Reduco
Vergleich18 Min. Lesezeit

Wärmepumpe oder Infrarotheizung: Der ehrliche Vergleich 2026

Wärmepumpe vs. Infrarotheizung 2026: Anschaffung, Stromkosten, 15-Jahres-Gesamtkosten und wann welche Heizung wirklich Sinn ergibt. Mit Zahlen und ohne Werbung.

Luft-Wasser-Wärmepumpe und Infrarot-Wandpaneel im direkten Vergleich

Die Frage "Wärmepumpe oder Infrarotheizung" taucht in fast jeder Modernisierungsberatung auf – und sie wird von beiden Lagern mit so viel Marketing überlagert, dass Bauherren am Ende nicht wissen, wem sie glauben sollen. Die Infrarot-Branche verspricht "100 Prozent Wirkungsgrad", "halb so hohe Heizkosten" und "keine Wartung". Die Wärmepumpen-Lobby kontert mit Jahresarbeitszahlen von 5,0 und CO₂-Neutralität. Beide Extreme sind falsch.

Die knappe Antwort vorweg: Für ein ganzjährig bewohntes Ein- oder Zweifamilienhaus ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe im Jahr 2026 in fast allen Szenarien die wirtschaftlich überlegene Lösung. Sie schlägt die Infrarotheizung über 15 Jahre typischerweise um 25.000 bis 90.000 EUR Gesamtkosten. Infrarot lohnt sich nur in sehr eng definierten Nischen: Ferienhäuser mit wenigen Heiztagen, einzelne Zusatzräume, ultraeffiziente Passivhäuser unter 15 kWh/m²a Heizbedarf oder Situationen, in denen eine Wasserheizung gar nicht erst installiert werden kann.

In diesem Artikel rechnen wir die beiden Systeme Punkt für Punkt gegeneinander durch – mit Zahlen aus 2026, mit Quellen und ohne Schönfärberei in eine Richtung.

Was Sie in diesem Artikel lernen

  • Warum die Physik (JAZ 1,0 vs. 3,5) den Vergleich zu über 80 Prozent entscheidet
  • Wie sich Anschaffung, Strombedarf, Wartung und Lebensdauer im Detail unterscheiden
  • Wie die 15-Jahres-Gesamtkosten für drei typische Häuser ausfallen
  • Warum die Förderung 2026 ein strukturelles Ungleichgewicht schafft
  • Fünf Nischen-Szenarien, in denen die Infrarotheizung tatsächlich die bessere Wahl sein kann
  • Welche fünf Infrarot-Mythen Sie kennen sollten, bevor ein Verkäufer sie Ihnen auftischt
  • Eine Entscheidungsmatrix für verschiedene Gebäudetypen

Funktionsprinzip: Warum die Physik den Unterschied macht

Bevor wir über Euro und Kilowattstunden reden, müssen wir kurz verstehen, warum die beiden Systeme fundamental unterschiedlich funktionieren. Dieser Unterschied ist nicht technisch verhandelbar – er ist Physik.

Definitionsbox: JAZ (Jahresarbeitszahl) Die Jahresarbeitszahl beschreibt, wie viele Kilowattstunden Heizwärme ein Heizsystem pro eingesetzter Kilowattstunde Strom über ein komplettes Jahr liefert. Eine Wärmepumpe mit JAZ 3,5 erzeugt aus 1 kWh Strom 3,5 kWh Wärme. Eine Infrarotheizung erreicht bauartbedingt nie mehr als JAZ 1,0 – sie wandelt Strom eins zu eins in Wärme um.

Die Infrarotheizung: Direktelektrische Strahlungsheizung

Eine Infrarotheizung ist technisch gesehen ein elektrischer Widerstand hinter einer großflächigen Abdeckung. Strom fließt durch ein Heizelement (meist Carbon oder Metallbahnen), das sich auf 80–120 °C erhitzt. Die so entstehende Wärme wird zu rund 60–70 Prozent als langwellige Infrarotstrahlung (Wellenlänge 3–50 µm) abgegeben. Der Rest verlässt das Paneel als Konvektionswärme. Die Strahlung trifft auf Oberflächen im Raum, erwärmt diese direkt und erst in zweiter Linie die Raumluft.

Definitionsbox: Strahlungswärme vs. Konvektion Strahlungswärme erwärmt feste Körper direkt (ähnlich Sonnenlicht), ohne die Luft dazwischen. Konvektion erwärmt zuerst die Luft, die dann zirkuliert und andere Flächen erwärmt. Heizkörper und Fußbodenheizung arbeiten überwiegend per Konvektion, Kachelöfen und Infrarotheizungen überwiegend per Strahlung.

Entscheidend für den Vergleich: Jede Kilowattstunde, die ins Paneel fließt, wird zu höchstens einer Kilowattstunde Wärme. Mehr geht physikalisch nicht. Der elektrische Wirkungsgrad beträgt zwar nahezu 100 Prozent, aber das heißt eben auch: Für 15.000 kWh Heizwärmebedarf brauchen Sie 15.000 kWh Strom.

Die Wärmepumpe: Wärmetransport statt Wärmeerzeugung

Eine Wärmepumpe erzeugt keine Wärme aus Strom – sie transportiert Wärme aus der Umgebung (Luft, Erdreich, Grundwasser) in Ihr Haus. Das ist derselbe physikalische Prozess wie in einem Kühlschrank, nur umgekehrt betrieben. Ein Kältemittel verdampft bei niedriger Temperatur (z. B. bei −10 °C im Außenluftwärmetauscher), wird vom Kompressor verdichtet, gibt die gewonnene Wärme bei hoher Temperatur (35–55 °C) an das Heizsystem ab und entspannt dann wieder.

Der Stromverbrauch fließt fast ausschließlich in den Kompressor. Pro eingesetzter Kilowattstunde Strom transportiert eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe je nach Bedingungen 2,5 bis 5 kWh Umweltwärme ins Haus. Laut Fraunhofer ISE liegt die durchschnittliche Jahresarbeitszahl in einer Langzeitstudie an 56 Bestandsgebäuden bei 3,1 für Luft-Wasser- und 4,1 für Erdreich-Wärmepumpen. In Neubauten werden regelmäßig JAZ-Werte von 4,0 bis 4,8 gemessen.

Was das für den Vergleich heißt

Für denselben Heizwärmebedarf von 15.000 kWh pro Jahr gilt:

System Wirkprinzip JAZ Strombedarf pro Jahr
Infrarotheizung Direktelektrisch 1,0 15.000 kWh
Wärmepumpe Luft-Wasser (Neubau) Wärmetransport 4,0 3.750 kWh
Wärmepumpe Luft-Wasser (Bestand) Wärmetransport 3,0 5.000 kWh
Wärmepumpe Sole-Wasser (Bestand) Wärmetransport 4,1 3.659 kWh

Die Wärmepumpe braucht zwischen drei- und viermal weniger Strom. Diese Zahl ist der Kern des gesamten Artikels. Alles, was jetzt folgt, zeigt nur, wie sich dieser Faktor in Euro, CO₂ und Gesamtkosten niederschlägt.

Anschaffungskosten im Vergleich

Hier punktet die Infrarotheizung klar – zumindest auf den ersten Blick. Denn sie ist bei der Anschaffung dramatisch günstiger, während die Wärmepumpe erst nach Abzug der Förderung wieder konkurrenzfähig wird.

Die folgenden Werte gelten für ein typisches Einfamilienhaus mit 130–150 m² Wohnfläche und rund 15.000 kWh jährlichem Heizwärmebedarf. Alle Preise sind Bruttowerte inklusive Installation, Stand April 2026. Quellen: Heatness, Planville, gruenes.haus, Vamo Energy und schramm.de.

Position Infrarotheizung Luft-Wasser-Wärmepumpe
Geräte / Paneele (8–12 Stück bzw. 1 WP-Einheit) 2.400–6.000 EUR 14.000–22.000 EUR
Thermostate und Regelung 300–800 EUR (inklusive)
Speicher / Pufferspeicher 1.200–2.500 EUR
Elektroinstallation / Starkstrom 500–2.000 EUR 800–2.500 EUR
Hydraulik und Anschluss an Heizkreis 3.500–6.500 EUR
Außengerät-Fundament, Lärmschutz 500–1.500 EUR
Montage Heizkörperanpassung 2.000–4.000 EUR
Handwerkerlohn / Inbetriebnahme 200–600 EUR 3.000–5.000 EUR
Summe brutto 3.400–9.400 EUR 25.000–44.000 EUR
Nach maximaler Förderung (KfW 458, bis 70 %) 3.400–9.400 EUR 8.100–13.200 EUR

Die Infrarotheizung ist bei einer oberflächlichen Betrachtung zwei bis drei Mal günstiger als eine geförderte Wärmepumpe. Ohne Förderung wäre der Unterschied sogar siebenfach. Das ist das einzige Argument, mit dem Infrarot-Anbieter in der Regel öffentlich werben – und es stimmt auch, wenn man nur den Kaufpreis betrachtet.

Der Haken: Bei der Heizung entscheidet nicht die Anschaffung, sondern die Summe aus Anschaffung plus 15 bis 20 Jahren Betriebskosten. Und genau hier dreht sich das Bild.

Stromverbrauch und Betriebskosten: Der wahre Gamechanger

Der Strompreis für Haushalte liegt Anfang 2026 in Deutschland laut BDEW-Strompreisanalyse bei rund 35 ct/kWh brutto im Neuvertrag. Für Wärmepumpen gibt es separate Wärmepumpenstromtarife, die dank eigener Zählung (§ 14a EnWG) und reduzierter Netzentgelte aktuell bei etwa 26 ct/kWh liegen. Diese Differenz von 9 ct/kWh verstärkt die physikalische Effizienzlücke noch einmal.

Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe hängt von drei Faktoren ab: Heizwärmebedarf, Jahresarbeitszahl und Warmwasserbedarf. Für den Vergleich mit der Infrarotheizung rechnen wir ohne Warmwasser, weil auch Infrarot das Warmwasser nicht übernehmen kann (es braucht einen separaten Durchlauferhitzer oder eine Warmwasser-Wärmepumpe).

Drei Szenarien im Detail

Wir rechnen drei realistische Hauskategorien durch, die zusammen etwa 90 Prozent des deutschen Ein- und Zweifamilienhausbestandes abdecken.

Szenario A: Neubau KfW 40 (Effizienzhaus)

  • 140 m² Wohnfläche, 30 kWh/m²a Heizwärmebedarf
  • Jahresbedarf: 4.200 kWh
  • Fußbodenheizung, Vorlauf 30–35 °C
  • WP-JAZ: 4,5 | IR-JAZ: 1,0
Kennzahl Infrarotheizung Wärmepumpe (L-W, JAZ 4,5)
Stromverbrauch Heizung 4.200 kWh 933 kWh
Strompreis 35 ct/kWh 26 ct/kWh
Jährliche Heizkosten 1.470 EUR 243 EUR
Differenz/Jahr –1.227 EUR

Szenario B: Saniertes EFH (Baujahr 1985, neue Fenster, gedämmte Fassade)

  • 140 m² Wohnfläche, 100 kWh/m²a Heizwärmebedarf
  • Jahresbedarf: 14.000 kWh
  • Heizkörper angepasst, Vorlauf 45–50 °C
  • WP-JAZ: 3,5 | IR-JAZ: 1,0
Kennzahl Infrarotheizung Wärmepumpe (L-W, JAZ 3,5)
Stromverbrauch Heizung 14.000 kWh 4.000 kWh
Strompreis 35 ct/kWh 26 ct/kWh
Jährliche Heizkosten 4.900 EUR 1.040 EUR
Differenz/Jahr –3.860 EUR

Szenario C: Unsanierter Altbau (Baujahr vor 1978, Einfachfenster, keine Fassadendämmung)

  • 140 m² Wohnfläche, 180 kWh/m²a Heizwärmebedarf
  • Jahresbedarf: 25.200 kWh
  • Heizkörper, Vorlauf >55 °C
  • WP-JAZ realistisch 2,8 | IR-JAZ: 1,0
Kennzahl Infrarotheizung Wärmepumpe (L-W, JAZ 2,8)
Stromverbrauch Heizung 25.200 kWh 9.000 kWh
Strompreis 35 ct/kWh 26 ct/kWh
Jährliche Heizkosten 8.820 EUR 2.340 EUR
Differenz/Jahr –6.480 EUR

Das Ergebnis: Selbst im absoluten Best Case für die Infrarotheizung – einem KfW-40-Neubau – kostet sie jedes Jahr 1.200 EUR mehr als die Wärmepumpe. Im Altbau explodiert die Differenz auf 6.500 EUR jährlich. Bei jeder weiteren Betriebsstunde frisst die Infrarotheizung ihren Anschaffungsvorteil auf.

15-Jahres-Gesamtkostenrechnung

Eine Wärmepumpe hält nach Verbraucherzentrale 15–20 Jahre, eine Infrarotheizung 25–30 Jahre. Um beide Systeme fair zu vergleichen, rechnen wir über den üblichen Investitionshorizont von 15 Jahren. Das ist die konservative Betrachtungsweise – sie bevorzugt die Infrarotheizung, weil sie deren längere Lebensdauer noch nicht vollständig zum Tragen bringt und gleichzeitig die Wärmepumpe möglicherweise einen Kompressortausch braucht.

Annahmen für alle drei Szenarien:

  • Strompreis Haushalt Start 2026: 35 ct/kWh, Preissteigerung 2,5 % p. a.
  • Wärmepumpen-Stromtarif Start 2026: 26 ct/kWh, Preissteigerung 2,5 % p. a.
  • Wartung Wärmepumpe: 200 EUR/Jahr (Kältemittelprüfung alle 3 Jahre + Service)
  • Wartung Infrarotheizung: 0 EUR/Jahr
  • Förderung Wärmepumpe: 55 % KfW-Zuschuss (mittleres Szenario, realistisch ohne Einkommens- und Klimageschwindigkeitsbonus)
  • Lebensdauer ohne Tausch im Betrachtungszeitraum

Szenario A: KfW-40-Neubau (4.200 kWh)

Position (15 Jahre) Infrarotheizung Luft-Wasser-Wärmepumpe
Anschaffung brutto 5.500 EUR 30.000 EUR
Abzgl. Förderung 0 EUR –16.500 EUR
Anschaffung netto 5.500 EUR 13.500 EUR
Stromkosten (15 J., +2,5 %/a) 26.400 EUR 4.360 EUR
Wartung 0 EUR 3.000 EUR
Gesamtkosten 15 Jahre 31.900 EUR 20.860 EUR
Differenz zugunsten WP –11.040 EUR

Szenario B: Saniertes EFH (14.000 kWh)

Position (15 Jahre) Infrarotheizung Luft-Wasser-Wärmepumpe
Anschaffung brutto 6.500 EUR 34.000 EUR
Abzgl. Förderung 0 EUR –18.700 EUR
Anschaffung netto 6.500 EUR 15.300 EUR
Stromkosten (15 J., +2,5 %/a) 88.000 EUR 18.680 EUR
Wartung 0 EUR 3.000 EUR
Gesamtkosten 15 Jahre 94.500 EUR 36.980 EUR
Differenz zugunsten WP –57.520 EUR

Szenario C: Unsanierter Altbau (25.200 kWh)

Position (15 Jahre) Infrarotheizung Luft-Wasser-Wärmepumpe
Anschaffung brutto 7.500 EUR 38.000 EUR
Abzgl. Förderung 0 EUR –20.900 EUR
Anschaffung netto 7.500 EUR 17.100 EUR
Stromkosten (15 J., +2,5 %/a) 158.400 EUR 42.000 EUR
Wartung 0 EUR 3.000 EUR
Gesamtkosten 15 Jahre 165.900 EUR 62.100 EUR
Differenz zugunsten WP –103.800 EUR

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Selbst im KfW-40-Neubau spart die Wärmepumpe über 15 Jahre rund 11.000 EUR. Im sanierten EFH sind es 57.500 EUR und im unsanierten Altbau 103.800 EUR. Wer einen Altbau mit Infrarot beheizt, zahlt über 15 Jahre fast so viel Strom, wie das Haus wert ist.

Auch wenn die Infrarotheizung länger hält: Ein zweiter Wärmepumpen-Kauf in 15 Jahren (realistisch 20.000–25.000 EUR netto) wird die Bilanz zwar verändern, ändert aber am Ergebnis nichts. Eine zweite Generation Wärmepumpen wird durch die fortschreitende CO₂-Bepreisung und den weiter steigenden Strompreis eher noch besser abschneiden, weil IR den Preisanstieg voll mitträgt, die Wärmepumpe dank JAZ > 3 nur zu einem Drittel.

Förderung 2026: Ein Ungleichgewicht

Die zweite strukturelle Asymmetrie zwischen den Systemen liegt in der staatlichen Förderung. Sie ist im Jahr 2026 so einseitig wie noch nie.

Förderprogramm Wärmepumpe Infrarotheizung
KfW 458 (Grundförderung) 30 % 0 %
KfW 458 (Klimageschwindigkeitsbonus) +20 % 0 %
KfW 458 (Einkommensbonus bis 40.000 EUR ZvE) +30 % 0 %
KfW 458 (Effizienzbonus für Sole/Wasser/R290) +5 % 0 %
Maximale BAFA/KfW-Zuschussförderung bis 70 % 0 %
Ergänzungskredit KfW 358/359 (zinsgünstig) Ja Nein
Steuerbonus § 35c EStG (20 % über 3 Jahre) Ja Theoretisch ja – in der Praxis umstritten

Die Infrarotheizung gilt nach BEG-Richtlinie nicht als klimafreundliche Heizung und erhält keinen Cent aus dem Heizungstausch-Förderprogramm. Für den steuerlichen Handwerkerbonus nach § 35c EStG lassen sich einzelne Paneele zwar grundsätzlich ansetzen, wenn sie Teil einer energetischen Sanierung sind – Finanzämter prüfen hier jedoch streng, und die Bestätigung ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Das bedeutet: Während Sie beim Wärmepumpenkauf 2026 mit bis zu 21.000 EUR (bei 70 % Förderquote auf 30.000 EUR) vom Staat zurückbekommen, trägt die Infrarot-Anschaffung jeder Eigentümer vollständig selbst. Dieses Ungleichgewicht ist politisch gewollt – es reflektiert, dass die Bundesregierung den Stromverbrauch von Direktelektroheizungen aus netz- und CO₂-politischen Gründen nicht weiter ausbauen möchte.

Wann die Infrarotheizung die bessere Wahl ist

Die Wärmepumpe gewinnt den Wirtschaftlichkeitsvergleich fast immer. Es gibt aber fünf klar abgegrenzte Nischenszenarien, in denen die Infrarotheizung tatsächlich die rationalere Entscheidung sein kann. Wichtig: Alle fünf Szenarien haben einen gemeinsamen Nenner – die jährliche Nutzungsdauer oder der absolute Heizwärmebedarf ist sehr niedrig.

1. Ferienhaus mit weniger als 60 Heiztagen pro Jahr

Ein Ferienhaus, das nur an Wochenenden und in den Ferien beheizt wird, kommt auf typischerweise 40–60 tatsächliche Heiztage pro Jahr. Die Wärmepumpen-Anschaffung amortisiert sich bei so geringer Nutzung nie. Die Infrarotheizung spielt dagegen ihren größten Vorteil aus: Sie reagiert in wenigen Minuten und muss nicht im Leerlauf vorgehalten werden. Bei 50 Heiztagen × 8 Stunden × 4 kW Gesamtlast = 1.600 kWh Jahresverbrauch × 35 ct/kWh = 560 EUR Jahresstromkosten. Die Investition von 4.000–6.000 EUR ist bei so niedrigen Betriebskosten tragbar.

2. Einzelne, selten genutzte Räume

Ein Hobbykeller, ein Gästezimmer, eine Werkstatt oder ein Wintergarten-Teilbereich, der nur punktuell beheizt wird – hier ist eine Wärmepumpen-Erweiterung aufwendig und teuer. Ein einzelnes 600-W-Paneel für 350 EUR, das Sie über ein Funk-Thermostat bedarfsgerecht schalten, ist die pragmatische Lösung. Die Jahreskosten bleiben bei 10–30 Stunden pro Woche im unteren dreistelligen Bereich.

3. Passivhäuser und Ultra-Effizienzhäuser unter 15 kWh/m²a

Bei einem echten Passivhaus mit Heizwärmebedarf unter 15 kWh/m²a (150 m² × 15 kWh = 2.250 kWh/Jahr) ist der absolute Bedarf so niedrig, dass selbst die Infrarotheizung nur rund 790 EUR/Jahr Stromkosten verursacht. Eine Wärmepumpe spart hier zwar immer noch 400–500 EUR jährlich, braucht aber 15.000–25.000 EUR Mehrinvestition, die sich über 15 Jahre nicht zurückverdient. Wichtig: Das gilt nur für echte zertifizierte Passivhäuser, nicht für "gut gedämmte Neubauten".

4. Nachrüstung in Mietwohnungen und Einzelfällen ohne Wasseranschluss

In Mietwohnungen, in denen eine Zentralheizung fehlt oder ein Wasseranschluss für einen Heizkreis nicht sinnvoll ist (z. B. Dachgeschossausbau, Gartenhaus), bleiben nur direktelektrische Systeme übrig. Hier konkurriert die Infrarotheizung nicht gegen Wärmepumpen, sondern gegen Nachtspeicherheizungen und Konvektoren. In diesem Vergleich schneidet sie akzeptabel ab.

5. Einzelraumbeheizung als Ergänzung

Die Infrarotheizung ist oft sinnvoll als punktuelles Zusatzsystem zu einer bestehenden Hauptheizung: Beheizung eines Badezimmers am frühen Morgen, kurze Aufwärmung eines selten genutzten Gästezimmers, Komfortzusatz in einem Atelier. Hier konkurriert sie nicht mit der Wärmepumpe, sondern ergänzt sie.

Entscheidende Gemeinsamkeit aller fünf Fälle: Der Jahresstromverbrauch bleibt unter etwa 3.000 kWh – das ist die Schmerzgrenze, ab der die Infrarotheizung finanziell scheitert.

Wann die Wärmepumpe klar überlegen ist

Die Wärmepumpe gewinnt in allen Dauerbetriebssituationen. Konkret sind das:

  • Jedes ganzjährig bewohnte Ein- und Zweifamilienhaus mit einem Heizwärmebedarf über 6.000 kWh/Jahr – unabhängig vom Sanierungszustand.
  • Neubauten, die nicht auf Passivhaus-Niveau sind (KfW 40, KfW 55, GEG-Standard): Hier arbeiten Wärmepumpen mit JAZ 4,0–4,8 und liefern Heizkosten unterhalb aller anderen Systeme.
  • Sanierte Altbauten mit Flächenheizung oder großen Heizkörpern, bei denen eine Vorlauftemperatur von 45–55 °C möglich ist. Die JAZ liegt hier realistisch bei 3,0–3,8.
  • Teilsanierte Altbauten: Selbst mit JAZ 2,8 bleibt die Wärmepumpe der Infrarotheizung um Faktor 2,8 im Stromverbrauch überlegen – und damit im Betrieb.
  • Jedes Haus mit angeschlossener Photovoltaik-Anlage: Die Kombination aus Wärmepumpe und PV nutzt Eigenstrom besonders effektiv, weil der Wärmepumpen-Bedarf gleichmäßig über den Tag verteilt anfällt und hoher Autarkiegrad erreicht wird.
  • Haushalte, die in den nächsten 15 Jahren noch heizen werden: Mit jedem Jahr steigt die CO₂-Abgabe, der Strompreis bleibt im Vergleich zu fossilen Brennstoffen stabil, und die Wärmepumpe wird relativ günstiger.

Eine wichtige Ausnahme: Bei Vorlauftemperaturen konstant über 60 °C (sehr schlecht gedämmter Altbau mit alten, unterdimensionierten Heizkörpern und ohne Möglichkeit zum Tausch) kann die Wärmepumpen-JAZ unter 2,5 fallen. In solchen Extremfällen lohnt der Vergleich mit einer Hybridlösung oder Fernwärme eher als mit Infrarot.

CO₂-Bilanz und Zukunftssicherheit

Die klimatische Bewertung der beiden Systeme folgt direkt aus dem Strombedarf. Der deutsche Strommix verursachte 2024 laut Umweltbundesamt rund 380 g CO₂ pro kWh. Dieser Wert sinkt voraussichtlich bis 2030 auf etwa 200 g/kWh, bis 2035 auf unter 100 g/kWh.

CO₂-Emissionen in unseren drei Szenarien (Stand 2024-Strommix)

Szenario Infrarotheizung Wärmepumpe (JAZ 3,5) Ersparnis
Neubau (4.200 kWh Wärme) 1.596 kg CO₂ 355 kg CO₂ 1.241 kg
Saniertes EFH (14.000 kWh) 5.320 kg CO₂ 1.520 kg CO₂ 3.800 kg
Altbau (25.200 kWh) 9.576 kg CO₂ 3.420 kg CO₂ 6.156 kg

Mit dem weiter sinkenden Strommix verschiebt sich dieses Verhältnis gleichmäßig zugunsten der Wärmepumpe, weil beide Systeme mit derselben Stromquelle versorgt werden, die Wärmepumpe aber pro kWh Wärme nur ein Drittel so viel davon braucht. Wer heute eine Wärmepumpe einbaut, wird über ihre 20-jährige Betriebszeit automatisch immer klimafreundlicher heizen – ohne eine weitere Investition.

Die häufigsten Mythen zur Infrarotheizung im Faktencheck

Die Infrarot-Branche verteidigt sich mit einer Reihe von Argumenten, die in Werbebroschüren, auf Herstellerwebsites und in Verkaufsgesprächen immer wieder auftauchen. Die meisten davon sind entweder falsch oder stark verzerrend dargestellt.

Mythos 1: "Infrarotheizungen haben 100 % Wirkungsgrad, Wärmepumpen oft nur 300 %"

Falsch dargestellt. Richtig ist, dass der elektrische Wirkungsgrad der Infrarotheizung bei nahezu 100 Prozent liegt – das bedeutet aber nur, dass aus 1 kWh Strom 1 kWh Wärme entsteht. Die Wärmepumpe erzeugt aus 1 kWh Strom 3–4,5 kWh Wärme, weil sie zusätzlich Umweltwärme nutzt. Bezogen auf den eingesetzten Strom ist ihr "Wirkungsgrad" also 300–450 %. Wer die beiden Zahlen vergleicht und behauptet "100 % ist besser als 300 %", spielt mit mathematischen Begriffen.

Mythos 2: "Strahlungswärme erlaubt 2–3 °C niedrigere Raumtemperatur"

Teilweise richtig, kaum relevant. Es stimmt, dass Strahlungswärme die gefühlte Temperatur leicht erhöht. Realistisch sind 1–1,5 °C, nicht 2–3 °C. Eine Reduktion um 1,5 °C spart 9–12 % Heizenergie. Das senkt zwar die Stromkosten der Infrarotheizung, aber ändert nichts am Grundproblem: Aus 15.000 kWh werden vielleicht 13.200 kWh – immer noch rund das Dreifache einer Wärmepumpe.

Mythos 3: "Infrarotheizungen sind wartungsfrei"

Formal richtig, in der Praxis irrelevant. Infrarotpaneele haben keine beweglichen Teile, keine Kältemittel, keine Pumpen. Wartungskosten liegen bei 0 EUR/Jahr. Das stimmt. Aber bei Wartungskosten von 150–300 EUR/Jahr einer Wärmepumpe gegen Stromkostendifferenzen von 2.000–6.000 EUR/Jahr wird das "wartungsfrei"-Argument komplett irrelevant. Auch 30 Jahre × 200 EUR = 6.000 EUR Wartung sind nur ein Bruchteil der zusätzlichen Stromkosten einer Infrarot-Primärheizung.

Mythos 4: "Die Anschaffung ist 80 % günstiger"

Stimmt, ist aber irreführend. Ja, 5.000 EUR gegen 15.000 EUR netto nach Förderung ist eine Differenz von rund 67 %. Aber die 10.000 EUR Mehrinvestition für die Wärmepumpe sparen in einem sanierten EFH über 15 Jahre rund 57.000 EUR an Stromkosten. Die Amortisation erfolgt nach etwa 2,5 Jahren.

Mythos 5: "Mit PV-Überschuss wird die Infrarotheizung wirtschaftlich"

Falsch. Die Infrarotheizung braucht Strom genau dann, wenn es kalt ist – also im Winter, bei kurzen Tagen und wenig Sonne. Eine PV-Anlage liefert im Dezember und Januar typischerweise 3–8 % ihrer Jahresproduktion. Selbst eine große 15-kWp-Anlage deckt im Winter nur einen kleinen Teil des Heizstrombedarfs. Laut HTW Berlin Stromspeicher-Inspektion liegt der Eigenverbrauchsanteil für Heizstrom selbst mit großem Speicher in den Wintermonaten unter 20 %. Die Wärmepumpe nutzt PV-Überschuss zwar ebenfalls nur begrenzt – aber weil ihr Gesamtbedarf dreimal niedriger ist, bleibt das System auch im Winter kalkulierbar.

Entscheidungsmatrix: Welches System für welches Haus?

Wer nach der Lektüre der ersten Abschnitte noch zweifelt, findet hier die schnelle Antwort nach Gebäudetyp und Nutzung.

Gebäudetyp / Nutzung Empfehlung Begründung
KfW-40-Neubau, ganzjährig bewohnt Wärmepumpe JAZ > 4, geringste Gesamtkosten, volle Förderung
KfW-55-Neubau Wärmepumpe Wie oben, FBH optimal
Saniertes EFH (1980–2000, mit FBH) Wärmepumpe JAZ 3,5–4,0, Förderung greift voll
Saniertes EFH mit Heizkörpern Wärmepumpe JAZ 2,8–3,5, ggf. Heizkörpertausch einzelner Räume
Unsanierter Altbau, keine Sanierung geplant Wärmepumpe + Dämmpaket oder Fernwärme IR würde 8.000–10.000 EUR/Jahr kosten
Teilsanierter Altbau Wärmepumpe Auch bei JAZ 2,8 noch 3× besser als IR
Echtes Passivhaus (< 15 kWh/m²a) Infrarot oder Kleinst-WP Beide vertretbar, IR einfacher
Ferienhaus < 60 Heiztage/Jahr Infrarotheizung WP amortisiert sich nicht
Einzelraumbeheizung (Keller, Werkstatt) Infrarotheizung Punktuell, niedrige Betriebsstunden
Mietwohnung ohne Heizkreis Infrarotheizung Keine Alternative verfügbar
Tiny House / Mobilheim Infrarot oder Split-WP Abhängig von Nutzung
Haus mit PV + Speicher, ganzjährig Wärmepumpe Eigenstromquote nur mit WP wirtschaftlich

Ein einfacher Merksatz für die Praxis: Wenn Sie Ihr Haus an mehr als 120 Tagen pro Jahr beheizen und Ihr Jahreswärmebedarf über 6.000 kWh liegt, gewinnt die Wärmepumpe. Darunter sollten Sie zumindest ernsthaft rechnen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist günstiger – Wärmepumpe oder Infrarotheizung?

Bei der reinen Anschaffung ist die Infrarotheizung mit 3.400–9.400 EUR deutlich günstiger als eine Wärmepumpe (25.000–44.000 EUR brutto, 8.100–13.200 EUR nach Förderung). Bei den Gesamtkosten über 15 Jahre dreht sich das Bild: Die Wärmepumpe ist im sanierten EFH rund 57.000 EUR günstiger, im Altbau sogar bis zu 104.000 EUR. Nur im KfW-40-Neubau schrumpft die Differenz auf rund 11.000 EUR zugunsten der Wärmepumpe. Entscheidend ist der Stromverbrauch: Infrarot = 1:1, Wärmepumpe = 1:3 bis 1:4.

Ist eine Infrarotheizung in einem gedämmten Neubau sinnvoll?

In einem KfW-40-Neubau mit 4.000–4.500 kWh Heizwärmebedarf ist die Infrarotheizung wirtschaftlich nicht sinnvoll, aber technisch möglich. Die Stromkosten liegen bei 1.400–1.600 EUR pro Jahr, eine Wärmepumpe käme mit 230–260 EUR aus. Bei einem zertifizierten Passivhaus mit unter 15 kWh/m²a kann sich die Rechnung knapp drehen, weil der absolute Bedarf so niedrig ist, dass sich die Wärmepumpen-Mehrinvestition nicht mehr rechnet. Für alle anderen Neubauten ist die Wärmepumpe die einzige rationale Wahl.

Wie viel Strom verbraucht eine Infrarotheizung für ein EFH?

Eine Infrarotheizung verbraucht pro kWh Heizwärmebedarf etwa 1,0 kWh Strom (inkl. kleiner Regelverluste etwa 1,03 kWh). Für ein durchschnittliches saniertes EFH mit 14.000 kWh Heizbedarf sind das rund 14.000–14.500 kWh Strom pro Jahr. Das entspricht bei 35 ct/kWh etwa 4.900–5.100 EUR jährliche Heizkosten. Für einen unsanierten Altbau mit 25.000 kWh Bedarf liegen die Stromkosten bei rund 8.800 EUR – ein Wert, bei dem die Infrarotheizung jede wirtschaftliche Grundlage verliert.

Welche Förderung gibt es für Infrarotheizungen 2026?

Keine spezielle Heizungsförderung. Die Infrarotheizung ist im KfW-458-Förderprogramm für klimafreundliche Heizungen nicht förderfähig und erhält weder den 30-%-Grundzuschuss noch den Klimageschwindigkeitsbonus oder Einkommensbonus. Ein Steuerbonus nach § 35c EStG (20 % über drei Jahre, max. 40.000 EUR) ist theoretisch im Rahmen einer energetischen Sanierung denkbar, wird von Finanzämtern aber uneinheitlich behandelt. Im Gegensatz dazu erhält die Wärmepumpe 2026 bis zu 70 % KfW-Zuschuss. Dieses Ungleichgewicht ist politisch gewollt.

Ist eine Infrarotheizung wirklich wartungsfrei?

Ja, die Infrarotheizung hat keine beweglichen Teile, keine Kältemittel und keine Pumpe. Die Wartungskosten liegen bei 0 EUR pro Jahr. Eine Wärmepumpe benötigt dagegen 150–300 EUR jährlich für Service und periodische Kältemittelprüfung (bei F-Gas-Kältemitteln ab 5 t CO₂-Äquivalent alle 12 Monate). Über 15 Jahre ergibt das bei der Wärmepumpe 2.250–4.500 EUR Wartungskosten – ein Betrag, der gegenüber der jährlichen Stromkostendifferenz von mehreren tausend Euro aber vernachlässigbar bleibt.

Welche Heizung hat die bessere CO₂-Bilanz?

Die Wärmepumpe hat in jedem realistischen Szenario die deutlich bessere CO₂-Bilanz, weil sie pro kWh Wärme nur rund ein Drittel des Stroms braucht. Bei einem Strommix von 380 g/kWh (2024) und 14.000 kWh Wärmebedarf emittiert die Infrarotheizung rund 5.320 kg CO₂ pro Jahr, die Wärmepumpe (JAZ 3,5) nur etwa 1.520 kg – eine Ersparnis von 3.800 kg. Mit dem weiter sinkenden Strommix verbessert sich diese Bilanz gleichmäßig für beide Systeme – die absolute Differenz bleibt aber bestehen.

Kann ich Infrarotheizung mit PV kombinieren?

Grundsätzlich ja, wirtschaftlich bringt es aber wenig. Der Grund: Der Heizbedarf fällt im Winter an, wenn die PV-Anlage nur 3–8 % ihrer Jahresproduktion liefert. Selbst mit einem großen Batteriespeicher liegt der winterliche Eigenverbrauchsanteil für Heizstrom unter 20 %. Praktisch bedeutet das: Von 14.000 kWh jährlichem IR-Strombedarf deckt eine 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher realistisch nur 1.500–2.500 kWh ab. Die übrigen 11.500–12.500 kWh müssen Sie zum normalen Haushaltsstrompreis beziehen. Eine Wärmepumpe mit PV-Kombination ist um den Faktor 3 effektiver, weil der Gesamtbedarf niedriger ist.

Hält eine Infrarotheizung wirklich 30 Jahre?

Qualitativ hochwertige Infrarotpaneele erreichen tatsächlich Lebensdauern von 25–30 Jahren, weil sie keine verschleißanfälligen Komponenten haben. Eine Wärmepumpe liegt bei 15–20 Jahren, wobei einzelne Komponenten (Kompressor, Steuerung) möglicherweise vorher getauscht werden müssen. Die längere Lebensdauer der Infrarotheizung kann die Gesamtbetrachtung leicht zugunsten von Infrarot verschieben – kippt sie aber auch bei 30 Jahren nicht, weil die Stromkostendifferenz pro Jahr in jedem realistischen Szenario den Anschaffungsvorteil um ein Vielfaches übersteigt.

Was spricht wirklich für eine Infrarotheizung?

Fünf Punkte sind unstrittig: (1) niedrige Anschaffung, (2) keine Wartung, (3) keine Installation eines Wasserkreislaufs, (4) Einzelraumsteuerung ohne Zentrale, (5) schnelle Reaktion bei seltenem Betrieb. Diese Vorteile sind real. Sie zahlen sich aber nur in den fünf oben beschriebenen Nischenszenarien aus, nicht im Dauerbetrieb.

Fazit

Die Entscheidung zwischen Wärmepumpe und Infrarotheizung ist 2026 in neun von zehn Fällen keine echte Entscheidung mehr. Die physikalische Differenz zwischen JAZ 1,0 und JAZ 3,0–4,5 ist so groß, dass sie sich weder durch Anschaffungsersparnis noch durch geringere Wartung noch durch längere Lebensdauer kompensieren lässt. Ein saniertes Einfamilienhaus spart mit der Wärmepumpe über 15 Jahre rund 57.000 EUR. Ein unsanierter Altbau spart über 100.000 EUR. Selbst im optimierten Neubau bleibt die Differenz bei rund 11.000 EUR zugunsten der Wärmepumpe.

Die Infrarotheizung ist keine schlechte Technologie – sie ist nur in den meisten Wohngebäuden die falsche Technologie. Sie gehört ins Ferienhaus, in den selten genutzten Gästeraum, in die Mietwohnung ohne Heizkreis, ins zertifizierte Passivhaus und in die Werkstatt. Als primäres Heizsystem für ein ganzjährig bewohntes EFH oder eine Dauer-Mietwohnung ist sie 2026 die teuerste Option auf dem Markt – teurer sogar als eine Gasheizung im GEG-Übergangsszenario.

Wer zwischen Wärmepumpe und Infrarot schwankt, sollte einen einfachen Dreischritt durchlaufen: Erstens den tatsächlichen Heizwärmebedarf Ihres Hauses bestimmen (Verbrauch der letzten drei Jahre, Heizkostenabrechnung, Energieausweis). Zweitens den Jahresstromverbrauch für beide Systeme ausrechnen (WP: Bedarf ÷ JAZ, IR: Bedarf × 1,03). Drittens beide Systeme über 15 Jahre durchkalkulieren – nicht nur den Kaufpreis. Wer diesen Dreischritt sauber macht, kommt fast immer zum selben Ergebnis: Wärmepumpe gewinnt.

Wenn Sie sich detaillierter mit den Kostenstrukturen beschäftigen möchten, empfehlen wir die Artikel zu Infrarotheizung: Kosten, Stromverbrauch & ehrliche Bewertung, Wärmepumpe Kosten und Förderung, Wärmepumpe vs. Gasheizung und Heizsysteme Vergleich 2026. Für die technische Einordnung der Wärmepumpeneffizienz hilft der Artikel zu Heizungsarten im Vergleich. Für die Auslegung der Wärmepumpe ist der Artikel Wärmepumpe Stromverbrauch der nächste logische Schritt, und für die Kombination mit Eigenstrom lesen Sie Wärmepumpe mit Photovoltaik kombinieren.

Stand der Daten: April 2026. Preise, Förderbedingungen und technische Kennwerte können sich ändern – prüfen Sie vor einer Entscheidung die aktuellen Werte auf den Seiten von KfW, BAFA und Ihrem Energieversorger.


wärmepumpeinfrarotheizungheizungsvergleichstromheizungheizkosten

Sanierungspotenzial Ihres Gebäudes entdecken

Finden Sie heraus, welche Maßnahmen sich für Ihr Gebäude lohnen – kostenlos und in wenigen Minuten.

Kostenlos Gebäude analysieren

Verwandte Artikel