Gasheizung einbauen 2026: Erlaubt, aber lohnt es sich? [Faktencheck]
GMG erlaubt Gas wieder – aber CO₂-Steuer, Bio-Treppe und fehlende Förderung machen die Gasheizung zum Verlustgeschäft. 20-Jahres-Rechnung zeigt den wahren Preis.

Seit die Bundesregierung am 24. Februar 2026 die Eckpunkte des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) vorgelegt hat, kursiert in Foren und auf Stammtischen eine einzige Botschaft: "Gas ist wieder erlaubt." Das stimmt. Aber "erlaubt" und "wirtschaftlich sinnvoll" sind zwei verschiedene Dinge. Die politische Freigabe ändert nichts an drei ökonomischen Tatsachen: Der CO₂-Preis steigt, die Bio-Treppe verteuert den Brennstoff ab 2029, und eine Förderung für Gasheizungen gibt es nicht.
Dieser Artikel rechnet ehrlich durch, was der Einbau einer Gasheizung 2026 wirklich kostet -- über die gesamte Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren. Keine Ideologie, keine Beschönigung. Nur Zahlen.
Kurzfassung: Die wichtigsten Fakten
| Kriterium | Gasheizung (neu, 2026) | Wärmepumpe (Luft-Wasser) |
|---|---|---|
| Anschaffung | 9.000--15.000 EUR | 27.000--40.000 EUR |
| Förderung | Keine | Bis 70 % (KfW 458) |
| Effektive Kosten | 9.000--15.000 EUR | 9.000--25.000 EUR |
| Jährliche Heizkosten (EFH, 20.000 kWh) | ca. 2.500 EUR (2026, inkl. CO₂) | ca. 1.600 EUR (WP-Tarif, JAZ 3,0) |
| CO₂-Preis-Risiko | Hoch (ETS2 ab 2028, kein Deckel) | Keines |
| Bio-Treppe ab 2029 | Ja, 10 % Biomethan-Pflicht, steigend | Entfällt |
| 20-Jahres-Gesamtkosten | ca. 50.000--72.000 EUR | ca. 38.000--45.000 EUR |
| Förderung gesichert? | Nein | Ja (KfW 458, aktuell bewilligbar) |
| Immobilienwert-Effekt | Negativ (Klasse C: -19 %, Klasse H: -45 bis -51 %) | Positiv |
Das Ergebnis vorweg: Die Wärmepumpe ist über 20 Jahre 12.000 bis 27.000 EUR günstiger als die Gasheizung. Der Preisunterschied bei der Anschaffung schmilzt durch die Förderung, und die laufenden Kosten der Gasheizung steigen Jahr für Jahr durch CO₂-Preis und Bio-Treppe.
Rechtliche Lage: Was gilt im März 2026?
Bevor wir rechnen, müssen wir die Rechtslage klären. Denn es kursieren Missverständnisse.
Was aktuell gilt (GEG 2024)
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) von 2024 ist Stand 15. März 2026 geltendes Recht. Es schreibt die sogenannte 65-Prozent-Erneuerbare-Energien-Pflicht vor:
- Neubaugebiete: Seit dem 1. Januar 2024 muss jede neu eingebaute Heizung mindestens 65 % erneuerbare Energie nutzen.
- Bestandsgebäude: Die 65-%-Pflicht greift, sobald die kommunale Wärmeplanung der jeweiligen Gemeinde in Kraft tritt. Für Großstädte über 100.000 Einwohner ist die Frist der 30. Juni 2026, für kleinere Gemeinden der 30. Juni 2028.
Das bedeutet: In vielen Kommunen darf eine reine Gasheizung heute noch ohne Auflagen eingebaut werden -- nämlich dort, wo die kommunale Wärmeplanung noch nicht abgeschlossen ist. In Kommunen mit fertigem Wärmeplan gilt die 65-%-Pflicht bereits.
Was das GMG ändern wird
Die Eckpunkte des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) sehen vor:
- Abschaffung der 65-%-Pflicht: Gasheizungen dürfen wieder ohne Einschränkung eingebaut werden.
- Technologieneutralität: Die Wahl des Heizsystems liegt beim Eigentümer.
- Bio-Treppe ab 2029: Neue fossile Heizungen müssen ab 2029 steigende Anteile klimafreundlicher Brennstoffe nutzen (mindestens 10 % Biomethan oder vergleichbare Brennstoffe).
- CO₂-Preis als zentrales Steuerungsinstrument: Der Markt soll über den Preis regeln, was das Ordnungsrecht bisher vorgeschrieben hat.
Wichtig: Das GMG ist noch nicht in Kraft. Der Kabinettsentwurf wird bis Ostern 2026 erwartet, das Gesetz soll vor dem 1. Juli 2026 verabschiedet werden. Bis dahin gilt das GEG 2024 unverändert.
| Zeitpunkt | Status |
|---|---|
| 24.02.2026 | Eckpunkte GMG veröffentlicht |
| Ostern 2026 (ca. April) | Kabinettsentwurf geplant |
| 29.05.2026 | EPBD-Umsetzungsfrist (EU-Gebäuderichtlinie) |
| Vor 01.07.2026 | GMG soll in Kraft treten |
Was kostet eine neue Gasheizung 2026?
Die Anschaffungskosten sind der einzige Bereich, in dem die Gasheizung punktet. Ein Gas-Brennwertkessel ist das günstigste Heizsystem in der Erstinvestition.
Kostenaufstellung
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Gas-Brennwertkessel (15--25 kW) | 3.500--6.000 EUR |
| Installation und Anschluss | 2.000--3.500 EUR |
| Abgassystem / Schornsteinanpassung | 500--1.500 EUR |
| Warmwasserspeicher (300 Liter) | 800--1.500 EUR |
| Hydraulischer Abgleich | 400--800 EUR |
| Gasanschluss (falls nicht vorhanden) | 1.500--3.000 EUR |
| Gesamtkosten (mit vorhandenem Gasanschluss) | 9.000--15.000 EUR |
Keine Förderung
Für reine Gasheizungen gibt es keine Fördermittel -- weder über die KfW noch über das BAFA. Die einzige Ausnahme: Sogenannte H2-ready-Kessel (wasserstofffähig) können unter bestimmten Bedingungen eine anteilige Förderung erhalten. In der Praxis ist dieser Förderbaustein allerdings von fragwürdigem Wert, da ein flächendeckendes Wasserstoffnetz für die Gebäudeheizung auf absehbare Zeit nicht verfügbar ist.
Vergleich: Wärmepumpe nach Förderung
| Gasheizung | Wärmepumpe (50 % Förderung) | Wärmepumpe (70 % Förderung) | |
|---|---|---|---|
| Bruttokosten | 9.000--15.000 EUR | 27.000--40.000 EUR | 27.000--40.000 EUR |
| Förderung | 0 EUR | 13.500--15.000 EUR | 18.900--21.000 EUR |
| Effektive Kosten | 9.000--15.000 EUR | 12.000--25.000 EUR | 9.000--19.000 EUR |
Bei maximaler Förderung (70 %: Grundförderung 30 % + Klimageschwindigkeitsbonus 20 % + Einkommensbonus 30 %, gedeckelt auf 70 %) kann die Wärmepumpe in der Anschaffung sogar günstiger sein als die Gasheizung. Alle Details zur Förderhöhe und Antragstellung finden Sie unter Wärmepumpe: Kosten und Förderung 2026.
Der CO₂-Preis: Der stille Kostentreiber
Der CO₂-Preis ist der entscheidende Faktor, der die Gasheizung langfristig teuer macht. Seit 2021 steigt er kontinuierlich, und der Mechanismus wird sich ab 2028 grundlegend ändern.
Preisentwicklung
| Jahr | CO₂-Preis pro Tonne | Mechanismus |
|---|---|---|
| 2025 | 55 EUR | Festpreis (BEHG) |
| 2026 | 55--65 EUR | Preiskorridor (BEHG-Auktionsverfahren) |
| 2027 | 55--65 EUR | Preiskorridor verlängert (ETS2-Verschiebung) |
| 2028 | 50--75 EUR (geschätzt) | EU-Emissionshandel ETS2 startet |
| 2030 | 120--150 EUR (Prognose) | EU-weiter Marktpreis, kein Deckel |
Was das für Ihre Gasrechnung bedeutet
Erdgas hat einen Emissionsfaktor von ca. 0,202 t CO₂ pro MWh. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh ergibt das folgende CO₂-Kosten:
| Jahr | CO₂-Preis (Mittelwert) | Jährliche CO₂-Kosten (20.000 kWh Gas) |
|---|---|---|
| 2026 | 60 EUR/t | ca. 242 EUR |
| 2027 | 60 EUR/t | ca. 242 EUR |
| 2028 | 63 EUR/t | ca. 254 EUR |
| 2030 | 135 EUR/t | ca. 545 EUR |
| 2035 | 180 EUR/t (konservativ) | ca. 727 EUR |
Der CO₂-Aufschlag auf Gas steigt von ca. 1,2 ct/kWh (2026) auf geschätzt 1,8 ct/kWh (2030) und potenziell 2,5--3,5 ct/kWh (2035). Das sind keine theoretischen Werte -- der Preiskorridor 2026 und die ETS2-Einführung 2028 sind beschlossene Sache. Lediglich die genaue Höhe ab 2028 ist eine Prognose.
Eine detaillierte Aufschlüsselung der CO₂-Kosten für verschiedene Heizsysteme finden Sie in unserem Beitrag zur CO₂-Steuer 2026 und Heizkosten.
Der entscheidende Unterschied: Die Wärmepumpe unterliegt keinem CO₂-Preis. Strom ist weder vom BEHG noch vom ETS2 betroffen. Dieser Unterschied wird mit jedem Jahr größer.
Die Bio-Treppe: Versteckte Zusatzkosten ab 2029
Wer 2026 eine Gasheizung einbaut, muss ab 2029 die sogenannte Bio-Treppe beachten. Das GMG sieht vor, dass ein steigender Anteil des Brennstoffs aus klimafreundlichen Quellen stammen muss.
Die Stufen
- Ab 2029: Mindestens 10 % Biomethan oder vergleichbare klimafreundliche Gase
- Weitere Stufen bis 2040: Steigende Quoten, die genauen Prozentsätze werden im Gesetzentwurf festgelegt
Was Biomethan kostet
Biomethan ist deutlich teurer als fossiles Erdgas:
| Brennstoff | Preis pro kWh (2026) |
|---|---|
| Fossiles Erdgas | ca. 7--8 ct/kWh (Großhandel + Netz + Abgaben) |
| Biomethan | ca. 17--20 ct/kWh |
| Faktor | Biomethan ist 2,1- bis 2,9-mal so teuer |
Kostenfolge der Bio-Treppe für ein EFH (20.000 kWh/a)
| Szenario | Gaskosten (Brennstoff) | Bio-Aufschlag | CO₂-Kosten | Summe |
|---|---|---|---|---|
| 2026 (ohne Bio-Treppe) | 1.500 EUR | 0 EUR | 242 EUR | 1.742 EUR |
| 2029 (10 % Biomethan) | 1.350 EUR | 200--240 EUR | 330 EUR | 1.880--1.920 EUR |
| 2035 (geschätzt 30 % Bio) | 1.050 EUR | 540--660 EUR | 727 EUR | 2.317--2.437 EUR |
Die jährlichen Brennstoffkosten steigen allein durch die Bio-Treppe um 200--660 EUR gegenüber dem heutigen Stand. Zusammen mit dem CO₂-Preis ergibt sich ein Gesamtanstieg von über 700 EUR pro Jahr bis 2035.
Der Knackpunkt: Die Bio-Treppe ist keine Option, sondern eine Pflicht. Wer 2026 eine Gasheizung einbaut, kann sich nicht dagegen entscheiden. Die Kosten kommen so sicher wie die Jahreszeiten.
Die 20-Jahres-Rechnung: Gas vs. Wärmepumpe
Hier wird es konkret. Die folgende Rechnung vergleicht die Gesamtkosten beider Systeme über 20 Jahre für ein typisches Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Heizwärmebedarf pro Jahr.
Annahmen
- Gaspreis 2026: 11 ct/kWh (inkl. Netzentgelte, Grundgebühr, ohne CO₂)
- CO₂-Preis: 60 EUR/t (2026), steigend auf ca. 135 EUR/t (2030), 180 EUR/t (2035)
- Bio-Treppe: 10 % ab 2029, geschätzt 30 % ab 2035, 50 % ab 2040
- Biomethan-Preis: 17--20 ct/kWh
- Gaspreis-Steigerung: 2 %/Jahr real (ohne CO₂ und Bio-Treppe)
- Strompreis WP-Tarif: 24 ct/kWh, Steigerung 1 %/Jahr real
- JAZ Wärmepumpe: 3,0 (konservativ)
- Wartung Gas: 200--300 EUR/a
- Wartung WP: 150--250 EUR/a
Gesamtkostenvergleich
| Kostenblock | Gasheizung | Wärmepumpe (50 % Förderung) | Wärmepumpe (70 % Förderung) |
|---|---|---|---|
| Anschaffung (effektiv) | 12.000 EUR | 17.000 EUR | 11.000 EUR |
| Brennstoff/Strom (20 Jahre) | 38.000--48.000 EUR | 24.000--28.000 EUR | 24.000--28.000 EUR |
| CO₂-Kosten (20 Jahre) | 6.000--10.000 EUR | 0 EUR | 0 EUR |
| Wartung (20 Jahre) | 5.000 EUR | 4.000 EUR | 4.000 EUR |
| Gesamtkosten | 50.000--72.000 EUR | 38.000--45.000 EUR | 35.000--42.000 EUR |
Was die Zahlen bedeuten
Die Wärmepumpe spart über 20 Jahre 12.000 bis 27.000 EUR gegenüber der Gasheizung. Dieser Vorteil entsteht durch drei Faktoren:
Effizienz: Die Wärmepumpe erzeugt aus 1 kWh Strom 3,0 kWh Wärme (JAZ 3,0). Der Gaskessel kommt auf 0,95 kWh Wärme pro kWh Gas. Die effektiven Wärmekosten der WP liegen bei 0,08 EUR/kWh, die der Gasheizung bei 0,12--0,15 EUR/kWh (inkl. CO₂).
CO₂-Freiheit: Die Wärmepumpe zahlt keinen CO₂-Preis. Über 20 Jahre summiert sich diese Ersparnis auf 6.000 bis 10.000 EUR.
Keine Bio-Treppe: Die Wärmepumpe braucht kein Biomethan. Die steigende Beimischungspflicht trifft nur Gasheizungen.
Einen detaillierten Jahresvergleich beider Systeme finden Sie unter Wärmepumpe vs. Gasheizung 2026.
Das Stranding-Risiko: Die unterschätzte Gefahr
Eine Gasheizung hat eine Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren. Wer 2026 einbaut, betreibt sie bis 2041 oder 2046. In diesem Zeitraum können sich die Rahmenbedingungen drastisch verändern.
Was "Stranding" bedeutet
Ein gestrandeter Vermögenswert (Stranded Asset) ist eine Investition, die ihren Wert verliert, bevor sie sich amortisiert hat. Bei einer Gasheizung kann das passieren durch:
- Steigende CO₂-Preise: Wenn der CO₂-Preis bis 2035 auf 180--275 EUR/t steigt (die Spanne der seriösen Prognosen), wird der Betrieb unwirtschaftlich.
- Gasnetz-Rückbau: In Regionen mit sinkender Gasnachfrage steigen die Netzentgelte pro verbleibendem Kunden. Wenn genügend Nachbarn auf Wärmepumpe umstellen, tragen die verbliebenen Gaskunden die Fixkosten des Netzes zu immer höheren Anteilen.
- Regulatorische Verschärfung: Die EU-Klimaziele für 2040 und 2045 könnten strengere Vorgaben für fossile Heizungen nach sich ziehen.
- Wertverlust der Immobilie: Gebäude mit schlechter Energieeffizienzklasse verlieren am Markt an Wert.
Immobilienwert und Energieeffizienzklasse
Die Wahl des Heizsystems wirkt sich direkt auf den Immobilienwert aus. Die Zahlen sind eindeutig:
| Energieeffizienzklasse | Preisabschlag gegenüber Klasse A |
|---|---|
| Klasse C (teilsaniert, gute Gasheizung) | ca. -19 % (Metropolen) |
| Klasse E (typischer Bestand) | ca. -30 % (Metropolen) |
| Klasse G/H (unsaniert, alte Heizung) | ca. -45 bis -51 % (Klein-/Mittelstädte, ländliche Gebiete) |
Eine Gasheizung führt in der Regel zu einer schlechteren Einstufung im Energieausweis als eine Wärmepumpe, weil der Primärenergiefaktor für Erdgas (1,1) bei der Berechnung des Primärenergiebedarfs höher gewichtet wird als der effektive Verbrauch einer Wärmepumpe. Ein Gebäude mit Wärmepumpe erreicht bei gleichem Dämmstandard typischerweise eine um ein bis zwei Stufen bessere Energieeffizienzklasse.
Was das bedeutet: Wer 2026 eine Gasheizung einbaut, riskiert nicht nur steigende Betriebskosten, sondern auch einen messbaren Wertverlust der Immobilie -- besonders wenn die neuen EU-Energieeffizienzklassen A bis G ab 2026 die Transparenz am Markt erhöhen.
Wann eine Gasheizung trotzdem Sinn machen kann
Trotz aller Zahlen gibt es drei Szenarien, in denen eine Gasheizung 2026 eine rationale Entscheidung sein kann.
1. Hybridheizung mit bestehender Gasinfrastruktur
Wenn ein funktionsfähiger Gasanschluss vorhanden ist und die bestehende Gasheizung noch 3--5 Jahre hält, kann eine Hybridlösung (Wärmepumpe als Hauptheizung + bestehender Gaskessel als Spitzenlastabdeckung) die günstigste Option sein. Der Gaskessel springt nur an sehr kalten Tagen ein, die Wärmepumpe übernimmt 80--90 % der Heizarbeit.
Wichtig: Bei einer Hybridlösung muss der Wärmepumpen-Anteil die Hauptlast tragen. Einen bestehenden funktionsfähigen Gaskessel als Backup zu behalten ist sinnvoll. Einen neuen Gaskessel nur als Backup zu kaufen lohnt sich rechnerisch nicht. Mehr dazu unter Hybridheizung: Wärmepumpe und Gas.
2. Überbrückung für 1--5 Jahre
Wenn die kommunale Wärmeplanung Ihrer Gemeinde einen Fernwärmeanschluss für Ihre Straße vorsieht, dieser aber erst in 3--5 Jahren verfügbar ist, kann eine günstige Gasheizung als Überbrückung dienen. In diesem Fall wählen Sie bewusst eine kurze Nutzungsdauer und investieren möglichst wenig.
Aber: Prüfen Sie vorher, ob eine Übergangslösung mit einer kleinen Wärmepumpe oder einem Miet-Modell nicht günstiger ist. Und beachten Sie: Die Bio-Treppe greift ab 2029 auch für Übergangsheizungen.
3. Wasserstoffnetz geplant (selten)
In wenigen Regionen planen Netzbetreiber den Umbau des Gasnetzes auf Wasserstoff. Wenn Ihre Kommune in einem solchen Gebiet liegt und der Wärmeplan einen Wasserstoff-Anschluss vorsieht, kann ein H2-ready-Gaskessel sinnvoll sein. Diese Kessel lassen sich bei Verfügbarkeit von Wasserstoff umrüsten.
Realitätscheck: Stand März 2026 sind Wasserstoffnetze für die Gebäudeheizung in Deutschland Pilotprojekte. Kein Netzbetreiber kann verbindlich zusagen, wann und zu welchem Preis Wasserstoff zum Heizen verfügbar sein wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in einem solchen Gebiet leben, ist gering.
Die laufenden Kosten im Detail
Damit Sie die Rechnung nachvollziehen können, schlüsseln wir die jährlichen Kosten für ein Einfamilienhaus (20.000 kWh Heizwärmebedarf) über die ersten 10 Jahre auf.
Jährliche Kosten Gasheizung
| Jahr | Gaspreis (ct/kWh) | CO₂-Aufschlag (ct/kWh) | Bio-Aufschlag (ct/kWh) | Jahreskosten (20.000 kWh) | Wartung | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2026 | 11,0 | 1,2 | 0,0 | 2.440 EUR | 250 EUR | 2.690 EUR |
| 2027 | 11,2 | 1,2 | 0,0 | 2.480 EUR | 250 EUR | 2.730 EUR |
| 2028 | 11,4 | 1,3 | 0,0 | 2.540 EUR | 250 EUR | 2.790 EUR |
| 2029 | 11,7 | 1,4 | 0,7 | 2.760 EUR | 250 EUR | 3.010 EUR |
| 2030 | 11,9 | 2,7 | 0,7 | 3.060 EUR | 250 EUR | 3.310 EUR |
| 2031 | 12,2 | 3,0 | 0,8 | 3.200 EUR | 250 EUR | 3.450 EUR |
| 2032 | 12,4 | 3,2 | 0,8 | 3.280 EUR | 275 EUR | 3.555 EUR |
| 2033 | 12,7 | 3,4 | 1,0 | 3.420 EUR | 275 EUR | 3.695 EUR |
| 2034 | 12,9 | 3,5 | 1,0 | 3.480 EUR | 275 EUR | 3.755 EUR |
| 2035 | 13,2 | 3,6 | 1,5 | 3.660 EUR | 275 EUR | 3.935 EUR |
Jährliche Kosten Wärmepumpe
| Jahr | Strompreis WP-Tarif (ct/kWh) | Stromverbrauch (kWh, JAZ 3,0) | Jahreskosten | Wartung | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| 2026 | 24,0 | 6.667 | 1.600 EUR | 200 EUR | 1.800 EUR |
| 2027 | 24,2 | 6.667 | 1.613 EUR | 200 EUR | 1.813 EUR |
| 2028 | 24,5 | 6.667 | 1.633 EUR | 200 EUR | 1.833 EUR |
| 2029 | 24,7 | 6.667 | 1.647 EUR | 200 EUR | 1.847 EUR |
| 2030 | 25,0 | 6.667 | 1.667 EUR | 200 EUR | 1.867 EUR |
| 2031 | 25,2 | 6.667 | 1.680 EUR | 200 EUR | 1.880 EUR |
| 2032 | 25,5 | 6.667 | 1.700 EUR | 225 EUR | 1.925 EUR |
| 2033 | 25,8 | 6.667 | 1.720 EUR | 225 EUR | 1.945 EUR |
| 2034 | 26,0 | 6.667 | 1.733 EUR | 225 EUR | 1.958 EUR |
| 2035 | 26,3 | 6.667 | 1.753 EUR | 225 EUR | 1.978 EUR |
Die Schere öffnet sich
Im Jahr 2026 liegt der jährliche Kostenvorteil der Wärmepumpe bei ca. 890 EUR. Bis 2030 wächst er auf ca. 1.443 EUR, bis 2035 auf ca. 1.957 EUR. Der Grund ist simpel: Die Gaskosten steigen durch drei Faktoren (Gaspreis, CO₂-Preis, Bio-Treppe), während die Stromkosten nur durch einen Faktor steigen (Strompreis) -- und der steigt langsamer.
Checkliste: Gasheizung einbauen -- ja oder nein?
Bevor Sie eine Entscheidung treffen, gehen Sie diese Punkte durch:
Gegen die Gasheizung spricht, wenn:
- Sie die Heizung mindestens 15 Jahre betreiben wollen
- Ihnen langfristig niedrige Betriebskosten wichtig sind
- Sie die KfW-Förderung (bis 70 %) für eine Wärmepumpe nutzen können
- Sie eine PV-Anlage haben oder planen
- Ihnen der Immobilienwert wichtig ist
- Sie keine steigenden CO₂-Kosten tragen möchten
Für die Gasheizung (als Übergang) spricht, wenn:
- Fernwärme in 1--5 Jahren geplant ist und Sie nur überbrücken
- Sie einen funktionsfähigen Gaskessel als Backup in einer Hybridlösung nutzen
- Sie in einem der seltenen geplanten Wasserstoffnetz-Gebiete wohnen
- Die Investition für eine Wärmepumpe trotz Förderung aktuell nicht möglich ist (prüfen Sie in diesem Fall den ergänzenden KfW-Kredit 358/359)
Was Eigentümer jetzt tun sollten
Förderung sichern, solange sie gilt. Die KfW-458-Förderung für Wärmepumpen (bis 70 % Zuschuss) ist budgetiert und bewilligbar. Ob sie unter dem GMG bestehen bleibt, ist offen. Wer jetzt beantragt, ist auf der sicheren Seite. Details unter KfW 458: Heizungstausch-Förderung.
Wärmeplan der Kommune prüfen. Informieren Sie sich, ob in Ihrer Straße Fernwärme geplant ist. Das beeinflusst die Entscheidung maßgeblich. Mehr unter Kommunale Wärmeplanung 2026.
Gesamtkosten rechnen, nicht Anschaffungskosten. Der niedrige Kaufpreis der Gasheizung ist ein Trugschluss, wenn die laufenden Kosten das Dreifache ausmachen. Die 20-Jahres-Rechnung ist die einzige ehrliche Entscheidungsgrundlage. Einen detaillierten Kostenüberblick finden Sie unter Heizung tauschen: Kosten 2026.
CO₂-Kosten einkalkulieren. Der CO₂-Preis wird ab 2028 durch das EU-ETS2 marktgesteuert -- ohne politische Preisobergrenze. Die Prognosen für 2030 liegen bei 120--150 EUR/t. Das ist kein Worst Case, sondern der Mittelwert der Schätzungen.
Gebäude analysieren lassen. Eine energetische Bestandsaufnahme zeigt, welches Heizsystem zu Ihrem Gebäude passt -- unabhängig von politischen Debatten.
Häufige Fragen
Darf ich 2026 eine Gasheizung einbauen?
Ja, grundsätzlich schon. Wo die kommunale Wärmeplanung noch nicht abgeschlossen ist, gilt keine 65-%-Pflicht. Wo sie abgeschlossen ist, greift das GEG 2024 -- dann brauchen Sie eine Genehmigung für die Übergangsregelung. Nach Inkrafttreten des GMG (voraussichtlich vor dem 1. Juli 2026) entfällt die 65-%-Pflicht vollständig.
Gibt es Förderung für Gasheizungen?
Nein. Es gibt keine KfW- oder BAFA-Förderung für reine Gas-Brennwertheizungen. Der einzige theoretisch förderfähige Aspekt ist die H2-Readiness (Wasserstofftauglichkeit), die aber in der Praxis kaum relevant ist, da kein flächendeckendes Wasserstoffnetz für Gebäude absehbar ist.
Was kostet eine Gasheizung mehr als eine Wärmepumpe über 20 Jahre?
Bei konservativen Annahmen (JAZ 3,0, WP-Tarif 24 ct/kWh, moderate CO₂-Preis-Steigerung) kostet die Gasheizung über 20 Jahre 12.000 bis 27.000 EUR mehr als die Wärmepumpe. Bei höheren CO₂-Preisen (oberes Ende der Prognosen) kann der Unterschied auf über 30.000 EUR steigen.
Was ist die Bio-Treppe und wie betrifft sie mich?
Die Bio-Treppe ist eine im GMG geplante Pflicht, ab 2029 steigende Anteile von Biomethan oder vergleichbaren klimafreundlichen Brennstoffen in der Gasversorgung einzusetzen. Die erste Stufe sieht 10 % ab 2029 vor, mit weiteren Steigerungen bis 2040. Da Biomethan ca. doppelt so teuer ist wie fossiles Erdgas, steigen Ihre Heizkosten auch ohne Verbrauchsänderung. Eine ausführliche Erklärung finden Sie unter Bio-Treppe im GMG: Was die Grüngasquote bedeutet.
Was passiert mit den Gasnetzen, wenn immer mehr Nachbarn auf Wärmepumpe umstellen?
Die Fixkosten des Gasnetzes (Wartung, Betrieb, Rückbau) bleiben bestehen, werden aber auf immer weniger Kunden verteilt. Das bedeutet: Die Netzentgelte pro Kunde steigen. Dieser Effekt ist in Regionen mit hoher Wärmepumpen-Durchdringung bereits messbar. Wer als einer der letzten am Gasnetz hängt, zahlt überproportional viel für die Netzinfrastruktur.
Kann ich meine neue Gasheizung später noch auf Wasserstoff umrüsten?
Einige Hersteller bieten sogenannte H2-ready-Kessel an, die sich bei Verfügbarkeit von Wasserstoff umrüsten lassen. In der Praxis ist dieser Vorteil allerdings begrenzt: Ein flächendeckendes Wasserstoffnetz für die Gebäudeheizung ist in Deutschland auf absehbare Zeit nicht geplant. Die wenigen Pilotprojekte konzentrieren sich auf Industriegebiete. Zudem ist Wasserstoff als Heizbrennstoff energetisch ineffizient (Wirkungsgrad der Kette Strom → Wasserstoff → Wärme: ca. 60--70 %, verglichen mit Wärmepumpe Strom → Wärme: 300--400 %).
Ist das GMG schon in Kraft?
Nein. Stand 15. März 2026 liegen lediglich die Eckpunkte vom 24. Februar 2026 vor. Der Kabinettsentwurf wird bis Ostern 2026 erwartet, das Gesetz soll vor dem 1. Juli 2026 verabschiedet werden. Bis dahin gilt das GEG 2024 unverändert. Alle Details zum aktuellen Stand finden Sie unter Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG): Was im neuen Gesetz steht.
Dieser Artikel gibt den Stand der öffentlich verfügbaren Informationen vom 15. März 2026 wieder. Der endgültige GMG-Gesetzestext kann von den Eckpunkten abweichen. Wir aktualisieren diesen Beitrag, sobald der Kabinettsentwurf vorliegt.
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