NIBE S1155 & S1255 Test 2026: Erdwärme, reale JAZ 5,85
NIBE S1155 & S1255 im Test: SCOP 5,2–5,3, reale JAZ 5,85, Preise ab 10.434 €. Was die Sole-Erdwärmepumpe taugt und wie Sie 70 % Förderung sichern.

Das Wichtigste in Kürze
- Effizienz (Datenblatt, EN 14825, 35 °C): SCOP 5,2 bis 5,3 (S1155-6: 5,3; S1255-12 und S1155-25: 5,2). Die von Vergleichsportalen genannten „SCOP bis 7,0/7,3" sind Marketingwerte ohne angegebene Prüfbedingung und liegen deutlich über NIBEs eigenem Datenblatt.
- Real gemessene Jahresarbeitszahl: System-JAZ 5,85 nach der ersten Heizsaison (S1155-6 PC, 135 m² Haus Bj. 2001, 150-m-Erdsonde, Fußbodenheizung) – ohne Umwälzpumpe und Standby gerechnet sogar 6,81.
- Gerätepreis inkl. 19 % MwSt.: S1155-6 PC ca. 10.434 €, S1255-12 (mit 180-l-Speicher) ca. 14.229 €, S1155-25 ca. 20.748 € – jeweils nur das Gerät, ohne Bohrung und Montage.
- Komplettsystem Erdwärme: 25.000 bis 50.000 € inklusive Erschließung und Montage, vor Förderung. Größter Einzelposten ist die Erdsondenbohrung (80–120 €/Bohrmeter).
- Förderung 2026 (KfW 458): bis 70 % Zuschuss, maximal 21.000 €. Sole-/Erdwärmepumpen erhalten den +5 % Effizienzbonus über die Wärmequelle Erdreich – unabhängig vom Kältemittel R407C.
- Kältemittel: R407C (GWP 1.774), auslaufende Generation; die Nachfolger S1156/S1256 nutzen bereits R454B (GWP 466). Für die Förderung 2026 ist das bei Erdwärme unkritisch, technisch aber ein echter Nachteil.
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Die NIBE S1155 und S1255 sind die Sole-/Wasser-Wärmepumpen des schwedischen Herstellers für die Nutzung von Erdwärme – also Erdsonde oder Flächenkollektor statt Außenluft. Auf dem Datenblatt erreichen sie einen SCOP von 5,2 bis 5,3 (EN 14825, 35 °C, Durchschnittsklima); ein Eigentümer hat nach der ersten Heizsaison sogar eine real gemessene System-Jahresarbeitszahl von 5,85 dokumentiert. Die oft zitierten Werte „SCOP bis 7,0/7,3" der Vergleichsportale sind dagegen Marketing ohne angegebene Prüfbedingung – dazu weiter unten mehr. Preislich beginnt die Baureihe beim Gerät bei rund 10.434 € inkl. MwSt., das Komplettsystem inklusive Bohrung liegt bei 25.000 bis 50.000 € vor Förderung.
In diesem Test ordne ich die Effizienz ehrlich ein, zeige alle technischen Daten und Preise für 2026 und rechne die Förderung konkret durch. Wer zuerst die Grundlagen sucht, findet sie im Ratgeber zu Kosten und Funktion einer Erdwärmepumpe; die komplette Marken-Übersicht steht in der NIBE-Modell- und Preisübersicht. Die Luft-Wasser-Alternative aus demselben Haus ist die NIBE S2125 – der direkte Vergleich Luft gegen Erdwärme lohnt sich vor jeder Kaufentscheidung.
S1155 und S1255 im Überblick: zwei Sole-Wärmepumpen, ein Regler
Beide Geräte sind vollmodulierende (drehzahlgeregelte) Sole-/Wasser-Wärmepumpen zur Innenaufstellung. Sie nutzen dieselbe S-Serie-Regelung mit der myUplink-App, WLAN und Modbus – der Unterschied liegt vor allem im integrierten Warmwasserspeicher. Der S1155 kommt ohne eigenen Speicher (ein separater Warmwasserspeicher ist nötig), während der S1255 einen 180-Liter-Speicher bereits an Bord hat. Beide Baureihen sind laut NIBE-Produktseite in der Energieeffizienzklasse A+++ eingestuft, sowohl bei 35 °C als auch bei 55 °C Vorlauf.
Wichtig für die Kaufentscheidung 2026: Die im Handel noch verkauften S1155/S1255 sind die auslaufende Generation mit dem Kältemittel R407C. Ihre Nachfolger S1156 und S1256 sind seit Sommer 2024 im Katalog und nutzen bereits das modernere Kältemittel R454B.
| Modell | Warmwasserspeicher | Typ | Kältemittel | Status 2026 |
|---|---|---|---|---|
| S1155 | kein integrierter (separat nötig) | Sole/Wasser, invertergeregelt | R407C | noch lieferbar (auslaufend) |
| S1255 | integrierter 180-l-Speicher | Sole/Wasser, invertergeregelt | R407C | noch lieferbar |
| S1156 / S1256 (Nachfolger, seit Sommer 2024) | S1256: ca. 178 l integriert | Sole/Wasser | R454B (GWP 466) | aktuelle Katalog-Generation |
Quellen: NIBE S1155 (offizielle Produktseite), NIBE S1156 (offizielle Produktseite).
Der große Vorteil gegenüber jeder Luft-Wasser-Wärmepumpe: Es gibt keine Außeneinheit. Die komplette Technik steht im Keller oder Hauswirtschaftsraum, es gibt keinen Ventilator, der bei Frost vereisen oder Nachbarn stören könnte, und die Wärmequelle Erdreich liefert das ganze Jahr über eine gleichmäßige Temperatur. Genau daraus resultiert die höhere Effizienz – aber eben auch der höhere Erschließungsaufwand. Ob sich dieser Aufwand für Sie lohnt, klärt der Ratgeber Luft- vs. Erdwärmepumpe im Vergleich.
Technische Daten im Detail
Die folgende Tabelle fasst die zentralen Kennwerte beider Baureihen zusammen. Der S1155 ist als einziges Modell auch in der großen Leistungsgröße 6–25 kW verfügbar und damit für größere Gebäude oder kleine Mehrfamilienhäuser geeignet.
| Kennwert | S1155 | S1255 |
|---|---|---|
| Heizleistung (Modellgrößen) | 1,5–6 / 3–12 / 4–16 / 6–25 kW | 1,5–6 / 3–12 / 4–16 kW |
| Integrierter WW-Speicher | nein (separat) | 180 l |
| Max. Vorlauftemperatur | bis 65 °C (67 °C bei B0, S1155-25) | bis 65 °C |
| Kältemittel / Füllmenge | R407C / 1,16 bis ca. 2,47 kg | R407C / 2,0 kg |
| CO₂-Äquivalent der Füllung | 4,39 t (S1155-25) | ca. 3,5 t (S1255-12) |
| Schallleistung | 36–47 dB(A) (S1155-6: 36–43) | 36–47 dB(A) |
| Maße (H×B×T) | 1500 × 600 × 620 mm | 1800 × 600 × 620 mm |
| Gewicht | 205 kg | 250–270 kg (mit Speicher) |
| Stromanschluss | 3×400 V | 3×400 V |
| Passivkühlung (PC-Variante) | ja (S1155-6 PC: 6 kW bei B10/W23) | ja (S1255 PC) |
Quellen: NIBE S1155 (offizielle Produktseite) für Maße 1500 × 600 × 620 mm, 205 kg, CO₂-Äquivalent 4,39 t und A+++. Angaben zu Kältemittelfüllmenge (R407C 1,16–2,0 kg), 180-l-Speicher, 3×400 V, Schallleistung 36–47 dB(A) und Passivkühlung stammen aus den NIBE-Installateur- und -Datenblättern zur Baureihe S1155/S1255.
Zwei Punkte fallen in der Praxis besonders ins Gewicht. Erstens der Schallpegel: Mit 36 bis 47 dB(A) Schallleistung – beim kleinen S1155-6 sogar nur 36 bis 43 dB(A) – gehören die Geräte dank doppelt gekapseltem Verdichter zu den sehr leisen Innenaufstellern. Eine Außeneinheit, die nachts stören könnte, gibt es ohnehin nicht. Zweitens der Stromanschluss: Beide Baureihen brauchen einen 3×400-V-Drehstromanschluss. In vielen Altbauten muss die Elektroinstallation dafür angepasst werden – ein Kostenpunkt, den Sie bei der Angebotseinholung mitdenken sollten.
Effizienz: SCOP, COP und die ehrliche Wahrheit über „SCOP 7"
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Hier trennt sich die Werbung von den Fakten. Auf mehreren Vergleichsportalen kursieren für die S1155/S1255 Werte wie „SCOP 7,0" (S1155-6) oder „SCOP 7,3" (S1155-25) – ohne Angabe der Prüfbedingung, also ohne Klimazone und Vorlauftemperatur. Diese Zahlen übersteigen NIBEs eigenes Datenblatt deutlich. Nach der maßgeblichen Norm EN 14825 im Durchschnittsklima bei 35 °C Vorlauf liegt der SCOP der S1255-12 bei 5,2 und der SCOP der S1155-6 PC bei 5,3 (NIBE-Datenblätter zur Baureihe). Woher kommt eine „7"? Am ehesten aus einer nicht deklarierten Kombination aus sehr niedriger Vorlauftemperatur und günstiger Soletemperatur – als Norm-SCOP ist der Wert nicht belegt.
Der ehrliche und viel überzeugendere Beleg für die hohe Effizienz ist deshalb nicht die Marketingzahl, sondern eine real gemessene System-Jahresarbeitszahl von 5,85. Ein Eigentümer hat sie mit einem Shelly-Stromzähler über die erste Heizsaison dokumentiert – S1155-6 PC, 135 m² Haus von 2001, 150-m-Erdsonde, Fußbodenheizung. Rechnet man Umwälzpumpe und Standby-Verbrauch heraus, ergibt sich für die reine Wärmepumpe sogar 6,81. Eine JAZ knapp unter 6 ist für eine gut geplante Sole-Anlage ein exzellenter, aber realistischer Wert.
| Modell | SCOP (35 °C, EN 14825) | Zusatzangabe | Kältemittel |
|---|---|---|---|
| S1155-6 PC | 5,3 | Passivkühlung 6 kW (B10/W23) | R407C |
| S1255-12 | 5,2 | ca. 4,1 bei 55 °C Vorlauf | R407C |
| S1155-25 | 5,2 | COP B0/W35 ca. 4,68 | R407C |
| S1256-8 (Nachfolger) | 5,67 | – | R454B |
| S1156-18 (Nachfolger) | 6,22 (kaltes Klima) | – | R454B |
Quellen: NIBE-Datenblätter zur Baureihe S1155/S1255 (SCOP-Werte nach EN 14825); NIBE S1156 (offizielle Produktseite, Nachfolge-Generation).
Wenn Ihnen die Begriffe SCOP, COP und JAZ durcheinandergehen: Der Ratgeber COP, JAZ und SCOP einfach erklärt ordnet die Kennzahlen ein. Kurz gesagt ist der COP ein Laborwert bei einem festen Betriebspunkt, der SCOP ein saisonaler Normwert und die JAZ der reale Wert über ein Betriebsjahr in Ihrem Haus. Für die Wirtschaftlichkeit zählt allein die JAZ – und die hängt weniger vom Modell als von Planung, Heizlast, Vorlauftemperatur und der Qualität der Wärmequelle ab.
Preise 2026: Gerät, Bohrung und Komplettsystem
Der Gerätepreis ist bei Erdwärme nur die halbe Wahrheit. Zunächst die reinen Gerätepreise im Fachhandel, jeweils inklusive 19 % Mehrwertsteuer und ohne Montage:
| Modell | Besonderheit | Gerätepreis (inkl. MwSt.) |
|---|---|---|
| S1155-6 PC | mit Passivkühlung | ca. 10.434 € |
| S1255-12 | mit integriertem 180-l-Speicher | ca. 14.229 € |
| S1155-25 | große Leistung 6–25 kW | ca. 20.748 € |
Quellen: Gerätepreise als Fachhandels-Richtpreise inkl. 19 % MwSt. (Stand 2026); Endkunden-Richtpreise über Vergleichsportale liegen wegen Aufschlägen höher (S1155 ab ca. 13.000 €, S1255 PC bis ca. 16.500 €).
Zum Gerät kommt der größte Kostenblock: die Erschließung der Wärmequelle. Für ein Einfamilienhaus mit rund 10 kW Heizlast sind marktüblich 80 bis 120 € pro Bohrmeter fällig; bei 150 bis 250 benötigten Bohrmetern ergeben sich 9.000 bis 30.000 € allein für die Bohrung. Zusammen mit Montage, Hydraulik und Elektrik landet ein komplettes Erdwärme-System deshalb realistisch bei 25.000 bis 50.000 € vor Förderung.
| Kostenblock | Spanne (EFH, vor Förderung) |
|---|---|
| Wärmepumpe (Gerät) | 10.400–20.700 € |
| Erdsondenbohrung (150–250 m à 80–120 €) | 9.000–30.000 € |
| Montage, Hydraulik, Warmwasserspeicher, Elektrik | 5.000–10.000 € |
| Genehmigung untere Wasserbehörde | 250–700 € |
| Komplettsystem | 25.000–50.000 € |
Quellen: Gerätepreise siehe oben; Bohr- und Genehmigungskosten als marktübliche Richtwerte (Stand 2026).
Ehrlich eingeordnet: NIBE liegt preislich rund 20 bis 40 % über typischen Mainstream-Wettbewerbern. Sie bezahlen die Effizienz, die Verarbeitung und die ausgereifte Regelung – aber die Amortisation verlängert sich gegenüber günstigeren Sole-Anbietern. Eine detaillierte Aufschlüsselung des großen Kostenblocks finden Sie im Ratgeber Erdwärme nutzen: Bohrung, Kosten und Genehmigung.
Wärmequelle: Erdsonde, Kollektor und Genehmigung
Die Wärmequelle entscheidet über Effizienz, Kosten und Genehmigungsaufwand. Grundsätzlich haben Sie zwei Optionen:
- Erdsondenbohrung (Tiefenbohrung): platzsparend, hohe und konstante Soletemperatur, dadurch beste JAZ – aber teuer und genehmigungspflichtig. Jede Bohrung muss der unteren Wasserbehörde nach § 49 WHG mindestens einen Monat vorher angezeigt werden; ab 100 m Tiefe greift zusätzlich das Bergrecht. Die Genehmigung kostet 250 bis 700 €, und in Wasserschutzgebieten ist eine Bohrung oft gar nicht möglich.
- Ringgraben- oder Flächenkollektor: genehmigungsfrei und beim Aushub günstiger als eine Bohrung, benötigt aber ausreichend unbebaute Grundstücksfläche. Für Neubaugrundstücke mit Garten eine attraktive Alternative, für kleine Grundstücke meist keine Option.
Eine dritte, angrenzende Möglichkeit ist die Grundwasser-Wärmepumpe (Wasser/Wasser), die NIBE mit denselben S-Serie-Reglern bedient und die bei geeignetem Grundwasser eine noch höhere Jahresarbeitszahl erreichen kann. Sie ist ebenfalls genehmigungspflichtig und setzt ausreichend ergiebiges, sauberes Grundwasser voraus.
Für die reine Effizienz gilt: Erdsonde vor Kollektor vor Luft. Für das Budget gilt oft die umgekehrte Reihenfolge. Genau in dieser Abwägung liegt die eigentliche Entscheidung – nicht in der Wahl zwischen S1155 und S1255.
Förderung 2026: bis zu 70 % über die KfW 458
Die gute Nachricht für alle, die eine Erdwärmepumpe planen: Die S1155/S1255 sind trotz des Kältemittels R407C voll förderfähig. Die Förderung läuft 2026 über die KfW 458 und beträgt bis zu 70 % Zuschuss, maximal 21.000 € auf höchstens 30.000 € förderfähige Kosten pro Wohneinheit.
| Förderbaustein | Fördersatz | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Grundförderung | 30 % | Einbau einer Wärmepumpe |
| Klimageschwindigkeitsbonus | +20 % | Austausch einer alten Öl-, Gas- oder Kohleheizung |
| Einkommensbonus | +30 % | zu versteuerndes Haushaltseinkommen unter 40.000 €/Jahr |
| Effizienzbonus | +5 % | Wärmequelle Erdreich/Wasser/Abwasser oder natürliches Kältemittel |
| Maximale Förderung | bis 70 % | gedeckelt bei 30.000 € förderfähigen Kosten |
Quelle: KfW – Heizungsförderung für Privatpersonen, Wohngebäude (458).
Der entscheidende Punkt für Erdwärme: Den Effizienzbonus von 5 % gibt es nicht nur für natürliche Kältemittel, sondern auch für die Wärmequelle Erdreich. Die S1155/S1255 sichern sich den Bonus also über die Erdsonde beziehungsweise den Kollektor – ganz unabhängig davon, dass im Gerät noch R407C steckt. Genau hier liegt ein oft übersehener Vorteil der Sole-Technik.
Rechenbeispiel S1255-12 im Altbau (Ölheizung wird ersetzt):
- Komplettsystem inkl. Bohrung: 40.000 €, förderfähig gedeckelt auf 30.000 €
- Grundförderung (30 %): 9.000 €
- Klimageschwindigkeitsbonus (20 %): 6.000 €
- Effizienzbonus über Wärmequelle Erdreich (5 %): 1.500 €
- Gesamtförderung: 16.500 € (55 %)
- Eigenanteil: 23.500 € (40.000 € abzüglich 16.500 €)
Kommt der Einkommensbonus hinzu (Haushaltseinkommen unter 40.000 €/Jahr), steigt die Förderung auf die gedeckelten 70 %, also 21.000 €. Der Eigenanteil sinkt dann auf 19.000 €. Wichtig: Der Antrag muss vor der Auftragsvergabe an den Installateur gestellt werden; die technische Prüfung erfolgt über das BAFA-Wärmeerzeuger-Portal, die Auszahlung über die KfW.
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NIBE gegen den Wettbewerb und die Nachfolger S1156/S1256
Innerhalb des NIBE-Portfolios sind die S1155/S1255 die Sole-Klassiker – die aktuelle Katalog-Generation heißt aber bereits S1156/S1256. Der Unterschied ist mehr als eine neue Ziffer:
| Merkmal | S1155/S1255 (auslaufend) | S1156/S1256 (aktuell) |
|---|---|---|
| Kältemittel | R407C (GWP 1.774) | R454B (GWP 466) |
| CO₂-Äquivalent der Füllung | 3,5–4,39 t | ca. 0,54 t |
| SCOP (35 °C) | 5,2–5,3 | bis 5,67 (S1256-8); 6,22 (S1156-18, kaltes Klima) |
| Verfügbarkeit | Restlager/auslaufend | reguläre Produktion |
Quelle: NIBE S1156 (offizielle Produktseite).
Die Nachfolger sind also effizienter und nutzen ein Kältemittel mit rund einem Viertel des Treibhauspotenzials. Wer 2026 neu kauft, sollte deshalb den Aufpreis prüfen: Ist er gering, spricht viel für die neuere Generation; wird das R407C-Modell dagegen als echtes Restlager-Schnäppchen angeboten, kann sich der Kauf für ein Erdwärme-System – das über die Wärmequelle ohnehin förderfähig bleibt – durchaus rechnen.
Gegenüber Mainstream-Anbietern positioniert sich NIBE klar im Premium-Segment. Der Aufpreis von 20 bis 40 % ist die zentrale Abwägung: hervorragende Regelung, sehr leiser Lauf und ausgereifte Anbindung (Modbus, myUplink, SG-Ready für PV-Überschuss) gegen einen spürbar höheren Anschaffungspreis. Wo die S1155/S1255 im gesamten NIBE-Portfolio einzuordnen sind, zeigt die eingangs verlinkte Marken- und Preisübersicht.
Garantie
Die Herstellergarantie beträgt bei NIBE standardmäßig 5 Jahre. Auf 7 Jahre verlängert sie sich, wenn die Installation durch einen zertifizierten NIBE-Effizienzpartner erfolgt und das Gerät innerhalb von 180 Tagen registriert wird; anschließend ist eine Verlängerung auf bis zu 10 Jahre versicherbar. Achten Sie also darauf, dass Ihr Fachbetrieb die Registrierung tatsächlich vornimmt – die zwei zusätzlichen Jahre gibt es nur bei fristgerechter Anmeldung.
Praxis-Erfahrungen und ehrliche Nachteile
Die dokumentierten Owner-Reports zeichnen ein überwiegend positives Bild: sehr leiser Lauf, gute Modbus- und myUplink-Integration und eben jene gemessene System-JAZ von 5,85. Doch die S1155/S1255 sind nicht makellos. Diese Punkte sollten Sie kennen, bevor Sie fünfstellig investieren:
- R407C ist die auslaufende Kältemittel-Generation. Unter der EU-F-Gas-Verordnung wird R407C schrittweise verknappt – künftige Nachfüllungen und Reparaturen können teurer oder eingeschränkter werden. Für die Förderung 2026 ist das bei Erdwärme unkritisch, technisch und zukunftsseitig aber ein realer Nachteil.
- Die „SCOP bis 7"-Werbung ist irreführend. Realistisch und gemessen sind rund 5,2 bis 5,9. Wer eine JAZ von 7 erwartet, wird enttäuscht – die Zahl ist ohne Prüfbedingung angegeben und übersteigt NIBEs eigenes Datenblatt.
- Hohe Einstiegshürde. Der Gerätepreis (ca. 10.400–20.700 €) ist nur ein Teil; Bohrung und Montage treiben das Komplettsystem auf 25.000–50.000 € vor Förderung. Das ist deutlich mehr als bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe.
- Genehmigungs- und Standortabhängigkeit. Tiefenbohrungen sind anzeige- und genehmigungspflichtig, kosten 250–700 € und sind nicht auf jedem Grundstück oder in Wasserschutzgebieten möglich.
- NIBE-Premiumpreis. Rund 20–40 % über Mainstream-Wettbewerbern – gute Technik, aber längere Amortisation als bei günstigeren Sole-Anbietern.
- Auslaufende Vorgänger-Generation. NIBEs aktueller Katalog führt S1156/S1256. Beim Neukauf sollten Sie den Aufpreis zur neueren R454B-Generation ehrlich gegen den Restlager-Rabatt abwägen.
- S1155 ohne integrierten Warmwasserspeicher. Ein separater Speicher kostet Platz und Geld. Nur der S1255 hat den 180-l-Speicher an Bord.
- Software-Eigenheiten. Owner berichten von einem Neustart-Verhalten im Estrich-Ausheizmodus (12-Stunden-Zyklen mit Wärmeverlust) und teils gemischt deutsch/englischen Menüs. Funktional, aber nicht perfekt.
- 3-phasiger 400-V-Anschluss nötig – im Altbau gegebenenfalls mit Anpassung der Elektroinstallation verbunden.
- Förder-Zukunftsfrage. Es wird diskutiert, die Wärmepumpen-Förderung ab 2028 stärker an natürliche Kältemittel zu knüpfen. Für R407C-Geräte wäre das perspektivisch ein Risiko – Stand 2026 sind Sole-S1155/S1255 aber voll förderfähig.
Wovon ich abrate: die S1155/S1255 blind als „SCOP-7-Wärmepumpe" zu kaufen und die Wärmequelle stiefmütterlich zu behandeln. Die reale Effizienz entsteht in der Erdsonde und in der Heizlast- und Vorlaufplanung, nicht im Datenblatt. Und wenn der Aufpreis zum Nachfolger S1156/S1256 gering ausfällt, würde ich nicht das R407C-Restlager nehmen, nur um ein paar Hundert Euro zu sparen – der Kältemittelvorteil des Nachfolgers wiegt schwerer.
Häufige Fragen (FAQ)
Welchen SCOP erreicht die NIBE S1155 / S1255 wirklich – stimmt der Wert 7?
Nach NIBEs eigenem Datenblatt (EN 14825, Durchschnittsklima, 35 °C) liegt der SCOP bei 5,2 bis 5,3. Die auf Vergleichsportalen genannten „SCOP 7,0" oder „7,3" sind ohne Prüfbedingung angegeben und übersteigen die Herstellerwerte deutlich – als Norm-SCOP sind sie nicht belegt. Der ehrliche Beleg für die hohe Effizienz ist eine real gemessene System-JAZ von 5,85. Erwarten Sie also keine 7, sondern eine starke, realistische JAZ um 5,2 bis 5,9.
Was ist der Unterschied zwischen NIBE S1155 und S1255?
Der zentrale Unterschied ist der Warmwasserspeicher: Der S1255 hat einen 180-Liter-Speicher integriert, der S1155 nicht – hier ist ein separater Speicher nötig. Ansonsten sind beide baugleich in Technik und Regelung. Der S1155 ist zusätzlich in der großen Leistungsgröße 6–25 kW erhältlich, während der S1255 bis 16 kW reicht. Für kompakte Aufstellung spricht der S1255, für maximale Leistung oder flexible Speicherwahl der S1155.
Was kostet eine NIBE S1155 / S1255 inklusive Erdbohrung 2026?
Das Gerät kostet je nach Modell rund 10.434 € (S1155-6 PC) bis 20.748 € (S1155-25) inklusive Mehrwertsteuer. Hinzu kommt die Erschließung: Die Erdsondenbohrung schlägt mit 80 bis 120 € pro Bohrmeter zu Buche, bei 150 bis 250 Metern also 9.000 bis 30.000 €. Ein Komplettsystem liegt damit realistisch bei 25.000 bis 50.000 € vor Förderung. Über die KfW 458 sind bis zu 70 % beziehungsweise maximal 21.000 € Zuschuss möglich.
Welches Kältemittel nutzt die NIBE S1155/S1255 – und ist R407C ein Problem?
Die 2026 noch verkauften S1155/S1255 nutzen R407C (GWP 1.774) mit 1,16 bis 2,0 kg Füllmenge. Das ist die auslaufende Generation; die Nachfolger S1156/S1256 setzen bereits auf R454B (GWP 466). Für die Förderung ist R407C bei einer Erdwärmepumpe kein Problem, weil der Effizienzbonus über die Wärmequelle Erdreich läuft. Technisch ist R407C aber ein Nachteil: Unter der F-Gas-Verordnung wird es verknappt, Nachfüllungen können künftig teurer werden.
Wie viel Förderung gibt es 2026 für eine NIBE Erdwärmepumpe?
Über die KfW 458 sind bis zu 70 % Zuschuss, maximal 21.000 € auf höchstens 30.000 € förderfähige Kosten möglich. Er setzt sich zusammen aus 30 % Grundförderung, bis zu 20 % Klimageschwindigkeitsbonus, bis zu 30 % Einkommensbonus und 5 % Effizienzbonus. Diesen Effizienzbonus erhalten die S1155/S1255 über die Wärmequelle Erdreich, trotz R407C. Der Antrag muss vor der Auftragsvergabe gestellt werden.
Wie unterscheiden sich S1155/S1255 von den Nachfolgern S1156/S1256?
Die Nachfolger S1156/S1256 sind seit Sommer 2024 im Katalog und nutzen das modernere Kältemittel R454B (GWP 466 statt 1.774) mit einem CO₂-Äquivalent von nur rund 0,54 t. Zudem sind sie effizienter: Der S1256-8 erreicht SCOP 5,67, der S1156-18 sogar 6,22 im kalten Klima. Die S1155/S1255 sind damit die auslaufende Generation. Beim Neukauf lohnt der Preisvergleich beider Generationen.
Ist die NIBE S1155/S1255 mit Erdsonde oder Flächenkollektor besser?
Für die Effizienz ist die Erdsonde meist besser, weil sie eine höhere und konstantere Soletemperatur liefert – dafür ist sie teuer und genehmigungspflichtig (§ 49 WHG). Der Flächen- oder Ringgrabenkollektor ist genehmigungsfrei und beim Aushub günstiger, braucht aber ausreichend Grundstücksfläche. Auf kleinen Grundstücken bleibt oft nur die Bohrung, auf großen Neubaugrundstücken ist der Kollektor die wirtschaftlichere Wahl. Beide funktionieren mit S1155 und S1255 gleich gut.
Wie laut ist die NIBE S1155/S1255 und braucht sie eine Außeneinheit?
Eine Außeneinheit gibt es nicht – die komplette Technik steht im Innenraum, es gibt keinen Ventilator. Die Schallleistung liegt bei 36 bis 47 dB(A), beim kleinen S1155-6 sogar nur bei 36 bis 43 dB(A). Dank doppelt gekapseltem Verdichter zählen die Geräte zu den sehr leisen Innenaufstellern. Nachbarschaftskonflikte durch Ventilatorgeräusche, wie sie bei Luft-Wasser-Wärmepumpen vorkommen, entfallen bei der Sole-Technik komplett.
Welche Jahresarbeitszahl (JAZ) berichten NIBE-Besitzer in der Praxis?
Ein dokumentierter Owner-Report zeigt für einen S1155-6 PC eine System-JAZ von 5,85 nach der ersten Heizsaison – gemessen mit einem Shelly-Stromzähler in einem 135-m²-Haus von 2001 mit 150-m-Erdsonde und Fußbodenheizung. Ohne Umwälzpumpe und Standby gerechnet ergibt sich für die reine Wärmepumpe sogar 6,81. Solche Werte sind bei sauberer Planung und niedriger Vorlauftemperatur realistisch – sie liegen über dem Datenblatt-SCOP, aber klar unter den werblichen „7".
Nächster Schritt: Passt eine NIBE Erdwärmepumpe zu Ihrem Gebäude?
Ob sich die aufwendigere, aber effizientere Sole-Lösung wie die S1155 oder S1255 für Ihr Haus überhaupt lohnt – oder ob eine Luft-Wasser-Wärmepumpe wirtschaftlicher wäre – hängt von Heizlast, Dämmzustand, Grundstück, vorhandenem Heizsystem und Ihren individuellen Fördermöglichkeiten ab. Gerade bei Erdwärme mit ihrer hohen Einstiegsinvestition entscheidet die gebäudespezifische Analyse über die Wirtschaftlichkeit, nicht das Datenblatt. Mit reduco analysieren Sie Ihr Gebäude in wenigen Minuten und erhalten eine datenbasierte Empfehlung, welches Wärmepumpen-System technisch und wirtschaftlich zu Ihrem Haus passt – inklusive Fördermittelberechnung und einer konkreten Kosten-Nutzen-Analyse.
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