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Wärmepumpe bei Minusgraden: So heizt sie auch bei -15 °C [Faktencheck]

COP 2,4 bei -10 °C, Heizstab nur 1,9 % Jahresverbrauch – Fraunhofer-Daten zeigen: Wärmepumpen heizen auch im Winter zuverlässig. Abtauung, EVI und Praxistipps.

Wärmepumpe im Schnee bei Minusgraden vor einem Einfamilienhaus

"Unter null Grad funktioniert die Wärmepumpe nicht mehr" -- dieser Satz fällt in fast jeder Diskussion über Wärmepumpen. Er ist falsch. Aber er ist verständlich: Wer seine Heizung tauscht, will sicher sein, dass das neue System auch am kältesten Tag des Jahres funktioniert. Nicht nur "irgendwie", sondern zuverlässig und bezahlbar.

Dieser Artikel beantwortet genau diese Frage -- mit Messdaten, nicht mit Meinungen. Sie erfahren, welchen COP eine Luft-Wasser-Wärmepumpe bei -10 °C, -15 °C und -20 °C tatsächlich erreicht, warum der Heizstab weniger Strom verbraucht als gedacht, wie Abtauung und EVI-Technologie funktionieren und welche Modelle für kalte Regionen geeignet sind. Alle Zahlen beziehen sich auf den Stand 2026 und sind durch Fraunhofer-ISE-Feldtests, Herstellerdatenblätter und unabhängige Praxismessungen belegt.

Was passiert physikalisch bei Minusgraden?

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe entzieht der Außenluft Wärme -- auch dann, wenn es draußen kalt ist. Das klingt paradox, ist aber thermodynamisch unproblematisch: Selbst bei -20 °C enthält Luft noch nutzbare Wärmeenergie. Der absolute Nullpunkt liegt bei -273 °C. Eine Wärmepumpe arbeitet mit einem Kältemittel, das bereits bei sehr niedrigen Temperaturen verdampft. R290 (Propan) hat einen Siedepunkt von -42 °C, R410A von -51 °C. Solange die Außenluft wärmer ist als der Siedepunkt des Kältemittels, kann die Wärmepumpe der Luft Wärme entziehen.

Was sich ändert: Je kälter die Außenluft, desto geringer der Temperaturunterschied zwischen Verdampfer und Wärmequelle -- und desto mehr elektrische Energie muss der Kompressor aufwenden, um das Kältemittel auf die gewünschte Vorlauftemperatur zu verdichten. Die Wärmepumpe funktioniert also weiterhin, aber ihr Wirkungsgrad (COP) sinkt.

Das ist kein Designfehler, sondern ein physikalisches Prinzip, das für jede Wärmepumpe gilt -- egal ob für 5.000 oder 50.000 EUR. Die entscheidende Frage ist nicht, ob der COP sinkt, sondern wie stark und wie oft das im Laufe eines Jahres relevant ist.

COP bei niedrigen Temperaturen: Die Messwerte

Der COP (Coefficient of Performance) gibt an, wie viel Wärme die Wärmepumpe pro eingesetzter Kilowattstunde Strom erzeugt. Ein COP von 3,0 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 3 kWh Wärme. Die folgende Tabelle zeigt, welche COP-Werte moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen bei verschiedenen Außentemperaturen erreichen. Die Werte gelten für eine Vorlauftemperatur von 35 °C (Fußbodenheizung) und basieren auf Fraunhofer-ISE-Messungen, Herstellerdatenblättern und unabhängigen Feldtests.

Außentemperatur COP-Spannweite (VL 35 °C) Einordnung
+7 °C 3,5--5,0 Normbedingung, bester Betriebspunkt
+2 °C 3,0--4,5 Typischer Wintertag, kaum Einbußen
-7 °C 2,2--3,2 Kalter Wintertag, WP arbeitet effizient
-10 °C 1,8--2,5 Fraunhofer Tagesmittel: 2,4
-15 °C 1,5--2,2 Sehr kalt, WP liefert noch zuverlässig
-20 °C 1,2--1,8 Extrem, EVI-Modelle erreichen 1,8

Wichtig: Bei höheren Vorlauftemperaturen (45--55 °C, typisch im Altbau mit Heizkörpern) liegen die COP-Werte um 0,3--0,7 niedriger. Eine Wärmepumpe im teilsanierten Altbau mit 50 °C Vorlauf erreicht bei -10 °C einen COP von etwa 1,8--2,2 -- immer noch deutlich effizienter als ein elektrischer Heizstab (COP 1,0) oder eine Gasheizung.

Die Fraunhofer-ISE-Daten im Detail: Der Feldtest des Fraunhofer ISE (77 Systeme, veröffentlicht November 2025) zeigt für Luft-Wasser-Wärmepumpen eine durchschnittliche Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,4. An Tagen mit Tagesmitteltemperatur von -10 °C wurde ein mittlerer Tages-COP von 2,4 gemessen. Das bedeutet: Auch an einem Tag, an dem die Temperatur zwischen -7 °C und -13 °C schwankt, erzeugt die Wärmepumpe im Tagesmittel aus 1 kWh Strom noch 2,4 kWh Wärme.

Wie oft sind Minusgrade in Deutschland überhaupt relevant?

Die Sorge vor Minusgraden basiert auf der Annahme, dass extreme Kälte ein häufiges Problem sei. In Wirklichkeit sind Tage mit Temperaturen unter -10 °C in den meisten Regionen Deutschlands eine Ausnahme -- und werden durch den Klimawandel immer seltener.

Region Stunden unter -10 °C pro Jahr Anteil an Heizstunden
Westdeutschland (Rheinland, Ruhrgebiet) 10--30 h < 1 %
Norddeutschland (Küste, Tiefland) 20--50 h 1--2 %
Berlin, Brandenburg 50--100 h 2--3 %
München, Oberbayern 80--150 h 3--5 %
Hochlagen (Schwarzwald, Alpen, Erzgebirge) 150--400 h 5--12 %

In Westdeutschland gibt es im langjährigen Mittel weniger als 30 Stunden pro Jahr mit Temperaturen unter -10 °C -- das sind weniger als zwei Tage. Selbst in München, einer der kälteren Großstädte Deutschlands, sind es nur 80 bis 150 Stunden, also 3 bis 5 % der gesamten Heizperiode.

Was das für Ihre Heizkosten bedeutet: Der geringe COP bei Extremkälte betrifft nur einen minimalen Anteil des Jahresverbrauchs. Die JAZ -- der entscheidende Wert für Ihre Stromrechnung -- wird zu über 90 % von den milden Tagen der Heizperiode bestimmt, an denen die Wärmepumpe mit COP-Werten von 3,0 bis 5,0 arbeitet.

Der Heizstab: Schreckgespenst oder Nebensache?

Jede Luft-Wasser-Wärmepumpe hat einen integrierten elektrischen Heizstab, typischerweise mit 2 bis 9 kW Leistung. Der Heizstab springt ein, wenn die Wärmepumpe allein die benötigte Heizleistung nicht mehr erbringen kann -- etwa bei extrem niedrigen Temperaturen oder beim schnellen Aufheizen des Warmwasserspeichers.

Viele Kritiker argumentieren, dass die Wärmepumpe "bei Kälte nur noch ein teurer Elektroheizer" sei. Die Daten sagen etwas anderes.

Fraunhofer-ISE-Messung: Der Heizstab verursacht im Jahresmittel nur 1,9 % des gesamten Stromverbrauchs der Wärmepumpe. Er läuft typischerweise 50 bis 200 Stunden pro Jahr -- nicht Tausende.

Rechenbeispiel: Einfamilienhaus, 18.000 kWh Wärmebedarf, JAZ 3,4

Position Wert
Gesamtstromverbrauch WP pro Jahr 5.294 kWh
Davon Heizstab (1,9 %) 101 kWh
Stromkosten Heizstab (bei 25 ct/kWh) 25 EUR
Typische Laufzeit Heizstab 50--200 h/Jahr

25 EUR pro Jahr -- das ist der reale Kostenbeitrag des Heizstabs. Selbst wenn man den Heizstab-Anteil auf 5 % schätzt (was weit über dem Fraunhofer-Durchschnitt liegt), wären es 66 EUR pro Jahr. Das ist kein Kostenproblem.

Warum der Heizstab weniger läuft als erwartet:

  1. Bei extremer Kälte arbeitet die Wärmepumpe weiter -- mit niedrigerem COP, aber sie arbeitet. Der Heizstab unterstützt nur, wenn die Heizleistung der Wärmepumpe nicht ausreicht, um die Vorlauftemperatur zu halten. Das passiert erst, wenn die Wärmepumpe an ihrer Leistungsgrenze ist -- und selbst dann übernimmt der Heizstab oft nur einen Teil der Last.

  2. Moderne Wärmepumpen haben größere Verdichter und EVI-Technologie (dazu gleich mehr), die den Leistungsabfall bei Kälte reduzieren. Das verschiebt den Punkt, ab dem der Heizstab einspringt, nach unten.

  3. Der Heizstab springt oft nicht wegen Kälte an, sondern wegen Warmwasserbereitung -- etwa bei der Legionellenschaltung, bei der das Wasser kurzzeitig auf 60 °C oder höher erhitzt wird. Das hat mit Außentemperatur nichts zu tun.

EVI-Technologie: Warum moderne Wärmepumpen bei Kälte besser sind

EVI steht für Enhanced Vapour Injection (erweiterte Dampfeinspritzung). Diese Technologie ist der wichtigste Grund, warum moderne Wärmepumpen bei niedrigen Temperaturen deutlich besser arbeiten als Modelle von vor zehn Jahren.

So funktioniert EVI: Ein herkömmlicher Kältemittelkreislauf hat vier Komponenten: Verdampfer, Verdichter, Verflüssiger und Expansionsventil. Bei EVI kommt ein zusätzlicher Wärmetauscher (Economizer) hinzu. Dieser entnimmt einen Teil des verflüssigten Kältemittels, entspannt es auf ein Zwischendruckniveau und führt den entstehenden Dampf dem Verdichter auf halber Strecke zu ("Einspritzung"). Das Ergebnis:

  • Der Verdichter arbeitet effizienter, weil er nicht in einem Schritt den gesamten Druckunterschied überwinden muss.
  • Die Heizleistung steigt, weil mehr Kältemittel pro Zeiteinheit umgewälzt wird.
  • Die Verdichtungsendtemperatur sinkt, was den Verschleiß reduziert.

Die Zahlen bei -20 °C (EVI vs. Standard):

Kennwert Standard-WP EVI-WP Verbesserung
Heizleistung 100 % (Referenz) 138 % +38 %
COP 1,0--1,3 1,3--1,8 +33 %
Heizstab-Einsatz nötig häufig selten deutlich reduziert

EVI-Technologie ist 2026 in praktisch allen hochwertigen Luft-Wasser-Wärmepumpen serienmäßig verbaut. Sie müssen sie nicht extra bestellen -- aber Sie sollten beim Kauf darauf achten, dass das gewählte Modell EVI-fähig ist, insbesondere wenn Sie in einer kälteren Region wohnen.

R290 und Kälte: Das natürliche Kältemittel R290 (Propan) siedet bei -42 °C -- deutlich unter den in Deutschland vorkommenden Außentemperaturen. Das bedeutet: Selbst bei -25 °C hat R290 noch ausreichend "thermodynamischen Spielraum", um der Außenluft Wärme zu entziehen. In Kombination mit EVI-Technologie erreichen R290-Wärmepumpen bei -20 °C COP-Werte von 1,5 bis 1,8, bei -15 °C von 1,8 bis 2,2.

Kälte-optimierte Modelle: Welche Wärmepumpen schaffen -20 °C und tiefer?

Nicht jede Wärmepumpe ist für extrem kalte Regionen ausgelegt. Wer in Oberbayern, im Schwarzwald oder im Erzgebirge wohnt, sollte gezielt nach Modellen suchen, die für den Betrieb bei sehr niedrigen Temperaturen zertifiziert sind. Die folgende Tabelle listet aktuelle Modelle mit ihren minimalen Betriebstemperaturen:

Modell Kältemittel Min. Außentemp. Besonderheiten
Daikin Altherma 3 H HT R-32 -28 °C Hochtemperatur bis 70 °C VL
Daikin Altherma 4 R290 -28 °C Neueste Generation, sehr leise
Viessmann Vitocal 250-A R290 -25 °C Breitester Einsatzbereich am Markt
Samsung EHS HT R290 -25 °C Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Midea Arctic R290 -22 °C Speziell für kalte Klimazonen entwickelt
Vaillant aroTHERM plus R290 -25 °C Bewährtes Modell, großes Servicenetz

Worauf Sie achten sollten:

  • Minimale Betriebstemperatur: Gibt an, bis zu welcher Außentemperatur die Wärmepumpe ohne Heizstab Wärme liefern kann. Wählen Sie ein Modell, dessen Grenze mindestens 5 °C unter der tiefsten erwarteten Temperatur in Ihrer Region liegt.
  • Heizleistung bei -15 °C: Manche Hersteller geben nur die Nominalleistung bei +7 °C an. Fragen Sie gezielt nach der Heizleistung bei -15 °C. Eine korrekt dimensionierte Wärmepumpe sollte bei dieser Temperatur noch mindestens 60--70 % ihrer Nominalleistung erreichen.
  • EVI-Technologie: Alle oben genannten Modelle verfügen über EVI oder eine vergleichbare Technologie. Das ist kein "Nice-to-have", sondern Pflicht für kalte Regionen.
  • Abtauautomatik: Achten Sie auf eine intelligente Bedarfsabtauung (nicht zeitgesteuert). Zeitgesteuerte Abtauung kann den Wirkungsgrad um bis zu 15 % senken, weil sie auch dann abtaut, wenn es nicht nötig ist.

Abtauung: Warum 0 °C problematischer ist als -15 °C

Ein häufiges Missverständnis: Die schlimmste Temperatur für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ist nicht -15 °C, sondern der Bereich zwischen 0 °C und +5 °C bei hoher Luftfeuchtigkeit. Der Grund: In diesem Temperaturbereich bildet sich am Verdampfer am meisten Eis.

Wie Vereisung entsteht: Der Verdampfer der Wärmepumpe kühlt die durchströmende Luft um 3--7 °C ab. Bei einer Außentemperatur von +3 °C sinkt die Lufttemperatur am Verdampfer also auf -4 °C bis 0 °C. Wenn die Luft gleichzeitig feucht ist (relative Luftfeuchtigkeit über 70 %), kondensiert die Feuchtigkeit und gefriert auf den Verdampferlamellen -- es bildet sich eine Eisschicht, die den Wärmeübergang blockiert.

Warum -15 °C weniger Vereisung verursacht: Sehr kalte Luft ist trockene Luft. Bei -15 °C kann die Luft nur noch sehr wenig Feuchtigkeit aufnehmen (maximaler Wassergehalt: ca. 1,4 g/m³, verglichen mit 6,8 g/m³ bei +5 °C). Weniger Feuchtigkeit bedeutet weniger Eisbildung. Deshalb taut eine Wärmepumpe bei -15 °C nur 0 bis 2 Mal pro Tag ab, während sie bei +2 °C und hoher Luftfeuchtigkeit 8 bis 10 Abtauzyklen durchlaufen kann.

Abtauung in Zahlen:

Außentemperatur Luftfeuchtigkeit Abtauzyklen/Tag Dauer pro Zyklus
0 bis +5 °C hoch (> 80 %) 8--10 3--8 min
-5 bis -10 °C mittel (40--60 %) 2--5 3--5 min
unter -10 °C niedrig (< 40 %) 0--2 3--5 min

Was die Abtauung kostet:

Während eines Abtauzyklus kehrt die Wärmepumpe den Kältemittelkreislauf kurzzeitig um: Heißes Kältemittel strömt durch den Verdampfer und schmilzt das Eis. In dieser Zeit liefert die Wärmepumpe keine Heizwärme -- sie entzieht dem Heizkreis sogar kurzzeitig Wärme. Die JAZ-Reduktion durch Abtauung beträgt über die Heizsaison 8--15 %, je nach Standort und Aufstellung. In Kosten ausgedrückt: 50 bis 150 EUR zusätzliche Stromkosten pro Jahr.

Tipps zur Minimierung der Abtauung:

  • Aufstellort wählen, der vor feuchtem Wind geschützt ist. Ein Platz unter einem Vordach oder an einer windgeschützten Hauswand reduziert die Feuchtigkeitszufuhr am Verdampfer.
  • Verdampfer regelmäßig reinigen. Verschmutzte Lamellen verschlechtern den Wärmeübergang und begünstigen die Eisbildung.
  • Bedarfsgesteuerte Abtauung wählen statt zeitgesteuerter. Moderne Wärmepumpen messen Temperaturdifferenz und Druckabfall am Verdampfer und tauen nur ab, wenn es nötig ist.

Mehr zur regelmäßigen Pflege Ihrer Wärmepumpe erfahren Sie im Artikel Wärmepumpe Wartung: Kosten, Intervalle und Checkliste.

Wärmepumpe vs. Gasheizung bei -15 °C: Der direkte Vergleich

Ein verbreitetes Argument lautet: "Bei -15 °C kann ich gleich mit Gas heizen -- da ist die Wärmepumpe doch kaum besser." Stimmt das? Rechnen wir nach.

Gasheizung bei Extremkälte: Eine Gas-Brennwertheizung hat auf dem Papier einen Wirkungsgrad von 96--98 %. In der Praxis sieht das bei hohen Vorlauftemperaturen anders aus: Der Brennwerteffekt (Kondensation des Wasserdampfs im Abgas) funktioniert nur, wenn die Rücklauftemperatur unter ca. 55 °C liegt. Bei -15 °C fährt eine Gasheizung mit Vorlauftemperaturen von 65--75 °C und Rücklauftemperaturen von 50--60 °C. In diesem Betriebspunkt liegt der reale Nutzungsgrad bei 85--92 % -- nicht bei 98 %.

Wärmepumpe bei -15 °C: COP 1,5--2,2, je nach Modell und Vorlauftemperatur.

Kostenvergleich bei -15 °C:

Kennwert Gasheizung Wärmepumpe (COP 1,8)
Energiepreis (2026) 0,12 EUR/kWh Gas 0,25 EUR/kWh WP-Strom
Realer Nutzungsgrad bei -15 °C 88 % COP 1,8
Kosten pro kWh Wärme 0,136 EUR 0,139 EUR
kWh Wärme pro EUR 7,3 kWh 7,2 kWh

Bei einem COP von 1,8 sind die Kosten pro Kilowattstunde Wärme nahezu identisch. Bereits ab COP 1,9 ist die Wärmepumpe günstiger -- und die meisten modernen EVI-Modelle erreichen bei -15 °C einen COP von 1,8 bis 2,2.

Und jetzt der entscheidende Punkt: Dieser Vergleich gilt nur für die wenigen Stunden im Jahr, in denen es tatsächlich -15 °C kalt ist. In den übrigen 95--99 % der Heizperiode arbeitet die Wärmepumpe mit COP-Werten von 2,5 bis 5,0 -- und ist damit deutlich günstiger als Gas. Die Jahresarbeitszahl von 3,4 (Fraunhofer-Durchschnitt) berücksichtigt die kalten Tage bereits vollständig.

Gesamtkostenvergleich über ein Jahr (18.000 kWh Wärmebedarf):

System Jährliche Heizkosten CO₂-Emissionen
Gas-Brennwert (95 % Nutzungsgrad) 2.274 EUR 3.780 kg CO₂
WP (JAZ 3,4, WP-Tarif 25 ct/kWh) 1.324 EUR 1.361 kg CO₂
Ersparnis WP 950 EUR/Jahr 64 % weniger CO₂

Die Wärmepumpe spart auch unter Berücksichtigung der Minusgrade-Tage rund 950 EUR pro Jahr -- und verursacht 64 % weniger CO₂ als eine Gasheizung. Einen vollständigen Systemvergleich finden Sie unter Wärmepumpe vs. Gasheizung.

Praxistipps: So holen Sie im Winter das Maximum heraus

Die Effizienz Ihrer Wärmepumpe im Winter hängt nicht nur vom Gerät ab, sondern auch von der richtigen Einstellung und Betriebsweise. Die folgenden Tipps sind kostenneutral oder kostengünstig und können die JAZ um 0,2 bis 0,5 verbessern.

Heizkurve richtig einstellen

Die Heizkurve ist der wichtigste Parameter Ihrer Wärmepumpe. Sie bestimmt, welche Vorlauftemperatur die Wärmepumpe bei welcher Außentemperatur liefert. Eine zu steil eingestellte Heizkurve erzeugt bei Kälte unnötig hohe Vorlauftemperaturen -- und drückt den COP nach unten.

So gehen Sie vor:

  1. Senken Sie die Heizkurve in kleinen Schritten -- maximal 10 % pro Anpassung (z. B. von Vorlauf 50 °C auf 45 °C bei -10 °C Außentemperatur).
  2. Warten Sie 2 bis 3 Tage nach jeder Anpassung, bevor Sie erneut ändern. Das Gebäude braucht Zeit, um sich auf die neue Einstellung einzupendeln.
  3. Ziel: Die niedrigste Heizkurve, bei der alle Räume die gewünschte Temperatur erreichen.

Eine Absenkung der Vorlauftemperatur um 5 °C verbessert den COP um etwa 0,2 bis 0,3 -- das spart bei 5.300 kWh Jahresverbrauch rund 70 bis 130 EUR pro Jahr.

Nachtabsenkung: Vorsichtig dosieren

Bei Gasheizungen ist eine deutliche Nachtabsenkung sinnvoll. Bei Wärmepumpen nicht -- oder nur in kleinem Rahmen. Der Grund: Wärmepumpen arbeiten am effizientesten im Dauerbetrieb mit niedrigen Vorlauftemperaturen. Wenn die Raumtemperatur nachts stark abfällt, muss die Wärmepumpe am Morgen mit hoher Vorlauftemperatur aufheizen -- das kostet mehr Strom als der nächtliche Einspareffekt bringt.

Empfehlung: Nachtabsenkung maximal 2 bis 3 °C. Bei gut gedämmten Gebäuden oft besser: gar keine Absenkung. Die Wärmepumpe taktet nachts ohnehin weniger, weil die Wärmeverluste geringer sind (keine Lüftung, keine offenen Türen).

Pufferspeicher richtig dimensionieren

Ein Pufferspeicher glättet die Leistungsschwankungen der Wärmepumpe und verhindert häufiges Ein- und Ausschalten (Takten). Das schont den Verdichter und verbessert die Effizienz.

Dimensionierung: 50 bis 100 Liter pro kW Heizleistung der Wärmepumpe. Für eine 10-kW-Wärmepumpe sind das 500 bis 1.000 Liter Puffervolumen.

Im Winter besonders wichtig: Der Pufferspeicher erlaubt es der Wärmepumpe, in Phasen mit milderen Temperaturen (tagsüber) Wärme auf Vorrat zu erzeugen und diese in den kälteren Nachtstunden abzugeben -- ohne dass der Verdichter bei tiefsten Temperaturen unter Volllast laufen muss.

Schnee und Eis am Außengerät entfernen

Ein banaler, aber oft vernachlässigter Punkt: Wenn Schnee den Luftansaug des Außengeräts blockiert, sinkt der Luftdurchsatz und die Effizienz bricht ein. Kontrollieren Sie nach starkem Schneefall, ob der Zugang frei ist. Das Außengerät sollte auf einem Sockel stehen, der mindestens 30 cm über dem zu erwartenden Schneeniveau liegt.

Sole-Wasser-Wärmepumpe als Alternative für kalte Regionen

Wenn Sie in einer Region mit regelmäßig mehr als 100 Stunden unter -10 °C leben -- also Oberbayern, Schwarzwald-Hochlagen oder Erzgebirge -- kann eine Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärmepumpe) die bessere Wahl sein. Die Erdreichtemperatur liegt ganzjährig bei 8 bis 12 °C in der typischen Bohrtiefe. Damit erreichen Erdwärmepumpen eine JAZ von 4,0 bis 4,5 -- unabhängig von der Außentemperatur. Der Nachteil: Höhere Anschaffungskosten durch die Erdbohrung (40.000--60.000 EUR inkl. Installation).

Mehr dazu erfahren Sie unter Erdwärmepumpe: Kosten und Funktion und Luftwärmepumpe vs. Erdwärmepumpe.

Fraunhofer-ISE-Studie 2025: Die wichtigsten Ergebnisse

Die Fraunhofer-ISE-Feldstudie ist die derzeit umfassendste wissenschaftliche Untersuchung zu Wärmepumpen in deutschen Bestandsgebäuden. Sie liefert Messdaten statt Schätzungen -- und widerlegt mehrere populäre Behauptungen.

Eckdaten der Studie:

  • 77 Wärmepumpen-Systeme, davon Luft-Wasser und Sole-Wasser
  • Bestandsgebäude, einschließlich unsanierter Altbauten
  • Messzeitraum über vier Jahre
  • Veröffentlicht im November 2025

Zentrale Ergebnisse:

Kennwert Luft-Wasser-WP Sole-Wasser-WP
Durchschnittliche JAZ 3,4 4,3
CO₂-Reduktion vs. Gas 64 % 72 %
Heizstab-Anteil am Jahresverbrauch 1,9 % 0,3 %
Häufigster Fehler Heizkurve zu hoch Sole-Pumpe falsch eingestellt

Die Studie zeigt auch: Der größte Einzelfaktor für eine gute oder schlechte JAZ ist nicht die Außentemperatur, nicht das Baujahr des Gebäudes und nicht der Wärmepumpen-Hersteller -- sondern die korrekte Einstellung der Heizkurve und der Regelungsparameter. Falsch eingestellte Systeme hatten eine JAZ von 2,6, korrekt eingestellte Systeme mit vergleichbarer Gebäudesubstanz erreichten 3,8. Das ist ein Unterschied von 46 % im Stromverbrauch -- allein durch Einstellung, nicht durch Hardware.

Weitere Mythen und Fakten finden Sie im Artikel Wärmepumpe: 8 Mythen im Faktencheck.

Häufige Fragen

Funktioniert eine Wärmepumpe bei -20 °C?

Ja. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen mit EVI-Technologie und R290-Kältemittel arbeiten zuverlässig bis -20 °C und teilweise bis -28 °C oder -30 °C. Der COP sinkt bei -20 °C auf 1,2 bis 1,8 -- das ist weniger effizient als bei milderen Temperaturen, aber immer noch besser als ein elektrischer Heizstab (COP 1,0). EVI-Modelle erreichen bei -20 °C eine um 38 % höhere Heizleistung und einen um 33 % besseren COP als Standard-Modelle.

Ab welcher Temperatur springt der Heizstab an?

Das hängt von der Dimensionierung der Wärmepumpe und der Heizlast des Gebäudes ab. Bei einer korrekt ausgelegten Anlage springt der Heizstab typischerweise erst bei Temperaturen unter -10 °C bis -15 °C ein -- und auch dann nur zur Unterstützung, nicht als alleinige Wärmequelle. Laut Fraunhofer-ISE beträgt der Heizstab-Anteil am Jahresverbrauch nur 1,9 %. Häufige Heizstab-Einsätze deuten auf eine Unterdimensionierung der Wärmepumpe oder eine falsch eingestellte Heizkurve hin.

Verbraucht eine Wärmepumpe im Winter viel mehr Strom?

Ja, der Stromverbrauch ist im Winter höher als in der Übergangszeit -- das liegt daran, dass die Heizlast größer ist und der COP niedriger. Typischerweise entfallen 60--70 % des Jahresstromverbrauchs auf die Monate November bis Februar. Aber: Das bedeutet nicht, dass die Wärmepumpe im Winter unwirtschaftlich wäre. Auch eine Gasheizung verbraucht im Winter den Großteil des Jahres-Gasverbrauchs. Entscheidend ist der Kostenvergleich pro kWh Wärme -- und hier ist die Wärmepumpe auch im Winter günstiger als Gas.

Was ist besser bei Kälte: Luft-Wasser oder Sole-Wasser?

Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdwärmepumpen) sind bei extremer Kälte im Vorteil, weil die Erdreichtemperatur ganzjährig bei 8 bis 12 °C liegt. Die JAZ ist mit 4,3 (Fraunhofer-Durchschnitt) deutlich höher als bei Luft-Wasser (3,4). Der Nachteil: Die Bohrung kostet 8.000 bis 18.000 EUR zusätzlich. Für die meisten Standorte in Deutschland reicht eine gute Luft-Wasser-Wärmepumpe mit EVI-Technologie aus. In Hochlagen mit regelmäßig mehr als 150 Stunden unter -10 °C kann eine Erdwärmepumpe die wirtschaftlichere Lösung sein.

Muss ich bei Frost die Wärmepumpe manuell abtauen?

Nein. Alle modernen Wärmepumpen haben eine automatische Abtauung. Das Gerät erkennt Eisbildung am Verdampfer und leitet einen Abtauzyklus ein, der 3 bis 8 Minuten dauert. Sie müssen nichts tun. Was Sie tun sollten: Das Außengerät von Schnee freihalten und regelmäßig prüfen, ob der Kondensatablauf nicht verstopft ist. Stehendes Wasser unter dem Außengerät kann bei Frost zu einer Eisplatte werden, die den Luftansaug blockiert.

Lohnt sich eine Wärmepumpe in kalten Regionen wie Oberbayern?

Ja -- auch in Oberbayern. Die JAZ einer Luft-Wasser-Wärmepumpe liegt dort mit 3,0 bis 3,3 etwas unter dem bundesweiten Durchschnitt von 3,4, aber immer noch deutlich über dem Break-even-Punkt gegenüber Gas. Bei einer JAZ von 3,0 und einem WP-Stromtarif von 25 ct/kWh kosten die Heizkosten 0,083 EUR/kWh Wärme -- verglichen mit 0,126 EUR/kWh bei Gas. Die Wärmepumpe ist also selbst in der kältesten Ecke Deutschlands rund 34 % günstiger als Gas. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt ein EVI-Modell mit Betriebsgrenze bei -28 °C oder entscheidet sich für eine Erdwärmepumpe.

Zusammenfassung: Die Fakten auf einen Blick

Behauptung Realität
"WP funktioniert unter 0 °C nicht" Falsch. Betrieb bis -25 bis -30 °C.
"Bei -10 °C ist die WP ein Stromfresser" Falsch. COP 2,4 (Fraunhofer-Tagesmittel).
"Der Heizstab läuft im Winter ständig" Falsch. Nur 1,9 % des Jahresverbrauchs.
"Bei -15 °C kann ich gleich Gas nehmen" Falsch. WP (COP 1,8) immer noch effizienter als Gas (88 %).
"In Oberbayern lohnt sich keine WP" Falsch. JAZ 3,0--3,3, immer noch 34 % günstiger als Gas.
"Vereisung ist ein großes Problem" Übertrieben. Am schlimmsten bei 0--5 °C, nicht bei -15 °C.

Ihre nächsten Schritte

Die Angst vor Minusgraden ist einer der häufigsten Gründe, warum Hausbesitzer den Umstieg auf eine Wärmepumpe aufschieben. Die Daten zeigen: Diese Angst ist unbegründet. Moderne Wärmepumpen mit EVI-Technologie und R290-Kältemittel heizen zuverlässig auch bei den kältesten Temperaturen, die in Deutschland vorkommen -- und sind dabei günstiger und klimafreundlicher als eine Gasheizung.

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