027 (§ 79 Abs. 3 GModG). Wer jetzt verkauft oder vermietet, braucht den Ausweis ohnehin jetzt, und an der Skala für Wohngebäude ändert sich nichts. Eine Ausnahme betrifft die Kosten: Für Wohngebäude mit weniger als fünf Wohnungen und Bauantrag vor dem 1. November 1977 entfällt die Bedarfsausweis-Pflicht zum 01.01.2027. Wer erst 2027 einen Ausweis braucht, kann dann den meist günstigeren Verbrauchsausweis wählen, sofern Verbrauchsdaten aus zwei Jahren vorliegen.

Online-Energieausweis: Günstig, aber mit Einschränkungen

Online-Anbieter erstellen Verbrauchsausweise teils für unter 70 Euro. Das ist grundsätzlich zulässig, doch laut Verbraucherzentrale gibt es oft schon bei der Datenerhebung erhebliche Mängel, und der Ausweis ist dann häufig fehlerhaft. Stiftung Warentest weist darauf hin, dass preisgünstige Ausweise ohne Vor-Ort-Termin sehr ungenau sein können. Eine ältere Stichprobe zeigt das Problem: 2008 wertete die Verbraucherzentrale NRW 29 online erstellte Energieausweise aus; 12 waren formal mangelhaft, 18 enthielten Rechenfehler.

Eine ausführliche Anbieter- und Ablaufübersicht für den seriösen Weg finden Sie unter Energieausweis online erstellen 2026: Kosten, Anbieter & Ablauf.

Wie funktioniert der Online-Energieausweis?

Sie geben Ihre Gebäude- und Verbrauchsdaten in ein Webformular ein und laden Fotos des Gebäudes hoch; ein berechtigter Aussteller erstellt daraus den Ausweis, ohne Vor-Ort-Begehung. Die Vorteile liegen auf der Hand: günstig (teils unter 70 Euro), schnell und bequem von zu Hause aus. Die Schwächen wiegen jedoch schwer.

Nachteile und Risiken des Online-Energieausweises

  • Begrenzte Qualitätskontrolle: Der Aussteller sieht Ihr Gebäude nur auf Fotos. Wenn Sie falsche Daten eingeben (bewusst oder aus Unkenntnis), ist der Ausweis fehlerhaft, und für die Richtigkeit der von Ihnen bereitgestellten Daten sind Sie als Eigentümer verantwortlich (§ 83 Abs. 3 GModG).
  • Keine Beratung: Sie erhalten ein Dokument, aber keine Einordnung. Fragen zu Sanierungsmaßnahmen oder zur Bedeutung der Ergebnisse bleiben offen.
  • Prüfpflicht des Ausstellers: Der Aussteller muss die von Ihnen bereitgestellten Daten sorgfältig prüfen und darf sie bei Zweifeln nicht verwenden (§ 83 Abs. 3 GModG). Bei reinen Online-Ausweisen ohne jede Rückfrage ist fraglich, ob diese Pflicht erfüllt wird. Im Streitfall, etwa wenn ein Käufer nach Erwerb einen deutlich schlechteren energetischen Zustand feststellt, kann ein ohne Qualitätsprüfung erstellter Ausweis zum Problem werden.
  • Bedarfsausweis online nur mit Vorsicht: Rechtlich ist er auch ohne Begehung zulässig, wenn geeignete Fotos vorliegen (§ 84 Abs. 1 GModG). Die Verbraucherzentrale empfiehlt beim Bedarfsausweis aber ausdrücklich eine Prüfung vor Ort, weil Nichtfachleute die Gebäudedaten kaum korrekt aufnehmen können.

Mein Rat: Der Online-Verbrauchsausweis ist pragmatisch, wenn Sie nur die Pflicht erfüllen müssen und Ihr Gebäude unkompliziert ist (z. B. neueres Mehrfamilienhaus mit vollständigen Verbrauchsdaten). Für Gebäude mit Bauantrag vor dem 1. November 1977 und weniger als 5 Wohnungen ist er bis zum 31.12.2026 meist ausgeschlossen, weil dort der Bedarfsausweis Pflicht ist. Und vor Verkauf oder Sanierung lohnt sich der hochwertige Ausweis vom Fachmann.

Bußgelder bei fehlendem Energieausweis

Wer seiner Pflicht rund um den Energieausweis vorsätzlich oder leichtfertig nicht nachkommt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Verstöße gegen die Vorlage- und Übergabepflichten (§ 80 Abs. 1, 4 und 5 GModG), gegen die Sorgfalt bei den Daten (§ 83), gegen die Pflichtangaben in Anzeigen (§ 87) und das Ausstellen ohne Berechtigung (§ 88 Abs. 1) können mit einer Geldbuße bis zu zehntausend Euro geahndet werden (§ 108 GModG). Welche Verstöße welche Strafe nach sich ziehen, vertieft der Beitrag Energieausweis Bußgeld 2026: Alle Strafen und Risiken. Die Bußgelder können empfindlich ausfallen:

Verstoß Bußgeld
Kein Energieausweis bei Verkauf oder Vermietung bis 10.000 €
Fehlende Pflichtangaben in Immobilienanzeigen bis 10.000 €
Energieausweis nicht oder verspätet vorgelegt bis 10.000 €
Energieausweis auf Basis falscher Angaben bis 10.000 €

Quellen: § 108 Abs. 1 Nr. 18 bis 21 und Abs. 2 Nr. 2 GModG · Stand: Oktober 2026

Die Bußgelder sind Höchstbeträge. Kontrolliert werden auch die Ausweise selbst: Die zuständige Kontrollstelle zieht Stichproben aus den neu ausgestellten Energieausweisen und prüft deren Eingabedaten und Ergebnisse (§ 99 GModG). Ein zentrales öffentliches Register der Energieausweise sieht das GModG nicht vor; die Registrierstelle vergibt nur die Registriernummern (§ 98 GModG).

Ein fehlerhafter Energieausweis hat außerdem zivilrechtliche Folgen im Verhältnis zum Aussteller: Entspricht er nicht den gesetzlichen Vorgaben, können Sie laut Verbraucherzentrale eine kostenlose Nachbesserung verlangen und nach erfolgloser Fristsetzung zum Beispiel vom Vertrag zurücktreten.

Wer darf Energieausweise ausstellen?

Nicht jeder darf einen Energieausweis ausstellen. Die Berechtigung ist in § 88 GModG geregelt und hängt von Ausbildung und Zusatzqualifikation ab, nicht von der Ausweisart. Ausstellungsberechtigt sind unter anderem Personen mit berufsqualifizierendem Hochschulabschluss (etwa Architektur, Bauingenieurwesen, Bauphysik), Handwerksmeister aus Bau-, Ausbau- und anlagentechnischen Gewerken inklusive Schornsteinfegern sowie staatlich anerkannte oder geprüfte Techniker, jeweils mit der erforderlichen Zusatzqualifikation.

Wichtig: Das Gesetz unterscheidet bei der Berechtigung nicht zwischen Verbrauchsausweis und Bedarfsausweis. Wer berechtigt ist, darf beide ausstellen. Eingeschränkt ist etwa, wer eine auf Wohngebäude beschränkte Schulung absolviert hat: Er darf nur Ausweise für Wohngebäude ausstellen (§ 88 Abs. 3 GModG). Ein amtliches Zulassungszertifikat gibt es laut Verbraucherzentrale nicht; lassen Sie sich die Berechtigung daher schriftlich bestätigen. Wer genau ausstellen darf und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten, vertieft Energieausweis Aussteller: Wer darf ihn erstellen?.

Aussteller finden: Expertenliste, Verbraucherzentrale und Kammern

  • Energieeffizienz-Expertenliste: Unter energie-effizienz-experten.de finden Sie Energieberaterinnen und Energieberater für die Förderprogramme des Bundes, deren Qualifikation regelmäßig überprüft wird.
  • Verbraucherzentralen: Beraten unabhängig zum Energieausweis und zur Auswahl eines Ausstellers; eine vollständige Liste aller Aussteller gibt es laut Verbraucherzentrale nicht.
  • Handwerks- und Architektenkammern sowie Energieberater-Verbände: Fragen Sie dort nach Mitgliedern mit Energieberater-Qualifikation; die Verbraucherzentrale nennt etwa den Verband GIH.

Energieausweis und Sanierung: Zusammenhänge

Der Energieausweis ist mehr als ein bürokratisches Pflichtdokument; richtig genutzt liefert er den Einstieg in sinnvolle Investitionen. Jeder Energieausweis für ein bestehendes Gebäude enthält Modernisierungsempfehlungen, sofern Maßnahmen möglich sind (§ 84 Abs. 1 GModG), typisch etwa Fassadendämmung, Fenstertausch, Dachdämmung oder Heizungstausch. Diese sind zwar weniger detailliert als ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP), geben aber eine erste Orientierung.

Beim Kauf oder bei der Erbschaft einer Immobilie können über den Energieausweis hinaus Sanierungspflichten greifen: Eine ungedämmte oberste Geschossdecke und bisher ungedämmte, zugängliche Heizungs- und Warmwasserleitungen in unbeheizten Räumen muss grundsätzlich jeder Eigentümer dämmen (§ 35 Abs. 1, § 69 Abs. 2 GModG). Wer als Eigentümer ein Haus mit höchstens zwei Wohnungen am 1. Februar 2002 selbst bewohnt hat, ist davon ausgenommen; nach dem ersten Eigentümerwechsel hat der neue Eigentümer zwei Jahre Zeit (§ 35 Abs. 3, § 69 Abs. 3 und 4 GModG). Eine gute Effizienzklasse kann laut Stiftung Warentest zudem den Kaufpreis erhöhen; ob sich eine Sanierung vor dem Verkauf rechnet, hängt vom Einzelfall ab.

Häufige Fragen (FAQ)

Was kostet ein Energieausweis für ein Einfamilienhaus 2026?

Ein Verbrauchsausweis für ein Einfamilienhaus ist günstig: Laut Verbraucherzentrale schon für knapp unter 100 Euro, online teils unter 70 Euro. Der Bedarfsausweis ist spürbar teurer; als Orientierung (keine amtliche Preisliste) gelten für ein Einfamilienhaus etwa 300 bis 500 Euro. Wenn der Bauantrag für Ihr Haus vor dem 1. November 1977 gestellt wurde und es nicht mindestens das Niveau der Wärmeschutzverordnung 1977 erreicht, benötigen Sie bis zum 31.12.2026 den teureren Bedarfsausweis; ab dem 01.01.2027 entfällt diese Pflicht.

Verbrauchsausweis oder Bedarfsausweis – welcher ist für mein Haus Pflicht?

Für Wohngebäude mit weniger als 5 Wohnungen, deren Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde, ist nach § 80 Abs. 3 GModG bis zum 31.12.2026 ein Bedarfsausweis Pflicht, außer das Gebäude erreicht schon seit der Fertigstellung oder durch spätere Maßnahmen mindestens das Niveau der 1. Wärmeschutzverordnung (1977). Wohngebäude mit 5 oder mehr Wohnungen sowie jüngere Gebäude haben die Wahl. Ab dem 01.01.2027 entfällt die Sonderregel; dann haben Eigentümer von Gebäuden, die ausschließlich dem Wohnen dienen, generell die Wahl, sofern genug Verbrauchsdaten vorliegen. Eine ausführliche Entscheidungshilfe bietet Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis: Welchen brauchen Sie?.

Wie beantrage ich einen Energieausweis Schritt für Schritt?

In fünf Schritten: 1. Ausweisart bestimmen (Verbrauch oder Bedarf), 2. berechtigten Aussteller oder seriöse Online-Plattform wählen, 3. Unterlagen sammeln (Verbrauchsausweis: 3 Jahre Heizkostenabrechnungen, für Ausweise ab 2027 zwei Jahre, dazu Fotos; Bedarfsausweis: Baupläne, U-Werte, Heizungsdaten, Fotos), 4. Begehung bzw. Datenprüfung, 5. Ausstellung mit Registriernummer. Den Ablauf erklärt der Abschnitt Energieausweis beantragen: In 5 Schritten zum Ausweis oben.

Welche Unterlagen brauche ich für einen Verbrauchsausweis?

Sie brauchen Heizkostenabrechnungen aus einem zusammenhängenden Zeitraum von mindestens 36 Monaten (drei Jahren). Maßgeblich ist § 82 GModG: Der Zeitraum muss die jüngste Abrechnungsperiode einschließen, deren Ende nicht mehr als 18 Monate zurückliegen darf. Für Ausweise ab dem 01.01.2027 genügen Verbrauchsdaten aus zwei Jahren; die 18-Monate-Grenze bleibt. Dazu kommen Grunddaten wie Adresse, Baujahr, Wohnfläche und Heizsystem sowie geeignete Fotos des Gebäudes, wenn der Aussteller nicht vor Ort kommt (§ 84 Abs. 1 GModG). Fehlen ausreichende Verbrauchsdaten, ist nur ein Bedarfsausweis möglich.

Kann ich einen Energieausweis online erstellen lassen – und ist das seriös?

Ja. Rechtlich zulässig ist ein Energieausweis ohne Begehung, wenn der Aussteller geeignete Fotos des Gebäudes erhält (§ 84 Abs. 1 GModG); das gilt auch für den Bedarfsausweis. Die Verbraucherzentrale empfiehlt beim Bedarfsausweis aber ausdrücklich eine Prüfung vor Ort. Bei reinen Online-Anbietern ist Vorsicht geboten: In einer Auswertung der Verbraucherzentrale NRW aus dem Jahr 2008 waren von 29 online erstellten Ausweisen 12 formal mangelhaft, 18 enthielten Rechenfehler. Achten Sie auf Plausibilitätsprüfung und Registriernummer. Details unter Energieausweis online erstellen 2026: Kosten, Anbieter & Ablauf.

Wie lange ist ein Energieausweis gültig und wann brauche ich einen neuen?

Ein Energieausweis ist nach § 79 Abs. 3 GModG 10 Jahre ab Ausstellung gültig. Nach Ablauf brauchen Sie einen neuen, sobald das Gebäude verkauft oder vermietet wird (ab 2027 auch bei einer Vertragsverlängerung). Unabhängig vom Ablaufdatum wird ein neuer Bedarfsausweis fällig, wenn bei einer Sanierung das ganze Gebäude neu berechnet wird (§ 79 Abs. 3 und § 80 Abs. 2 GModG). Bestehende Ausweise behalten ihre Gültigkeit bis zum Ablaufdatum, auch nach dem 01.01.2027. Wann ein Ausweis genau abläuft und was dann gilt, klärt Energieausweis Gültigkeit 2026: Wann er abläuft.

Wann brauche ich überhaupt einen Energieausweis (Verkauf, Vermietung, Anzeige)?

Bei Verkauf, Vermietung (ab 2027 auch bei Vertragsverlängerung) und Neubau. Beim Verkauf ist der Ausweis spätestens bei der Besichtigung vorzulegen und nach Vertragsabschluss zu übergeben (§ 80 Abs. 4 GModG), bei Vermietung gilt dasselbe (§ 80 Abs. 5). Liegt beim Aufgeben einer Immobilienanzeige ein Ausweis vor, müssen Ausweisart, Endenergiekennwert, Energieträger der Heizung, Baujahr und Effizienzklasse in der Anzeige stehen (§ 87 GModG); bei Ausweisen ab dem 01.01.2027 statt des Endenergiewerts der Primärenergiebedarf und zusätzlich das Ausstellungsdatum. Ausgenommen sind bis Ende 2026 Baudenkmäler und Gebäude mit höchstens 50 m² Nutzfläche (ab 2027 nur noch Gebäude unter 50 m²), Wohngebäude, die für eine Nutzung von weniger als vier Monaten im Jahr bestimmt sind (§ 2 Abs. 2 Nr. 8 GModG), sowie reine Selbstnutzer ohne Verkauf oder Vermietung.

Welches Bußgeld droht bei fehlendem oder fehlerhaftem Energieausweis?

Verstöße rund um den Energieausweis können nach § 108 GModG mit einer Geldbuße bis zu 10.000 Euro geahndet werden, etwa bei fehlendem Ausweis, fehlenden Pflichtangaben in Anzeigen oder nicht erfolgter Vorlage. Eine Übersicht aller Tatbestände gibt Energieausweis Bußgeld 2026: Alle Strafen und Risiken.

Ändert sich der Energieausweis ab Mai 2026?

Nicht automatisch. Der 29. Mai 2026 war nur die EU-Frist zur Umsetzung der EPBD, nicht der Starttermin neuer Ausweise – und Deutschland hat diese Frist verpasst. Die nationale Umsetzung, das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), wurde am 28.07.2026 verkündet. Für Wohngebäude gilt weiterhin die Skala A+ bis H; die Skala A bis G betrifft ab 01.01.2027 nur Nichtwohngebäude. Bestehende Ausweise bleiben gültig. Wer jetzt einen Ausweis braucht, muss also nicht warten.

Was ist der Unterschied zwischen Endenergie und Primärenergie?

Der Endenergiebedarf gibt an, wie viel Energie das Gebäude direkt verbraucht (z. B. Gas, Strom, Pellets); darauf basiert die aktuelle Skala A+ bis H. Der Primärenergiebedarf berücksichtigt zusätzlich den Aufwand für Gewinnung, Umwandlung und Transport der Energie. Bei einer Wärmepumpe zählt im Endenergiewert nur der Strom, nicht die genutzte Umweltwärme (§ 20 Abs. 4 GModG). Weil die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom ein Mehrfaches an Wärme erzeugt, liegen End- und Primärenergiebedarf meist deutlich unter denen einer Gas- oder Ölheizung.

Was kostet ein Energieausweis für ein Mehrfamilienhaus?

Eine amtliche Preisliste gibt es nicht. Als Orientierung gelten für ein Mehrfamilienhaus beim Verbrauchsausweis vom Energieberater rund 100–250 Euro, beim Bedarfsausweis 500–1.500 Euro. Die genauen Kosten hängen von der Anzahl der Wohnungen, der Gebäudegröße und der Komplexität ab. Bei Gebäuden mit 5 oder mehr Wohnungen besteht Wahlfreiheit zwischen beiden Ausweistypen, sofern für den Verbrauchsausweis ausreichende Daten vorliegen.


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