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Ratgeber16 Min. Lesezeit

Photovoltaik Gewerbe: Kosten & Planung 2026 ab 700 €/kWp

Was kostet gewerbliche PV 2026? 700–1.300 €/kWp je nach Größe, Direktvermarktungspflicht ab 100 kWp, Statik & Netzanschluss – die ehrliche Planungs-Checkliste.

Große Aufdach-Photovoltaikanlage auf einem gewerblichen Industriehallendach mit Trapezblech

Das Wichtigste in Kürze

  • Systempreis (netto, schlüsselfertig): kleine Gewerbeanlagen von 30–100 kWp liegen bei rund 950–1.300 €/kWp, Anlagen von 100–750 kWp bei etwa 700–1.100 €/kWp; sehr große Dachanlagen im Megawatt-Bereich erreichen laut ZSW-Gutachten für das BMWK 630–720 €/kWp. Größendegression: je mehr kWp, desto günstiger pro kWp.
  • Wirtschaftlichkeit läuft über den Eigenverbrauch: die Stromgestehungskosten Ihrer Anlage liegen bei rund 8–12 ct/kWh, der Netzbezug für KMU 2026 bei 16,0–16,7 ct/kWh – jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart diese Differenz.
  • Direktvermarktungspflicht ab 100 kWp: die feste Einspeisevergütung (5,50 ct/kWh bei 40–100 kWp) gibt es nur bis 100 kWp; darüber ist die geförderte Direktvermarktung (Marktprämie, anzulegender Wert 5,90 ct/kWh) verpflichtend.
  • Versteckte Planungsposten: Statikgutachten 2.000–5.000 €, Blitz-/Überspannungsschutz 3.000–8.000 €, Mittelspannungs-Netzanschluss 10.000–50.000 € – oft projektentscheidend und in Standard-Angeboten nicht enthalten.
  • Steuerlicher Investitionsbooster: degressive AfA von 30 % p.a. für Anschaffungen zwischen dem 01.07.2025 und dem 31.12.2027 gilt auch für Gewerbe-PV – Details auf unserer Abschreibungs-Seite.

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Eine gewerbliche Photovoltaikanlage rechnet sich 2026 vor allem über den Eigenverbrauch, nicht über die Einspeisung. Der entscheidende Hebel ist der Abstand zwischen Ihren Erzeugungskosten von 8–12 ct/kWh und dem Gewerbestrompreis von 16–17 ct/kWh. Wie genau sich der Preis je Anlagengröße staffelt, zeigen wir im Detail in unserem Kostenüberblick nach kWp-Größe; wie die Direktvermarktung ab 100 kWp funktioniert, lesen Sie im Ratgeber zur PV-Direktvermarktung.

Dieser Artikel trennt konsequent netto von brutto (B2B denkt netto), nennt die harten Planungsposten, die viele Angebote verschweigen, und benennt die ehrlichen Risiken. Für die Steuerseite (degressive AfA, §7g) verlinken wir gezielt auf die Seite zur Gewerbe-PV-Abschreibung, statt sie hier doppelt zu rechnen.

Was kostet Gewerbe-PV pro kWp? Preise nach Anlagengröße

Der spezifische Preis pro kWp sinkt mit der Anlagengröße, weil sich die Fixkosten für Planung, Gerüst, Anschluss und Anmeldung auf mehr Leistung verteilen. Die folgenden Bänder sind netto, schlüsselfertig, ohne Speicher.

Anlagengröße Preis pro kWp (netto) Gesamtinvestition (Richtwert) Quelle
30–100 kWp 950–1.300 €/kWp ab ca. 30.000 € Branchenangaben
100–750 kWp 700–1.100 €/kWp 95.000–130.000 € (100 kWp) Branchenangaben
500 kWp Aufdach unter 900 €/kWp ca. 350.000–500.000 € Branchenangaben
1,5 MW 720 €/kWp ZSW/BMWK
3,0 MW 660 €/kWp ZSW/BMWK
5,0 MW 630 €/kWp ZSW/BMWK

Quellen: ZSW-Gutachten im Auftrag des BMWK (MW-Bereich, netto, Inbetriebnahme 2027); Marktdaten/Branchenangaben für 30–750 kWp.

Ehrliche Einordnung der Datenlage: Die härtesten, amtlich belegten €/kWp-Zahlen stammen aus dem ZSW-Gutachten für das Bundeswirtschaftsministerium – sie decken aber nur die großen Dachanlagen von 1,5–5,0 MW ab (630–720 €/kWp). Für den typischen Gewerbebereich (30–750 kWp) gibt es keine vergleichbare Amtsquelle; die Werte von 700–1.300 €/kWp sind Branchen-/Marktangaben und liegen wegen der Fixkosten für Planung und Anschluss deutlich über dem MW-Anker. Nutzen Sie den MW-Wert als unteren Preisboden, nicht als Zielpreis für Ihr Hallendach.

Was steckt im kWp-Preis – und was nicht?

Rund ein Fünftel des Anlagenpreises entfällt auf die Module selbst. Am EU-Spotmarkt lagen Standardmodule im Herbst 2025 bei etwa 0,10 €/W, Hocheffizienzmodule mit Wirkungsgraden über 23 % rund 20 % höher bei 0,12 €/W (Datenquelle pvXchange, zitiert im ZSW/BMWK-Papier). Der Rest verteilt sich auf Wechselrichter, Unterkonstruktion, Verkabelung, Montage, Gerüst, Anmeldung und Inbetriebnahme.

Nicht im Standard-kWp-Preis enthalten sind in der Regel: das Statikgutachten, das Blitzschutzkonzept, der Mittelspannungs-Netzanschluss und ein etwaiger Speicher. Genau diese Posten machen bei Gewerbedächern den Unterschied zwischen einem sauberen und einem bösen Nachtrag – dazu unten mehr.

Die Wirtschaftlichkeits-Logik: Eigenverbrauch schlägt Einspeisung

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Für die meisten Gewerbe- und Industriebetriebe entscheidet sich die Rendite am Eigenverbrauch. Die zentrale Kennzahl ist der Abstand zwischen den Stromgestehungskosten (LCOE) Ihrer Anlage und Ihrem Netzbezugspreis.

Kennzahl Wert 2026 Bedeutung
LCOE große Dach-PV (1,5–5,0 MW) 8,2–9,0 ct/kWh amtlich belegter Basisfall (ZSW/BMWK)
LCOE typische Gewerbe-PV ca. 8–12 ct/kWh inkl. kleinerer Anlagen
Netzbezug KMU (Neuabschluss) 16,0–16,7 ct/kWh Referenz für Ersparnis
Einspeisevergütung 40–100 kWp 5,50 ct/kWh Teileinspeisung
Marktprämie 100–400 kWp 5,90 ct/kWh anzulegender Wert

Quellen: ZSW/BMWK (LCOE), BDEW-Strompreisanalyse (Netzbezug), Bundesnetzagentur (Vergütung).

Das Ergebnis ist eindeutig: Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart Ihnen rund 16 ct/kWh minus 8–12 ct/kWh Erzeugungskosten – also grob 5–8 ct/kWh netto. Jede eingespeiste Kilowattstunde bringt dagegen nur 5,50–5,90 ct/kWh, was kaum über den Erzeugungskosten liegt. Betriebe mit einem Tag-Lastprofil – Produktion, Kühlung, Maschinen, Klimatisierung, Lüftung – erreichen daher hohe Eigenverbrauchsquoten und die beste Wirtschaftlichkeit.

Praxis-Faustregel: Dimensionieren Sie die Anlage so, dass ein möglichst großer Teil des Solarstroms tagsüber im Betrieb bleibt. Wer den Eigenverbrauch mit E-Fahrzeugen, Wärmepumpe oder Prozesswärme weiter erhöhen kann, verbessert die Rendite spürbar – mehr dazu in unserem Ratgeber zum Eigenverbrauch ohne Speicher.

Ertragsannahme: Womit Sie rechnen dürfen

Der spezifische Ertrag einer Dach-PV in Deutschland liegt bei rund 900 kWh/kWp pro Jahr (etwa 900 Volllaststunden), mit einer Sensitivität von 810–990 kWh/kWp je nach Standort und Ausrichtung. Die Module verlieren kalkulatorisch 0,25 % Leistung pro Jahr; als Nutzungsdauer werden meist 20 Jahre (die EEG-Vergütungsdauer) angesetzt. Eine 100-kWp-Anlage erzeugt damit rund 90.000 kWh im Jahr.

Kosten-Aufschlüsselung: die versteckten Planungsposten

Hier trennt sich die seriöse von der beschönigten Kalkulation. Diese Posten fehlen in vielen Angeboten – und können ein Projekt kippen.

Posten Kosten (netto) Wann relevant?
Statikgutachten Dach 2.000–5.000 € fast immer bei Industrie-/Leichtdächern
Blitz-/Überspannungsschutz (VDE) 3.000–8.000 € je nach Anlagengröße/Gebäudeklasse
Netzanschluss Mittelspannung 10.000–50.000 € in der Regel ab ~100 kW Einspeiseleistung
Betriebskosten (O&M) 15 €/kWp p.a. laufend, +2 % p.a.
Kosten Direktvermarktung 3 €/kWp p.a. ab 100 kWp Pflicht

Quellen: ZSW/BMWK (O&M, Direktvermarktung); Branchenangaben (Statik, Blitzschutz, Netzanschluss).

Dachstatik: der häufigste Show-Stopper

Ältere Industrie- und Leichtdächer haben oft nur geringe Zusatzlastreserven. Ein Statikgutachten (2.000–5.000 €) prüft, ob Module, Unterkonstruktion sowie Wind- und Schneelasten getragen werden. Bei Trapezblech-Leichtdächern kommen dann leichte Module oder eine Dachertüchtigung ins Spiel – ein häufiger, projektentscheidender Kostenpunkt. Wie Sie die Tragreserve Ihres Dachs einschätzen, erklärt unser Ratgeber zu Dachstatik und Dachlast; für die Montage auf Wellblech ist der Trapezblechdach-Ratgeber hilfreich.

Netzanschluss: ab ~100 kW meist Mittelspannung

Faustregel: Ab rund 100 kW Einspeiseleistung erfolgt der Anschluss in der Regel auf der Mittelspannungsebene, was einen eigenen Transformator und eine Übergabestation erfordert. Für Erzeugungsanlagen am Mittelspannungsnetz gelten ab 100 kW die technischen Mindestanforderungen der VDE-AR-N 4110. Der genaue Schwellwert hängt vom Netzbetreiber und der Netzsituation vor Ort ab; die Mehrkosten liegen typischerweise bei 10.000–50.000 €, je nach Entfernung zur nächsten Trafostation. Diese Position ist nicht nur teuer, sondern auch zeitkritisch – dazu im Abschnitt Timeline mehr.

Blitz- und Überspannungsschutz

Ab einer gewissen Anlagengröße ist ein Blitz- und Überspannungsschutzkonzept nach VDE üblich – kalkulieren Sie 3.000–8.000 €. Die genauen Anforderungen richten sich nach Anlagengröße und Gebäudeklasse; Details erläutert unser Ratgeber zum PV-Blitzschutz.

Einspeisung, Direktvermarktung und die 100-kWp-Schwelle

Die Vergütungslogik ändert sich abrupt bei 100 kWp – hier machen viele Wettbewerber-Seiten Fehler oder verwechseln die Schwellen.

Leistung Vergütungsform Wert (IBN 01.02.–31.07.2026)
bis 100 kWp feste Einspeisevergütung 5,50 ct/kWh (40–100 kWp, Teileinspeisung)
ab 100 kWp Direktvermarktung (Marktprämie) anzulegender Wert 5,90 ct/kWh (100–400 kWp)
400–1.000 kWp Direktvermarktung (Marktprämie) anzulegender Wert 5,90 ct/kWh
ab 1.000 kWp Volleinspeisung Ausschreibungspflicht (BNetzA) wettbewerblich ermittelt

Quelle: Bundesnetzagentur, EEG-Förderung. Die Sätze unterliegen der halbjährlichen Degression.

Ab 100 kWp installierter Leistung ist die geförderte Direktvermarktung Pflicht: Der eingespeiste Strom wird über das Marktprämienmodell vermarktet, ein Direktvermarkter oder Aggregator übernimmt den Börsenverkauf. Rechtsgrundlage ist § 21 EEG 2023 (Anspruch auf feste Vergütung nur bis 100 kW) in Verbindung mit § 21b EEG 2023 (Veräußerungsformen). Die feste Einspeisevergütung steht nur Anlagen bis 100 kWp offen. Die Marktprämie wird über 20 Jahre gezahlt. Wie das Modell praktisch abläuft und was ein Aggregator kostet, lesen Sie im Direktvermarktungs-Ratgeber; die aktuellen Sätze pflegen wir laufend im Überblick zur Einspeisevergütung 2026.

Wichtig: Die im Solarpaket I vorgesehene Erhöhung des anzulegenden Werts um 1,5 ct/kWh ist beihilferechtlich noch nicht genehmigt – rechnen Sie nicht mit ihr.

Förderung und Finanzierung: KfW 270 und Steuervorteile

Gewerbe-PV wird nicht über einen klassischen Zuschuss gefördert, sondern über zinsgünstige Kredite und steuerliche Abschreibung.

KfW-Kredit 270 „Erneuerbare Energien – Standard": Er finanziert bis zu 100 % der Investitionskosten (bis 150 Mio. € pro Vorhaben) mit Laufzeiten bis 30 Jahre und bis zu 5 tilgungsfreien Anlaufjahren. Die Zinssätze für 15-Jahres-Preisklassen lagen zuletzt bei effektiv rund 4,0–4,5 % (KfW 270). Antragsberechtigt sind Unternehmen aller Größen, Freiberufler und Körperschaften. Details und ein Rechenbeispiel finden Sie im KfW-270-Ratgeber; allgemeine Finanzierungswege erklärt der Überblick zur PV-Finanzierung.

Steuerlicher Investitionsbooster: Für bewegliche Wirtschaftsgüter mit Anschaffung zwischen dem 01.07.2025 und dem 31.12.2027 gilt eine degressive AfA von 30 % p.a. auf den Restbuchwert (§ 7 Abs. 2 EStG / Wachstumsbooster, BMF). Sie ist mit der Sonderabschreibung nach § 7g EStG (bis 40 % Sonder-AfA plus Investitionsabzugsbetrag) kombinierbar. Weil sich die Steuerwirkung stark nach Ihrer individuellen Gewinnsituation richtet, reißen wir sie hier nur an und rechnen sie vollständig auf der Seite zur Gewerbe-PV-Abschreibung durch.

Kein Thema für die meisten Betriebe: Der ab 2026 diskutierte subventionierte Industriestrompreis von 5 ct/kWh gilt nur für besonders energieintensive Unternehmen (maximal rund 2.000 Betriebe, für 50 % ihres Verbrauchs) – für typische Gewerbebetriebe ist er nicht relevant.

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Timeline: Wie lange dauert Planung und Umsetzung?

Die Projektdauer hängt fast vollständig am Netzanschluss.

Anlagengröße Realistische Dauer Kritischer Pfad
unter 100 kWp 4–12 Wochen Anmeldung, Montage
100–500 kWp 3–6 Monate Netzverträglichkeitsprüfung, Mittelspannung
100–300 kWp (Beratung bis IBN) 4–8 Monate Statik, Netzanschluss, Lieferzeiten

Quelle: Branchenangaben (Projektablauf); Netzverträglichkeitsprüfung ab ~100 kW.

Kleine Anlagen unter 100 kWp sind oft in 4–12 Wochen realisierbar. Sobald der Mittelspannungsanschluss und die Netzverträglichkeitsprüfung ins Spiel kommen, sollten Sie für 100–500 kWp realistisch 3–6 Monate einplanen – von der Erstberatung bis zur Inbetriebnahme eher 4–8 Monate. Der häufigste Verzögerungsgrund ist nicht die Montage, sondern die Bearbeitungszeit beim Netzbetreiber.

Ehrliche Nachteile und Risiken

Zu einer belastbaren Entscheidung gehören die Schattenseiten – die auf Verkaufsseiten fast immer fehlen.

  • Börsenpreis- und Negativpreisrisiko: Über 100 kWp tragen Sie in der Direktvermarktung das Marktpreisrisiko. In Stunden negativer Börsenpreise entfällt die Marktprämie (Solarspitzengesetz) – Sie verdienen dann an der Einspeisung nichts.
  • Mittelspannungsanschluss: teuer (10.000–50.000 €) und zeitkritisch (3–6 Monate). In ungünstigen Netzsituationen kann er die Wirtschaftlichkeit spürbar drücken.
  • Dachstatik: Bei alten Hallen kann das Statikgutachten zum Show-Stopper werden oder eine teure Dachertüchtigung erzwingen.
  • Niedrige Einspeisevergütung: Mit 5,50–5,90 ct/kWh trägt die Einspeisung wenig zur Rendite bei. Wer keinen hohen Eigenverbrauch erreicht, sollte die Anlagengröße kritisch prüfen.

Kurz: Die Rentabilität hängt am erreichbaren Eigenverbrauch, nicht am Verkauf ins Netz. Wer das im Angebot nicht sauber durchgerechnet bekommt, sollte nachfragen.

Sonderfall Landwirtschaft und große Dächer

Landwirtschaftliche Betriebe mit großen Scheunen-, Stall- oder Maschinenhallendächern haben oft ideale Flächen und einen hohen Tagesstrombedarf. Die Kosten- und Anschlusslogik entspricht der gewerblichen – Details und agrarspezifische Besonderheiten behandelt unser Ratgeber zu Photovoltaik auf Scheune und Stall. Wer sein Flachdach optimal belegen will, findet die Auslegungsfragen (Aufständerung, Ost-West, Verschattung) im Flachdach-Ratgeber.

Häufige Fragen (FAQ)

Was kostet eine gewerbliche PV-Anlage pro kWp im Jahr 2026?

Schlüsselfertig (netto, ohne Speicher) liegen kleine Gewerbeanlagen von 30–100 kWp bei rund 950–1.300 €/kWp, Anlagen von 100–750 kWp bei etwa 700–1.100 €/kWp. Sehr große Dachanlagen im MW-Bereich erreichen laut ZSW-Gutachten für das BMWK 630–720 €/kWp. Es gilt eine klare Größendegression: je mehr kWp, desto niedriger der Preis pro kWp, weil Planungs-, Anschluss- und Gerüstkosten auf mehr Leistung verteilt werden.

Ab welcher Anlagengröße brauche ich einen Mittelspannungsanschluss?

Faustregel: Ab rund 100 kW Einspeiseleistung erfolgt der Anschluss in der Regel auf der Mittelspannungsebene, was einen eigenen Transformator und eine Übergabestation erfordert. Für Erzeugungsanlagen am Mittelspannungsnetz gelten ab 100 kW die technischen Mindestanforderungen der VDE-AR-N 4110. Der genaue Schwellwert hängt vom jeweiligen Netzbetreiber und der Netzsituation vor Ort ab; die Mehrkosten liegen typischerweise bei 10.000–50.000 €.

Ist die Direktvermarktung ab 100 kWp Pflicht?

Ja. Anlagen über 100 kWp installierter Leistung müssen den eingespeisten Strom über die geförderte Direktvermarktung (Marktprämienmodell) vermarkten – die feste Einspeisevergütung steht nur Anlagen bis 100 kWp offen. Die Marktprämie wird über 20 Jahre gezahlt; ein Direktvermarkter oder Aggregator übernimmt den Börsenverkauf. Für die reine Volleinspeisung ab 1.000 kWp greift zusätzlich die Ausschreibungspflicht der Bundesnetzagentur.

Lohnt sich Photovoltaik auf der Gewerbehalle vor allem über den Eigenverbrauch?

Für die meisten Gewerbe- und Industriebetriebe ja. Die entscheidende Kennzahl ist der Abstand zwischen den Erzeugungskosten der PV-Anlage (rund 8–12 ct/kWh) und dem Netzbezugspreis (2026 ca. 16–17 ct/kWh für KMU). Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart diese Differenz, während die Einspeisevergütung mit 5,50 ct/kWh (40–100 kWp) deutlich niedriger liegt. Betriebe mit Tag-Lastprofil (Produktion, Kühlung, Maschinen) erreichen daher hohe Eigenverbrauchsquoten und die beste Wirtschaftlichkeit.

Wie lange dauern Planung und Genehmigung einer Gewerbe-PV-Anlage?

Kleine Anlagen unter 100 kWp sind oft in 4–12 Wochen realisierbar. Mittlere Anlagen von 100–500 kWp brauchen wegen Netzverträglichkeitsprüfung und Mittelspannungsanschluss meist 3–6 Monate; von der Erstberatung bis zur Inbetriebnahme sollten Betriebe für 100–300 kWp realistisch 4–8 Monate einplanen.

Muss das Hallendach vor der Installation statisch geprüft werden?

In der Regel ja. Ältere Industrie- und Leichtdächer haben oft geringe Zusatzlastreserven, deshalb ist ein Statikgutachten (2.000–5.000 €) übliche Voraussetzung. Es prüft, ob die Zusatzlast aus Modulen und Unterkonstruktion sowie Wind- und Schneelasten getragen werden. Bei Trapezblech-Leichtdächern kommen ggf. leichte Module oder eine Dachertüchtigung ins Spiel – ein häufiger, projektentscheidender Kostenpunkt.

Welche Einspeisevergütung bekommt Gewerbe-PV über 100 kWp?

Über 100 kWp gibt es keine feste Einspeisevergütung mehr, sondern die Marktprämie in der Direktvermarktung. Der anzulegende Wert liegt für Dachanlagen von 100–400 kWp und 400–1.000 kWp jeweils bei 5,90 ct/kWh (Inbetriebnahme 01.02.–31.07.2026). Die im Solarpaket I vorgesehene Erhöhung um 1,5 ct/kWh ist beihilferechtlich noch nicht genehmigt.

Welche Förderung und Finanzierung gibt es für gewerbliche PV?

Der KfW-Kredit 270 „Erneuerbare Energien – Standard" finanziert bis zu 100 % der Investitionskosten (bis 150 Mio. € pro Vorhaben) mit Laufzeiten bis 30 Jahre; die Zinssätze für 15-Jahres-Preisklassen lagen zuletzt bei effektiv rund 4,0–4,5 %. Steuerlich lässt sich der 2025 eingeführte Investitionsbooster nutzen (degressive AfA 30 % für 2025–2027 plus §7g-Sonderabschreibung) – Details dazu auf unserer Abschreibungs-Seite.

Welche Nachteile und Risiken hat eine große Gewerbe-PV-Anlage?

Ehrlich betrachtet: Über 100 kWp trägt der Betreiber in der Direktvermarktung das Börsenpreis- und Negativpreisrisiko – in Stunden negativer Marktpreise entfällt die Marktprämie (Solarspitzengesetz). Der Mittelspannungsanschluss kann teuer und zeitkritisch sein (3–6 Monate), die Dachstatik alter Hallen ein Show-Stopper. Zudem sind die Einspeisevergütungen niedrig, sodass die Rentabilität stark vom erreichbaren Eigenverbrauch abhängt, nicht vom Verkauf ins Netz.

Nächster Schritt: Potenzial Ihres Firmendachs prüfen

Ob sich eine gewerbliche PV-Anlage für Ihr Gebäude rechnet, hängt an wenigen Stellschrauben: Dachfläche und Statik, Ihr Tag-Lastprofil, der erreichbare Eigenverbrauch und die Anschlusssituation vor Ort. Genau diese Faktoren bringt die Gebäudeanalyse von reduco zusammen – sie schätzt das solare Potenzial Ihres Dachs, ordnet es in Ihren Stromverbrauch ein und zeigt, wo der wirtschaftliche Hebel am größten ist. So starten Sie mit belastbaren Zahlen statt mit einem generischen Angebot in die Detailplanung.

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