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Heizlastberechnung 2026: Kosten 300–1.200 € & DIN EN 12831

Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 kostet 300–1.200 €. Verfahren A vs. B, Norm-Außentemperatur je PLZ, Pflicht für KfW 458 & BAFA – alles im Überblick 2026.

Wärmepumpe an einem Wohnhaus in Deutschland

Das Wichtigste in Kürze

  • Kosten 2026: Eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 kostet je nach Gebäude und Tiefe 300–1.200 €: vereinfacht (Verfahren A) ca. 300–450 €, raumweise (Verfahren B) +400–600 €, Komplettpaket inkl. hydraulischem Abgleich 750–1.200 €. Reine Online-Berechnungen liegen bei 99–400 €.
  • Was sie misst: Die Heizlast ist die maximale Wärmeleistung in kW, die ein Gebäude am kältesten Tag benötigt – sie bestimmt die Größe der Wärmepumpe, nicht der Gasverbrauch.
  • Standortfaktor: Die Norm-Außentemperatur ist regional verschieden (z. B. München -16 °C, Köln -10 °C). Seit DIN/TS 12831-1 (April 2020) gibt es einen postleitzahlenscharfen Wert je PLZ (8.199 Referenzorte statt 524).
  • Größter Hebel: Die U-Werte sind der einflussreichste Faktor – eine gedämmte Außenwand (U = 0,22) verliert nur ein Sechstel der Wärme einer ungedämmten Wand (U = 1,4).
  • Förderpflicht: Für die KfW-458-Förderung muss die Dimensionierung in der Bestätigung zum Antrag (BzA) belegt werden; BAFA verlangt die Gebäudeheizlast "bevorzugt nach EN 12831". Für den hydraulischen Abgleich nach Verfahren B ist eine raumweise Berechnung Pflicht.
  • Auslegungsreserve: Bei -14 °C sinkt die Leistung einer Luft-Wasser-Wärmepumpe um 20 bis 30 % – das muss bei der Dimensionierung der Wärmepumpe berücksichtigt werden.

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Update (Stand: 14. Juli 2026) – Neue BEG-Förderung nach dem GModG: Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, Bundestag + Bundesrat 10.07.2026) und der neuen BEG-Förderrichtlinie gelten ab 21. Juli 2026 neue Fördersätze für den Heizungstausch (KfW 458): Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt von 20 % auf 16 % (danach halbjährlich weiter bis 0 % ab 1. August 2028), der Effizienzbonus (5 %) entfällt, und die maximal förderfähigen Kosten für die Heizung sinken von 30.000 € auf 28.000 €. Neu ist ein einkommensabhängiger Deckel von bis zu 80 %. Die Förder-Angaben in diesem Artikel sind auf diesen Stand aktualisiert.

Das kostet eine Heizlastberechnung (Schnellüberblick)

Leistung Kosten Einfamilienhaus 2026 Wofür nötig
Vereinfacht / gebäudebezogen (Verfahren A) 300–450 € Grobe WP-Leistung, Heizkörper bleiben
Raumweise nach DIN EN 12831 (Verfahren B) +400–600 € Neue Heizkörper, Fußbodenheizung, hydraulischer Abgleich
Komplettpaket inkl. hydraulischem Abgleich 750–1.200 € KfW 458 / BAFA-Förderung
Reine Online-/Fernberechnung 99–400 € Erstorientierung, ohne Ortsbegehung

Vorsicht bei 99-€-Pauschalrechnern: Sehr günstige Online-Angebote arbeiten oft mit geschätzten U-Werten aus Tabellen statt mit den realen Bauteilaufbauten. Für ein Bestandsgebäude ohne Unterlagen reicht das selten für eine belastbare Wärmepumpenauslegung – und nicht jedes Billigangebot wird vom Energieeffizienz-Experten für die Förderung anerkannt.

Verfahren A vs. Verfahren B in 30 Sekunden

Der Begriff "Verfahren A/B" bedeutet je nach Kontext etwas anderes. Diese Box trennt beide Bedeutungen sauber:

Verfahren A Verfahren B
Beim hydraulischen Abgleich (ZVSHK) Heizlast über Pauschalwerte (Baujahr) oder vorhandene Heizkörperleistung Individuelle, raumweise Heizlastberechnung je Raum
Sinngemäß in der DIN EN 12831 Vereinfachtes / überschlägiges Verfahren Ausführliches, raumweises Standardverfahren
Aufwand & Genauigkeit gering / niedrig hoch / hoch
Für BEG/BAFA-Förderung nicht ausreichend Pflicht (oder gleichwertiges Verfahren)

Merksatz: Für jede staatliche Förderung (BEG/BAFA, KfW 458) gilt beim hydraulischen Abgleich Verfahren B = raumweise Heizlast nach DIN EN 12831. Verfahren A genügt nur, wenn Sie keine Förderung beantragen und das vorhandene Heizsystem unverändert lassen.

Eine falsch dimensionierte Wärmepumpe ist teuer – in beide Richtungen. Ist die Anlage zu groß, taktet sie ständig und verschleißt vorzeitig. Ist sie zu klein, muss an den kältesten Tagen ein elektrischer Heizstab zuheizen, was die Stromkosten in die Höhe treibt. Beides kostet über die Lebensdauer der Anlage tausende Euro und wäre durch eine korrekte Heizlastberechnung vermeidbar gewesen.

Die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist das zentrale Planungsinstrument für jede neue Heizungsanlage. Sie bestimmt, wie viel Wärmeleistung ein Gebäude und jeder einzelne Raum am kältesten Tag des Jahres benötigt. Auf dieser Grundlage wird die Leistung der Wärmepumpe, die Größe der Heizkörper und die Auslegung der Fußbodenheizung festgelegt. In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Heizlastberechnung funktioniert, was sie kostet, wann sie Pflicht ist und worauf Sie bei der Beauftragung achten müssen.

Was ist die Heizlast und warum ist sie so wichtig?

Die Heizlast (auch Norm-Heizlast) gibt an, wie viel thermische Leistung in Kilowatt (kW) ein Gebäude benötigt, um bei der tiefsten regionalen Außentemperatur die gewünschte Raumtemperatur zu halten. Sie ist ein Spitzenwert – die maximale Leistung, die an wenigen Tagen im Jahr gebraucht wird.

Der Unterschied zwischen Heizlast und Heizenergiebedarf

Diese beiden Begriffe werden häufig verwechselt, bezeichnen aber grundlegend verschiedene Dinge:

Kennwert Heizlast Heizenergiebedarf
Einheit kW (Kilowatt) kWh/a (Kilowattstunden pro Jahr)
Bedeutung Maximale Leistung am kältesten Tag Gesamter Energieverbrauch im Jahr
Norm DIN EN 12831 DIN V 18599 / GEG
Bestimmt Größe der Wärmepumpe, Heizkörper Energieeffizienzklasse, Energieausweis
Analogie Motorleistung eines Autos (PS) Jahreskilometer mal Verbrauch

Ein Gebäude kann einen niedrigen Heizenergiebedarf haben (gut gedämmt, wenig Verluste), aber trotzdem eine hohe Heizlast (große Fensterflächen, die schnell auskühlen). Oder umgekehrt: Eine geringe Heizlast (kompakte Gebäudeform), aber einen hohen Energiebedarf (lange Heizperiode, hohe Raumtemperaturen). Für die Dimensionierung der Wärmepumpe ist ausschließlich die Heizlast relevant.

Tipp: Wenn Ihnen ein Heizungsbauer sagt, er könne die Wärmepumpe anhand des bisherigen Gasverbrauchs dimensionieren, ist Vorsicht geboten. Der Gasverbrauch gibt den Energiebedarf wieder, nicht die Heizlast. Daraus lässt sich die Heizlast nur sehr grob ableiten – mit dem Risiko erheblicher Fehlauslegung.

Was die Heizlastberechnung kostet (heizlastberechnung kosten 2026)

Die Kosten hängen von der Gebäudegröße, der Berechnungstiefe (vereinfacht vs. raumweise) und dem Anbieter ab. Für ein Einfamilienhaus gilt die Faustregel: Eine vereinfachte Berechnung (Verfahren A) liegt bei rund 300–450 €, eine raumweise Berechnung (Verfahren B) kommt mit ca. 400–600 € hinzu, und ein Komplettpaket aus raumweiser Heizlast plus hydraulischem Abgleich bewegt sich bei rund 750–1.200 €. Diese Spanne deckt sich mit den Angaben der Verbraucherzentrale zum hydraulischen Abgleich.

Kostenübersicht nach Gebäudetyp

Gebäudetyp Kosten raumweise Berechnung Kosten vereinfachte Berechnung Typische Dauer
Einfamilienhaus (bis 150 m²) 400–600 EUR 300–450 EUR 1–2 Tage
Zweifamilienhaus (bis 250 m²) 500–800 EUR 350–500 EUR 1–3 Tage
Mehrfamilienhaus (6 WE) 800–1.200 EUR 500–700 EUR 3–5 Tage
Mehrfamilienhaus (12 WE) 1.200–2.000 EUR 700–1.000 EUR 5–8 Tage
Gewerbeimmobilie ab 1.500 EUR individuell individuell

Die raumweise Berechnung ist die genauere Variante und wird für die Auslegung von Heizkörpern und Fußbodenheizungen benötigt. Die vereinfachte (gebäudebezogene) Berechnung reicht aus, wenn nur die Gesamtleistung der Wärmepumpe bestimmt werden soll und die vorhandenen Heizkörper beibehalten werden.

Warum sich die Berechnung VOR dem Angebotsvergleich lohnt

Eine eigene Heizlastberechnung in der Hand zu haben, bevor man Angebote von Heizungsbauern einholt, schützt vor Fehlauslegung und Überzahlung. Wie groß das Problem ist, zeigt eine Auswertung von Stiftung Warentest: 160 regionale Wärmepumpen-Angebote (Oktober 2024 bis Mai 2025) waren auffällig lückenhaft – nur rund 25 % der Kostenvoranschläge enthielten alle wesentlichen Leistungen, kein einziges nannte sie vollständig. Rund 20 % ließen den hydraulischen Abgleich aus, obwohl er Förderpflicht ist; 90 % nannten keinen Heizkörpertausch. Die Kostenspanne reichte von etwa 20.000 € bis über 60.000 € (Durchschnitt ca. 36.000 € für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Einfamilienhaus), Einzelposten waren teils 20-fach teurer als beim Mitbewerber.

Mit einer belastbaren Heizlast in kW können Sie genau diese Lücken aufdecken: Weicht die angebotene Wärmepumpenleistung deutlich von Ihrer berechneten Heizlast ab oder fehlt der hydraulische Abgleich, ist das ein klares Warnsignal. Die Wärmepumpe-planen-Checkliste vorm Angebot fasst zusammen, welche Posten ein vollständiges Angebot enthalten muss.

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Was ist in den Kosten enthalten?

Ein seriöses Angebot für eine Heizlastberechnung umfasst:

  • Ortsbegehung und Aufmaß (sofern keine aktuellen Pläne vorliegen)
  • Ermittlung der U-Werte aller Bauteile (Wände, Dach, Fenster, Boden)
  • Berechnung der Transmissionswärmeverluste (Verluste durch die Gebäudehülle)
  • Berechnung der Lüftungswärmeverluste (Verluste durch Luftwechsel)
  • Berücksichtigung von Wärmebrücken
  • Berechnungsbericht mit raumweisen Ergebnissen
  • Empfehlung für die Wärmepumpenleistung

Tipp: Fragen Sie, ob der Anbieter die Berechnung nach DIN EN 12831 Beiblatt 2 (vereinfachtes Verfahren für Bestandsgebäude) oder nach dem Vollverfahren durchführt. Für die meisten Bestandsgebäude ist das Beiblatt-2-Verfahren ausreichend und deutlich günstiger. Das Vollverfahren wird bei Neubauten und bei sehr komplexen Gebäuden eingesetzt.

Die Normfamilie DIN EN 12831: Teil 1, Teil 3 und die nationale Ergänzung

"Die DIN EN 12831" ist genau genommen keine einzelne Norm, sondern eine Normenreihe. Wer den Begriff "Heizlastberechnung" sauber verstehen will, muss die Teile auseinanderhalten:

Teil Titel / Inhalt Bedeutung für die Auslegung
DIN EN 12831-1:2017-09 (Modul M3-3) "Verfahren zur Berechnung der Norm-Heizlast – Teil 1: Raumheizlast" Die eigentliche Raumheizlast – Standardverfahren (raumweise) plus vereinfachte Verfahren
DIN EN 12831-3 "Teil 3: Trinkwassererwärmungsanlagen, Heizlast und Bedarfsbestimmung" Warmwasserbedarf – kommt zur Raumheizlast hinzu
DIN/TS 12831-1 (April 2020) Nationale Ergänzung mit Klimadaten / Referenzorten Liefert die Norm-Außentemperatur je PLZ

Die Norm-Heizlast nach DIN EN 12831-1:2017-09 ist definiert als die Wärmeleistung, die benötigt wird, um die geforderte Norm-Innentemperatur unter Norm-Außenbedingungen bereitzustellen. Teil 1 (Modul M3-3) enthält ein ausführliches Standardverfahren (raumweise) sowie vereinfachte Verfahren für einzelne Räume und gebäudebezogen. Die Trinkwassererwärmung wird separat in DIN EN 12831-3 behandelt; für die Wohnungswasserplanung bleibt zusätzlich DIN 4708 anwendbar, die energetische Bewertung erfolgt über DIN V 18599.

Kurz: Wenn in diesem Artikel von "der Heizlast" die Rede ist, ist die Raumheizlast nach Teil 1 gemeint. Der Warmwasserbedarf nach Teil 3 ist ein eigener Posten, der bei der Wärmepumpenauslegung dazugerechnet werden muss (siehe Abschnitt "Warmwasser").

Wie die Berechnung funktioniert: Schritt für Schritt

Die DIN EN 12831-1 definiert ein systematisches Verfahren, das die Heizlast aus drei Hauptkomponenten berechnet: Transmissions- und Lüftungswärmeverlusten sowie der zusätzlichen Aufheizleistung.

Komponente 1: Transmissionswärmeverluste

Die Transmissionswärmeverluste beschreiben, wie viel Wärme durch die Gebäudehülle nach außen verloren geht. Sie hängen von drei Faktoren ab:

  • Fläche des Bauteils (in m²)
  • U-Wert des Bauteils (in W/(m²K)) – je niedriger, desto besser gedämmt
  • Temperaturdifferenz zwischen Innen- und Außentemperatur

Die Formel für ein einzelnes Bauteil lautet:

Q_T = A x U x (T_innen - T_außen)

Typische U-Werte in Bestandsgebäuden:

Bauteil U-Wert unsaniert U-Wert nach Sanierung GEG-Anforderung Bestand
Außenwand (Mauerwerk 1960er) 1,2–1,8 W/(m²K) 0,20–0,24 W/(m²K) 0,24 W/(m²K)
Dach (ungedämmt) 1,5–2,5 W/(m²K) 0,14–0,20 W/(m²K) 0,24 W/(m²K)
Fenster (2-fach Isolierglas alt) 2,5–3,0 W/(m²K) 0,90–1,10 W/(m²K) 1,30 W/(m²K)
Fenster (3-fach Wärmeschutz) 0,60–0,80 W/(m²K)
Kellerdecke (ungedämmt) 0,8–1,2 W/(m²K) 0,25–0,30 W/(m²K) 0,30 W/(m²K)
Bodenplatte (ungedämmt) 0,5–1,0 W/(m²K) 0,25–0,35 W/(m²K) 0,30 W/(m²K)

Der U-Wert ist der einflussreichste Faktor in der Heizlastberechnung. Eine gedämmte Außenwand (U = 0,22) verliert bei gleicher Fläche nur ein Sechstel der Wärme einer ungedämmten Wand (U = 1,4). Deshalb senken Dämmmaßnahmen die Heizlast am stärksten – und damit auch die benötigte Leistung der Wärmepumpe. Die in der Tabelle genannten GEG-Höchstwerte stammen aus GEG Anlage 7, die bei der Änderung von Außenbauteilen im Bestand einzuhalten sind (z. B. Außenwand U = 0,24, Fenster Uw = 1,30 W/(m²K)).

Komponente 2: Lüftungswärmeverluste

Frische Luft muss in jedes Gebäude gelangen, aber kalte Außenluft muss auf Raumtemperatur erwärmt werden. Die Lüftungswärmeverluste hängen vom Luftwechsel ab:

Lüftungsart Luftwechselrate (1/h) Einfluss auf Heizlast
Freie Lüftung (Fensterlüftung, undichtes Gebäude) 0,5–1,0 hoch
Freie Lüftung (dichtes Gebäude, EnEV/GEG-Standard) 0,3–0,5 mittel
Kontrollierte Wohnraumlüftung (ohne Wärmerückgewinnung) 0,4–0,6 mittel
Kontrollierte Wohnraumlüftung (mit Wärmerückgewinnung) 0,1–0,2 (effektiv) gering

In einem undichten Altbau können die Lüftungswärmeverluste 30 bis 40 % der gesamten Heizlast ausmachen. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung reduziert diesen Anteil auf unter 10 %.

Komponente 3: Wiederaufheizleistung (Aufheizzuschlag)

Wenn ein Gebäude nach einer Absenkphase (z. B. nachts) wieder auf Soll-Temperatur gebracht werden soll, ist eine zusätzliche Leistungsreserve nötig. Dieser Zuschlag wird für jede Wärmepumpe mit berechnet, obwohl er in der Praxis bei Wärmepumpen eine untergeordnete Rolle spielt: Wärmepumpen werden typisch im Dauerbetrieb mit Nachtabsenkung von nur 1 bis 2 °C gefahren.

Norm-Außentemperatur: Der regionale Faktor (jetzt PLZ-scharf)

Ein zentraler Eingangswert ist die Norm-Außentemperatur am Standort des Gebäudes. Sie beschreibt die tiefste Temperatur, die statistisch alle 10 Jahre einmal für mindestens zwei aufeinanderfolgende Tage erreicht wird.

Das Wichtige für 2026: Mit der nationalen Ergänzung DIN/TS 12831-1 vom April 2020 wurden die Klimadaten grundlegend überarbeitet. Die Zahl der Referenzorte stieg von 524 auf 8.199 – jede Postleitzahl ist nun ein eigener Referenzort. Die Norm-Außen- und Jahresmitteltemperaturen werden seitdem auf eine Nachkommastelle angegeben und liegen in den meisten Fällen höher als zuvor (Innenstädte sind wärmer als das Umland). Eine pauschale Stadt-Tabelle ist damit nur noch ein Anhaltspunkt – maßgeblich ist der Wert Ihrer konkreten PLZ.

Region/Stadt Norm-Außentemperatur (Orientierung)
Köln -10 °C
Freiburg im Breisgau -12 °C
Hamburg -12 °C
Berlin -14 °C
Dresden -15 °C
München -16 °C
Oberstdorf -20 °C

Die bundesweite Spanne reicht je nach Region von etwa -10 °C bis -18/-20 °C. Den exakten, postleitzahlenscharfen Wert nach DIN/TS 12831-1 liefert die kostenlose BWP-Klimakarte des Bundesverbands Wärmepumpe, die "postleitzahlenscharf wahlweise die Jahresmittel- oder die Norm-Außentemperaturen entsprechend der DIN/TS 12831-1 vom April 2020" visualisiert.

Der Unterschied zwischen München (-16 °C) und Köln (-10 °C) beträgt 6 Kelvin. Bei einer angenommenen Innentemperatur von 20 °C erhöht das die Heizlast in München um ca. 20 % gegenüber Köln – bei sonst identischem Gebäude. Dieser Standortfaktor wird in überschlägigen Berechnungen oft unterschätzt. Wer den richtigen Auslegungswert kennt, dimensioniert auch den Bivalenzpunkt der Wärmepumpe sauber – also den Punkt, ab dem ein zweiter Wärmeerzeuger einspringt.

Raumweise vs. gebäudebezogene Berechnung

Die DIN EN 12831 kennt zwei Berechnungstiefen, die sich in Aufwand und Aussagekraft erheblich unterscheiden.

Gebäudebezogene Berechnung (vereinfacht)

Die vereinfachte Berechnung ermittelt die Gesamtheizlast des Gebäudes. Sie reicht aus, um die Leistung der Wärmepumpe zu bestimmen. Einzelne Räume werden dabei nicht separat betrachtet.

Geeignet für:

  • Dimensionierung der Wärmepumpe, wenn das bestehende Wärmeverteilsystem beibehalten wird
  • Erste Kostenabschätzung
  • Vergleich von Sanierungsvarianten

Kosten: 300–500 EUR (EFH)

Raumweise Berechnung (Vollverfahren)

Die raumweise Berechnung ermittelt die Heizlast für jeden einzelnen Raum. Nur so können Heizkörper und Fußbodenheizungskreise korrekt dimensioniert und ein hydraulischer Abgleich durchgeführt werden.

Geeignet für:

  • Neuauslegung des Wärmeverteilsystems (neue Heizkörper, Fußbodenheizung)
  • Hydraulischer Abgleich nach Verfahren B
  • KfW-Förderanträge (oft gefordert)
  • Nachweis der korrekten Auslegung gegenüber dem Energieberater

Kosten: 400–1.200 EUR (je nach Gebäudegröße)

Kriterium Gebäudebezogen Raumweise
Ergebnis Gesamtheizlast in kW Heizlast je Raum in W
Genauigkeit mittel hoch
Kosten (EFH) 300–500 EUR 400–600 EUR
Kosten (MFH 6 WE) 500–700 EUR 800–1.200 EUR
Dauer 0,5–1 Tag 1–3 Tage
Hydraulischer Abgleich möglich nein (nur Verfahren A) ja (Verfahren B)
KfW-förderfähig als Nachweis eingeschränkt ja

Tipp: Wenn Sie eine Wärmepumpe installieren und gleichzeitig Heizkörper tauschen oder eine Fußbodenheizung nachrüsten, ist die raumweise Berechnung zwingend. Der Mehrpreis von 100 bis 200 EUR gegenüber der vereinfachten Berechnung ist gemessen am Nutzen vernachlässigbar.

Warum die Heizlastberechnung für Wärmepumpen unverzichtbar ist

Das Umweltbundesamt bringt es auf den Punkt: "Eine überdimensionierte Wärmepumpenanlage führt zu unnötigen Mehrkosten bei der Anschaffung." Und weiter: "Lassen Sie deshalb von einer Fachkraft die passgenaue Dimensionierung der Wärmepumpe berechnen: Berechnung der Heizlast." Die Anlage sollte zudem "so geplant werden, dass sie im regulären Betrieb ohne Heizstab auskommen kann" – der integrierte Heizstab gehört standardmäßig deaktiviert. Als Effizienzziel nennt das UBA eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von idealerweise 4,0 oder höher. Genau diese passgenaue Dimensionierung steht und fällt mit einer korrekten Heizlastberechnung.

Problem 1: Überdimensionierung

Eine zu große Wärmepumpe ist der häufigste Planungsfehler. Die Folgen:

  • Takten: Die Wärmepumpe schaltet sich häufig ein und aus, weil sie mehr Leistung liefert als nötig. Jeder Start belastet den Kompressor mechanisch und verringert die Lebensdauer.
  • Geringere Effizienz: Im Teillastbereich (unter 30 % der Nennleistung) sinkt die JAZ. Moderne Inverter-Wärmepumpen können die Leistung zwar modulieren, aber auch sie haben eine untere Modulationsgrenze.
  • Höhere Investitionskosten: Eine 14-kW-Wärmepumpe kostet 2.000 bis 4.000 EUR mehr als ein 10-kW-Modell.
  • Lautstärke: Größere Außeneinheiten erzeugen mehr Schall und können über Körperschall störende Vibrationen ins Haus übertragen – sie sind zudem schwerer zu platzieren.

Problem 2: Unterdimensionierung

Eine zu kleine Wärmepumpe kann an kalten Tagen die Heizlast nicht decken:

  • Heizstab-Betrieb: Der elektrische Heizstab springt ein. Er arbeitet mit einer JAZ von 1,0 – jede kWh Wärme kostet eine kWh Strom. Bei 0,30 EUR/kWh Strompreis ist das dreimal so teuer wie der Wärmepumpenbetrieb.
  • Komfortverlust: In extremen Fällen wird die gewünschte Raumtemperatur nicht erreicht.
  • Warmwasserprobleme: Wenn die Wärmepumpe an der Leistungsgrenze für die Heizung arbeitet, fehlt Kapazität für die Warmwasserbereitung.

Die richtige Leistung finden

Die folgende Tabelle gibt Richtwerte für die spezifische Heizlast nach Gebäudetyp. Sie ersetzt keine Berechnung, hilft aber bei der Plausibilitätsprüfung:

Gebäudetyp Spezifische Heizlast Heizlast bei 150 m² Empfohlene WP-Leistung
Neubau (KfW 55/40) 25–40 W/m² 3,8–6,0 kW 5–7 kW
Sanierter Altbau (nach GEG) 40–60 W/m² 6,0–9,0 kW 7–10 kW
Teilsanierter Altbau 60–90 W/m² 9,0–13,5 kW 10–14 kW
Unsanierter Altbau (vor 1978) 90–140 W/m² 13,5–21,0 kW 14–22 kW

Für Wärmepumpen gilt: Die Nennleistung wird typisch bei Normprüfbedingungen angegeben (z. B. A2/W35: 2 °C Außentemperatur, 35 °C Vorlauftemperatur). Bei -14 °C Außentemperatur sinkt die verfügbare Leistung einer Luft-Wasser-Wärmepumpe um 20 bis 30 %. Dies muss bei der Auslegung berücksichtigt werden – ein weiterer Grund, warum eine professionelle Berechnung unerlässlich ist.

Tipp: Eine Faustregel zur groben Kontrolle: Heizlast (kW) = Heizenergiebedarf (kWh/a) / 2.000. Ein Haus mit 20.000 kWh Gasverbrauch hat also grob 10 kW Heizlast. Diese Faustregel kann um +/- 30 % abweichen und ersetzt keine Berechnung, aber sie hilft, offensichtliche Fehlauslegungen zu erkennen.

Wann die Heizlastberechnung Pflicht ist

Was das GEG wirklich vorschreibt – und was nicht

Ein häufiges Missverständnis: Oft heißt es, GEG § 71 schreibe die Auslegung auf die Heizlast vor. Das stimmt so nicht. § 71 Abs. 1 regelt die 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien – eine Heizung darf nur eingebaut werden, "wenn sie mindestens 65 Prozent der mit der Anlage bereitgestellten Wärme mit erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme … erzeugt." Der Paragraf regelt also den EE-Anteil, nicht ausdrücklich die Dimensionierung auf die Heizlast.

Die Pflicht zur korrekten Dimensionierung ergibt sich stattdessen aus zwei anderen Quellen:

  1. Den anerkannten Regeln der Technik – also der DIN EN 12831 selbst. Eine Anlage, die nicht nach diesen Regeln ausgelegt ist, gilt als mangelhaft geplant.
  2. Den Fördervoraussetzungen von BAFA und KfW – und hier wird die Heizlastberechnung de facto verpflichtend.

Bei der BAFA-Heizungsförderung gilt: Die Gebäudeheizlast ist bevorzugt nach EN 12831 zu ermitteln, "alternativ sind auch überschlägige Heizlastermittlungen auf der Basis der EN 12831 zulässig." Online-Rechner in Anlehnung an EN 12831 sind erlaubt; der hydraulische Abgleich ist Fördervoraussetzung.

Fördervoraussetzungen im Überblick

Förderprogramm Heizlastberechnung erforderlich? Details
KfW 458 (Heizungstausch) ja, de facto Dimensionierung in der Bestätigung zum Antrag (BzA) durch Fachunternehmen / Energieeffizienz-Experte
BAFA BEG EM (Einzelmaßnahmen) ja, bei Heizungsoptimierung Gebäudeheizlast bevorzugt nach EN 12831; hydraulischer Abgleich nach Verfahren B
KfW 261/262 (Effizienzhaus) ja Teil des Nachweisverfahrens
§ 35c EStG (steuerliche Förderung) empfohlen Nicht explizit gefordert, aber vom Fachunternehmen zu bestätigen

Bei der KfW-458-Heizungsförderung muss vor Antragstellung eine Bestätigung zum Antrag (BzA) von einem Fachunternehmen oder Energieeffizienz-Experten erstellt werden. Darin werden die geplanten Anlagendaten dokumentiert und die technischen Mindestanforderungen bestätigt – ohne belastbare Heizlast lässt sich die korrekte Dimensionierung nicht nachweisen. Die Förderung richtet sich nach der neuen BEG-Förderrichtlinie, die ab 21. Juli 2026 gilt. Sie setzt sich zusammen aus 30 % Grundförderung (unverändert), dem auf 16 % gesenkten Klimageschwindigkeitsbonus (danach halbjährliche Degression bis 0 % ab 1. August 2028) sowie einem einkommensabhängigen Bonus von 40 % (zu versteuerndes Einkommen bis 30.000 €), 30 % (bis 40.000 €) oder 10 % (bis 50.000 €); ein neuer Familienzuschlag senkt das maßgebliche Einkommen einmalig um 10.000 €, wenn mindestens ein minderjähriges Kind im Haushalt lebt. Der Effizienzbonus (5 %) und der Emissionsminderungszuschlag für Biomasse (2.500 €) entfallen ersatzlos. Der Gesamtdeckel liegt jetzt einkommensabhängig bei 80 % (Einkommen bis 30.000 €) bzw. 70 % statt pauschal 70 %; die maximal förderfähigen Kosten für die Heizung sinken beim Einfamilienhaus von 30.000 € auf 28.000 €. Der maximale Zuschuss beträgt damit 22.400 € für Geringverdiener (80 % von 28.000 €) bzw. rund 12.880 € im Standardfall (30 % + 16 % = 46 %). Details im Ratgeber KfW 458 Heizungstausch.

Tipp: Beauftragen Sie die Heizlastberechnung, bevor Sie Angebote von Heizungsbauern einholen. So können Sie die Angebote auf Plausibilität prüfen: Weicht die angebotene Wärmepumpenleistung mehr als 20 % von der berechneten Heizlast ab, stimmt etwas nicht. Mehr zu den Kosten eines Heizungstauschs finden Sie unter Heizung tauschen Kosten.

Wer darf die Heizlastberechnung durchführen?

Qualifikationen

  • Energieeffizienz-Experten (gelistet in der dena-Expertenliste): Vollqualifiziert, können die Berechnung erstellen und gleichzeitig die Förderung begleiten
  • SHK-Fachplaner / TGA-Planer: Ingenieure für technische Gebäudeausrüstung, die auf Heizungsplanung spezialisiert sind
  • Heizungsbauer mit Meisterbrief: Können die Berechnung durchführen, allerdings besteht ein Interessenkonflikt, da sie gleichzeitig die Anlage verkaufen
  • Schornsteinfeger: Nicht qualifiziert für Heizlastberechnungen

Anbieter und Kosten

Anbieter Kosten (EFH, raumweise) Vorteil Nachteil
Energieberater (vor Ort) 400–600 EUR Persönliche Begutachtung, Fördermittelberatung inklusive Höherer Preis, Terminabhängig
TGA-/SHK-Planungsbüro 500–800 EUR Hohe Fachkompetenz Oft auf Neubau spezialisiert
Online-Anbieter (Fernberechnung) 200–400 EUR Günstiger, schneller Keine Ortsbegehung, U-Werte aus Tabellen
Heizungsbauer (im Rahmen der Anlagenmontage) 0–300 EUR Oft im Angebot enthalten Möglicher Interessenkonflikt

Tipp: Online-Berechnungen auf Basis von Bauplänen und Fotos sind günstiger, aber weniger genau. Die U-Werte werden aus Standardtabellen geschätzt statt vor Ort bestimmt. Für gut dokumentierte Gebäude mit bekannten Bauteilaufbauten ist das vertretbar. Für Gebäude mit unklarer Bausubstanz (z. B. ältere Häuser ohne Unterlagen) empfiehlt sich eine Berechnung mit Ortsbegehung.

Online-Tools vs. professionelle Berechnung

Verschiedene Online-Tools bieten Heizlastberechnungen an, von einfachen Überschlagsrechnern bis zu normgerechten Berechnungsprogrammen.

Überschlagsrechner

Einfache Rechner auf Webseiten von Heizungsherstellern oder Energieportalen fragen Gebäudealter, Fläche und Dämmstandard ab und liefern eine grobe Schätzung. Genauigkeit: +/- 30 bis 50 %. Geeignet für eine erste Orientierung, aber nicht für die Anlagendimensionierung.

Normgerechte Software

Programme wie Hottgenroth ETU, Solar-Computer, Danfoss DanBasic oder BKI Heizlast berechnen nach DIN EN 12831. Sie liefern genaue Ergebnisse, erfordern aber Fachwissen für die korrekte Dateneingabe (U-Werte, Geometrien, Wärmebrücken). Diese Software wird von Fachplanern und Energieberatern eingesetzt.

Kostenloses Tool: "Gebäudecheck Wärmepumpe" (UBA/IFEU)

Wer sich selbst ein erstes, fundiertes Bild verschaffen will, kann das kostenlose Online-Tool Gebäudecheck Wärmepumpe nutzen, das das Umweltbundesamt gemeinsam mit dem IFEU Heidelberg entwickelt hat. Es ermittelt raumweise sowohl die Heizlast, die ein Raum am kalten Tag benötigt, als auch die Heizleistung, die der vorhandene Heizkörper liefern kann. Abgefragt werden Baujahr, Dämmung, Dachtyp, Raumflächen und Fenster; die Bearbeitung dauert je nach Gebäude 15 bis 45 Minuten.

Das Ergebnis zeigt, ob das Haus wärmepumpenbereit ist, welche Räume hohe Vorlauftemperaturen brauchen und wo sich ein Heizkörpertausch lohnt – ein guter Einstieg, um die Vorlauftemperatur zu senken. Wichtig: Das Tool ersetzt keine professionelle Heizlastberechnung und keinen Nachweis für die Förderung, ist aber deutlich aussagekräftiger als ein reiner Quadratmeter-Überschlagsrechner.

Vergleich der Ansätze

Methode Genauigkeit Kosten Zeitaufwand Für Förderung geeignet
Online-Überschlagsrechner +/- 30–50 % 0 EUR 5 Minuten nein
Herstellertool (z. B. Viessmann) +/- 15–25 % 0 EUR 15–30 Minuten eingeschränkt
Professionelle Software (Fernberechnung) +/- 10–15 % 200–400 EUR 1–2 Tage ja
Professionelle Software (mit Ortsbegehung) +/- 5–10 % 400–800 EUR 2–5 Tage ja

Rechenbeispiel: Einfamilienhaus Baujahr 1975

Familie Weber besitzt ein freistehendes Einfamilienhaus, Baujahr 1975, in der Nähe von Stuttgart. Das Haus hat 140 m² Wohnfläche, ein teilweise gedämmtes Dach (nachgerüstet 2010), ungedämmte Außenwände (36 cm Kalksandsteinmauerwerk) und 2-fach verglaste Fenster aus den 1990er Jahren.

Eingabedaten

Parameter Wert
Norm-Außentemperatur Stuttgart -14 °C
Innentemperatur (Soll) 20 °C
Temperaturdifferenz 34 K
Wohnfläche 140 m²
Außenwandfläche 180 m²
U-Wert Außenwand 1,3 W/(m²K)
Dachfläche 90 m²
U-Wert Dach (nachgedämmt) 0,30 W/(m²K)
Fensterfläche 28 m²
U-Wert Fenster 2,7 W/(m²K)
Kellerdecke 70 m²
U-Wert Kellerdecke 0,9 W/(m²K)
Luftwechselrate 0,5 1/h
Raumvolumen 350 m³

Berechnung der Transmissionswärmeverluste

Bauteil Fläche (m²) U-Wert W/(m²K) Temperaturfaktor Verlust (W)
Außenwand 180 1,30 1,0 (gegen Außenluft) 7.956
Dach 90 0,30 1,0 918
Fenster 28 2,70 1,0 2.570
Kellerdecke 70 0,90 0,6 (gegen unbeheizten Keller) 1.285
Wärmebrückenzuschlag (0,05 W/(m²K)) 368 (Hüllfläche) 0,05 1,0 626
Summe Transmission 13.355 W

Berechnung der Lüftungswärmeverluste

Lüftungsverlust = 0,34 x Luftwechsel x Volumen x Temperaturdifferenz = 0,34 x 0,5 x 350 x 34 = 2.023 W

Gesamtheizlast

Komponente Leistung
Transmissionswärmeverluste 13.355 W
Lüftungswärmeverluste 2.023 W
Aufheizzuschlag (10 %) 1.538 W
Gesamtheizlast 16.916 W = ca. 17 kW
Spezifische Heizlast 121 W/m²

Interpretation

Mit 17 kW Heizlast bräuchte Familie Weber eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit einer Nennleistung von mindestens 14 bis 16 kW (bei A2/W35), um bei -14 °C ausreichend Leistung zu liefern. Dies ist eine große – und teure – Anlage.

Wenn Familie Weber die Außenwände dämmt (neuer U-Wert: 0,22 W/(m²K)), sinkt allein der Transmissionsverlust der Wand von 7.956 W auf 1.346 W – eine Reduktion um 6.610 W. Die Gesamtheizlast sinkt auf ca. 10,5 kW, und eine deutlich kleinere (und günstigere) Wärmepumpe reicht aus.

Szenario Heizlast Empfohlene WP-Leistung Geschätzte WP-Kosten (inkl. Einbau)
Unsaniert 17 kW 14–16 kW 28.000–35.000 EUR
Nach Wanddämmung 10,5 kW 9–11 kW 22.000–28.000 EUR
Nach Wand + Fenster 8 kW 7–9 kW 18.000–24.000 EUR

Die Kostendifferenz der Wärmepumpe beträgt bis zu 11.000 EUR – ein Betrag, der einen erheblichen Teil der Dämmkosten finanziert. Dieses Zusammenspiel zeigt, warum eine Heizlastberechnung vor der Sanierungsplanung stehen sollte: Sie offenbart, welche Maßnahmen den größten Einfluss auf die Anlagengröße haben.

Tipp: Lassen Sie die Heizlastberechnung in zwei Varianten erstellen: einmal für den Ist-Zustand und einmal für den geplanten Zustand nach Sanierung. So sehen Sie, wie stark die Dämmmaßnahmen die Heizlast senken – und wie viel kleiner (und günstiger) die Wärmepumpe ausfallen kann. Ein individueller Sanierungsfahrplan integriert diese Variantenbetrachtung.

Typische Fehler bei der Heizlastberechnung

Fehler 1: Pauschale Schätzung statt Berechnung

Manche Heizungsbauer schätzen die Heizlast anhand von Faustformeln ("1 kW pro 10 m²"). Das ergibt für ein 150-m²-Haus pauschal 15 kW – unabhängig von Dämmstandard, Fensterfläche oder Standort. Die tatsächliche Heizlast kann zwischen 6 und 22 kW liegen. Eine Fehlauslegung von 50 % oder mehr ist mit solchen Schätzungen nicht ungewöhnlich.

Fehler 2: Falsche U-Werte

Wenn keine Bauunterlagen vorliegen, werden U-Werte aus Tabellen geschätzt. Dabei können erhebliche Fehler auftreten, z. B. wenn eine nachträgliche Innendämmung oder ein Hohlmauerwerk nicht erkannt wird. Eine thermografische Aufnahme (200 bis 400 EUR) kann Unsicherheiten bei der Bausubstanz reduzieren.

Fehler 3: Warmwasser vergessen

Die Heizlast nach DIN EN 12831-1 bezieht sich ausschließlich auf die Raumheizung. Der Warmwasser- bzw. Trinkwassererwärmungsbedarf ist ein eigener Posten und wird in DIN EN 12831-3 behandelt (für die Wohnungswasserplanung zusätzlich DIN 4708). Dieser Bedarf kommt zur Raumheizlast hinzu und muss bei der Wärmepumpenauslegung mitgedacht werden – sonst fehlt der Anlage an kalten Tagen Kapazität, wenn gleichzeitig geheizt und der Speicher geladen wird.

Wie groß der Zuschlag ausfällt, hängt von Personenzahl, Komfortansprüchen und vor allem der Speichergröße ab. Ein gut dimensionierter Warmwasserspeicher entkoppelt die Spitzenleistung der Zapfung von der Wärmepumpe, sodass nicht die volle Spitzenlast in kW vorgehalten werden muss. Für einen Vier-Personen-Haushalt rechnet man in der Praxis mit einem moderaten Aufschlag auf die Raumheizlast – die genaue Höhe ergibt sich aus der Bedarfsbestimmung nach Teil 3 und der gewählten Speicherstrategie.

Fehler 4: Keine Berücksichtigung des Klimawandels

Die Norm-Außentemperaturen basieren auf historischen Wetterdaten. In den letzten 30 Jahren sind die Winter in Deutschland im Schnitt 1 bis 2 °C wärmer geworden. Einige Planer passen die Norm-Außentemperatur nach oben an (z. B. von -14 °C auf -12 °C), um eine wirtschaftlichere Anlagengröße zu erzielen. Das ist eine Abwägung: Die Wärmepumpe wird kleiner und günstiger, aber an den (seltenen) sehr kalten Tagen muss ggf. der Heizstab zuheizen.

Häufige Fragen (FAQ)

Was kostet eine Heizlastberechnung für ein Einfamilienhaus 2026?

Eine vereinfachte (gebäudebezogene) Heizlastberechnung nach Verfahren A kostet für ein Einfamilienhaus rund 300–450 €. Eine raumweise Berechnung nach DIN EN 12831 (Verfahren B) kommt mit etwa 400–600 € hinzu; ein Komplettpaket aus raumweiser Heizlast plus hydraulischem Abgleich liegt bei rund 750–1.200 €. Reine Online-/Fernberechnungen gibt es ab 99–400 €, bieten aber eine geringere Genauigkeit, da keine Ortsbegehung stattfindet.

Was ist der Unterschied zwischen Verfahren A und Verfahren B?

Der Begriff hat zwei Bedeutungen. Beim hydraulischen Abgleich ermittelt Verfahren A die Heizlast über Pauschalwerte (Baujahr) oder die Leistung vorhandener Heizkörper, während Verfahren B eine individuelle, raumweise Heizlastberechnung je Raum verlangt – inklusive Wandflächen, Dämmung, Fenstergröße, Ausrichtung und Raumnutzung. Sinngemäß entspricht das in der DIN EN 12831 dem vereinfachten gegenüber dem ausführlichen Verfahren. Für BEG/BAFA- und KfW-Förderung muss Verfahren B (oder ein gleichwertiges Verfahren) angewendet werden.

Ist eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 für Wärmepumpe und Förderung (KfW 458, BAFA) Pflicht?

GEG § 71 regelt die 65-Prozent-EE-Pflicht, nicht ausdrücklich die Heizlast-Dimensionierung. Die Pflicht zur passgenauen Auslegung folgt aus den anerkannten Regeln der Technik (DIN EN 12831) und den Fördervoraussetzungen: BAFA verlangt die Gebäudeheizlast "bevorzugt nach EN 12831", für KfW 458 ist sie über die Bestätigung zum Antrag (BzA) de facto Pflicht. Auch der für die Förderung verlangte hydraulische Abgleich nach Verfahren B setzt eine raumweise Berechnung voraus.

Online-Heizlastberechnung oder Vor-Ort-Berechnung – was ist genauer?

Eine Vor-Ort-Berechnung mit Ortsbegehung erreicht eine Genauigkeit von etwa +/- 5–10 %, weil U-Werte am realen Bauteil bestimmt werden. Online-/Fernberechnungen schätzen U-Werte aus Tabellen und liegen bei +/- 10–15 %. Für gut dokumentierte Gebäude mit bekanntem Bauteilaufbau ist die Online-Variante vertretbar; bei Altbauten ohne Unterlagen empfiehlt sich die Vor-Ort-Berechnung. Als kostenlosen Selbsttest bietet sich der UBA/IFEU-"Gebäudecheck Wärmepumpe" an – er ersetzt aber keinen Förder-Nachweis.

Wie unterscheiden sich Heizlast (kW) und Heizenergiebedarf (kWh/a)?

Die Heizlast (kW) ist die maximale Leistung am kältesten Tag und bestimmt die Größe der Wärmepumpe. Der Heizenergiebedarf (kWh/a) ist die über das Jahr verbrauchte Energiemenge und bestimmt die Betriebskosten. Deshalb darf man die Wärmepumpe nicht einfach nach dem bisherigen Gasverbrauch auslegen: Der Gasverbrauch spiegelt den Energiebedarf, nicht die Spitzenlast. Mehr zu den Stromkosten einer Wärmepumpe im separaten Ratgeber.

Welche Norm-Außentemperatur gilt für meinen Ort und warum sind die Werte heute höher?

Die Norm-Außentemperatur ist die statistische Auslegungstemperatur Ihres Standorts. Seit der nationalen Ergänzung DIN/TS 12831-1 vom April 2020 gibt es einen postleitzahlenscharfen Wert je PLZ (8.199 Referenzorte statt zuvor 524), angegeben auf eine Nachkommastelle. In den meisten Fällen liegen die Werte höher als zuvor, weil Innenstädte wärmer sind als das Umland. Den exakten Wert liefert die kostenlose BWP-Klimakarte.

Kann ich die Heizlast mit einem kostenlosen Online-Tool selbst berechnen?

Für eine fundierte Erstorientierung ja: Der "Gebäudecheck Wärmepumpe" von Umweltbundesamt und IFEU Heidelberg ermittelt raumweise die Heizlast und die Leistung der vorhandenen Heizkörper. Eingaben sind Baujahr, Dämmung, Dachtyp, Raumflächen und Fenster; die Bearbeitung dauert 15–45 Minuten. Das Tool eignet sich als Plausibilitätsprüfung und zeigt, wo ein Heizkörpertausch lohnt – es ersetzt aber keine professionelle Heizlastberechnung und keinen Förder-Nachweis.

Wer darf eine Heizlastberechnung durchführen und bestätigen?

Qualifizierte Anbieter sind in der dena-Expertenliste geführte Energieeffizienz-Experten, SHK-Fachplaner, TGA-Planungsbüros sowie Heizungsbauer mit Meisterbrief. Für KfW-Förderanträge muss ein Energieeffizienz-Experte (oder das ausführende Fachunternehmen) die Dimensionierung über die Bestätigung zum Antrag (BzA) belegen. Es empfiehlt sich, die Berechnung von einem unabhängigen Planer erstellen zu lassen und nicht von dem Heizungsbauer, der gleichzeitig die Anlage verkauft.

Wie groß muss die Wärmepumpe bei welcher Heizlast sein und welche Reserve braucht es bei -14 °C?

Als Orientierung sollte die Nennleistung der Luft-Wasser-Wärmepumpe (bei A2/W35) ungefähr der berechneten Heizlast entsprechen. Wichtig ist die Auslegungsreserve: Bei -14 °C Außentemperatur sinkt die verfügbare Leistung um 20 bis 30 % gegenüber den Prüfbedingungen. Die Anlage sollte laut Umweltbundesamt so geplant werden, dass sie im regulären Betrieb ohne Heizstab auskommt. Eine kW-Tabelle nach Gebäudetyp finden Sie unter Wärmepumpe dimensionieren.

Fazit und nächste Schritte

Die Heizlastberechnung ist kein bürokratischer Aufwand, sondern die Grundlage für eine wirtschaftlich und technisch korrekte Heizungsanlage. Für 300 bis 600 EUR erhalten Sie die Sicherheit, dass Ihre Wärmepumpe weder zu groß noch zu klein ist – und sparen über die Lebensdauer der Anlage ein Vielfaches dieser Investition.

Lassen Sie die Berechnung idealerweise von einem unabhängigen Energieberater erstellen, der gleichzeitig die Sanierungsstrategie und Fördermöglichkeiten im Blick hat.

Sie möchten wissen, welche Heizlast Ihr Gebäude hat und wie sich Sanierungsmaßnahmen darauf auswirken? Mit reduco erhalten Sie eine digitale Ersteinschätzung Ihres Gebäudes – inklusive überschlägiger Heizlast, passender Wärmepumpenleistung und individueller Sanierungsempfehlungen.

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