Gasheizung wieder erlaubt 2026: Warum sich der Einbau trotzdem nicht lohnt
GMG 2026: Gasheizung wieder erlaubt, 65%-Regel faellt weg. Aber die Bio-Treppe ab 2029, steigende CO2-Preise und fehlende Foerderung machen Gas zur Kostenfalle. Ehrlicher Vergleich.

Seit dem 24. Februar 2026 steht fest: Die Bundesregierung streicht mit dem Gebaeudemodernisierungsgesetz (GMG) die umstrittene 65-Prozent-Erneuerbare-Pflicht des Gebaeudeenergiegesetzes (GEG). Ab dem geplanten Inkrafttreten am 1. Juli 2026 duerfen Eigentuemer wieder uneingeschraenkt Gas- und Oelheizungen einbauen. Technologieoffenheit lautet das Schlagwort. Die Schlagzeilen uebersetzen das in: "Gasheizung wieder erlaubt."
Das stimmt. Aber "erlaubt" ist kein Synonym fuer "empfehlenswert". Wer die Eckpunkte des GMG vollstaendig liest, findet darin die Bio-Treppe ab 2029, die steigende Anteile klimaneutraler Brennstoffe vorschreibt. Wer die EU-Klimapolitik verfolgt, weiss, dass der europaeische Emissionshandel ETS2 ab 2028 den CO2-Preis marktbasiert nach oben treiben wird. Und wer die Foerderlandschaft kennt, weiss: Fuer eine Gasheizung gibt es 0 EUR Zuschuss, fuer eine Waermepumpe bis zu 21.000 EUR.
Dieser Artikel rechnet die Konsequenzen ehrlich durch. Ohne Ideologie, mit Tabellen. Das Ergebnis: Die Gasheizung mag politisch rehabilitiert sein -- wirtschaftlich ist sie es nicht.
Kurzfassung: Gasheizung vs. Waermepumpe nach GMG
| Kriterium | Gasheizung (neu, ab 07/2026) | Waermepumpe (Luft-Wasser) |
|---|---|---|
| Anschaffung brutto | 7.000--10.000 EUR | 27.000--40.000 EUR |
| Foerderung | 0 EUR | Bis 70 % (KfW 458, max. 21.000 EUR) |
| Effektive Kosten nach Foerderung | 7.000--10.000 EUR | 9.000--19.000 EUR |
| Jaehrliche Heizkosten (EFH, 20.000 kWh) | ca. 2.400--2.800 EUR (inkl. CO2) | ca. 1.500--1.800 EUR (WP-Tarif, JAZ 3,0--3,5) |
| CO2-Preis-Risiko | Hoch (ETS2 ab 2028, kein Deckel) | Keines |
| Bio-Treppe ab 2029 | 10 % Biomethan-Pflicht, steigend | Entfaellt |
| 20-Jahres-Gesamtkosten (Finanztip) | 42.000--76.700 EUR | 30.000--58.500 EUR |
| Ersparnis WP ueber 20 Jahre | -- | 12.000--18.200 EUR |
| Immobilienwert-Effekt | Negativ (Brown Discount) | Positiv (Green Premium) |
Ergebnis vorweg: Die Waermepumpe spart gegenueber der Gasheizung zwischen 12.000 und 18.200 EUR ueber 20 Jahre. Fraunhofer ISI beziffert die Differenz bis 2045 sogar auf 24.000 EUR. Der guenstige Kaufpreis der Gasheizung wird durch steigende laufende Kosten mehr als aufgefressen.
Was das GMG konkret aendert -- und was nicht
Das Gebaeudemodernisierungsgesetz ersetzt das bisherige GEG und verfolgt einen grundlegend anderen Steuerungsansatz. Statt ordnungsrechtlicher Vorgaben soll kuenftig der CO2-Preis die Heizungswahl lenken. Die wichtigsten Aenderungen im Ueberblick.
Wegfall der 65-Prozent-Regel
Die bisherige Pflicht, dass neue Heizungen mindestens 65 Prozent des Waermebedarfs aus erneuerbaren Energien decken muessen, entfaellt vollstaendig. Eigentuemer duerfen ab dem 1. Juli 2026 wieder reine Gas-Brennwertkessel, Oelheizungen oder jede andere Heiztechnologie einbauen. Die kommunale Waermeplanung bleibt bestehen, hat aber keine unmittelbare Auswirkung auf die individuelle Heizungswahl mehr.
Technologieoffenheit als Prinzip
Das GMG setzt auf Technologieneutralitaet. Es schreibt kein bestimmtes Heizsystem vor, sondern ueberlasst die Wahl dem Eigentuemer. Klingt vernuenftig -- setzt aber voraus, dass die wirtschaftlichen Signale stimmen. Genau hier liegt das Problem: Der CO2-Preis allein reicht nach Einschaetzung der meisten Fachverbaende nicht, um die wahren Folgekosten fossiler Heizungen sichtbar zu machen.
Zeitplan des Gesetzgebungsverfahrens
| Datum | Meilenstein |
|---|---|
| 24.02.2026 | Eckpunkte GMG veroeffentlicht |
| ca. 15.04.2026 | Kabinettsentwurf erwartet |
| 29.05.2026 | EPBD-Umsetzungsfrist (EU-Gebaeuderichtlinie) |
| 01.07.2026 | Geplantes Inkrafttreten GMG |
Wichtig: Bis zum 1. Juli 2026 gilt das GEG 2024 unveraendert. In Kommunen mit bereits geltender Waermeplanung ist eine reine Gasheizung ohne 65-%-Nachweis aktuell nicht zulaessig. Pruefen Sie vor einem Einbau die lokale Rechtslage.
Die Bio-Treppe ab 2029: Moderater Start, steiler Anstieg
Die Bio-Treppe ist der Ersatz fuer die gestrichene 65-%-Pflicht. Jede Gasheizung, die nach Inkrafttreten des GMG eingebaut wird, muss ab 2029 steigende Anteile klimaneutraler Brennstoffe (Biomethan, synthetisches Methan, gruener Wasserstoff) einsetzen:
| Jahr | Mindestanteil klimaneutrale Brennstoffe |
|---|---|
| 2029 | 10 % |
| 2031 | 15 % |
| 2033 | 20 % |
| 2035 | ca. 30 % |
| 2040 | ca. 60 % |
| 2045 | 100 % (Klimaneutralitaet) |
Die Stufen klingen moderat. Das Problem liegt im Preis der klimaneutralen Brennstoffe und in deren Verfuegbarkeit.
Biomethan: 33 bis 122 Prozent teurer als Erdgas
Biomethan kostet derzeit je nach Qualitaet und Herkunft 12 bis 22 ct/kWh. Konventionelles Erdgas liegt bei 9 bis 11 ct/kWh. Das bedeutet einen Aufpreis von 33 bis 122 Prozent. Schon die erste Stufe von 10 Prozent Biomethan verteuert die Gasrechnung spuerbar -- und mit jeder weiteren Stufe steigt der Aufschlag ueberproportional, weil der teurere Brennstoff einen immer groesseren Anteil der Gesamtmenge ausmacht.
Rechnung: Was die Bio-Treppe pro Jahr kostet (EFH, 20.000 kWh)
| Jahr | Biomethan-Anteil | Mehrkosten durch Biomethan pro Jahr |
|---|---|---|
| 2029 | 10 % | 60--220 EUR |
| 2035 | 30 % | 180--660 EUR |
| 2040 | 60 % | 360--1.320 EUR |
| 2045 | 100 % | 600--2.200 EUR |
Ueber 20 Jahre summieren sich allein die Bio-Treppe-Mehrkosten auf 4.000 bis 15.000 EUR -- zusaetzlich zu den steigenden CO2-Kosten.
Biomethan-Verfuegbarkeit: Die Mengen fehlen
Deutschland produziert derzeit rund 10,7 TWh (Stand 2024; 2025 ca. 12,8 TWh) Biomethan pro Jahr. Um allein die erste Stufe der Bio-Treppe (10 % Quote) fuer alle neuen Gasheizungen zu erfuellen, waeren bereits 22,5 TWh erforderlich -- mehr als das Doppelte der aktuellen Produktion. Eine vollstaendige Umstellung auf 100 Prozent Biomethan, wie sie die Bio-Treppe bis 2045 vorsieht, wuerde rund 45 Prozent der deutschen Ackerflaeche fuer Energiepflanzen beanspruchen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Aktuelle Biomethan-Produktion DE | 10,7 TWh (Stand 2024; 2025 ca. 12,8 TWh)/a |
| Bedarf fuer 10-%-Quote (alle neuen Gasheizungen) | 22,5 TWh/a |
| Verfuegbarkeitsluecke | ca. 12 TWh/a |
| Flaechenbedarf bei 100 % Biomethan | ca. 45 % der Ackerflaeche |
Die Konsequenz: Entweder wird Biomethan sehr teuer (weil knapp), oder die Bio-Treppe wird politisch aufgeweicht -- beides ist fuer Gasheizungsbesitzer kein gutes Szenario.
Tipp: Biomethan ist eine begrenzte Ressource, die vorrangig in Sektoren gebraucht wird, die schwerer zu elektrifizieren sind -- etwa die chemische Industrie oder bestimmte Hochtemperaturprozesse. Fuer die Raumwaerme gibt es mit der Waermepumpe eine erprobte, skalierbare Alternative.
CO2-Preis: Der groesste Kostentreiber fuer Gasheizungen
Der CO2-Preis ist der Faktor, der die Gasheizung ueber die Lebensdauer am staerksten verteuert. 2026 liegt er bei 55 bis 65 EUR pro Tonne im nationalen Preiskorridor. Ab 2028 uebernimmt das europaeische Emissionshandelssystem ETS2 -- und dann gibt es keinen politisch festgelegten Deckel mehr.
Aktuelle und prognostizierte CO2-Preise
| Zeitraum | Mechanismus | Erwarteter Preis pro Tonne |
|---|---|---|
| 2026--2027 | Nationaler Preiskorridor | 55--65 EUR/t |
| Ab 2028 | ETS2 (marktbasiert) | Prognose: 100--160 EUR/t |
| 2030 | ETS2 | 149 EUR/t (BloombergNEF-Prognose) |
Was das in Euro pro Jahr bedeutet (EFH, 20.000 kWh Gas)
Ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Gasverbrauch stoesst ca. 4,02 Tonnen CO2 aus (Emissionsfaktor Erdgas: 0,20088 kg CO2/kWh). Die jaehrlichen CO2-Kosten entwickeln sich wie folgt:
| Jahr | CO2-Preis/t | CO2-Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| 2026 | 55--65 EUR | 222--263 EUR |
| 2028 | ca. 100 EUR (ETS2-Start) | ca. 404 EUR |
| 2030 | ca. 149 EUR (BloombergNEF) | ca. 602 EUR |
| 2035 | ca. 150--160 EUR | ca. 606--646 EUR |
Ueber 20 Jahre summieren sich die CO2-Kosten auf 8.000 bis 14.000 EUR -- ein Betrag, den eine Waermepumpe vollstaendig vermeidet, da Strom keiner direkten CO2-Bepreisung unterliegt. Ausfuehrliche Berechnungen finden Sie in unserem Artikel zur CO2-Steuer 2026 und Heizkosten.
Foerderung: 0 EUR fuer Gas, bis zu 21.000 EUR fuer die Waermepumpe
Die Foerderlandschaft macht den Kostenunterschied noch drastischer:
| Foerderkomponente | Gasheizung | Waermepumpe |
|---|---|---|
| Grundfoerderung (KfW 458) | 0 EUR | 30 % |
| Einkommensbonus (< 40.000 EUR Haushaltseinkommen) | 0 EUR | + 30 % |
| Klimageschwindigkeitsbonus (bis 2028) | 0 EUR | + 20 % |
| Maximaler Foerdersatz | 0 % | 70 % |
| Maximaler Foerderbetrag (bei 30.000 EUR Kosten) | 0 EUR | 21.000 EUR |
Wer eine Waermepumpe foerdern laesst, zahlt bei typischen Investitionskosten von 30.000 EUR effektiv nur 9.000 bis 19.000 EUR -- je nach Foerdersatz. Der haeufig zitierte "riesige Preisunterschied" zwischen Gas und Waermepumpe existiert nach Foerderung schlicht nicht mehr. Fuer viele Eigentuemer ist die gefoeorderte Waermepumpe in der Anschaffung kaum teurer als ein neuer Gas-Brennwertkessel.
20-Jahres-Kostenvergleich: Die vollstaendige Rechnung
Finanztip-Szenarien
Eine vielbeachtete Analyse von Finanztip hat verschiedene Szenarien fuer ein typisches Einfamilienhaus (20.000 kWh Heizwaermebedarf) durchgerechnet:
| Szenario | Gasheizung (20 Jahre) | Waermepumpe (20 Jahre) | Ersparnis WP |
|---|---|---|---|
| Konservativ (niedrige Preise) | 42.000 EUR | 30.000 EUR | 12.000 EUR |
| Mittleres Szenario | 58.000 EUR | 42.000 EUR | 16.000 EUR |
| Hoch (hohe CO2-/Energiepreise) | 76.700 EUR | 58.500 EUR | 18.200 EUR |
In jedem Szenario -- vom optimistischsten bis zum pessimistischsten -- gewinnt die Waermepumpe. Der Grund ist die Kombination aus drei Faktoren: hohe Foerderung fuer die Waermepumpe, deutlich niedrigere laufende Kosten durch die hoehere Effizienz (Jahresarbeitszahl 3,0 bis 4,5) und vollstaendige Befreiung von CO2-Kosten und Bio-Treppe.
Fraunhofer ISI: Bis zu 24.000 EUR Mehrkosten fuer Gas
Das Fraunhofer-Institut fuer System- und Innovationsforschung (ISI) hat im Auftrag des BUND die Kostenentwicklung fuer ein Einfamilienhaus der Energieeffizienzklasse E modelliert -- also einen typischen, nicht optimal sanierten Altbau:
- Gas vs. Waermepumpe bis 2045: Die Gasheizung verursacht Mehrkosten von rund 24.000 EUR gegenueber der Waermepumpe.
- Monatliche Kostendifferenz 2035: Die Gasheizung ist 73 EUR pro Monat teurer als die Waermepumpe.
- Monatliche Kostendifferenz 2045: Der Abstand waechst auf 326 EUR pro Monat -- fast 4.000 EUR pro Jahr.
Diese Zahlen beruecksichtigen die steigenden CO2-Preise, die Bio-Treppe und die sinkende Gasnetz-Dichte. Sie zeigen: Je laenger die Gasheizung laeuft, desto groesser wird der Kostennachteil.
Jaehrliche Betriebskosten im Detail (EFH, 20.000 kWh)
| Kostenposten | Gas 2026 | Gas 2030 (geschaetzt) | Gas 2035 (geschaetzt) |
|---|---|---|---|
| Erdgas (11 ct/kWh, +3 %/a) | 2.200 EUR | 2.480 EUR | 2.870 EUR |
| CO2-Steuer | 222 EUR | 602 EUR | 646 EUR |
| Bio-Treppe | -- | 180 EUR | 540 EUR |
| Grundpreis Gasanschluss | 120 EUR | 140 EUR | 170 EUR |
| Schornsteinfeger | 80 EUR | 90 EUR | 100 EUR |
| Wartung Brennwertkessel | 150 EUR | 170 EUR | 190 EUR |
| Summe Gas | 2.772 EUR | 3.662 EUR | 4.516 EUR |
| Vergleich: Waermepumpe (JAZ 3,5) | 1.570 EUR | 1.730 EUR | 1.920 EUR |
| Differenz pro Jahr | 1.202 EUR | 1.932 EUR | 2.596 EUR |
Die Schere oeffnet sich mit jedem Jahr weiter. 2026 betraegt die Differenz gut 1.200 EUR, 2035 bereits ueber 2.500 EUR -- pro Jahr. Der guenstige Anschaffungspreis der Gasheizung ist nach wenigen Jahren aufgebraucht.
Das Lock-in-Problem: Einmal Gas, doppelt zahlen
Ein oft uebersehenes Risiko: Wer jetzt eine Gasheizung einbaut und spaeter doch auf eine Waermepumpe umsteigen muss -- etwa weil die steigenden Kosten untragbar werden oder das Gasnetz rueckgebaut wird -- zahlt doppelt.
Kosten des Doppelumstiegs
| Szenario | Kosten |
|---|---|
| Direkter Waermepumpen-Einbau 2026 (nach Foerderung) | 9.000--19.000 EUR |
| Gas jetzt + spaeter Waermepumpe (Doppelumstieg) | 30.000--52.000 EUR |
| Mehrkosten durch Doppelumstieg | 21.000--33.000 EUR |
Der Doppelumstieg ist die teuerste aller Optionen. Sie zahlen die Gasheizung (7.000--10.000 EUR), die laufenden Gaskosten ueber mehrere Jahre, dann die Waermepumpe erneut zum vollen Preis -- moeglicherweise ohne den aktuellen Klimageschwindigkeitsbonus von 20 Prozent, der nur bis 2028 in voller Hoehe gilt. Hinzu kommen Rueckbaukosten fuer den Gaskessel und die Entsorgung.
Tipp: Wenn Ihre aktuelle Heizung noch funktioniert und Sie unsicher sind, ist Abwarten besser als ein neuer Gas-Einbau. Reparieren Sie die bestehende Anlage und planen Sie den direkten Umstieg auf die Waermepumpe. Das spart langfristig fuenfstellige Betraege.
Marktrealitaet 2025: Die Waermepumpe hat die Gasheizung bereits ueberholt
Die politische Kehrtwende kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt laengst entschieden hat. 2025 wurden in Deutschland erstmals mehr Waermepumpen (299.000) als Gasheizungen (276.500) verkauft. Das ist kein Zufall: Handwerker, Planer und Eigentuemer haben die Gesamtkostenrechnung gemacht -- und sich mehrheitlich fuer die Waermepumpe entschieden.
Die Gasheizung verliert Marktanteile, obwohl sie guenstiger in der Anschaffung ist. Das zeigt, dass die laufenden Kosten, die Foerderung und das Zukunftsrisiko fuer immer mehr Menschen schwerer wiegen als der niedrige Einstiegspreis.
Einen ausfuehrlichen Vergleich beider Systeme finden Sie unter Waermepumpe vs. Gasheizung.
Kritik am GMG: Was Fachverbaende sagen
Die Aufhebung der 65-%-Pflicht wird von Fachverbaenden und Verbraucherschuetzern ueberwiegend kritisch bewertet:
- Bayerische Ingenieurekammer-Bau: Bezeichnet das GMG als "Rueckschritt mit Ansage" und warnt vor steigenden Sanierungskosten durch verzoegerte Umruestung.
- Deutsches Energieberater-Netzwerk (DEN): Spricht von einem "Totalangriff aufs Klima" und kritisiert die fehlende Lenkungswirkung des Gesetzes.
- Verbraucherzentrale (VZ): Kritisiert, das GMG "entlastet die Politik, nicht die Verbraucher" -- denn die Kostenrisiken werden vollstaendig auf die Eigentuemer verlagert, die sich ohne klare Regulierung fuer die langfristig teurere Option entscheiden koennten.
Die Kritik zielt nicht auf die Technologieneutralitaet als Prinzip, sondern auf die fehlenden Leitplanken. Ohne verbindliche Mindeststandards besteht das Risiko, dass Eigentuemer in die Kostenfalle einer fossilen Heizung laufen -- weil der guenstige Kaufpreis die steigenden Folgekosten verdeckt.
Gasnetz-Rueckbau: Das stille Risiko
Ein Risiko, das kaum jemand auf dem Schirm hat: das Gasnetz selbst. Mit jedem Haushalt, der vom Gas weggeht, verteilen sich die Netzkosten auf weniger Anschluesse. Die Folge ist eine Todesspirale der Netzentgelte:
- Weniger Abnehmer: Waermepumpen-Umsteiger kuendigen ihren Gasanschluss.
- Hoehere Netzentgelte: Die fixen Netzkosten werden auf weniger Kunden umgelegt.
- Weitere Abwanderung: Hoehere Kosten treiben weitere Kunden zum Umstieg.
- Netz-Rueckbau: Ab einem bestimmten Punkt wird der Weiterbetrieb einzelner Leitungsabschnitte unwirtschaftlich.
Wer dann noch am Gasnetz haengt, traegt ueberproportionale Netzkosten -- oder verliert den Anschluss ganz und muss zwangsweise umruesten. Die Bundesnetzagentur warnt bereits vor diesem Szenario.
Wann eine Gasheizung trotzdem vertretbar sein kann
Es gibt wenige Konstellationen, in denen eine Gasheizung kurzfristig eine Option sein kann:
- Notfall-Heizungstausch im Winter: Die alte Heizung faellt im Januar aus, keine Waermepumpe ist kurzfristig verfuegbar. Eine Gas-Brennwertheizung kann als Uebergangsloesung dienen. Planen Sie dann den zeitnahen Umstieg.
- Geplanter Abriss in unter 10 Jahren: Die hoehere Investition in eine Waermepumpe kann sich in diesem Zeitraum nicht amortisieren.
- Fernwaerme-Anschluss in Sicht: Wenn die kommunale Waermeplanung einen Anschluss in drei bis fuenf Jahren vorsieht, kann eine guenstige Gasheizung die Uebergangszeit ueberbruecken.
- Vorlauftemperaturen ueber 70 Grad bei fehlender Sanierungsmoeglichkeit: In voellig unsanierten Altbauten mit kleinen Rippenheizkoeerpern kann eine Waermepumpe unwirtschaftlich arbeiten. Bevor eine Waermepumpe eingebaut wird, muss die Vorlauftemperatur gesenkt werden -- durch groessere Heizkoerper oder Daemmung. Wenn diese Massnahmen aktuell finanziell nicht moeglich sind, kann Gas als Notloesung fuer wenige Jahre vertretbar sein.
In allen anderen Faellen -- insbesondere bei Nutzungsdauern von 15 Jahren und mehr -- ist die Waermepumpe die wirtschaftlich bessere Wahl. Einen ausfuehrlichen Heizkostenvergleich 2026 finden Sie in unserem Ratgeber.
Haeufige Fragen
Ist die Gasheizung 2026 wirklich wieder erlaubt?
Ja. Die Eckpunkte des GMG vom 24. Februar 2026 sehen den vollstaendigen Wegfall der 65-Prozent-Erneuerbare-Pflicht vor. Ab dem geplanten Inkrafttreten am 1. Juli 2026 duerfen Gas-Brennwertkessel ohne Einschraenkung eingebaut werden. Bis dahin gilt das GEG 2024 mit der 65-%-Regel unveraendert. Pruefen Sie, ob in Ihrer Kommune bereits eine Waermeplanung greift -- dort gelten bis zum 1. Juli 2026 noch die bisherigen Regeln.
Was ist die Bio-Treppe und was kostet sie mich?
Die Bio-Treppe ist eine GMG-Regelung, die ab 2029 steigende Anteile klimaneutraler Brennstoffe (v. a. Biomethan) fuer neue Gasheizungen vorschreibt -- startend bei 10 Prozent, steigend auf ca. 30 Prozent bis 2035 und ca. 60 Prozent bis 2040. Da Biomethan 33 bis 122 Prozent teurer ist als Erdgas, verteuern sich die Gaskosten mit jeder Stufe. Bei 20.000 kWh Jahresverbrauch rechnen Sie 2035 mit Mehrkosten von 180 bis 660 EUR pro Jahr allein durch den Brennstoffmix.
Gibt es Foerderung fuer eine neue Gasheizung?
Nein. Weder die KfW noch das BAFA foerdern den Einbau fossiler Heizsysteme. Die KfW 458 foerdert ausschliesslich Heizungen auf Basis erneuerbarer Energien -- Waermepumpen, Pelletheizungen, Solarthermie und Fernwaerme. Die maximale Foerderung fuer eine Waermepumpe betraegt 70 Prozent der foerderfaehigen Kosten, maximal 21.000 EUR.
Wie viel spart die Waermepumpe gegenueber der Gasheizung?
Nach Berechnungen von Finanztip spart die Waermepumpe ueber 20 Jahre zwischen 12.000 und 18.200 EUR gegenueber der Gasheizung -- abhaengig vom Energiepreisszenario. Das Fraunhofer ISI beziffert die Mehrkosten der Gasheizung gegenueber der Waermepumpe bis 2045 auf rund 24.000 EUR fuer ein typisches Einfamilienhaus der Effizienzklasse E. Detaillierte Vergleichsrechnungen finden Sie in unserem Ratgeber Waermepumpe vs. Gasheizung.
Funktioniert eine Waermepumpe in meinem Altbau?
In den allermeisten Faellen ja. Moderne Luft-Wasser-Waermepumpen erreichen Vorlauftemperaturen bis 75 Grad Celsius und arbeiten effizient auch mit Radiatoren. Ein hydraulischer Abgleich und gegebenenfalls der Tausch einzelner unterdimensionierter Heizkoerper genuegen meist, um die Vorlauftemperatur auf 55 Grad Celsius zu senken. Selbst bei einer moderaten Jahresarbeitszahl von 2,8 ist die Waermepumpe ueber die Lebensdauer guenstiger als eine neue Gasheizung.
Was passiert, wenn ich jetzt Gas einbaue und spaeter doch auf Waermepumpe umsteigen will?
Dann zahlen Sie doppelt. Der sogenannte Doppelumstieg (Gas jetzt, Waermepumpe spaeter) kostet 30.000 bis 52.000 EUR -- gegenueber 9.000 bis 19.000 EUR fuer den direkten Waermepumpen-Einbau nach Foerderung. Die Mehrkosten von 21.000 bis 33.000 EUR entstehen durch die nicht amortisierte Gasheizung, die zwischenzeitlichen hohen Betriebskosten und den moeglichen Verlust des Klimageschwindigkeitsbonus (20 %), der nur bis 2028 in voller Hoehe gilt.
Kann ich meine alte Gasheizung behalten?
Ja. Bestehende Gasheizungen duerfen unbegrenzt weiterbetrieben und repariert werden. Es gibt keine pauschale Austauschpflicht. Lediglich Konstanttemperaturkessel (Heizwert-Technik, vor ca. 1995) muessen nach 30 Betriebsjahren getauscht werden. Die Bio-Treppe gilt nur fuer nach dem GMG neu eingebaute Gasheizungen -- die steigenden CO2-Kosten treffen allerdings alle Gasverbraucher gleichermassen.
Fazit: Erlaubt heisst nicht empfehlenswert
Das GMG macht die Gasheizung wieder legal -- aber nicht wirtschaftlich sinnvoll. Die Faktenlage ist eindeutig:
- Keine Foerderung fuer Gasheizungen bei bis zu 70 Prozent Foerderung fuer Waermepumpen.
- Steigende CO2-Kosten ohne Deckelung ab 2028 (ETS2), prognostiziert auf 149 EUR/t bis 2030 (BloombergNEF).
- Bio-Treppe verteuert den Gasbezug ab 2029 systematisch -- bei fraglicher Biomethan-Verfuegbarkeit (22,5 TWh Bedarf vs. 10,7 TWh (Stand 2024; 2025 ca. 12,8 TWh) Produktion).
- Lock-in-Risiko: Der Doppelumstieg Gas-dann-Waermepumpe kostet 21.000 bis 33.000 EUR mehr als der direkte Waermepumpen-Einbau.
- Gasnetz-Rueckbau bedroht langfristig die Versorgungssicherheit und treibt die Netzentgelte.
- Fachverbaende warnen: Bayerische Ingenieurekammer-Bau ("Rueckschritt mit Ansage"), DEN ("Totalangriff aufs Klima"), Verbraucherzentrale ("entlastet Politik, nicht Verbraucher").
- Markt hat entschieden: 2025 erstmals mehr Waermepumpen (299.000) als Gasheizungen (276.500) verkauft.
Die Waermepumpe spart ueber 20 Jahre 12.000 bis 18.200 EUR (Finanztip) bzw. bis zu 24.000 EUR bis 2045 (Fraunhofer ISI). Sie ist foerderfaehig, unabhaengig von fossilen Brennstoffen und steigert den Immobilienwert. Die Entscheidung ist keine ideologische, sondern eine rechnerische.
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