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Balkonkraftwerk Ertrag & Ausrichtung 2026: Tabelle, 900 kWh

Wie viel bringt ein Balkonkraftwerk? Ertrag nach Ausrichtung & Neigung: Süd 600–900 kWh, Ost/West 80 %, senkrecht −30 % – so planen Sie richtig.

Balkonkraftwerk mit zwei Solarmodulen am Geländer eines Balkons in Deutschland

Das Wichtigste in Kürze

  • Jahresertrag (Süd, guter Winkel): Ein 800-Watt-Balkonkraftwerk liefert an einem unverschatteten Süd-Balkon rund 600–900 kWh pro Jahr – in Süddeutschland eher 900–1.100 kWh, im Norden 700–900 kWh.
  • Ausrichtung (Richtwerte): Süd = 100 %, Ost/West nur ~80 %, Nord ~50–60 % des Süd-Ertrags – die vollständige Tabelle steht weiter unten.
  • Senkrecht am Geländer: Die häufigste Montageform kostet rund 30 % Ertrag (665 statt 950 Volllaststunden), hebt aber den Eigenverbrauch auf etwa 45 %.
  • Optimaler Winkel: 30–40° nach Süden bringt den höchsten Jahresertrag.
  • Eigenverbrauch schlägt kWh: Weil der Überschuss praktisch nicht vergütet wird, spart Ost/West mit höherem Eigenverbrauch (35–45 % statt 25–35 %) oft mehr Geld als Süd – trotz weniger Kilowattstunden.
  • Amortisation: Bei 250–500 € Set und real ~90–150 €/Jahr Ersparnis nach 3–5 Jahren; die Verbraucherzentrale nennt eine Spanne von 3–10 Jahren.

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Die wichtigste Ertragsfrage beim Balkonkraftwerk lautet nicht „Wie viele Watt?", sondern „Wohin zeigt es und wie steil?". Ein Süd-Balkon im optimalen 30–40°-Winkel bringt 600–900 kWh im Jahr; senkrecht am Geländer sind es rund 30 % weniger, und nach Norden nur noch etwa die Hälfte. Diese Übersicht nach Ausrichtung und Neigung zeigt Ihnen mit einer klaren Tabelle, wie viel Ertrag welche Lage realistisch bringt – und warum die reine Kilowattstundenzahl beim Steckersolargerät die falsche Kennzahl ist.

Denn anders als bei einer großen Dach-PV-Anlage mit Ost-West-Strings zählt beim Balkonkraftwerk fast ausschließlich der Eigenverbrauch: Der Überschuss wird in aller Regel nicht vergütet, und der Wechselrichter deckelt die Leistung ohnehin bei 800 W. Deshalb spart ein Ost/West-Set mit 80 % des Süd-Ertrags unterm Strich oft mehr Geld als ein Süd-Set. Wie sich das rechnet, ob sich die Anlage überhaupt lohnt und welche Regeln 2026 gelten, klären wir Schritt für Schritt.

Wie viel Ertrag bringt ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt?

Bevor wir zur Ausrichtung kommen, lohnt der Blick auf die Größenordnung. Ein typisches Set besteht aus zwei Modulen mit zusammen etwa 800–900 Wp und einem auf 800 W gedrosselten Wechselrichter. Als grober Richtwert produziert eine solche Anlage an einem gut besonnten Süd-Balkon 600–900 kWh pro Jahr. Der Wert hängt stark von der Region ab: In Süddeutschland mit mehr Sonnenstunden sind 900–1.100 kWh erreichbar, im bewölkteren Norden liegt die Spanne eher bei 700–900 kWh.

Pro Solarmodul rechnet die Verbraucherzentrale Energieberatung mit etwa 250–280 kWh im Jahr – zwei Module ergeben also die genannten 500–560 kWh aufwärts, bei guter Lage entsprechend mehr. Damit deckt ein Balkonkraftwerk bis zu rund 20 % des Grundbedarfs eines durchschnittlichen Haushalts (etwa 1.500 kWh Grundlast) ab.

Standort / Bezugsgröße Jahresertrag 800-W-Balkonkraftwerk
Süddeutschland (Süd, unverschattet) 900–1.100 kWh
Norddeutschland (Süd, unverschattet) 700–900 kWh
Bundesweiter Richtwert (Süd, guter Winkel) 600–900 kWh
je Solarmodul (ca. 400–500 Wp) 250–280 kWh

Quelle: ADAC; Verbraucherzentrale Energieberatung. Werte für unverschattete Aufstellung.

Wichtig für die Erwartung: Der Ertrag ist stark sommerlastig. Im Sommer liefert die Anlage 4–5 kWh am Tag, im Winter bei tiefem Sonnenstand und kurzen Tagen nur noch 0,5–1 kWh – ein Zehntel. Ein Balkonkraftwerk deckt also die sonnenreichen Monate gut ab, trägt aber praktisch nichts zum winterlichen Heizstrombedarf bei. Wer den Sommerüberschuss in den Abend retten will, kommt um einen Speicher nicht herum.

Ertrag nach Ausrichtung: die Tabelle

Jetzt zur Kernfrage. Die folgende Tabelle zeigt, welchen Anteil vom Süd-Optimum die einzelnen Himmelsrichtungen erreichen – jeweils bei einer sinnvollen Neigung von 30–35°. Die absolute kWh-Spalte ist aus einer Süd-Basis von 800 kWh abgeleitet und dient nur der Veranschaulichung; Ihr tatsächlicher Wert hängt von Region, Verschattung und Neigung ab.

Ausrichtung (30–35° geneigt) Anteil vom Süd-Optimum Illustrativ bei 800 kWh Süd
Süd 100 % ~800 kWh
Südost / Südwest ~95 % ~760 kWh
Ost / West ~80 % (75–85 %) ~640 kWh
Nord ~50–60 % ~400–480 kWh

Quelle: Ertragsrichtwerte breit belegt über mehrere Fachquellen und Solarertragssimulationen. Die kWh-Spalte ist gerundet und illustrativ, keine gemessenen Absolutwerte.

Was daraus folgt:

  • Süd ist der Ertragskönig, aber die Unterschiede zu Südost und Südwest sind mit nur 5 % marginal. Wer den Balkon nicht exakt nach Süden ausrichten kann, verliert kaum etwas.
  • Ost oder West kostet etwa ein Fünftel des Ertrags. Das klingt viel, ist aber – wie der nächste Abschnitt zeigt – wirtschaftlich oft irrelevant oder sogar von Vorteil.
  • Nord halbiert den Ertrag nahezu und ist der einzige Fall, bei dem ich zur Zurückhaltung rate: Hier trägt sich die Anlage nur bei sehr günstigem Set-Preis.

Am Balkon hat man die Himmelsrichtung ohnehin selten frei: Sie ist durch die Gebäudeausrichtung vorgegeben. Umso wichtiger ist es, die realistische Erwartung an die vorhandene Lage zu kennen, statt eine ideale Süd-Anlage im Kopf zu haben.

Neigungswinkel: 30–40° optimal, senkrecht kostet 30 %

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Neben der Himmelsrichtung entscheidet der Neigungswinkel über den Ertrag. Optimal für den Jahresertrag ist eine Neigung von 30–40° nach Süden – in diesem Bereich trifft das Sonnenlicht über das Jahr gemittelt am steilsten auf die Module.

Der Realfall am Balkon sieht meist anders aus: Die Module hängen senkrecht (90°) außen am Geländer. Das Umweltbundesamt beziffert den Verlust gegenüber dem optimalen Winkel mit rund 30 % – konkret 665 statt 950 Volllaststunden im Jahr. Andere Fachquellen nennen 15–30 % je nach Standort.

Montagesituation Volllaststunden (UBA-Referenz) Ertrag bei 800 W
Optimaler Winkel (Süd, ~30–35°) 950 h ~760 kWh
Senkrecht am Balkongeländer (90°) 665 h ~530 kWh

Quelle: Umweltbundesamt. Die Differenz von rund 285 Volllaststunden entspricht etwa −30 %.

Die senkrechte Montage hat aber zwei Vorteile, die den Verlust relativieren:

  1. Bessere Winterausbeute: Bei tiefem Sonnenstand im Winter trifft das Licht flacher ein – dann ist ein steiler (senkrechter) Modulwinkel sogar im Vorteil. Der Jahresverlust entsteht vor allem in den Sommermonaten mit hohem Sonnenstand.
  2. Höherer Eigenverbrauch: Senkrechte Module erzeugen eine flachere, breitere Tageskurve statt einer schmalen Mittagsspitze. Das Umweltbundesamt rechnet bei senkrechter Montage mit einem Eigenverbrauch von etwa 45 % – deutlich mehr als bei einer nach Süden geneigten Anlage.

Wenn die Bausituation es zulässt, ist eine verstellbare Halterung mit 30–60° der beste Kompromiss. Sie holt spürbar mehr aus den Modulen als die reine Vertikalmontage, ohne dass Sie den Balkon komplett umbauen müssen.

Ost oder Süd? Warum Eigenverbrauch mehr zählt als kWh

Hier liegt der entscheidende Denkfehler, den viele beim Balkonkraftwerk machen: Sie optimieren auf maximale Kilowattstunden – obwohl beim Steckersolargerät fast nur zählt, wie viel Strom Sie selbst verbrauchen.

Der Grund ist wirtschaftlich eindeutig. Eine selbst verbrauchte Kilowattstunde ersetzt teuren Netzstrom (rund 35 ct/kWh). Der eingespeiste Überschuss dagegen wird beim Balkonkraftwerk in aller Regel nicht vergütet – der ADAC formuliert, die Anmeldung zur Einspeisung „lohnt sich meistens nicht". Selbst wenn Sie eine Vergütung bekämen, läge sie 2026 bei nur rund 7,78 ct/kWh. Jede eigenverbrauchte Kilowattstunde ist damit etwa viereinhalbmal so viel wert wie eine eingespeiste.

Und genau hier dreht sich die Ausrichtungslogik: Eine Süd-Anlage produziert ihre Spitze mittags – dann, wenn tagsüber oft niemand zu Hause ist und nur die Grundlast aus Kühlschrank, Router und Standby läuft. Ein großer Teil dieser Mittagsspitze verpufft ungenutzt. Eine Ost/West-Anlage verteilt den Ertrag dagegen auf Morgen und Abend – also auf die Zeiten mit dem höchsten Haushaltsverbrauch.

Ausrichtung Eigenverbrauchsquote (ohne Speicher) Deckt ab
Süd 25–35 % schmale Mittagsspitze (oft ungenutzt)
Ost / West / vertikal 35–45 % Morgen- und Abendlast breiter

Quelle: Fachanalysen auf Basis von HTW-Berlin-Lastprofilen.

Rechenbeispiel Süd gegen Ost/West: Eine Süd-Anlage erzeugt in einem Modellfall 100 kWh mehr Strom im Jahr. Die Ost/West-Anlage verbraucht davon aber 40 kWh mehr selbst, weil sie besser zum Tagesverlauf passt. Bei 35 ct/kWh spart die Süd-Anlage rund 91 €, die Ost/West-Anlage jedoch 105 € im Jahr – trotz weniger erzeugter Kilowattstunden. Vertikale oder Ost/West-orientierte Balkonkraftwerke sind also häufig wirtschaftlicher, obwohl ihr kWh-Ertrag niedriger ist.

Wer das Maximum herausholen will, kombiniert die richtige Ausrichtung mit klugem Eigenverbrauch optimieren: Spülmaschine, Waschmaschine oder E-Auto-Ladung in die Sonnenstunden legen. Das hebt die Eigenverbrauchsquote spürbar – und ist bei jeder Ausrichtung der größte Hebel.

Abgrenzung: Warum das bei der großen Dach-PV anders ist

Damit kein Missverständnis entsteht: Bei einer großen Dach-PV-Anlage ist die Ost-West-Rechnung eine andere. Dort dient die Ost-West-Aufteilung (zwei Strings) der Last- und Netzglättung und es gibt eine Einspeisevergütung über 20 Jahre – überschüssiger Strom bringt also weiterhin Geld. Beim Balkonkraftwerk hingegen ist der Ertrag auf 800 W AC gedeckelt und der Überschuss wertlos; deshalb zählt fast ausschließlich der Eigenverbrauch. Wer die Ausrichtungsfrage für eine echte Dachanlage klären will, findet dort die passende Rechnung mit 80–90 % Ertrag und Vergütung.

Was bringt das an Ersparnis? Wirtschaftlichkeit & Amortisation

Kommen wir zum Geld. Ein komplettes Set mit 800–900 Wp und 800-W-Wechselrichter kostet laut ADAC 250–500 €; die Verbraucherzentrale nennt eine breitere Spanne von 400–1.000 €, und im Testfeld der Stiftung Warentest lagen die Preise zwischen 330 und 580 €.

Der oft beworbene Wert „bis zu 300 € Ersparnis im Jahr" ist theoretisch – er unterstellt, dass Sie nahezu den gesamten erzeugten Strom selbst verbrauchen. Realistisch liegt die Eigenverbrauchsquote ohne Speicher aber nur bei 25–45 %. Das Umweltbundesamt rechnet für einen senkrecht montierten Fall (45 % Eigenverbrauch, 37 ct/kWh) mit einer Ersparnis von rund 90 € im Jahr und einer Amortisation von etwa 5 Jahren bei einem 400-€-Set. Für die Praxis ist eine Spanne von 90–150 €/Jahr ein ehrlicher Erwartungswert.

Kennzahl Wert
Set-Preis (800 W) 250–500 € (Test: 330–580 €)
Jahresertrag (Süd, guter Winkel) 600–900 kWh
Realistische Ersparnis ~90–150 €/Jahr (bei 25–45 % Eigenverbrauch)
Theoretisches Maximum „bis zu 300 €" (bei ~100 % Eigenverbrauch)
Amortisation 3–5 Jahre (gute Lage); 3–10 Jahre (Verbraucherzentrale)
Energetische Amortisation 1–2 Jahre (graue Energie)
Lebensdauer über 25 Jahre

Quelle: ADAC; Umweltbundesamt; Verbraucherzentrale Energieberatung.

Über die Lebensdauer von mehr als 25 Jahren gerechnet ist ein Balkonkraftwerk damit auch bei mittelmäßiger Ausrichtung ein gutes Geschäft – vorausgesetzt, das Set war nicht überteuert und die Lage nicht extrem ungünstig. Die energetische Amortisation (die zur Herstellung nötige „graue Energie") liegt bei nur 1–2 Jahren; über 20 Jahre spart ein Gerät nach UBA-Angaben rund 7,3 Tonnen CO₂ ein. Ob sich Ihre konkrete Konstellation rechnet, klärt am besten die ehrliche Rechnung zum Balkonkraftwerk.

Ein Hebel gegen schlechte Ausrichtung: mehr Modulfläche. Weil der Wechselrichter erst bei 800 W abriegelt, bringen zusätzliche Module (Overpaneling bis 2.000 Wp) an den Tagesrändern und bei suboptimaler Lage messbar mehr Ertrag – in der Mittagsspitze hingegen nicht. Wie viel ein größeres Setup herausholt, zeigt der Beitrag zum Balkonkraftwerk mit 2.000 Watt.

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Recht & Technik 2026: 800 Watt, Schuko und MaStR

Damit die Ertragsplanung nicht an Formalien scheitert, hier der aktuelle Rahmen nach dem Solarpaket I. Er ist inzwischen deutlich einfacher als noch vor zwei Jahren.

Regel 2026 Wert
Wechselrichter-Einspeisung max. 800 W (AC)
Modul-/Generatorleistung bis 2.000 Wp zulässig
Schuko-Stecker erlaubt bis 960 Wp (DIN VDE V 0126-95, seit 1.12.2025)
Anmeldung nur im Marktstammdatenregister, binnen 1 Monat, kostenlos
Meldung an den Netzbetreiber entfällt seit Solarpaket I (16.5.2024)
Mieter / WEG privilegierte Maßnahme seit Oktober 2024

Quelle: Verbraucherzentrale; Bundesnetzagentur.

Konkret heißt das: Der Wechselrichter darf maximal 800 W ins Hausnetz einspeisen, während die Module bis 2.000 Wp Spitzenleistung haben dürfen. Der Schuko-Stecker ist seit der neuen Produktnorm DIN VDE V 0126-95 (gültig seit 1. Dezember 2025) bis zu einer Modulleistung von 960 Wp ausdrücklich zulässig; darüber ist ein Einspeise- oder Wieland-Stecker nötig. Die Anmeldung erfolgt nur noch in einem Schritt im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur – die frühere separate Meldung beim Netzbetreiber ist entfallen. Und: Vermieter und Eigentümergemeinschaften können ein Steckersolargerät seit Oktober 2024 nur noch bei echter Unzumutbarkeit ablehnen.

Wie verbreitet die Geräte inzwischen sind, zeigt der Bestand: Im Frühjahr 2026 waren über 1,3 Millionen Balkonkraftwerke mit zusammen rund 1,34 GW im Marktstammdatenregister registriert – die HTW Berlin vermutet wegen nicht gemeldeter Geräte eine reale Zahl von bis zu 3 Millionen.

Stiftung Warentest: nur 2 von 8 Sets „gut"

Ein wichtiger Realitätscheck kommt von der Stiftung Warentest: Von acht getesteten Balkonkraftwerken (Preise 330–580 €) schnitten nur zwei mit „gut" ab, fünf fielen durch. Geprüft wurden Stromerzeugung, Sicherheit, Handhabung und Verarbeitung; der gemessene Ertrag ist stark standortabhängig. Die Bestnote 2,2 ging an das bifaziale Set GreenSolar Universaldach 900/800.

Für Sie heißt das zweierlei: Erstens ist die Qualitäts-, Ertrags- und Sicherheitsspanne der Angebote groß – ein günstiger Preis allein ist kein gutes Kaufkriterium. Zweitens entscheidet neben dem Set auch die Installation über den realen Ertrag. Verschattung durch Geländer, Nachbargebäude, Bäume oder eine massive Brüstung trifft kleine Balkonkraftwerke überproportional und kann jeden Ausrichtungsvorteil zunichtemachen. Prüfen Sie deshalb vor dem Kauf, ob Ihr Standort über den Tag wirklich frei besonnt ist.

Ehrliche Nachteile: wovon ich abrate

Ein Balkonkraftwerk ist eine der einfachsten Möglichkeiten, in die Solarstromnutzung einzusteigen – aber es gibt handfeste Grenzen, die im Marketing gern untergehen:

  • Senkrechte Montage kostet ~30 % Ertrag. Der häufigste Realfall am Geländer (90°) liefert nur 665 statt 950 Volllaststunden. Wo möglich, sollten Sie eine geneigte oder verstellbare Halterung wählen.
  • Nord bringt nur die Hälfte. Eine reine Nordausrichtung erreicht nur 50–60 % des Süd-Ertrags und ist meist unwirtschaftlich. Davon rate ich ab, außer das Set ist sehr günstig und dient eher dem Ausprobieren.
  • Der Überschuss ist wertlos. Selbst verbrauchte kWh sparen Geld, eingespeiste praktisch nicht. Die Süd-Mittagsspitze verpufft oft, weil tagsüber nur Grundlast läuft.
  • „Bis zu 300 €" ist Marketing. Diese Zahl unterstellt fast 100 % Eigenverbrauch. Realistisch bleiben eher 90–150 €/Jahr übrig – im UBA-Beispiel sogar nur rund 90 €.
  • Die 800-W-Grenze deckelt alles. Mehr Module helfen nur an den Tagesrändern und bei schlechter Ausrichtung, nicht in der Mittagsspitze.
  • Der Winterertrag ist minimal. Mit 0,5–1 kWh am Tag trägt die Anlage im Winter kaum zur Deckung bei – der Jahreswert ist stark sommerlastig.
  • Amortisation kann sich strecken. Bei teurem Set, schlechter Lage oder niedrigem Strompreis kann sie laut Verbraucherzentrale bis zu 10 Jahre dauern.

Wer bei ungünstiger Ausrichtung trotzdem das Optimum herausholen will, hat zwei wirksame Hebel: einen Speicher, der die Eigenverbrauchsquote deutlich anhebt, und konsequente Eigenverbrauchsoptimierung im Tagesverlauf.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viel kWh bringt ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt im Jahr?

An einem unverschatteten Süd-Balkon mit gutem Winkel sind es rund 600–900 kWh pro Jahr. Regional schwankt der Wert: In Süddeutschland sind 900–1.100 kWh möglich, im Norden eher 700–900 kWh. Pro Modul rechnet man mit etwa 250–280 kWh. Bei senkrechter Montage oder Ost/West-Ausrichtung liegt der Ertrag entsprechend niedriger.

Welche Ausrichtung ist für ein Balkonkraftwerk am besten?

Für den reinen Kilowattstunden-Ertrag ist Süden mit 30–40° Neigung optimal (100 %). Südost und Südwest liegen mit etwa 95 % fast gleichauf. Ost oder West erreichen rund 80 %, Nord nur 50–60 %. Wirtschaftlich betrachtet ist Ost/West aber häufig sogar die bessere Wahl, weil der höhere Eigenverbrauch die geringere Erzeugung mehr als ausgleicht.

Wie viel Ertrag verliert ein senkrecht am Geländer montiertes Balkonkraftwerk?

Rund 30 % gegenüber dem optimalen Winkel – laut Umweltbundesamt 665 statt 950 Volllaststunden im Jahr. Der Verlust entsteht vor allem im Sommer bei hohem Sonnenstand. Im Winter ist die steile Montage sogar leicht im Vorteil, und der Eigenverbrauch steigt auf etwa 45 %, was den Nachteil wirtschaftlich abfedert.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk nach Osten oder Westen?

Ja, meist sogar besser als gedacht. Ost/West bringt zwar nur etwa 80 % des Süd-Ertrags, deckt dafür aber Morgen- und Abendlast ab – also die Zeiten mit dem höchsten Haushaltsverbrauch. Die Eigenverbrauchsquote steigt von 25–35 % (Süd) auf 35–45 %. In Rechenbeispielen spart eine Ost/West-Anlage dadurch trotz weniger Kilowattstunden oft mehr Geld als eine Süd-Anlage.

Welcher Neigungswinkel ist für ein Balkonkraftwerk optimal?

Für den höchsten Jahresertrag sind 30–40° nach Süden ideal. Die häufige senkrechte Montage (90°) am Geländer kostet rund 30 % Ertrag. Wenn die Bausituation es erlaubt, ist eine verstellbare Halterung mit 30–60° der beste Kompromiss zwischen maximalem Ertrag und einfacher Befestigung.

Nach wie vielen Jahren amortisiert sich ein Balkonkraftwerk?

Bei einem Set für 250–500 € und einer realistischen Ersparnis von 90–150 €/Jahr liegt die Amortisation typischerweise bei 3–5 Jahren. Die Verbraucherzentrale nennt eine breitere Spanne von 3–10 Jahren, je nach Set-Preis, Ausrichtung und Strompreis. Da die Anlage über 25 Jahre hält, bleiben danach viele Jahre reiner Ertrag.

Bringt ein Balkonkraftwerk auf der Nordseite überhaupt etwas?

Ja, aber wenig: Eine Nordausrichtung erreicht nur 50–60 % des Süd-Ertrags, also grob 400–480 kWh statt 800 kWh. Wirtschaftlich lohnt sich das nur bei einem sehr günstigen Set. In den meisten Fällen rate ich davon ab und empfehle, eine besser besonnte Fläche – etwa eine Ost- oder Westseite – zu prüfen.

Wird der eingespeiste Überschuss beim Balkonkraftwerk vergütet?

In der Praxis nein. Der ADAC formuliert, die Anmeldung zur Einspeisung „lohnt sich meistens nicht". Selbst wenn eine Vergütung möglich wäre, läge sie 2026 bei nur rund 7,78 ct/kWh – gegenüber etwa 35 ct/kWh für ersetzten Netzstrom. Deshalb zählt beim Balkonkraftwerk fast ausschließlich der Eigenverbrauch, nicht die eingespeiste Menge.

Wie viel Strom spart ein Balkonkraftwerk im Jahr wirklich?

Realistisch 90–150 € im Jahr. Die oft beworbenen „bis zu 300 €" unterstellen einen Eigenverbrauch nahe 100 %, der ohne Speicher nicht erreichbar ist. Das Umweltbundesamt rechnet in einem senkrechten Beispiel mit 45 % Eigenverbrauch und 37 ct/kWh mit rund 90 € Ersparnis. Mehr ist mit einem Speicher und konsequenter Eigenverbrauchsoptimierung drin.

Nächster Schritt: Wie viel Solar passt wirklich zu Ihrem Gebäude?

Ein Balkonkraftwerk ist der einfachste Einstieg in die Solarstromnutzung – die Ausrichtungs- und Ertragstabelle hilft Ihnen, die richtige Lage und realistische Erwartung zu finden. Die deutlich größere Hebelwirkung liegt bei vielen Häusern aber in einer korrekt dimensionierten Dachanlage, kombiniert mit Speicher und optimiertem Eigenverbrauch. Wie viel Photovoltaik-Ertrag Ihr konkretes Dach nach Ausrichtung und Neigung bringt, welche Anlagengröße wirtschaftlich passt und wie sich das mit dem übrigen Sanierungsbedarf Ihres Gebäudes verzahnt, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Mit reduco analysieren Sie Ihr Gebäude in wenigen Minuten und erhalten eine datenbasierte Einschätzung zum Solarpotenzial, zu Kosten und zur wirtschaftlichsten Reihenfolge der Maßnahmen – statt einer pauschalen Faustregel.

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