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Green Asset Ratio berechnen: GAR im Immobilienportfolio der Bank

Green Asset Ratio (GAR) für Banken: Berechnung im Immobilienportfolio, Numerator, Denominator, Top-15-%-Schwellen, BTAR-Alternative und Beispielrechnung.

Bank-ESG-Officer berechnet Green Asset Ratio im Immobilienportfolio mit Säule-3-Disclosure

Seit der Erstoffenlegung im Frühjahr 2024 müssen rund 150 unter EU-Aufsicht stehende Großbanken die Green Asset Ratio (GAR) publizieren. Das Ergebnis ist ernüchternd: Laut EBA ESG Risk Dashboard (Erstausgabe Januar 2026, Stichtag Q4 2024) liegt der Durchschnitt der GAR bei knapp unter 3 Prozent, mit deutlicher Streuung über die rund 120 erfassten EU/EWR-Großbanken. Die ersten Säule-3-Berichte deutscher und europäischer Banken bestätigen das Bild: Pfandbrief- und Hypothekenspezialisten mit Fokus auf grüne Wohn- und Gewerbeimmobilien liegen typisch zwischen 3 und 6 Prozent, internationale Universalbanken und reine CRE-Häuser oft unter 2 Prozent.

Diese Spannbreite ist kein Zufall. Die GAR-Formel ist regulatorisch starr durch die Delegierte Verordnung (EU) 2021/2178 vorgegeben, aber die Datenverfügbarkeit auf Asset-Ebene und die Top-15-%-Logik für Bestandsimmobilien verzerren die Ergebnisse systematisch nach unten. Genau jene Banken mit hohem Wohnimmobilien-Hypothekenanteil — also Institute, die ökonomisch grün wirtschaften — werden durch fehlende Energieausweise und Nicht-EU-Exposure benachteiligt.

Dieser Ratgeber richtet sich an Bank-ESG-Officer, Säule-3-Berichterstatter und Risk Officer in Hypothekenbanken, Pfandbriefemittenten, Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Geschäftsbanken. Er erklärt, wie die GAR für den Real-Estate-Teil des Loan Book berechnet wird, wie Numerator und Denominator korrekt abzugrenzen sind, welche Schwellenwerte für Wohn- und Gewerbeimmobilien gelten, wie das Datenlücken-Problem operativ gelöst wird und welche Hebel die GAR mittelfristig anheben. Eng verzahnt sind dazu die EBA ESG-Leitlinien für Banken bei Immobilien 2026, die EU-Taxonomie im Immobilienkredit, der EZB-Klimafaktor im Immobilienkredit 2026 und die PCAF-Scope-3-Methodik fürs Immobilien-Kreditportfolio.

TL;DR

  • Die Green Asset Ratio (GAR) ist der Anteil taxonomiekonformer Aktiva an den anrechenbaren Banking-Book-Aktiva einer CRR-Bank; Rechtsgrundlage ist Artikel 8 EU-Taxonomie (VO 2020/852) in Verbindung mit Delegierter Verordnung (EU) 2021/2178; Pflichtoffenlegung seit dem Geschäftsjahr 2023, Erstveröffentlichung 2024.
  • Der EU/EWR-Durchschnitt liegt 2024 laut EBA ESG Dashboard bei knapp unter 3 Prozent und damit weit unter der politisch erhofften 10–15-%-Lenkungsschwelle. Deutsche Universalbanken bewegen sich typisch zwischen 1 und 4 Prozent, Hypothekenspezialisten und grüne Pfandbriefemittenten zwischen 3 und 6 Prozent.
  • Im Numerator zählen u. a. Wohnhypotheken mit EPC A oder Top-15-%-Bestand und Neubauten ≥ 10 % unter NZEB; im Denominator stehen Total Covered Assets ohne Zentralregierungen, Trading Book, Goodwill und Nicht-NFRD-KMU.
  • Die BTAR (Banking Book Taxonomy Alignment Ratio) liegt typisch 2–5x höher als die GAR, weil sie auch KMU- und Drittstaaten-Exposure einbezieht; sie wurde im EBA-ITS 2022 zunächst als freiwillige Ergänzung eingeführt, die verpflichtende Integration ist Gegenstand laufender EBA-Konsultationen.
  • Top-15-%-PED-Schwellen Deutschland (vdpResearch/Drees & Sommer Benchmarking 2024) bewegen sich für EFH zwischen ca. ≤ 70 und ≤ 100 kWh/m²a je Baujahr-Cluster; ohne EPC-Nachweis gilt der Kredit nach EBA-Auslegungspraxis als nicht-aligned.

Was ist die Green Asset Ratio? Definition, Rechtsgrundlage, Zweck

Die Green Asset Ratio ist eine regulatorische Kennzahl, die den Anteil taxonomiekonformer Aktiva an den gesamten anrechenbaren Aktiva einer Bank misst. Sie wurde 2021 durch Artikel 8 der EU-Taxonomie-Verordnung (Verordnung (EU) 2020/852) in Verbindung mit der Delegierten Verordnung (EU) 2021/2178 eingeführt. Seit dem 1. Januar 2024 ist sie als Pflichtkennzahl im Rahmen der Säule-3-Offenlegung von CRR-Kreditinstituten zu publizieren.

Die Kennzahl verfolgt drei aufsichtliche Ziele. Erstens Markttransparenz: Investoren, Aufsicht und Zivilgesellschaft sehen, wie „grün" das Bilanzgeschäft einer Bank tatsächlich ist, was Greenwashing eindämmen soll. Zweitens Lenkungswirkung: Banken sollen über die Kennzahl angereizt werden, taxonomiekonforme Aktivitäten zu finanzieren. Drittens Risikoindikator: In Verbindung mit dem EZB-SREP fließt die GAR in die aufsichtliche Bewertung physischer und transitorischer Klimarisiken ein, wie in den EBA-ESG-Leitlinien 2026 bereits angelegt.

Rechtsrahmen im Überblick

Rechtsakt Inhalt Anwendung ab
VO (EU) 2020/852 EU-Taxonomie-Grundverordnung; Definition „ökologisch nachhaltig" 12.07.2020
Delegierte VO (EU) 2021/2139 Climate Delegated Act, technische Bewertungskriterien (TSC) 01.01.2022
Delegierte VO (EU) 2021/2178 Disclosures Delegated Act, GAR-Formel 01.01.2022 (Eligibility), 01.01.2024 (Alignment)
CRR Art. 449a + Commission Implementing Regulation (EU) 2022/2453 (EBA ITS) Säule-3-ESG-Disclosures, Templates 6/7/8 (GAR, BTAR) 30.11.2022 (Annahme), Erstoffenlegung GAR Stock GJ 2023
Delegierte VO (EU) 2023/2486 Environmental Delegated Act (Ziele 3–6) 01.01.2024
Delegierte VO (EU) 2026/73 (Omnibus) 10-%-Wesentlichkeitsschwelle, vereinfachter DNSH-Test 28.01.2026

Die Kennzahlenfamilie umfasst neben der GAR Stock (Bestand) auch die GAR Flow (Neugeschäft) sowie als ergänzende Größe die BTAR (Banking Book Taxonomy Alignment Ratio). GAR und BTAR sind nicht direkt vergleichbar: Die BTAR liegt bei Immobilienbanken typisch zwei- bis fünfmal höher, weil sie KMU- und Drittstaaten-Exposure einbezieht und das gesamte Banking Book als Denominator wählt. Wer die Kennzahl in den ESG-Steuerungs­zyklus einbettet, kann nicht auf die parallel laufende Säule-3-Logik des EZB-Klimafaktors und das ESG-Risiko in der Immobilien­finanzierung verzichten.

Erstveröffentlichung 2024: Wie aus Theorie Pflicht wurde

Die GAR-Eligibility (Anrechenbarkeit) war bereits ab Geschäftsjahr 2022 offenlegungspflichtig, das eigentliche Alignment (Konformität nach Substantial Contribution + DNSH + Minimum Safeguards) wird seit dem Geschäftsjahr 2023 verlangt. Die ersten Pillar-3-ESG-Disclosures europäischer Großbanken erschienen damit im Frühjahr 2024 — zeitgleich mit Geschäftsbericht und Jahresabschluss.

Das EBA ESG Risk Dashboard (Stichtag Q4 2024, Erstausgabe Januar 2026) liefert die erste belastbare Querschnittsauswertung: Durchschnitt knapp unter 3 Prozent über die rund 120 erfassten EU/EWR-Großbanken, mit erheblicher Streuung. Werte über 3 Prozent sind bei Universalbanken ohne starken Hypothekenanteil die Ausnahme. Für die deutschen Institute bedeutet das: Wer den Durchschnitt erreichen oder übertreffen möchte, braucht eine Mehrjahresstrategie aus EPC-Erhebung, grünen Kreditprodukten und konsequenter Top-15-%-Bewertung.

Wichtig: Die niedrigen Erstwerte sind nicht das Ergebnis schlechter Bank-Performance, sondern Folge methodischer Hürden. Branchenanalysen (u. a. EBF-Positionspapier „Green Asset Ratio cannot be to sustainability what CET1 is to capital" 2024, AFME GAR Review 2024, ABN AMRO ESG Strategist Jan 2024) zeigen, dass strukturelle Datenlücken und die starre Top-15-%-Logik die Werte systematisch unter das tatsächliche Grünheits­niveau der Bilanzen drücken.

Numerator: Welche taxonomiekonformen Aktiva zählen

Im Zähler der GAR stehen Aktiva, die kumulativ drei Bedingungen erfüllen: Substantial Contribution zu einem der sechs Umweltziele, Do No Significant Harm (DNSH) gegenüber den anderen fünf Zielen sowie Einhaltung der Minimum Safeguards (OECD-Leitsätze, UN Guiding Principles, ILO-Kernarbeitsnormen).

Asset-Klasse Quelle der Konformität Anteil Numerator (DE-Median 2024)
Wohnhypotheken Privatkunden EPC A oder Top-15-%-Bestand oder Neubau ≥ 10 % unter NZEB ~58 %
Gewerbeimmobilienkredite (CRE) EPC A / Top 15 % / NZEB-10 % / Renovierung ≥ 30 % PED-Reduktion ~17 %
Bauträger- und CapEx-Kredite Renovierungs-TSC (≥ 30 % Reduktion) ~6 %
Kfz-Finanzierung Privatkunden TSC „Low-emission Vehicles" (Pkw 0 g CO₂/km ab 2026) ~5 %
Unternehmenskredite NFRD/CSRD Taxonomiekonformer Turnover/CapEx beim Kunden ~12 %
Sonstige Spezialfinanzierungen TSC der jeweiligen Aktivität (z. B. EE-Projekte) ~2 %

(Quelle: Eigene Auswertung Pillar 3 ESG Disclosures 2024 von 18 deutschen Banken / Mittelwert.)

Wohnimmobilienkredite stellen damit den dominanten Hebel im Numerator. Wer die GAR steuern will, muss zuerst das Hypothekenbuch sauber klassifizieren. Detailfragen zur Aktivitätszuordnung 7.1/7.2/7.7 behandelt die Taxonomie-Checkliste für Immobilien.

Denominator: Total Covered Assets korrekt abgrenzen

Der Nenner ist eine Bruttogröße minus regulatorischer Ausnahmen und entscheidet erheblich über das Endergebnis. Im Denominator stehen die gesamten Banking-Book-Aktiva, abzüglich folgender Positionen (Anhang V DelVO 2021/2178):

Aus dem Denominator herausgerechnet:

  • Exposures gegenüber Zentralregierungen, Zentralbanken und supranationalen Emittenten (Bundeswertpapiere, EZB-Reserven, KfW-Garantien soweit staatlich)
  • Trading Book (Handelsbuch nach CRR)
  • Goodwill und immaterielle Vermögenswerte
  • Derivate im Banking Book (außer eingebettet in qualifizierende Aktiva)
  • On-demand Interbank-Forderungen

Im Denominator enthalten (Covered Assets):

  • Kredite an NFRD-/CSRD-pflichtige EU-Unternehmen
  • Hypothekendarlehen an natürliche Personen (Wohnimmobilien)
  • Kfz-Kredite an natürliche Personen
  • CapEx-Kredite an natürliche Personen (Sanierungsfinanzierung)
  • Beteiligungen an obigen Unternehmen
  • Kommunalkredite (Regional Government Exposures, separates Template)

Bilanziell vorhanden, im Nenner, aber nie im Zähler anrechenbar — diese Asymmetrie depressiert die GAR:

  • Kredite an EU-KMU außerhalb NFRD/CSRD (Verlagerung in die BTAR)
  • Kredite an Nicht-EU-Unternehmen
  • Hypotheken ohne EPC-Nachweis

Genau diese Asymmetrie ist der Grund, warum Immobilienbanken strukturell niedrige GAR-Werte ausweisen. Wer vor 2021 vergebene Hypotheken ohne aktiven Top-15-%-Nachweis im Bestand hat, kann den Numerator nicht mit dem Denominator skalieren.

Immobilien-Spezifika: Wohnungs-Hypotheken vs. Gewerbeimmobilien

Immobilienkredite machen 40–70 Prozent des Banking Book deutscher Institute aus (DSGV Geschäftsbericht 2024: 51 Prozent bei Sparkassen; BVR 2024: 44 Prozent bei Genossenschaftsbanken). Die Behandlung des Immobilienportfolios entscheidet damit über die Gesamt-GAR.

Wohnimmobilien-Hypotheken (Residential Real Estate)

Einschlägig ist Aktivität 7.7 „Erwerb und Eigentum an Gebäuden" des Climate Delegated Act. Es gilt:

  • Neubau (Bezugsdatum ab 31.12.2020): Aktivität 7.1 — Primärenergiebedarf (PED) ≥ 10 Prozent unter dem nationalen NZEB-Wert. In Deutschland: GEG-Anforderung Neubau entspricht NZEB; minus 10 Prozent läuft praktisch auf EH-55 oder besser hinaus.
  • Bestand (Errichtung vor 31.12.2020): Aktivität 7.7 — Erfüllung eines der folgenden Kriterien: EPC-Klasse A oder Top-15-%-Nachweis im nationalen/regionalen Bestand nach Primärenergiebedarf.
  • Renovierung: Aktivität 7.2 — ≥ 30 Prozent Reduktion des Primärenergiebedarfs oder Major Renovation gemäß EPBD.

Da EPC A in Deutschland laut dena Gebäudereport 2024 nur rund 3,2 Prozent des Wohnungsbestands ausmacht, wird de facto die Top-15-%-Logik angewendet. Der Anschluss an die EU-Taxonomie im Immobilienkredit und den Energieausweis bei der Kreditvergabe ist hier zwingend.

Gewerbeimmobilien-Finanzierung (Commercial Real Estate)

CRE ist GAR-relevant nur dann, wenn der Kreditnehmer NFRD-/CSRD-pflichtig ist oder es sich um Specialised Lending (Object Finance, Income-Producing Real Estate) mit nachweisbaren Asset-Daten handelt. Die Praxis bei deutschen CRE-Banken zeigt:

  • CRE-Pfandbriefspezialisten (Beispiel pbb Deutsche Pfandbriefbank): Im Numerator werden nur CRE-Loans mit hinreichend belegtem Energiezertifikat und nachweisbarem PED-Kriterium angesetzt; in der Folge bleibt der taxonomiekonforme Anteil am CRE-Buch im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.
  • Internationale CRE-Häuser (Beispiel Aareal Bank): Hotels und Logistik außerhalb der EU werden zu großen Teilen aus dem Numerator herausgefiltert, weil EPC-Standards außerhalb der EU nicht direkt auf die EU-Taxonomie mappen.
  • Landesbanken mit CRE-Schwerpunkt (Beispiel Helaba): Bauen interne Top-15-%-Mapping-Werkzeuge auf Basis öffentlicher Gebäudetypologien (dena-Gebäudetypologie) und eigener Gutachten auf.

Bauträger- und CapEx-Kredite

Hier wirkt Aktivität 7.2 Renovierung: Kredite mit Use-of-Proceeds-Klausel zur ≥ 30-Prozent-Reduktion des Primärenergiebedarfs sind anrechenbar. Operativ entscheidend für die Steuerung des Brown Discount bei Immobilien und das Pricing grüner Baufinanzierungen.

Schwellenwert Energieklasse A vs. Top 15 %: Die PED-Hürde

Die EU-Taxonomie verwendet nicht ein national einheitliches A-Label-Kriterium, sondern verlangt Primärenergiebedarf-Werte in kWh/m²a. Drei Fallstricke verzerren die Praxis:

Fallstrick Konsequenz Lösung
Endenergie vs. Primärenergie Falsche Anrechenbarkeit DIN V 18599 Umrechnung (fp_Erdgas = 1,1; fp_Strommix = 1,8; fp_Fernwärme variabel)
Bedarfs- vs. Verbrauchsausweis Top-15-%-Nachweis schwer Auf bedarfsbasierten Ausweis umstellen; ergänzende Energiegutachten
Lokale vs. nationale Top-15-%-Referenz Inkonsistenz An vdpResearch/Drees & Sommer Top-15-%-Benchmarking (jährliche Aktualisierung) ausrichten

Top-15-%-PED-Schwellen Deutschland 2026 (illustrative Größenordnung auf Basis des vdpResearch/Drees & Sommer Benchmarkings 2024 — verbindliche Werte je Bauklasse sind dem aktuellen Benchmarking-Bericht zu entnehmen):

Gebäudetyp Baujahr-Cluster PED-Schwelle Top 15 % (kWh/m²a)
EFH/ZFH bis 1977 ≤ 100
EFH/ZFH 1978–2001 ≤ 90
EFH/ZFH 2002–2020 ≤ 70
MFH bis 1977 ≤ 95
MFH 1978–2001 ≤ 85
MFH 2002–2020 ≤ 65
Bürogebäude bis 1995 ≤ 130
Bürogebäude 1996–2020 ≤ 95
Einzelhandel alle ≤ 180

Achtung: Die Werte sind PED auf Bedarfsausweis-Basis. Verbrauchsausweise spiegeln Nutzerverhalten und sind für die Top-15-%-Logik nicht direkt verwendbar — es sei denn, die Bank dokumentiert ein konservatives Umrechnungsmodell.

Datenmangel — der wahre GAR-Killer

Das Hauptproblem bei der GAR-Berechnung 2024–2026 ist nicht die Auslegung, sondern die Datenverfügbarkeit auf Asset-Ebene. Die deutschen Pillar-3-Berichte 2024 sprechen Klartext (Größenordnungen, Banken machen Datenlückenquoten in den Methoden­anhängen unterschiedlich transparent):

  • Universalbanken: Häufig weit über die Hälfte der EU-Wohnhypotheken ohne verifizierten EPC, große Mehrheit ohne quantitativen PED-Wert; Proxy-Modelle auf Basis Baujahr, Postleitzahl und Bauart (PCAF-Datenqualitätsstufe 4–5) sind die Regel.
  • Genossenschaftliche Hypothekenbanken wie DZ HYP: EPC-Abdeckung im Bestand typisch unter der Hälfte des Portfolios, Rest über Proxy.
  • Spezialisten mit früher Datenstrategie wie Berlin Hyp: EPC-Abdeckung im Gewerbe­portfolio nach eigenem Sustainability Reporting deutlich über dem Markt­schnitt — Ergebnis langjähriger Datenerhebung beim Kunden.

Die EBA-Auslegungspraxis (Single Rulebook Q&A zur GAR, u. a. Q&A 2024_7272 zum Denominator) bestätigt: Proxy-Werte sind zulässig, müssen aber konservativ sein („no data → assume non-aligned"). Fehlt der EPC, wandert der Kredit nicht in den Numerator, bleibt aber im Denominator. Diese Asymmetrie ist der eigentliche Grund für die niedrigen Quoten.

Operative Datenquellen, die Banken nutzen:

  1. Endkundenerhebung bei Vertragsverlängerung oder Refinanzierung.
  2. CRREM Asset Database und INREV Standards für Großkunden.
  3. dena- und BBSR-Gebäudetypologie als Proxy.
  4. Externe Datenanbieter (Predium, Deepki, Measurabl, JLL Falcon, Drees & Sommer GreenSquare).
  5. PropTech-Integration über die digitale Bauakte (Building Logbook).
  6. AI-OCR auf historische Energieausweise; einzelne deutsche Banken haben in 2024/2025 sechsstellige Bestände an Altausweisen digitalisiert.

Operativ schließt sich der Kreis zur Energieausweis-Massenerfassung im Portfolio, zum ESG-Benchmarking und zur PCAF-Datenqualitätsstufung über die Methodik PCAF Scope 3 fürs Immobilien-Kreditportfolio.

BTAR — die fairere, aber freiwillige Alternative

Die Banking Book Taxonomy Alignment Ratio (BTAR) wurde von der EBA im Pillar-3-ITS (Commission Implementing Regulation (EU) 2022/2453) zunächst als freiwillige Ergänzung neben der GAR eingeführt; die verpflichtende Anwendung ist Gegenstand laufender Konsultationen.

Unterschied GAR vs. BTAR

Dimension GAR BTAR
Numerator Nur taxonomiekonforme Exposures gegenüber NFRD/CSRD-Kunden + qualifizierende Retail-Hypotheken Alle taxonomiekonformen Exposures inkl. KMU, Drittstaaten, Nicht-NFRD
Denominator Total Covered Assets (Banking Book minus Ausnahmen) Total Banking Book Exposures
Datenpflicht Gegenpartei Nur NFRD/CSRD-Kunden Bank schätzt selbst (Proxies erlaubt)
Status Pflicht Freiwillig, verpflichtende Integration Gegenstand laufender EBA-Konsultationen
Typische DE-Banken 2024 1–5 % 4–18 %

Die GAR bestraft Banken mit hohem KMU- und Retail-Anteil, weil deren Kunden keine NFRD-/CSRD-Berichtspflicht haben — auch wenn sie de facto „grün" wirtschaften. Die BTAR korrigiert das. Beispielhaft zeigen CRE-Pfandbriefspezialisten wie pbb 2024 eine BTAR, die mehrfach über der GAR liegt, weil viele Mid-Cap-Kunden außerhalb von NFRD/CSRD fallen.

EBA und Kommission diskutieren in laufenden Reviews der Pillar-3-ITS und der Disclosures Delegated Regulation, wie GAR und BTAR zu integrieren sind (Optionen reichen von BTAR als ergänzender KPI bis hin zu einer Migration auf eine erweiterte Kennzahl). Wer heute schon die BTAR transparent rechnet, hat einen Wettbewerbsvorteil — insbesondere im Zusammenspiel mit dem EU-Omnibus-Paket ESG-Taxonomie 2026.

Beispielrechnung: Bank mit 100 Mrd. EUR Mortgage Book

Annahmen für die Modellbank „GreenMortgage AG", Stand 31.12.2025. Bilanzstruktur Banking Book vereinfacht:

Asset-Klasse Mrd. EUR
Wohnimmobilien-Hypotheken Privatkunden (EU) 100,0
davon EPC A nachgewiesen 8,0
davon Top 15 % belegt (BBSR-Match) 14,0
davon Neubau ≥ 2021 mit NZEB-10 % 5,0
davon EPC ≥ B, nicht qualifizierend 18,0
davon ohne EPC / Proxy 55,0
Gewerbeimmobilien-Kredite (CRE, NFRD-Kunden) 25,0
davon taxonomiekonform 3,5
Unternehmenskredite an NFRD/CSRD-Konzerne (Non-RE) 20,0
davon taxonomiekonform 1,2
Retail Kfz-Kredite 5,0
davon taxonomiekonform 0,3
KMU-Kredite (nicht-NFRD) 30,0
Kredite Behörden / Zentralregierungen 10,0
Trading Book 4,0
Goodwill / Intangibles 1,0
Bilanzsumme 195,0

Schritt 1: Denominator (Total Covered Assets)

Schritt Mrd. EUR
Bilanzsumme 195,0
− Behörden / Zentralregierungen −10,0
− Trading Book −4,0
− Goodwill / Intangibles −1,0
− KMU-Kredite (nicht im GAR-Denominator) −30,0
= Total Covered Assets (GAR-Denominator) 150,0

Schritt 2: Numerator (Taxonomy-aligned Assets)

Position Mrd. EUR Anrechenbar?
Wohnimmobilien EPC A 8,0 Ja
Wohnimmobilien Top 15 % belegt 14,0 Ja
Wohnimmobilien Neubau NZEB-10 % 5,0 Ja
Wohnimmobilien EPC ≥ B (nicht qualifizierend) 18,0 Nein
Wohnimmobilien ohne EPC (Proxy) 55,0 Nein
CRE taxonomiekonform 3,5 Ja
NFRD/CSRD-Konzerne taxonomiekonform 1,2 Ja
Retail Kfz taxonomiekonform 0,3 Ja
Numerator 32,0

Schritt 3: GAR

GAR = 32,0 / 150,0 = 21,3 % (Modellannahme)

Die reale Quote läge in der Praxis deutlich niedriger, weil die EPC-A-Quote im Wohnhypothekenbestand realistisch nur 1–3 Prozent beträgt (nicht 8 Prozent wie modelliert), der Top-15-%-Nachweis bei nur 6–10 Prozent gelingt und einzelne DNSH-Anforderungen Assets ausschließen. Realistische Kalibrierung 2024 für eine deutsche Universalbank mit Immobilienschwerpunkt: GAR 2–4 Prozent.

Schritt 4: BTAR-Variante

Bezieht man KMU-Kredite mit Energieeffizienz-Bezug ein (z. B. KfW-218/219-Förderkredite, energetische KMU-Sanierungen):

Position Mrd. EUR
Numerator GAR 32,0
+ KMU-Energieeffizienz-Kredite 4,5
BTAR-Numerator 36,5
BTAR-Denominator (Banking Book inkl. KMU) 180,0
BTAR 20,3 %

In der Realität liegt die BTAR-Quote deutscher Immobilienbanken typisch 4–10 Prozentpunkte über der GAR.

Erste GAR-Ergebnisse deutscher Banken 2024 und internationale Peers

Die folgenden Werte sind illustrative Größenordnungen aus den Pillar 3 ESG Disclosures 2024 (Stand Q1/Q2 2025); die jeweils aktuell publizierten Werte in den Disclosure Reports der Banken haben Vorrang.

Bank GAR Stock (Turnover) Schwerpunkt
Deutsche Bank ca. 2–3 % Universalbank
Commerzbank ca. 1–2 % Universalbank / Mittelstand
DZ BANK Gruppe ca. 2–3 % Genossenschaftsverbund
DKB ca. 3–5 % Wohn-Hypotheken / Erneuerbare
ING Deutschland ca. 3–4 % Privatkunden-Hypotheken
BayernLB ca. 3–4 % Landesbank
Helaba ca. 2–3 % Landesbank, CRE-stark
NORD/LB ca. 1–2 % Spezialfinanzierung
LBBW ca. 2–3 % Landesbank / Mittelstand
pbb Deutsche Pfandbriefbank ca. 1–3 % CRE, Pfandbrief
Aareal Bank < 1 % International CRE
Berlin Hyp ca. 4–6 % Gewerbeimmobilien, grüne Pfandbriefe
MünchenerHyp ca. 3–4 % Wohn-Hypotheken

Internationale Vergleichswerte 2024 liegen nach Marktauswertungen großer EU-Banken (u. a. ABN AMRO ESG Strategist Jan 2024, CRIF GAR Outlook 2024) typisch zwischen 1 und 4 Prozent (Stock, Turnover), mit BNP Paribas, BBVA, ING, UniCredit und Santander im einstelligen Prozentbereich. Damit liegen deutsche Hypotheken- und Pfandbriefspezialisten (Berlin Hyp, DKB, MünchenerHyp) im europäischen Vergleich oberhalb des Durchschnitts, der breite Markt jedoch unter der politisch angestrebten Lenkungsschwelle. Branchenanalysen (EBF, AFME, ABN AMRO) argumentieren übereinstimmend, dass die niedrigen Werte nicht das tatsächliche Grünheits­niveau spiegeln, sondern Datenlücken und Definitions­asymmetrien.

Verbesserungsmaßnahmen: Drei Hebel, eine Roadmap

Datenqualität strukturell heben

  • EPC-Nacherhebung über digitales Kundenportal (Kooperationen mit Property-Management-Anbietern wie Aareon, eigene Kundenportal-Module verschiedener Hypothekenbanken).
  • Proxy-Verfeinerung mit dena-Gebäudetypologie- und BBSR-Wohnungsmarktdaten plus Baujahr-, PLZ- und Bauart-Cluster; konservativer „assume non-aligned"-Default. Eng verzahnt mit der CO₂-Baseline fürs Portfolio.
  • AI-OCR auf historische Ausweise (Anbieter wie Predium, Build Bridge).
  • Datenraum-API zu Maklern und Notaren, um EPCs bei Vertragsabschluss automatisch zu erfassen.

Grüne Kreditvergabe forcieren

  • Grüne Hypothekenprodukte mit Zinsrabatt für EPC A oder belegtes Top-15-%-Niveau (vermarktet als „Taxonomie-konforme Hypothek").
  • CapEx-Förderkredite mit Use-of-Proceeds-Klausel und verpflichtender ≥ 30 % PED-Reduktion. Marktreferenz: grüne Baufinanzierung im Vergleich.
  • Green Mortgage Pfandbriefe nach EU GBS: Berlin Hyp und MünchenerHyp emittieren, was die GAR direkt erhöht, weil grüne Hypotheken im Numerator stärker durchschlagen; methodisches Hintergrundpapier siehe EU Green Bond Standard für Immobilien-Emittenten.
  • Mortgage Renewables / EeMAP-Bundles (Hypothek + PV + Wärmepumpe).

Portfoliosegmentierung und Migrationsplan

Kohorte Anteil typisch Maßnahme
Grün heute (taxonomiekonform) 5–8 % Im Numerator behalten, ggf. zur GBS-Refinanzierung nutzen
Grün-machbar (EPC B–C, sanierbar) 25–35 % Sanierungs-CapEx-Kredite, „Pre-Green"-Pricing
Stranding-gefährdet (EPC E–H) 15–20 % Aktives Risk-Management nach CRREM-Pfad; Stranded Assets vermeiden
Unklar (Datenlücke) 40–55 % EPC-Nacherhebung priorisieren

Die DelVO 2026/73 (Omnibus) bietet ab 2026 ein Wahlrecht: Banken dürfen den vereinfachten DNSH-Test rückwirkend ab GJ 2025 anwenden, was die Zahl der „N/A"-Bewertungen reduziert. Wer optiert, muss konsistent für alle Aktivitäten optieren.

Verbindung zur EU-Taxonomy-Konformität der Kunden

Die GAR ist eine derivative Kennzahl: Sie hängt direkt davon ab, ob die Kreditnehmer der Bank selbst taxonomiekonform berichten. Drei strukturelle Hebel:

NFRD/CSRD-Kunden — hier ist die Bank passiv abhängig. Sie kann den Konzernkredit nur dann im Numerator anrechnen, wenn der Kunde Substantial Contribution, DNSH und Minimum Safeguards nachweist. Banken bauen daher Mandatory Data Clauses in neue Kreditverträge (LMA Sustainability Linked Loan Principles 2025) ein und nutzen Sustainability Linked Loans mit Immobilien-Konditionen als Steuerungsinstrument.

Wohnungs-Hypothekenkunden — hier ist die Bank aktiv. Sie kann die EPC-Erhebung verpflichten, Sanierungskredite andocken und Bonus-Pricing für grüne Konditionen anbieten. Die Verbindung zur Dekarbonisierung mit Mietrecht und Modernisierungsumlage ist wesentlich, weil Vermieter Modernisierungskosten umlegen und damit Refinanzierungsfähigkeit gewinnen.

Gewerbeimmobilien-Kunden — über Sustainability Linked Loans mit Margin-Ratchet-Klauseln verzahnt sich die GAR-Verbesserung mit Pricing-Anreizen. Spezialisierte Immobilien­banken und Landesbanken (u. a. Berlin Hyp, LBBW) bieten SLL-Strukturen mit Margin-Ratchets im niedrigen zweistelligen Basispunkt­bereich bei Erreichen von EPC-A- oder ESG-KPI-Zielen an; die konkreten Konditionen variieren stark nach Kreditnehmer, Asset-Klasse und Laufzeit. Für Fondsstrukturen ist parallel die SFDR-Artikel-8/9-Logik bei Immobilienfonds und ESG-Daten zu beachten.

Vier-Phasen-Roadmap für die interne GAR-Berechnung

Phase 1: Datenarchitektur (Q1)

  1. Asset-Inventar vollständig anlegen nach FINREP-Template-Logik (F 18, F 23.05).
  2. Klassifikation NFRD/CSRD vs. Non-NFRD über externe Datendienste (Refinitiv ESG, MSCI ESG Manager, ISS ESG).
  3. EPC-Datenbank aufbauen mit Feldern Bezugsdatum, Erstellungsdatum, zertifizierter Aussteller, Endenergie/Primärenergie, Heizenergieträger.
  4. DNSH-Datenfelder ergänzen: Klimarisiko (CRIF, Munich Re Climate Risk Score), Wasserstress, Biodiversität. Bezug zur PCAF-Datenqualität fürs Immobilienportfolio.

Phase 2: Mapping (Q2)

  1. Aktivität-Mapping je Kredit: Hypothek → 7.7 (Bestand) / 7.1 (Neubau) / 7.2 (Renovierung); Bauträgerkredit → 7.1 oder 7.2.
  2. Substantial Contribution prüfen: PED ≤ Schwelle; EPC-Klasse; Top-15-%-Match.
  3. DNSH prüfen: Klimarisikoanalyse (TCFD-konform), Wasserstress, Kreislaufwirtschaft bei Renovierungen.
  4. Minimum Safeguards prüfen: OECD-Leitsätze, UN Guiding Principles, bei Konzernkunden zusätzlich LkSG/CSDDD.

Phase 3: Aggregation (Q3)

  1. FINREP-Templates 6, 7, 8 befüllen: Template 6 Eligibility, 7 Alignment Stock, 8 Alignment Flow.
  2. Validierung auf Konsistenz mit Bilanz; Stichprobe 5 Prozent der Hypotheken mit EPC-Recheck (BaFin-Hinweis Aufsichtsdialog).
  3. GAR und BTAR berechnen je Klimaschutzziel (Mitigation/Adaptation) und je Indikator (Turnover/CapEx).

Phase 4: Disclosure (Q4)

  1. Säule-3-ESG-Disclosure zeitgleich mit Geschäftsbericht.
  2. Methodikbericht mit transparenter Proxy-Beschreibung parallel publizieren.
  3. Audit-Trail für mindestens 5 Jahre vorhalten.

Zehn typische Fehler bei der GAR-Berechnung

  1. Klasse-A-Mapping ohne Top-15-%-Cross-Check. Wohnungen mit EPC A werden automatisch als taxonomiekonform geführt; in Deutschland sind aber PED-basierte Top-15-%-Werte regulatorisch belastbar.
  2. Fehlende DNSH-Prüfung bei Wohnhypotheken. EPC A reicht nicht — physische Klimarisiken (Hochwasser, Hitze) müssen separat geprüft werden (Munich Re Climate Risk Score, EU-Climate-DAT-Hub).
  3. Übergangs-Bonusse falsch angewendet. DelVO 2026/73 erlaubt vereinfachte DNSH-Tests ab GJ 2025, nicht rückwirkend für GJ 2023/24.
  4. Endenergie statt Primärenergie verwendet. Die Taxonomie verlangt PED; Endenergie überschätzt fossile Heizsysteme und unterschätzt Wärmepumpen.
  5. Bedarfs- und Verbrauchsausweis vermischt. Top-15-%-Logik basiert auf Bedarfsausweis.
  6. CRE-Kredite an NFRD-Kunden im Numerator angerechnet, obwohl Kunde keine Taxonomie-Daten offenlegt. Häufig bei MidCap-Kunden — dann gilt: nicht anrechenbar.
  7. Behörden-Exposure im Denominator stehen lassen. Bundesanleihen müssen heraus, sonst wird die GAR weiter gedrückt.
  8. Doppelzählung Verbriefungen / SPVs. Hypotheken aus verbrieften Pools dürfen nicht doppelt im Banking Book erscheinen.
  9. Use-of-Proceeds bei Renovierungskrediten nicht dokumentiert. Ohne Nachweis ≥ 30 % PED-Reduktion ist die Aktivität 7.2 nicht anrechenbar.
  10. Mortgage Renewables falsch behandelt. PV-Add-ons sind eigene Aktivität 4.1 (Solare Stromerzeugung), nicht Teil der Hypotheken-Aktivität 7.7.

Was kostet die GAR-Berechnung intern?

Auswertung aus drei Pillar-3-Setups deutscher Banken (anonymisiert, Stand 2025):

Posten Aufwand p.a.
Initiale Implementierung (Jahr 1) 1,5–4,5 Mio. EUR
Laufender Betrieb (Datenpflege, Mapping) 0,7–1,8 Mio. EUR p.a.
EPC-Massenerhebung Wohnhypotheken 0,4–1,2 Mio. EUR p.a.
Externe Daten- / Proxy-Lieferanten 0,2–0,5 Mio. EUR p.a.
Audit / Wirtschaftsprüfer (zusätzlich) 0,3–0,7 Mio. EUR p.a.
Summe Jahr 2+ Aufwand 1,6–4,2 Mio. EUR p.a.

Die Kosten amortisieren sich typisch über besseres Pricing grüner Hypotheken (1–3 bp Margenvorteil), günstigere Refinanzierung über grüne Pfandbriefe (5–15 bp tighter spread vs. konventioneller Pfandbrief) und vermiedene SREP-Aufschläge.

Fazit

Die GAR ist eine technisch-regulatorische, keine ökonomische Kennzahl. Niedrige Werte von 1–5 Prozent sind 2024–2026 systembedingt; ein Niveau von 10 Prozent und mehr wird erst mit besserer Datenverfügbarkeit, EPBD-Renovierungswelle und BTAR-Integration erreichbar. Wer die Quote als Steuerungsgröße ernst nimmt, muss die Mechanik verstehen — und akzeptieren, dass die Lenkungswirkung kurzfristig begrenzt ist.

Für Immobilienbanken entscheidet die Datenstrategie. Wer EPCs flächendeckend erfasst und ein robustes Top-15-%-Mapping etabliert, kann die GAR innerhalb von zwei bis drei Jahren verdoppeln — ohne neues Geschäft, allein durch saubere Klassifikation des Bestands. Das ist der einzige Hebel, der ohne Bilanzwachstum oder Kreditverlagerung wirkt.

Die BTAR ist die ehrlichere Kennzahl. Sie wird voraussichtlich ab GJ 2026/27 in die Aufsichtspraxis integriert. Banken sollten parallel berichten, Methodik-Konsistenz wahren und die GAR/BTAR-Spreizung in ihrer ESG-Kommunikation aktiv erklären. Wer die Datenpflicht in Verbindung mit der PCAF-Scope-3-Methodik, den EBA-ESG-Leitlinien 2026 und dem EZB-Klimafaktor als zusammenhängenden Datenpfad denkt, vermeidet doppelte Erhebungen und schafft die Grundlage für eine belastbare Säule-3-Offenlegung. reduco.ai liefert dafür die Datenseite: Energieausweis-Erfassung, Top-15-%-Mapping nach BBSR-Schwellen, DNSH-Prüfung und FINREP-Template-Befüllung in einer Plattform.

Häufige Fragen

Was ist die Green Asset Ratio (GAR)? Die GAR ist eine regulatorische Kennzahl, die den Anteil taxonomiekonformer Aktiva am gesamten anrechenbaren Banking Book einer Bank ausweist. Rechtsgrundlage sind Artikel 8 EU-Taxonomie-Verordnung (VO 2020/852) und die Delegierte Verordnung (EU) 2021/2178. Für CRR-Kreditinstitute ist sie seit dem 1. Januar 2024 Pflicht.

Wer muss die GAR offenlegen? Alle CRR-Kreditinstitute, die unter die EBA-ITS zu Pillar-3-ESG-Disclosures fallen — in Deutschland alle großen Sparkassen-Top-Institute, Landesbanken, Hypothekenbanken, Pfandbriefemittenten und systemrelevanten Privatbanken. Kleine und nicht-komplexe Institute (SNCIs) haben eine verlängerte Frist bis 2027.

Wie hoch ist die durchschnittliche GAR deutscher Banken 2024? Der EU/EWR-Durchschnitt liegt laut EBA ESG Risk Dashboard bei knapp unter 3 Prozent. Für deutsche Universalbanken bewegen sich die Pillar-3-Werte typisch zwischen 1 und 4 Prozent (Stock, Turnover), Hypotheken- und Pfandbriefspezialisten erreichen 3 bis 6 Prozent; einzelne international ausgerichtete CRE-Häuser liegen unter 1 Prozent.

Warum ist meine GAR so niedrig, obwohl mein Hypothekenbuch grün wirkt? Vier strukturelle Ursachen: fehlende EPCs auf Asset-Ebene, nicht aktiv geführter Top-15-%-Nachweis, viele Kunden außerhalb NFRD/CSRD (KMU), und Behörden- sowie Trading-Book-Ausnahmen drücken den Denominator. Die GAR misst regulatorische Datenqualität, nicht ökonomische Grünheits­substanz.

Was ist die BTAR und warum ist sie höher? Die Banking Book Taxonomy Alignment Ratio bezieht auch KMU- und Drittstaaten-Kredite im Numerator ein und nimmt das gesamte Banking Book als Denominator. Bei deutschen Immobilienbanken liegt sie typisch zwei- bis fünfmal über der GAR; CRE-Pfandbriefspezialisten weisen die größte Spreizung aus, weil viele Mid-Cap-Kunden außerhalb von NFRD/CSRD liegen.

Welche EPC-Klasse gilt als taxonomiekonform für Wohnimmobilien? Für Gebäude mit Errichtung vor 2021: EPC-Klasse A oder Top-15-%-Bestand nach Primärenergiebedarf. Für Neubauten ab 2021: Primärenergiebedarf mindestens 10 Prozent unter dem nationalen NZEB-Wert (in Deutschland praktisch EH-55 oder besser).

Wie weise ich Top-15-%-Konformität in Deutschland nach? Über PED-Werte aus dem Bedarfsausweis, Vergleich mit den vdpResearch/Drees & Sommer Top-15-%-Benchmarks (jährliche Aktualisierung; differenziert nach Asset-Klasse, Baujahr-Cluster und Region), Cluster nach Baujahr, Gebäudetyp und Region. Konservative Default-Annahme bei Datenlücken: nicht taxonomiekonform.

Was zählt nicht zum GAR-Denominator? Exposures gegenüber Zentralregierungen und Zentralbanken, Trading Book, Goodwill und immaterielle Vermögenswerte, On-demand-Interbank-Forderungen sowie Kredite an Nicht-NFRD-/CSRD-KMU (die separat in die BTAR fließen).

Wie behandle ich Hypothekenkredite ohne EPC? Konservativ als nicht-aligned. Die EBA-Auslegungspraxis (Single Rulebook Q&A) erlaubt Proxies, jedoch nur konservativ — fehlende Daten dürfen nicht als „wahrscheinlich grün" gewertet werden. Der Kredit bleibt im Denominator und drückt die GAR.

Wann wird die BTAR verpflichtend? Aktuell ist die BTAR freiwilliges Reporting in den Pillar-3-Templates der Commission Implementing Regulation (EU) 2022/2453. Eine verpflichtende Integration ist Gegenstand laufender EBA-Konsultationen zur Weiterentwicklung der Pillar-3-ITS.

Wie verbessere ich meine GAR um einen Prozentpunkt? Drei Hebel: EPC-Massenerhebung im Bestand (typisch +0,5–1,0 pp in 18 Monaten), grüne Hypothekenprodukte im Neugeschäft (+0,3–0,5 pp p.a.) und Renovierungskredite mit dokumentierter Use-of-Proceeds-Klausel (+0,1–0,3 pp p.a.). Kombiniert lässt sich eine GAR-Verdopplung in 24–36 Monaten erreichen.

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