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CRREM-Pfad: Dekarbonisierung von Immobilienportfolios verstehen und umsetzen

Hendrik Stotz

Hendrik Stotz

Zertifizierter Energieeffizienz-Experte

Stand: 18. Oktober 202622 Minuten

Wohn- und Gewerbeimmobilien im Bestand

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Das Wichtigste in Kürze

  • CRREM: Der Carbon Risk Real Estate Monitor der gemeinnützigen CRREM Foundation veröffentlicht über 1.000 wissenschaftsbasierte Zielpfade für 44 Länder und mehr als elf Nutzungsarten; aktuell ist die CRREM Library v2.05 vom 30. April 2026.
  • Nur 1,5 °C: CRREM bietet derzeit ausschließlich 1,5-°C-Pfade an, abgeleitet aus dem globalen CO₂-Budget. 2-°C-Pfade sind erst für Q4 2027 angekündigt.
  • Misalignment Year: So heißt bei CRREM seit Juli 2025 der Zeitpunkt, der früher „Stranding Year“ hieß (oft auch Stranding Point). Gemeint ist das erste Jahr, in dem die CO₂- oder Energieintensität eines Gebäudes über dem Pfad liegt; ein automatischer Wertverlust folgt daraus nicht.
  • Zielwerte Deutschland: Der CRREM-Pfad liegt 2030 für Bürogebäude bei 21,2 kgCO₂/m²·a (2025: 36,3), für Mehrfamilienhäuser bei 12,5 kgCO₂/m²·a (2025: 21,8). Der Energiepfad für Büros sinkt bis 2034 auf 85 kWh/m²·a und bleibt dann konstant.
  • Kein Excel-Tool mehr: Das kostenlose Excel-Tool wurde am 1. Juli 2026 eingestellt. Pfade, Emissionsfaktoren und Rechenlogik bleiben mit Quellenangabe frei nutzbar; Software bieten lizenzierte Partner an.
  • Praxisbeispiel: Ein Münchner Bürogebäude mit 32,5 kgCO₂/m²·a liegt nach der CRREM-Rechenlogik ab 2027 über dem CO₂-Pfad, mit den deutschen Faktoren von UBA und EBeV gerechnet schon ab 2026. Nach Hüllensanierung und Wärmepumpe hält es den Energiepfad, beim CO₂ entscheidet dann vor allem der Strommix.

Der CRREM-Pfad ist die über die Jahre sinkende Obergrenze für die CO₂- und Energieintensität eines Gebäudes, die die CRREM Foundation je Land und Nutzungsart aus dem globalen 1,5-°C-Budget ableitet. Für deutsche Bürogebäude liegt sie 2030 bei 21,2 kgCO₂/m²·a, für Mehrfamilienhäuser bei 12,5 kgCO₂/m²·a (CRREM Global Pathways v2.05). Liegt ein Gebäude darüber, ist sein Misalignment Year erreicht: ein Signal für Transitionsrisiken, das sich in strengeren Anforderungen von Banken, Sanierungsdruck und geringerer Marktfähigkeit niederschlagen kann.

Dieser Artikel erklärt, wie der Pfad entsteht, wie Sie das Misalignment Year und das jährliche CRREM-Delta ermitteln, was sich mit dem Aus des Excel-Tools geändert hat und welche Hebel ein Portfolio zurück auf den Pfad bringen. Die Werte aller elf deutschen Nutzungsarten stehen in der Übersicht der CRREM-Schwellenwerte je Gebäudetyp, Wege zur Berechnung ohne Excel beschreibt der Beitrag CRREM-Analyse online.

Stand 17.10.2026: Die CRREM Foundation (crrem.org) hat das kostenlose Excel-Tool am 1. Juli 2026 eingestellt. Pfade, Emissionsfaktoren und die Rechenlogik für das „CRREM Misalignment Year“ (früher „Stranding Year“) stehen weiterhin frei in der CRREM Library v2.05 zur Verfügung (Erstveröffentlichung 30.04.2026, Emissionsfaktoren aktualisiert 28.05.2026). Es gibt derzeit nur 1,5-°C-Pfade; 2-°C-Pfade sind für Q4 2027 angekündigt. Quelle der Werte in diesem Artikel: CRREM Foundation (2026), CRREM Global Pathways v2.05.

Was ist CRREM?

Der Carbon Risk Real Estate Monitor (CRREM) begann 2018 als Forschungsprojekt im EU-Programm Horizon 2020, geleitet vom IIÖ Institut für Immobilienökonomie (Wörgl, Österreich) gemeinsam mit GRESB, der Universität Alicante, der Ulster University und der TIAS School for Business and Society. 2020 erschienen die ersten Pfade für 14 europäische Länder, 2022 wuchs die Abdeckung auf 44 Länder und über 1.000 Pfade. Seit Dezember 2024 trägt die gemeinnützige CRREM Foundation mit Sitz in den Niederlanden das Projekt; für die wissenschaftliche Integrität der Pfade ist ein unabhängiger Technical Council zuständig.

Das übergeordnete Ziel: das Transitionsrisiko von Immobilien im Klimawandel transparent und vergleichbar machen. CRREM bietet dafür:

  • Wissenschaftsbasierte Pfade für CO₂- und Energieintensität, abgeleitet aus dem globalen CO₂-Budget und heruntergebrochen auf Länder und Nutzungsarten.
  • Eine offene Bibliothek, die CRREM Library, mit Pfaden, Emissionsfaktoren, Bewertungsleitfaden (Assessment Guide), technischer Rechenvorlage (Technical Blueprint) und Rechenbeispielen.
  • Über 1.000 Pfade für 44 Länder. Für Deutschland gibt es elf Nutzungsarten, von Büro, Einzelhandel, Hotel, Logistik und Gesundheitsimmobilien bis zu Ein- und Mehrfamilienhäusern; Pfade für Rechenzentren gibt es bisher nicht.

CRREM betrachtet die Emissionen und den Energieverbrauch eines Gebäudes im Betrieb und vergleicht sie mit dem zulässigen Pfad. Investoren, Banken, Fondsmanager und Immobilienunternehmen dürfen die Daten laut den Nutzungsbedingungen vom 24.04.2026 mit Quellenangabe kostenfrei für Risikoanalyse, Kreditvergabe und Reporting verwenden. Wer sie in kommerzielle Software einbettet oder ein Produkt als „CRREM-kompatibel“ bewirbt, braucht einen Vertrag als License Partner. GRESB weist die CRREM-Pfadanalyse in seinen Benchmark-Berichten aus, und die SBTi nutzt die Pfade für ihre Gebäudekriterien.

Der 1,5-Grad-Pfad: Wie CRREM die Zielwerte ableitet

CRREM rechnet das globale CO₂-Budget, das mit einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 °C vereinbar ist, auf Basis von IPCC-Szenarien auf Länder und Nutzungsarten herunter. Daraus entsteht für jede Kombination ein Pfad, der Jahr für Jahr sinkt. Pfade für ein 2-°C-Szenario bietet CRREM derzeit nicht an; laut Entwicklungsplan sollen sie nach einer Konsultation im vierten Quartal 2026 ab Q4 2027 gelten.

Jeder Pfad besteht aus zwei Kenngrößen, beide bezogen auf die Bruttoinnenfläche (Gross Internal Area, GIA) ohne innenliegende Parkflächen:

  1. CO₂-Intensität (kgCO₂/m²·a): die Treibhausgasemissionen des Gebäudebetriebs je Quadratmeter und Jahr.
  2. Energieintensität (kWh/m²·a, englisch Energy Use Intensity, EUI): der gesamte Energieverbrauch des Gebäudes einschließlich der Mieterflächen je Quadratmeter und Jahr.

Der CO₂-Pfad sinkt bis 2050 fast auf null (Büro Deutschland 2050: 0,6 kgCO₂/m²·a). Der Energiepfad erreicht dagegen ein Plateau, für deutsche Büros ab 2034 bei 85 kWh/m²·a, für Mehrfamilienhäuser bei 60 kWh/m²·a. Die Methodik der Energiepfade überarbeitet CRREM derzeit: Die Konsultation läuft vom 6. Oktober bis 4. Dezember 2026, neue Energiepfade sollen ab Q4 2027 gelten. Wie Sie aus den Pfaden einen Dekarbonisierungspfad für Ihren Bestand ableiten, zeigt der Leitfaden für Wohnungsunternehmen.

Der Stranding Point: Wann wird Ihre Immobilie zum Risiko?

Was früher „Stranding Year“ oder Stranding Point hieß, nennt CRREM seit Juli 2025 offiziell CRREM Misalignment Year: das erste Jahr, in dem die CO₂- oder Energieintensität eines Gebäudes sein 1,5-°C-Budget überschreitet. Für den CO₂- und den Energiepfad gibt es jeweils ein eigenes Misalignment Year.

So funktioniert die Berechnung (nach dem Technical Blueprint v1.1 der CRREM Library):

  1. Die Ist-Intensität ergibt sich aus dem gemessenen Jahresverbrauch des ganzen Gebäudes, also Vermieter- und Mieterverbrauch, je Energieträger, multipliziert mit den CRREM-Emissionsfaktoren und geteilt durch die GIA. Selbst verbrauchter Solarstrom zählt zum Energieverbrauch, verursacht aber keine Emissionen.
  2. Für die Folgejahre hält CRREM den Verbrauch des Berichtsjahres konstant und lässt die Emissionsfaktoren für Netzstrom jährlich sinken; die Faktoren für Gas, Öl und Biomasse bleiben konstant.
  3. Die projizierte Intensität wird Jahr für Jahr mit dem Pfad verglichen.
  4. Das erste Jahr, in dem sie über dem Pfad liegt, ist das Misalignment Year. Liegt das Gebäude schon im Berichtsjahr darüber, ist es das Berichtsjahr selbst. Für Sanierungsvarianten rechnen Sie die Projektion mit dem erwarteten Verbrauch nach der Maßnahme erneut.

CRREM hat die Umbenennung von „Stranding Year“ zu „Misalignment Year“ bewusst vorgenommen: Die Pfade zeigen, ob ein Gebäude mit dem 1,5-°C-Budget vereinbar ist, nicht, ob es finanziell strandet. Die Methodik blieb dabei unverändert. Ein finanzielles Stranding tritt erst ein, wenn der Markt die Abweichung in Preise übersetzt, etwa über Mieten, Renditeerwartungen oder die Verkäuflichkeit. Wie sich Energieeffizienz in Kaufpreisen niederschlägt, zeigt der Beitrag zum Brown Discount. Für die Steuerung bleibt das Misalignment Year ein Frühindikator für Transitionsrisiken, die sich in höheren Finanzierungskosten, geringerer Marktfähigkeit und regulatorischem Druck niederschlagen können.

CRREM-Zielwerte für Deutschland

Die CRREM-Pfade werden länderspezifisch berechnet, weil sich Energiemix, Emissionsfaktoren und Gebäudebestand erheblich unterscheiden. Die folgenden Tabellen zeigen einen Auszug für Büro und Mehrfamilienhaus, die Nutzungsarten der beiden Praxisbeispiele in diesem Artikel. Die Pfade bilden den Marktdurchschnitt einer Nutzungsart im jeweiligen Land ab.

CO₂-Intensität (kgCO₂e/m²a) – 1,5-Grad-Pfad

Nutzungsart 2020 2025 2026 2030 2035 2040 2050
Büro 53,9 36,3 32,9 21,2 10,4 3,3 0,6
Wohnen (Mehrfamilienhaus) 33,2 21,8 19,7 12,5 6,0 1,9 0,3

Quellen: CRREM Foundation (2026), CRREM Global Pathways v2.05, Deutschland, 1,5 °C · Stand: Oktober 2026

Energieintensität (kWh/m²a) – 1,5-Grad-Pfad

Nutzungsart 2020 2025 2030 ab 2034 (Plateau)
Büro 200,7 147,7 108,6 85,0
Wohnen (Mehrfamilienhaus) 146,4 106,5 77,4 60,0

Quellen: CRREM Foundation (2026), CRREM Global Pathways v2.05, Deutschland, 1,5 °C · Stand: Oktober 2026

Hinweis: Die Werte aller elf deutschen Nutzungsarten finden Sie in der Übersicht CRREM-Zielpfade und Schwellenwerte je Gebäudetyp. Die Werte stammen aus der Pfad-Datei der CRREM Library v2.05; der Pathway Explorer auf crrem.org zeigt noch die Pfade V2.04 (August 2025). Prüfen Sie vor jeder Analyse, welche Version Sie verwenden, und nennen Sie sie in Ihrem Bericht.

So funktioniert die CRREM-Analyse

Die Durchführung einer CRREM-Analyse erfolgt in fünf Schritten:

Schritt 1: Daten sammeln

Für jedes Gebäude benötigen Sie folgende Eingabedaten:

  • Nutzungsart (Büro, Wohnen, Einzelhandel, Logistik usw.)
  • Standort (Land, in den USA, Kanada und Australien zusätzlich die Region)
  • Bruttoinnenfläche (GIA, m²) ohne innenliegende Parkflächen
  • Jährlicher Energieverbrauch des ganzen Gebäudes (kWh), getrennt nach Strom, Gas, Fernwärme, Öl usw., einschließlich der Mieterflächen
  • Vor Ort erzeugte erneuerbare Energie, getrennt nach Eigenverbrauch und Einspeisung
  • Optional: geplante Sanierungsmaßnahmen und deren erwartete Einsparungen

Gerade die Erfassung belastbarer Verbrauchsdaten, vor allem der Mieterverbräuche, ist in der Praxis oft die größte Hürde. Wo Messwerte fehlen, kann der Energieausweis eine erste Näherung liefern; Schätzungen sollten Sie als solche kennzeichnen.

Schritt 2: CRREM-Pfade und Emissionsfaktoren beziehen

Das Excel-Tool ist seit dem 1. Juli 2026 eingestellt; bereits vorhandene Kopien dürfen laut CRREM weiter genutzt werden. Die aktuellen Pfade, Emissionsfaktoren und die Anleitung zur Berechnung des Misalignment Year veröffentlicht die Foundation offen in der CRREM Library. Für die Berechnung gibt es drei Wege: eine eigene Rechnung nach Assessment Guide und Technical Blueprint (für interne Zwecke kostenfrei mit Quellenangabe), Software eines License Partners oder einen Berater. Für Beratungsfirmen hat CRREM am 10. August 2026 das Accredited-Service-Provider-Programm gestartet; Stand 18.10.2026 läuft die erste Bewertungsrunde mit den Firmen der Gründungsgruppe, ein Verzeichnis akkreditierter Firmen gibt es noch nicht. Zum Ausprobieren bietet die Pathways-Seite von crrem.org außerdem einen einfachen Online-Rechner für 14 Länder, darunter Deutschland, nach CRREM-Angaben nur zu Informations- und Erkundungszwecken. Einen Überblick über die Optionen gibt der Beitrag CRREM-Analyse ohne Excel.

Schritt 3: Daten eingeben

Ob Tabellenkalkulation nach der Rechenvorlage oder Plattform: Erfasst wird der Verbrauch des ganzen Gebäudes, also Allgemeinflächen und Mieterflächen. Fehlende Mieterverbräuche werden geschätzt und als Schätzung gekennzeichnet. Weitere Annahmen, etwa zu Leerstand oder zum Emissionsfaktor der Fernwärme, dokumentiert die Annahmentabelle der CRREM Library (Assumptions Disclosure Table, Version 1.1 vom 29.07.2026). Aus Verbrauch und Emissionsfaktoren ergeben sich die Emissionen des Gebäudebetriebs.

Schritt 4: Ergebnisse analysieren

Als Ergebnis erhalten Sie für jedes Gebäude:

  • Aktuelle CO₂-Intensität (kgCO₂/m²·a)
  • Aktuelle Energieintensität (kWh/m²·a)
  • CRREM Misalignment Year (früher „Stranding Year“) für den CO₂-Pfad und für den Energiepfad
  • Grafische Darstellung des Gebäudepfads im Vergleich zum Benchmark

Schritt 5: Maßnahmen ableiten

Auf Basis der Analyse können Sie Sanierungsszenarien durchspielen: Welche Maßnahmen verschieben das Misalignment Year oder vermeiden es ganz? Dazu gehören etwa der Wechsel des Energieträgers, Dämmung oder der Einsatz erneuerbarer Energien.

Praxisbeispiel: Bürogebäude in München

Ein Bürogebäude aus den 1990er-Jahren in München mit folgenden Eckdaten (Annahmen für das Rechenbeispiel, Berichtsjahr 2025):

Parameter Wert
Baujahr 1994
Bruttoinnenfläche (GIA) 4.500 m²
Heizung Gas-Zentralheizung
Kühlung Kompressionskühlung (Strom)
Jährlicher Gasverbrauch (laut Rechnung, Brennwert) 360.000 kWh (80 kWh/m²·a)
Jährlicher Stromverbrauch (ganzes Gebäude, Netzbezug) 270.000 kWh (60 kWh/m²·a)
Gesamtenergieintensität 140 kWh/m²·a
CO₂-Emissionen Gas 65.938 kg, Strom 80.264 kg, zusammen 146.202 kg
CO₂-Intensität 32,5 kgCO₂/m²·a

Quellen: Annahmen des Rechenbeispiels; Emissionsfaktoren der CRREM Library v2.05: Erdgas 0,183 kgCO₂e/kWh (Niveau der britischen Brennwert-Faktoren, auf die CRREM verweist), Netzstrom Deutschland 2025 0,297 kgCO₂e/kWh · Stand: Oktober 2026

Das Beispiel folgt der CRREM-Rechenlogik: Verbrauch des ganzen Gebäudes mal CRREM-Emissionsfaktor, geteilt durch die GIA. Für die Folgejahre bleibt der Verbrauch konstant, der Netzfaktor sinkt nach der CRREM-Projektion (2026: 0,283, 2027: 0,269 kgCO₂e/kWh).

CRREM-Ergebnis (1,5-Grad-Pfad, Büro Deutschland):

Jahr CRREM-Pfad (kgCO₂/m²·a) Gebäude bei unverändertem Verbrauch (CRREM-Projektion) Abstand zum Pfad
2025 36,3 32,5 −3,8
2026 32,9 31,6 −1,3
2027 29,7 30,8 +1,0

Quellen: CRREM Global Pathways v2.05; eigene Berechnung mit den CRREM Emission Factors v2.05 (Netzfaktor sinkt jährlich); Abstände aus ungerundeten Werten · Stand: Oktober 2026

  • Misalignment Year (CO₂): 2027. 2025 und 2026 liegt das Gebäude noch unter dem Pfad, 2027 darüber, obwohl der Netzfaktor in der CRREM-Projektion jedes Jahr sinkt: Der Pfad fällt schneller. Mit den deutschen Faktoren, dem UBA-Strommix 2025 (0,344 kg CO₂/kWh, Schätzung) und Erdgas 0,181 kg CO₂/kWh Brennwert nach EBeV 2030, Anlage 2, läge das Gebäude bei 35,1 kgCO₂/m²·a und schon 2026 über dem Pfad. Bei knappen Abständen entscheiden die Emissionsfaktoren also über das Misalignment Year; nennen Sie im Bericht, welche Sie verwendet haben.
  • Energiepfad: Mit 140 kWh/m²·a liegt das Gebäude etwa auf dem Pfadwert für 2026 (138,9 kWh/m²·a) und spätestens 2027 darüber (130,6 kWh/m²·a).
  • Regulatorisch: Ab 2030 darf der Primärenergiebedarf von Nichtwohngebäuden höchstens das 3,5-Fache des Referenzgebäudes betragen, ab 2033 das 2,95-Fache (§ 40 GModG in der ab 01.01.2027 geltenden Fassung). Weil das Gebäude vor 1996 errichtet wurde, gilt die pauschale Erfüllungsvermutung für jüngere Gebäude nicht; mit einer überwiegenden Versorgung durch eine Wärmepumpe würde der Mindeststandard als erfüllt gelten. Details erklärt der Beitrag zu MEPS für Nichtwohngebäude.

Sanierungsszenario (Annahmen):

Maßnahme Wirkung im Rechenbeispiel
Fassadendämmung und neue Fenster Heizenergie −25 %, von 80 auf 60 kWh/m²·a
Wärmepumpe statt Gaskessel (Jahresarbeitszahl 3,0) 60 kWh Wärme brauchen 20 kWh Strom je m² und Jahr; kein Gas mehr
LED-Beleuchtung und Regelung Gebäudestrom −10 %, von 60 auf 54 kWh/m²·a
PV-Anlage auf dem Dach (50 kWp) 50.000 kWh Solarstrom im Jahr, vollständig selbst verbraucht: 11,1 kWh/m²·a weniger Netzbezug
Kombination aller Maßnahmen Energieintensität 74 kWh/m²·a, Netzbezug 62,9 kWh/m²·a, CO₂-Intensität 18,7 kgCO₂/m²·a beim CRREM-Netzfaktor 2025

Quellen: Annahmen des Rechenbeispiels; Jahresarbeitszahl 3,0 = Mindestwert für die BEG-Förderung von Wärmepumpen; Netzfaktor nach CRREM Emission Factors v2.05 (Deutschland 2025) · Stand: Oktober 2026

Vereinfachend ist der Wärmebedarf mit dem bisherigen Gasverbrauch gleichgesetzt. Nach der Sanierung liegt das Gebäude mit 74 kWh/m²·a dauerhaft unter dem Energiepfad (Plateau 85 kWh/m²·a). Beim CO₂ hängt das Ergebnis fast nur noch am Netzstrom: Mit der Netzfaktor-Projektion der CRREM Library bliebe es bis 2036 auf dem Pfad und läge ab 2037 darüber (7,0 gegenüber 6,8 kgCO₂/m²·a). Bliebe der Strommix dagegen auf dem UBA-Wert für 2025 (0,344 kg CO₂/kWh), läge das Gebäude mit 21,6 kgCO₂/m²·a schon ab 2030 über dem Pfad (21,2). Mehr eigener Solarstrom und ein geringerer Verbrauch verschieben das Misalignment Year zusätzlich.

Was die Maßnahmen kosten, hängt stark vom Objekt ab; Kostenkennwerte und Kalkulationsschritte finden Sie im Beitrag Sanierungskosten Gewerbeimmobilie. Zum Vergleich der laufenden Kosten: Beim heutigen Gasverbrauch fallen nach dem BEHG-Faktor der EBeV rund 65 t CO₂ im Jahr an, bei 65 € je Tonne also rund 4.200 € CO₂-Kosten, die der Versorger über den Gaspreis weitergibt; bei vermieteten Nichtwohngebäuden trägt der Vermieter nach § 8 CO2KostAufG mindestens die Hälfte. Im nationalen Emissionshandel gilt 2026 ein Korridor von 55 bis 65 € je Tonne, alle Auktionen schlossen bei 65 €. Denselben Korridor für 2027 hat der Bundestag am 15.10.2026 beschlossen; der Bundesrat befasst sich voraussichtlich am 20.11. oder 18.12.2026 damit. Ab 2028 übernimmt der EU-Emissionshandel ETS2 (Verordnung (EU) 2026/667) ohne festen Höchstpreis; eine Marktstabilitätsreserve gibt bei hohen Preisen zusätzliche Zertifikate frei.

Praxisbeispiel: Mehrfamilienhaus-Portfolio

Ein Wohnungsunternehmen verwaltet ein Portfolio von 12 Mehrfamilienhäusern in Norddeutschland mit insgesamt 420 Wohneinheiten:

Parameter Portfolio-Durchschnitt
Baujahre 1965–1985
Gesamtwohnfläche 31.500 m²
Heizung 8x Gas-Zentralheizung, 3x Fernwärme, 1x Öl
Durchschnittliche Energieintensität 155 kWh/m²·a
Durchschnittliche CO₂-Intensität ca. 35 kgCO₂/m²·a
Energieeffizienzklasse (Durchschnitt) E

Quellen: Annahmen des Rechenbeispiels · Stand: Oktober 2026

CRREM-Ergebnis (1,5-Grad-Pfad, Wohnen):

  • Die 9 Gebäude mit Gas- oder Ölheizung liegen bereits über dem Pfad für deutsche Mehrfamilienhäuser (2026: 19,7 kgCO₂/m²·a); ihr Misalignment Year ist das Berichtsjahr.
  • Die 3 Fernwärme-Gebäude liegen näher am Pfad. Ob und wann sie ihn überschreiten, hängt vor allem vom Emissionsfaktor des Wärmenetzes ab, den der Versorger ausweist.
  • Das Ölheizungs-Gebäude ist am weitesten vom Pfad entfernt.

Priorisierte Sanierungsstrategie:

Priorität Gebäude Maßnahme
1 (sofort) Ölheizung (Bj. 1968) Heizung tauschen: Öl auf Wärmepumpe, dazu Dachdämmung
2 (1–2 Jahre) 4 älteste Gas-Gebäude Fassadendämmung, Fensteraustausch, Heizungsoptimierung
3 (2–4 Jahre) 4 jüngere Gas-Gebäude Heizungstausch auf Wärmepumpe oder Fernwärme-Anschluss
4 (längerfristig) 3 Fernwärme-Gebäude Gebäudehülle optimieren (Fenster, Kellerdecke)

Quellen: Rechenbeispiel; Pfadwerte nach CRREM Global Pathways v2.05 · Stand: Oktober 2026

Die Priorisierung orientiert sich an zwei Kriterien: dem Abstand zum CRREM-Pfad (größter Handlungsdruck zuerst) und der Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen. Wie Sie die Reihenfolge im eigenen Bestand festlegen, beschreibt der Beitrag zur Sanierungspriorisierung im Wohnungsbestand. Bei der Förderung gelten für Wohnungsunternehmen andere Sätze als für Selbstnutzer:

Stand 17.10.2026 (BEG-Reform mit Wirkung ab 21.07.2026): Unternehmen, Wohnungsunternehmen und Vermieter erhalten für den Heizungstausch 30 % ohne Klimageschwindigkeits- und Einkommensbonus (beide nur für Selbstnutzer); für Wärmepumpen sind ab Q1 2027 15 % plus 15 Prozentpunkte bei EU-Herkunft vorgesehen (Details und Start veröffentlicht das BMWE noch). Gebäudehülle 15 % (bei Wohngebäuden +5 Prozentpunkte iSFP-Bonus, aber nur auf den Teil der Kosten oberhalb einer Mindestinvestition: 30.000 € bei einer Wohneinheit, bei mehreren Wohneinheiten die normale Höchstgrenze ohne iSFP; nicht für große Wohnungsunternehmen ohne EBW-iSFP). KfW 261/263 fördern nur noch Stufen mit EE- oder NH-Klasse (z. B. Effizienzhaus 40: 10 % Tilgungszuschuss mit EE-, 15 % mit NH-Klasse). Einzelmaßnahmen (BEG EM) und Effizienzhaus-/Effizienzgebäude-Förderung (BEG WG/NWG) sind nicht mehr kombinierbar; zwischen beiden liegen drei Jahre.

Ob ein Fernwärme-Anschluss in Frage kommt, zeigen die kommunalen Wärmepläne: Sie müssen für Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern bis zum 30.06.2026 und für alle übrigen bis zum 30.06.2028 vorliegen. Heizungspflichten lösen sie seit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (in Kraft seit 29.07.2026) nicht mehr aus.

CRREM-Delta: Dekarbonisierungsfortschritt jährlich messen

Eine CO₂-Bilanz beantwortet, wie viel ein Gebäude ausgestoßen hat. Das Monitoring beantwortet, ob es auf dem Pfad liegt. Die zentrale Messgröße dafür ist das CRREM-Delta: der Abstand zwischen der jährlichen Ist-Intensität eines Gebäudes und dem zulässigen Wert auf dem CRREM-Pfad für dasselbe Jahr. Ein positives Delta bedeutet Misalignment. Weil der Pfad jedes Jahr sinkt, wächst das Delta auch dann, wenn sich am Gebäude nichts ändert: Das Münchner Bürogebäude liegt 2025 noch 3,8 kg unter dem Pfad, bei unverändertem Verbrauch 2026 nur noch 1,3 kg und 2027 schon 1,0 kg darüber, obwohl der Netzstrom in der CRREM-Projektion jedes Jahr sauberer wird. Wie Sie die Ist-Werte erheben, beschreibt der Beitrag zur CO₂-Bilanz nach Scope 1, 2 und 3.

Das Monitoring arbeitet auf drei Ebenen mit unterschiedlichen Daten und Adressaten:

Ebene Frage Kernmetrik Frequenz Adressat
Objekt Liegt dieses Gebäude auf dem Pfad? Ist-Intensität und CRREM-Delta (kgCO₂/m²·a, kWh/m²·a) jährlich, ergänzt um den unterjährigen Verbrauchstrend Asset- und Property-Management
Portfolio Bewegt sich der Bestand insgesamt? Like-for-Like-Veränderung, flächengewichtetes CRREM-Delta, Anteil der Gebäude über dem Pfad jährlich Portfoliomanagement, Geschäftsführung
Reporting Ist der Fortschritt prüfbar dokumentiert? VSME-Kennzahlen (Energie, Scope 1 und 2), bei CSRD-Pflicht ESRS E1-6 bis E1-8, Bankfragebögen, GRESB jährlich (Stichtag) Banken, Investoren, Wirtschaftsprüfung

Quellen: CRREM Global Pathways v2.05; Delegierte Verordnungen (EU) 2026/1560 und 2026/1563 · Stand: Oktober 2026

Eine Fehlerquelle liegt zwischen Objekt- und Portfolioebene: Wer nur den absoluten Gesamtausstoß betrachtet, kann einen Rückgang feiern, der allein aus einem Verkauf stammt. Dafür gibt es die Like-for-Like-Logik der EPRA: Die sBPR-Empfehlungen (4. Ausgabe, April 2024) verlangen Like-for-Like-Kennzahlen für vergleichbare Bestände über die beiden jüngsten Berichtsjahre, bereinigt um An- und Verkäufe, Großsanierungen und Neubau. Wie sich das in das Fondsreporting einfügt, behandelt der Beitrag zu den INREV- und EPRA-Standards für Immobilienfonds.

Ein wirksames Cockpit bleibt schlank. Diese sieben Kennzahlen decken den Soll-Ist-Abgleich ab:

KPI Quelle Frequenz Bezug
THG-Intensität je Objekt (kgCO₂/m²·a) Verbrauchsdaten und Emissionsfaktoren jährlich, unterjähriger Trend CRREM-Pfad
Energieintensität je Objekt (kWh/m²·a) Verbrauchsdaten jährlich CRREM-Energiepfad
CRREM-Delta (Ist minus Pfad) eigene Rechnung mit der CRREM Library oder Software eines License Partners jährlich 1,5-°C-Pfad
CRREM Misalignment Year je Objekt Projektion nach der CRREM-Rechenlogik jährlich neu projiziert Reihenfolge der Sanierungen
Like-for-Like-Veränderung EPRA-Methodik jährlich echter Bestandsfortschritt
Zielerreichung eigenes Reduktionsziel, bei CSRD-Pflicht ESRS E1-6 jährlich (Stichtag) Brutto-Reduktionsziel
Sanierungsquote des Portfolios interne Maßnahmenliste jährlich bundesweit 0,67 % der Wohngebäude im Jahr 2025

Quellen: CRREM Global Pathways v2.05; EPRA sBPR (April 2024); DR (EU) 2026/1563; Sanierungsquote: B+L Marktdaten für den BuVEG (Februar 2026) · Stand: Oktober 2026

Wer nicht unter die CSRD fällt, kann den Fortschritt im Format des freiwilligen VSME-Standards dokumentieren: Dessen Basismodul fragt den Gesamtenergieverbrauch in MWh sowie die Scope-1- und die standortbezogenen Scope-2-Emissionen ab. Weil gemessene Verbräuche mit Wetter und Belegung schwanken, sollten Sie die Werte vor dem Vergleich witterungs- und belegungsbereinigen, sonst entstehen Scheinabweichungen. Von mehr als sieben bis zehn Kennzahlen raten wir ab, weil jede weitere Zahl ohne klaren Zielbezug die Steuerung verwässert; Finanzgrößen gehören in eine getrennte, verknüpfte Sicht wie das Portfolio-Cockpit mit den richtigen Kennzahlen. Aus dem Delta-Tracking leiten Sie die Beschlussvorlage und den Business Case für konkrete Maßnahmen ab.

Strategien zur Vermeidung von Stranded Assets

Die CRREM-Analyse zeigt das Problem auf, die Lösung liegt in einer strukturierten Dekarbonisierungsstrategie. Was Stranded Assets wirtschaftlich bedeuten, vertieft der Beitrag Stranded Assets vermeiden. Die wirksamsten Hebel:

1. Energieträger wechseln (größter CO₂-Hebel)

Der Wechsel von Gas oder Öl auf erneuerbare oder CO₂-arme Wärme senkt die CO₂-Intensität am stärksten:

  • Wärmepumpe: Mit der für die BEG-Förderung mindestens geforderten Jahresarbeitszahl von 3,0 verursacht eine Wärmepumpe beim Strommix 2025 (0,344 kg CO₂/kWh, UBA-Schätzung) rund 0,115 kg CO₂ je kWh Wärme. Ein Gaskessel verursacht schon je kWh Brennstoff 0,201 kg CO₂ (Heizwert), Kesselverluste noch nicht eingerechnet. Die Wärmepumpe liegt damit um mehr als 40 % darunter, und der Abstand wächst mit jedem Rückgang des Netzfaktors. Wann das im Bestand funktioniert, zeigt der Beitrag Wärmepumpe im Altbau.
  • Fernwärme: Wie viel sie bringt, hängt vom Emissionsfaktor des jeweiligen Netzes ab, den der Versorger ausweisen kann.
  • Biomasse: Biogenes CO₂ aus der Verbrennung wird getrennt von Scope 1 ausgewiesen (so auch ESRS E1-8). Verfügbarkeit und lokale Luftschadstoffe begrenzen den Einsatz.

2. Gebäudehülle verbessern (größter Energie-Hebel)

Dämmung von Fassade, Dach und Kellerdecke sowie neue Fenster senken den Wärmebedarf dauerhaft und damit die Energieintensität, für die CRREM einen eigenen Pfad vorgibt. Welche Einsparung eine Maßnahme bringt, hängt vom Ausgangszustand ab und gehört in die Planung des einzelnen Gebäudes; Kostenkennwerte für Gewerbeobjekte enthält der Beitrag zu den Sanierungskosten von Gewerbeimmobilien.

3. Betriebsoptimierung (Quick Wins)

Ohne große Investitionen lässt sich der Verbrauch über den Betrieb senken:

  • Hydraulischer Abgleich
  • Nachtabsenkung und Einzelraumregelung
  • LED-Umrüstung
  • Optimierung der Gebäudeautomation; Nichtwohngebäude mit Heizungs- oder Klimaanlagen (auch kombiniert mit Lüftung) über 70 kW Nennleistung brauchen bis zum 31.12.2029 ein System zur Gebäudeautomation, sofern technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar (§ 56 GModG)

4. Erneuerbare Energie am Gebäude

PV-Anlagen auf dem Dach oder an der Fassade senken den Strombezug aus dem Netz. In der CRREM-Rechnung zählt selbst verbrauchter Solarstrom zum Energieverbrauch, verursacht aber keine Emissionen. Neue Nichtwohngebäude mit mehr als 250 m² Nutzfläche brauchen ab 2027 grundsätzlich eine Solaranlage, bestehende Nichtwohngebäude über 500 m² ab 2028, wenn Außenbauteile geändert werden und dafür das ganze Gebäude nach § 38 berechnet wird (§ 106 GModG in der ab 01.01.2027 geltenden Fassung, mit Ausnahmen etwa bei technischer Unmöglichkeit).

5. Portfolio-Steuerung

Auf Portfolioebene können Asset Manager zusätzlich steuern über:

  • Priorisierung der Gebäude mit dem frühesten Misalignment Year
  • Verknüpfung von Ankauf- und Verkaufsentscheidungen mit dem Abstand zum Pfad
  • Datenaustausch und Sanierungsvereinbarungen mit Mietern, etwa über einen Green Lease

CRREM in der Praxis: GRESB, CSRD und Investorenerwartungen

CRREM existiert nicht im luftleeren Raum, sondern ist eingebettet in ein Netz regulatorischer und freiwilliger ESG-Anforderungen. Gesetzlich vorgeschrieben ist CRREM in keinem davon.

GRESB (Global Real Estate Sustainability Benchmark)

GRESB weist die CRREM-Pfadanalyse im Real Estate Benchmark Report, in den REAL Benchmarks und im Transition Risk Report aus und nutzt dafür die jeweils aktuellen CRREM-Pfade und Emissionsfaktoren (GRESB, 12.03.2026). Die frühere Testfunktion, Asset-Daten aus dem GRESB-Portal in das CRREM-Tool zu exportieren, unterstützt GRESB nicht mehr. Die Ergebnisse des Assessments 2026 liegen seit dem 1. Oktober 2026 vor; ab den Standards 2028, also für Daten aus 2027, will GRESB die tatsächliche Performance stärker bewerten. Hebel für den eigenen Score beschreibt der Beitrag GRESB-Rating verbessern.

CSRD und EU-Taxonomie

Stand 17.10.2026: Die CSRD erfasst nach der Omnibus-Richtlinie (EU) 2026/470 nur Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. € Umsatz, erstmals für das Geschäftsjahr 2027; Deutschland hat die CSRD noch nicht umgesetzt. Für kleinere Bestandshalter ist der freiwillige VSME-Standard (Delegierte Verordnung (EU) 2026/1560) der realistische Rahmen. Die Datenanfragen Ihrer Bank beruhen auf den EBA-Leitlinien zu ESG-Risiken, §§ 26c/26d KWG und der MaRisk (Rundschreiben 06/2026).

Wer berichtspflichtig ist, muss nach den überarbeiteten ESRS (Delegierte Verordnung (EU) 2026/1563, Pflicht ab Geschäftsjahr 2027) unter E1-11 unter anderem den Buchwert von Vermögenswerten mit wesentlichem Übergangsrisiko angeben, dazu eine Spanne potenziell verlorener Vermögenswerte in einem 1,5-°C-Szenario. CRREM-Pfade sind dafür eine mögliche Grundlage, vorgeschrieben ist keine bestimmte Methode. Die CSRD-Berichtspflicht für Immobilien im Detail erklärt ein eigener Beitrag.

Die EU-Taxonomie nutzt CRREM nicht. Bestandsgebäude mit Baujahr bis 2020 leisten nach Abschnitt 7.7 einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz, wenn sie die Energieausweisklasse A haben oder nach Primärenergiebedarf zu den besten 15 % des nationalen oder regionalen Bestands gehören; große Nichtwohngebäude mit Anlagen über 290 kW müssen zusätzlich durch eine Überwachung der Energieeffizienz effizient betrieben werden. Für Deutschland gibt es dazu die Top-15-%-Benchmarks von vdp und Drees & Sommer (Version Juni 2025). Eine Überarbeitung der Kriterien (Entwurf vom 17.03.2026, Annahme für Q4 2026 geplant) sieht zusätzlich einen Weg über mindestens 60 % weniger Primärenergie binnen zehn Jahren vor. Die Prüfschritte zeigt die EU-Taxonomie-Checkliste für Immobilien.

Science Based Targets initiative (SBTi)

Für ihre Buildings Criteria, aktuell Version 1.2 vom Juli 2026, hat die SBTi gemeinsam mit CRREM regionale Pfade für die Betriebsemissionen von Gebäuden entwickelt; CRREM bezeichnet seine Pfade als offizielle Methodik der SBTi für den Gebäudesektor. Wer Gebäudeziele nach diesen Kriterien validieren lässt, arbeitet damit mit Pfaden auf CRREM-Basis. Was das für Zielsetzung und Validierung bedeutet, beschreibt der Beitrag SBTi Buildings Targets.

Banken und Investoren

Seit dem 11.01.2026 gelten die EBA-Leitlinien zu ESG-Risiken (EBA/GL/2025/01) für größere Institute, für kleine und nicht komplexe Institute wie die meisten Sparkassen und Volksbanken spätestens ab dem 11.01.2027. Banken müssen danach unter anderem die Energieeffizienz von Immobiliensicherheiten und die Transitionsplanung ihrer Kreditnehmer berücksichtigen; in Deutschland verankern §§ 26c und 26d KWG (seit 01.04.2026; die Pflicht zum ESG-Risikoplan gilt für kleine und nicht komplexe Institute erst ab 11.01.2027) und die MaRisk (Rundschreiben 06/2026) diese Pflichten. Eine bestimmte Pfadmethode schreiben sie nicht vor, CRREM-Pfade dürfen Banken für Kreditvergabe und Underwriting aber kostenfrei nutzen. Welche Daten Banken konkret abfragen, zeigt der Beitrag zu den EBA-ESG-Leitlinien für Banken.

XDC oder CRREM: Welche Klimametrik für welchen Zweck?

Neben Pfadmetriken wie CRREM begegnen Asset Managern Temperaturmetriken, im Fachjargon Implied Temperature Rise (ITR). Das XDC-Modell (X-Degree Compatibility) des Anbieters right° etwa, das auch ein Staff Paper der EBA vom November 2024 für Kreditportfolios von Banken nutzt, gibt an, um wie viel Grad sich die Erde bis 2100 erwärmen würde, wenn die gesamte Wirtschaft dieselbe Klimaperformance hätte wie das bewertete Unternehmen, Portfolio oder Gebäude. CRREM beantwortet eine andere Frage: In welchem Jahr überschreitet ein Gebäude seinen Pfad? Die Gradzahl verdichtet top-down für Vorstand und Investoren, der Pfad steuert bottom-up je Objekt.

Anlass Geeignete Metrik Begründung
CapEx- und Sanierungspriorisierung CRREM Misalignment Year und Delta je Objekt bestimmen die Reihenfolge
Bank und Kreditportfolio CRREM-Pfade, ergänzt um PCAF objektgenau; Pfade dürfen für die Kreditvergabe kostenfrei genutzt werden, finanzierte Emissionen lassen sich nach dem PCAF-Standard berechnen
GRESB-Reporting CRREM GRESB weist die CRREM-Pfadanalyse in Benchmark Report und Transition Risk Report aus
CSRD/ESRS E1 (nur berichtspflichtige Unternehmen) CRREM-Pfade als mögliche Grundlage E1-11 verlangt eine Spanne potenziell verlorener Vermögenswerte in einem 1,5-°C-Szenario; eine Metrik schreibt der Standard nicht vor
SFDR-Offenlegung keine Temperaturmetrik vorgeschrieben Pflichtindikatoren für Immobilien sind PAI 17 (fossile Brennstoffe) und PAI 18 (Immobilien mit schlechter Energieeffizienz); SFDR 2.0 ist noch ein Vorschlag (Trilog ab Oktober 2026, Anwendung frühestens Ende 2028)
Vorstands- und Investorenkommunikation ITR, z. B. XDC eine Gradzahl ist intuitiv und über Assetklassen vergleichbar
Vergleich über Assetklassen ITR Gebäude, Aktien und Anleihen in einer Einheit

Quellen: CRREM Foundation; GRESB (12.03.2026); DR (EU) 2026/1563; DR (EU) 2022/1288, Anhang I · Stand: Oktober 2026

Die frühere Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) hat sich im Oktober 2023 aufgelöst, ihre Empfehlungen sind in die ISSB-Standards IFRS S1 und S2 eingegangen; in der EU berichten pflichtige Unternehmen nach ESRS. Grenzen der Temperaturmetriken: Die Gradzahl hängt von Basisszenario, Vergleichspfaden und Methode des Anbieters ab, Werte verschiedener Anbieter sind deshalb nicht direkt vergleichbar. Für die Frage, welches Gebäude zuerst saniert wird, taugt eine Portfolio-Gradzahl nicht. In der Praxis ergänzen sich beide: Der Pfad liefert die Steuerung je Objekt, die Gradzahl die verdichtete Aussage für das Board.

Häufige Fragen zum CRREM-Pfad

Ist die CRREM-Analyse Pflicht?

Nein, eine CRREM-Analyse ist keine gesetzliche Pflicht. Weder CSRD und ESRS noch EU-Taxonomie oder EBA-Leitlinien schreiben CRREM vor. CRREM ist aber ein verbreiteter Maßstab: GRESB weist die Pfadanalyse aus, die SBTi nutzt die Pfade für Gebäudeziele, und Banken dürfen sie für die Kreditvergabe kostenfrei verwenden. Für Unternehmen im CSRD-Anwendungsbereich ist ein Pfadvergleich ein naheliegender Weg, die nach E1-11 geforderte Spanne potenziell verlorener Vermögenswerte in einem 1,5-°C-Szenario zu ermitteln.

Welche Daten brauche ich für die CRREM-Analyse?

Die Mindestanforderungen sind: Nutzungsart, Standort (Land), Bruttoinnenfläche (GIA) ohne innenliegende Parkflächen, jährlicher Energieverbrauch des ganzen Gebäudes einschließlich der Mieterflächen und die verwendeten Energieträger, dazu vor Ort erzeugte erneuerbare Energie. Je detaillierter die Daten, etwa getrennt nach Strom, Wärme und Kühlung, desto aussagekräftiger das Ergebnis. Für Wohngebäude kann der Energieausweis als Ausgangspunkt dienen, wenn Verbräuche fehlen.

Wie oft sollte die CRREM-Analyse aktualisiert werden?

Sinnvoll ist ein jährlicher Abgleich mit den neuen Verbrauchsdaten, weil der Pfad jedes Jahr sinkt und sich die Emissionsfaktoren ändern. Auch die Pfade selbst werden fortgeschrieben: Die CRREM Library v2.05 erschien am 30.04.2026, die Emissionsfaktoren wurden am 28.05.2026 aktualisiert. Überarbeitete Energiepfade, 2-°C-Pfade und neue Nutzungsarten sind für Q4 2027 angekündigt; die Konsultation zu den Energiepfaden läuft bis zum 04.12.2026. Zusätzlich empfiehlt sich eine neue Rechnung nach jeder größeren Sanierung oder einem Wechsel des Energieträgers.

Was kostet die CRREM-Analyse?

Pfade, Emissionsfaktoren und Rechenlogik sind mit Quellenangabe kostenfrei, auch für Risikoanalyse, Kreditvergabe und Reporting. Kosten entstehen vor allem für die Erhebung und Aufbereitung der Verbrauchsdaten, bei größeren Portfolios auch für Software eines License Partners oder für Beratung; für Beratungsfirmen hat CRREM im August 2026 ein Akkreditierungsprogramm gestartet (Accredited Service Provider). Die Preise legen die Anbieter selbst fest. Welche Wege es nach dem Excel-Aus gibt, beschreibt der Beitrag CRREM-Analyse online.

Was ist das CRREM-Delta?

Das CRREM-Delta ist der Abstand zwischen der gemessenen Jahresintensität eines Gebäudes und dem zulässigen Wert auf dem CRREM-Pfad für dasselbe Jahr. Ein positives Delta bedeutet, dass das Gebäude über dem Pfad liegt. Weil der Pfad jährlich sinkt, sollten Sie das Delta jedes Jahr neu messen; aus seiner Entwicklung über die Zeit lässt sich der Dekarbonisierungsfortschritt eines Objekts oder Portfolios ablesen.

Was ist der Unterschied zwischen XDC und CRREM?

XDC gehört zu den Temperaturmetriken und drückt die Klimawirkung als eine Gradzahl bis 2100 aus. CRREM gibt je Land und Nutzungsart über die Jahre sinkende Obergrenzen in kgCO₂/m²·a und kWh/m²·a vor und liefert für jedes Gebäude ein Misalignment Year. Kurz: XDC sagt „wie viel Grad“, CRREM sagt „ab wann über dem Pfad“. Für die Sanierungsplanung ist CRREM das operative Werkzeug, für die verdichtete Investorenkommunikation eine Temperaturmetrik.


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