PV-Fassade: Kosten, Ertrag und Vorteile der Fassaden-Photovoltaik
PV-Fassade 2026: Was Fassaden-Photovoltaik kostet, wie viel Strom sie erzeugt und wann sich Solarmodule an der Fassade lohnen.

Photovoltaik muss nicht immer aufs Dach. Solarmodule an der Gebäudefassade -- sogenannte PV-Fassaden -- erschließen riesige Flächen, die bisher energetisch ungenutzt blieben. In Deutschland stehen schätzungsweise mehrere Milliarden Quadratmeter Fassadenfläche zur Verfügung, die grundsätzlich für die Stromerzeugung geeignet wären. Gerade bei Gebäuden, deren Dach bereits belegt, ungünstig ausgerichtet oder denkmalgeschützt ist, bietet die Fassade eine echte Alternative.
Dieser Ratgeber erklärt, was eine PV-Fassade ist, wie viel Ertrag sie liefert, welche Kosten 2026 realistisch sind und in welchen Fällen sich die Investition lohnt.
Was ist eine PV-Fassade?
Eine PV-Fassade bezeichnet die Installation von Solarmodulen an der vertikalen Außenwand eines Gebäudes. Anders als bei der klassischen Dach-Photovoltaik stehen die Module senkrecht oder nahezu senkrecht. Das beeinflusst den Ertrag, eröffnet aber auch Vorteile -- besonders im Winter.
Zwei Grundtypen der PV-Fassade
Es gibt zwei grundlegend verschiedene Ansätze, Solarmodule an der Fassade zu installieren:
1. Vorgehängte hinterlüftete Fassade mit PV (VHF mit PV)
Konventionelle oder leicht modifizierte PV-Module werden auf einer Unterkonstruktion vor der gedämmten Außenwand montiert. Die Installation funktioniert ähnlich wie eine Aufdach-Anlage, nur eben vertikal an der Fassade. Die Module werden zusätzlich zur bestehenden Fassadenverkleidung angebracht.
- Nachrüstbar bei Bestandsgebäuden
- Standardmodule oder leicht angepasste Formate verwendbar
- Geringere Kosten als vollintegrierte Lösungen
- Sichtbar als eigenständige PV-Anlage auf der Fassade
2. Gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV)
BIPV-Module (Building-Integrated Photovoltaics) ersetzen die konventionelle Fassadenverkleidung vollständig. Das Solarmodul übernimmt gleichzeitig die Funktion der Fassadenbekleidung: Witterungsschutz, Wärmedämmung (als Teil des Gesamtsystems) und Gestaltung. Die Module werden architektonisch in die Gebäudehülle integriert und sind optisch oft kaum von einer herkömmlichen Fassade zu unterscheiden.
- Module sind Teil der Gebäudehülle, nicht Zusatz
- Architektonisch anspruchsvolle Lösungen möglich (Farben, Transparenz, Sonderformate)
- Sowieso-Kosten der konventionellen Fassade werden eingespart
- Besonders wirtschaftlich bei Neubau und Fassadensanierung
Ertrag einer PV-Fassade: Wie viel Strom liefert die Fassade?
Die zentrale Frage bei jeder PV-Fassade: Wie viel Strom erzeugt eine vertikale Fläche im Vergleich zu einer optimal geneigten Dachanlage? Die Antwort hängt von der Himmelsrichtung, dem Standort und der Verschattung ab.
Ertrag nach Ausrichtung
Eine optimal geneigte Dachanlage (ca. 30-35 Grad Neigung, Südausrichtung) erreicht in Deutschland typischerweise 900-1.100 kWh pro kWp und Jahr. Eine vertikale PV-Fassade liefert im Vergleich:
| Ausrichtung der Fassade | Ertrag (kWh/kWp/Jahr) | Anteil vom Dach-Optimum |
|---|---|---|
| Südfassade (vertikal) | 550–750 kWh | ca. 55–70 % |
| Südost-/Südwestfassade | 500–680 kWh | ca. 50–65 % |
| Ost- oder Westfassade | 400–550 kWh | ca. 40–55 % |
| Nordfassade | 200–350 kWh | ca. 20–35 % |
Südfassaden erzielen den höchsten Jahresertrag. Ost- und Westfassaden liefern zwar insgesamt weniger, verteilen die Erzeugung aber gleichmäßiger über den Tag: Die Ostfassade produziert morgens, die Westfassade nachmittags. Das passt oft besser zum Verbrauchsprofil von Bürogebäuden und Haushalten mit Morgen- und Abendspitzen.
Der Wintervorteil der PV-Fassade
Der größte Vorteil einer vertikalen PV-Fassade liegt im saisonalen Erzeugungsprofil. Im Winter steht die Sonne flach -- genau der Winkel, in dem senkrechte Fassadenmodule optimal arbeiten. Eine Südfassade erzeugt im Dezember und Januar anteilig deutlich mehr Strom als eine geneigte Dachanlage:
- Dach-PV (30 Grad): Ertrag stark saisonal, im Sommer 4–5 Mal so viel wie im Winter
- Fassaden-PV (vertikal): Gleichmäßigerer Jahresverlauf, im Winter bis zu 50 % mehr Ertrag pro kWp als eine Dachanlage im gleichen Zeitraum
Für Gebäude mit hohem Winterstrombedarf -- etwa durch eine Wärmepumpe -- ist die Fassaden-PV daher eine ideale Ergänzung zur Dach-PV. Die Kombination beider Anlagen gleicht das saisonale Profil aus und erhöht den ganzjährigen Eigenverbrauch.
Ertrag in der Praxis: Verschattung beachten
In der Praxis wird der Ertrag einer PV-Fassade stärker durch Verschattung beeinflusst als bei Dachanlagen. Nachbargebäude, Bäume, Balkone und Fassadenvorsprünge können den Ertrag erheblich mindern. Eine sorgfältige Verschattungsanalyse durch einen Fachplaner ist deshalb bei Fassaden-PV unverzichtbar.
Kosten einer PV-Fassade 2026
Fassaden-Photovoltaik ist deutlich teurer als eine vergleichbare Dachanlage. Das liegt an der aufwendigeren Montage, den spezielleren Modulformaten und -- bei BIPV -- an der Integration in die Gebäudehülle. Gleichzeitig müssen die Kosten fair bewertet werden: BIPV-Module ersetzen eine konventionelle Fassadenverkleidung, deren Kosten als Sowieso-Kosten gegengerechnet werden können.
Kosten pro Quadratmeter
| Variante | Kosten pro m² (inkl. Montage) | Bemerkung |
|---|---|---|
| VHF mit PV (Standardmodule) | 300–500 € | Konventionelle Module auf Unterkonstruktion |
| BIPV Glas-Glas (monokristallin) | 400–700 € | Ersetzt Fassadenverkleidung, Standardfarbe |
| BIPV farbig / Sonderformate | 500–800 € | Individuelle Farben, semitransparent, Sondermaße |
| BIPV Dünnschicht (CIGS) | 350–600 € | Flexiblere Gestaltung, etwas geringerer Wirkungsgrad |
Zum Vergleich: Eine konventionelle Dach-PV-Anlage kostet 150–250 €/m² Modulfläche. Eine vorgehängte hinterlüftete Fassade ohne PV (z. B. mit Faserzementplatten) kostet bereits 250–400 €/m² -- mehr dazu in unserem Ratgeber Fassadendämmung.
Gesamtkosten einer Fassaden-PV-Anlage
| Anlagengröße | VHF mit PV | BIPV (Standard) | BIPV (farbig/Sonder) |
|---|---|---|---|
| 5 kWp | 15.000–25.000 € | 20.000–35.000 € | 25.000–40.000 € |
| 10 kWp | 30.000–50.000 € | 40.000–60.000 € | 50.000–70.000 € |
| 20 kWp | 55.000–90.000 € | 70.000–110.000 € | 90.000–130.000 € |
Wichtig: Bei BIPV im Neubau oder bei einer ohnehin anstehenden Fassadensanierung müssen die Sowieso-Kosten abgezogen werden. Wer statt einer Glas- oder Natursteinfassade (200–500 €/m²) BIPV-Module verbaut, zahlt als Mehrkosten nur die Differenz -- und diese kann erstaunlich gering ausfallen.
Rechenbeispiel: Eine neue VHF-Fassadenverkleidung mit Faserzementplatten kostet 280 €/m². BIPV-Module kosten 500 €/m². Die energetischen Mehrkosten betragen damit nur 220 €/m² -- und diese amortisieren sich über die Stromerzeugung.
Laufende Kosten
Fassaden-PV hat einen Vorteil bei den Betriebskosten: Vertikale Module verschmutzen weniger als geneigte Dachmodule, da Regen die Fläche gleichmäßig abwäscht und sich kein Laub oder Schnee ansammelt. Die laufenden Kosten beschränken sich auf:
- Versicherung: 50–100 €/Jahr
- Wechselrichter-Austausch nach 12–15 Jahren: 1.500–3.000 €
- Gelegentliche Reinigung (bei starker Verschmutzung): 2–4 €/m²
Wann lohnt sich eine PV-Fassade?
Eine PV-Fassade ist nicht für jedes Gebäude die richtige Lösung. In bestimmten Situationen ist sie aber die sinnvollste -- oder sogar die einzige -- Option für solare Stromerzeugung.
Dach bereits voll belegt oder ungeeignet
Wenn die Dachfläche bereits mit einer PV-Anlage belegt ist, ein Norddach vorliegt, Denkmalschutzauflagen die Dachmontage verhindern oder ein Flachdach nur wenig nutzbare Fläche bietet, ist die Fassade die logische Erweiterung. Gerade bei Mehrfamilienhäusern reicht die Dachfläche oft nicht aus, um den Strombedarf aller Parteien zu decken -- hier kann eine Fassaden-PV in Kombination mit einem Mieterstrom-Modell die Lösung sein.
Neubau mit BIPV als Fassadenmaterial
Der wirtschaftlich attraktivste Fall: Beim Neubau wird die Fassadenverkleidung ohnehin geplant und bezahlt. Wer BIPV-Module statt konventioneller Materialien wählt, zahlt nur die Mehrkosten für die PV-Funktion. Die Fassade erzeugt Strom und schützt gleichzeitig das Gebäude. Im gewerblichen Neubau mit großen, gleichmäßigen Fassadenflächen kann dieser Ansatz besonders wirtschaftlich sein.
Fassadensanierung
Bei einer ohnehin anstehenden Fassadensanierung mit neuer Verkleidung bietet sich die Integration von PV-Modulen an. Die Montagekosten für die Unterkonstruktion fallen in beiden Fällen an, sodass nur die Modulkosten als Zusatzinvestition zu Buche schlagen.
Architektonischer Anspruch
Farbige BIPV-Module, semitransparente Verglasungen oder Module in Sonderformaten ermöglichen eine Gestaltung, die mit konventionellen Fassadenmaterialien nicht möglich wäre. Architekten nutzen BIPV zunehmend als Gestaltungselement, das Funktion und Form verbindet.
Gewerbebau mit großen Fassadenflächen
Industrie- und Gewerbebauten verfügen oft über große, unverschattete Fassadenflächen. In Kombination mit dem hohen Tagesstromverbrauch und der Möglichkeit, den Strom direkt selbst zu nutzen, kann die Wirtschaftlichkeit hier am besten sein. Der Eigenverbrauchsanteil liegt bei gewerblichen Nutzern mit Tagbetrieb typischerweise bei 50–80 %.
BIPV-Technologien im Überblick
Die gebäudeintegrierte Photovoltaik nutzt verschiedene Zelltechnologien und Modulkonzepte, die jeweils eigene Stärken haben.
Kristalline Siliziummodule in Spezialrahmen
Die gängigste BIPV-Technologie verwendet monokristalline Siliziumzellen -- die gleiche Technologie wie auf dem Dach, aber in angepassten Formaten. Die Zellen werden zwischen zwei Glasscheiben laminiert (Glas-Glas-Module) und in Rahmen gefasst, die als Fassadenelement dienen. Wirkungsgrade von 18–22 % sind Standard.
Dünnschichtmodule (CIGS, CdTe)
Dünnschichtmodule auf Basis von Kupfer-Indium-Gallium-Selenid (CIGS) oder Cadmiumtellurid (CdTe) sind leichter und flexibler als kristalline Module. Sie lassen sich auf verschiedene Trägermaterialien aufbringen und erreichen Wirkungsgrade von 12–17 %. Ihr Vorteil: Sie arbeiten bei diffusem Licht und hohen Temperaturen relativ besser als kristalline Module -- ein Pluspunkt für Fassadenanwendungen, bei denen oft kein direktes Sonnenlicht auf die Module trifft.
Semitransparente Module
Semitransparente PV-Module lassen einen Teil des Lichts durch (typischerweise 10–40 % Lichtdurchlass). Sie eignen sich besonders für Fassadenbereiche vor Fenstern, Treppenhäusern oder Atriumverglasungen. Der Effekt: Die Module erzeugen Strom und dienen gleichzeitig als Sonnenschutz, der Blendung und Aufheizung reduziert. Der Wirkungsgrad sinkt mit zunehmendem Lichtdurchlass, liegt aber bei 6–12 %.
Farbige Module
Eine der spannendsten Entwicklungen in der BIPV: Module, die nicht schwarz oder dunkelblau aussehen, sondern in nahezu jeder Farbe erhältlich sind. Technologien wie die von Solaxess (Schweiz) oder Kromatix (EPFL/Schweiz) verwenden spezielle Beschichtungen oder nanostrukturierte Glasoberflächen, die sichtbares Licht in bestimmten Wellenlängen reflektieren und so eine Farbwirkung erzeugen, während der Rest des Spektrums die Solarzelle erreicht. Die Effizienzverluste durch die Farbschicht liegen je nach Farbe bei 10–30 %. Helle Farben (Weiß, Hellgrau) verursachen die größten Verluste, gedeckte Farben (Terrakotta, Grün, Dunkelgrau) die geringsten.
Genehmigung und Baurecht
Anders als eine Dach-PV-Anlage, die in den meisten Bundesländern genehmigungsfrei ist, kann eine PV-Fassade genehmigungspflichtig sein. Die Fassade bestimmt das äußere Erscheinungsbild eines Gebäudes -- und dieses unterliegt dem öffentlichen Baurecht.
Wann ist eine Genehmigung nötig?
- Gestaltungssatzung: Viele Gemeinden haben Gestaltungssatzungen, die Materialien, Farben oder Oberflächenstrukturen der Fassade vorschreiben. PV-Module können gegen solche Vorgaben verstoßen. Farbige BIPV-Module können hier eine Lösung sein.
- Bebauungsplan (B-Plan): Festsetzungen zu Fassadenmaterialien oder -gestaltung im Bebauungsplan können die Installation einschränken.
- Denkmalschutz: Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist eine Fassadenveränderung fast immer genehmigungspflichtig. Ironischerweise ist gerade hier das Dach oft ebenfalls geschützt, sodass die Fassade mit farblich angepassten Modulen manchmal die einzig akzeptable Lösung ist.
- Landesbauordnung: Die Genehmigungsfreiheit für PV-Anlagen ist in den Landesbauordnungen geregelt und gilt in vielen Bundesländern nur für Dachanlagen, nicht automatisch für Fassadenanlagen.
Empfehlung: Klären Sie frühzeitig mit Ihrem zuständigen Bauamt, ob Ihre geplante Fassaden-PV genehmigungspflichtig ist. Ein formloser Vorabantrag kann spätere Überraschungen vermeiden.
Förderung und steuerliche Vorteile
Fassaden-PV wird grundsätzlich genauso gefördert wie Dach-PV. Die wichtigsten Förderinstrumente im Überblick:
EEG-Einspeisevergütung
PV-Fassadenanlagen erhalten die gleiche Einspeisevergütung wie Dachanlagen. Seit Februar 2026 gelten:
| Anlagengröße | Teileinspeisung | Volleinspeisung |
|---|---|---|
| Bis 10 kWp | 7,79 ct/kWh | 12,35 ct/kWh |
| 10–40 kWp | 6,73 ct/kWh | 10,35 ct/kWh |
Fassadenanlagen werden dabei als "Anlagen an Gebäuden" im Sinne des EEG behandelt und erhalten die Gebäude-Vergütungssätze, nicht die niedrigeren Freiflächensätze.
Mehrwertsteuer 0 %
Seit Januar 2023 gilt ein Umsatzsteuersatz von 0 % auf die Lieferung und Installation von PV-Anlagen bis 30 kWp. Diese Regelung gilt unbefristet und schließt Fassadenanlagen ausdrücklich ein -- sofern die Anlage auf, an oder in der Nähe eines Wohngebäudes installiert wird.
KfW-Kredit 270
Der KfW-Kredit 270 ("Erneuerbare Energien -- Standard") finanziert PV-Anlagen einschließlich Fassadenanlagen mit zinsgünstigen Krediten. Er ist nicht auf Dachanlagen beschränkt. Die Konditionen richten sich nach der Bonität und Laufzeit, bieten aber typischerweise günstigere Zinsen als ein herkömmliches Bankdarlehen.
Weitere Fördermöglichkeiten
- Landesförderungen: Einige Bundesländer und Kommunen bieten zusätzliche Zuschüsse für innovative PV-Anwendungen oder BIPV. Die Programme wechseln häufig, eine aktuelle Recherche bei der jeweiligen Landesenergieagentur lohnt sich.
- BAFA-Förderung für Fassadensanierung: Wird die PV-Fassade im Zuge einer energetischen Fassadensanierung installiert, können die Dämmkosten separat über die BAFA-Förderung bezuschusst werden (15 % Grundförderung, mit iSFP-Bonus 20 %).
- Steuerliche Absetzbarkeit (§ 35c EStG): Für selbstnutzende Eigentümer können energetische Sanierungsmaßnahmen alternativ steuerlich abgesetzt werden -- 20 % der Kosten über drei Jahre. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur steuerlichen Absetzbarkeit.
PV-Fassaden in der Praxis: Einsatz in Deutschland
Fassaden-Photovoltaik ist in Deutschland noch ein Nischenmarkt, gewinnt aber an Dynamik. Wohn- und Bürogebäude in verschiedenen deutschen Städten setzen zunehmend auf BIPV-Fassaden. Vor allem im gewerblichen und öffentlichen Bau finden sich Projekte mit großflächigen Solarfassaden -- an Verwaltungsgebäuden, Schulen und Produktionshallen.
Typische Einsatzszenarien
- Büro- und Verwaltungsgebäude: Große, regelmäßige Fassadenflächen und hoher Tagesstromverbrauch machen diese Gebäude zu idealen Kandidaten. Semitransparente Module an der Südfassade kombinieren Stromerzeugung mit Sonnenschutz.
- Mehrfamilienhäuser: Wohnungsbaugesellschaften setzen BIPV-Fassaden ein, um bei begrenzter Dachfläche den solaren Ertrag zu maximieren und Mieterstrommodelle umzusetzen.
- Industriegebäude: Große Wandflächen von Produktions- und Lagerhallen bieten viel Platz für PV-Module, auch wenn die Ausrichtung nicht immer optimal ist.
- Sanierungsprojekte: Bei der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden aus den 1960er- bis 1980er-Jahren werden neue VHF-Fassaden zunehmend mit integrierten PV-Modulen ausgeführt.
Die Forschung in Deutschland treibt die Entwicklung aktiv voran. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) in Freiburg und das Helmholtz-Zentrum Berlin forschen intensiv an neuen BIPV-Technologien, darunter farbige Module, Perowskit-basierte Dünnschichtmodule und leichte Fassadenelemente.
Fassaden-PV vs. Dach-PV: Der direkte Vergleich
| Merkmal | Dach-PV | PV-Fassade (VHF) | BIPV-Fassade |
|---|---|---|---|
| Kosten pro kWp | 1.000–1.500 € | 3.000–5.000 € | 4.000–7.000 € |
| Ertrag (kWh/kWp/Jahr) | 900–1.100 | 400–750 | 400–750 |
| Winterertrag | Gering | Hoch | Hoch |
| Eigenverbrauchsanteil | Mittel | Hoch (mit Dach-PV) | Hoch (mit Dach-PV) |
| Verschmutzung | Mittel | Gering | Gering |
| Architektonische Integration | Begrenzt | Mittel | Sehr gut |
| Genehmigung | Meist frei | Prüfung nötig | Prüfung nötig |
| Sowieso-Kosten | Keine | Keine | Hoch (Fassade) |
| Amortisation | 8–12 Jahre | 15–25 Jahre | 12–20 Jahre (nach Sowieso-Kosten) |
Die längere Amortisationszeit der PV-Fassade relativiert sich, wenn BIPV-Module eine konventionelle Fassadenverkleidung ersetzen. In diesem Fall liegt die reine Mehrkosten-Amortisation oft bei 12–15 Jahren -- vergleichbar mit einer großen Dachanlage.
Häufige Fragen zur PV-Fassade
Lohnt sich eine PV-Fassade wirtschaftlich?
Eine PV-Fassade allein ist teurer pro erzeugter Kilowattstunde als eine Dachanlage. Wirtschaftlich sinnvoll wird sie, wenn das Dach bereits belegt oder ungeeignet ist, wenn BIPV als Fassadenmaterial Sowieso-Kosten ersetzt oder wenn der höhere Winterertrag den Eigenverbrauch erhöht. Bei einem Neubau mit BIPV-Fassade kann die Amortisation der Mehrkosten bei 12--15 Jahren liegen.
Wie viel Strom erzeugt eine PV-Fassade pro Quadratmeter?
Das hängt von Ausrichtung, Verschattung und Modultechnologie ab. Ein typisches kristallines BIPV-Modul an einer Südfassade erzeugt 80--130 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Eine Ost- oder Westfassade liegt bei 60--100 kWh/m². Zum Vergleich: Eine Dachanlage erzeugt 150--200 kWh/m².
Kann ich eine PV-Fassade auch an einem Bestandsgebäude nachrüsten?
Ja, und zwar am einfachsten als vorgehängte hinterlüftete Fassade mit PV-Modulen (VHF mit PV). Die Module werden auf einer Unterkonstruktion vor der bestehenden Wand montiert. Bei einer ohnehin geplanten Fassadensanierung können BIPV-Module direkt als neue Fassadenverkleidung eingesetzt werden.
Ist eine PV-Fassade genehmigungspflichtig?
Möglicherweise ja. Anders als Dachanlagen, die in den meisten Bundesländern genehmigungsfrei sind, kann eine Fassaden-PV durch Gestaltungssatzungen, Bebauungspläne oder Denkmalschutzauflagen eingeschränkt sein. Klären Sie dies frühzeitig mit Ihrem zuständigen Bauamt.
Funktioniert eine PV-Fassade auch auf der Nord-, Ost- oder Westseite?
Ost- und Westfassaden sind durchaus sinnvoll, besonders als Ergänzung zu einer Südfassade oder Dachanlage. Sie liefern morgens bzw. nachmittags Strom und erhöhen so den Eigenverbrauchsanteil. Nordfassaden erzielen nur 20--35 % des Ertrags einer Südausrichtung und sind wirtschaftlich selten sinnvoll, können aber bei architektonischen Gesamtkonzepten eine Rolle spielen.
Wie lange halten PV-Fassadenmodule?
BIPV-Module haben eine erwartete Lebensdauer von 30--40 Jahren. Die Leistungsgarantie der meisten Hersteller liegt bei 25--30 Jahren mit maximal 80 % der Nennleistung. Glas-Glas-Module, wie sie in BIPV typisch sind, gelten als besonders langlebig, da beide Seiten vor Feuchtigkeit und mechanischer Beanspruchung geschützt sind.
Gibt es eine Solarpflicht für Fassaden?
Die bestehenden Solarpflichten der Bundesländer beziehen sich bisher überwiegend auf Dachflächen. Eine explizite Fassaden-Solarpflicht gibt es Stand 2026 in keinem Bundesland. Allerdings kann eine PV-Fassade zur Erfüllung der Dach-Solarpflicht beitragen, wenn die Landesregelung dies zulässt.
Kann ich eine PV-Fassade mit einer Wärmepumpe kombinieren?
Ja, und diese Kombination ist besonders sinnvoll. Eine Wärmepumpe hat den höchsten Strombedarf im Winter -- genau dann, wenn eine vertikale Südfassade anteilig am meisten Strom erzeugt. Die Kombination aus Dach-PV (hoher Sommerertrag) und Fassaden-PV (hoher Winterertrag) mit einer Wärmepumpe maximiert den ganzjährigen Eigenverbrauch und senkt die Stromkosten spürbar. Mehr zur Kombination erfahren Sie in unserem Ratgeber Wärmepumpe und Photovoltaik.
Fazit: Für wen lohnt sich die PV-Fassade?
Die PV-Fassade ist kein Ersatz für die Dachanlage, sondern eine Ergänzung -- oder eine Alternative, wenn das Dach nicht verfügbar ist. Wirtschaftlich am attraktivsten ist sie als BIPV im Neubau oder bei einer Fassadensanierung, wenn die Sowieso-Kosten der konventionellen Fassade gegengerechnet werden. Der höhere Winterertrag macht sie zur idealen Partnerin einer Wärmepumpe, und die architektonischen Möglichkeiten eröffnen Gestaltungsoptionen, die eine Dachanlage nicht bieten kann.
Wer über eine PV-Fassade nachdenkt, sollte frühzeitig einen spezialisierten Fachplaner einbeziehen, die baurechtliche Situation klären und die Wirtschaftlichkeit unter Berücksichtigung der Sowieso-Kosten berechnen. Die Technologie ist ausgereift, die Kosten fallen, und mit der richtigen Planung ist die Fassade eine lohnende Investition in die Energiezukunft des Gebäudes.
Sanierungspotenzial Ihres Gebäudes entdecken
Finden Sie heraus, welche Maßnahmen sich für Ihr Gebäude lohnen – kostenlos und in wenigen Minuten.
Kostenlos Gebäude analysierenVerwandte Artikel
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk? Ehrliche Rechnung für 2026
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk 2026? Kosten, Ersparnis, Amortisation und für wen sich ein Mini-Solaranlage wirklich rechnet — mit konkreten Rechenbeispielen.
RatgeberBalkonkraftwerk mit Speicher: Lohnt sich die Kombination 2026?
Balkonkraftwerk mit Speicher 2026: Was die Kombination kostet, wie viel Strom Sie speichern können und ob sich der Aufpreis wirklich rechnet.
RatgeberBatteriespeicher für Photovoltaik: Lohnt sich ein Stromspeicher 2026?
Batteriespeicher für Photovoltaik 2026: Kosten, Technologien, Wirtschaftlichkeit und ob sich ein Stromspeicher für Ihre PV-Anlage wirklich lohnt.
