Meyer Burger Solarmodule 2026: noch kaufen? Insolvenz, Garantie
Meyer Burger ist insolvent, Produktion seit 09/2025 eingestellt. Was das für Ihre 30-Jahres-Garantie bedeutet (Quote ~3,6 %) und welche Alternativen bleiben.

Das Wichtigste in Kürze
- Insolvent: Die beiden deutschen Meyer-Burger-Gesellschaften haben Ende Mai 2025 Insolvenz beim Amtsgericht Chemnitz beantragt (öffentlich gemeldet am 2. Juni 2025); rund 620 Beschäftigte in Thalheim und Hohenstein-Ernstthal sind betroffen.
- Keine Produktion mehr: Das Modulwerk Freiberg wurde bereits im März 2024 geschlossen, der gesamte deutsche Geschäftsbetrieb zum 1. September 2025 endgültig eingestellt. Im Markt gibt es nur noch Restbestände.
- Garantie faktisch entwertet: Die freiwillige Herstellergarantie (bis zu 30 Jahre auf das Glass-Modul) wird im Insolvenzfall zur einfachen Insolvenzforderung – die durchschnittliche Befriedigungsquote in Deutschland liegt bei nur rund 3,6 %.
- Gewährleistung bleibt: Die gesetzliche Gewährleistung (i. d. R. mind. 2 Jahre) besteht gegenüber Ihrem Verkäufer/Installateur, nicht gegenüber Meyer Burger – sie ist von der Insolvenz unberührt.
- Technik in die USA: Die HJT-Produktionsanlagen (ca. 2 GW) und das gesamte geistige Eigentum gingen im März 2026 an Swift Solar Inc. (USA) – keine Wiederaufnahme der Modulproduktion in Deutschland.
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Wenn Sie 2026 vor der Frage stehen, ob sich ein Meyer-Burger-Solarmodul aus Restbeständen noch lohnt, lautet die kurze Antwort: Die Module selbst sind technisch hochwertige Heterojunction-Glas-Glas-Module – aber der Hersteller ist insolvent, es gibt keine laufende Produktion mehr, und die beworbene 30-Jahres-Garantie ist praktisch nicht mehr durchsetzbar. Bestandskunden müssen sich keine Sorgen um den laufenden Betrieb ihrer Anlage machen, verlieren aber im Defektfall den Hersteller-Service. Neukäufer von Restbeständen erhalten eine Garantie, die nur noch auf dem Papier steht. In diesem Ratgeber ordne ich rein faktisch den Insolvenz-Status, die konkrete Garantie-Rechtslage und die Alternativen mit aktivem Geschäftsbetrieb ein.
Meyer Burger 2026: Der Status auf einen Blick
Bevor wir in Chronologie und Garantie-Rechtslage einsteigen, hier die zentralen Fakten zum Status 2026 in einer Übersicht – das ist die Grundlage für jede Kaufentscheidung.
| Punkt | Status (Stand 2026) |
|---|---|
| Deutsche Gesellschaften | Insolvent (Antrag Ende Mai 2025, Amtsgericht Chemnitz) |
| Schweizer Muttergesellschaft | Nachlassstundung seit September 2025 |
| Modulproduktion Freiberg | Eingestellt seit März 2024, Werk geschlossen |
| Deutscher Geschäftsbetrieb gesamt | Eingestellt zum 1. September 2025 |
| Produktionsanlagen + IP | Verkauft an Swift Solar Inc. (USA), März 2026 |
| Neue Module im Handel | Nur Restbestände, keine Neuproduktion |
| Hersteller-Garantie | Einfache Insolvenzforderung (Ø-Quote ~3,6 %) |
| Gewährleistung | Bleibt – gegen Verkäufer/Installateur, nicht gegen Meyer Burger |
Quellen: pv magazine, pv magazine (Masseunzulänglichkeit), Meyer Burger (Nachlassstundung), pv magazine (Swift Solar), Verbraucherzentrale.
Die Chronologie: Vom SolarWorld-Werk zur Insolvenz
Um den heutigen Status einzuordnen, hilft ein nüchterner Blick auf die Zeitachse. Meyer Burger war über Jahre das prominenteste Symbol für „Solar made in Germany" – und durchlief innerhalb von rund zwei Jahren den Weg von der Vorzeige-Modulfabrik bis zur vollständigen Liquidation.
2020/2021: Einstieg in die Modulfertigung
Meyer Burger übernahm 2020 das ehemalige SolarWorld-Werk in Freiberg aus der Insolvenzmasse für rund 12 Mio. Euro und startete im Mai 2021 die Produktion seiner Heterojunction-Module. Das Unternehmen, ursprünglich ein Maschinenbauer für die Solarindustrie, wandelte sich damit zum Modulhersteller mit eigener Fertigung in Sachsen und Sachsen-Anhalt.
März 2024: Schließung des Modulwerks Freiberg
Am 26. März 2024 kündigte Meyer Burger allen Mitarbeitern in Freiberg und gab die Schließung des Modul-Produktionsstandorts bekannt; die Modulproduktion stand bereits seit Mitte März 2024 still. Damit endete die Modulfertigung in Deutschland – ein häufig übersehenes Detail, das bereits über ein Jahr vor der Insolvenz lag.
Mai/Juni 2025: Insolvenzantrag der deutschen Gesellschaften
Ende Mai 2025 stellten die beiden deutschen Gesellschaften – die Meyer Burger (Industries) GmbH (Thalheim/Bitterfeld-Wolfen, Zellfertigung) und die Meyer Burger (Germany) GmbH (Hohenstein-Ernstthal, Maschinenbau/Technologieentwicklung) – Insolvenzantrag beim Amtsgericht Chemnitz, öffentlich gemeldet am 2. Juni 2025. Betroffen waren rund 620 Mitarbeitende (ca. 331 in Thalheim, ca. 289 in Hohenstein-Ernstthal). Als vorläufige Insolvenzverwalter wurden Prof. Dr. Lucas F. Flöther und Reinhard Klose (Kanzlei Flöther & Wissing) bestellt. Parallel wurden am 1. Juni 2025 die Aktien an der Schweizer Börse SIX „bis auf weiteres" suspendiert.
September 2025: Betriebseinstellung und Nachlassstundung
Nach gescheiterter Investorensuche wurde der deutsche Geschäftsbetrieb zum 1. September 2025 endgültig eingestellt; der Großteil der rund 540 verbliebenen Beschäftigten wurde freigestellt oder gekündigt. Zugleich wurde für die Meyer Burger (Industries) GmbH Masseunzulänglichkeit angezeigt – die Insolvenzmasse reicht nicht einmal zur Deckung der Verfahrenskosten. Die Schweizer Muttergesellschaft Meyer Burger Technology AG (Sitz Gwatt/Thun) befindet sich seit September 2025 in Nachlassstundung; realistische Sanierungschancen für die Gesamtgruppe bestehen nicht. Aktionäre gehen im Liquidationsvergleich leer aus.
März 2026: Verkauf der Technik an Swift Solar (USA)
Am 12. März 2026 gaben die Insolvenzverwalter den Verkauf der zentralen Produktionsanlagen (HJT-Zellfertigung Bitterfeld-Wolfen und Pilotlinie Hohenstein-Ernstthal, zusammen ca. 2 GW) sowie des gesamten geistigen Eigentums an die US-Firma Swift Solar Inc. bekannt. Die Anlagen werden in die USA verlagert. Das bedeutet: keine Wiederaufnahme der Modulproduktion in Deutschland – und das Argument „Made in Germany" ist damit endgültig hinfällig.
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Nein. Es gibt 2026 keine laufende Neuproduktion mehr. Im Markt finden sich nur noch Restbestände. Der offizielle Onlineshop unter shop.meyerburger.com listete 2026 zwar weiterhin Module (Black, White, Glass), häufig jedoch als „Ausverkauft" markiert; das Glass-Modul war zeitweise zu etwa 160 € pro Stück gelistet, mit Abholung am Lager 09599 Freiberg. Diese 160 € waren eine reine Shop-Angabe und sind nicht als belastbarer Marktpreis zu verstehen – Restbestandspreise schwanken je nach Händler stark.
Wichtig zur Einordnung: Die Insolvenzversteigerung der deutschen Standorte umfasste vor allem Maschinen-, Werkstatt- und Labortechnik (rund 2.500 Posten), keine fertigen Solarmodule. An den Standorten lagerten überwiegend Produktionsanlagen, nicht fertige Module. Die im Markt verfügbaren Restbestände stammen also aus Beständen bei Händlern und Großhändlern – die genaue Stückzahl ist nicht öffentlich bekannt.
Die Kernfrage: Was passiert mit der Garantie?
Das ist der entscheidende Punkt für jede Kaufentscheidung. Hier muss man juristisch sauber zwischen zwei Dingen trennen, die im Alltag oft verwechselt werden: Gewährleistung und Garantie.
Gewährleistung – bleibt bestehen
Die gesetzliche Gewährleistung (Sachmängelhaftung) besteht gegenüber dem Verkäufer bzw. Installateur Ihrer Anlage – nicht gegenüber dem Modulhersteller. Da diese Ansprüche sich gegen den Verkäufer richten, berührt eine Insolvenz des Modulherstellers sie nicht. Die Frist beträgt beim Verbrauchsgüterkauf regelmäßig mindestens 2 Jahre. Solange Ihr Verkäufer oder Installateur existiert und die Frist läuft, haben Sie also weiterhin Ansprüche – nur eben nicht gegen Meyer Burger.
Hersteller-Garantie – faktisch entwertet
Die deutlich längere Herstellergarantie (z. B. 30 Jahre Produkt- und Leistungsgarantie auf das Glass-Modul) ist dagegen eine freiwillige Leistung des Herstellers. Genau hier liegt das Problem: Die Garantiebedingungen wurden von der Meyer Burger (Industries) GmbH ausgegeben – also exakt der Gesellschaft, die seit 2025 insolvent und liquidiert ist. Garantieansprüche richten sich gegen diese Gesellschaft.
Im Insolvenzfall werden solche Garantieansprüche zu einfachen Insolvenzforderungen. Die durchschnittliche Befriedigungsquote für einfache Insolvenzforderungen liegt in Deutschland bei rund 3,6 % – eine 100-Euro-Forderung würde im Schnitt also nur mit etwa 3,60 Euro bedient. Diese 3,6 % sind ein allgemeiner deutscher Durchschnittswert für einfache Insolvenzforderungen, kein speziell für die Meyer-Burger-Verfahren ermittelter Wert; angesichts der angezeigten Masseunzulänglichkeit ist die tatsächliche Quote hier voraussichtlich eher niedriger. Praktisch bedeutet das: Eine Durchsetzung von Hersteller-Garantieleistungen ist weitgehend wertlos geworden.
| Aspekt | Gewährleistung | Hersteller-Garantie |
|---|---|---|
| Anspruchsgegner | Verkäufer / Installateur | Meyer Burger (Industries) GmbH |
| Rechtsgrundlage | Gesetzlich (BGB) | Freiwillig (Herstellerzusage) |
| Dauer | i. d. R. mind. 2 Jahre | bis zu 30 Jahre |
| Von Insolvenz betroffen? | Nein | Ja – einfache Insolvenzforderung |
| Praktischer Wert 2026 | Bleibt erhalten | Faktisch entwertet (Ø-Quote ~3,6 %) |
Quelle: Verbraucherzentrale – Photovoltaik-Garantie und Versicherungsbedingungen.
Was Sie aus den Garantiebedingungen wissen sollten
Die Verbraucherzentrale rät grundsätzlich, sich ein schriftliches Dokument mit den exakten Garantiebedingungen für Module, Speicher und Wechselrichter aushändigen zu lassen. Bei Meyer Burger ist das heute eher zur Dokumentation des ursprünglich Zugesagten relevant als zur tatsächlichen Durchsetzung. Zur Einordnung der ursprünglichen Zusagen:
| Modul | Produktgarantie | Leistungsgarantie | Garantierte Restleistung |
|---|---|---|---|
| Meyer Burger Glass (Glas-Glas, bifazial) | 30 Jahre | 30 Jahre | ≥ 93,2 % nach 30 Jahren |
| Meyer Burger Black/White (Glas-Folie) | 25 Jahre | 25 Jahre | 92 % nach 25 Jahren |
Hinweis: Die jährliche Degradation des Glass-Moduls war mit max. 0,2 % nach dem ersten Jahr angegeben. Der 92-%-Wert für Black/White stammt aus einer Fachportal-Angabe; die offizielle PDF-Garantiebedingung war zuletzt nicht abrufbar, der Wert ist daher als Orientierung zu verstehen.
Die Technik: Warum die Module trotzdem gut sind
Damit das Bild fair bleibt: Die Meyer-Burger-Module selbst gehören technisch zu den hochwertigeren am Markt. Das Glass-Modul nutzt 120 Halbzellen aus monokristallinen n-Si-Heterojunction-Zellen (HJT) mit der eigenentwickelten SmartWire-Connection-Technology (SWCT).
| Kennwert | Meyer Burger Glass |
|---|---|
| Technologie | HJT Glas-Glas, bifazial |
| Leistung | ca. 370–390 Wp |
| Modulwirkungsgrad | bis 21,8 % |
| Bifazialitätsfaktor | 90 ±2 % |
| Maße | 1.722 × 1.041 × 35 mm |
| Gewicht | 24,4 kg |
Die genannten Wp- und Wirkungsgradwerte sind Datenblatt-Werte einzelner Top-Varianten, keine fertig-installierten Anlagenwerte. Technisch funktionieren bereits installierte Module unverändert weiter – die Insolvenz ändert nichts an der Stromproduktion oder Sicherheit der Anlage. Das Problem ist ausschließlich der fehlende Hersteller-Ansprechpartner im Garantie- oder Defektfall.
Alternativen mit aktivem Geschäftsbetrieb
Wer Wert auf eine werthaltige Langzeitgarantie und laufenden Hersteller-Service legt, fährt mit einem Hersteller mit aktivem Geschäftsbetrieb sicherer. Häufig genannte Alternativen im Glas-Glas-Premiumsegment sind Qcells, Solarwatt und LONGi. Eine ehrliche Einordnung gehört dazu: Auch Qcells und Solarwatt fertigen ihre Module überwiegend nicht mehr in Deutschland selbst.
| Hersteller / Modul | Technologie | Leistung (Wp) | Wirkungsgrad | Produktgarantie | Leistungsgarantie | DE-Status 2026 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Meyer Burger Glass | HJT Glas-Glas, bifazial | ca. 370–390 | bis 21,8 % | 30 Jahre | 30 J. / ≥ 93,2 % | Insolvent, keine Neuproduktion; nur Restbestände, Garantie nur Insolvenzforderung |
| Meyer Burger Black/White | HJT Glas-Folie | ca. 380–400 | bis ~21 % | 25 Jahre | 25 J. / 92 % | Insolvent, nur Restbestände |
| Qcells Q.TRON G3 | N-Type Glas-Glas | bis ~475–515 | bis 22,5–23,8 % | 25 Jahre | 30 J. / ≥ 90,58 % (n. 25 J.) | Hersteller aktiv; Fertigung Asien, Engineering Thalheim/DE |
| Solarwatt (Glas-Glas) | Glas-Glas (TOPCon) | bis ~450 | n. b. | 30 Jahre | 30 J. / ≥ 90 % | Hersteller aktiv; Fertigung seit 08/2024 Asien, QS/Entw. Dresden |
| LONGi Hi-MO X10 | HPBC-2.0 Rückkontakt, Glas-Glas | ca. 475–505 | bis 24,5 % | 15–25 J. (variantenabh.) | 30 J. / ~88,85 % (n. 30 J.) | Hersteller aktiv (China); breit verfügbar |
Quellen: Qcells Q.TRON G3, Solarwatt, LONGi, Herstellerangaben. Hinweis: Wp-/Wirkungsgrad-Angaben sind Datenblatt-/Listenwerte einzelner Top-Varianten. Stiftung Warentest hat keinen aktuellen Modul-Test.
Qcells (Q.TRON G3)
Das Q.TRON G3 ist ein Glas-Glas-Modul mit Q.ANTUM-NEO-Technologie (N-Type), einem Modulwirkungsgrad bis 22,5–23,8 % und Leistungen bis ca. 475–515 Wp. Qcells gewährt 25 Jahre Produktgarantie und 30 Jahre lineare Leistungsgarantie (mind. 90,58 % nach 25 Jahren). Qcells entwickelt sein Portfolio im „Solar Valley" in Thalheim/Bitterfeld-Wolfen („Engineered in Germany"), die Serienfertigung läuft jedoch in Werken in Südkorea, Malaysia und China. Details im Ratgeber zu Q Cells im Vergleich zu Meyer Burger.
Solarwatt
Solarwatt gewährt auf seine Glas-Glas-Module 30 Jahre Produkt- und Leistungsgarantie und garantiert mind. 90 % Leistung nach 30 Jahren. Seit August 2024 werden Solarwatt-Module nicht mehr in Dresden gefertigt, sondern von auditierten Auftragsfertigern in Asien produziert; Entwicklung, Materialvorgaben und Qualitätssicherung bleiben jedoch in Dresden.
LONGi (Hi-MO X10)
Das LONGi Hi-MO X10 ist ein Glas-Glas-Rückkontaktmodul (HPBC-2.0/xBC) mit Leistungen von ca. 475–490 Wp (Varianten bis 505 Wp) und einem Modulwirkungsgrad bis 24,5 %. Je nach Variante gibt es 15–25 Jahre Produktgarantie plus 30 Jahre Leistungsgarantie (z. B. mind. ~88,85 % nach 30 Jahren). Ehrlich anzumerken: Die kürzere Produktgarantie von teils nur 15 Jahren betrifft bestimmte Varianten – beim Angebot sollten Sie die genaue Variante prüfen. Weitere markenübergreifende Alternativen finden Sie im großen Solarmodul-Vergleich 2026 sowie bei Aiko und Trina.
Gibt es einen Stiftung-Warentest-Sieger?
Nein. Stiftung Warentest hat keinen aktuellen umfassenden Solarmodul-Test; der letzte breite Modultest stammt aus 2006. Neuere Warentest-Untersuchungen betreffen vor allem Balkonkraftwerke und Speicher. Modul-Rankings stammen daher überwiegend von Fachportalen und Indizes wie dem RETC PV Module Index, in dem u. a. LONGi, Qcells, Trina und JinkoSolar als „Overall Highest Achiever" geführt werden. Wer also nach einem „Testsieger" sucht, sollte wissen, dass es bei Solarmodulen kein offizielles Warentest-Urteil gibt.
Restbestand kaufen oder nicht? Die Entscheidung
Fassen wir die Entscheidungslage faktisch zusammen – getrennt nach Bestandskunden und Neukäufern.
Für Bestandskunden: Ihre Anlage läuft technisch unverändert weiter. Sie verlieren aber den leistungsfähigen Hersteller-Ansprechpartner im Garantie- oder Defektfall. Eine bestehende Sachversicherung (z. B. Photovoltaik- oder Wohngebäudeversicherung) kann Ausfälle teilweise auffangen – das ersetzt jedoch keine Hersteller-Leistungsgarantie. Gewährleistungsansprüche gegen Ihren Installateur bestehen weiter, solange dieser existiert und die Frist läuft.
Für Neukäufer von Restbeständen: Sie erhalten ein technisch gutes HJT-Glas-Glas-Modul. Aber die beworbene 30-Jahres-Garantie ist nach der Insolvenz praktisch nicht durchsetzbar, einen Hersteller-Service oder Ersatzteile gibt es nicht mehr, und ob Swift Solar bestehende Kundengarantien oder die Marke „Meyer Burger" vertraglich übernommen hat, ist bislang nicht offiziell bestätigt (Vertragsdetails sind vertraulich). Gewährleistung haben Sie nur gegenüber dem Händler/Installateur, der die Restbestände verkauft. Wer eine werthaltige Langzeitabsicherung möchte, fährt mit einem Hersteller mit laufendem Geschäftsbetrieb sicherer.
Eine fundierte Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Marke gehört in den Kontext Ihrer gesamten PV-Anlagen-Planung – inklusive der Frage, ob sich die Installation 2026 überhaupt noch lohnt.
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Honest: Die Schwachstellen aller Optionen
Damit Sie die Lage realistisch einschätzen, hier die wichtigsten Schwachpunkte – ohne Beschönigung:
- Meyer Burger: Herstellergarantie praktisch wertlos, kein Hersteller-Service/Ersatzteile mehr, Restbestände ohne langfristige Absicherung, „Made in Germany" hinfällig (Anlagen gehen in die USA).
- Qcells: Trotz „Engineered in Germany" erfolgt die Serienfertigung in Asien – das oft erwartete „deutsche Modul" ist es nicht.
- Solarwatt: Eigene Modulproduktion in Dresden seit 08/2024 eingestellt; Fertigung in Asien, nur Entwicklung/QS bleibt in Dresden.
- LONGi: Produktgarantie variantenabhängig teils nur 15 Jahre – die volle Absicherung gibt es nicht bei jeder Variante.
- Generell: Es gibt keinen aktuellen Stiftung-Warentest-Modulsieger, an dem Sie sich neutral orientieren könnten.
Der gemeinsame Nenner: Ein Premium-Modul „komplett made in Germany" ist 2026 kaum noch realistisch zu bekommen – die Entscheidung läuft eher über Garantie-Werthaltigkeit, laufenden Service und das konkrete Angebot Ihres Installateurs.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Meyer Burger 2026 insolvent?
Ja. Die beiden deutschen Gesellschaften – Meyer Burger (Industries) GmbH (Thalheim/Bitterfeld-Wolfen) und Meyer Burger (Germany) GmbH (Hohenstein-Ernstthal) – haben Ende Mai 2025 Insolvenz beim Amtsgericht Chemnitz beantragt (öffentlich gemeldet am 2. Juni 2025). Die Schweizer Muttergesellschaft Meyer Burger Technology AG befindet sich seit September 2025 in Nachlassstundung; eine Sanierung der Gesamtgruppe gilt als ausgeschlossen.
Werden Meyer-Burger-Solarmodule noch produziert?
Nein. Die Modulproduktion in Freiberg wurde bereits im März 2024 eingestellt (Werksschließung am 26. März 2024 angekündigt). Der gesamte deutsche Geschäftsbetrieb (Zellfertigung Thalheim, Technologie Hohenstein-Ernstthal) wurde zum 1. September 2025 endgültig stillgelegt. Es gibt keine laufende Neuproduktion mehr – im Markt sind nur noch Restbestände verfügbar.
Was passiert mit meiner Garantie auf Meyer-Burger-Module nach der Insolvenz?
Die freiwillige Herstellergarantie (z. B. 30 Jahre auf das Glass-Modul) richtet sich gegen die Meyer Burger (Industries) GmbH – also genau die insolvente Gesellschaft. Im Insolvenzfall werden Garantieansprüche zu einfachen Insolvenzforderungen; die durchschnittliche Befriedigungsquote liegt in Deutschland bei nur rund 3,6 %. Praktisch ist eine Durchsetzung von Hersteller-Garantieleistungen damit weitgehend wertlos geworden.
Habe ich trotz Insolvenz noch Gewährleistungsansprüche?
Ja, aber nicht gegen Meyer Burger. Die gesetzliche Gewährleistung (Sachmängelhaftung, i. d. R. mind. 2 Jahre) besteht gegenüber dem Verkäufer bzw. Installateur Ihrer Anlage – nicht gegenüber dem Modulhersteller. Diese Ansprüche bleiben von der Meyer-Burger-Insolvenz unberührt, solange Ihr Verkäufer/Installateur existiert und die Frist läuft.
Sollte ich 2026 noch Meyer-Burger-Module aus Restbeständen kaufen?
Faktisch zu bedenken: Die Module selbst sind technisch hochwertige HJT-Glas-Glas-Module. Aber die 30-Jahres-Hersteller-Garantie ist nach der Insolvenz praktisch nicht mehr durchsetzbar, und im Defekt- oder Ertragsfall gibt es keinen Hersteller-Service mehr. Gewährleistung haben Sie nur gegenüber dem Händler/Installateur, der die Restbestände verkauft. Wer Wert auf eine werthaltige Langzeitgarantie legt, fährt mit einem Hersteller mit laufendem Geschäftsbetrieb sicherer.
Wer hat die Technik von Meyer Burger übernommen?
Die US-Firma Swift Solar Inc. hat im März 2026 (Bekanntgabe 12. März 2026) die zentralen Produktionsanlagen (HJT-Zellfertigung Bitterfeld-Wolfen und Pilotlinie Hohenstein-Ernstthal, zusammen ca. 2 GW) sowie das gesamte geistige Eigentum von Meyer Burger erworben. Die Anlagen werden jedoch in die USA verlagert; das bedeutet keine Wiederaufnahme der Modulproduktion in Deutschland und keine automatische Übernahme bestehender Kundengarantien.
Welche Alternativen zu Meyer-Burger-Modulen gibt es?
Häufig genannte Alternativen mit aktivem Geschäftsbetrieb sind Qcells (Q.TRON G3, Glas-Glas N-Type, bis ~23,8 %, 25 J. Produkt-/30 J. Leistungsgarantie; Engineering in Thalheim/DE, Fertigung in Asien), Solarwatt (Glas-Glas, 30 J. Garantie; Entwicklung/QS in Dresden, Fertigung seit 08/2024 in Asien) und LONGi (Hi-MO X10, Rückkontakt-Glas-Glas, bis 24,5 %, 30 J. Leistungsgarantie). Auch Qcells und Solarwatt fertigen ihre Module überwiegend nicht mehr in Deutschland selbst.
Sind meine bestehenden Meyer-Burger-Module weiterhin sicher nutzbar?
Ja. Bereits installierte HJT-Module funktionieren technisch unverändert weiter; die Insolvenz ändert nichts an der Stromproduktion oder Sicherheit der Anlage. Wichtig ist nur, dass im Garantie- oder Defektfall kein leistungsfähiger Hersteller-Ansprechpartner mehr existiert. Eine bestehende Sachversicherung (z. B. Photovoltaik- oder Wohngebäudeversicherung) kann Ausfälle teils auffangen – das ersetzt aber keine Hersteller-Leistungsgarantie.
Gibt es einen Stiftung-Warentest-Sieger bei Solarmodulen?
Nein. Stiftung Warentest hat keinen aktuellen umfassenden Solarmodul-Test; der letzte breite Test stammt aus 2006. Neuere Warentest-Untersuchungen betreffen vor allem Balkonkraftwerke und Speicher. Modul-Bewertungen stammen daher aus Fachportalen und Indizes wie dem RETC PV Module Index, in dem u. a. LONGi, Qcells, Trina und JinkoSolar als „Overall Highest Achiever" geführt werden.
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