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ETS2: Was der EU-Emissionshandel ab 2028 für Ihre Heizkosten bedeutet

Ab 2028 gilt der EU-Emissionshandel ETS2 für Gebäude und Verkehr. Prognosen zeigen CO₂-Preise von 120–250 €/Tonne. Was das für Ihre Heizkosten bedeutet und wie Sie sich schützen.

Europaflagge vor einem Wohngebäude als Symbol für den EU-Emissionshandel ETS2 und dessen Auswirkungen auf Heizkosten

Der nationale CO₂-Preis von derzeit 55--65 Euro pro Tonne ist nur das Vorspiel. Ab 2028 übernimmt der europäische Emissionshandel ETS2 -- ein eigenständiges, marktbasiertes System, das den CO₂-Preis für Gebäude und Verkehr voraussichtlich auf 120 bis 250 Euro pro Tonne treiben wird. Für ein unsaniertes Einfamilienhaus mit Gasheizung bedeutet das CO₂-Kosten von bis zu 1.507 Euro pro Jahr -- mehr als das Vierfache des heutigen Niveaus. In diesem Ratgeber erklären wir, wie das ETS2 funktioniert, was die Preisprognosen bedeuten und welche konkreten Maßnahmen Sie jetzt ergreifen sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • ETS2 ist ein eigenständiges EU-Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr, eingeführt durch die Richtlinie (EU) 2023/959.
  • Start verschoben auf 2028: Die EU-Umweltminister haben am 5. November 2025 den ursprünglichen Starttermin um ein Jahr nach hinten verlegt.
  • Kein Festpreis mehr: Anders als der bisherige nationale CO₂-Preis bestimmt der Markt den Zertifikatepreis. Prognosen liegen bei 120--250 € pro Tonne CO₂ bis 2035.
  • 75 % der Gebäude in Deutschland heizen noch fossil -- sie alle sind betroffen.
  • Wärmepumpen und erneuerbare Heizsysteme verursachen 0 Euro CO₂-Kosten und sind damit vollständig geschützt.
  • Ein Klimageld als sozialer Ausgleich steht nicht im aktuellen Koalitionsvertrag und wird nicht 2026 eingeführt.

Vom nationalen CO₂-Preis zum EU-Emissionshandel

Deutschland hat 2021 mit dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) einen nationalen CO₂-Preis eingeführt. Seitdem steigt die Abgabe schrittweise:

Jahr CO₂-Preis pro Tonne Mechanismus
2021 25 € Nationaler Festpreis
2022 30 € Nationaler Festpreis
2023 30 € Nationaler Festpreis
2024 45 € Nationaler Festpreis
2025 55 € Nationaler Festpreis
2026--2027 55--65 € Nationaler Preiskorridor (Zertifikatehandel)
Ab 2028 Marktpreis (ohne Obergrenze) EU-Emissionshandel ETS2

Quellen: BEHG, Richtlinie (EU) 2023/959, Beschluss der EU-Umweltminister vom 05.11.2025

Der nationale Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne ist ein Übergangsinstrument. Er wurde für 2027 verlängert, weil die EU-Umweltminister im November 2025 den ETS2-Start von 2027 auf 2028 verschoben haben. Ab 2028 gibt es keinen politisch festgelegten Korridor mehr. Der Preis ergibt sich dann ausschließlich aus Angebot und Nachfrage am europäischen Zertifikatemarkt.

Die Details zum aktuellen nationalen CO₂-Preis und dessen konkreten Auswirkungen auf Ihre Heizkosten finden Sie im Artikel CO₂-Steuer 2026: So viel zahlen Sie jetzt mehr fürs Heizen.

So funktioniert der ETS2

Der ETS2 basiert auf der Richtlinie (EU) 2023/959 und ist ein eigenständiges Handelssystem -- getrennt vom seit 2005 bestehenden EU-ETS 1 für Industrie und Energiewirtschaft. Es erfasst die Sektoren Gebäude und Straßenverkehr und folgt dem Prinzip Cap and Trade mit einem sogenannten Upstream-Ansatz.

Abgrenzung: ETS1 vs. ETS2

Merkmal ETS1 (seit 2005) ETS2 (ab 2028)
Sektoren Industrie, Energiewirtschaft, Luftverkehr Gebäude, Straßenverkehr
Regulierte Akteure Große Emittenten (Kraftwerke, Fabriken) Brennstofflieferanten (Upstream)
Kostenlose Zuteilung Teilweise ja Nein -- keine kostenlose Zuteilung
Start 2005 2028 (verschoben von 2027)
Preisniveau (2030 Prognose) 60--100 €/t 120--250 €/t

Der entscheidende Unterschied: Im ETS2 gibt es keine kostenlose Zuteilung von Zertifikaten. Jedes einzelne Zertifikat muss auf dem Markt ersteigert werden. Das macht das System teurer und sorgt für einen direkten Preisdruck auf fossile Brennstoffe.

Das Upstream-System: So werden die Kosten weitergereicht

Im ETS2 sind nicht Hausbesitzer oder Autofahrer direkt reguliert, sondern die Brennstofflieferanten -- Gasversorger, Heizölhändler, Tankstellenbetreiber. So funktioniert der Mechanismus:

  1. Zertifikatepflicht: Jeder Brennstofflieferant muss für jede Tonne CO₂, die seine verkauften Produkte beim Verbrennen verursachen, ein Emissionszertifikat vorweisen.
  2. Zertifikatekauf per Auktion: Die Zertifikate werden in regelmäßigen Auktionen versteigert -- es gibt keine Gratiszuteilungen.
  3. Kostenweitergabe: Die Lieferanten schlagen die Zertifikatskosten auf den Brennstoffpreis auf. Sie zahlen die CO₂-Kosten also indirekt über Ihre Gas- oder Ölrechnung.

Das bedeutet: Sie müssen selbst keine Zertifikate kaufen. Aber Sie bezahlen sie über jeden Kubikmeter Gas und jeden Liter Heizöl.

Cap und Mengensteuerung: Warum der Preis steigen muss

Das ETS2 funktioniert nach dem Cap-and-Trade-Prinzip. Die EU legt eine Obergrenze (Cap) für die Gesamtmenge der Emissionen fest und gibt eine entsprechende Menge an Zertifikaten aus. Innerhalb dieses Caps können Unternehmen Zertifikate handeln (Trade).

Die entscheidenden Zahlen

  • Anfängliches Cap: Rund 1,036 Milliarden Zertifikate (entspricht 1,036 Mrd. Tonnen CO₂).
  • Jährliche Reduktion: Das Cap sinkt um 5,38 % pro Jahr -- deutlich aggressiver als die 4,3 % im ETS1.
  • Keine kostenlose Zuteilung: Alle Zertifikate werden ausnahmslos versteigert.

Die jährliche Reduktion um 5,38 % bedeutet, dass das Angebot an Zertifikaten jedes Jahr um rund 56 Millionen Stück schrumpft. Bei gleichbleibender oder nur langsam sinkender Nachfrage -- 75 % der deutschen Gebäude heizen noch fossil, Millionen Heizungen können nicht über Nacht ausgetauscht werden -- wird der Preis pro Zertifikat zwangsläufig steigen.

Marktstabilitätsmechanismus -- aber keine harte Preisobergrenze

Die EU hat einen Marktstabilitätsmechanismus vorgesehen: Überschreitet der CO₂-Preis die Marke von 45 Euro pro Tonne und hat sich innerhalb kurzer Zeit stark erhöht, können zusätzliche Zertifikate aus einer Reserve freigegeben werden.

Wichtig: Die 45-Euro-Schwelle ist eine weiche Interventionsschwelle, keine harte Preisobergrenze. Der Mechanismus kann den Preisanstieg verlangsamen, aber nicht verhindern. Der CO₂-Preis kann -- und wird nach allen seriösen Prognosen -- deutlich über 45 Euro steigen.

Im bestehenden EU-ETS 1 zeigt sich, wohin das führen kann: Dort lag der Zertifikatspreis 2017 noch bei unter 10 Euro. 2023 erreichte er zeitweise über 100 Euro.

Preisprognosen: Was Experten erwarten

Die Prognosen für den ETS2-Zertifikatspreis variieren je nach Institut und Szenario, zeigen aber eine klare Richtung:

Institut / Quelle Prognose CO₂-Preis Zeithorizont
EWI Köln (Energiewirtschaftliches Institut) 120--205 €/t bis 2035
BloombergNEF 149 €/t 2030
PIK (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung) bis zu 250 €/t mittelfristig
Agora Energiewende ca. 150 €/t Durchschnitt

Quellen: EWI Energiewirtschaftliches Institut Köln, BloombergNEF, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Agora Energiewende

Die Spanne ist groß, aber die Richtung ist eindeutig: Der CO₂-Preis wird sich gegenüber dem heutigen Niveau mindestens verdoppeln, wahrscheinlich verdreifachen. Selbst konservative Schätzungen gehen von Preisen deutlich über 100 Euro pro Tonne aus.

Die Unsicherheit hat mehrere Gründe: Niemand weiß exakt, wie schnell Gebäudesanierungen und der Heizungstausch voranschreiten werden. Je langsamer die Dekarbonisierung der Gebäude, desto höher die Nachfrage nach Zertifikaten -- und desto höher der Preis.

Konkrete Auswirkungen auf Ihre Heizkosten

Gasheizung: Einfamilienhaus mit 30.000 kWh Verbrauch

Ein unsaniertes Einfamilienhaus mit Gasheizung und einem Verbrauch von 30.000 kWh pro Jahr emittiert rund 6,03 Tonnen CO₂ (30.000 kWh x 0,20088 kg CO₂/kWh). Daraus ergeben sich folgende jährliche CO₂-Kosten:

CO₂-Preis pro Tonne Jährliche CO₂-Kosten Monatliche Mehrbelastung
55 € (heute) 331 € 28 €
100 € 603 € 50 €
150 € (Agora-Durchschnitt) 904 € 75 €
200 € (EWI Mitte) 1.205 € 100 €
250 € (PIK-Obergrenze) 1.507 € 126 €

Berechnung: 30.000 kWh x 0,20088 kg CO₂/kWh = 6.026 kg CO₂ = 6,03 t CO₂. CO₂-Kosten = 6,03 t x Preis/t.

Bei einem Marktpreis von 150 Euro pro Tonne -- dem Agora-Durchschnittswert -- zahlen Sie also rund 573 Euro mehr pro Jahr als heute. Bei 250 Euro pro Tonne sind es fast 1.176 Euro Mehrkosten gegenüber dem aktuellen CO₂-Preis.

Ölheizung: 3.000 Liter Verbrauch

Heizöl emittiert pro Energieeinheit mehr CO₂ als Erdgas. Bei einem Verbrauch von 3.000 Litern pro Jahr (typisch für ein unsaniertes Einfamilienhaus) entstehen rund 8,03 Tonnen CO₂ (3.000 L x 2,6763 kg CO₂/L):

CO₂-Preis pro Tonne Jährliche CO₂-Kosten Monatliche Mehrbelastung
55 € (heute) 442 € 37 €
150 € (Agora-Durchschnitt) 1.204 € 100 €
250 € (PIK-Obergrenze) 2.007 € 167 €

Berechnung: 3.000 L x 2,6763 kg CO₂/L = 8.029 kg CO₂ = 8,03 t CO₂.

Ölheizungen sind besonders betroffen: Bei 250 Euro pro Tonne entstehen CO₂-Kosten von über 2.000 Euro pro Jahr -- allein für die CO₂-Komponente, zusätzlich zu den ohnehin steigenden Ölpreisen.

Wärmepumpe: 0 Euro CO₂-Kosten

Wer mit einer Wärmepumpe heizt, verbraucht keinen fossilen Brennstoff und benötigt keine ETS2-Zertifikate. Die CO₂-Kosten betragen 0 Euro pro Jahr -- unabhängig davon, wie hoch der CO₂-Preis steigt. Das Gleiche gilt für Pelletheizungen (biogene Brennstoffe) und Solarthermie.

Tipp: Eine detaillierte Gegenüberstellung der laufenden Kosten finden Sie in unserem Vergleich Wärmepumpe vs. Gasheizung.

Vergleichstabelle: Jährliche CO₂-Kosten nach Heizsystem und CO₂-Preis

Heizsystem CO₂-Preis 55 €/t CO₂-Preis 150 €/t CO₂-Preis 250 €/t
Gas (30.000 kWh, unsaniert) 331 € 904 € 1.507 €
Öl (3.000 L, unsaniert) 442 € 1.204 € 2.007 €
Gas (15.000 kWh, teilsaniert) 166 € 452 € 752 €
Wärmepumpe 0 € 0 € 0 €
Pellets 0 € 0 € 0 €

Die Tabelle zeigt: Selbst eine Teilsanierung, die den Verbrauch halbiert, reduziert die CO₂-Kosten erheblich. Die vollständige Umstellung auf eine Wärmepumpe eliminiert sie komplett. Wie Sie die Kosten einer umfassenden Sanierung einschätzen können, erfahren Sie im Ratgeber Haus sanieren: Was kostet es?.

CO₂-Kosten im Mehrfamilienhaus: Vermieter unter Druck

Für Vermieter erhöht der ETS2 den finanziellen Druck gleich doppelt: Einerseits steigen die absoluten CO₂-Kosten. Andererseits sorgt das CO₂-Kostenaufteilungsgesetz (CO2KostAufG) dafür, dass Vermieter bei energetisch schlechten Gebäuden den Großteil dieser Kosten selbst tragen müssen.

Das 10-Stufen-Modell des CO2KostAufG

Das CO2KostAufG arbeitet mit einem 10-Stufen-Modell, das die CO₂-Kosten anhand des energetischen Zustands des Gebäudes zwischen Vermieter und Mieter aufteilt:

Stufe CO₂-Ausstoß (kg CO₂/m²/a) Vermieteranteil Mieteranteil
1 < 12 0 % 100 %
5 27 bis < 32 40 % 60 %
8 42 bis < 47 60 % 40 %
10 ≥ 52 95 % 5 %

Vollständiges Stufenmodell und Rechenbeispiele: CO₂-Kostenaufteilung zwischen Vermieter und Mieter

Praxisbeispiel: Unsaniertes Mehrfamilienhaus bei steigendem CO₂-Preis

Ein unsaniertes Mehrfamilienhaus (6 WE, 450 m²) mit Gasheizung und spezifischen Emissionen von über 52 kg CO₂/m²/a fällt in Stufe 10. Bei einem Gasverbrauch von 81.000 kWh ergibt sich:

CO₂-Preis CO₂-Kosten gesamt Vermieteranteil (95 %) Mieteranteil (5 %)
55 €/t (heute) 895 € 850 € 45 €
150 €/t (2030 konservativ) 2.441 € 2.319 € 122 €
250 €/t (PIK-Szenario) 4.069 € 3.866 € 203 €

Berechnung: 81.000 kWh x 0,20088 kg CO₂/kWh = 16.271 kg CO₂ = 16,27 t. CO₂-Kosten = 16,27 t x Preis/t.

Bei 150 Euro pro Tonne zahlt der Vermieter eines unsanierten Mehrfamilienhauses über 2.300 Euro pro Jahr allein für CO₂-Kosten. Über zehn Jahre summiert sich das auf 25.000 bis 40.000 Euro -- Geld, das in eine Sanierung deutlich besser investiert wäre. Wie Sie die Wirtschaftlichkeit einer Sanierung konkret berechnen, erfahren Sie im Sanierung Wirtschaftlichkeitsrechner.

Sozialer Ausgleich: Social Climate Fund und Klimageld

Der Social Climate Fund der EU

Die EU hat parallel zum ETS2 den Sozialen Klimafonds (Social Climate Fund) eingerichtet, um die Auswirkungen auf einkommensschwache Haushalte abzufedern:

Kennzahl Betrag
Gesamtvolumen EU-weit 65 Mrd. Euro (Laufzeit 2026--2032)
Deutschlands Anteil (EU-Mittel) 5,31 Mrd. Euro
Deutsche Kofinanzierung 1,77 Mrd. Euro
Summe für Deutschland 7,08 Mrd. Euro

Die Mittel sollen in Gebäudesanierung, Heizungstausch und direkte Unterstützung für einkommensschwache Haushalte fließen. Wie genau Deutschland die Gelder verteilt, ist Stand April 2026 noch nicht abschließend geregelt. Wahrscheinlich werden sie in bestehende Förderprogramme wie die BEG-Förderung und die KfW-Heizungsförderung integriert.

Klimageld: Kommt nicht

Das Klimageld -- eine direkte Pro-Kopf-Rückzahlung der CO₂-Einnahmen an alle Bürger -- war ein zentrales Versprechen der Vorgängerregierung. Die Realität:

  • Das Klimageld steht nicht im aktuellen Koalitionsvertrag.
  • Eine Einführung im Jahr 2026 ist ausgeschlossen.
  • Die technische Infrastruktur (direkte Auszahlung an alle Bürger) ist weiterhin nicht vollständig aufgebaut.

Klartext: Wer auf eine Entlastung durch das Klimageld setzt, plant auf Sand. Der einzige verlässliche Schutz vor steigenden CO₂-Kosten ist die Reduktion des eigenen fossilen Verbrauchs -- durch Sanierung oder Heizungstausch.

Warum Sanierung der einzige nachhaltige Schutz ist

Der ETS2 hat eine klare Logik: Die Zertifikatemenge sinkt jedes Jahr um 5,38 %. Der CO₂-Preis wird langfristig steigen, weil das Angebot an Zertifikaten schrumpft, während die Nachfrage nur langsam sinkt. Wer fossil heizt, ist diesem Preismechanismus dauerhaft ausgesetzt.

Es gibt nur zwei Wege, sich dauerhaft zu schützen:

1. Heizungstausch auf Wärmepumpe

Ein Wechsel von einer Gas- oder Ölheizung auf eine Wärmepumpe eliminiert die CO₂-Kosten zu 100 Prozent. Strom unterliegt nicht dem ETS2. Die aktuelle Förderung (KfW 458) deckt bis zu 70 % der Investitionskosten ab. Bei den zu erwartenden CO₂-Preisen verbessert sich die Wirtschaftlichkeit des Heizungstauschs massiv.

Eine detaillierte Gegenüberstellung der Systeme finden Sie im Artikel Wärmepumpe vs. Gasheizung.

2. Gebäudehülle verbessern

Jede Maßnahme, die den Energieverbrauch senkt, reduziert auch die CO₂-Kosten -- selbst wenn Sie zunächst noch fossil heizen:

Maßnahme Typische Verbrauchsreduktion CO₂-Kostenersparnis bei 150 €/t (EFH Gas, 30.000 kWh)
Fassadendämmung 20--30 % 181--271 €/a
Dachdämmung 15--20 % 136--181 €/a
Fensteraustausch 10--15 % 90--136 €/a
Kellerdeckendämmung 5--10 % 45--90 €/a
Gesamtsanierung (Hülle + Heizung) 70--90 % 633--814 €/a

Berechnung: Reduktion bezogen auf Gesamt-CO₂-Kosten von 904 €/a bei 150 €/t. Bei steigendem CO₂-Preis wächst die Ersparnis proportional.

Die Kombination aus verbesserter Gebäudehülle und Wärmepumpe ist der effektivste Schutz: Sie eliminiert die CO₂-Kosten vollständig und senkt gleichzeitig die Energiekosten drastisch. Eine vollständige Kostenübersicht finden Sie unter Haus sanieren: Kosten und Maßnahmen.

Rechenbeispiel: Gasheizung vs. Sanierung + Wärmepumpe über 15 Jahre

Kostenfaktor Gasheizung (unsaniert) Sanierung + Wärmepumpe
Investition (nach Förderung) 0 € ca. 60.000 €
Brennstoff/Strom (kumuliert) ca. 49.500 € ca. 18.000 €
CO₂-Kosten (kumuliert, steigend auf 150 €/t) ca. 9.500 € 0 €
Wartung (kumuliert) 3.000 € 3.000 €
Gesamtkosten 15 Jahre ca. 62.000 € ca. 81.000 €
Gesamtkosten 20 Jahre ca. 90.000 € ca. 87.000 €

Annahmen: EFH 150 m², unsaniert 30.000 kWh Gas, nach Sanierung 10.000 kWh Wärmebedarf, JAZ 3, Gaspreisanstieg 3 %/a, Strompreis 24 ct/kWh, CO₂-Preis steigend von 60 € auf 150 €/t.

Ab Jahr 20 rechnet sich die Sanierung -- und bei höheren CO₂-Preisen (PIK-Szenario: 250 €/t) bereits deutlich früher. Die CO₂-Kosten-Ersparnis über die Lebensdauer der Anlage (20+ Jahre) übersteigt die Investitionskosten in den meisten Szenarien.

Was Sie jetzt tun sollten: Der Fahrplan bis 2028

Kurzfristig (2026--2027)

  • Ist-Zustand analysieren: Kennen Sie Ihren tatsächlichen Gas- oder Ölverbrauch? Rechnen Sie mit den obigen Tabellen Ihre CO₂-Kosten bei verschiedenen Preisszenarien aus.
  • Sanierungsfahrplan erstellen lassen: Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) zeigt die wirtschaftlich sinnvollsten Maßnahmen und ist Voraussetzung für die höchsten Fördersätze. Ein iSFP wird mit bis zu 80 % Zuschuss gefördert.
  • Fördermittel sichern: Die Förderlandschaft ist aktuell günstig. BAFA-Förderung 2026 und KfW-Förderung für Heizungstausch decken einen erheblichen Teil der Investitionskosten.
  • Kommunale Wärmeplanung prüfen: Informieren Sie sich, welche Heizlösung Ihre Kommune langfristig vorsieht (Fernwärme, dezentrale Wärmepumpen etc.).

Mittelfristig (2027--2030)

  • Heizungstausch planen: Der Umstieg von Gas oder Öl auf eine Wärmepumpe eliminiert Ihre CO₂-Kosten vollständig. Selbst im Altbau funktionieren moderne Wärmepumpen effizient -- auch ohne Fußbodenheizung.
  • Gebäudehülle verbessern: Dämmung reduziert den Energieverbrauch und damit die CO₂-Kosten -- auch wenn Sie zunächst noch fossil heizen.
  • Photovoltaik als Ergänzung: Eine PV-Anlage senkt die Stromkosten für die Wärmepumpe und erhöht die Wirtschaftlichkeit. Details dazu finden Sie im Ratgeber Wärmepumpe und Photovoltaik kombinieren.

Für Vermieter und Immobilieneigentümer

  • Portfolio analysieren: Welche Gebäude sind am stärksten betroffen? In welche Stufe des CO2KostAufG fallen Sie?
  • Sanierungsfahrplan für jedes Gebäude: Priorisieren Sie Gebäude mit den höchsten spezifischen Emissionen -- dort ist der finanzielle Hebel am größten.
  • Wirtschaftlichkeit rechnen: Die Kombination aus steigendem CO₂-Preis, CO₂-Kostenaufteilung und Wertverlust unsanierter Gebäude (Brown Discount) macht Sanierung in den meisten Fällen wirtschaftlich. Nutzen Sie den Sanierung Wirtschaftlichkeitsrechner.

Tipp: Mit reduco.ai können Sie die CO₂-Kosten Ihres Gebäudes unter verschiedenen ETS2-Preisszenarien simulieren und den optimalen Sanierungszeitpunkt ermitteln. Jetzt kostenlos testen.

Häufige Fragen zum ETS2

Was ist der Unterschied zwischen ETS1 und ETS2?

Das ETS1 reguliert seit 2005 die Industrie und Energiewirtschaft. Das ETS2 ist ein eigenständiges, neues Handelssystem für die Sektoren Gebäude und Straßenverkehr. Beide Systeme laufen parallel, haben aber getrennte Zertifikatemärkte und unterschiedliche Preise. Im ETS2 gibt es keine kostenlose Zuteilung von Zertifikaten.

Wann startet das ETS2 genau?

Der ursprünglich für 2027 geplante Start wurde am 5. November 2025 von den EU-Umweltministern auf 2028 verschoben. Bis dahin gilt in Deutschland der nationale CO₂-Preiskorridor von 55--65 Euro pro Tonne.

Wie hoch wird der CO₂-Preis unter dem ETS2?

Niemand kann den exakten Preis vorhersagen, da er vom Markt bestimmt wird. Die Prognosen seriöser Institute liegen zwischen 120 und 250 Euro pro Tonne bis 2035. Der Durchschnitt der Schätzungen liegt bei etwa 150 Euro pro Tonne.

Gibt es eine Preisobergrenze im ETS2?

Nein. Es gibt einen Marktstabilitätsmechanismus, der ab 45 €/t zusätzliche Zertifikate freigeben kann. Das ist aber keine harte Preisobergrenze. Der Preis kann -- und wird voraussichtlich -- deutlich über 45 Euro steigen.

Muss ich als Hausbesitzer selbst Zertifikate kaufen?

Nein. Das ETS2 ist ein Upstream-System. Ihr Gasversorger oder Öllieferant kauft die Zertifikate und gibt die Kosten über den Brennstoffpreis an Sie weiter. Sie zahlen indirekt, aber Sie spüren es auf der Rechnung.

Ersetzt der ETS2 die deutsche CO₂-Steuer?

Ja. Sobald der ETS2 in Kraft tritt, wird das nationale Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) durch den EU-weiten Emissionshandel abgelöst. Es gibt dann keinen doppelten CO₂-Preis -- nur noch den europäischen Zertifikatepreis.

Wie kann ich mich vor steigenden CO₂-Kosten schützen?

Die effektivste Maßnahme ist der Umstieg auf eine Wärmepumpe. Damit fallen Ihre CO₂-Kosten auf 0 Euro -- egal wie hoch der Preis steigt. Auch eine bessere Gebäudedämmung reduziert die CO₂-Kosten erheblich. Details zu den Kosten finden Sie im Ratgeber Haus sanieren: Was kostet es?.

Was passiert mit der Mieter-Vermieter-Aufteilung unter dem ETS2?

Das CO₂-Kostenaufteilungsgesetz (CO2KostAufG) mit dem 10-Stufen-Modell bleibt bestehen. Da die absoluten CO₂-Kosten unter dem ETS2 steigen, steigt auch die absolute Belastung für Vermieter schlechter gedämmter Gebäude -- bei Stufe 10 tragen sie 95 % der Kosten. Alle Details: CO₂-Kostenaufteilung zwischen Vermieter und Mieter.

Bekomme ich ein Klimageld als Ausgleich?

Stand April 2026: Nein. Das Klimageld steht nicht im aktuellen Koalitionsvertrag. Stattdessen setzt die Regierung auf gezielte Förderprogramme und den Social Climate Fund der EU (7,08 Mrd. Euro für Deutschland).

Betrifft der ETS2 auch Pelletheizungen?

Nein. Pellets gelten als biogener Brennstoff und sind vom ETS2 ausgenommen. Allerdings können Pelletpreise indirekt steigen, wenn die Nachfrage durch den ETS2-Druck auf fossile Brennstoffe zunimmt.

Wie wirkt sich der ETS2 auf Immobilienwerte aus?

Unsanierte Gebäude mit hohem Energieverbrauch verlieren durch steigende CO₂-Kosten an Attraktivität. Der sogenannte Brown Discount -- der Preisabschlag für energetisch schlechte Immobilien -- wird sich durch den ETS2 weiter verstärken. Gut sanierte Gebäude sind dagegen kaum betroffen und erzielen höhere Marktpreise.

Fazit: Der ETS2 ist ein Gamechanger für Ihre Heizkosten

Der EU-Emissionshandel ETS2 wird ab 2028 die CO₂-Kosten für fossiles Heizen massiv erhöhen. Der nationale CO₂-Preis von 55--65 Euro pro Tonne ist nur die Übergangsphase. Prognosen von 120--250 Euro pro Tonne bedeuten für ein unsaniertes Einfamilienhaus mit Gasheizung Mehrkosten von bis zu 1.200 Euro pro Jahr gegenüber heute -- bei Ölheizungen noch mehr.

Die gute Nachricht: Sie können sich schützen. Wer auf eine Wärmepumpe umsteigt, zahlt 0 Euro CO₂-Kosten -- egal wie hoch der Preis steigt. Und selbst Teilmaßnahmen wie bessere Dämmung halbieren die Belastung.

Die nächsten zwei Jahre -- bis zum Start des ETS2 -- sind das Zeitfenster, in dem Sie handeln sollten. Die Fördersätze sind hoch, Handwerksbetriebe bauen Kapazitäten auf, und die Technologie ist ausgereift. Warten wird teurer.

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Quellen: Richtlinie (EU) 2023/959, Beschluss der EU-Umweltminister vom 05.11.2025, Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), CO₂-Kostenaufteilungsgesetz (CO2KostAufG), EWI Köln, BloombergNEF, PIK Potsdam, Agora Energiewende. Stand: April 2026.

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