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Gasheizung einbauen 2026: GMG erlaubt es -- aber lohnt sich das?

Das GMG erlaubt Gasheizungen wieder -- doch 0 EUR Foerderung, CO2-Steuer im Korridor 55-65 EUR/t (ETS2 ab 2028) und Bio-Treppe ab 2029 machen die Rechnung klar. 20-Jahres-TCO: Gas ca. 74.000 EUR vs. Waermepumpe ca. 55.000 EUR.

Gas-Brennwertkessel an einer Kellerwand mit Rohrsystem

Das Gebaeudemodernisierungsgesetz (GMG) macht es moeglich: Ab voraussichtlich dem 1. Juli 2026 duerfen Gasheizungen in Deutschland wieder ohne die bisherige 65-Prozent-Erneuerbare-Energien-Pflicht eingebaut werden. Die Bundesregierung hat am 24. Februar 2026 die Eckpunkte vorgelegt, die Kernbotschaft ist eindeutig -- Technologieneutralitaet statt Ordnungsrecht, der CO2-Preis soll steuern. In Foren, auf Stammtischen und bei Heizungsbauern kursiert seitdem eine einzige Botschaft: "Gas ist wieder erlaubt."

Das stimmt. Aber "erlaubt" und "wirtschaftlich sinnvoll" sind zwei grundverschiedene Kategorien. Dieser Artikel stellt die Frage, die jeder Eigentuemer vor dem Einbau einer Gasheizung 2026 ehrlich beantworten muss: Lohnt sich das -- ueber die gesamte Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren? Keine Ideologie, keine Beschoenigung. Nur Zahlen, gesetzliche Rahmenbedingungen und eine nachvollziehbare Kostenrechnung.

Kurzfassung: Die entscheidenden Fakten auf einen Blick

Kriterium Gasheizung (neu, 2026) Waermepumpe (Luft-Wasser)
Anschaffung 7.000--10.000 EUR 27.000--40.000 EUR
Foerderung 0 EUR (keine) Bis 70 % (KfW 458)
Effektive Kosten nach Foerderung 7.000--10.000 EUR 8.100--25.000 EUR
Jaehrliche Heizkosten (EFH, 20.000 kWh) ca. 2.500 EUR (2026, inkl. CO2) ca. 1.600 EUR (WP-Tarif, JAZ 3,0)
CO2-Preis-Risiko Hoch (ETS2 ab 2028, kein Deckel) Keines
Bio-Treppe ab 2029 10 % Biomethan-Pflicht, steigend Entfaellt
20-Jahres-Gesamtkosten (TCO) ca. 60.000--74.000 EUR ca. 45.000--55.000 EUR
Immobilienwert-Effekt Negativ Positiv

Das Ergebnis vorweg: Ueber 20 Jahre ist die Waermepumpe 15.000 bis 19.000 EUR guenstiger als die Gasheizung. Der Preisunterschied bei der Anschaffung schmilzt durch die KfW-458-Foerderung, und die laufenden Kosten der Gasheizung steigen Jahr fuer Jahr -- durch CO2-Preis, Bio-Treppe und sinkende Gasnetz-Dichte.

Rechtslage Maerz 2026: Was gilt jetzt, was kommt?

Bevor wir rechnen, muessen wir die Rechtslage sauber trennen. Denn es kursieren Missverstaendnisse.

Aktuell geltendes Recht: GEG 2024

Das Gebaeudeenergiegesetz (GEG) in der Fassung von 2024 ist Stand 16. Maerz 2026 geltendes Recht. Es schreibt die 65-Prozent-Erneuerbare-Energien-Pflicht vor:

  • Neubaugebiete: Seit dem 1. Januar 2024 muss jede neu eingebaute Heizung mindestens 65 % erneuerbare Energie nutzen. Eine reine Gasheizung ist hier bereits jetzt nicht zulaessig.
  • Bestandsgebaeude: Die 65-%-Pflicht greift, sobald die kommunale Waermeplanung der jeweiligen Gemeinde in Kraft tritt. Fuer Grossstaedte ueber 100.000 Einwohner ist die Frist der 30. Juni 2026, fuer kleinere Gemeinden der 30. Juni 2028.

Das bedeutet: In vielen Kommunen darf eine reine Gasheizung heute noch ohne Auflagen eingebaut werden -- naemlich dort, wo die kommunale Waermeplanung noch nicht abgeschlossen ist. Wo der Waermeplan bereits gilt, ist eine reine Gasheizung ohne 65-%-Nachweis nicht zulaessig.

Was das GMG aendern wird

Die Eckpunkte des Gebaeudemodernisierungsgesetzes (GMG) vom 24. Februar 2026 sehen vor:

  • Abschaffung der 65-%-Pflicht: Gasheizungen und Oelheizungen duerfen wieder ohne Einschraenkung eingebaut werden. Die bisherige technologiespezifische Vorgabe entfaellt vollstaendig.
  • Technologieneutralitaet: Die Wahl des Heizsystems liegt beim Eigentuemer. Der Staat verzichtet auf ordnungsrechtliche Vorgaben zum Waermeerzeuger.
  • Bio-Treppe ab 2029: Neue fossile Heizungen, die nach Inkrafttreten des GMG eingebaut werden, muessen ab 2029 steigende Anteile klimafreundlicher Brennstoffe nutzen -- mindestens 10 % Biomethan oder vergleichbare Brennstoffe. Weitere Stufen sind im Entwurf noch nicht abschliessend beziffert.
  • CO2-Preis als zentrales Steuerungsinstrument: Der Markt soll ueber den Preis regeln, was das Ordnungsrecht bisher vorgeschrieben hat.

Wichtig: Das GMG ist noch nicht in Kraft. Stand 16. Maerz 2026 liegen lediglich die Eckpunkte vor. Der Kabinettsentwurf wird bis Ostern 2026 erwartet, das Gesetz soll vor dem 1. Juli 2026 verabschiedet werden.

Zeitpunkt Status
24.02.2026 Eckpunkte GMG veroeffentlicht
Ostern 2026 (ca. April) Kabinettsentwurf erwartet
29.05.2026 EPBD-Umsetzungsfrist (EU-Gebaeuderichtlinie)
Vor 01.07.2026 Geplantes Inkrafttreten GMG

Bis zum Inkrafttreten des GMG gilt das GEG 2024 unveraendert. Wer jetzt eine Gasheizung einbauen will, muss sich an die aktuelle Rechtslage halten.

Was kostet eine neue Gasheizung 2026?

Die Anschaffungskosten sind der einzige Bereich, in dem die Gasheizung objektiv punktet. Ein Gas-Brennwertkessel ist das guenstigste Heizsystem in der Erstinvestition.

Detaillierte Kostenaufstellung

Posten Kosten
Gas-Brennwertkessel (15--25 kW) 3.500--6.000 EUR
Installation und Anschluss 2.000--3.500 EUR
Abgassystem / Schornsteinanpassung 500--1.500 EUR
Warmwasserspeicher (300 Liter) 800--1.500 EUR
Hydraulischer Abgleich 400--800 EUR
Gesamtkosten (mit vorhandenem Gasanschluss) 7.000--10.000 EUR
Gasanschluss (falls nicht vorhanden, zusaetzlich) 1.500--3.000 EUR

Foerderung: Null Euro

Fuer reine Gasheizungen gibt es 2026 keine Foerdermittel -- weder ueber die KfW noch ueber das BAFA. Kein Zuschuss, kein zinsguenstiger Kredit, kein Steuerbonus nach Paragraph 35c EStG (der gilt nur fuer Massnahmen, die die Energieeffizienz verbessern, nicht fuer den Einbau eines fossilen Systems). Die einzige theoretische Ausnahme: sogenannte H2-ready-Kessel (wasserstofffaehig). In der Praxis ist dieser Foerderbaustein aber von fragwuerdigem Wert, da ein flaechendeckendes Wasserstoffnetz fuer die Gebaeudeheizung auf absehbare Zeit nicht verfuegbar ist.

Vergleich: Waermepumpe nach Foerderung

Gasheizung Waermepumpe (50 % Foerderung) Waermepumpe (70 % Foerderung)
Bruttokosten 7.000--10.000 EUR 27.000--40.000 EUR 27.000--40.000 EUR
KfW-458-Zuschuss 0 EUR 13.500--15.000 EUR 18.900--21.000 EUR
Effektive Kosten 7.000--10.000 EUR 12.000--25.000 EUR 8.100--19.000 EUR

Bei maximaler KfW-458-Foerderung (Grundfoerderung 30 % + Klimageschwindigkeitsbonus 20 % + Einkommensbonus 30 % + Effizienzbonus 5 %, gedeckelt auf 70 %) kann die Waermepumpe in der Anschaffung sogar guenstiger sein als die Gasheizung. Alle Details zur Foerderhoehe und Antragstellung finden Sie im Ratgeber Foerderung Heizung 2026.

Der CO2-Preis: Der stille Kostentreiber

Der CO2-Preis ist der entscheidende Faktor, der die Gasheizung langfristig teuer macht. Seit 2021 steigt er kontinuierlich, und der Mechanismus aendert sich ab 2028 grundlegend.

Preisentwicklung des nationalen CO2-Preises (BEHG) und EU-ETS2

Jahr CO2-Preis pro Tonne Mechanismus
2025 55 EUR Festpreis (BEHG)
2026 55--65 EUR Preiskorridor (BEHG)
2027 55--65 EUR Preiskorridor verlaengert
2028 Marktpreis (geschaetzt 65--85 EUR) EU-Emissionshandel ETS2 startet
2030 100--160 EUR (Prognose) EU-weiter Marktpreis, kein Deckel
2035 150--275 EUR (Prognose) Mengensteuerung ueber Cap

Was der CO2-Preis fuer Ihre Gasrechnung bedeutet

Erdgas hat einen Emissionsfaktor von ca. 0,202 t CO2 pro MWh (Heizwert). Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh (typisches Einfamilienhaus) ergeben sich folgende CO2-Kosten:

Jahr CO2-Preis (Mittelwert) Jaehrliche CO2-Kosten (20.000 kWh Gas) CO2-Aufschlag pro kWh
2026 60 EUR/t ca. 242 EUR 1,21 ct/kWh
2028 75 EUR/t (geschaetzt) ca. 303 EUR 1,52 ct/kWh
2030 130 EUR/t (Mittelwert) ca. 525 EUR 2,63 ct/kWh
2035 200 EUR/t (konservativ) ca. 808 EUR 4,04 ct/kWh

Der CO2-Aufschlag steigt von ca. 1,2 ct/kWh (2026) auf geschaetzt 4,0 ct/kWh (2035). Das sind keine theoretischen Werte: Der Preiskorridor 2026 und die ETS2-Einfuehrung 2028 sind beschlossene Sache. Die genaue Hoehe ab 2028 ist eine Prognose, aber die Richtung ist durch die EU-Emissionsmengensteuerung (Cap) vorgegeben.

Der entscheidende Unterschied: Die Waermepumpe unterliegt keinem CO2-Preis. Strom ist weder vom BEHG noch vom ETS2 direkt betroffen. Dieser Unterschied wird mit jedem Jahr groesser. Mehr dazu in unserem Beitrag zur CO2-Steuer und Heizkosten.

Die Bio-Treppe: Versteckte Zusatzkosten ab 2029

Wer nach Inkrafttreten des GMG eine Gasheizung einbaut, muss ab 2029 die Bio-Treppe beachten. Das ist keine Option, sondern eine Pflicht. Die Kosten kommen so sicher wie die Jahreszeiten.

Die Stufen der Bio-Treppe

  • Ab 2029: Mindestens 10 % Biomethan oder vergleichbare klimafreundliche Gase
  • Weitere Stufen bis 2040: Steigende Quoten, die genauen Prozentsaetze werden im Gesetzentwurf festgelegt. Erwartet werden ca. 20--30 % bis 2035 und 40--65 % bis 2040.

Was Biomethan kostet

Brennstoff Preis pro kWh (2026)
Fossiles Erdgas (Endkunde, inkl. Netz + Abgaben, ohne CO2) ca. 8--10 ct/kWh
Biomethan (Marktpreis) ca. 17--22 ct/kWh
Faktor Biomethan ist 1,9- bis 2,4-mal so teuer

Kostenfolge der Bio-Treppe fuer ein EFH (20.000 kWh/a)

Szenario Gaskosten (Brennstoff ohne CO2) Bio-Aufschlag CO2-Kosten Summe Brennstoff + Abgaben
2026 (ohne Bio-Treppe) 1.800 EUR 0 EUR 242 EUR 2.042 EUR
2029 (10 % Bio) 1.620 EUR 180--220 EUR ca. 350 EUR 2.150--2.190 EUR
2032 (geschaetzt 20 % Bio) 1.440 EUR 340--430 EUR ca. 500 EUR 2.280--2.370 EUR
2035 (geschaetzt 30 % Bio) 1.260 EUR 510--660 EUR ca. 808 EUR 2.578--2.728 EUR

Die jaehrlichen Brennstoffkosten steigen allein durch die Bio-Treppe und den CO2-Preis von ca. 2.042 EUR (2026) auf ca. 2.650 EUR (2035) -- ein Anstieg von rund 600 EUR pro Jahr. Und das ist die konservative Rechnung.

Die 20-Jahres-Totalkosten: Gas vs. Waermepumpe

Hier wird es konkret. Die folgende Rechnung vergleicht die Gesamtkosten beider Systeme ueber 20 Jahre fuer ein typisches Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Heizwaermebedarf.

Annahmen

Parameter Gasheizung Waermepumpe
Anschaffung 9.000 EUR (Mittelwert) 33.000 EUR (Mittelwert)
Foerderung 0 EUR 50 % = 15.000 EUR (Basis-Szenario)
Effektive Anschaffung 9.000 EUR 18.000 EUR
Gaspreis 2026 (ohne CO2, ohne Bio) 9 ct/kWh --
WP-Stromtarif 2026 -- 24 ct/kWh
Jahresarbeitszahl (JAZ) -- 3,0 (konservativ)
Jaerl. Energieverbrauch 20.000 kWh Gas 6.667 kWh Strom
CO2-Preis 2026 60 EUR/t, steigend Keiner
Bio-Treppe ab 2029 10 % steigend Keine
Gaspreissteigerung real 2 %/Jahr --
Strompreissteigerung real -- 1 %/Jahr
Wartung 250 EUR/Jahr 200 EUR/Jahr

Gesamtkostenvergleich ueber 20 Jahre

Kostenblock Gasheizung Waermepumpe (50 % Foerderung)
Anschaffung (effektiv) 9.000 EUR 18.000 EUR
Brennstoff/Strom (20 Jahre, kumuliert) 40.000--46.000 EUR 28.000--32.000 EUR
CO2-Kosten (20 Jahre, kumuliert) 7.000--12.000 EUR 0 EUR
Bio-Treppe-Aufschlag (20 Jahre) 3.000--6.000 EUR 0 EUR
Wartung (20 Jahre) 5.000 EUR 4.000 EUR
Gesamtkosten (TCO) 64.000--78.000 EUR 50.000--54.000 EUR
Mittelwert TCO ca. 74.000 EUR ca. 55.000 EUR

Was die Zahlen bedeuten

Die Waermepumpe spart ueber 20 Jahre im Mittel ca. 19.000 EUR gegenueber der Gasheizung. Dieser Vorteil entsteht durch drei Faktoren:

  1. Effizienz: Die Waermepumpe erzeugt aus 1 kWh Strom 3,0 kWh Waerme (JAZ 3,0). Der Gaskessel kommt auf 0,95 kWh Waerme pro kWh Gas. Die effektiven Waermekosten der WP liegen 2026 bei ca. 8,0 ct/kWh, die der Gasheizung bei ca. 10,2 ct/kWh (inkl. CO2, ohne Bio).

  2. CO2-Freiheit: Die Waermepumpe zahlt keinen CO2-Preis. Ueber 20 Jahre summiert sich diese Ersparnis auf 7.000 bis 12.000 EUR.

  3. Keine Bio-Treppe: Die Waermepumpe braucht kein Biomethan. Die steigende Beimischungspflicht trifft nur Gasheizungen und addiert weitere 3.000 bis 6.000 EUR.

Bei maximaler KfW-458-Foerderung (70 %) sinken die effektiven Anschaffungskosten der Waermepumpe auf ca. 10.000 EUR -- weniger als der Unterschied eines Jahres bei den laufenden Kosten. In diesem Szenario betraegt der 20-Jahres-Vorteil der Waermepumpe ueber 27.000 EUR.

Die laufenden Kosten im Jahresvergleich

Damit Sie die Schere sehen koennen, hier die jaehrlichen Kosten fuer die ersten 10 Jahre:

Jaehrliche Kosten Gasheizung (EFH, 20.000 kWh)

Jahr Gaspreis (ct/kWh) CO2 (ct/kWh) Bio (ct/kWh) Jahreskosten Brennstoff Wartung Gesamt
2026 9,0 1,21 0,0 2.042 EUR 250 EUR 2.292 EUR
2027 9,2 1,21 0,0 2.082 EUR 250 EUR 2.332 EUR
2028 9,4 1,52 0,0 2.184 EUR 250 EUR 2.434 EUR
2029 9,6 1,62 0,8 2.404 EUR 250 EUR 2.654 EUR
2030 9,8 2,63 0,8 2.642 EUR 250 EUR 2.892 EUR
2031 10,0 2,80 1,0 2.760 EUR 250 EUR 3.010 EUR
2032 10,2 3,03 1,2 2.890 EUR 275 EUR 3.165 EUR
2033 10,4 3,24 1,2 2.968 EUR 275 EUR 3.243 EUR
2034 10,6 3,44 1,5 3.108 EUR 275 EUR 3.383 EUR
2035 10,8 4,04 1,5 3.268 EUR 275 EUR 3.543 EUR

Jaehrliche Kosten Waermepumpe (EFH, 6.667 kWh Strom)

Jahr WP-Strompreis (ct/kWh) Jahreskosten Strom Wartung Gesamt
2026 24,0 1.600 EUR 200 EUR 1.800 EUR
2027 24,2 1.613 EUR 200 EUR 1.813 EUR
2028 24,5 1.633 EUR 200 EUR 1.833 EUR
2029 24,7 1.647 EUR 200 EUR 1.847 EUR
2030 25,0 1.667 EUR 200 EUR 1.867 EUR
2031 25,2 1.680 EUR 200 EUR 1.880 EUR
2032 25,5 1.700 EUR 225 EUR 1.925 EUR
2033 25,8 1.720 EUR 225 EUR 1.945 EUR
2034 26,0 1.733 EUR 225 EUR 1.958 EUR
2035 26,3 1.753 EUR 225 EUR 1.978 EUR

Die Schere oeffnet sich

Im Jahr 2026 betraegt der jaehrliche Kostenvorteil der Waermepumpe ca. 492 EUR. Bis 2030 waechst er auf ca. 1.025 EUR, bis 2035 auf ca. 1.565 EUR. Der Grund ist strukturell: Die Gaskosten steigen durch drei additive Faktoren (Gaspreis, CO2-Preis, Bio-Treppe), waehrend die Stromkosten nur durch einen Faktor steigen (Strompreis) -- und der steigt historisch langsamer als der Gaspreis.

Das Stranding-Risiko: Die unterschaetzte Gefahr

Eine Gasheizung hat eine Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren. Wer 2026 einbaut, betreibt sie bis 2041 oder 2046. In diesem Zeitraum koennen sich die Rahmenbedingungen dramatisch veraendern.

Was "Stranding" bei einer Heizung bedeutet

Ein gestrandeter Vermoegenswert (Stranded Asset) ist eine Investition, die ihren Wert verliert, bevor sie sich amortisiert hat. Bei einer Gasheizung kann das passieren durch:

  • Steigende CO2-Preise: Wenn der CO2-Preis bis 2035 auf 200--275 EUR/t steigt (die Spanne der serioesen Prognosen), wird der Betrieb unwirtschaftlich. Der Brennstoffkostenunterschied zur Waermepumpe betraegt dann ueber 2.000 EUR pro Jahr.
  • Gasnetz-Rueckbau: In Regionen mit sinkender Gasnachfrage steigen die Netzentgelte pro verbleibendem Kunden. Wenn genuegend Nachbarn auf Waermepumpe umstellen, tragen die verbliebenen Gaskunden die Fixkosten des Netzes zu immer hoeheren Anteilen. Dieser Effekt ist in einigen Regionen bereits messbar.
  • Regulatorische Verschaerfung: Die EU-Klimaziele fuer 2040 (mindestens 90 % Reduktion gegenueber 1990) koennten strengere Vorgaben fuer fossile Heizungen nach sich ziehen. Ein Einbauverbot waere zwar unwahrscheinlich, aber steigende Abgaben sind im System angelegt.
  • Wertverlust der Immobilie: Gebaeude mit schlechter Energieeffizienzklasse verlieren am Markt an Wert. Aktuelle Marktanalysen zeigen Preisabschlaege von 19 % (Klasse C, Metropolen) bis 51 % (Klasse H, laendliche Gebiete) gegenueber Klasse A. Eine Gasheizung fuehrt in der Regel zu einer schlechteren Einstufung als eine Waermepumpe, weil der Primaerenergiefaktor fuer Erdgas (1,1) hoeher ist. Mehr dazu unter Brown Discount bei Immobilien und Stranded Assets vermeiden.

Immobilienwert und Energieeffizienzklasse

Energieeffizienzklasse Preisabschlag gegenueber Klasse A
Klasse C (teilsaniert, gute Gasheizung) ca. -19 % (Metropolen)
Klasse E (typischer Bestand) ca. -30 % (Metropolen)
Klasse G/H (unsaniert, alte Heizung) ca. -45 bis -51 % (Klein-/Mittelstaedte)

Mit den neuen EU-Energieeffizienzklassen A bis G, die bis Mai 2026 im Rahmen der EPBD-Umsetzung in deutsches Recht uebergefuehrt werden muessen, erhoehen sich Transparenz und Preisdruck am Immobilienmarkt weiter. Ein Gebaeudeausweis mit schlechter Klasse wird kuenftig noch sichtbarer zum Verkaufshindernis.

Wann eine Gasheizung 2026 trotzdem Sinn machen kann

Trotz der klaren Zahlen gibt es eng umrissene Szenarien, in denen eine Gasheizung 2026 eine rationale Entscheidung sein kann. Es sind genau drei.

1. Fernwaerme in 1 bis 5 Jahren geplant

Wenn die kommunale Waermeplanung Ihrer Gemeinde einen Fernwaermeanschluss fuer Ihre Strasse vorsieht, dieser aber erst in 3 bis 5 Jahren verfuegbar ist, kann eine moeglichst guenstige Gasheizung als Ueberbrueckung dienen. In diesem Fall waehlen Sie bewusst eine kurze Nutzungsdauer, investieren moeglich wenig und planen von Anfang an den Anschlusswechsel. Aber pruefen Sie vorher: Eine kleine Waermepumpe oder ein Miet-Modell koennte guenstiger sein, selbst fuer drei Jahre.

2. Extrem hohe Vorlauftemperatur im Gebaeudebestand

Einige wenige Gebaeude haben Heizsysteme, die Vorlauftemperaturen von 70 bis 80 Grad Celsius benoetigen -- etwa alte Konvektoren oder bestimmte Fussbodenheizungssysteme in Sonderausfuehrungen. Hier sinkt die Jahresarbeitszahl der Waermepumpe auf 2,0 bis 2,3, was die Wirtschaftlichkeit deutlich verschlechtert. In diesen Faellen kann eine Hybridloesung (Waermepumpe + Gas-Spitzenlast) oder ein schrittweiser Ansatz (erst Vorlauftemperatur senken, dann Waermepumpe) sinnvoller sein als ein reiner Gas-Einbau.

Aber Achtung: Die meisten Heizungssysteme, die angeblich 70 Grad brauchen, kommen nach einem hydraulischen Abgleich und der Optimierung der Heizkurve mit 50 bis 55 Grad aus. Das "hohe Vorlauftemperatur"-Argument wird haeufiger vorgeschoben als es zutrifft.

3. Akute Budgetrestriktion trotz Ergaenzungskredit

Wenn die Investition fuer eine Waermepumpe trotz maximal moeglicher Foerderung (70 %) und dem KfW-Ergaenzungskredit 358/359 (bis 120.000 EUR, Zinssatz ab ca. 2,07 % bei Einkommen unter 90.000 EUR) finanziell nicht darstellbar ist, kann eine guenstige Gasheizung im Bestand die einzig machbare Loesung sein. In diesem Fall sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie eine finanziell suboptimale Entscheidung treffen, die aber aus Liquiditaetsgruenden alternativlos sein kann.

Alle drei Szenarien haben eines gemeinsam: Die Gasheizung ist die Notloesung, nicht die optimale Wahl. Wer die Wahl hat, sollte die Zahlen sprechen lassen.

Die GMG-Erlaubnis im Kontext: Was der Gesetzgeber wirklich sagt

Die politische Kommunikation rund um das GMG ist irrefuehrend knapp. "Gas ist wieder erlaubt" klingt nach einer Empfehlung. Es ist keine. Das GMG beseitigt ein Verbot -- aber es schafft gleichzeitig oekonomische Anreize, die in die andere Richtung wirken:

  • Kein Foerdergeld fuer Gas: Das GMG sieht keine Foerderung fuer fossile Heizungen vor. Die KfW-458-Foerderung (bis 70 %) bleibt den erneuerbaren Systemen vorbehalten.
  • CO2-Preis als Steuerungsinstrument: Die Bundesregierung setzt explizit auf den CO2-Preis als Lenkungsinstrument. Das bedeutet: Der Staat will, dass steigende CO2-Kosten fossile Heizungen unattraktiv machen -- ohne sie zu verbieten.
  • Bio-Treppe als Sicherheitsnetz: Falls der CO2-Preis allein nicht schnell genug wirkt, sorgt die Bio-Treppe fuer zusaetzlichen Kostendruck auf Gasverbraucher ab 2029.

Die Botschaft des GMG lautet uebersetzt: "Sie duerfen Gas einbauen. Aber der Preis dafuer wird jedes Jahr steigen."

Checkliste: Gasheizung einbauen -- ja oder nein?

Gegen die Gasheizung spricht, wenn:

  • Sie die Heizung mindestens 10 Jahre betreiben wollen
  • Ihnen langfristig kalkulierbare Betriebskosten wichtig sind
  • Sie die KfW-458-Foerderung fuer eine Waermepumpe nutzen koennen
  • Sie eine PV-Anlage haben oder planen (PV + WP = Eigenverbrauch statt Einspeisung)
  • Ihnen der Immobilienwert wichtig ist
  • Sie keine steigenden CO2-Kosten tragen moechten

Fuer eine Gasheizung (als Uebergang) kann sprechen, wenn:

  • Fernwaerme in 1 bis 5 Jahren geplant ist und Sie nur ueberbruecken
  • Eine extreme Vorlauftemperatur vorliegt, die auch nach Optimierung ueber 65 Grad erfordert
  • Das Budget trotz KfW-458 plus Ergaenzungskredit nicht reicht
  • Die Heizung akut defekt ist und die Waermepumpen-Installation logistisch nicht innerhalb des Zeitfensters moeglich ist

Was Eigentuemer jetzt tun sollten

  1. Foerderung sichern, solange sie gilt. Die KfW-458-Foerderung fuer Waermepumpen (bis 70 % Zuschuss) ist budgetiert und bewilligbar. Der Klimageschwindigkeitsbonus von 20 % gilt noch bis Ende 2028 -- danach sinkt er stufenweise auf 0 % bis 2037. Wer jetzt beantragt, profitiert vom hoechsten Foerdersatz.

  2. Waermeplan der Kommune pruefen. Informieren Sie sich, ob in Ihrer Strasse Fernwaerme geplant ist. Das beeinflusst die Entscheidung massgeblich. Mehr dazu unter Kommunale Waermeplanung 2026.

  3. Gesamtkosten rechnen, nicht Anschaffungskosten. Der niedrige Kaufpreis der Gasheizung ist ein Trugschluss, wenn die laufenden Kosten das Dreifache der Anschaffung ausmachen. Die 20-Jahres-TCO ist die einzige ehrliche Entscheidungsgrundlage.

  4. CO2-Kosten einkalkulieren. Der CO2-Preis wird ab 2028 durch das EU-ETS2 marktgesteuert -- ohne politische Preisobergrenze. Die Prognosen fuer 2030 liegen bei 100 bis 160 EUR/t. Das ist kein Worst Case, sondern der Mittelwert der Schaetzungen.

  5. Gebaeudeanalyse durchfuehren lassen. Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) zeigt, welches Heizsystem zu Ihrem Gebaeudebestand passt -- unabhaengig von politischen Debatten. Die Foerderung fuer den iSFP betraegt 50 % (max. 650 EUR Eigenanteil beim EFH).

Haeufig gestellte Fragen

Darf ich 2026 eine Gasheizung einbauen?

Ja, grundsaetzlich schon. Wo die kommunale Waermeplanung noch nicht abgeschlossen ist, gilt keine 65-%-Pflicht, und eine Gasheizung ist ohne Einschraenkungen zulaessig. Wo der Waermeplan bereits gilt, greift das GEG 2024 mit der 65-%-Pflicht -- hier brauchen Sie eine Genehmigung fuer die Uebergangsregelung. Nach Inkrafttreten des GMG (voraussichtlich vor dem 1. Juli 2026) entfaellt die 65-%-Pflicht vollstaendig.

Gibt es Foerderung fuer Gasheizungen?

Nein. Es gibt keine KfW- oder BAFA-Foerderung fuer reine Gas-Brennwertheizungen. Auch der Steuerbonus nach Paragraph 35c EStG gilt nicht fuer den Neueinbau fossiler Heizungen. Der einzige theoretisch foerderfaehige Aspekt ist die H2-Readiness (Wasserstofftauglichkeit) als Zusatzkomponente, die aber in der Praxis kaum relevant ist.

Was kostet eine neue Gasheizung 2026 im Vergleich zur Waermepumpe?

Eine Gas-Brennwertheizung kostet 7.000 bis 10.000 EUR (mit vorhandenem Gasanschluss). Eine Luft-Wasser-Waermepumpe kostet 27.000 bis 40.000 EUR brutto, nach KfW-458-Foerderung (50 bis 70 %) aber nur 8.100 bis 25.000 EUR effektiv. Bei maximaler Foerderung ist die Waermepumpe in der Anschaffung guenstiger als die Gasheizung.

Wie viel teurer ist die Gasheizung ueber 20 Jahre?

Bei konservativen Annahmen (JAZ 3,0, WP-Tarif 24 ct/kWh, moderate CO2-Preis-Steigerung) betragen die 20-Jahres-Gesamtkosten der Gasheizung ca. 74.000 EUR, die der Waermepumpe ca. 55.000 EUR. Die Differenz liegt bei ca. 19.000 EUR. Bei hoeheren CO2-Preisen (oberes Ende der Prognosen: 275 EUR/t bis 2035) kann die Differenz auf ueber 30.000 EUR steigen.

Was ist die Bio-Treppe und wie betrifft sie mich?

Die Bio-Treppe ist eine im GMG geplante Pflicht, ab 2029 steigende Anteile von Biomethan oder vergleichbaren klimafreundlichen Brennstoffen in der Gasversorgung einzusetzen. Die erste Stufe sieht 10 % ab 2029 vor. Da Biomethan ca. doppelt so teuer ist wie fossiles Erdgas, steigen Ihre Heizkosten auch ohne Verbrauchsaenderung. Eine ausfuehrliche Erklaerung finden Sie unter Bio-Treppe im GMG: Was die Gruengasquote bedeutet.

Was passiert, wenn immer mehr Nachbarn auf Waermepumpe umstellen?

Die Fixkosten des Gasnetzes (Wartung, Betrieb, Rueckbau) bleiben bestehen, werden aber auf immer weniger Kunden verteilt. Die Netzentgelte pro Kunde steigen. Dieser Effekt ist in Regionen mit hoher Waermepumpen-Durchdringung bereits messbar und wird sich beschleunigen. Wer als einer der letzten am Gasnetz haengt, zahlt ueberproportional fuer die Netzinfrastruktur.

Kann ich meine Gasheizung spaeter auf Wasserstoff umruesten?

Einige Hersteller bieten H2-ready-Kessel an. In der Praxis ist ein flaechendeckendes Wasserstoffnetz fuer die Gebaeudeheizung auf absehbare Zeit nicht geplant. Die wenigen Pilotprojekte konzentrieren sich auf Industriegebiete. Zudem ist Wasserstoff als Heizbrennstoff energetisch ineffizient (Wirkungsgrad Strom zu Wasserstoff zu Waerme: ca. 60 bis 70 %, verglichen mit Waermepumpe Strom zu Waerme: 300 bis 400 %).

Ist das GMG schon in Kraft?

Nein. Stand 16. Maerz 2026 liegen lediglich die Eckpunkte vom 24. Februar 2026 vor. Der Kabinettsentwurf wird bis Ostern 2026 erwartet, das Gesetz soll vor dem 1. Juli 2026 verabschiedet werden. Bis dahin gilt das GEG 2024 unveraendert. Alle Details zum aktuellen Stand finden Sie unter Gebaeudemodernisierungsgesetz (GMG).

Wie verhaelt sich die Gasheizung im Vergleich zu anderen Heizsystemen?

Einen umfassenden Vergleich aller Heizsysteme nach Kosten, Foerderung und Effizienz finden Sie in unserem Heizkostenvergleich 2026 und im Heizungsarten-Vergleich.


Dieser Artikel gibt den Stand der oeffentlich verfuegbaren Informationen vom 16. Maerz 2026 wieder. Der endgueltige GMG-Gesetzestext kann von den Eckpunkten abweichen. Wir aktualisieren diesen Beitrag, sobald der Kabinettsentwurf vorliegt.

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