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Sonnenschutz Förderung 2026: Bis zu 20 % BAFA-Zuschuss für Hitzeschutz

Rollläden, Raffstores, Textilscreens – der Staat fördert sommerlichen Wärmeschutz mit 15–20 %. Welche Maßnahmen förderfähig sind, was sie kosten und warum es drängt.

Außenliegende Raffstores an einer Hausfassade als Sonnenschutz

Sommerliche Hitze in Wohngebäuden ist längst kein Komfortproblem mehr, sondern ein energetisches und gesundheitliches Risiko. 2024 war mit einer Durchschnittstemperatur von 10,9 Grad Celsius das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland. Der Kühlenergiebedarf in Wohngebäuden ist zwischen 2008 und 2016 um rund 36 Prozent gestiegen und wird sich Prognosen zufolge bis 2050 verdoppeln. Klimaanlagen lösen das Problem nur symptomatisch und treiben den Stromverbrauch in die Höhe. Außenliegender Sonnenschutz verhindert dagegen, dass die Wärme überhaupt ins Gebäude gelangt.

Die gute Nachricht: Der Staat fördert den sommerlichen Wärmeschutz über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG EM) mit 15 Prozent Zuschuss, mit einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) sogar mit 20 Prozent. Förderfähig sind Rollläden, Raffstores, Textilscreens, Fenstermarkisen und weitere Systeme, sofern sie eine automatische strahlungsabhängige Steuerung besitzen. Dieser Ratgeber erklärt, welche Maßnahmen förderfähig sind, was sie kosten, wie die Antragstellung funktioniert und warum es sich lohnt, jetzt zu handeln.

Warum sommerlicher Wärmeschutz wichtiger wird

Klimawandel und steigende Temperaturen

Die Fakten sind eindeutig: Die Anzahl der Hitzetage (über 30 Grad Celsius) hat sich in Deutschland seit den 1950er-Jahren mehr als verdoppelt. In Süddeutschland, im Rheintal und in städtischen Wärmeinseln werden im Sommer regelmäßig 35 bis 40 Grad Celsius erreicht. Gebäude mit großen Fensterflächen nach Süden oder Westen heizen sich ohne Sonnenschutz auf Innentemperaturen von 28 bis 35 Grad Celsius auf. Ab 26 Grad Celsius sinkt die Leistungsfähigkeit spürbar, ab 30 Grad Celsius wird es gesundheitlich belastend, insbesondere für ältere Menschen und Kleinkinder.

Klimaanlage vs. Sonnenschutz

Klimageräte verbrauchen Strom und erzeugen Abwärme, die in urbanen Gebieten die Außentemperaturen zusätzlich erhöht. Ein mobiles Klimagerät verbraucht für einen einzelnen Raum 500 bis 1.500 Watt, ein Split-Gerät 600 bis 2.500 Watt. Über einen Sommer summiert sich das auf 300 bis 800 kWh Stromverbrauch pro Gerät.

Außenliegender Sonnenschutz reduziert den solaren Wärmeeintrag um 70 bis 90 Prozent, bevor die Energie das Glas durchdringt. Die Betriebskosten beschränken sich auf den geringen Stromverbrauch des Motors, typischerweise 3 bis 8 Watt pro Fenster. Wer Sonnenschutz mit einer gut gedämmten Gebäudehülle kombiniert, kann in den meisten deutschen Klimazonen auf eine Klimaanlage vollständig verzichten.

GEG § 14: Sommerlicher Wärmeschutz ist Pflicht im Neubau

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt in § 14 den Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes für Neubauten und größere Sanierungen vor. Es gibt zwei Nachweisverfahren:

Verfahren Anforderung Anwendung
Vereinfachtes Verfahren Fensterflächenanteil ≤ 35 % der Grundfläche + außenliegender Sonnenschutz mit FC ≤ 0,30 Für Standardsituationen ausreichend
Vollständiger Nachweis nach DIN 4108-2 Sonneneintragskennwert des Raums darf den zulässigen Wert nicht überschreiten Pflicht bei großen Fensterflächen, kritischen Orientierungen

In der Praxis bedeutet das: Wer große Süd- oder Westfenster plant, kommt um außenliegenden Sonnenschutz nicht herum. Der vereinfachte Nachweis fordert einen FC-Wert (Abminderungsfaktor für solare Gewinne) von maximal 0,30, was nur durch außenliegende Systeme zuverlässig erreichbar ist.

Welche Sonnenschutz-Systeme gibt es?

FC-Wert: Der entscheidende Kennwert

Der FC-Wert (auch Abminderungsfaktor oder Solar Reduction Factor) beschreibt, wie viel Sonnenstrahlung trotz Sonnenschutz noch ins Gebäude gelangt. Ein FC-Wert von 1,00 bedeutet kein Sonnenschutz, ein Wert von 0,10 bedeutet, dass nur noch 10 Prozent der Sonnenstrahlung durchdringen. Je niedriger der Wert, desto besser der Hitzeschutz.

Sonnenschutzsystem FC-Wert (typisch) Reduktion solarer Gewinne
Kein Sonnenschutz 1,00 0 %
Innenliegende helle Jalousie/Rollo 0,50--0,90 10--50 %
Markise (Gelenkarm) ca. 0,50 ca. 50 %
Rollläden (geschlossen) ca. 0,30 ca. 70 %
Raffstores / Außenjalousien ca. 0,25 ca. 75 %
Textilscreens (außenliegend) 0,10--0,25 75--90 %

Die Tabelle zeigt deutlich: Innenliegender Sonnenschutz bringt nur eine moderate Verbesserung. Die Sonnenstrahlung hat das Glas bereits durchdrungen und wird teilweise als Wärme im Raum absorbiert. Außenliegende Systeme fangen die Strahlung ab, bevor sie ins Gebäude gelangt, und sind deshalb drei- bis fünfmal wirksamer.

Rollläden

Rollläden sind das in Deutschland am weitesten verbreitete Sonnenschutzsystem. Sie bestehen aus Aluminium- oder Kunststofflamellen, die in einer Führungsschiene neben dem Fenster laufen und sich in einem Kasten oberhalb des Fensters aufrollen.

Vorteile:

  • Guter Sonnenschutz (FC ca. 0,30)
  • Zusätzlicher Einbruchschutz
  • Schallschutzverbesserung um 3 bis 8 dB
  • Verbesserung des winterlichen Wärmeschutzes (um ca. 0,1 bis 0,3 W/(m2K) U-Wert-Verbesserung)
  • Verdunklung möglich

Nachteile:

  • Im geschlossenen Zustand kein Tageslicht und keine Durchsicht
  • Keine stufenlose Regulierung des Lichteinfalls (nur auf/zu oder Schlitzstellung)

Kosten:

Variante Kosten pro Fenster (inkl. Einbau)
Rollladen manuell (Gurtwickler) 200--500 EUR
Rollladen elektrisch (Rohrmotor) 500--900 EUR
Rollladen elektrisch mit Funksteuerung 600--1.100 EUR
Nachrüstung Automatik (Smart-Home-fähig) +150--300 EUR

Für die BAFA-Förderung müssen Rollläden zwingend über eine automatische, strahlungsabhängige Steuerung verfügen. Ein einfacher Gurtwickler oder eine Zeitschaltuhr reicht nicht aus.

Raffstores (Außenjalousien)

Raffstores bestehen aus horizontal angeordneten Aluminium-Lamellen, die sich stufenlos wenden lassen. Dadurch kann der Lichteinfall präzise reguliert werden, ohne den Raum vollständig zu verdunkeln. Raffstores bieten den besten Kompromiss aus Sonnenschutz und Tageslichtnutzung.

Vorteile:

  • Sehr guter Sonnenschutz (FC ca. 0,25)
  • Stufenlose Lamellenverstellung: Blendschutz bei gleichzeitigem Tageslicht
  • Durchsicht im gewendeten Zustand möglich
  • Ästhetisch hochwertig an modernen Fassaden

Nachteile:

  • Windempfindlich (je nach Modell ab Windstärke 5 bis 7 einfahren)
  • Kein Einbruchschutz
  • Höherer Wartungsaufwand als Rollläden (Lamellen und Bänder)

Kosten:

Variante Kosten pro Fenster (inkl. Einbau)
Raffstore manuell (Kurbel) 200--500 EUR
Raffstore elektrisch (Motor) 300--650 EUR
Raffstore elektrisch mit Funksteuerung und Wetterautomatik 500--900 EUR
Nachrüstung Motorisierung +100--150 EUR

Hersteller wie WAREMA, ROMA, Reflexa und HELLA bieten windstabile Modelle mit Seitenführung, die bis Windstärke 8 ausfahrbar sind. Für exponierte Lagen empfiehlt sich eine Wetterstation mit automatischer Windüberwachung, die den Raffstore bei Sturm einfährt.

Textilscreens (Senkrechtmarkisen)

Textilscreens sind außenliegende Gewebebahnen, die senkrecht vor dem Fenster geführt werden. Sie bestehen aus technischen Textilien (Glasfaser-PVC oder Polyester) mit unterschiedlichen Öffnungsfaktoren. Der Öffnungsfaktor bestimmt, wie viel Licht und Durchsicht das Gewebe zulässt.

Vorteile:

  • Bester FC-Wert aller gängigen Systeme (0,10 bis 0,25)
  • Durchsicht nach außen bei geschlossenem Screen (je nach Öffnungsfaktor)
  • Blendfreies Tageslicht im Raum
  • Windstabil bis Windstärke 6 bis 9 (mit Reißverschluss-Führung ZIP-System bis Windstärke 12)
  • Sehr flacher Aufbau, gut nachrüstbar

Nachteile:

  • Kein Einbruchschutz
  • Keine vollständige Verdunklung (Restlichtdurchlass)
  • Gewebe muss regelmäßig gereinigt werden

Kosten:

Variante Kosten pro Fenster (inkl. Einbau)
Textilscreen Standard (elektrisch) 400--800 EUR
Textilscreen ZIP-System (windstabil) 600--1.200 EUR
Großflächenscreen (Wintergarten, Fassade) 1.000--3.000 EUR

Textilscreens sind besonders interessant für Gebäude, bei denen Rollläden oder Raffstores aus gestalterischen oder baulichen Gründen nicht infrage kommen, etwa bei denkmalgeschützten Fassaden oder bei Gebäuden mit bodentiefen Fensterflächen.

Fenstermarkisen und Wintergartenmarkisen

Fenstermarkisen (Fallarmmarkisen) werden oberhalb des Fensters montiert und fahren schräg nach außen aus. Wintergartenmarkisen werden auf dem Glasdach eines Wintergartens montiert und beschatten die gesamte Glasfläche von oben.

Kosten:

Variante Kosten (inkl. Einbau)
Fenstermarkise (Fallarm, elektrisch) 400--1.200 EUR pro Fenster
Wintergartenmarkise (auf Glasdach) 1.500--3.500+ EUR
Gelenkarmmarkise (Terrasse/Balkon, nicht BAFA-förderfähig als Sonnenschutz der Gebäudehülle) 1.000--3.500+ EUR

Beide Typen sind grundsätzlich förderfähig, sofern sie an der thermischen Gebäudehülle parallel zur Verglasung montiert werden und eine automatische Steuerung besitzen. Freistehende Sonnensegel, Vordächer ohne Bezug zur Verglasung und reine Terrassenmarkisen sind nicht förderfähig.

Sonnenschutzfolien

Sonnenschutzfolien werden direkt auf die Verglasung aufgebracht und reflektieren einen Teil der Sonnenstrahlung. Sie sind eine kostengünstige Nachrüstlösung, erreichen aber deutlich schlechtere FC-Werte als außenliegende Systeme.

Folientyp FC-Wert Kosten pro m2 (inkl. Montage)
Spiegelfolie (außen) 0,30--0,50 50--120 EUR
Sonnenschutzfolie (innen) 0,40--0,70 30--80 EUR

Sonnenschutzfolien sind nur unter bestimmten Bedingungen BAFA-förderfähig: Sie müssen an der thermischen Gebäudehülle parallel zur Verglasung angebracht sein. Die Förderung ist im Vergleich zu mechanischen Systemen weniger verbreitet, und die Wirksamkeit ist deutlich geringer.

BAFA-Förderung: Konditionen und Voraussetzungen

Förderhöhe

Der sommerliche Wärmeschutz wird im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude -- Einzelmaßnahmen (BEG EM) als Maßnahme an der Gebäudehülle gefördert.

Förderung Zuschuss Förderfähige Kosten pro Wohneinheit
BAFA-Basiszuschuss 15 % Max. 30.000 EUR
iSFP-Bonus (individueller Sanierungsfahrplan) +5 % Erhöht Obergrenze auf 60.000 EUR
Maximal erreichbar 20 % Max. 60.000 EUR

Bei einem Einfamilienhaus mit zehn Fenstern und einer Investition von 8.000 EUR (Raffstores mit Automatiksteuerung) ergibt sich folgende Rechnung:

Position Ohne iSFP Mit iSFP
Investition 8.000 EUR 8.000 EUR
Zuschuss 1.200 EUR (15 %) 1.600 EUR (20 %)
Eigenanteil 6.800 EUR 6.400 EUR

Der iSFP-Bonus lohnt sich doppelt: Sie erhalten nicht nur 5 Prozent mehr Förderung, sondern auch einen umfassenden Sanierungsfahrplan, der weitere Einsparpotenziale aufdeckt und die Förderobergrenze auf 60.000 EUR pro Wohneinheit verdoppelt. Das ist besonders relevant, wenn Sie den Sonnenschutz mit weiteren Maßnahmen wie einer Fenstererneuerung oder einer Fassadendämmung kombinieren.

Technische Voraussetzungen

Die BAFA stellt klare Anforderungen an förderfähige Sonnenschutzsysteme:

  1. Automatische strahlungsabhängige Steuerung: Das System muss über einen Sonnensensor oder eine vergleichbare Automatik verfügen, die den Sonnenschutz bei Einstrahlung selbstständig aktiviert. Eine reine Zeitschaltuhr oder manuelle Bedienung reicht nicht aus.

  2. Außenliegende Montage: Das System muss außerhalb der Verglasung angebracht sein. Innenliegende Jalousien, Rollos oder Plissees sind nicht förderfähig.

  3. Montage an der thermischen Gebäudehülle: Der Sonnenschutz muss parallel zur Verglasung an der Gebäudehülle montiert sein. Freistehende Konstruktionen wie Pergola-Markisen oder Sonnensegel ohne Gebäudebezug sind ausgeschlossen.

  4. Fachunternehmer: Planung und Einbau müssen durch einen qualifizierten Fachbetrieb erfolgen.

  5. Energieeffizienz-Experte: Ein bei der dena gelisteter Energieeffizienz-Experte muss in die Planung eingebunden werden und den Förderantrag bestätigen.

  6. Antragstellung vor Maßnahmenbeginn: Der BAFA-Antrag muss genehmigt sein, bevor ein Liefer- oder Installationsvertrag unterschrieben wird. Aufträge, die vor der Antragstellung vergeben wurden, sind nicht förderfähig.

Was genau ist förderfähig?

System Förderfähig? Bedingung
Rollläden (elektrisch, mit Sonnensensor) Ja Automatische strahlungsabhängige Steuerung
Raffstores / Außenjalousien (mit Automatik) Ja Automatische strahlungsabhängige Steuerung
Textilscreens / Senkrechtmarkisen (mit Automatik) Ja Automatische strahlungsabhängige Steuerung
Fenstermarkisen (mit Automatik) Ja An der Gebäudehülle, parallel zur Verglasung
Wintergartenmarkisen (mit Automatik) Ja Auf der Verglasung des Wintergartens
Sonnenschutzfolien Bedingt An der thermischen Hülle, parallel zur Verglasung
Rollläden (manuell, ohne Automatik) Nein Steuerungsanforderung nicht erfüllt
Innenliegende Jalousien/Rollos Nein Nicht außenliegend
Freistehende Markisen/Sonnensegel Nein Kein Bezug zur thermischen Gebäudehülle
Vordächer (ohne Verglasung) Nein Kein paralleler Bezug zur Verglasung

Nachrüstung der Automatik bei vorhandenen Systemen

Wer bereits elektrische Rollläden oder Raffstores hat, kann die strahlungsabhängige Steuerung nachrüsten und ebenfalls Förderung beantragen. Die Nachrüstung kostet typischerweise 150 bis 300 EUR pro Fenster und umfasst einen Sonnensensor, einen Funkempfänger und gegebenenfalls eine zentrale Steuerungseinheit.

Auch die Automatik-Nachrüstung ist förderfähig, wenn sie im Zusammenhang mit einer förderfähigen Sonnenschutzmaßnahme erfolgt. Sprechen Sie dies mit Ihrem Energieeffizienz-Experten ab.

Kosten und Wirtschaftlichkeit im Vergleich

Vollkostenrechnung: Sonnenschutz vs. Klimaanlage

Die folgende Rechnung vergleicht die Kosten über 20 Jahre für ein Einfamilienhaus mit zehn Fenstern (Süd- und Westseite):

Kostenfaktor Außenliegender Sonnenschutz (Raffstores) Split-Klimaanlage (3 Innengeräte)
Anschaffung 5.000--9.000 EUR 4.000--8.000 EUR
BAFA-Förderung (20 %) -1.000 bis -1.800 EUR Keine
Nettokosten Anschaffung 4.000--7.200 EUR 4.000--8.000 EUR
Jährliche Stromkosten ca. 10--20 EUR (Motoren) ca. 200--500 EUR (Kühlung)
Wartung pro Jahr ca. 50--100 EUR ca. 150--250 EUR
Gesamtkosten über 20 Jahre 5.200--9.600 EUR 11.000--23.000 EUR

Die Rechnung zeigt: Außenliegender Sonnenschutz ist bereits bei der Anschaffung günstiger als eine Klimaanlage und hat dramatisch niedrigere Betriebskosten. Hinzu kommt, dass Sonnenschutz keinen Lärm erzeugt, keine Abwärme produziert und den Wert der Immobilie steigert.

Amortisation des Sonnenschutzes

Die Amortisation lässt sich nicht allein über Heiz- oder Kühlenergiekosten berechnen, da der Hauptnutzen in der Vermeidung von Klimatisierungskosten und in der Komfortsteigerung liegt. Wer eine Klimaanlage vermeidet, spart über 20 Jahre 5.000 bis 15.000 EUR. Der Sonnenschutz amortisiert sich in diesem Vergleich innerhalb von 5 bis 8 Jahren.

Zusätzlich verbessert Sonnenschutz den winterlichen Wärmeschutz: Geschlossene Rollläden reduzieren den U-Wert eines Fensters um 0,1 bis 0,3 W/(m2K). Bei zehn Fenstern mit je 1,5 m2 Fläche und einer Heizperiode von 5.000 Stunden ergibt sich eine Einsparung von 75 bis 225 kWh pro Winter, also 8 bis 25 EUR pro Jahr. Dieser Nebeneffekt ist gering, aber er addiert sich über die Lebensdauer.

Systemwahl: Welcher Sonnenschutz für welches Gebäude?

Entscheidungshilfe nach Gebäudetyp

Gebäudetyp Empfehlung Begründung
Neubau, moderne Architektur Textilscreens (ZIP) oder Raffstores Bester FC-Wert, flacher Aufbau, ästhetisch hochwertig
Altbau mit vorhandenen Rollladenkästen Rollläden erneuern + Automatik nachrüsten Kostengünstig, nutzt vorhandene Infrastruktur
Denkmalschutz Textilscreens (dezent) oder innenliegende Systeme Genehmigungspflichtig, ggf. Abstimmung mit Denkmalamt
Mehrfamilienhaus Raffstores oder Textilscreens Einheitliches Fassadenbild, individuelle Bedienung pro Wohnung
Wintergarten Wintergartenmarkise Speziell für Glasdächer konzipiert
Großflächige Verglasungen (bodentief) Textilscreens ZIP Windstabil, durchsicht bei geschlossenem Screen

Orientierung und Verschattungsbedarf

Nicht jede Fassade benötigt den gleichen Sonnenschutz:

  • Südfassade: Höchster Wärmeeintrag im Sommer, Sonnenschutz mit FC ≤ 0,25 empfohlen (Raffstores oder Textilscreens)
  • Westfassade: Kritisch wegen Nachmittags- und Abendsonne bei niedrigem Sonnenstand. Horizontale Systeme (Markisen) wirken hier schlechter als vertikale (Raffstores, Textilscreens)
  • Ostfassade: Moderater Wärmeeintrag am Vormittag, Rollläden oder einfache Textilscreens ausreichend
  • Nordfassade: Kein nennenswerter solarer Wärmeeintrag, Sonnenschutz in der Regel nicht erforderlich

Kombination mit anderen Sanierungsmaßnahmen

Der sommerliche Wärmeschutz entfaltet seine volle Wirkung in Kombination mit anderen Maßnahmen an der Gebäudehülle:

Sonnenschutz und Fenstererneuerung

Beim Austausch der Fenster bietet sich die gleichzeitige Installation von Sonnenschutz an. Die Montagekosten sinken, weil das Gerüst bereits steht und die Anschlüsse im selben Arbeitsgang hergestellt werden. Moderne Dreifachverglasung mit einem g-Wert von 0,50 bis 0,55 reduziert den solaren Wärmeeintrag bereits um 45 bis 50 Prozent im Vergleich zu alter Einfachverglasung. In Kombination mit einem Raffstore (FC 0,25) sinkt der effektive solare Eintrag auf nur noch 12 bis 14 Prozent des ursprünglichen Wertes.

Sonnenschutz und Fassadendämmung

Eine gut gedämmte Fassade schützt nicht nur vor Wärmeverlust im Winter, sondern verlangsamt auch das Aufheizen im Sommer. Massive, gut gedämmte Wände haben eine hohe thermische Trägheit und puffern Temperaturschwankungen ab. In Kombination mit außenliegendem Sonnenschutz bleibt das Gebäude auch bei mehrtägigen Hitzewellen kühl.

Sonnenschutz und Wärmebrückenbeseitigung

Alte Rollladenkästen sind häufig eine erhebliche Wärmebrücke. Wer die Rollläden erneuert oder gegen Raffstores tauscht, sollte gleichzeitig den Rollladenkasten dämmen oder durch ein modernes Aufsatzsystem ersetzen. So lösen Sie zwei Probleme in einem Schritt.

Antragstellung: Schritt für Schritt

  1. Energieeffizienz-Experte einbinden: Beauftragen Sie einen bei der dena gelisteten Experten. Dieser prüft den Bedarf, wählt das geeignete System und erstellt die technische Projektbeschreibung (TPB). Ein Überblick über die Förderung energetischer Sanierung hilft bei der Orientierung.

  2. BAFA-Antrag online stellen: Ihr Energieeffizienz-Experte stellt den Antrag über das BAFA-Portal. Der Antrag muss die Maßnahme beschreiben, die förderfähigen Kosten auflisten und die TPB enthalten.

  3. Zuwendungsbescheid abwarten: Erst nach Erhalt des Zuwendungsbescheids dürfen Sie einen verbindlichen Auftrag an den Fachbetrieb vergeben. Die Bearbeitungszeit beträgt derzeit 4 bis 8 Wochen.

  4. Fachbetrieb beauftragen und Maßnahme durchführen lassen: Der Fachbetrieb installiert den Sonnenschutz und erstellt eine Fachunternehmererklärung (FUE).

  5. Verwendungsnachweis einreichen: Nach Abschluss der Maßnahme reichen Sie die Rechnungen und die FUE beim BAFA ein. Der Zuschuss wird innerhalb von 4 bis 12 Wochen ausgezahlt.

Tipp: Wenn Sie ohnehin einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellen lassen, ist der Energieeffizienz-Experte bereits involviert. Er kann den BAFA-Antrag für den Sonnenschutz direkt mit vorbereiten. So sparen Sie Zeit und sichern sich den iSFP-Bonus von 5 Prozent.

Häufige Fragen

Werden Rollläden ohne Automatik gefördert?

Nein. Die BAFA fordert für die Förderung von Sonnenschutzmaßnahmen eine automatische strahlungsabhängige Steuerung. Ein manueller Rollladen mit Gurtwickler oder eine reine Zeitschaltuhr erfüllt diese Anforderung nicht. Die Nachrüstung eines Sonnensensors mit automatischer Steuerung kostet 150 bis 300 EUR pro Fenster und macht den Rollladen förderfähig.

Kann ich innenliegenden Sonnenschutz fördern lassen?

Nein. Innenliegende Systeme wie Jalousien, Rollos, Plissees oder Vorhänge sind nicht über die BEG EM förderfähig. Der Grund: Innenliegender Sonnenschutz erreicht nur FC-Werte von 0,50 bis 0,90, während außenliegende Systeme 0,10 bis 0,30 erreichen. Die BAFA fördert ausschließlich außenliegende Maßnahmen, die einen nachweisbaren Beitrag zur Reduktion des Kühlbedarfs leisten.

Wie hoch ist die maximale Förderung pro Wohneinheit?

Die förderfähigen Kosten sind auf 30.000 EUR pro Wohneinheit gedeckelt. Mit einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) steigt die Obergrenze auf 60.000 EUR. Bei einem Fördersatz von 15 bzw. 20 Prozent beträgt die maximale Förderung somit 4.500 EUR (ohne iSFP) bzw. 12.000 EUR (mit iSFP) pro Wohneinheit. In der Praxis liegen die Kosten für Sonnenschutz an einem Einfamilienhaus deutlich unter diesen Obergrenzen.

Ist die Förderung mit dem Steuerbonus nach § 35c EStG kombinierbar?

Nein, eine Doppelförderung ist ausgeschlossen. Sie können entweder die BAFA-Förderung oder die steuerliche Förderung nach § 35c EStG in Anspruch nehmen. Bei der steuerlichen Variante setzen Sie 20 Prozent der Kosten über drei Jahre von der Steuerschuld ab. In den meisten Fällen ist der BAFA-Zuschuss vorteilhafter, weil er sofort ausgezahlt wird und keine Steuerlast voraussetzt.

Muss ich bei einem Neubau Sonnenschutz einplanen?

Das GEG (§ 14) verlangt den Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes nach DIN 4108-2. Im vereinfachten Verfahren ist außenliegender Sonnenschutz mit FC ≤ 0,30 gefordert, wenn der Fensterflächenanteil 35 Prozent der Grundfläche übersteigt. In der Praxis bedeutet das: Bei Süd- und Westfenstern ist außenliegender Sonnenschutz in fast allen Fällen notwendig, um den Nachweis zu bestehen. Die BAFA-Förderung gilt allerdings nur für Bestandsgebäude. Im Neubau sind die Kosten für Sonnenschutz Teil der Gesamtbaukosten und können ggf. über die KfW-Neubauförderung (Klimafreundlicher Neubau) abgedeckt werden.

Lohnt sich Sonnenschutz auch an Nordfenstern?

In der Regel nicht aus energetischer Sicht. Die Nordfassade erhält keinen direkten Sonneneintrag und nur geringe diffuse Strahlung. Sonnenschutz an Nordfenstern dient allenfalls dem Sichtschutz oder der Blendreduktion bei flachem Sonnenstand im Hochsommer. Die BAFA fördert auch Sonnenschutz an Nordfenstern, aber wirtschaftlich ist es selten sinnvoll. Investieren Sie das Budget in die Süd- und Westfassade, wo der Effekt am größten ist.

Wie lange dauert die Installation?

Für ein Einfamilienhaus mit acht bis zehn Fenstern dauert die Installation von Raffstores oder Textilscreens typischerweise zwei bis drei Arbeitstage. Bei Rollläden mit vorhandenen Kästen ist die Nachrüstung oft in einem Tag erledigt. Die Lieferzeit der Systeme beträgt aktuell vier bis acht Wochen, in der Hauptsaison (Mai bis August) kann sie auf zehn bis zwölf Wochen steigen. Planen Sie daher frühzeitig, idealerweise im Winter oder Frühjahr.

Fazit und nächste Schritte

Sommerlicher Wärmeschutz ist keine optionale Komfortmaßnahme, sondern eine zunehmend notwendige Investition in die Gebäudequalität. Die BAFA fördert außenliegende Sonnenschutzsysteme mit 15 bis 20 Prozent Zuschuss, wenn sie eine automatische strahlungsabhängige Steuerung besitzen. Die Kosten liegen für ein Einfamilienhaus bei 4.000 bis 10.000 EUR, der Eigenanteil nach Förderung bei 3.200 bis 8.000 EUR.

Textilscreens und Raffstores bieten die beste Hitzeschutzwirkung (FC 0,10 bis 0,25) und sind die wirtschaftlich sinnvollste Alternative zur Klimaanlage. Wer den Sonnenschutz mit einer Fenstererneuerung oder Fassadendämmung kombiniert, maximiert die Wirkung und profitiert von Synergien bei Montage und Förderung.

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