Bivalenzpunkt der Wärmepumpe: Erklärung, Berechnung & Optimierung
Der Bivalenzpunkt liegt bei Luft-WP typisch bei -5 bis -7 °C. Bei korrekter Einstellung deckt die WP 85-95 % des Jahresheizbedarfs allein. Berechnung und Optimierung.

Der Bivalenzpunkt ist einer der wichtigsten, aber am wenigsten verstandenen Parameter bei der Planung einer Wärmepumpe. Er bestimmt, ab welcher Außentemperatur die Wärmepumpe die gesamte Heizlast allein nicht mehr decken kann und ein zweiter Wärmeerzeuger -- Heizstab oder Gaskessel -- einspringen muss. Ein korrekt gewählter Bivalenzpunkt stellt sicher, dass die Wärmepumpe 85-95 % des Jahresheizbedarfs effizient deckt und der zweite Wärmeerzeuger nur an wenigen Tagen im Jahr eingreift.
Dieser Artikel erklärt das Konzept des Bivalenzpunkts, zeigt, wie er berechnet wird, und gibt konkrete Empfehlungen für die Optimierung -- sowohl für monoenergetische Systeme (Wärmepumpe + Heizstab) als auch für bivalente Systeme (Wärmepumpe + Gaskessel).
Was ist der Bivalenzpunkt?
Definition
Der Bivalenzpunkt (auch: Bivalenztemperatur) ist die Außentemperatur, bei der die Heizleistung der Wärmepumpe exakt der Heizlast des Gebäudes entspricht. Oberhalb dieser Temperatur kann die Wärmepumpe die gesamte Heizlast allein decken. Unterhalb benötigt sie Unterstützung.
Grafisch dargestellt ergibt sich der Bivalenzpunkt als Schnittpunkt zweier Linien:
Gebäude-Heizkennlinie: Zeigt, wie viel Heizleistung (kW) das Gebäude bei einer bestimmten Außentemperatur benötigt. Je kälter es ist, desto höher die benötigte Leistung. Bei der Norm-Außentemperatur erreicht die Heizkennlinie die Norm-Heizlast.
WP-Leistungskurve: Zeigt, wie viel Heizleistung die Wärmepumpe bei einer bestimmten Außentemperatur liefern kann. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen fällt diese Kurve mit sinkender Außentemperatur ab, weil weniger Wärme aus der Luft gewonnen werden kann.
Warum sinkt die WP-Leistung bei Kälte?
Bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe sinkt die verfügbare Heizleistung mit der Außentemperatur aus zwei Gründen:
- Weniger Wärmeenergie in der Luft: Bei -10 °C enthält die Luft weniger Wärmeenergie als bei +7 °C. Der Verdampfer nimmt weniger Energie auf.
- Höheres Druckverhältnis: Der Verdichter muss einen größeren Temperaturhub überbrücken (von z. B. -15 °C auf +50 °C), was mehr Strom erfordert und die thermische Leistung relativ senkt.
Typische Leistungswerte einer 10-kW-Luft-WP (Nennleistung bei A7/W35):
| Außentemperatur | Verfügbare Heizleistung | Prozent der Nennleistung |
|---|---|---|
| +7 °C | 10,0 kW | 100 % |
| +2 °C | 8,5 kW | 85 % |
| -2 °C | 7,5 kW | 75 % |
| -7 °C | 6,5 kW | 65 % |
| -10 °C | 5,8 kW | 58 % |
| -15 °C | 4,5 kW | 45 % |
| -20 °C | 3,5 kW | 35 % |
Tipp: Bei einer Sole-Wasser-Wärmepumpe bleibt die Heizleistung nahezu konstant, weil die Quellentemperatur im Erdreich ganzjährig bei 8-12 °C liegt. Der Bivalenzpunkt liegt daher bei Sole-Wärmepumpen in der Regel deutlich tiefer als bei Luft-Wärmepumpen -- häufig bei -15 bis -20 °C oder darunter. Viele Sole-Wärmepumpen benötigen keinen zweiten Wärmeerzeuger.
Monoenergetisch vs. Bivalent: Die zwei Betriebsarten
Monoenergetisch: Wärmepumpe + Heizstab
Bei der monoenergetischen Betriebsart ist der Heizstab (ein elektrischer Durchlauferhitzer, typisch 3-9 kW) der zweite Wärmeerzeuger. Er ist in die Wärmepumpe integriert und springt automatisch ein, wenn die WP-Leistung nicht ausreicht.
| Eigenschaft | Monoenergetisch (WP + Heizstab) |
|---|---|
| Bivalenzpunkt (typisch) | -5 bis -8 °C |
| WP-Deckungsanteil am Jahreswärmebedarf | 90-98 % |
| Heizstab-Anteil am Jahreswärmebedarf | 2-10 % |
| Investitionskosten Heizstab | Im WP-Preis enthalten |
| Betriebskosten Heizstab | COP 1,0 (rein elektrisch), teuer |
| Vorteile | Nur ein System, kein Gasanschluss nötig, wartungsarm |
| Nachteile | Hohe Stromkosten an den wenigen sehr kalten Tagen |
Bivalent: Wärmepumpe + Gas-Brennwertkessel
Bei der bivalenten Betriebsart übernimmt ein Gas-Brennwertkessel unterhalb des Bivalenzpunkts die Heizung -- entweder allein (bivalent-alternativ) oder gemeinsam mit der Wärmepumpe (bivalent-parallel).
| Eigenschaft | Bivalent (WP + Gas) |
|---|---|
| Bivalenzpunkt (typisch) | 0 bis -5 °C |
| WP-Deckungsanteil am Jahreswärmebedarf | 85-95 % |
| Gas-Anteil am Jahreswärmebedarf | 5-15 % |
| Investitionskosten Gaskessel | 3.000-6.000 EUR (zusätzlich) |
| Betriebskosten Gas | 10-12 ct/kWh + CO2-Abgabe |
| Vorteile | Niedrigere Spitzenstromkosten, Gaskessel kann WW bereiten |
| Nachteile | Zwei Systeme, Gasanschluss nötig, höhere Wartungskosten |
Bivalent-alternativ vs. bivalent-parallel
Es gibt zwei Untervarianten des bivalenten Betriebs:
Bivalent-alternativ: Unterhalb des Bivalenzpunkts schaltet die Wärmepumpe ab und der Gaskessel übernimmt allein. Vorteil: Einfache Regelung. Nachteil: Die Wärmepumpe steht still, obwohl sie auch bei -10 °C noch einen COP von 2,0-2,7 erreichen könnte.
Bivalent-parallel: Unterhalb des Bivalenzpunkts läuft die Wärmepumpe weiter und der Gaskessel deckt nur die Differenz. Vorteil: Die Wärmepumpe liefert weiterhin effizient Wärme. Nachteil: Komplexere Regelung, beide Systeme müssen hydraulisch aufeinander abgestimmt sein.
Tipp: Bivalent-parallel ist die effizientere Variante und sollte bei Hybridheizungen immer bevorzugt werden. Der Gaskessel deckt typischerweise nur 5-15 % des Jahresheizbedarfs, während die Wärmepumpe auch unterhalb des Bivalenzpunkts weiterläuft und den Großteil der Wärme liefert.
Den Bivalenzpunkt bestimmen: Schritt für Schritt
Was Sie benötigen
- Norm-Heizlast des Gebäudes (aus der Heizlastberechnung nach DIN EN 12831)
- Norm-Außentemperatur des Standorts (aus der DIN EN 12831, Anhang NA)
- Leistungsdaten der Wärmepumpe (aus dem Datenblatt: Heizleistung bei verschiedenen Außentemperaturen und Vorlauftemperaturen)
Schritt 1: Gebäude-Heizkennlinie erstellen
Die Heizkennlinie ist eine Gerade, die von der Norm-Heizlast bei der Norm-Außentemperatur bis zur Heizlast 0 kW bei der Heizgrenztemperatur (typisch 15-18 °C) verläuft.
Formel: Q_Heiz(T_außen) = Q_Norm x (T_innen - T_außen) / (T_innen - T_Norm-außen)
Beispiel für ein Gebäude mit 11 kW Norm-Heizlast bei -14 °C Norm-Außentemperatur und 20 °C Innentemperatur:
| Außentemperatur | Heizlast |
|---|---|
| +15 °C | 1,6 kW (Heizgrenze nahe) |
| +10 °C | 3,2 kW |
| +5 °C | 4,9 kW |
| 0 °C | 6,5 kW |
| -5 °C | 8,1 kW |
| -7 °C | 8,7 kW |
| -10 °C | 9,7 kW |
| -14 °C (Norm) | 11,0 kW |
Schritt 2: WP-Leistungskurve eintragen
Aus dem Datenblatt der Wärmepumpe lesen Sie die verfügbare Heizleistung bei den relevanten Außentemperaturen und Ihrer geplanten Vorlauftemperatur ab.
Beispiel: Luft-WP 12 kW Nennleistung (A7/W35), Vorlauftemperatur 45 °C:
| Außentemperatur | Verfügbare Heizleistung (bei W45) |
|---|---|
| +15 °C | 13,5 kW |
| +10 °C | 12,0 kW |
| +7 °C | 11,0 kW |
| +5 °C | 10,0 kW |
| 0 °C | 8,5 kW |
| -5 °C | 7,2 kW |
| -7 °C | 6,5 kW |
| -10 °C | 5,5 kW |
| -14 °C | 4,5 kW |
Schritt 3: Bivalenzpunkt ablesen
Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, bei der Heizkennlinie und WP-Leistungskurve sich schneiden:
| Außentemperatur | Heizlast | WP-Leistung (W45) | Differenz |
|---|---|---|---|
| +5 °C | 4,9 kW | 10,0 kW | +5,1 kW (WP reicht) |
| 0 °C | 6,5 kW | 8,5 kW | +2,0 kW (WP reicht) |
| -5 °C | 8,1 kW | 7,2 kW | -0,9 kW (WP reicht nicht) |
| -7 °C | 8,7 kW | 6,5 kW | -2,2 kW (WP reicht nicht) |
Der Bivalenzpunkt liegt in diesem Beispiel bei ca. -2 bis -3 °C. Unterhalb dieser Temperatur muss der Heizstab oder Gaskessel die Differenz ausgleichen.
Schritt 4: Leistungsdefizit berechnen
Bei der Norm-Außentemperatur (-14 °C) beträgt das Leistungsdefizit:
11,0 kW (Heizlast) - 4,5 kW (WP-Leistung) = 6,5 kW
Dieser Wert bestimmt die erforderliche Leistung des Heizstabs oder Gaskessels. Ein 6-kW-Heizstab würde knapp ausreichen, ein 9-kW-Heizstab bietet Reserve.
Tipp: Wenn der Bivalenzpunkt in diesem Beispiel zu hoch liegt (bei -2 °C), können Sie die Vorlauftemperatur senken. Bei Vorlauftemperatur 35 °C statt 45 °C steigt die WP-Leistung um 15-25 %, und der Bivalenzpunkt verschiebt sich auf ca. -5 bis -7 °C. Das Senken der Vorlauftemperatur ist also doppelt wirksam: Es verbessert die Effizienz (COP/JAZ) und verschiebt den Bivalenzpunkt nach unten.
Bivalenzpunkt und jährlicher WP-Deckungsanteil
Der Bivalenzpunkt allein sagt wenig über die jährlichen Betriebskosten aus. Entscheidend ist, welchen Anteil der Jahresheizenergie die Wärmepumpe allein deckt und welchen Anteil der Heizstab oder Gaskessel übernimmt.
Die folgende Tabelle zeigt den typischen WP-Deckungsanteil für verschiedene Bivalenzpunkte in der Klimazone 10 (z. B. Kassel, Norm-Außentemperatur -14 °C):
| Bivalenzpunkt | Stunden unter Bivalenzpunkt pro Jahr | WP-Deckungsanteil (Energie) | Heizstab-/Gas-Anteil (Energie) |
|---|---|---|---|
| +3 °C | ca. 2.200 h | 70-75 % | 25-30 % |
| 0 °C | ca. 1.200 h | 80-85 % | 15-20 % |
| -3 °C | ca. 600 h | 88-92 % | 8-12 % |
| -5 °C | ca. 350 h | 92-95 % | 5-8 % |
| -7 °C | ca. 200 h | 95-97 % | 3-5 % |
| -10 °C | ca. 80 h | 97-99 % | 1-3 % |
| -15 °C | ca. 15 h | > 99 % | < 1 % |
Beachten Sie: Der WP-Deckungsanteil bezieht sich auf die Jahresheizenergie (kWh), nicht auf die Stunden. Obwohl bei einem Bivalenzpunkt von -5 °C ca. 350 Stunden pro Jahr unter diesem Wert liegen, deckt die Wärmepumpe trotzdem 92-95 % der Jahresenergie. Das liegt daran, dass die Wärmepumpe auch unterhalb des Bivalenzpunkts weiterläuft (monoenergetisch oder bivalent-parallel) und den Großteil der Leistung liefert. Der Heizstab oder Gaskessel deckt nur die Differenz.
Tipp: Für monoenergetische Systeme (WP + Heizstab) empfiehlt der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) einen Bivalenzpunkt von -5 bis -8 °C. Bei einem Bivalenzpunkt von -7 °C deckt der Heizstab nur 3-5 % der Jahresheizenergie -- ein akzeptabler Kompromiss zwischen WP-Größe und Betriebskosten.
Wirtschaftliche Optimierung des Bivalenzpunkts
Der optimale Bivalenzpunkt ist nicht der tiefstmögliche, sondern der wirtschaftlich günstigste. Eine Verschiebung des Bivalenzpunkts nach unten erfordert entweder eine größere (teurere) Wärmepumpe oder eine Senkung der Heizlast durch Gebäudesanierung.
Rechenbeispiel: Bivalenzpunkt -3 °C vs. -7 °C
Gebäude: 150 m² teilsanierter Altbau, 11 kW Heizlast, Klimazone 10.
Variante A: Bivalenzpunkt -3 °C (10-kW-WP)
| Position | Wert |
|---|---|
| WP-Leistung bei -3 °C | 8,0 kW (= Heizlast bei -3 °C) |
| WP-Deckungsanteil | 90 % |
| WP-Stromverbrauch | 5.400 kWh x 22 ct = 1.188 EUR |
| Heizstab-Verbrauch (10 % der Wärme, COP 1,0) | 2.000 kWh x 22 ct = 440 EUR |
| Gesamt Stromkosten | 1.628 EUR/Jahr |
| WP-Investition (10 kW, installiert) | 30.000 EUR |
Variante B: Bivalenzpunkt -7 °C (14-kW-WP)
| Position | Wert |
|---|---|
| WP-Leistung bei -7 °C | 8,7 kW (= Heizlast bei -7 °C) |
| WP-Deckungsanteil | 96 % |
| WP-Stromverbrauch | 5.760 kWh x 22 ct = 1.267 EUR |
| Heizstab-Verbrauch (4 % der Wärme, COP 1,0) | 800 kWh x 22 ct = 176 EUR |
| Gesamt Stromkosten | 1.443 EUR/Jahr |
| WP-Investition (14 kW, installiert) | 34.000 EUR |
Vergleich:
| Kriterium | Variante A (BP -3 °C) | Variante B (BP -7 °C) | Differenz |
|---|---|---|---|
| Jährliche Stromkosten | 1.628 EUR | 1.443 EUR | -185 EUR/Jahr |
| Investitionskosten | 30.000 EUR | 34.000 EUR | +4.000 EUR |
| Amortisation der Mehrinvestition | -- | -- | 4.000 / 185 = 22 Jahre |
Die Mehrinvestition von 4.000 EUR für die größere Wärmepumpe amortisiert sich in 22 Jahren -- knapp innerhalb der Lebensdauer. Die Variante A mit dem höheren Bivalenzpunkt ist in diesem Fall wirtschaftlich gleichwertig oder sogar leicht vorteilhaft, weil der Heizstab nur an wenigen Tagen läuft.
Tipp: In vielen Fällen ist es wirtschaftlicher, eine etwas kleinere Wärmepumpe mit höherem Bivalenzpunkt zu wählen und stattdessen in die Gebäudehülle zu investieren. Eine Fassadendämmung senkt die Heizlast dauerhaft und verschiebt den Bivalenzpunkt nach unten -- ohne größere Wärmepumpe. Der doppelte Effekt (niedrigere Heizlast + niedrigere Vorlauftemperatur = höhere JAZ) spart langfristig mehr als eine größere WP.
Bivalenzpunkt bei Hybridheizungen
Bei einer Hybridheizung (Wärmepumpe + Gas) hat der Bivalenzpunkt eine zusätzliche Dimension: Neben der thermischen Leistungsgrenze gibt es einen wirtschaftlichen Bivalenzpunkt -- die Außentemperatur, ab der Heizen mit Gas günstiger wird als mit Strom.
Thermischer vs. wirtschaftlicher Bivalenzpunkt
| Bivalenzpunkt-Typ | Definition | Typischer Wert |
|---|---|---|
| Thermisch | WP-Leistung = Gebäude-Heizlast | -5 bis -8 °C (Luft-WP) |
| Wirtschaftlich | WP-Stromkosten pro kWh Wärme = Gaskosten pro kWh Wärme | 0 bis -5 °C (abhängig von Preisen) |
Wann ist Gas günstiger als Wärmepumpe?
Gas ist günstiger als Strom für die Wärmeerzeugung, wenn:
Gaspreis < Strompreis / COP_momentan
Bei einem Gaspreis von 11 ct/kWh (inkl. CO2-Abgabe 2026: ca. 1,2 ct/kWh bei 55-65 EUR/t) und einem WP-Strompreis von 22 ct/kWh (WP-Tarif):
COP_Breakeven = 22 / 11 = 2,0
Solange der momentane COP der Wärmepumpe über 2,0 liegt, ist die Wärmepumpe günstiger als Gas. Bei einer modernen Luft-WP mit R290 liegt der COP bei -10 °C und Vorlauftemperatur 45 °C noch bei ca. 2,0-2,5 (siehe COP-Tabelle). Das bedeutet: Selbst bei -10 °C ist die Wärmepumpe wirtschaftlich gleichwertig oder besser als die Gasheizung.
Der wirtschaftliche Bivalenzpunkt liegt daher erst bei -10 bis -15 °C -- deutlich unter dem thermischen Bivalenzpunkt. In der Praxis bedeutet das: Bei einer Hybridheizung sollte die Wärmepumpe so lange wie möglich laufen, weil sie fast immer günstiger heizt als der Gaskessel.
Empfohlener Bivalenzpunkt für Hybridheizungen
| Szenario | Empfohlener Bivalenzpunkt | Gas-Anteil am Jahresbedarf |
|---|---|---|
| Wärmepumpe ausreichend dimensioniert | -5 bis -7 °C (thermisch) | 5-8 % |
| Wärmepumpe bewusst kleiner gewählt | 0 bis -3 °C | 10-15 % |
| Wirtschaftlich optimiert (Gas nur bei COP < 2,0) | -10 bis -15 °C | 1-3 % |
Tipp: Bei einer Hybridheizung lohnt es sich, den Bivalenzpunkt wirtschaftlich statt thermisch zu setzen. Die Wärmepumpe soll auch unterhalb des thermischen Bivalenzpunkts weiterlaufen (bivalent-parallel). Der Gaskessel soll nur die Leistung übernehmen, die die Wärmepumpe nicht mehr liefern kann. So nutzen Sie die günstigere Wärmeerzeugung der WP maximal aus.
Mit dem Inkrafttreten des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) voraussichtlich ab 01.07.2026 entfällt die 65-%-Erneuerbare-Pflicht. Stattdessen greift ab 2029 die Bio-Treppe: Der Gaskessel in einer Hybridheizung muss dann einen steigenden Anteil biogener Brennstoffe einsetzen (ab 2029: 10 %, steigend).
Bivalenzpunkt und CO2-Kosten
Die CO2-Abgabe nach dem BEHG beeinflusst die Wirtschaftlichkeit des Bivalenzpunkts bei Hybridheizungen. Seit 2025 gilt ein CO2-Preis von 55 EUR/t, im Jahr 2026 bewegt sich der Preis im Korridor von 55-65 EUR/t. Ab 2028 greift zusätzlich der EU-ETS2 für Gebäude und Verkehr, der den CO2-Preis voraussichtlich auf 100-160 EUR/t bis 2030 treiben wird.
| Jahr | CO2-Preis (EUR/t) | Zuschlag auf Gaspreis (ct/kWh) | Gas-Gesamtpreis (ct/kWh) |
|---|---|---|---|
| 2025 | 55 EUR/t | ca. 1,1 ct/kWh | 11-13 ct/kWh |
| 2026 | 55-65 EUR/t (Korridor) | ca. 1,1-1,3 ct/kWh | 11-13 ct/kWh |
| 2028 (EU-ETS2 Start) | 80-120 EUR/t (geschätzt) | ca. 1,6-2,4 ct/kWh | 12-14 ct/kWh |
| 2030 | 100-160 EUR/t (geschätzt) | ca. 2,0-3,2 ct/kWh | 12-15 ct/kWh |
Mit steigenden CO2-Preisen verschiebt sich der wirtschaftliche Bivalenzpunkt weiter nach unten: Die Wärmepumpe wird relativ zum Gaskessel immer günstiger. Für die Zukunft der Gasheizung bedeutet das: Der Gasanteil in Hybridheizungen wird wirtschaftlich immer unattraktiver.
Einfluss des Bivalenzpunkts auf die JAZ
Der Bivalenzpunkt beeinflusst die Jahresarbeitszahl (JAZ), weil der Heizstab (COP 1,0) die Gesamt-JAZ senkt. Je höher der Bivalenzpunkt (und damit der Heizstabanteil), desto niedriger die JAZ.
| Bivalenzpunkt | Heizstab-Anteil (Energie) | JAZ (Luft-WP, VL 45 °C) | Stromkosten (20.000 kWh Wärme, 22 ct/kWh) |
|---|---|---|---|
| -3 °C | 10 % | 2,7 | 1.630 EUR |
| -5 °C | 6 % | 2,9 | 1.517 EUR |
| -7 °C | 4 % | 3,0 | 1.467 EUR |
| -10 °C | 2 % | 3,1 | 1.419 EUR |
Für die KfW-458-Förderung ist eine rechnerische JAZ von mindestens 2,5 erforderlich. Ein Bivalenzpunkt von -3 °C bei einer 10-kW-WP in einem unsanierten Altbau mit hoher Vorlauftemperatur kann dazu führen, dass die JAZ-Anforderung nicht erfüllt wird -- und damit die gesamte Förderung (bis zu 21.000 EUR) entfällt. Achten Sie daher bei der Dimensionierung auf einen Bivalenzpunkt, der eine JAZ >= 2,5 sicherstellt.
Häufige Fragen
Was ist ein guter Bivalenzpunkt?
Für monoenergetische Luft-Wasser-Wärmepumpen (WP + Heizstab) empfiehlt der BWP einen Bivalenzpunkt von -5 bis -8 °C. Das ergibt einen Heizstabanteil von 3-6 % der Jahresheizenergie -- ein guter Kompromiss zwischen WP-Größe und Betriebskosten. Für Hybridheizungen (WP + Gas) kann der Bivalenzpunkt höher liegen (0 bis -5 °C), weil der Gaskessel effizienter ist als der Heizstab.
Kann ich den Bivalenzpunkt nach der Installation ändern?
Nicht direkt. Der Bivalenzpunkt ergibt sich aus der Heizlast des Gebäudes und der Leistung der Wärmepumpe -- beide ändern sich nach der Installation nicht (es sei denn, Sie sanieren das Gebäude). Was Sie ändern können, ist die Vorlauftemperatur: Eine niedrigere Vorlauftemperatur erhöht die verfügbare WP-Leistung und verschiebt den Bivalenzpunkt nach unten.
Ist ein niedrigerer Bivalenzpunkt immer besser?
Nicht unbedingt. Ein niedrigerer Bivalenzpunkt erfordert eine größere Wärmepumpe, die in der Übergangszeit möglicherweise taktet (zu wenig Last für die Mindestleistung). Die Mehrkosten der größeren WP müssen gegen die Stromeinsparung durch weniger Heizstab-Betrieb abgewogen werden. In vielen Fällen ist ein Bivalenzpunkt von -5 bis -7 °C wirtschaftlich optimal.
Wie erkenne ich, ob der Bivalenzpunkt meiner Anlage richtig ist?
Beobachten Sie den Heizstabanteil Ihrer Wärmepumpe (angezeigt in der App oder am Display). Liegt der Anteil unter 5 % der Jahresheizenergie, ist der Bivalenzpunkt gut gewählt. Bei über 10 % sollten Sie die Dimensionierung und die Hydraulik prüfen lassen.
Gilt der Bivalenzpunkt auch im Sommer?
Nein. Im Sommer liegt die Außentemperatur weit über dem Bivalenzpunkt. Die Wärmepumpe deckt den gesamten Warmwasserbedarf allein (und kann optional auch kühlen). Der Bivalenzpunkt ist nur im Heizbetrieb relevant.
Wie beeinflusst die Gebäudedämmung den Bivalenzpunkt?
Sehr stark. Eine bessere Dämmung senkt die Heizlast und verschiebt die Gebäude-Heizkennlinie nach unten. Dadurch schneidet die WP-Leistungskurve die Heizkennlinie bei einer tieferen Außentemperatur -- der Bivalenzpunkt sinkt. Im Idealfall kann eine Kombination aus Wärmepumpe und Fassadendämmung den Bivalenzpunkt so weit nach unten verschieben, dass der Heizstab praktisch nie einspringen muss.
Nächster Schritt: Bivalenzpunkt für Ihr Gebäude berechnen
Der optimale Bivalenzpunkt hängt von Ihrem Gebäude, Ihrem Standort und Ihrer Wärmepumpe ab. Mit reduco analysieren Sie Ihr Gebäude, berechnen die Heizlast und ermitteln den wirtschaftlich optimalen Bivalenzpunkt -- inklusive der Auswirkungen auf JAZ, Stromkosten und Förderung.
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