SBTi Buildings Targets: Was die Science Based Targets für Immobilienportfolios bedeuten
SBTi Buildings Guidance für Immobilien: Keine neuen fossilen Heizungen, Halbierung bis 2030, Whole Building Approach. Wie CRREM und GRESB zusammenspielen.

Die Science Based Targets initiative (SBTi) hat mit ihrer Buildings Sector Guidance einen verbindlichen Dekarbonisierungsrahmen für den Gebäudesektor geschaffen. Seit Februar 2025 ist die Anwendung der Buildings Criteria für Unternehmen mit signifikanten gebäudebezogenen Emissionen verpflichtend. Für Immobilienportfolios bedeutet das konkret: keine neuen fossilen Heizungsanlagen ab 2030, Halbierung der Emissionen im Rahmen der Near-Term Targets, und der "Whole Building Approach" macht Vermieter und Mieter gemeinsam verantwortlich für die operativen Emissionen eines Gebäudes. Im Januar 2026 hat die SBTi den Meilenstein von 10.000 Unternehmen mit validierten Targets erreicht -- nach über 2.800 neuen Validierungen allein in 2025. Die Dynamik erfasst zunehmend auch die Immobilienwirtschaft. Dieser Artikel erklärt, was die SBTi Buildings Guidance für Portfoliomanager, ESG-Verantwortliche und institutionelle Investoren in Deutschland bedeutet, welche konkreten Anforderungen gelten und wie sich SBTi, CRREM und GRESB ergänzen.
Was ist die SBTi Buildings Guidance?
Die SBTi ist eine gemeinsame Initiative von CDP, dem United Nations Global Compact, dem World Resources Institute (WRI) und dem World Wide Fund for Nature (WWF). Ihr Ziel: Unternehmen weltweit dabei unterstützen, wissenschaftsbasierte Klimaziele zu setzen, die mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens vereinbar sind.
Die Buildings Sector Science-Based Target-Setting Criteria -- kurz "Buildings Criteria" -- definieren die spezifischen Anforderungen für Unternehmen und Finanzinstitutionen im Gebäudesektor. Sie ergänzen den allgemeinen Corporate Net-Zero Standard um sektorspezifische Regeln für operative Emissionen, verkörperte Emissionen (Embodied Carbon) und den Ausstieg aus fossilen Energieträgern.
Versionshistorie
| Version | Datum | Inhalt |
|---|---|---|
| Draft 1.5 | Mai--Juli 2023 | Öffentliche Konsultation des Guidance-Entwurfs |
| Version 1.0 | August 2024 | Finale Veröffentlichung der Buildings Criteria und Guidance |
| Version 1.1 | Juni 2025 | Nicht-substanzielle Aktualisierung: Klarstellungen, Korrektur von Tippfehlern und Formatierungsinkonsistenzen |
| FAQs Version 1.2 | Februar 2026 | Aktualisierte FAQ-Dokumentation mit Klarstellungen zu Baseline-Jahren, REITs und Scope-Abdeckung |
Seit dem 28. Februar 2025 ist die Anwendung der Buildings Criteria verpflichtend für alle Unternehmen, die erstmalig SBTi-Targets einreichen und die Anwendbarkeitsschwellen erfüllen. Unternehmen, die ihre Targets zuvor nach dem allgemeinen Corporate Standard gesetzt hatten, müssen bei der nächsten Fünf-Jahres-Überprüfung auf die sektorspezifischen Kriterien umstellen.
Wer ist betroffen?
Die Buildings Criteria gelten für fünf Nutzer-Kategorien:
- Developer (Projektentwickler)
- Owner-Occupier (Eigennutzer)
- Owner-Lessor (Vermieter)
- Property Manager (Immobilienverwalter)
- Financial Institution (Finanzinstitution mit Immobilienexposure)
Die Anwendbarkeit wird durch drei Schwellenwerte ausgelöst -- es genügt, wenn einer davon erfüllt ist:
- Mindestens 20 Prozent der gesamten Scope-1-, 2- und 3-Emissionen (Kategorie 1--14) sind gebäudebezogen.
- Mindestens 25.000 tCO2e der Scope-1-, 2- und 3-Emissionen sind gebäudebezogen.
- Das Immobilienportfolio umfasst mehr als 100.000 m2 Gesamtfläche.
Nicht in den Anwendungsbereich fallen Architektur-, Ingenieur- und Bauunternehmen sowie Mieter -- diese nutzen weiterhin die allgemeinen Cross-Sector-Methoden des Corporate Net-Zero Standards.
Die drei Kernanforderungen für Immobilienportfolios
Die SBTi Buildings Criteria enthalten eine Reihe von Anforderungen, die sich in drei zentrale Handlungsfelder zusammenfassen lassen.
1. Keine neuen fossilen Anlagen ab 2030
Kriterium Buildings-C14 verpflichtet Unternehmen, sich öffentlich zu verpflichten, ab spätestens 2030 keine neuen fossil betriebenen Anlagen mehr zu installieren, die sich im Eigentum oder unter finanzieller Kontrolle des Unternehmens befinden. Konkret betrifft das:
- Heizungsanlagen (Gas- und Ölkessel)
- Warmwasserbereitung
- Kochgeräte in gewerblichen Gebäuden
- Stromerzeugung (Notstromaggregate mit fossilen Brennstoffen)
Ausnahmen gelten für Notfall- und Backup-Systeme, etwa in Krankenhäusern oder für sicherheitsrelevante Anwendungen, bei denen regulatorische Vorgaben oder lokale Einschränkungen den Einsatz fossiler Systeme erfordern.
Für deutsche Wohnungsunternehmen bedeutet das: Jede Heizungserneuerung ab 2030 muss auf Wärmepumpen, Fernwärme, Biomasse oder andere nicht-fossile Lösungen setzen. Das deckt sich mit der Richtung des deutschen Gebäudeenergiegesetzes (GEG), das seit 2024 für Neubauten in Neubaugebieten die 65-Prozent-Erneuerbare-Energien-Vorgabe vorschreibt und für Bestandsgebäude an die kommunale Wärmeplanung gekoppelt ist.
In der Praxis sollten Portfoliomanager die Heizungsanlagenliste ihres Bestands priorisieren: Anlagen, die in den nächsten fünf Jahren ohnehin das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreichen, können direkt auf nicht-fossile Systeme umgestellt werden. Für Anlagen, die erst nach 2030 fällig werden, besteht kein Handlungsdruck bei der Erneuerung -- aber keine neue fossile Installation nach 2030 bedeutet, dass auch eine funktionierende Gasheizung nach einem Defekt nicht durch eine gleichartige Anlage ersetzt werden darf, sofern das Unternehmen SBTi-konform bleiben will.
2. Near-Term Target: Emissionen schnell und messbar senken
Die SBTi verlangt von allen Unternehmen die Festlegung sogenannter Near-Term Targets -- kurzfristiger Reduktionsziele, die innerhalb von fünf bis zehn Jahren ab dem Einreichungsdatum erreicht werden müssen. Für den allgemeinen Corporate Standard schreibt die SBTi im Rahmen des Absolute Contraction Approach (ACA) eine jährliche Reduktionsrate von mindestens 4,2 Prozent für Scope-1- und Scope-2-Emissionen vor, um einen 1,5-Grad-konformen Pfad einzuhalten.
Für den Gebäudesektor konkretisiert die SBTi dieses Ziel über den Sectoral Decarbonization Approach (SDA), der gemeinsam mit CRREM entwickelte regionale Dekarbonisierungspfade nutzt. Die Reduktionsziele werden länderspezifisch und nutzungsartspezifisch berechnet und berücksichtigen die lokale Netzstromdekarbonisierung, den Gebäudetypenmix und die klimatischen Bedingungen.
Die häufig zitierte Formel "Halbierung der Emissionen bis 2030" stammt aus dem übergeordneten SBTi Net-Zero Standard, der feststellt, dass eine rasche Reduktion um rund 50 Prozent vor 2030 über alle Scopes hinweg notwendig ist, um auf einem 1,5-Grad-Pfad zu bleiben. Für den Gebäudesektor wird dieses Ziel durch die sektorspezifischen CRREM-SBTi-Pfade konkretisiert, die je nach Region und Gebäudetyp unterschiedliche absolute Reduktionsraten vorgeben.
3. Der Whole Building Approach
Der Whole Building Approach ist eine der bedeutendsten Neuerungen der Buildings Criteria. Er besagt, dass der gesamte operative Energieverbrauch eines Gebäudes -- aus Vermieter- und Mieter-kontrollierten Flächen -- in die Target-Boundary des Unternehmens einbezogen werden muss, unabhängig von der gewählten GHG-Konsolidierungsmethode.
Konkret bedeutet das:
| Bereich | Einbezogen? | Beispiel |
|---|---|---|
| Landlord-kontrollierte Flächen | Ja | Allgemeinstrom, Heizungszentrale, Aufzüge |
| Mieter-kontrollierte Flächen | Ja | Mieterstrom, Mieterheizung, mietereigene Kühlung |
| Kältemittel (Fugitive Emissions) | Ja | Leckagen aus Klimaanlagen und Wärmepumpen |
Für Vermieter in Deutschland, insbesondere Wohnungsunternehmen, ist das eine erhebliche Veränderung. Bisher konnten viele Emissionen dem Mieter zugerechnet und aus dem eigenen Inventar ausgeschlossen werden. Der Whole Building Approach macht Schluss mit dieser Trennung und erfordert eine vollständige Erfassung des gebäudebezogenen Energieverbrauchs.
Das hat direkte Konsequenzen für die Datenstrategie: Wer SBTi Buildings Targets setzen will, braucht Asset-Level-Daten zum gesamten Energieverbrauch -- einschließlich der Mieterverbräuche. In der Praxis erfordert das häufig neue vertragliche Vereinbarungen (Green Lease Clauses), den Einsatz digitaler Submetering-Systeme oder die Nutzung von Schätzmodellen auf Basis von Energieausweisen und Gebäudetypologien.
Für Wohnungsunternehmen mit Bestandsportfolios stellt der Whole Building Approach eine besondere Herausforderung dar, weil die Mieterverbräuche in vielen Fällen nicht zentral erfasst werden. Die CO2-Kostenaufteilung zwischen Vermieter und Mieter hat die Datentransparenz in Deutschland zwar verbessert, da Vermieter seit 2023 Emissionsdaten für die Heizkostenabrechnung benötigen. Dennoch fehlen häufig die Mieterstromverbräuche, die für den Whole Building Approach ebenfalls erforderlich sind. Pragmatische Lösungen umfassen flächenbezogene Schätzmodelle auf Basis der Gebäudetypologie, die Nutzung von Durchschnittswerten aus dem Energieausweis oder die sukzessive Einführung von Smart-Metering-Systemen.
SBTi, CRREM und GRESB: Wie die drei Frameworks zusammenspielen
Die drei wichtigsten Frameworks für die Dekarbonisierung von Immobilienportfolios -- SBTi, CRREM und GRESB -- haben unterschiedliche Funktionen, ergänzen sich aber systematisch.
| Merkmal | SBTi Buildings | CRREM | GRESB |
|---|---|---|---|
| Zweck | Wissenschaftsbasierte Targets setzen und validieren lassen | Stranding-Risiko einzelner Gebäude und Portfolios bewerten | Ganzheitliches ESG-Benchmarking auf Portfolio-Ebene |
| Typ | Zertifizierung / Validierung | Analyse-Tool | Benchmarking / Rating |
| Pfade | Nutzt CRREM-SBTi-Pfade (1,5-Grad, regional, nutzungsartspezifisch) | Eigene Pfade für 1,5-Grad und 2-Grad (über 1.000 Pfade, 40+ Länder) | Kein eigener Pfad; referenziert CRREM und SBTi |
| Scope | Scope 1, 2, 3 (operativ + verkörpert) | Operative Emissionen (kgCO2e/m2) und Energieintensität (kWh/m2) | E, S, G ganzheitlich (Energie, CO2, Wasser, Abfall, Governance) |
| Output | Validiertes Target, öffentliches Commitment | Stranding Year (Misalignment Year), Asset-Level-Risk-Score | Score (0--100), Star-Rating (1--5 Sterne) |
| Frequenz | Einmalige Validierung, Fünf-Jahres-Review | Laufend aktualisierbar, empfohlen: jährlich | Jährlich (April--Juli Dateneingabe, Oktober Ergebnisse) |
| Kosten | Validierungsgebühren (variabel) | Tool kostenlos; Datenaufbereitung intern | 5.000--25.000 Euro p.a. (je nach Portfoliogröße) |
| Verbindlichkeit | Freiwillig, aber zunehmend von Investoren gefordert | Freiwillig; Standard bei ESG-Kreditprüfung | Freiwillig; De-facto-Standard für institutionelle Investoren |
Wie die Pfade zusammenhängen
SBTi und CRREM haben gemeinsam regionale 1,5-Grad-Dekarbonisierungspfade für operative Gebäudeemissionen entwickelt. Diese CRREM-SBTi-Pathways berücksichtigen lokale Stromnetz-Emissionsfaktoren, klimatische Bedingungen und nutzungsartspezifische Energieverbräuche. Die finale Veröffentlichung dieser gemeinsamen Pfade erfolgte im August 2024 zusammen mit der Buildings Criteria Version 1.0.
In der Praxis bedeutet das: Wer sein Portfolio bereits mit dem CRREM Risk Assessment Tool analysiert hat, kann die Ergebnisse als Grundlage für die SBTi-Target-Setzung verwenden. Die meisten Marktteilnehmer nutzen die CRREM-SBTi-Pfade im CRREM Risk Assessment Tool, um ihre Asset-Level-Daten direkt gegen den 1,5-Grad-Pfad zu benchmarken.
Zusätzlich hat die SBTi in Zusammenarbeit mit Ramboll globale Embodied-Emissions-Pfade entwickelt, die die CO2-Emissionen aus Rohstoffgewinnung, Herstellung, Transport und Bau neuer Gebäude abdecken. Diese Pfade gehen über den CRREM-Scope hinaus, der ausschließlich operative Emissionen betrachtet.
Welche Gebäudetypen und Scopes sind eingeschlossen?
Die SBTi Buildings Criteria decken alle wesentlichen Gebäudetypen und Emissionsquellen ab.
Gebäudetypen
| Gebäudetyp | In-Use Operational Targets | Embodied Carbon Targets |
|---|---|---|
| Büro | Ja | Ja (bei Neubau/Sanierung) |
| Einzelhandel | Ja | Ja (bei Neubau/Sanierung) |
| Wohnen (Mehrfamilienhaus) | Ja | Ja (bei Neubau/Sanierung) |
| Logistik/Industrie | Ja | Ja (bei Neubau/Sanierung) |
| Hotel | Ja | Ja (bei Neubau/Sanierung) |
| Gesundheitseinrichtungen | Ja | Ja (bei Neubau/Sanierung) |
| Gemischtgenutzte Gebäude | Ja | Ja (bei Neubau/Sanierung) |
Emissions-Scopes
| Scope | Quelle | Relevanz für Immobilienportfolios |
|---|---|---|
| Scope 1 | Direkte Emissionen: Gasheizung, Ölheizung, Kältemittel | Hoch -- besonders bei zentral beheizten Portfolios |
| Scope 2 | Indirekte Emissionen aus Strombezug und Fernwärme | Hoch -- Allgemeinstrom, Wärmepumpen, Fernwärmeanschlüsse |
| Scope 3 (Kat. 13) | Downstream Leased Assets: Mieter-Energieverbrauch in vermieteten Flächen | Hoch -- durch Whole Building Approach verpflichtend |
| Scope 3 (Kat. 1-2) | Embodied Carbon: Baumaterialien, Konstruktion bei Neubau und Sanierung | Relevant für Developer und bei größeren Sanierungsmaßnahmen |
| Scope 3 (Kat. 15) | Finanzierte Emissionen: für Finanzinstitutionen mit Immobilien-Exposure | Relevant für Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften |
Die SBTi verlangt, dass mindestens 95 Prozent der kombinierten Scope-1- und Scope-2-Emissionen durch Targets abgedeckt werden. Wenn 95 Prozent oder mehr der Scope-1- und Scope-2-Emissionen aus gebäudebezogenen Quellen stammen, ist kein zusätzliches separates Scope-1/2-Target erforderlich.
Für Scope-3-Emissionen müssen Unternehmen mindestens 67 Prozent der gesamten Scope-3-Emissionen in die Target-Boundary einbeziehen. Für Developer gilt zusätzlich: Targets müssen sowohl die operativen Lebenszyklusemissionen als auch die Upfront Embodied Carbon Emissions der verkauften Gebäude abdecken.
Wie setzt man SBTi-Targets für ein deutsches Wohnungsportfolio?
Die Umsetzung der SBTi Buildings Criteria für ein deutsches Wohnungsportfolio folgt einem strukturierten Prozess:
Schritt 1: Anwendbarkeit prüfen
Prüfen Sie, ob mindestens einer der drei Schwellenwerte erfüllt ist (20 Prozent gebäudebezogene Emissionen, 25.000 tCO2e oder 100.000 m2 Portfoliofläche). Für ein typisches deutsches Wohnungsunternehmen mit mehreren hundert Wohneinheiten wird in der Regel mindestens der Flächenschwellenwert erreicht.
Schritt 2: Basisjahr festlegen und Emissionsinventar erstellen
Wählen Sie ein Basisjahr (für 2026 einreichende Unternehmen kommen laut FAQ Version 1.2 die Jahre 2023, 2024 oder 2025 in Frage). Erstellen Sie ein vollständiges Emissionsinventar nach dem Whole Building Approach, das Vermieter- und Mieterverbräuche umfasst.
Datenquellen für deutsche Wohnungsportfolios:
- Scope 1: Gasverbrauch aus Abrechnungen der Versorger, Heizöllieferungen, Kältemittelnachfüllungen
- Scope 2: Stromverbrauch Allgemeinbereiche, Fernwärmeabrechnungen
- Scope 3 (Mieter): Mieter-Strom- und -Gasverbrauch aus Heizkostenabrechnungen, Schätzungen über Energieausweise oder Verbrauchskennwerte nach VDI 3807
Schritt 3: Reduktionspfad berechnen
Nutzen Sie das SBTi Buildings Target Setting Tool zusammen mit den CRREM-SBTi-Pfaden für Deutschland. Das Tool berechnet auf Basis der Basisjahr-Emissionen, des Gebäudetyps und der Region den erforderlichen Reduktionspfad für Ihr Portfolio.
Für Wohngebäude in Deutschland gelten spezifische CRREM-SBTi-Pfade, die die prognostizierte Dekarbonisierung des deutschen Stromnetzwerks, die klimatischen Bedingungen und den typischen Energiemix berücksichtigen.
Schritt 4: Fossil-Fuel-Phase-Out-Commitment formulieren
Formulieren Sie ein öffentliches Commitment zum Ausstieg aus fossilen Heizungsanlagen bis spätestens 2030. Prüfen Sie Ihren Anlagenbestand: Wie viele Gas- und Ölheizungen sind im Portfolio? Welche müssen vor 2030 ohnehin ersetzt werden? Wo ist eine vorzeitige Umstellung wirtschaftlich sinnvoll?
Schritt 5: Embodied-Carbon-Targets setzen (falls zutreffend)
Wenn Ihr Unternehmen als Developer aktiv ist oder größere Neubauprojekte plant, müssen Sie zusätzlich Targets für die Upfront Embodied Emissions setzen. Die SBTi stellt globale Embodied-Emissions-Pfade bereit, die in Zusammenarbeit mit Ramboll entwickelt wurden.
Schritt 6: Targets einreichen und validieren lassen
Reichen Sie Ihre Targets über das SBTi Services Portal ein. Nach der Einreichung prüft das Validierungsteam die Targets auf Konformität mit den Buildings Criteria. Der Prozess dauert in der Regel mehrere Monate. Nach erfolgreicher Validierung werden die Targets öffentlich im SBTi Target Dashboard gelistet.
Schritt 7: Jährlich berichten und Fünf-Jahres-Review einplanen
Berichten Sie jährlich über den Fortschritt gegenüber Ihren Targets. Alle fünf Jahre ist eine formale Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung der Targets erforderlich.
Rechenbeispiel: SBTi-Target für 300-WE-Portfolio
Das folgende Beispiel zeigt, wie ein mittelgroßes Wohnungsunternehmen den SBTi-Prozess konkret durchlaufen könnte.
Ausgangslage
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Portfoliogröße | 300 Wohneinheiten, 21.000 m2 Wohnfläche |
| Baujahr-Durchschnitt | 1972 |
| Heizungstyp | 70 % Erdgas-Zentralheizung, 20 % Fernwärme, 10 % Wärmepumpe |
| Energieverbrauch (Mittelwert) | 145 kWh/m2a (Endenergie) |
| CO2-Emissionen Basisjahr (2024) | 1.820 tCO2e (Scope 1 + 2 + 3 Mieter) |
| CO2-Intensität | 86,7 kgCO2e/m2a |
Near-Term Target (Beispielrechnung)
Unter Annahme eines SDA-basierten Reduktionspfads für deutsche Wohngebäude (1,5-Grad-Szenario):
| Jahr | CO2-Intensität (kgCO2e/m2a) | Reduktion vs. Basisjahr | Jährliche Absenkung |
|---|---|---|---|
| 2024 (Basis) | 86,7 | -- | -- |
| 2026 | 79,0 | -8,9 % | ~4,4 %/a |
| 2028 | 71,5 | -17,5 % | ~4,4 %/a |
| 2030 | 64,0 | -26,2 % | ~4,4 %/a |
| 2034 (Near-Term Target) | 49,0 | -43,5 % | ~4,4 %/a |
Maßnahmen zur Zielerreichung
| Maßnahme | Betroffene WE | CO2-Einsparung (tCO2e/a) | Investition (Euro) | Zeitraum |
|---|---|---|---|---|
| Umstellung Gas auf Wärmepumpe (Einzelgebäude) | 60 WE | ~280 | 1.200.000 | 2025--2028 |
| Fernwärmeanschluss (Quartierslösung) | 90 WE | ~320 | 800.000 | 2026--2029 |
| Fassadendämmung + Fensteraustausch | 80 WE | ~180 | 2.400.000 | 2026--2030 |
| Hydraulischer Abgleich + smarte Thermostate | 200 WE | ~90 | 300.000 | 2025--2026 |
| PV-Anlagen auf Dachflächen | 150 WE | ~50 | 600.000 | 2025--2027 |
| Summe | -- | ~920 | ~5.300.000 | -- |
Die beispielhafte CO2-Einsparung von rund 920 tCO2e pro Jahr entspricht einer Reduktion von etwa 50 Prozent gegenüber dem Basisjahr -- damit wäre das Near-Term Target für 2034 realistisch erreichbar. Die durchschnittliche Investition liegt bei rund 17.700 Euro pro Wohneinheit, verteilt über einen Zeitraum von fünf bis sechs Jahren.
Die Rolle von GRESB und ESG-Reporting
Das GRESB Real Estate Assessment ist der globale De-facto-Standard für ESG-Benchmarking in der Immobilienbranche. 2025 nahmen 1.002 Fondsmanager teil und reichten 2.382 Assessments ein -- darunter 84 erstmalige Teilnehmer. Der durchschnittliche Score für Standing Investments stieg auf 79 Punkte (ein Plus von 3,1 gegenüber 2024), und Erstteilnehmer erzielten einen Durchschnittswert von 68 Punkten, sechs Punkte mehr als im Vorjahr.
SBTi-Targets als GRESB-Score-Treiber
Validierte SBTi-Targets wirken sich positiv auf den GRESB-Score aus, insbesondere in den folgenden Bereichen:
- Management Component: Punkte für Net-Zero-Commitment, wissenschaftsbasierte Targets und Dekarbonisierungsstrategie
- Performance Component: Punkte für nachweisbare Emissions-Reduktionen und Energieeffizienzverbesserungen auf Asset-Ebene
- Resilience: Punkte für die Ausrichtung an 1,5-Grad-Pfaden und die Berücksichtigung von Klimarisiken
Unternehmen, die sowohl SBTi-validierte Targets als auch ein jährliches GRESB-Assessment vorweisen können, signalisieren institutionellen Investoren ein hohes Maß an ESG-Reife. In Kombination mit einer regelmäßigen CRREM-Analyse entsteht ein umfassendes Dekarbonisierungs- und Reporting-Framework, das die Anforderungen nahezu aller relevanten Stakeholder abdeckt.
Verbindung zu PCAF und finanzierten Emissionen
Für Finanzinstitutionen -- Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften -- kommt eine weitere Ebene hinzu: die Bilanzierung finanzierter Emissionen. Die Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF) stellt den methodischen Rahmen für die Berechnung von Scope-3-Kategorie-15-Emissionen bereit. Im Dezember 2025 hat PCAF die dritte Edition (v3) ihres Global GHG Accounting and Reporting Standard veröffentlicht, mit erweiterten Regelungen für Immobilien-Assetklassen und strengeren Anforderungen an die Datenqualität.
Die Verbindung zwischen den Frameworks funktioniert so:
- PCAF liefert die Methodik zur Berechnung der finanzierten Emissionen aus Immobilienkrediten und -investments.
- SBTi Buildings Criteria definieren die Reduktionsziele, die Finanzinstitutionen für ihre gebäudebezogenen Scope-3-Kat.-15-Emissionen setzen müssen.
- CRREM liefert die Asset-Level-Analyse, die als Grundlage für die Risikobewertung und Target-Setzung dient.
- GRESB aggregiert die Ergebnisse zu einem vergleichbaren ESG-Rating auf Portfolio-Ebene.
PCAF fungiert damit als gemeinsame Berechnungsgrundlage, die es Finanzinstitutionen ermöglicht, Daten einmal zu erheben und für regulatorisches Reporting (CSRD, EU-Taxonomie), Risikomanagement, Target-Setting und Investoren-Kommunikation (GRESB) wiederzuverwenden.
SBTi Buildings Interoperability Project 2026
Die SBTi arbeitet aktuell am Buildings Interoperability and Performance Frameworks Project, das von Q1 bis Q3 2026 läuft. Dieses Forschungsprojekt hat zwei Ziele:
- Performance-Indikatoren identifizieren und bewerten: Benchmarks und Kennzahlen definieren, die den Fortschritt bei der Umsetzung von SBTi Buildings Targets messbar machen.
- Kompatibilität mit dem Corporate Net-Zero Standard V2 sicherstellen: Die Buildings Criteria sollen nahtlos in den sich in Entwicklung befindlichen überarbeiteten Corporate Net-Zero Standard integrierbar sein.
Die SBTi sucht dafür technische Partner mit Expertise in Treibhausgas-Bilanzierung, Dekarbonisierungspfaden und der Immobilien- und Bauindustrie. Die Ergebnisse werden voraussichtlich Ende 2026 veröffentlicht und dürften die nächste Version der Buildings Criteria maßgeblich beeinflussen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Müssen alle Immobilienunternehmen SBTi Buildings Targets setzen?
Nein. Die SBTi-Teilnahme ist grundsätzlich freiwillig. Allerdings wird die Anwendung der Buildings Criteria für alle Unternehmen verpflichtend, die freiwillig SBTi-Targets setzen wollen und die Anwendbarkeitsschwellen erfüllen (20 Prozent gebäudebezogene Emissionen, 25.000 tCO2e oder 100.000 m2 Fläche). In der Praxis steigt der Druck institutioneller Investoren und Banken, validierte SBTi-Targets vorweisen zu können, kontinuierlich.
Was passiert, wenn ein Unternehmen seine SBTi-Targets nicht erreicht?
Die SBTi führt keine direkten Sanktionen durch. Allerdings werden Unternehmen, die ihre Targets bei der Fünf-Jahres-Überprüfung deutlich verfehlen, möglicherweise ihren Status verlieren. Zudem ist das Verfehlen öffentlich validierter Targets ein erhebliches Reputationsrisiko gegenüber Investoren, Ratingagenturen und der Öffentlichkeit.
Wie unterscheiden sich SBTi Buildings Targets von CRREM-Analysen?
Die SBTi setzt Portfolio-Level-Reduktionsziele, die extern validiert und öffentlich kommuniziert werden. CRREM liefert Asset-Level-Analysen, die zeigen, wann einzelne Gebäude vom Dekarbonisierungspfad abweichen (Stranding Point / Misalignment Year). Beide Instrumente ergänzen sich: CRREM identifiziert die Handlungsbedarfe auf Gebäudeebene, SBTi gibt den übergeordneten Zielrahmen vor. Mehr dazu im Artikel CRREM-Pfad für Immobilienportfolios.
Gilt der Whole Building Approach auch für reine Vermieter ohne direkte Kontrolle über den Mieterverbrauch?
Ja. Der Whole Building Approach verlangt, dass alle operativen Emissionen eines Gebäudes -- aus Vermieter- und Mieter-kontrollierten Flächen -- in die Target-Boundary einbezogen werden, unabhängig von der gewählten GHG-Konsolidierungsmethode. Vermieter müssen daher Strategien entwickeln, um Mieterdaten zu erheben oder zu schätzen und die Zusammenarbeit mit Mietern bei der Emissionsreduktion zu fördern (z. B. über Green Leases).
Wie hängen SBTi Buildings Targets mit der CSRD zusammen?
Die CSRD verlangt von berichtspflichtigen Unternehmen die Offenlegung ihrer Klimaziele und -fortschritte. Validierte SBTi-Targets können direkt in die CSRD-Berichterstattung einfließen und belegen die Konformität mit den Anforderungen an Transition Plans. Die Datengrundlagen für SBTi-Targets (Emissionsinventare, Reduktionspfade) sind weitgehend deckungsgleich mit den CSRD-Anforderungen unter ESRS E1 (Klimawandel).
Welche Rolle spielt die EU-Taxonomie?
Die EU-Taxonomie definiert, wann eine Wirtschaftsaktivität als "ökologisch nachhaltig" gilt. Für Immobilien umfasst das unter anderem Schwellenwerte für den Primärenergiebedarf bei Neubau und Renovation. SBTi-validierte Targets und Taxonomie-Konformität sind komplementär: Während die Taxonomie Asset-Level-Kriterien definiert, setzt die SBTi Portfolio-Level-Reduktionsziele. Unternehmen, die beides nachweisen, haben eine starke Position gegenüber Investoren und Regulatoren.
Wie kann Software den SBTi-Prozess unterstützen?
Die Umsetzung der SBTi Buildings Criteria erfordert umfangreiche Datenerhebung, -aufbereitung und -analyse auf Asset-Ebene. Spezialisierte ESG-Software wie reduco.ai automatisiert die Erfassung von Verbrauchsdaten, berechnet Scope-1-, 2- und 3-Emissionen nach dem Whole Building Approach, benchmarkt Gebäude gegen CRREM-Pfade und generiert die für SBTi-Einreichungen erforderlichen Datensätze. Für Portfolios mit mehreren hundert Gebäuden ist eine manuelle Datenerhebung in der Regel nicht wirtschaftlich.
Fazit
Die SBTi Buildings Criteria haben die Erwartungen an die Dekarbonisierung von Immobilienportfolios grundlegend verändert. Mit dem verpflichtenden Ausstieg aus fossilen Heizungsanlagen bis 2030, den sektorspezifischen Reduktionspfaden und dem Whole Building Approach schafft die SBTi einen Rahmen, der weit über freiwillige Absichtserklärungen hinausgeht.
Für ESG-Verantwortliche und Portfoliomanager in der deutschen Immobilienwirtschaft bedeutet das: Die Kombination aus SBTi-Targets, CRREM-Analysen und GRESB-Reporting wird zum Standard-Instrumentarium. Wer heute mit der systematischen Datenerfassung, der Portfolio-Dekarbonisierungsstrategie und dem Aufbau der internen Kapazitäten beginnt, verschafft sich einen strategischen Vorsprung -- gegenüber Regulatoren, die zunehmend ambitionierte Vorgaben setzen, gegenüber Investoren, die wissenschaftsbasierte Evidenz verlangen, und gegenüber einem Markt, der Stranded Assets zunehmend einpreist.
Die SBTi Buildings Criteria sind kein theoretisches Konstrukt mehr. Sie sind der Maßstab, an dem sich die Immobilienbranche künftig messen lassen muss.
Der erste Schritt ist in der Regel der einfachste: eine Bestandsaufnahme des aktuellen CO2-Fußabdrucks auf Portfolioebene, eine Analyse der größten Emissionsquellen und ein Abgleich mit den CRREM-SBTi-Pfaden für die jeweiligen Gebäudetypen und Standorte. Darauf aufbauend lässt sich eine realistische Maßnahmenplanung entwickeln, die sowohl die SBTi-Anforderungen als auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Portfolios berücksichtigt.
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