Kernsanierung: Kosten pro m², Ablauf & Finanzierung
Was kostet eine Kernsanierung 2026? Kosten pro m² nach Gewerk, Vergleich mit Neubau, Ablauf, Finanzierung über KfW 261 und typische Kostenfallen bei der Komplettsanierung.

Eine Kernsanierung ist die umfassendste Form der Gebäudesanierung: Das Haus wird bis auf die tragende Struktur zurückgebaut und komplett neu aufgebaut – mit neuer Elektrik, neuen Leitungen, neuer Heizung, Dämmung, Fenstern und Innenausbau. Die Kosten liegen 2026 bei 800–2.500 €/m² Wohnfläche, abhängig von Zustand, Baujahr und Ausstattungsstandard. Für ein typisches 120-m²-Einfamilienhaus bedeutet das eine Investition von 96.000–300.000 €.
Wann lohnt sich eine Kernsanierung? Wann ist ein Neubau die bessere Wahl? Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen vollständigen Überblick über Kosten, Ablauf, Förderung und die wichtigsten Entscheidungskriterien.
Was ist eine Kernsanierung?
Bei einer Kernsanierung wird ein Gebäude bis auf die tragende Substanz (Fundament, Außenwände, Decken, Dachstuhl) zurückgebaut und von Grund auf erneuert. Im Unterschied zu einer Teilsanierung, bei der nur einzelne Gewerke modernisiert werden, umfasst die Kernsanierung alle Gewerke gleichzeitig.
Was bei einer Kernsanierung typischerweise erneuert wird:
- Elektroinstallation komplett (Leitungen, Verteilung, Zählerschrank)
- Sanitärinstallation (Wasser- und Abwasserleitungen)
- Heizungsanlage (Kessel/Wärmepumpe, Rohre, Heizkörper/Fußbodenheizung)
- Dämmung (Fassade, Dach, Kellerdecke)
- Fenster und Außentüren
- Estrich und Bodenbeläge
- Innenputz und/oder Trockenbau
- Badezimmer komplett
- Küchenanschlüsse
- Ggf. Dacheindeckung und Dachstuhlreparatur
Was in der Regel erhalten bleibt:
- Fundament und Bodenplatte
- Tragende Außen- und Innenwände
- Geschossdecken (sofern statisch intakt)
- Dachstuhl (sofern statisch intakt)
- Treppenhaus (sofern Substanz und Statik in Ordnung)
Kernsanierung: Kosten pro m² nach Gewerk
Die Gesamtkosten setzen sich aus vielen Einzelposten zusammen. Die folgende Tabelle zeigt die typischen Kosten pro Quadratmeter Wohnfläche für jedes Gewerk:
| Gewerk | Kosten pro m² Wohnfläche | Anteil an Gesamtkosten |
|---|---|---|
| Rückbau/Entkernung | 40–80 € | 5–7 % |
| Elektroinstallation komplett | 80–120 € | 8–10 % |
| Sanitär und Heizung | 100–180 € | 12–15 % |
| Fenster und Außentüren | 80–150 € | 8–12 % |
| Dämmung (Fassade, Dach, Kellerdecke) | 100–200 € | 10–15 % |
| Innenausbau (Putz, Estrich, Böden, Malerarbeiten) | 100–200 € | 12–18 % |
| Dach (Eindeckung, ggf. Stuhlreparatur) | 80–150 € | 8–12 % |
| Bäder (pro Bad pauschal) | 8.000–20.000 € | 8–12 % |
Gesamtkosten nach Qualitätsstufe
| Qualitätsstufe | Kosten pro m² | 120-m²-EFH (Gesamtkosten) |
|---|---|---|
| Einfache Kernsanierung (Standardmaterialien, funktionaler Ausbau) | 800–1.200 € | 96.000–144.000 € |
| Mittlere Qualität (gehobene Materialien, individuelle Gestaltung) | 1.200–1.800 € | 144.000–216.000 € |
| Hochwertig (Premiumausstattung, Smart Home, hochwertige Bäder) | 1.800–2.500 € | 216.000–300.000 € |
Hinweis: Die Kosten beziehen sich auf die Wohnfläche, nicht auf die Grundfläche. Keller und nicht ausgebauter Dachboden sind nicht eingerechnet. Bei Kellersanierung oder Dachausbau kommen die Kosten dafür hinzu.
Kostentreiber: Was macht eine Kernsanierung teuer?
Baujahr und Zustand: Je älter das Gebäude und je schlechter der Zustand, desto höher die Kosten. Häuser aus den 1950er–1960er Jahren haben häufig dünnere Wände, einfachere Fundamente und mehr Schadstoffbelastung als Gebäude aus den 1970er–1980er Jahren.
Schadstoffbelastung: Asbest (in Putzen, Fassadenplatten, Fußbodenplatten, Rohrisolierungen), Bleirohre, teerhaltige Klebstoffe (PAK) und alte Öltanks können die Kosten erheblich steigern – allein die Asbestsanierung kann 5.000–20.000 € kosten.
Statische Ertüchtigung: Wenn tragende Wände versetzt, Decken verstärkt oder Fundamente nachgegründet werden müssen, steigen die Kosten schnell um 20.000–50.000 €.
Grundrissänderungen: Das Versetzen tragender Wände erfordert Stahlträger (Unterzüge) und statische Nachweise – Kosten pro Wanddurchbruch: 2.000–8.000 €.
Kosten im Detail: Die einzelnen Gewerke
Rückbau und Entkernung (40–80 €/m²)
Der erste Schritt ist der kontrollierte Rückbau: Alle nicht-tragenden Bauteile werden entfernt – Bodenbeläge, Putz, Sanitär, Elektrik, Heizungsrohre, Türen, Zwischenwände. Die Kosten hängen vom Aufwand und der Entsorgung ab.
Was die Kosten beeinflusst:
- Schadstoffe (Asbest, KMF, PAK) → Sonderentsorgung erforderlich
- Zugang für Container (Innenstadtlage vs. freistehend)
- Menge des Abbruchmaterials
- Eigenleistung möglich: Ja, teilweise. Das Entfernen von Böden, Tapeten und nicht-tragenden Wänden kann in Eigenleistung erfolgen. Bei Schadstoffverdacht aber Finger weg!
Elektroinstallation (80–120 €/m²)
In Häusern vor 1980 entspricht die Elektrik selten den heutigen Anforderungen. Zu wenige Stromkreise, zu dünne Leitungen, kein FI-Schutzschalter, keine Erdung – das alles muss komplett erneuert werden.
Was erneuert wird:
- Zählerschrank und Hauptverteilung
- Alle Leitungen (Unterputz oder in Trockenbau)
- Steckdosen (heutiger Standard: 6–8 pro Raum)
- Schalter und Beleuchtungsanschlüsse
- Netzwerk-/TV-Verkabelung
- Rauchmelder (Pflicht in allen Bundesländern)
- Optional: Smart-Home-Vorbereitung (+10–30 €/m²)
Sanitär und Heizung (100–180 €/m²)
Sanitär und Heizung sind oft die teuersten Gewerke, besonders wenn Leitungen in Wänden und Decken verlegt werden müssen.
Sanitär:
- Wasser- und Abwasserleitungen komplett erneuern
- Neue Anschlüsse für Küche und Bäder
- Bei Bleirohren (Baujahr vor 1970): Austausch zwingend erforderlich
Heizung:
- Neue Heizungsanlage: Wärmepumpe, Gas-Brennwert oder Pellet
- Verrohrung komplett neu
- Heizkörper oder Fußbodenheizung
- Hydraulischer Abgleich
Details zu den Kosten verschiedener Heizsysteme finden Sie in unseren Ratgebern Heizung tauschen: Kosten und Wärmepumpe: Kosten und Förderung.
Fenster und Außentüren (80–150 €/m²)
Alte Einfachverglasungen oder undichte Fenster aus den 1970er–1980er Jahren sind eine der größten Schwachstellen im Altbau. Bei einer Kernsanierung werden alle Fenster und die Haustür ausgetauscht.
Typische Kosten pro Fenster (inkl. Einbau):
| Fenstertyp | Kosten pro Fenster |
|---|---|
| Kunststoff-Fenster (3-fach-Verglasung) | 500–900 € |
| Holz-Fenster (3-fach-Verglasung) | 700–1.200 € |
| Holz-Alu-Fenster (3-fach-Verglasung) | 900–1.500 € |
| Haustür (Alu/Holz, wärmegedämmt) | 2.000–5.000 € |
Ein EFH mit 10–15 Fenstern und einer Haustür kommt auf Fensterkosten von 7.000–18.000 €. Details im Ratgeber Fenster tauschen.
Dämmung (100–200 €/m² Wohnfläche)
Bei einer Kernsanierung werden in der Regel Fassade, Dach und Kellerdecke gleichzeitig gedämmt. Das ist die effizienteste Vorgehensweise, weil Anschlüsse und Wärmebrücken sauber gelöst werden können.
Typische Kostenaufteilung:
| Bauteil | Kosten pro m² Bauteilfläche |
|---|---|
| Fassade (WDVS) | 130–250 €/m² |
| Dach (Zwischensparren) | 70–120 €/m² |
| Kellerdecke | 30–60 €/m² |
Umgerechnet auf die Wohnfläche ergibt das typischerweise 100–200 €/m². Detaillierte Informationen zu den einzelnen Dämmmethoden finden Sie in unseren Ratgebern zur Fassadendämmung und Dachdämmung.
Innenausbau (100–200 €/m²)
Der Innenausbau umfasst alle sichtbaren Oberflächen:
- Innenputz (Kalk- oder Gipsputz): 20–40 €/m² Wandfläche
- Trockenbau (Ständerwände, Deckenverkleidungen): 40–80 €/m²
- Estrich: 25–45 €/m² Bodenfläche
- Bodenbeläge: 30–100 €/m² (Laminat 30–50 €, Parkett 60–100 €, Fliesen 50–90 €)
- Malerarbeiten: 10–20 €/m² Wandfläche
- Innentüren: 300–800 € pro Stück (inkl. Zarge und Einbau)
Bäder (8.000–20.000 € pro Bad)
Badezimmer sind der kostenintensivste Raum bezogen auf den Quadratmeter. Eine Komplettsanierung umfasst:
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Sanitärobjekte (WC, Waschtisch, Dusche/Wanne) | 2.000–8.000 € |
| Fliesen (Wand + Boden) | 2.000–5.000 € |
| Installation (Sanitär + Elektro) | 2.000–4.000 € |
| Kleinteile (Armaturen, Spiegel, Accessoires) | 1.000–3.000 € |
| Gesamt pro Standardbad (ca. 6–8 m²) | 8.000–20.000 € |
Ein Gäste-WC kostet ca. 3.000–6.000 €. Hochwertige Bäder mit bodengleicher Dusche, Regendusche und Designarmaturen können auch 25.000 € und mehr kosten.
Kernsanierung vs. Neubau: Was lohnt sich?
Diese Frage stellt sich bei vielen älteren Gebäuden. Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab:
Kostenvergleich
| Kernsanierung | Neubau (ohne Grundstück) | |
|---|---|---|
| Kosten pro m² | 800–2.500 € | 2.500–4.000 € |
| 120 m² Wohnfläche | 96.000–300.000 € | 300.000–480.000 € |
| Abrisskosten | Nicht nötig | 15.000–30.000 € |
| Zeitdauer | 4–12 Monate | 12–18 Monate |
| Grundstück | Vorhanden | Vorhanden (oder extra) |
Wann ist die Kernsanierung besser?
- Gute Bausubstanz: Tragwerk, Fundament und Decken sind intakt
- Gute Lage: Das Grundstück ist wertvoll, ein Abriss und Neubau wäre unverhältnismäßig
- Emotionaler Wert: Denkmalschutz, Familienhaus, historische Substanz
- Grundriss passt: Die Raumaufteilung lässt sich mit vertretbarem Aufwand anpassen
- Budget: Bei einem Budget unter 300.000 € ist die Kernsanierung oft die einzige Option
- Genehmigungslage: In manchen Bebauungsplangebieten ist ein Neubau in der gewünschten Größe nicht möglich
Wann ist ein Neubau besser?
- Massive Substanzschäden: Tragende Wände gerissen, Fundament schadhaft, Deckendurchbiegung
- Schwere Schadstoffbelastung: Asbest in Wänden und Decken, kontaminierter Boden (Öltank)
- Grundriss unbrauchbar: Zu kleine Räume, ungünstige Anordnung, zu niedrige Deckenhöhe (unter 2,30 m)
- Energetisch hoffnungsloser Fall: Fachwerk ohne Möglichkeit zur Außendämmung, Innendämmung allein reicht nicht
- Kosten für Kernsanierung übersteigen 70–80 % der Neubaukosten: Ab diesem Schwellenwert ist der Neubau wirtschaftlicher, da Sie zusätzlich eine Gewährleistung, modernste Technik und einen optimalen Grundriss erhalten
Die Hybridlösung: Teilsanierung
Nicht immer muss es eine Komplettsanierung sein. In vielen Fällen reicht eine gezielte Teilsanierung der wichtigsten Gewerke. Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) kann helfen, die wirtschaftlich sinnvollsten Maßnahmen zu identifizieren und in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen.
Ablauf einer Kernsanierung: Phase für Phase
Phase 1: Bestandsaufnahme (2–4 Wochen)
- Gebäude begehen und dokumentieren
- Schadstoffgutachten erstellen (Asbest, KMF, Blei, PAK)
- Statik prüfen lassen
- Energetischen Zustand analysieren → mit reduco können Sie vorab online analysieren, wie sich verschiedene Sanierungsmaßnahmen auf den Energiebedarf auswirken
- Sanierungsfahrplan (iSFP) vom Energieberater erstellen lassen
Phase 2: Planung und Genehmigung (4–8 Wochen)
- Architektenplanung bei Grundrissänderungen
- Statische Berechnung bei tragenden Eingriffen
- Baugenehmigung beantragen (bei Grundrissänderungen, Nutzungsänderung, Aufstockung)
- Fördermittel beantragen (BAFA und/oder KfW – immer vor Auftragsvergabe!)
- Ausschreibung und Angebotsvergleich
Phase 3: Rückbau und Entkernung (1–3 Wochen)
- Alle nicht-tragenden Bauteile entfernen
- Schadstoffe fachgerecht entsorgen
- Bestandsschutz sichern (tragende Wände, Decken schützen)
Phase 4: Rohbau und Tragwerk (2–4 Wochen)
- Ggf. Wände versetzen, Durchbrüche erstellen
- Statische Ertüchtigung (Stahlträger, Deckenauflagen)
- Dachstuhlreparatur oder -erneuerung
- Fensteröffnungen anpassen
Phase 5: Installation – Rohinstallation (3–5 Wochen)
- Elektroleitungen verlegen
- Sanitär- und Heizungsrohre installieren
- Lüftungsanlage einbauen (falls vorgesehen)
- Heizungsanlage aufstellen
Phase 6: Hülle und Dämmung (3–6 Wochen)
- Fassadendämmung anbringen
- Dach dämmen und eindecken
- Fenster und Türen einbauen
- Kellerdecke dämmen
Phase 7: Innenausbau (4–8 Wochen)
- Innenputz oder Trockenbau
- Estrich einbringen (3–4 Wochen Trocknungszeit beachten!)
- Fliesen legen (Bäder, Küche)
- Bodenbeläge verlegen
- Malerarbeiten
- Sanitärobjekte montieren
- Küche einbauen
- Türen einsetzen
Phase 8: Fertigstellung (1–2 Wochen)
- Elektroanschlüsse fertigstellen (Steckdosen, Schalter, Lampen)
- Heizung in Betrieb nehmen, hydraulischer Abgleich
- Abnahme der einzelnen Gewerke
- Energieausweis erstellen lassen
- Reinigung und Einzug
Gesamtdauer: 4–12 Monate, je nach Umfang. Die meisten Kernsanierungen dauern 6–9 Monate.
Finanzierung: So stemmen Sie die Kosten
KfW-Kredit 261 (BEG Wohngebäude)
Wenn Sie durch die Kernsanierung einen Effizienzhaus-Standard erreichen (mindestens Effizienzhaus 85), können Sie den KfW-Kredit 261 nutzen:
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Kreditbetrag | Bis 120.000 €/Wohneinheit (150.000 € bei EE-Klasse) |
| Tilgungszuschuss | 5–45 % je nach Effizienzhausstufe und Boni |
| Zinssatz (01/2026) | Ca. 2,45–3,12 % |
| Laufzeit | 4–30 Jahre |
| Voraussetzung | Mindestens Effizienzhaus 85, Einbindung eines Energieberaters |
Boni:
- Worst-Performing-Building-Bonus: +10 % Tilgungszuschuss, wenn das Gebäude zu den schlechtesten 25 % im Bestand gehört (Energieeffizienzklasse H)
- Serielles-Sanierungs-Bonus: +15 %, wenn industriell vorgefertigte Fassaden-/Dachelemente verwendet werden (Effizienzhaus 40 oder 55)
Bei einer Kernsanierung zum Effizienzhaus 55 mit WPB-Bonus können Sie z. B. bei 120.000 € Kredit einen Tilgungszuschuss von bis zu 30.000–40.000 € erhalten.
Alle KfW-Programme im Detail finden Sie im Ratgeber KfW-Förderung Sanierung 2026.
BAFA BEG EM (Einzelmaßnahmen)
Alternativ zum Effizienzhaus-Ansatz können einzelne Maßnahmen über die BEG EM gefördert werden:
- Dämmung: 15–20 % Zuschuss (max. 60.000 €/WE mit iSFP)
- Fenster: 15–20 % Zuschuss
- Heizung (Wärmepumpe): 30–70 % Zuschuss (je nach Boni)
- Heizungsoptimierung: 15–20 % Zuschuss
Wichtig: BEG EM und KfW 261 können nicht für dieselbe Maßnahme kombiniert werden. Bei einer Kernsanierung ist der KfW-261-Effizienzhaus-Ansatz häufig attraktiver, weil der Tilgungszuschuss höher ausfällt.
Weitere Finanzierungsmöglichkeiten
- Bankkredit (Modernisierungskredit): Spezielle Sanierungskredite von Banken, oft mit günstigeren Konditionen als reguläre Konsumkredite
- Eigenkapital: Je höher der Eigenanteil, desto günstiger die Finanzierung
- Steuerbonus § 35c EStG: 20 % der energetischen Sanierungskosten über drei Jahre steuerlich absetzen (max. 40.000 €) – nicht kombinierbar mit BAFA/KfW
- Eigenleistung: Reduziert die Kosten, aber: Eigenleistung wird nicht gefördert und kann bei Fehlern zu Folgeschäden führen
Typische Kostenfallen bei der Kernsanierung
1. Unerwartete Substanzschäden
Beim Öffnen von Wänden, Decken und Böden treten häufig Überraschungen zutage: Holzbalkendecken mit Fäulnis, Risse im Tragwerk, schadhaftes Mauerwerk. Diese Mehrkosten sind in der Planung schwer kalkulierbar.
Empfehlung: Planen Sie einen Puffer von mindestens 15–20 % des Gesamtbudgets für Unvorhergesehenes ein.
2. Schadstoffe (Asbest, KMF, PAK, Blei)
In Häusern vor 1993 kann Asbest in vielen Bauteilen vorkommen: Fassadenplatten, Fußbodenbeläge (Flex-Platten), Putze, Rohrisolierungen, Dachplatten, Fensterkitt. Die Entsorgung ist teuer und wird oft unterschätzt.
Kosten für Schadstoffsanierung:
| Schadstoff | Typische Mehrkosten |
|---|---|
| Asbest (Fassadenplatten) | 3.000–10.000 € |
| Asbest (Fußbodenplatten) | 2.000–5.000 € |
| Asbest (Rohrisolierung) | 1.000–4.000 € |
| KMF (alte Mineralwolle vor 2000) | 1.000–3.000 € |
| PAK (teerhaltige Klebstoffe) | 2.000–8.000 € |
| Bleileitungen austauschen | 3.000–6.000 € |
| Öltank entsorgen (inkl. Bodengutachten) | 2.000–6.000 € |
Empfehlung: Vor dem Kauf oder Beginn der Sanierung ein Schadstoffgutachten erstellen lassen (Kosten: 500–1.500 €). Das spart böse Überraschungen.
3. Fehlende oder fehlerhafte Planung
Eine Kernsanierung ohne sorgfältige Planung führt fast zwangsläufig zu Nachträgen, Verzögerungen und Mehrkosten. Typische Fehler:
- Keine Statik-Prüfung vor Angebotserstellung
- Gewerke nicht aufeinander abgestimmt (z. B. Elektriker kommt nach dem Verputzer)
- Fenstermaße falsch aufgenommen → teure Nachbestellung
- Keine Baubegleitung → Ausführungsfehler bleiben unentdeckt
4. Zu optimistische Eigenleistung
Eigenleistung kann Geld sparen, birgt aber Risiken: Zeitverzögerungen (weil Laien langsamer sind), Qualitätsprobleme (z. B. ungerade Wände, undichte Anschlüsse) und fehlende Gewährleistung. Sinnvolle Eigenleistungen bei einer Kernsanierung:
- Rückbau und Entkernung (mit Schadstoff-Check vorher)
- Malerarbeiten
- Bodenbeläge verlegen (Laminat, Vinyl)
- Garten und Außenanlagen
Nicht als Eigenleistung empfohlen: Elektro, Sanitär, Heizung, Dämmung, Fenstereinbau, Putz.
Genehmigungen: Was brauchen Sie?
Bei einer Kernsanierung ist in den meisten Fällen eine Baugenehmigung erforderlich, wenn:
- Tragende Wände verändert oder entfernt werden
- Die Nutzung geändert wird (z. B. Dachboden → Wohnraum)
- Die Gebäudekontur geändert wird (Anbau, Aufstockung, Gaube)
- Abstandsflächen betroffen sind (z. B. durch Fassadendämmung)
Keine Genehmigung brauchen Sie in der Regel für:
- Reine Innenarbeiten ohne Eingriff in die Statik
- Heizungstausch
- Fenstererneuerung (gleiche Größe, gleiche Position)
- Dämmung innerhalb der bestehenden Gebäudekontur (Innendämmung, Kerndämmung)
Die Genehmigungsverfahren dauern je nach Bundesland und Kommune 4–12 Wochen. Planen Sie das in Ihren Zeitplan ein.
Planungscheckliste: Kernsanierung Schritt für Schritt
- Gebäude beurteilen: Ist die Bausubstanz eine Kernsanierung wert? → Sachverständigen hinzuziehen
- Schadstoffgutachten: Asbest, KMF, PAK, Blei prüfen lassen (500–1.500 €)
- Energetische Analyse: Aktuellen Energiebedarf ermitteln, Sanierungspotenzial bewerten → Gebäudeanalyse mit reduco
- Budget festlegen: Realistische Kostenschätzung + 15–20 % Puffer
- Finanzierung klären: KfW-Kredit, Eigenkapital, Bankkredit – was ist die beste Kombination?
- Fördermittel identifizieren: KfW 261 oder BAFA BEG EM → Ratgeber KfW-Förderung
- Energieberater einbinden: Für Förderanträge und Sanierungsfahrplan → Energieberater: Kosten und iSFP
- Architekten/Planer beauftragen: Bei Grundrissänderungen und Genehmigungsverfahren
- Angebote einholen: Mindestens drei Angebote pro Gewerk
- Förderanträge stellen: Immer vor Auftragsvergabe!
- Bauzeitenplan erstellen: Gewerke koordinieren, Trocknungszeiten einplanen
- Baubegleitung sichern: Unabhängige Baubegleitung reduziert Fehler und wird über KfW gefördert
Häufige Fragen
Was kostet eine Kernsanierung pro Quadratmeter?
Die Kosten liegen 2026 je nach Qualitätsstandard bei 800–2.500 €/m² Wohnfläche. Einfache Standardsanierungen beginnen bei ca. 800–1.200 €/m², mittlere Qualität liegt bei 1.200–1.800 €/m² und hochwertige Sanierungen bei 1.800–2.500 €/m². Für ein typisches 120-m²-Einfamilienhaus ergeben sich Gesamtkosten von 96.000–300.000 €. Einen Überblick über alle Sanierungskosten finden Sie im Ratgeber Haus sanieren: Kosten.
Lohnt sich eine Kernsanierung oder ist ein Neubau besser?
Als Faustregel gilt: Wenn die Kernsanierungskosten 70–80 % der Neubaukosten übersteigen, ist der Neubau wirtschaftlich oft die bessere Wahl. Neubaukosten liegen 2026 bei ca. 2.500–4.000 €/m² (ohne Grundstück). Die Kernsanierung lohnt sich vor allem bei guter Bausubstanz, wertvoller Lage und wenn der Grundriss überwiegend passt. Weitere Entscheidungshilfe bietet unser Ratgeber zur energetischen Sanierung im Altbau.
Welche Förderung gibt es für eine Kernsanierung?
Die wichtigste Förderung ist der KfW-Kredit 261: Bis zu 120.000 € (bzw. 150.000 € bei EE-Klasse) pro Wohneinheit mit Tilgungszuschüssen von 5–45 %, wenn mindestens Effizienzhaus 85 erreicht wird. Alternativ können Einzelmaßnahmen über die BAFA BEG EM mit 15–70 % bezuschusst werden (je nach Maßnahme). Beide Förderwege erfordern die Einbindung eines Energieberaters und die Antragstellung vor Beginn der Arbeiten. Details im Ratgeber KfW-Förderung.
Wie lange dauert eine Kernsanierung?
Die meisten Kernsanierungen dauern 6–9 Monate bei durchgehender Ausführung. Einfache Sanierungen ohne große Grundrissänderungen sind in 4–5 Monaten machbar, aufwendige Sanierungen mit Dachausbau oder Anbauten dauern 10–12 Monate. Entscheidend für den Zeitplan sind die Trocknungszeiten (Estrich: 3–4 Wochen) und die Verfügbarkeit der Handwerker.
Wie hoch sollte der Puffer für unvorhergesehene Kosten sein?
Planen Sie mindestens 15–20 % des Gesamtbudgets als Reserve ein. Bei Häusern vor 1960 oder unklarem Bauzustand empfehlen wir 20–25 %. Typische Überraschungen sind: Schadstoffbelastung (Asbest, PAK), Fäulnis in Holzbalkendecken, marode Fundamente und fehlerhafte Altinstallationen. Ein Schadstoffgutachten vor Sanierungsbeginn (500–1.500 €) hilft, die größten Risiken vorab zu identifizieren.
Kann ich Teile der Kernsanierung selbst machen?
Ja, bestimmte Arbeiten eignen sich gut für Eigenleistung: Rückbau und Entkernung (nach Schadstoff-Check), Malerarbeiten, Bodenbeläge verlegen und Gartenarbeiten. Nicht empfohlen als Eigenleistung sind Elektro, Sanitär, Heizung, Dämmung und Fenstereinbau – hier drohen Sicherheitsrisiken, Gewährleistungsverlust und im schlimmsten Fall teure Folgeschäden. Beachten Sie außerdem: Eigenleistung wird bei der BAFA- und KfW-Förderung nicht als förderfähige Kosten anerkannt.
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