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Photovoltaik Nordseite 2026: Norddach nur 50–65 % Ertrag

Lohnt sich Photovoltaik auf der Nordseite? 2026 liefert ein Norddach nur 50–65 % des Süd-Ertrags – wann sich die Anlage über Eigenverbrauch trotzdem rechnet.

Photovoltaik-Module auf einem nach Norden geneigten Hausdach

Das Wichtigste in Kürze

  • Ertrag: Ein reines Norddach liefert simulationsbasiert nur rund 50–65 % des Süd-Ertrags bei 30° Neigung – bei steilem Dach (45°) noch weniger, bei flachem Dach (10°) etwas mehr.
  • Wirtschaftlichkeit: Die Nordseite rechnet sich fast nur über Eigenverbrauch – selbst genutzter Strom spart 30–40 ct/kWh, die Einspeisung bringt aktuell nur 7,78 ct/kWh (Bundesnetzagentur, Verbraucherzentrale).
  • Neigung entscheidet: Je flacher das Norddach, desto besser – Neigungen über 60° kosten laut Verbraucherzentrale ohnehin bis zu 10 % Ertrag.
  • Volleinspeisung als Sonderweg: Für ertragsschwache Norddächer ohne nennenswerten Eigenverbrauch kann die Volleinspeisung mit 12,34 ct/kWh (bis 10 kWp) attraktiver sein als die Überschusseinspeisung.
  • Kosten: Aufdach-Module kosten Ende 2025 unter 1.200 €/kWp (Fraunhofer ISE) – eigener Solarstrom bleibt mit 6–14 ct/kWh auch auf dem Norddach günstiger als Netzstrom.
  • Meine Empfehlung: Als Ergänzung zu Süd oder Ost-West sinnvoll, als reine Nordbelegung nur bei flachem Dach und hohem Eigenverbrauch.

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Lohnt sich eine Photovoltaik-Anlage auf der Nordseite? Die ehrliche Antwort: Ein Norddach liefert deutlich weniger als ein Süddach – simulationsbasiert rund 50–65 % des Süd-Ertrags bei 30° Neigung. Damit ist die PV Nordausrichtung der schwierigste Fall der Dachplanung. Trotzdem ist ein pauschales Nein falsch. Denn 2026 entscheidet nicht mehr der reine Jahresertrag über die Wirtschaftlichkeit, sondern der Eigenverbrauch: Selbst genutzter Solarstrom spart 30–40 ct/kWh Netzstrom, während die Einspeisung nur 7,78 ct/kWh bringt (Verbraucherzentrale). Weil selbst genutzter Strom damit rund vier- bis fünfmal so wertvoll ist wie eingespeister, kann sogar ein ertragsschwaches Norddach in die Gewinnzone kommen – vorausgesetzt, Sie verbrauchen den Strom im Haus.

Dieser Ratgeber behandelt gezielt die reine oder ergänzende Nordbelegung. Wer ein klassisches Satteldach in Ost-West-Lage plant, findet die vollständige Analyse im Schwester-Artikel Photovoltaik Ost-West-Ausrichtung: Ertrag und Wirtschaftlichkeit. Wie Sie den entscheidenden Eigenverbrauch überhaupt hochbekommen, zeigt der Ratgeber Solarstrom-Eigenverbrauch optimieren. Und die Grundlagen zur richtigen Anlagengröße stehen in PV-Anlage planen und dimensionieren.

Wie viel Ertrag bringt das Norddach wirklich?

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Die optimale Ausrichtung einer PV-Anlage ist in Deutschland unverändert Süd mit rund 30° Dachneigung (Verbraucherzentrale). Die HTW Berlin nutzt in ihrem Unabhängigkeitsrechner konsequent ein um 35° geneigtes Süddach als Referenzfall für die optimale Ausrichtung (HTW Berlin). Alles, was von dieser Idealachse abweicht, kostet Ertrag – und die Nordseite ist der maximale Gegenpol.

Die folgenden Nord-Werte sind Simulations- und Schätzwerte (modelliert auf Basis von PVGIS und der HTW-Wetterstation Lindenberg in Brandenburg), keine exakt zitierbare Einzelstatistik. Sie geben die Größenordnung wieder und decken sich mit den Werten im Ost-West-Ratgeber. Der genaue Wert Ihres Dachs hängt vom Standort, von Verschattung und vom exakten Neigungswinkel ab und lässt sich nur über eine standortbezogene Simulation ermitteln.

Ausrichtung & Neigung Ertrag relativ zu Süd 30° Einordnung
Süd, 30° 100 % (Referenz) Optimum in Deutschland
Ost-West, 30° 80–85 % Siehe Ost-West-Ratgeber
Nord, 10° (flach) rund 65–75 % Bester Nord-Fall
Nord, 30° rund 50–65 % Typisches Satteldach
Nord, 45° (steil) rund 45–55 % Kritisch – oft unwirtschaftlich

Die Kernaussage: Je flacher das Norddach, desto geringer der Nachteil. Das liegt daran, dass ein flach geneigtes Modul kaum noch „nach Norden schaut", sondern fast horizontal liegt und dadurch überwiegend diffuses Himmelslicht sowie die hoch stehende Sommersonne einfängt. Erst die steile Neigung dreht die Module aktiv von der Sonne weg. Die Verbraucherzentrale beziffert den reinen Neigungseffekt so: Dachneigungen unter 25° oder über 60° verringern den Stromgewinn um bis zu zehn Prozent (Verbraucherzentrale). Bei Nordausrichtung addiert sich dieser Neigungsverlust zum Ausrichtungsverlust – deshalb ist das steile Norddach der ungünstigste denkbare Fall.

Warum das Norddach kein Tabu mehr ist

Noch vor zehn Jahren galt: Nordflächen bleiben leer. Heute hat sich die Rechnung verschoben. Die HTW Berlin formuliert es in ihrem Solar- und Speicherrechner klar: Leicht geneigte Norddächer sind kein Tabu mehr, und selbst Ost-/Westdächer erreichen mit über 800 kWh/kW pro Jahr akzeptable Erträge (HTW Berlin). Zwei Entwicklungen sind dafür verantwortlich:

  • Module sind billig geworden. Aufdachanlagen zwischen 10 und 100 kWp kosten Ende 2025 unter 1.200 €/kWp (Fraunhofer ISE). Ein paar zusätzliche Module auf der Nordfläche fallen bei den Gesamtkosten kaum noch ins Gewicht.
  • Netzstrom ist teuer geworden. Bei Strompreisen um 35 ct/kWh lohnt sich jede selbst erzeugte Kilowattstunde – auch die vom Norddach. Die Stromgestehungskosten kleiner Aufdachanlagen liegen laut Fraunhofer ISE bei 6 bis 14 ct/kWh (Fraunhofer ISE) – deutlich unter dem Netzstrompreis, selbst wenn ein Norddach am oberen Ende dieser Spanne produziert.

Die Verbraucherzentrale ordnet abweichende Ausrichtungen entsprechend ein: Ost- und Westdächer bringen zwar nicht so hohe Erträge wie Süd, seien aber heute oft sinnvoll (Verbraucherzentrale). Dieses Argument stützt indirekt auch die Prüfung der Nordfläche – zumindest als Ergänzung.

Der entscheidende Hebel: Eigenverbrauch statt Ertrag

Wer die Nordseite nur nach dem Jahresertrag bewertet, macht den gleichen Fehler wie die meisten Anbieter-Seiten, die pauschal mit „50 bis 80 %" werben. Entscheidend ist nicht, wie viele Kilowattstunden das Dach produziert, sondern wie viel davon Sie selbst verbrauchen.

Die Rechnung ist simpel und für das Norddach existenziell:

Verwertung der kWh Wert pro kWh Faktor
Eigenverbrauch (ersetzt Netzstrom) 30–40 ct ca. 4–5×
Überschusseinspeisung (bis 10 kWp) 7,78 ct 1× (Referenz)

Quelle: Verbraucherzentrale (Eigenverbrauch spart 30–40 ct/kWh gegenüber rund 7,86 ct/kWh Einspeisung, Stand August 2025), Einspeisesatz Bundesnetzagentur.

Die Verbraucherzentrale bringt es auf den Punkt: PV lohnt sich in den meisten Fällen nach wie vor – aber entscheidend ist ein möglichst hoher Eigenverbrauch, reine Einspeise-Modelle rechnen sich nicht mehr (Verbraucherzentrale). Genau das ist der Schlüssel für das Norddach: Eine Nordanlage liefert zwar weniger Kilowattstunden, aber wenn diese Kilowattstunden fast vollständig im Haus landen, ist jede einzelne rund viermal so wertvoll wie eine eingespeiste. Umgekehrt gilt: Ein Norddach, dessen Strom überwiegend eingespeist wird, verdient bei 7,78 ct/kWh kaum seine Kosten wieder ein.

Was den Eigenverbrauch auf Nord hochtreibt:

  • Wärmepumpe: Ein großer, ganzjähriger Verbraucher, der Solarstrom im Haus bindet.
  • Wallbox: Wer tagsüber lädt, verwertet auch schwächere Nord-Erträge sinnvoll.
  • Stromspeicher: Verschiebt Nord-Überschüsse in die Abendstunden und hebt die Autarkie.
  • Zeitliche Lastverschiebung: Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler in die Mittagsstunden legen.

Wie Sie diese Hebel systematisch nutzen, steht ausführlich im Ratgeber Solarstrom-Eigenverbrauch optimieren. Ob sich zusätzlich ein Speicher rechnet, klärt der Batteriespeicher-Leitfaden für Photovoltaik.

Rechenbeispiel: 10 kWp Nord vs. Süd

Zahlen machen den Unterschied greifbar. Die folgende Modellrechnung nutzt Simulationswerte für den Ertrag (als Schätzung gekennzeichnet) und die belegten Vergütungs- und Preisgrößen. Angenommen ist ein Haushalt mit einer Wärmepumpe, der einen hohen Eigenverbrauch erreicht.

Kennwert 10 kWp Süd 30° 10 kWp Nord 30°
Jahresertrag (Simulation) ca. 9.500–10.500 kWh ca. 5.000–6.500 kWh
Ertrag relativ 100 % rund 50–65 %
Eigenverbrauch bei WP + Speicher z. B. 4.500 kWh z. B. 3.500 kWh
Wert Eigenverbrauch (35 ct) ca. 1.575 € ca. 1.225 €
Einspeisung (Rest, 7,78 ct) z. B. 5.500 kWh → 428 € z. B. 2.000 kWh → 156 €
Wirtschaftlicher Jahresnutzen ca. 2.000 € ca. 1.380 €

Alle kWh-Werte sind standortabhängige Simulationsschätzungen und dienen nur der Veranschaulichung. Einspeisesatz 7,78 ct/kWh nach Bundesnetzagentur.

Die Botschaft der Tabelle: Der wirtschaftliche Jahresnutzen des Norddachs fällt zwar geringer aus, aber weit weniger dramatisch, als die Ertragslücke von 35–50 % vermuten lässt. Der Grund ist der hohe Eigenverbrauchsanteil – die wertvollen Kilowattstunden bleiben weitgehend erhalten, nur der ohnehin gering vergütete Einspeise-Überschuss schrumpft. Bei einem Haushalt ohne Wärmepumpe, Speicher oder Wallbox kippt diese Rechnung dagegen: Dann wandert der meiste Nord-Strom für 7,78 ct/kWh ins Netz, und die reine Nordanlage rechnet sich kaum.

Eine belastbare, standortgenaue Rechnung für Ihr konkretes Dach – inklusive Neigung, Verschattung und Eigenverbrauchsprofil – ersetzt diese Modellwerte. Wie Sie Angebote sauber vergleichen und die Anlage richtig dimensionieren, steht in PV-Anlage planen und dimensionieren.

Einspeisevergütung 2026: Überschuss oder Volleinspeisung?

Die Einspeisevergütung hängt nicht von der Ausrichtung ab – ein Norddach bekommt exakt dieselben Sätze wie ein Süddach. Für ertragsschwache Norddächer eröffnet das einen eigenen Rechenwinkel, den kaum ein Anbieter durchdenkt: die Volleinspeisung.

Anlagentyp (Feb–Jul 2026) Vergütung
Überschusseinspeisung bis 10 kWp 7,78 ct/kWh
Volleinspeisung bis 10 kWp 12,34 ct/kWh
Überschusseinspeisung bis 40 kWp 6,73 ct/kWh
Überschusseinspeisung bis 100 kWp 5,50 ct/kWh

Quelle: Bundesnetzagentur, gültig für Inbetriebnahmen vom 01.02. bis 31.07.2026. Details und die Absenkungslogik erklärt der Ratgeber Einspeisevergütung 2026: aktuelle Sätze.

Wann Volleinspeisung auf dem Norddach Sinn ergibt: Wenn Sie tagsüber kaum Strom verbrauchen und keinen Speicher planen, würde der Nord-Strom als Überschuss ohnehin fast komplett ins Netz fließen – für nur 7,78 ct/kWh. Bei Volleinspeisung erhalten Sie stattdessen 12,34 ct/kWh für die gesamte Erzeugung, also fast 60 % mehr pro eingespeister Kilowattstunde. Der Haken: Bei Volleinspeisung dürfen Sie keinen Strom der Anlage selbst nutzen, und Sie geben den wertvollen Eigenverbrauch (30–40 ct/kWh) komplett auf. Rechnen lässt sich das nur im Einzelfall – oft über getrennte Anlagen (eine Süd-/Ost-West-Anlage für Eigenverbrauch, eine reine Nordanlage für Volleinspeisung).

Meine Einordnung: Für die meisten Hausbesitzer bleibt der Eigenverbrauch der stärkere Hebel, weil 35 ct gespart mehr wert sind als 12,34 ct vergütet. Die Volleinspeisung ist der Sonderfall für Norddächer ohne Verbrauchsprofil – aber ein Sonderfall, den man durchrechnen sollte, statt ihn zu ignorieren.

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Wann sich die Nordseite lohnt – und wann nicht

Statt einer pauschalen Aussage hier die ehrliche Differenzierung, die den meisten Anbieter-Seiten fehlt.

Die Nordseite lohnt sich, wenn …

  • das Dach flach geneigt ist (10–20°): Dann liegt der Ertrag im besten Nord-Bereich von rund 65–75 % (Simulation).
  • Sie einen hohen Eigenverbrauch haben: Wärmepumpe, Wallbox, Speicher oder ein durchgehend hoher Tagesverbrauch.
  • es eine Ergänzung ist: Zusatzmodule auf Nord glätten die Erzeugungskurve, verlängern die Produktion über den Tag und erhöhen so den Eigenverbrauchsanteil der Gesamtanlage.
  • die Dachfläche sonst ungenutzt bliebe: Bei Modulpreisen unter 1.200 €/kWp ist die Grenzkosten-Rechnung oft positiv.

Von der Nordseite rate ich ab, wenn …

  • das Norddach steil ist (40–45° oder mehr): Dann fällt der Ertrag auf rund 45–55 % (Simulation), und die Wirtschaftlichkeit wird eng.
  • kein nennenswerter Eigenverbrauch besteht: Ohne Verbraucher landet der Strom für 7,78 ct/kWh im Netz – reine Nord-Einspeise-Cases rechnen sich meist nicht.
  • es Verschattung durch Nachbargebäude oder Bäume gibt: Nord-Dächer sind ohnehin lichtschwächer; jede zusätzliche Verschattung ist doppelt teuer.
  • eine gut belegbare Süd- oder Ost-West-Fläche frei bliebe: Erst die stärkeren Flächen ausnutzen, dann Nord ergänzen.

Nordbelegung als Ergänzung – der häufigste sinnvolle Fall

In der Praxis ist die reine Nordanlage der Sonderfall. Deutlich häufiger und meist wirtschaftlicher ist die ergänzende Nordbelegung: Sie belegen zuerst Süd oder Ost-West und packen die verbleibende Nordfläche zusätzlich voll.

Der Vorteil liegt in der Erzeugungskurve. Eine reine Süd-Anlage produziert eine schmale Mittagsspitze, von der viel eingespeist wird. Ergänzt man Nordmodule, verbreitert sich die Kurve, weil die Nordfläche vor allem morgens und abends sowie an diffusen Tagen mitliefert. Das Ergebnis: mehr Deckung des Haushaltsverbrauchs über den Tag, ein höherer Eigenverbrauchsanteil und weniger Abhängigkeit von der teuren Netz-Nachspeisung.

Das ist derselbe Effekt, der Ost-West-Anlagen so attraktiv macht – nur schwächer. Wer die Wahl zwischen Ost-West und einer reinen Süd-plus-Nord-Kombination hat, sollte zuerst den Ost-West-Ratgeber lesen, denn Ost-West ist in den meisten Fällen die effizientere Lösung zur Kurvenglättung.

Modultechnik: Machen bifaziale Module die Nordseite besser?

Eine häufige Hoffnung: Bessere Module retten das Norddach. Das stimmt nur zum Teil. Moderne Zellen mit gutem Schwachlichtverhalten holen an trüben Tagen und aus diffusem Licht mehr heraus – und diffuses Licht ist auf der Nordseite der Hauptenergieträger. Auch bifaziale Module, die Licht von der Rückseite aufnehmen, können auf hellen Untergründen ein paar Prozentpunkte gewinnen. Bei aufdach-montierten Nordmodulen mit geringem Rückseiten-Lichtangebot ist dieser Effekt allerdings klein.

Wichtiger ist die Wirtschaftlichkeit der Module insgesamt: Bei Preisen unter 1.200 €/kWp (Fraunhofer ISE) sinkt die Schwelle, ab der sich auch eine schwächere Fläche lohnt. Der eigentliche Hebel bleibt aber der Eigenverbrauch – nicht das einzelne Modul. Ein Premium-Modul macht aus einem steilen Norddach ohne Verbraucher keine rentable Anlage. Ob sich Bifazial-Technik für Ihr Projekt lohnt, klärt der Ratgeber Bifaziale Solarmodule: wann sie sich lohnen.

Kosten und Förderung für die Nordanlage

Bei den Kosten gibt es für Nord keinen Sonderfall – die Preise pro Kilowatt sind ausrichtungsunabhängig. Aufdachanlagen zwischen 10 und 100 kWp liegen Ende 2025 unter 1.200 €/kWp (Fraunhofer ISE). Der Unterschied liegt allein im Ertrag pro investiertem Euro: Weil das Norddach weniger Kilowattstunden liefert, verlängert sich die Amortisationszeit gegenüber Süd.

Die entscheidende Kennzahl bleibt jedoch günstig: Die Stromgestehungskosten kleiner Aufdachanlagen liegen bei 6 bis 14 ct/kWh (Fraunhofer ISE). Selbst ein Norddach, das am oberen Ende dieser Spanne produziert, liefert Strom deutlich billiger, als ihn das Netz mit rund 35 ct/kWh verkauft. Solange der Strom im Haus bleibt, bleibt die Nordanlage also im Vorteil.

Für die Finanzierung stehen dieselben Wege offen wie bei jeder anderen PV-Anlage. Einen vollständigen Überblick über Anschaffungskosten, KfW-Kredit und weitere Förderwege gibt der Ratgeber Photovoltaik Kosten und Förderung 2026.

So gehen Sie bei einem Norddach vor

  1. Neigung prüfen. Je flacher, desto eher lohnt sich Nord. Ab 40° Neigung wird es kritisch.
  2. Eigenverbrauch ehrlich einschätzen. Wärmepumpe, Wallbox, hoher Tagesverbrauch? Dann spricht viel für Nord. Sonst eher nicht.
  3. Stärkere Flächen zuerst. Süd und Ost-West vor Nord belegen – Nord ist die Ergänzung, nicht der Start.
  4. Volleinspeisung durchrechnen. Bei ertragsschwachem Nord ohne Verbrauch: 12,34 ct Volleinspeisung gegen 7,78 ct Überschuss abwägen.
  5. Standortgenaue Simulation. Die Prozentwerte hier sind Schätzungen – lassen Sie Ihr konkretes Dach mit PVGIS oder einem Fachbetrieb rechnen.
  6. Angebote vergleichen. Mehrere Fachbetriebe, gleiche Datenbasis. Wie das geht, steht in PV-Anlage planen und dimensionieren.

Häufige Fragen (FAQ)

Lohnt sich eine Photovoltaik-Anlage auf der Nordseite?

Meist nur bei flachem Norddach und hohem Eigenverbrauch. Der Grund: Selbst genutzter Solarstrom spart 30–40 ct/kWh, während die Einspeisung nur 7,78 ct/kWh bringt (Bundesnetzagentur, Verbraucherzentrale). Wer den Nord-Strom über Wärmepumpe, Wallbox oder Speicher selbst verbraucht, kann die Anlage wirtschaftlich betreiben. Auf steilen Norddächern ohne Verbraucher rechnet sich Nord dagegen selten.

Wie viel Ertrag bringt ein Norddach im Vergleich zu Süd?

Simulationsbasiert liefert ein Norddach mit 30° Neigung grob 50–65 % des Süd-Ertrags, bei steilerem Dach (45°) eher 45–55 %, bei flachem Dach (10°) rund 65–75 %. Diese Werte sind Modellrechnungen (PVGIS / HTW-Wetterstation Lindenberg), keine exakt zitierbare Einzelstatistik. Die HTW Berlin bestätigt aber, dass leicht geneigte Norddächer kein Tabu mehr sind (HTW Berlin). Der genaue Wert hängt von Standort, Verschattung und Neigung ab.

Ab welcher Dachneigung lohnt sich die Nordseite nicht mehr?

Je steiler das Norddach, desto schlechter. Die Verbraucherzentrale beziffert allein den Neigungsverlust bei über 60° mit bis zu 10 % (Verbraucherzentrale) – zusätzlich zum Ausrichtungsverlust. Auf steilen Norddächern ab etwa 40–45° fällt der Ertrag simulationsbasiert auf rund 45–55 % des Süd-Werts. Dann ist die Anlage fast nur bei sehr hohem Eigenverbrauch sinnvoll. Flache Norddächer bis rund 20° sind deutlich unkritischer.

Bekomme ich für Strom vom Norddach trotzdem Einspeisevergütung?

Ja. Die Einspeisevergütung hängt nicht von der Ausrichtung ab. Für Anlagen bis 10 kWp gelten (Inbetriebnahme Feb–Jul 2026) 7,78 ct/kWh bei Überschusseinspeisung und 12,34 ct/kWh bei Volleinspeisung (Bundesnetzagentur). Ein Norddach bekommt also exakt dieselben Sätze wie ein Süddach – nur produziert es weniger Kilowattstunden, für die es die Vergütung gibt.

Machen bifaziale oder moderne Module die Nordseite rentabler?

Ein wenig. Module mit gutem Schwachlichtverhalten holen aus dem diffusen Licht der Nordseite mehr heraus, und bifaziale Module gewinnen auf hellen Untergründen ein paar Prozentpunkte. Bei Modulpreisen unter 1.200 €/kWp (Fraunhofer ISE) sinkt die Schwelle, ab der sich eine schwächere Fläche lohnt. Der entscheidende Hebel bleibt aber der Eigenverbrauch, nicht das Modul allein – siehe Bifaziale Solarmodule: wann sie sich lohnen.

Soll ich das Norddach zusätzlich zum Süd- oder Ost-West-Dach belegen?

Häufig ja. Zusatzmodule auf der Nordfläche verbreitern die Erzeugungskurve, liefern morgens, abends und an diffusen Tagen mit und erhöhen so den Eigenverbrauchsanteil der Gesamtanlage. Weil die Grenzkosten pro zusätzlichem Modul niedrig sind, ist die ergänzende Nordbelegung oft wirtschaftlich. Die reine Nordbelegung ist dagegen der Sonderfall. Für Satteldächer in Ost-West-Lage lesen Sie den Ost-West-Ratgeber.

Wie viel kWh liefert eine 10-kWp-Nordanlage pro Jahr?

Als Simulationsschätzung grob 5.000–6.500 kWh pro Jahr, je nach Neigung und Standort – gegenüber rund 9.500–10.500 kWh bei einer vergleichbaren Süd-Anlage. Das sind Modellwerte, keine belastbare Einzelstatistik; die exakte Zahl liefert nur eine standortbezogene Simulation (z. B. PVGIS) unter Berücksichtigung von Neigung, Verschattung und regionaler Einstrahlung.

Ist ein Stromspeicher bei einer Nordanlage sinnvoll?

Weil sich die Nordseite fast nur über Eigenverbrauch rechnet, erhöht ein Speicher die Autarkie und macht die Anlage attraktiver – aber Sie sollten es durchrechnen. Bei geringerem Nord-Ertrag lädt der Speicher langsamer und wird an schwachen Tagen nicht voll, was die Wirtschaftlichkeit des Speichers selbst drücken kann. Die Verbraucherzentrale betont den Eigenverbrauch als Schlüssel (Verbraucherzentrale). Details im Batteriespeicher-Leitfaden.

Nächster Schritt: Lohnt sich Ihr Norddach?

Ob sich die Nordseite auf Ihrem Dach rechnet, hängt von wenigen, aber entscheidenden Faktoren ab: der genauen Dachneigung, Ihrem Eigenverbrauchsprofil, möglicher Verschattung und der Frage, ob Nord die einzige oder nur eine ergänzende Fläche ist. Pauschale Prozentwerte ersetzen keine standortbezogene Simulation. Mit reduco analysieren Sie Ihr Gebäude in wenigen Minuten und erhalten eine datenbasierte Einschätzung, ob und wie sich eine Photovoltaik-Anlage – auch auf der Nordseite – für Ihr Haus wirtschaftlich betreiben lässt, inklusive Ertrags- und Eigenverbrauchsprognose.

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