KfW-Effizienzhaus: Standards, Förderung & Anforderungen 2026
Alle KfW-Effizienzhaus-Stufen erklärt: EH 40 bis EH Denkmal, Anforderungen an Primärenergie und Transmissionswärmeverlust, bis zu 37.500 EUR Förderung.

Das KfW-Effizienzhaus ist der zentrale Qualitätsstandard für energieeffiziente Gebäude in Deutschland. Die Zahl hinter "Effizienzhaus" gibt an, wie viel Prozent des Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) das Gebäude benötigt. Ein Effizienzhaus 55 verbraucht also nur 55 % der Energie des Referenzgebäudes -- je niedriger die Zahl, desto besser die Energieeffizienz.
Für Sanierer ist der Effizienzhaus-Standard aus zwei Gründen relevant: Erstens definiert er die technischen Anforderungen, die das Gebäude nach der Sanierung erfüllen muss. Zweitens bestimmt er die Höhe der Förderung über das KfW-Programm 261 -- und die kann erheblich sein: bis zu 37.500 EUR Tilgungszuschuss plus zinsgünstiger Kredit bis 150.000 EUR.
Dieser Ratgeber erklärt alle Effizienzhaus-Stufen im Detail, zeigt die technischen Anforderungen, vergleicht die Förderhöhen und hilft Ihnen bei der Entscheidung, welcher Standard für Ihre Sanierung der richtige ist.
Was bedeutet "Effizienzhaus"?
Das Effizienzhaus-System wurde von der KfW zusammen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) entwickelt. Es basiert auf dem GEG-Referenzgebäude -- einem fiktiven Gebäude gleicher Geometrie und Nutzung, das exakt die Mindestanforderungen des GEG erfüllt.
Zwei Kennwerte definieren den Effizienzhaus-Standard:
Primärenergiebedarf (QP): Der gesamte Energiebedarf des Gebäudes einschließlich der vorgelagerten Energiekette (Gewinnung, Umwandlung, Transport). Gemessen in kWh/m²a.
Transmissionswärmeverlust (H'T): Der Wärmeverlust durch die Gebäudehülle (Wände, Dach, Fenster, Boden) bezogen auf die Hüllfläche. Gemessen in W/m²K. Dieser Wert beschreibt die Qualität der Dämmung unabhängig von der Heizung.
Beide Werte müssen die Anforderung der jeweiligen Effizienzhaus-Stufe erfüllen. Es reicht nicht, nur einen guten Primärenergiebedarf zu haben (z. B. durch eine Wärmepumpe) -- die Gebäudehülle muss ebenfalls den Mindeststandard erreichen.
Die Effizienzhaus-Stufen im Überblick
Effizienzhaus-Stufen für die Sanierung
| Effizienzhaus-Stufe | Primärenergiebedarf (QP) | Transmissionswärmeverlust (H'T) | Typische Umsetzung |
|---|---|---|---|
| EH 85 | ≤ 85 % des Referenzgebäudes | ≤ 100 % des Referenzgebäudes | Grundlegende Sanierung: Dämmung, neue Fenster, effiziente Heizung |
| EH 70 | ≤ 70 % des Referenzgebäudes | ≤ 85 % des Referenzgebäudes | Gute Sanierung: Hochwertige Dämmung, Dreifachverglasung, Wärmepumpe |
| EH 55 | ≤ 55 % des Referenzgebäudes | ≤ 70 % des Referenzgebäudes | Umfassende Sanierung: Hohe Dämmstärken, WP, Lüftung mit WRG |
| EH 40 | ≤ 40 % des Referenzgebäudes | ≤ 55 % des Referenzgebäudes | Passivhausnahe Sanierung: Maximale Dämmung, hocheffiziente Technik |
| EH Denkmal | ≤ 160 % des Referenzgebäudes | ≤ 175 % des Referenzgebäudes | Denkmalgeschützte Gebäude mit begrenzten Möglichkeiten |
Effizienzhaus-Stufen für den Neubau
Seit März 2023 fördert die KfW bei Neubauten nur noch den Standard EH 40 mit dem QNG-Siegel (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude). Für die Sanierung gelten weiterhin alle oben genannten Stufen.
Was die Prozentwerte konkret bedeuten
Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Nehmen wir ein EFH mit 130 m² Wohnfläche. Das GEG-Referenzgebäude gleicher Geometrie hätte (vereinfacht) einen Primärenergiebedarf von ca. 100 kWh/m²a und einen H'T-Wert von ca. 0,40 W/m²K.
| Effizienzhaus-Stufe | Max. QP | Max. H'T |
|---|---|---|
| GEG-Referenz (100 %) | 100 kWh/m²a | 0,40 W/m²K |
| EH 85 | 85 kWh/m²a | 0,40 W/m²K |
| EH 70 | 70 kWh/m²a | 0,34 W/m²K |
| EH 55 | 55 kWh/m²a | 0,28 W/m²K |
| EH 40 | 40 kWh/m²a | 0,22 W/m²K |
Hinweis: Die tatsächlichen Referenzwerte hängen von der Gebäudegeometrie (Kompaktheit, A/V-Verhältnis) ab und variieren von Gebäude zu Gebäude. Die obigen Werte sind typisch für ein kompaktes EFH.
Förderung über KfW 261
Das Förderprogramm KfW 261 (Bundesförderung für effiziente Gebäude -- Wohngebäude, Kredit) ist das zentrale Instrument zur Förderung von Effizienzhaussanierungen. Es bietet einen zinsgünstigen Kredit mit einem Tilgungszuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss.
Fördersätze nach Effizienzhaus-Stufe
| EH-Stufe | Förderfähige Kosten/WE | Tilgungszuschuss | Max. Zuschuss/WE | Zinssatz (Richtwert) |
|---|---|---|---|---|
| EH 85 | 120.000 EUR | 5 % | 6.000 EUR | ab 0,01 % |
| EH 70 | 120.000 EUR | 10 % | 12.000 EUR | ab 0,01 % |
| EH 55 | 120.000 EUR | 15 % | 18.000 EUR | ab 0,01 % |
| EH 40 | 120.000 EUR | 20 % | 24.000 EUR | ab 0,01 % |
| EH Denkmal | 120.000 EUR | 5 % | 6.000 EUR | ab 0,01 % |
EE-Klasse: Bonus für erneuerbare Energien
Die EE-Klasse (Erneuerbare-Energien-Klasse) erhalten Gebäude, bei denen erneuerbare Energien mindestens 65 % des Wärme- und Kältebedarfs decken. In der Praxis wird das typischerweise durch eine Wärmepumpe als alleinige Heizung erreicht.
Vorteile der EE-Klasse:
- Tilgungszuschuss steigt um 5 Prozentpunkte
- Förderfähige Kosten steigen von 120.000 auf 150.000 EUR/WE
NH-Klasse: Bonus für Nachhaltigkeit
Die NH-Klasse (Nachhaltigkeits-Klasse) setzt ein Nachhaltigkeitszertifikat nach dem QNG-Standard (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude) voraus. Dieses Zertifikat berücksichtigt neben der Energieeffizienz auch Aspekte wie Schadstofffreiheit der Baustoffe, Barrierefreiheit und Ressourceneffizienz.
Vorteile der NH-Klasse:
- Tilgungszuschuss steigt um 5 Prozentpunkte
- Förderfähige Kosten steigen von 120.000 auf 150.000 EUR/WE
Wichtig: EE-Klasse und NH-Klasse sind nicht kumulierbar. Es gilt der jeweils höhere Bonus. Die NH-Klasse schließt die EE-Anforderung mit ein, sodass die NH-Klasse immer mindestens den gleichen Bonus wie die EE-Klasse bringt.
Gesamtübersicht: Maximale Förderung pro Wohneinheit
| EH-Stufe | Ohne Bonus | Mit EE-Klasse | Mit NH-Klasse |
|---|---|---|---|
| EH 85 | 5 % von 120.000 = 6.000 EUR | 10 % von 150.000 = 15.000 EUR | 10 % von 150.000 = 15.000 EUR |
| EH 70 | 10 % von 120.000 = 12.000 EUR | 15 % von 150.000 = 22.500 EUR | 15 % von 150.000 = 22.500 EUR |
| EH 55 | 15 % von 120.000 = 18.000 EUR | 20 % von 150.000 = 30.000 EUR | 20 % von 150.000 = 30.000 EUR |
| EH 40 | 20 % von 120.000 = 24.000 EUR | 25 % von 150.000 = 37.500 EUR | 25 % von 150.000 = 37.500 EUR |
| EH Denkmal | 5 % von 120.000 = 6.000 EUR | 10 % von 150.000 = 15.000 EUR | 10 % von 150.000 = 15.000 EUR |
Zusätzlich zur Effizienzhaus-Förderung wird die Fachplanung und Baubegleitung mit 50 % bezuschusst. Der Deckel beträgt 5.000 EUR pro Wohneinheit bei Ein- und Zweifamilienhäusern und 2.000 EUR pro Wohneinheit bei Mehrfamilienhäusern.
Die maximale Gesamtförderung bei EH 40 EE/NH beträgt also 37.500 + 5.000 = 42.500 EUR pro Wohneinheit (bei einem EFH).
Tipp: Der KfW-261-Kredit hat 2026 einen Zinssatz ab 0,01 % effektiv. Das ist deutlich günstiger als jeder Bankkredit. Selbst wenn Sie die Sanierung aus Eigenmitteln finanzieren könnten, lohnt es sich, den KfW-Kredit zu nehmen und das eigene Kapital anderweitig anzulegen. Alternativ können Sie die Förderung als reinen Zuschuss (ohne Kredit) beantragen.
Technische Anforderungen pro Effizienzhaus-Stufe
Welche Maßnahmen sind für welche Stufe nötig?
Die folgende Tabelle zeigt die typischen Maßnahmen und U-Werte, die für die jeweilige Effizienzhaus-Stufe bei der Sanierung eines typischen EFH (BJ 1960--1980, freistehend, 130 m²) erforderlich sind:
| Bauteil | EH 85 | EH 70 | EH 55 | EH 40 |
|---|---|---|---|---|
| Außenwand U-Wert | ≤ 0,24 W/m²K (120 mm WDVS) | ≤ 0,20 W/m²K (140 mm WDVS) | ≤ 0,18 W/m²K (160 mm WDVS) | ≤ 0,14 W/m²K (200+ mm WDVS) |
| Dach U-Wert | ≤ 0,20 W/m²K (160 mm MiWo) | ≤ 0,16 W/m²K (200 mm MiWo) | ≤ 0,14 W/m²K (220 mm MiWo) | ≤ 0,11 W/m²K (280+ mm) |
| Fenster Uw-Wert | ≤ 1,1 W/m²K (2-fach) | ≤ 0,95 W/m²K (3-fach) | ≤ 0,90 W/m²K (3-fach, guter Rahmen) | ≤ 0,80 W/m²K (3-fach, Passivhausrahmen) |
| Kellerdecke U-Wert | ≤ 0,30 W/m²K (80 mm) | ≤ 0,25 W/m²K (100 mm) | ≤ 0,22 W/m²K (120 mm) | ≤ 0,18 W/m²K (160 mm) |
| Heizung | Gas-BW + Solar oder WP | Wärmepumpe (empfohlen) | Wärmepumpe (notwendig) | Wärmepumpe (zwingend) |
| Lüftung | Abluftanlage oder Fenster | Empfohlen: zentral WRG | Zentral WRG ≥ 75 % | Zentral WRG ≥ 80 % |
| Wärmebrücken | Pauschaler Zuschlag möglich | Reduzierter Zuschlag | Detaillierter Nachweis | Wärmebrückenfreie Konstruktion |
| Luftdichtheit n50 | ≤ 3,0 1/h | ≤ 2,0 1/h | ≤ 1,5 1/h | ≤ 1,0 1/h |
Hinweis: Die Werte sind Richtwerte. Die genauen Anforderungen ergeben sich aus der Bilanzierung des konkreten Gebäudes. Ein kompaktes Reihenhaus kann mit geringeren Dämmstärken denselben Effizienzhaus-Standard erreichen wie ein freistehendes EFH, da das A/V-Verhältnis günstiger ist. Die Bilanzierung erstellt der Energieberater.
EH 85: Der Einstiegsstandard
Effizienzhaus 85 ist die am einfachsten erreichbare Stufe und der Standard, den viele Altbauten mit einer grundlegenden Sanierung erreichen können. Die Anforderungen an die Gebäudehülle sind moderat -- eine Dämmung auf aktuellem GEG-Niveau und neue Fenster reichen häufig aus. Die Heizung kann eine Gas-Brennwertheizung mit solarer Warmwasserbereitung sein, aber auch eine Wärmepumpe.
Wann EH 85: Wenn das Budget begrenzt ist und eine grundlegende Verbesserung erreicht werden soll. Der Tilgungszuschuss ist mit 5 % (ohne Bonus) allerdings gering. Häufig lohnt sich der Mehraufwand zu EH 70 wirtschaftlich, weil der Tilgungszuschuss von 5 % auf 10 % steigt -- eine Verdopplung für relativ geringe Mehrkosten.
EH 70: Der ausgewogene Standard
Effizienzhaus 70 bietet ein gutes Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Die Dämmstärken sind moderat höher als bei EH 85, und eine Wärmepumpe wird in der Regel empfohlen (aber nicht zwingend erforderlich, wenn der H'T-Wert durch besonders gute Dämmung unterschritten wird).
Wann EH 70: Wenn eine wirtschaftlich optimale Sanierung angestrebt wird. EH 70 ist häufig der Sweet Spot -- der Tilgungszuschuss ist doppelt so hoch wie bei EH 85, die Mehrkosten für die höheren Dämmstärken sind überschaubar, und die Anforderungen an Luftdichtheit und Wärmebrücken sind noch mit vertretbarem Planungsaufwand erreichbar.
EH 55: Der ambitionierte Standard
Effizienzhaus 55 erfordert eine umfassende Sanierung mit hochwertiger Dämmung, Dreifachverglasung, Wärmepumpe und Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Die Anforderungen an die Luftdichtheit (n50 ≤ 1,5 1/h) und die Wärmebrücken (detaillierter Nachweis) steigen deutlich.
Wann EH 55: Wenn Sie den maximalen Effekt aus der Sanierung herausholen möchten und bereit sind, in eine umfassende Lösung zu investieren. EH 55 mit EE-Klasse bringt 20 % Tilgungszuschuss auf 150.000 EUR = 30.000 EUR -- ein erheblicher Förderbetrag, der die Mehrkosten gegenüber EH 70 weitgehend kompensiert.
EH 40: Der Spitzenstandard
Effizienzhaus 40 ist bei Bestandsgebäuden nur mit sehr hohem Aufwand erreichbar. Die Anforderungen an Dämmstärken, Fensterqualität, Luftdichtheit und Wärmebrückenfreiheit sind extrem hoch und erfordern häufig Passivhauskomponenten. Bei vielen Altbauten ist EH 40 technisch nur mit Innendämmung und aufwändigen Detaillösungen machbar.
Wann EH 40: Nur wenn die Bausubstanz die erforderliche Luftdichtheit und Wärmebrückenfreiheit zulässt und das Budget keine Einschränkung darstellt. Die maximale Förderung von 37.500 EUR (mit EE/NH-Klasse) kompensiert die sehr hohen Mehrkosten gegenüber EH 55 in der Regel nicht vollständig.
EH Denkmal: Der Sonderstandard
Effizienzhaus Denkmal wurde für denkmalgeschützte Gebäude und erhaltenswerte Bausubstanz geschaffen, bei denen eine vollständige energetische Sanierung nicht möglich ist (z. B. keine Außendämmung, keine Fensteränderung an der Straßenseite). Die Anforderungen sind bewusst niedrig: 160 % des Referenzgebäudes beim QP und 175 % beim H'T.
Wann EH Denkmal: Immer dann, wenn ein Denkmalschutz oder ein besonderer baurechtlicher Schutz die energetische Sanierung einschränkt. Der Tilgungszuschuss von 5 % (15 % mit EE-Klasse auf 150.000 EUR) macht die Sanierung trotz der eingeschränkten Maßnahmen wirtschaftlich darstellbar.
Effizienzhaus vs. Einzelmaßnahmen: Wann lohnt sich was?
Eine der wichtigsten Entscheidungen bei der Sanierung ist, ob Sie den Effizienzhaus-Weg (KfW 261) oder den Einzelmaßnahmen-Weg (BAFA BEG EM) wählen. Beide Wege schließen sich gegenseitig aus -- Sie können nicht für dieselbe Maßnahme beide Programme nutzen.
| Kriterium | Effizienzhaus (KfW 261) | Einzelmaßnahmen (BAFA BEG EM) |
|---|---|---|
| Voraussetzung | Gesamtsanierung auf EH-Niveau, Energieberater als Planer | Einzelne Maßnahme, Energieberater für Bestätigung |
| Förderart | Kredit + Tilgungszuschuss (oder reiner Zuschuss) | Zuschuss |
| Fördersatz | 5--25 % (je nach EH-Stufe + Boni) | 15 % + 5 % iSFP-Bonus = 20 % (Hülle) |
| Förderfähige Kosten/WE | 120.000--150.000 EUR | 30.000--60.000 EUR pro Kalenderjahr |
| Max. Förderung/WE | Bis 37.500 EUR + 5.000 EUR Baubegl. | Bis 12.000 EUR/a (Hülle mit iSFP) |
| Kredit | Ja, zinsgünstig (ab 0,01 %) | Nein (aber KfW 358/359 Ergänzungskredit möglich) |
| Planungsaufwand | Hoch (Gesamtbilanzierung, Baubegleitung) | Moderat (Einzelnachweis pro Maßnahme) |
| Flexibilität | Alles gleichzeitig | Schrittweise über Jahre |
Entscheidungshilfe
Effizienzhaus (KfW 261) wählen, wenn:
- Sie eine Komplettsanierung planen (alle Gewerke gleichzeitig)
- Die Gesamtkosten über 80.000 EUR liegen
- Ein Effizienzhaus-Niveau realistisch erreichbar ist (Energieberater prüft das)
- Sie einen zinsgünstigen Kredit brauchen/wollen
- Sie einen hohen Tilgungszuschuss anstreben
Einzelmaßnahmen (BAFA BEG EM) wählen, wenn:
- Sie schrittweise sanieren (ein bis zwei Maßnahmen pro Jahr)
- Das Budget pro Jahr auf 30.000--60.000 EUR begrenzt ist
- Sie keinen Kredit benötigen (Zuschuss reicht)
- Kein Effizienzhaus-Niveau angestrebt wird (z. B. nur Dach + Fassade ohne Heizungstausch)
- Sie die steuerliche Absetzung nach § 35c EStG bevorzugen (alternativ zu BEG)
Tipp: Lassen Sie Ihren Energieberater beide Varianten durchrechnen. Häufig zeigt sich, dass der Effizienzhaus-Weg bei einer Komplettsanierung 5.000--15.000 EUR mehr Förderung bringt als der Einzelmaßnahmen-Weg -- obwohl die Planungskosten höher sind. Einen detaillierten Förderungsvergleich finden Sie im Überblick Förderung energetische Sanierung.
Wirtschaftlichkeitsvergleich: EH 85 vs. EH 70 vs. EH 55
Das folgende Rechenbeispiel vergleicht die drei gängigsten Effizienzhaus-Stufen für die Sanierung eines EFH (BJ 1972, 130 m², Ausgangszustand 230 kWh/m²a, Gasheizung):
| Position | EH 85 | EH 70 | EH 55 |
|---|---|---|---|
| Investitionskosten brutto | 78.000 EUR | 95.000 EUR | 118.000 EUR |
| Mehrkosten ggü. EH 85 | -- | +17.000 EUR | +40.000 EUR |
| Tilgungszuschuss (ohne Bonus) | 5 % = 3.900 EUR | 10 % = 9.500 EUR | 15 % = 17.700 EUR |
| Tilgungszuschuss (mit EE) | 10 % von 78.000 = 7.800 EUR | 15 % von 95.000 = 14.250 EUR | 20 % von 118.000 = 23.600 EUR |
| Baubegleitung (50 %, max 5.000) | 3.000 EUR | 3.500 EUR | 4.000 EUR |
| Gesamte Förderung (mit EE) | 10.800 EUR | 17.750 EUR | 27.600 EUR |
| Eigenkosten | 67.200 EUR | 77.250 EUR | 90.400 EUR |
| Endenergiebedarf danach | 95 kWh/m²a | 70 kWh/m²a | 50 kWh/m²a |
| Heizkosten/a (WP) | 1.450 EUR | 1.070 EUR | 760 EUR |
| Heizkostenersparnis ggü. Ausgang | 2.130 EUR/a | 2.510 EUR/a | 2.820 EUR/a |
| Amortisation (3 % Steigerung) | ca. 22 Jahre | ca. 22 Jahre | ca. 22 Jahre |
Ergebnis: Die Amortisationszeiten sind bei allen drei Stufen ähnlich, weil die höheren Investitionskosten durch höhere Förderung und höhere Einsparungen kompensiert werden. EH 70 bietet das beste Verhältnis von Mehrkosten zu Mehrförderung: Die 17.000 EUR Mehrkosten gegenüber EH 85 werden durch 6.950 EUR mehr Förderung und 380 EUR/a mehr Heizkostenersparnis teilweise aufgefangen. EH 55 erfordert 40.000 EUR Mehrkosten, bringt aber auch 16.800 EUR mehr Förderung und 690 EUR/a mehr Einsparung.
Der Weg zum Effizienzhaus: Ablauf
1. Energieberater beauftragen
Ohne einen in der Energieeffizienz-Expertenliste (EEE) eingetragenen Energieberater geht nichts. Der Berater erstellt die Bilanzierung, bestimmt das erreichbare Effizienzhaus-Niveau und begleitet das Projekt bis zur Fertigstellung. Kosten: 3.000--8.000 EUR (EFH), davon werden 50 % (max. 5.000 EUR) über KfW 261 gefördert.
Mehr zur Auswahl und zu den Aufgaben des Energieberaters finden Sie im Ratgeber Energieberater und im Ratgeber KfW-Energieberater.
2. Bilanzierung und Planung
Der Energieberater erstellt eine Energiebilanz des Ist-Zustands (mit Software wie GEG/BKI/Hottgenroth) und simuliert verschiedene Maßnahmenpakete. Er bestimmt, welches Effizienzhaus-Niveau mit welchen Maßnahmen erreichbar ist. Das Ergebnis ist die technische Projektbeschreibung (TPB), die alle Maßnahmen, U-Werte, Anlagentechnik und Nachweise enthält.
3. Förderantrag stellen
Der Energieberater stellt den KfW-261-Antrag über das KfW-Online-Portal. Der Antrag muss vor Auftragserteilung an Handwerker gestellt werden. Die Bearbeitungszeit beträgt ca. 2--4 Wochen. Eine detaillierte Anleitung finden Sie im Ratgeber KfW-Sanierung beantragen.
4. Umsetzung mit Baubegleitung
Während der Bauphase überwacht der Energieberater die Ausführungsqualität: Dämmstärken, Anschlussdetails, Luftdichtheit, Anlagentechnik. Am Ende wird bei EH 55 und besser in der Regel ein Blower-Door-Test (Luftdichtigkeitsmessung) durchgeführt, um die Einhaltung der n50-Anforderung nachzuweisen. Kosten: 300--500 EUR.
5. Bestätigung nach Durchführung (BnD)
Nach Abschluss der Sanierung erstellt der Energieberater die BnD, die bestätigt, dass die Maßnahmen wie geplant umgesetzt wurden und das Effizienzhaus-Niveau erreicht ist. Die BnD wird bei der KfW eingereicht, woraufhin der Tilgungszuschuss gutgeschrieben wird.
Typische Herausforderungen bei der Effizienzhaus-Sanierung
Luftdichtheit im Altbau
Die Anforderungen an die Luftdichtheit (n50 ≤ 1,5--3,0 1/h je nach Stufe) sind bei Altbauten eine der größten Herausforderungen. Undichtigkeiten an Dachanschlüssen, Fensterbänken, Rollladenkästen, Kabeldurchführungen und Installationsschächten müssen systematisch beseitigt werden. Ein Blower-Door-Test während der Bauphase (nicht erst am Ende) hilft, Leckagen rechtzeitig zu finden.
Wärmebrücken
Bei EH 55 und besser ist ein detaillierter Wärmebrückennachweis erforderlich. Das bedeutet, dass der Energieberater jeden kritischen Bauteilanschluss (Fensterlaibung, Sockel, Dachtraufe, Balkonanschluss, Rollladen) einzeln berechnen muss. Pauschalzuschläge, die bei EH 85 noch akzeptiert werden, reichen nicht mehr. Das erhöht den Planungsaufwand, stellt aber sicher, dass die Detaillösungen tatsächlich funktionieren.
Bestandsgeometrie
Viele Altbauten haben ungünstige A/V-Verhältnisse (Außenfläche zu Volumen): Erker, Gauben, verwinkelte Grundrisse, angebaute Garagen oder Wintergärten. Je ungünstiger das A/V-Verhältnis, desto höher müssen die Dämmstärken sein, um denselben Effizienzhaus-Standard zu erreichen. Bei sehr ungünstiger Geometrie kann EH 55 oder EH 40 nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand erreichbar sein.
Bestandsheizung und Wärmeverteilung
Für EH 55 und besser wird in der Regel eine Wärmepumpe benötigt. Wärmepumpen arbeiten am effizientesten mit niedrigen Vorlauftemperaturen (35--45 Grad C). Bestehende Heizkörper aus dem Altbau sind aber häufig auf 55--70 Grad C ausgelegt. In vielen Fällen reichen die vorhandenen Heizkörper nach der Hüllensanierung trotzdem aus (weil der Wärmebedarf so stark sinkt), aber das muss der Energieberater prüfen. Im Worst Case müssen einzelne Heizkörper vergrößert oder durch Niedertemperaturheizkörper ersetzt werden. Kosten: 200--800 EUR pro Heizkörper.
Mehr zu diesem Thema finden Sie im Ratgeber Wärmepumpe im Altbau und Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung.
Effizienzhaus und die neuen EPBD-Energieklassen
Mit der Einführung der neuen Energieklassen A bis G ab Mai 2026 stellt sich die Frage, wie die KfW-Effizienzhaus-Stufen den neuen Klassen entsprechen. Eine exakte Zuordnung ist nicht möglich, da die Effizienzhaus-Stufen relativ zum Referenzgebäude definiert sind, während die EPBD-Klassen absolute Grenzen verwenden. Näherungsweise gilt:
| KfW-Effizienzhaus | Ungefähre EPBD-Klasse | Primärenergiebedarf (typisch) |
|---|---|---|
| EH 85 | C--D | 70--90 kWh/m²a |
| EH 70 | B--C | 55--75 kWh/m²a |
| EH 55 | B | 40--60 kWh/m²a |
| EH 40 | A--B | 25--40 kWh/m²a |
| EH Denkmal | D--E | 100--160 kWh/m²a |
Mehr zu den neuen Energieklassen finden Sie im Ratgeber Energieausweis 2026 und im Artikel Altbau Energieklassen und Sanierungspfade.
Häufige Fragen
Was ist ein KfW-Effizienzhaus?
Ein KfW-Effizienzhaus ist ein Gebäude, das bestimmte energetische Standards erfüllt. Die Zahl (85, 70, 55, 40) gibt an, wie viel Prozent des Primärenergiebedarfs eines GEG-Referenzgebäudes das Haus verbraucht. Je niedriger die Zahl, desto besser die Effizienz. Die KfW fördert die Sanierung zum Effizienzhaus mit dem Programm KfW 261 durch zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse von 5--25 %.
Welches Effizienzhaus-Niveau sollte ich bei der Sanierung anstreben?
EH 70 ist für die meisten Altbauten der wirtschaftliche Sweet Spot: Der Tilgungszuschuss verdoppelt sich gegenüber EH 85, und die Mehrkosten sind moderat. EH 55 lohnt sich, wenn Sie eine umfassende Sanierung mit Wärmepumpe und Lüftung planen. EH 40 ist bei Bestandsgebäuden selten wirtschaftlich. Lassen Sie Ihren Energieberater mehrere Varianten durchrechnen.
Was ist der Unterschied zwischen EE-Klasse und NH-Klasse?
Die EE-Klasse erfordert, dass erneuerbare Energien mindestens 65 % des Wärmebedarfs decken (z. B. durch eine Wärmepumpe als alleinige Heizung). Die NH-Klasse erfordert zusätzlich ein QNG-Nachhaltigkeitszertifikat. Beide Klassen erhöhen den Tilgungszuschuss um 5 Prozentpunkte und die förderfähigen Kosten auf 150.000 EUR/WE. EE und NH sind nicht kumulierbar.
Kann ich mit einer Gasheizung ein Effizienzhaus erreichen?
Ja, EH 85 und unter bestimmten Voraussetzungen EH 70 sind auch mit einer Gas-Brennwertheizung erreichbar, wenn die Gebäudehülle sehr gut gedämmt ist. Ab EH 55 wird eine Wärmepumpe in der Regel notwendig, um den Primärenergiebedarf zu erreichen. Die EE-Klasse (mit dem Bonus von 5 Prozentpunkten und dem höheren Förderdeckel) ist mit einer Gasheizung nicht erreichbar.
Was kostet ein Effizienzhaus-Gutachten?
Die Energieberatung, Bilanzierung und Baubegleitung kosten für ein EFH typischerweise 5.000--8.000 EUR. Davon werden 50 % (max. 5.000 EUR) über KfW 261 gefördert. Ihr Eigenanteil liegt also bei ca. 2.500--3.000 EUR. Dieser Betrag ist gut investiert: Ohne Energieberater keine Effizienzhaus-Förderung, und die Bilanzierung stellt sicher, dass die Maßnahmen technisch und wirtschaftlich optimiert sind.
Wie lange dauert der KfW-261-Antragsprozess?
Die Bearbeitungszeit für den KfW-261-Antrag beträgt ca. 2--4 Wochen. Der Antrag muss vor Auftragserteilung an Handwerker gestellt werden. Die technische Projektbeschreibung (TPB) erstellt der Energieberater und reicht sie digital ein. Nach Förderzusage haben Sie in der Regel 36 Monate Zeit, die Sanierung umzusetzen. Den vollständigen Ablauf beschreibt unser Leitfaden KfW-Sanierung beantragen.
Der KfW-Effizienzhaus-Standard ist das Qualitätslabel für energetische Sanierungen in Deutschland. Er stellt sicher, dass die Sanierung nicht nur einzelne Bauteile verbessert, sondern das Gebäude als Ganzes auf ein definiertes Effizienzniveau hebt. Die Förderung über KfW 261 macht die Effizienzhaus-Sanierung wirtschaftlich attraktiv -- insbesondere bei den Stufen EH 70 und EH 55, wo der Tilgungszuschuss die Mehrkosten gegenüber einer reinen Einzelmaßnahmen-Sanierung mehr als kompensiert.
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