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Ratgeber16 Min. Lesezeit

Wärmepumpe + Infrarotheizung 2026: Spitzenlast bivalent

Wärmepumpe mit Infrarotheizung als Spitzenlast kombinieren: So decken Sie im Altbau kalte Tage ab. Der elektrische Zuheizer liefert nur 1,3 % – was das für Sie heißt.

Luft-Wasser-Wärmepumpe vor einem sanierten Altbau mit Infrarot-Zusatzheizung im Anbau

Das Wichtigste in Kürze

  • Killer-Fakt: In der Fraunhofer-ISE-Feldstudie (2021–2025) deckte der elektrische Zuheizer bei Luft/Wasser-Wärmepumpen im Bestand über das Jahr nur 1,3 % der Stromarbeit ab – bei Erdreich-Wärmepumpen sogar nahe 0 %. Die Spitzenlast ist übers Jahr also fast bedeutungslos.
  • Grundlast trägt die Wärmepumpe: Luft/Wasser-Anlagen erreichen im Altbau eine mittlere JAZ von 3,4 (Bandbreite 2,6–4,9), Erdreich-Wärmepumpen sogar 4,3 – gemessen an 77 Anlagen über vier Jahre.
  • Infrarot ist teure Wärme: Bei gleichem Strompreis kostet eine Kilowattstunde Infrarot-Wärme rund das 3,4-Fache einer Wärmepumpen-Kilowattstunde (bei 37,0 ct/kWh: ~37 ct vs. ~11 ct). Deshalb nur als seltene, raumweise Spitzenlast sinnvoll.
  • Förder-Fallstrick: Die Wärmepumpe ist BAFA-förderfähig, eine Infrarot-/Stromdirektheizung nicht. Planen Sie die Kombi so, dass die Wärmepumpe die förderfähige Hauptheizung bleibt.
  • Nicht überdimensionieren: Weil die kalten Spitzentage kaum ins Gewicht fallen, legt man die Wärmepumpe auf die Grundlast aus – nicht auf die letzten −15 °C. Das Umweltbundesamt empfiehlt, den elektrischen Heizstab als Backup standardmäßig zu deaktivieren.

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Sie wollen im Altbau eine Wärmepumpe einbauen, haben aber einen schlecht gedämmten Anbau, ein zugiges Gästezimmer oder ein Bad, das an wenigen sehr kalten Tagen nicht warm genug wird? Dann ist die bivalente Kombination aus Wärmepumpe (Grundlast) und Infrarotheizung (raumweise Spitzenlast) eine legitime Lösung – aber nur, wenn Sie die Rollen richtig verteilen. Der entscheidende Fakt vorweg: Laut der großen Fraunhofer-ISE-Feldstudie übernimmt die elektrische Zusatzheizung im Jahresschnitt nur 1,3 % der Stromarbeit. Die Wärmepumpe trägt praktisch die gesamte Heizarbeit – mit einer mittleren JAZ von 3,4 auch im unsanierten Bestand. Eine Infrarotheizung ergänzt sie höchstens punktuell, weil ihre Wärme bei gleichem Strompreis rund 3,4-mal so teuer ist. In diesem Ratgeber zeige ich, wann sich die Kombi lohnt, wie der Bivalenzpunkt funktioniert und warum Sie die Wärmepumpe genau deshalb nicht überdimensionieren müssen. Wenn Sie noch grundsätzlich prüfen, ob eine Wärmepumpe im Altbau funktioniert, lesen Sie zuerst dort weiter; wie sie mit bestehenden Heizkörpern im Altbau zusammenspielt, klärt der verlinkte Ratgeber.

Was die Feldstudie über die Spitzenlast verrät

Bevor es um Infrarot geht, lohnt der Blick auf die Datenbasis – denn sie entkräftet die häufigste Sorge im Altbau: „An den kältesten Tagen packt die Wärmepumpe das nicht, dafür brauche ich einen dicken Zuheizer.“ Die Realität sieht anders aus.

Das Fraunhofer ISE hat über vier Jahre 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern detailliert vermessen. Ergebnis: Luft/Wasser-Wärmepumpen im Gebäudebestand erreichen eine mittlere Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,4, die schlechteste Anlage 2,6, die beste 4,9. Erdgekoppelte (Sole/Wasser-)Wärmepumpen kommen im Mittel auf 4,3 (Bandbreite 3,6–5,4). Bemerkenswert: Es gab keinen Zusammenhang zwischen dem Baujahr des Gebäudes und der Effizienz – ein alter Kasten kann also genauso effizient laufen wie ein Neubau, wenn die Anlage richtig ausgelegt ist. Was JAZ, COP und SCOP genau bedeuten, erklärt der Ratgeber COP, JAZ & SCOP einfach erklärt.

Kennzahl (Fraunhofer ISE, Bestand) Luft/Wasser-WP Erdreich-WP
Mittlere JAZ 3,4 4,3
Bandbreite JAZ 2,6–4,9 3,6–5,4
Anteil Heizstab an der Stromarbeit 1,3 % ~0 %
CO₂ ggü. Gas (dynamisch 2024) −64 % −64 %

Quelle: Fraunhofer ISE, Pressemitteilung „Wärmepumpen heizen auch im Altbau klimafreundlich" (2025).

Der wichtigste Wert für dieses Thema steht in der dritten Zeile: Die elektrischen Heizstäbe, die bei besonders kalten Temperaturen einspringen, übernahmen nur 1,3 % der elektrischen Jahresarbeit bei Luft/Wasser-Anlagen und nahe 0 % bei Erdreich-Wärmepumpen. Anders gesagt: Über das ganze Jahr betrachtet ist die elektrische Spitzenlast fast bedeutungslos. Die wenigen wirklich kalten Stunden fallen energetisch kaum ins Gewicht.

Daraus folgt die zentrale Planungsregel für die Kombi: Sie dürfen und sollten die Wärmepumpe auf die Grundlast auslegen – nicht auf die letzten −15 °C an drei Tagen im Jahr. Für diese Ausnahmestunden genügt eine schlanke Spitzenlast, sei es der eingebaute Heizstab oder eine gezielte Infrarotheizung im kritischen Raum.

Bivalent, monoenergetisch, mono: Die Begriffe sauber getrennt

Beim Thema „Wärmepumpe plus zweite Wärmequelle“ werden drei Begriffe durcheinandergeworfen. Weil davon abhängt, wie Sie Infrarot einordnen und was gefördert wird, kläre ich sie kurz.

Betriebsart Zweiter Erzeuger Energieart Beispiel
Monovalent keiner nur Strom (WP) WP deckt 100 % allein
Monoenergetisch elektrischer Heizstab nur Strom WP + integrierter Heizstab
Bivalent (klassisch) zweiter Erzeuger anderer Art Strom + Gas/Öl/Holz WP + Gas-Hybrid, WP + Kaminofen

Wo steht die Kombination Wärmepumpe + Infrarotheizung? Technisch ist sie monoenergetisch, weil beide Geräte mit Strom laufen – genau wie ein integrierter Heizstab. Der Suchbegriff „bivalent" bezieht sich hier auf die funktionale Trennung: zwei getrennte Geräte, die räumlich unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Die Wärmepumpe versorgt über den Heizkreis das ganze Haus, die Infrarotheizung erwärmt gezielt eine einzelne Fläche im Raum.

Der praktische Unterschied zum eingebauten Heizstab ist wichtig: Der Heizstab erwärmt das gesamte Heizwasser und schiebt so Wärme in den kompletten Verteilkreis. Eine Infrarotheizung strahlt lokal – sie hebt gezielt die gefühlte Temperatur in einem Raum, ohne das gesamte System hochzufahren. Genau das macht sie für den einen schwierigen Raum interessant, für den sich eine höhere Vorlauftemperatur im ganzen Haus nicht lohnt.

Warum die Wärmepumpe die Grundlast tragen muss

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Die Grundlast – also der Großteil des Wärmebedarfs über die Heizsaison – gehört aus einem einfachen Grund zur Wärmepumpe: Effizienz. Eine Wärmepumpe mit JAZ 3,4 macht aus 1 kWh Strom rund 3,4 kWh Wärme. Eine Infrarotheizung wandelt 1 kWh Strom in etwa 1 kWh Wärme (Wirkungsgrad ~100 %). Beim gleichen Strompreis kostet Infrarot-Wärme damit rund das 3,4-Fache.

Diese Rechnung wird noch deutlicher, wenn man die Strompreise korrekt zuordnet. Eine Infrarotheizung läuft laut Verbraucherzentrale meist mit teurem Haushaltsstrom, weil dafür in der Regel kein günstiger Heizstrom-Tarif (Wärmepumpentarif) zur Verfügung steht. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis lag laut BDEW-Strompreisanalyse (Januar 2026) bei 37,0 ct/kWh.

Größe Wärmepumpe (JAZ 3,4) Infrarotheizung
Wärme aus 1 kWh Strom ~3,4 kWh ~1 kWh
Strompreis (Annahme, BDEW-Haushaltsstrom) 37,0 ct/kWh 37,0 ct/kWh
Wärmekosten je kWh ~11 ct ~37 ct
Faktor ~3,4×

Die absoluten Kosten hängen von Tarif und Anlage ab; der Faktor bleibt aber. Selbst wenn die Wärmepumpe an einem klirrend kalten Tag mit ihrer JAZ auf 2,5 abrutscht, ist ihre Wärme immer noch günstiger als jede Kilowattstunde aus dem Infrarot-Panel. Deshalb gilt ohne Ausnahme: Grundlast = Wärmepumpe, Infrarot nur für seltene Ausnahmen. Wer die Betriebskosten seiner Wärmepumpe genauer durchrechnen will, findet das im Ratgeber Wärmepumpe Stromverbrauch & Stromkosten.

Das Umweltbundesamt formuliert es noch strenger: Ideale Jahresarbeitszahlen liegen bei 4,0 oder höher, und der (integrierte) Heizstab sollte standardmäßig deaktiviert und nur im Notfall zugeschaltet werden. Die Anlage sollte im Regelbetrieb ohne Heizstab auskommen (Umweltbundesamt). Übertragen auf unser Thema heißt das: Auch die Infrarotheizung ist kein Dauerbrenner, sondern die absolute Ausnahme.

Der Bivalenzpunkt: Wo die Zusatzheizung einspringt

Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, ab der die Wärmepumpe die Heizlast des Gebäudes nicht mehr allein deckt und die Zusatzheizung startet. Er ergibt sich aus dem Schnittpunkt zweier Kurven:

  1. Gebäude-Heizlast – steigt, je kälter es draußen wird.
  2. Wärmepumpen-Leistungskennlinie – die abrufbare Heizleistung sinkt bei tiefen Außentemperaturen.

Wo sich beide Linien schneiden, liegt der Bivalenzpunkt. Oberhalb dieser Temperatur trägt die Wärmepumpe allein, darunter kommt die Spitzenlast hinzu. Weil die kalten Stunden – wie oben gezeigt – so selten sind, kann der Bivalenzpunkt bewusst tief angesetzt werden. Das ist der Kern des Prinzips: eine kleiner dimensionierte, dafür effizientere Wärmepumpe plus eine schlanke Spitzenlast schlägt die überdimensionierte Anlage, die die letzten Grade allein stemmen soll.

Einen konkreten Bivalenzpunkt in °C kann und will ich hier nicht pauschal behaupten – der hängt von Ihrer Gebäude-Heizlast, der gewählten Anlage und der regionalen Normaußentemperatur ab. Diese Auslegung gehört in die Hände eines Fachbetriebs, der eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durchführt. Für die Förderung ist zudem relevant, dass die BAFA die Heizleistung der Wärmepumpe bei der Normaußentemperatur und einer Vorlauftemperatur von 35 °C ansetzt (aus den Herstellerunterlagen). Wer die Auslegungslogik und die passende Kilowattzahl verstehen will, findet die Grundlagen unter Wärmepumpe dimensionieren: kW-Tabelle & Heizlast.

Warum nicht einfach die Wärmepumpe größer wählen?

Die naheliegende Frage: Wenn die Wärmepumpe die Spitzenlast nicht schafft, warum baue ich dann nicht gleich eine größere ein und spare mir die Zusatzheizung? Weil eine überdimensionierte Wärmepumpe in der Praxis teurer und ineffizienter ist.

  • Takten: Eine zu große Wärmepumpe läuft die meiste Zeit im Teillastbereich, schaltet häufiger ein und aus (taktet) und verschleißt stärker. Das drückt die reale JAZ.
  • Höhere Investition: Mehr Leistung kostet mehr – für eine Reserve, die nur an wenigen Tagen gebraucht wird.
  • Schlechtere Modulation: Inverter-Wärmepumpen arbeiten am effizientesten in einem bestimmten Lastfenster. Wer auf die Extremkälte auslegt, verlässt dieses Fenster fast das ganze Jahr.

Deshalb ist die saubere Lösung, die Wärmepumpe auf die Grundlast zu dimensionieren und die seltene Spitze über Heizstab oder gezielt Infrarot abzudecken. Genau das belegt die ISE-Zahl von 1,3 %: Der Zuheizer ist über das Jahr fast vernachlässigbar – ihn großzügig „mitzukaufen" wäre die falsche Optimierung.

Wann eine Infrarotheizung als Spitzenlast sinnvoll ist – und wann nicht

Jetzt zur eigentlichen Frage: In welchen Situationen ergänzt eine Infrarotheizung die Wärmepumpe sinnvoll? Die ehrliche Antwort ist: selten, aber es gibt sie. Als Vollheizung rät die Verbraucherzentrale in Bestandsgebäuden ausdrücklich ab – die Betriebskosten mit Haushaltsstrom sind zu hoch. Als punktuelle Zusatzheizung für einen einzelnen Problemraum kann sie dagegen aufgehen.

Sinnvoll kann Infrarot als Spitzenlast sein bei:

  • einem selten genutzten Raum (Gästezimmer, Hobbyraum), der nur gelegentlich warm sein muss;
  • einem schlecht gedämmten Anbau oder Wintergarten, den der Heizkreis der Wärmepumpe nur mit hoher Vorlauftemperatur erreichen würde;
  • einem Bad, in dem an wenigen kalten Morgen kurzfristig Extra-Wärme erwünscht ist;
  • einem Raum, in dem eine nachträgliche Verlegung von Heizungsrohren unverhältnismäßig teuer wäre.

Nicht sinnvoll ist Infrarot:

  • als Dauerheizung ganzer Wohnbereiche – hier gewinnt die Wärmepumpe klar über den 3,4×-Kostenfaktor;
  • als Ersatz für eine ordentliche Heizlastberechnung – wer den Problemraum durch bessere Auslegung, größere Heizkörper oder gesenkte Vorlauftemperatur in den Griff bekommt, braucht kein Infrarot;
  • als Argument gegen die Wärmepumpe im Altbau. Denn: Ausreichend dimensionierte Heizkörper lassen sich laut ISE im Mittel mit ähnlich niedrigen Vorlauftemperaturen betreiben wie Flächenheizungen. Eine Wärmepumpe funktioniert also auch ohne Fußbodenheizung.

Wovon ich abrate: Die Infrarotheizung als bequeme Ausrede zu nutzen, um die Wärmepumpe „auf Nummer sicher" zu unterdimensionieren und den Rest dauerhaft elektrisch nachzuheizen. Das kehrt die Logik um – Sie zahlen dann für den teuersten Teil der Wärme am meisten. Die Faustregel zur Eignung bleibt: Ein Gebäude ist für eine Wärmepumpe geeignet, wenn die Vorlauftemperatur möglichst ganzjährig unter 55 °C bleibt. Wie Sie das erreichen, steht im Ratgeber Vorlauftemperatur senken.

Infrarot-Spitzenlast vs. integrierter Heizstab

Wenn ohnehin ein Heizstab in der Wärmepumpe steckt – wozu dann Infrarot? Ein direkter Vergleich:

Kriterium Integrierter Heizstab Infrarotheizung
Wirkungsgrad ~100 % ~100 %
Kosten je kWh Wärme Heizstrom-Tarif möglich meist Haushaltsstrom (37,0 ct/kWh)
Wirkung erwärmt gesamtes Heizwasser erwärmt gezielt einen Raum/Fläche
Anschaffung im Gerät enthalten separates Gerät + Steckdose
Sinnvoll, wenn ganzes Haus an sehr kalten Tagen ein einzelner Problemraum

Pro Kilowattstunde Wärme sind beide ähnlich – beide haben ~100 % Wirkungsgrad und laufen mit Strom. Der Vorteil von Infrarot ist die gezielte, raumweise Wirkung. Der Nachteil: separate Geräte, meist teurerer Haushaltsstrom und kein Wärmepumpentarif. Für die reine „ganzes Haus ist zu kalt"-Situation ist der eingebaute Heizstab die effizientere Wahl; für den einen kritischen Raum kann Infrarot die schlauere Ergänzung sein.

Förderung: Die Wärmepumpe ja, Infrarot nein

Das ist der Punkt, an dem die meisten Ratgeber ungenau werden – dabei ist er finanziell entscheidend. Die Kombi wird nur zum Wärmepumpen-Teil gefördert.

Über das BAFA-Programm „Heizen mit Erneuerbaren Energien" sind Wärmepumpen, Solarthermie, Biomasse sowie EE-/Gas-Hybridheizungen förderfähig. Eine reine Infrarot-/Stromdirektheizung steht nicht auf der Liste förderfähiger Wärmeerzeuger. Für die Förderung zählt die Wärmepumpe als Hauptheizung – und sie erfüllt die 65-%-Erneuerbare-Anforderung des GEG automatisch.

Komponente BAFA-förderfähig? GEG-65-%-Regel
Wärmepumpe (Hauptheizung) Ja automatisch erfüllt
Infrarotheizung (Zusatz) Nein

Praktische Konsequenz: Planen Sie die Kombination so, dass die Wärmepumpe eindeutig die Hauptheizung ist und die Grundlast trägt. Dann sichern Sie sich die volle Wärmepumpen-Förderung, während die Infrarotheizung eine kleine, selbst finanzierte Ergänzung bleibt. Umgekehrt wäre es fatal: Übernimmt Infrarot einen großen Anteil, gefährden Sie sowohl die Förderfähigkeit als auch die Wirtschaftlichkeit.

Ein rechtlicher Hinweis für den Fall, dass Infrarot einen größeren Anteil übernehmen soll: Laut Gebäudeenergiegesetz (GEG) darf eine Stromdirektheizung/Infrarot ohne Einschränkung nur in selbst bewohnten Ein- und Zweifamilienhäusern eingebaut werden. In vermieteten oder größeren Gebäuden ist zusätzlich eine Gebäudehülle auf Effizienzhaus-55-Niveau nötig. In der klassischen Konstellation – selbstbewohntes Altbau-EFH, Wärmepumpe als Hauptheizung, Infrarot nur als raumweise Spitzenlast – ist das unproblematisch.

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So planen Sie die Kombi richtig – Schritt für Schritt

Aus alldem ergibt sich eine klare Reihenfolge für die Praxis:

  1. Heizlast ermitteln lassen. Fachbetrieb rechnet die Gebäude-Heizlast nach DIN EN 12831 – die Basis für alles Weitere.
  2. Wärmepumpe auf die Grundlast auslegen. Nicht auf die Extremkälte. Ziel: Vorlauftemperatur möglichst ganzjährig unter 55 °C, JAZ idealerweise Richtung 4,0.
  3. Heizkörper prüfen. Reichen ausreichend große Heizkörper, um den Problemraum ohne Infrarot warm zu bekommen? Oft ja – und dann ist die Zusatzheizung überflüssig. Details unter Hochtemperatur-Wärmepumpe im Altbau.
  4. Bivalenzpunkt festlegen. Der Fachbetrieb bestimmt, ab welcher Außentemperatur die Spitzenlast einspringt.
  5. Spitzenlast wählen. Für „ganzes Haus zu kalt" der integrierte Heizstab; für „ein einzelner Raum bleibt kühl" gezielt eine Infrarotheizung.
  6. Förderung sichern. Wärmepumpe als förderfähige Hauptheizung beantragen, Infrarot separat und selbst finanziert.

Weil Schritt 1, 2 und 4 stark von Ihrem konkreten Gebäude abhängen, ist die Auslegung keine Aufgabe für Faustregeln aus dem Internet. Genau dafür braucht es eine gebäudespezifische Analyse.

Klimabilanz: Auch mit Zuheizer sauber

Ein Nebenaspekt, der oft untergeht: Die Wärmepumpe bleibt auch mit gelegentlichem elektrischem Zuheizer klimafreundlich. Die CO₂-Emissionen der gemessenen Anlagen lagen 2024 um 64 % niedriger als bei Erdgasheizungen (dynamische, viertelstündliche Bilanzierung; statisch 68 %) – so das Fraunhofer ISE. Da der Zuheizer nur 1,3 % der Stromarbeit ausmacht, ändert eine sparsam eingesetzte Infrarot-Spitzenlast an dieser Bilanz kaum etwas. Erst wenn Infrarot dauerhaft große Wärmemengen liefern würde, kippte die Rechnung – ein weiteres Argument, es bei der seltenen Ausnahme zu belassen.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann man eine Wärmepumpe und eine Infrarotheizung sinnvoll kombinieren?

Ja, aber nur als seltene, raumweise Spitzenlast für einzelne schwer beheizbare Räume im Altbau – nicht als Dauerheizung. Die Wärmepumpe deckt die Grundlast (mittlere JAZ 3,4 im Bestand), die Infrarotheizung springt an wenigen sehr kalten Tagen gezielt in einem Problemraum ein. Laut Fraunhofer ISE übernimmt die elektrische Zusatzheizung im Jahresschnitt ohnehin nur 1,3 % der Stromarbeit. Wer den Problemraum durch ausreichend große Heizkörper in den Griff bekommt, braucht das Infrarot gar nicht.

Was ist der Unterschied zwischen bivalent und monoenergetisch?

Monoenergetisch bedeutet: Wärmepumpe plus elektrischer Heizstab – beide nutzen dieselbe Energieart, nämlich Strom. Bivalent (klassisch) meint Wärmepumpe plus zweiten Wärmeerzeuger anderer Art, etwa Gas, Öl oder einen Kaminofen. Die Kombination Wärmepumpe + Infrarotheizung ist technisch gesehen monoenergetisch, weil beide Geräte mit Strom laufen. Funktional wirkt die Infrarotheizung aber wie eine raumweise Spitzenlast, weshalb der Suchbegriff „bivalent" hier für zwei getrennte Geräte steht.

Was ist der Bivalenzpunkt und wie wird er festgelegt?

Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, ab der die Wärmepumpe-Leistung den Wärmebedarf nicht mehr allein deckt und die Zusatzheizung startet. Er ergibt sich aus dem Schnittpunkt der Wärmepumpen-Leistungskennlinie und der Gebäude-Heizlast. Festgelegt wird er sinnvoll nach einer Heizlastberechnung (DIN EN 12831) durch den Fachbetrieb. Weil die kalten Spitzentage energetisch kaum ins Gewicht fallen, darf der Bivalenzpunkt bewusst tief liegen.

Ist Infrarot als Spitzenlast teurer als der eingebaute Heizstab?

Pro Kilowattstunde Wärme sind beide ähnlich – Heizstab und Infrarot haben jeweils rund 100 % Wirkungsgrad und laufen mit Strom. Der Vorteil von Infrarot: Es heizt gezielt einen einzelnen kalten Raum, statt das gesamte Heizwasser zu erwärmen. Der Nachteil: separate Geräte, kein günstiger Heizstrom-Tarif und meist teurer Haushaltsstrom (37,0 ct/kWh laut BDEW). Für „ganzes Haus zu kalt" ist der Heizstab effizienter, für den einen Problemraum kann Infrarot passen.

Wird die Kombi Wärmepumpe + Infrarotheizung gefördert?

Nur der Wärmepumpen-Teil. Die Wärmepumpe steht auf der BAFA-Liste förderfähiger Wärmeerzeuger, eine Infrarot-/Stromdirektheizung nicht. Für die Förderung zählt die Wärmepumpe als Hauptheizung, die die 65-%-Erneuerbare-Regel des GEG automatisch erfüllt. Planen Sie die Kombi deshalb so, dass die Wärmepumpe eindeutig die Grundlast trägt – dann sichern Sie sich die volle Förderung.

Lohnt sich eine Infrarotheizung im Altbau überhaupt?

Als Vollheizung meist nein – die Betriebskosten mit Haushaltsstrom sind hoch, und die Verbraucherzentrale rät in Bestandsgebäuden davon ab. Als punktuelle Zusatzheizung für einen selten genutzten, schlecht gedämmten Raum – Anbau, Gästezimmer, Bad – kann sie dagegen sinnvoll sein. Entscheidend ist, dass die Wärmepumpe die Grundlast trägt und Infrarot nur an wenigen Tagen gezielt ergänzt.

Warum nicht einfach die Wärmepumpe größer dimensionieren?

Eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet häufiger, arbeitet ineffizienter und kostet mehr in der Anschaffung. Weil die wenigen kalten Spitzentage laut ISE nur 1,3 % der Stromarbeit ausmachen, wäre es die falsche Optimierung, diese Reserve mitzukaufen. Deshalb legt man die Wärmepumpe auf die Grundlast aus und deckt die Spitzentage über Heizstab oder gezielt Infrarot – das ist der Kern des bivalenten Prinzips.

Funktioniert eine Wärmepumpe im unsanierten Altbau ohne Fußbodenheizung?

Ja. Laut Fraunhofer ISE gibt es keine Korrelation zwischen Baujahr und Effizienz; ausreichend große Heizkörper laufen mit ähnlich niedrigen Vorlauftemperaturen wie Flächenheizungen. Ziel ist eine Vorlauftemperatur möglichst ganzjährig unter 55 °C. Oft löst der Tausch einzelner Heizkörper den vermeintlichen Problemraum – ganz ohne Infrarot. Mehr dazu im Ratgeber Wärmepumpe mit Heizkörpern im Altbau.

Nächster Schritt: Passt die Kombi zu Ihrem Gebäude?

Ob eine Infrarotheizung Ihre Wärmepumpe sinnvoll ergänzt – oder ob ein ordentlich dimensionierter Heizkörper den kritischen Raum ohnehin warm bekommt – hängt von Ihrer konkreten Gebäude-Heizlast, dem Dämmzustand und den vorhandenen Heizflächen ab. Pauschale Empfehlungen ersetzen keine gebäudespezifische Analyse, und gerade beim Bivalenzpunkt und der richtigen Wärmepumpen-Größe entscheidet die individuelle Auslegung über Effizienz und Betriebskosten. Mit reduco analysieren Sie Ihr Gebäude in wenigen Minuten und erhalten eine datenbasierte Einschätzung, welche Wärmepumpe wirtschaftlich und technisch zu Ihrem Altbau passt – inklusive Fördermittelberechnung und konkreter Kosten-Nutzen-Analyse.

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