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Ratgeber14 Min. Lesezeit

Solarziegel 2026: 400-450 €/m² Kosten, Hersteller-Vergleich

Solarziegel kosten rund 450 €/m² installiert, klassische PV nur 900-1.500 €/kWp. Wir zeigen Hersteller, Erträge und wann sich der Aufpreis für Sie lohnt.

Dach mit stromerzeugenden Solarziegeln in klassischer Ziegeloptik

Das Wichtigste in Kürze

  • Kosten pro m²: Solarziegel kosten laut Autarq rund 400 €/m² als Material und etwa 450 €/m² installiert. Eine normale Neueindeckung liegt fertig verlegt bei etwa 250 €/m², die Solar-Mehrkosten also bei rund 200 €/m².
  • Vergleich zu klassischer PV: Solarziegel-Systeme liegen bei ca. 3.300-3.800 €/kWp, klassische Aufdach-Photovoltaik bei nur 900-1.500 €/kWp netto. Das ist der Faktor 2,2 bis 4,2.
  • Leistung: Je nach System 120 Wp/m² (Autarq) bis rund 200 Wp/m² (Nelskamp G10 S PV mit 121 Wp je Element). Die Verbraucherzentrale beziffert den Ertragsnachteil gegenüber klassischen Modulen auf mindestens ein Drittel.
  • Vergütung: Solarziegel-Strom bekommt die normale Einspeisevergütung, aktuell 7,70 ct/kWh bei Teileinspeisung bis 10 kWp (Inbetriebnahme 01.08.2026 bis 31.01.2027).
  • Wann sinnvoll: Praktisch nur bei ohnehin fälliger Dachsanierung oder im Neubau, weil dann die Mehrkosten auf wenige tausend Euro schrumpfen, sowie bei Denkmalschutz und hohen optischen Anforderungen.
  • Marktstatus 2026: Die Autarq GmbH leitete im Juni 2025 ein Insolvenzverfahren ein (Weiterführung als Autarq SI GmbH), SunRoof hat sich aus Deutschland zurückgezogen, das Tesla Solar Roof wird hier nicht angeboten.

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Solarziegel, auch Solardachziegel genannt, ersetzen die Dacheindeckung durch stromerzeugende Ziegel. Statt eines aufgesetzten Modulfelds entsteht eine homogene Dachfläche, die aus der Ferne kaum von einem normalen Ziegeldach zu unterscheiden ist. Für diese Optik zahlen Sie allerdings deutlich: rund 450 €/m² installiert gegenüber etwa 250 €/m² für eine klassische Neueindeckung, umgerechnet ca. 3.300-3.800 €/kWp gegenüber 900-1.500 €/kWp für eine gewöhnliche Aufdachanlage. Wer nur günstig Strom erzeugen will, ist mit klassischer Aufdach-Photovoltaik und ihren Solardach-Kosten fast immer besser bedient.

Dieser Ratgeber rechnet den Aufpreis ehrlich durch. Sie erfahren, welche Hersteller in Deutschland 2026 überhaupt noch liefern, wie viel Strom Solarziegel real bringen, wann sich die Investition trotz Aufpreis rechnet und welche Förderung greift. Wenn ohnehin eine Neueindeckung ansteht, lohnt zusätzlich der Blick auf die Reihenfolge von Photovoltaik und Dachsanierung sowie auf die Grundlagen der gebäudeintegrierten Photovoltaik.

Solarziegel gegen klassische Photovoltaik: die harten Zahlen

Die folgende Gegenüberstellung ist der schnellste Einstieg in das Thema. Sie zeigt, worin sich beide Bauformen wirklich unterscheiden, und macht sofort klar, warum Solarziegel eine Nischenlösung bleiben.

Merkmal Solarziegel (dachintegriert) Klassische Aufdach-PV
Preis pro Leistung ca. 3.300-3.800 €/kWp 900-1.500 €/kWp netto
Preis pro m² Dachfläche ca. 450 €/m² installiert (400 €/m² Material) wird üblicherweise je kWp kalkuliert
Leistung je m² Dachfläche 120 Wp/m² (Autarq) bis ca. 200 Wp/m² (Nelskamp) deutlich höher, Ertrag mind. ein Drittel über Solarziegeln
Flächenbedarf je kWp ca. 5,0-5,1 m² (Nelskamp), ca. 8,3 m² (Autarq) geringer
Dachhaut Solarziegel sind die Eindeckung Eindeckung bleibt bestehen
Fehlersuche im Störfall aufwendig, viele Einzelelemente einfach, wenige große Module
Optik homogen, denkmalschutztauglich Modulfeld sichtbar
Beste Eignung Neubau, fällige Neueindeckung, Denkmalschutz intaktes Bestandsdach, Kostenfokus

Die Vergleichsbasis für die klassische Anlage stammt aus den aktuellen Fakten zur Photovoltaik in Deutschland des Fraunhofer ISE: Eine schlüsselfertige Aufdachanlage der 10-kWp-Klasse liegt bei 900-1.500 €/kWp netto, ein Batteriespeicher zusätzlich bei 270-420 €/kWh. Den Ertragsnachteil dachintegrierter Lösungen beziffert die Verbraucherzentrale-Energieberatung auf mindestens ein Drittel gegenüber klassischen Solardächern. Zusätzlich weist sie darauf hin, dass Installation und spätere Fehlersuche aufwendiger und teurer ausfallen.

Was kosten Solarziegel pro Quadratmeter?

Der Marktführer Autarq nennt für seine Solardachziegel rund 400 €/m² Materialpreis und auf der Produktseite etwa 450 €/m² installiert, letzteres als unverbindliche Orientierung für die Systeme der Ziegelpartner Creaton und Jacobi Walther. Zum Vergleich veranschlagt derselbe Hersteller eine Standard-Dacheindeckung ohne Solarfunktion mit rund 250 €/m².

Hier lohnt genaues Hinsehen, denn Autarq beziffert die Solar-Mehrkosten mit etwa 150 €/m². Diese Zahl entsteht, indem der reine Materialpreis von 400 €/m² gegen 250 €/m² für die Standardeindeckung gerechnet wird. In den 250 €/m² stecken laut Hersteller aber ausdrücklich "Material sowie Dachdecker". Vergleicht man fertig verlegt mit fertig verlegt, sind es 450 minus 250, also rund 200 €/m² Mehrkosten. Mit diesem Wert rechnen wir im Folgenden.

Genau diese Differenz ist die Zahl, auf die es ankommt. Wer den vollen Quadratmeterpreis mit einer Aufdachanlage vergleicht, rechnet die Solarziegel systematisch schlecht, sofern das Dach ohnehin neu gedeckt werden muss. Wer umgekehrt nur die Mehrkosten betrachtet, obwohl das Dach intakt ist, rechnet sie systematisch schön.

Kostenposition Richtwert Anmerkung
Solardachziegel, Material ca. 400 €/m² Autarq-Konfigurator, Stand März 2024
Solardachziegel, installiert ca. 450 €/m² Systeme der Ziegelpartner
Standard-Neueindeckung ca. 250 €/m² inkl. Dachdecker, ohne Solarfunktion
Solar-Mehrkosten, fertig verlegt ca. 200 €/m² 450 minus 250 €/m²
Solar-Mehrkosten laut Autarq ca. 150 €/m² Material gegen fertig verlegt gerechnet
Systemkosten je Leistung ca. 3.333 €/kWp Materialpreis, Herstellerangabe
Referenzprojekt Reihenendhaus ca. 40.000 € 9,6 kWp auf ca. 80 m², inkl. Elektrik und Speicher

Autarq gibt die Stromgestehungskosten des eigenen Systems mit 13-15 ct/kWh über 35 Jahre beziehungsweise 17 ct/kWh über 25 Jahre an. Diese Werte sind Herstellerangaben und wohlwollend gerechnet: Sie unterstellen eine sehr lange Nutzungsdauer und keinerlei Ausfälle. Übernehmen Sie sie nicht ungeprüft in Ihre eigene Kalkulation, sondern rechnen Sie konservativ mit 25 Jahren.

Das Referenzprojekt des Herstellers ist ein Reihenendhaus in NRW mit 100 m² nutzbarer Dachfläche. Belegt werden davon rund 80 m², daraus entstehen 9,6 kWp und 7.464 kWh Jahresertrag. Das passt exakt zu den 120 Wp/m² des Systems. Lesen Sie die oft zitierten "knapp 40.000 €" für dieses Projekt genau: Darin stecken laut Autarq neben den Ziegeln auch die Elektrik und ein Batteriespeicher. Für den reinen Dach- und PV-Teil sind es 80 m² zu 450 €/m², also rund 36.000 €. Mit diesem Wert rechnen wir in beiden Beispielen, damit auf beiden Seiten dasselbe verglichen wird.

Hersteller: Wer liefert 2026 Solarziegel in Deutschland?

Der Markt ist klein und hat sich in den vergangenen zwei Jahren spürbar bereinigt. Übrig geblieben sind im Wesentlichen zwei technische Plattformen: die Autarq-Technik, die auch in den Ziegeln etablierter Dachbaustoffhersteller steckt, und die Eigenentwicklung von Nelskamp.

Produkt Leistung je Element Leistung je m² Fläche je kWp Garantie
Autarq Solardachziegel 10 W, ca. 12 Ziegel je m² 120 Wp/m² rechnerisch ca. 8,3 m² 25 Jahre, mind. 80 % Leistung
Wevolt Autarq (Wienerberger) Autarq-Technik wie Autarq wie Autarq 25 Jahre Produkt, 25 Jahre Leistung (80 %)
Nelskamp G10 S PV 121 Wp ca. 200 Wp/m² ca. 5,0 m² 10 Jahre Produkt, 25 Jahre 80 %
Nelskamp Planum PV 97 Wp (XS-Variante 48 Wp) ca. 196 Wp/m² ca. 5,1 m² wie G10 S PV

Autarq: kleinteilig, aber sicherheitstechnisch elegant

Autarq arbeitet mit dem kleinsten Format am Markt. Ein einzelner Solarziegel leistet 10 W, bei rund zwölf Ziegeln je Quadratmeter ergibt das 120 Wp/m². Der große technische Vorteil liegt in der Verschaltung: Das System arbeitet mit Kleinspannung unter 120 V DC, es sitzt keine Leistungselektronik auf dem Dach. Das entschärft die klassischen Sorgen um Lichtbögen und Feuerwehrzugriff. Die Zusatzlast gegenüber einer normalen Eindeckung beträgt rund 10 kg/m², jeder Ziegel wiegt 700-800 g mehr als sein passives Pendant. Autarq garantiert mindestens 80 % der Ursprungsleistung nach 25 Jahren.

Wichtig für die Kaufentscheidung: Die Autarq GmbH leitete im Juni 2025 ein Insolvenzverfahren ein, das Geschäft wird heute von der Autarq SI GmbH fortgeführt. Für Sie als Bauherr heißt das nicht, dass die Technik verschwindet, wohl aber, dass Sie Garantieversprechen über 25 Jahre realistisch bewerten sollten. Eine Garantie ist immer nur so belastbar wie das Unternehmen dahinter. Fragen Sie im Angebot nach, wer die Garantie im Ernstfall trägt und wie die Ersatzteilversorgung geregelt ist.

Wevolt Autarq bei Wienerberger

Die Marke CREATON gehört zu Wienerberger. Das Photovoltaik-Sortiment des Konzerns läuft inzwischen unter dem Namen Wevolt, zuvor WattWerk, und wird über wienerberger.de vertrieben. Wienerberger nennt für das System 25 Jahre Produktgarantie auf Ziegel und Verkabelung, 25 Jahre Leistungsgarantie auf 80 % der Nennleistung und eine mechanische Belastbarkeit von 5.400 Pa; auf den Autarq PV-Wandler gibt es 10 Jahre. Der Vorteil dieser Konstellation: Sie kaufen die Solartechnik über einen etablierten Baustoffhersteller mit funktionierendem Dachdecker-Vertriebsnetz. Ein zweiter Anbieter mit Autarq-Technik ist Jacobi Walther, dort heißt das Produkt Stylist-PV.

Nelskamp: die leistungsstärkere Alternative

Nelskamp geht einen anderen Weg und setzt auf größere Elemente. Der G10 S PV liefert 121 Wp je Element, rund 200 Wp/m² Dachfläche und braucht damit nur etwa 5 m² Dachfläche je kWp. Der Zellwirkungsgrad liegt bei 25,2 %, das System ist in Hagelklasse HW5 (50 mm) eingestuft. Die Mindestdachneigung beträgt 25 Grad bei Verbanddeckung und 30 Grad bei Reihendeckung. Nelskamp gibt 10 Jahre Produktgarantie sowie eine Leistungsgarantie von 90 % nach 10 und 80 % nach 25 Jahren.

Für Dachstein-Dächer bietet Nelskamp das Planum PV mit 97 Wp je Modul, einer XS-Variante mit 48 Wp, rund 196 Wp/m² und ca. 5,1 m² je kWp bei ebenfalls 25,2 % Zellwirkungsgrad. Achten Sie beim Angebotsvergleich genau darauf, welches Modell im Angebot steht. Nelskamp führt neben G10 S PV und Planum PV noch weitere PV-Ziegel für andere Deckungen, und auf Händlerseiten kursieren regelmäßig veraltete Leistungswerte. Lassen Sie sich das aktuelle Datenblatt mit Wp je Element und Wp je m² aushändigen.

SunRoof und Tesla: was aus den Hoffnungsträgern wurde

Zwei Namen tauchen in Suchanfragen regelmäßig auf, spielen in Deutschland aber keine Rolle. SunRoof hat sich aus dem deutschen Markt zurückgezogen: Die deutsche Domain ist abgeschaltet und liefert nur noch einen Fehlercode, auf der verbliebenen Unternehmensseite taucht Deutschland nicht mehr als Markt auf. Das Tesla Solar Roof, das seit Jahren durch Fachartikel geistert, wird in Deutschland bis heute nicht angeboten. Wenn Ihnen ein Anbieter ein Tesla Solar Roof verkaufen will, ist größte Vorsicht angebracht.

Wie viel Strom liefern Solarziegel wirklich?

Der Ertrag ist die Achillesferse der Bauform. Zwei Effekte wirken zusammen: Erstens ist die aktive Zellfläche je Quadratmeter kleiner, weil jeder Ziegel Überdeckungsbereiche, Falze und Ränder braucht. Zweitens sitzen die Zellen direkt in der Dachhaut und werden dadurch wärmer als hinterlüftete Aufdachmodule, was den Wirkungsgrad im Sommer zusätzlich drückt.

In Summe kommt die Verbraucherzentrale-Energieberatung auf einen um mindestens ein Drittel geringeren Energieertrag als bei klassischen Solardächern. Das Autarq-Referenzprojekt bestätigt die Größenordnung: 9,6 kWp auf rund 80 m² belegter Dachfläche ergeben 7.464 kWh im Jahr, also etwa 777 kWh je kWp. Eine gut ausgerichtete Aufdachanlage in Deutschland liegt typischerweise darüber.

Praktisch bedeutet das: Sie brauchen für dieselbe Jahresstrommenge deutlich mehr Dachfläche. Bei Autarq mit 120 Wp/m² sind das rechnerisch über 8 m² je kWp, bei Nelskamp mit rund 200 Wp/m² noch etwa 5 m². Wer ein kleines Dach hat und maximale Strommenge braucht, etwa für Wärmepumpe und E-Auto, sollte deshalb sehr genau prüfen, ob dachintegrierte Ziegel überhaupt in Frage kommen. Für eine Wärmepumpe mit hohem Winterstrombedarf ist jede fehlende Kilowattstunde spürbar, wie der Ratgeber zur Vorlauftemperatur der Wärmepumpe zeigt.

Wirtschaftlichkeit: zwei Rechenbeispiele

Ob Solarziegel sinnvoll sind, entscheidet sich nicht an der Technik, sondern an einer einzigen Frage: Muss das Dach ohnehin neu gedeckt werden?

Beispiel 1: Die Dachsanierung steht ohnehin an

Ausgangslage ist das Autarq-Referenzhaus mit 80 m² belegter Dachfläche und 9,6 kWp. Der Batteriespeicher bleibt auf beiden Seiten außen vor, weil er mit der Bauform des Dachs nichts zu tun hat.

Variante Rechnung Summe
Solarziegel, fertig verlegt 80 m² × 450 €/m² ca. 36.000 €
Neueindeckung + Aufdach-PV 80 m² × 250 €/m² = 20.000 € plus 9,6 kWp × 900-1.500 €/kWp 28.640-34.400 €
Mehrkosten Solarziegel Differenz ca. 1.600-7.400 €

In diesem Fall sind die Mehrkosten überschaubar. Für 1.600-7.400 € kaufen Sie im Wesentlichen Optik, dazu ein Dach ohne aufgesetztes Modulfeld und ohne Dachdurchdringungen für Montageschienen. Diesen Aufpreis kann man vertreten, wenn Ihnen das Erscheinungsbild wichtig ist. Rechnen Sie aber gegen, dass die Aufdachvariante bei gleicher installierter Leistung mehr Strom liefert und im Störfall leichter zu reparieren ist.

Beispiel 2: Das Dach ist intakt

Jetzt kippt die Rechnung vollständig. Solarziegel erfordern eine komplette Neueindeckung, also rund 36.000 € für 9,6 kWp. Eine gleich starke Aufdachanlage kostet 8.640-14.400 €. Das ist der Faktor 2,5 bis 4,2.

Der jährliche Nutzen der Solarziegel-Anlage sieht so aus, gerechnet mit 7.464 kWh Jahresertrag, 30 % Eigenverbrauch und einem angenommenen Haushaltsstrompreis von 37 ct/kWh:

Position Menge Wert
Eigenverbrauch (30 %) 2.239 kWh × 0,37 € ca. 828 €
Einspeisung (70 %) 5.225 kWh × 0,077 € ca. 402 €
Summe Jahresnutzen ca. 1.230 €

Bei 36.000 € Gesamtkosten ergibt das eine statische Amortisationszeit von rund 29 Jahren. Das liegt jenseits der 25-jährigen Leistungsgarantie und jenseits jeder vernünftigen Investitionsrechnung. Auf einem intakten Dach lautet die Empfehlung deshalb klar: Aufdachanlage.

Denkmalschutz: der stärkste Anwendungsfall

Der Grund, aus dem Solarziegel überhaupt existieren, ist die Optik. Genau deshalb sind sie im Denkmalschutz oft die einzige genehmigungsfähige Lösung. Farbe, Format und Oberfläche lassen sich so wählen, dass sich das Dach in ein historisches Ensemble einfügt, während ein aufgesetztes Modulfeld abgelehnt würde. Die Verbraucherzentrale nennt exakt diese beiden Einsatzfelder: optische Gründe und denkmalgeschützte Häuser.

Wichtig ist dabei ein verbreitetes Missverständnis. Es gibt keine bundeseinheitliche Regel, nach der Solarziegel auf Denkmälern erlaubt wären. Denkmalschutz ist Landesrecht, und jede Genehmigung ist eine Einzelfallentscheidung der zuständigen Denkmalbehörde. Manche Behörden verlangen Musterziegel, Fotomontagen oder eine Beschränkung auf die straßenabgewandte Dachfläche.

Praktischer Ablauf: Klären Sie die Genehmigung immer vor Vertragsschluss mit dem Dachdecker. Ein unterschriebener Auftrag über 36.000 €, der anschließend an der Denkmalbehörde scheitert, ist der teuerste Fehler in diesem Themenfeld. Vertiefend hilft der Ratgeber zu Photovoltaik unter Denkmalschutz.

Förderung und Steuern 2026

Für den Photovoltaik-Teil einer Solarziegel-Anlage gibt es 2026 keinen Investitionszuschuss. Weder BAFA noch KfW zahlen einen Zuschuss für private PV, das Programm KfW 442 ist beendet. Was bleibt, sind vier Bausteine.

Baustein Konditionen 2026 Wirkung im Beispiel
Einspeisevergütung 7,70 ct/kWh Teileinspeisung bis 10 kWp ca. 402 €/Jahr bei 5.225 kWh Einspeisung
Umsatzsteuer 0 % auf PV-Anlage inkl. Speicher spart bei 15.000 € PV-Anteil ca. 2.850 €
Einkommensteuer Einnahmen bis 30 kWp steuerfrei keine Steuer auf Vergütung und Eigenverbrauch
KfW 270 Kredit bis 100 % der Investition Finanzierung der gesamten Investition möglich

Einspeisevergütung: Für die Inbetriebnahme zwischen dem 01.08.2026 und dem 31.01.2027 gelten laut Bundesnetzagentur bei Teileinspeisung 7,70 ct/kWh bis 10 kWp und 6,66 ct/kWh im Segment 10-40 kWp. Bei Volleinspeisung sind es 12,22 ct/kWh bis 10 kWp und 10,24 ct/kWh von 10-40 kWp. Für Solarziegel gelten dieselben Sätze wie für jede andere Gebäudeanlage, einen Bonus für die Bauform gibt es nicht. Die Details finden Sie in der Übersicht der Einspeisevergütung 2026.

Umsatzsteuer: Seit 2023 gilt nach § 12 Abs. 3 UStG ein Steuersatz von 0 % auf Lieferung und Installation von Solarmodulen samt wesentlicher Komponenten und Speicher für Wohngebäude. Bei Solarziegeln ist das eine Abgrenzungsfrage: Begünstigt ist die Photovoltaikanlage, nicht die komplette Dachsanierung. Lassen Sie sich im Angebot getrennt ausweisen, welcher Anteil auf die PV-Anlage entfällt, sonst gibt es später Streit mit dem Finanzamt.

Einkommensteuer: Einnahmen aus PV-Anlagen bis 30 kWp auf Einfamilienhäusern sind nach § 3 Nr. 72 EStG steuerfrei, und zwar bereits seit dem Veranlagungszeitraum 2022, nicht erst seit 2023.

KfW 270: Der Förderkredit "Erneuerbare Energien Standard" finanziert PV-Anlagen inklusive Solarziegel-Systemen und Speicher mit bis zu 100 % der Investitionskosten. Der Zins ist tagesaktuell und lag am 06.08.2026 effektiv bei rund 3,98-4,91 %. Details stehen im KfW-Ratgeber zur Photovoltaik-Förderung.

Dämmung als Zusatzhebel: Wird im Zuge der Dachsanierung gedämmt, greift die Bundesförderung für effiziente Gebäude. Für Maßnahmen an der Gebäudehülle zahlt das BAFA 15 % Zuschuss, mit individuellem Sanierungsfahrplan 20 %; förderfähig sind 30.000 € je Wohneinheit, mit iSFP 60.000 €. Beachten Sie die Verschärfung vom 21. Juli 2026: Den iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten gibt es nur noch ab einem förderfähigen Volumen von 30.000 €. Eine reine Dachdämmung darunter bleibt bei 15 %. Bei 30.000 € Dämmkosten sind mit iSFP bis zu 6.000 € Zuschuss drin. Der Photovoltaik-Anteil der Solarziegel ist dagegen nicht BEG-förderfähig.

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Fünf teure Denkfehler bei Solarziegeln

  1. Solarziegel auf intaktem Dach rechnen, ohne die Alternative korrekt gegenzurechnen. Wer die Neueindeckungskosten unterschlägt, kommt auf viel zu attraktive Ergebnisse.
  2. Herstellerangaben zu Stromgestehungskosten ungeprüft übernehmen. 13-15 ct/kWh gelten über 35 Jahre. Über realistische 25 Jahre nennt Autarq selbst 17 ct/kWh.
  3. Herstellerbeispiele als Preisschild lesen. Die oft zitierten "knapp 40.000 €" aus dem Autarq-Konfigurator enthalten Elektrik und einen Batteriespeicher. Für das reine Solardach sind es im selben Projekt rund 36.000 €.
  4. Denkmalschutz als bundeseinheitlich behandeln. Die Genehmigung ist Landesrecht und Einzelfallentscheidung.
  5. Einen BAFA-Zuschuss für den PV-Teil einplanen. Den gibt es nicht, weder für Solarziegel noch für klassische Anlagen.

Für wen lohnen sich Solarziegel?

Sinnvoll sind Solarziegel, wenn mindestens zwei der folgenden Punkte auf Sie zutreffen:

  • Das Dach muss ohnehin in den nächsten ein bis zwei Jahren neu eingedeckt werden, oder Sie bauen neu.
  • Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, in einer Erhaltungssatzung oder in einem gestalterisch sensiblen Umfeld.
  • Ihnen ist die geschlossene Dachoptik so viel wert, dass Sie einen vierstelligen Aufpreis akzeptieren.
  • Die Dachfläche ist groß genug, dass der geringere Flächenertrag Ihren Strombedarf trotzdem deckt.

Gegen Solarziegel sprechen ein intaktes Dach, ein knapper Flächenzuschnitt, ein hoher Strombedarf durch Wärmepumpe und E-Auto sowie eine reine Renditebetrachtung. In all diesen Fällen ist die klassische Aufdachanlage die bessere Investition. Wenn Sie ohnehin über die Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe nachdenken, zählt jede erzeugte Kilowattstunde doppelt.

Häufige Fragen (FAQ)

Was kosten Solarziegel pro Quadratmeter?

Nach Herstellerangabe von Autarq rund 400 €/m² als Material und etwa 450 €/m² fertig verlegt. Eine normale Ziegel-Neueindeckung kostet inklusive Dachdecker ca. 250 €/m², die Solar-Mehrkosten liegen fertig verlegt also bei rund 200 €/m². Autarq selbst nennt 150 €/m², vergleicht dabei aber den Materialpreis mit einer verlegten Eindeckung. Auf die Leistung umgerechnet sind es ca. 3.300-3.800 €/kWp.

Sind Solarziegel teurer als eine normale Photovoltaikanlage?

Ja, deutlich. Klassische Aufdach-PV kostet schlüsselfertig ca. 900-1.500 €/kWp netto laut Fraunhofer ISE, Solarziegel gut das Doppelte bis rund das Vierfache. Nur wenn die Dachsanierung ohnehin ansteht, schrumpft die Differenz, weil die Kosten der normalen Neueindeckung entfallen. Dann bleiben im Beispielprojekt nur noch 1.600-7.400 € Mehrkosten.

Wie viel Leistung bringen Solarziegel pro m²?

Je nach System 120 Wp/m² bei Autarq mit 10 W pro Ziegel bis rund 200 Wp/m² bei Nelskamp G10 S PV mit 121 Wp je Element und etwa 5 m² Fläche pro kWp. Die Verbraucherzentrale beziffert den Ertragsnachteil gegenüber klassischen Modulen auf mindestens ein Drittel. Für dieselbe Strommenge brauchen Sie also spürbar mehr Dachfläche.

Lohnen sich Solarziegel wirtschaftlich?

Auf einem intakten Dach fast nie: rund 36.000 € für 9,6 kWp gegenüber 8.640-14.400 € für eine gleich starke Aufdachanlage, bei einer statischen Amortisation von etwa 29 Jahren. Bei ohnehin fälliger Neueindeckung betragen die Mehrkosten dagegen oft nur wenige tausend Euro. Dann kann sich die Kombilösung rechnen, vor allem wenn Ihnen die Optik wichtig ist.

Sind Solarziegel bei Denkmalschutz erlaubt?

Häufig ja, gerade dafür werden sie eingesetzt, weil sie sich farblich und formal in historische Dächer einfügen. Die Genehmigung ist aber Landesrecht und immer eine Einzelfallentscheidung der zuständigen Denkmalbehörde. Fragen Sie dort an, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben, und legen Sie Musterziegel oder Fotomontagen vor.

Welche Hersteller bieten Solarziegel in Deutschland an?

Autarq, heute Autarq SI GmbH, mit den Partnern Jacobi Walther (Stylist-PV) und Wienerberger, wo die Technik unter der Marke Wevolt läuft, sowie Nelskamp mit dem G10 S PV (121 Wp) und dem Planum PV (97 Wp). SunRoof hat sich aus dem deutschen Markt zurückgezogen. Das Tesla Solar Roof wird in Deutschland nicht angeboten.

Gibt es Förderung für Solarziegel?

Einen Zuschuss für den Photovoltaik-Teil gibt es nicht. Es gelten aber 0 % Umsatzsteuer nach § 12 Abs. 3 UStG, Einkommensteuerfreiheit nach § 3 Nr. 72 EStG, die Einspeisevergütung und der KfW-Kredit 270 mit bis zu 100 % Finanzierung. Wird im Zuge der Dachsanierung gedämmt, gibt es dafür 15 % Zuschuss aus der BEG EM, mit iSFP 20 %, den Bonus allerdings erst ab 30.000 € förderfähigem Volumen.

Bekommen Solarziegel die normale Einspeisevergütung?

Ja, als Gebäudeanlage gelten dieselben Sätze wie für jede andere Photovoltaikanlage: 7,70 ct/kWh bei Teileinspeisung bis 10 kWp und 12,22 ct/kWh bei Volleinspeisung, jeweils für die Inbetriebnahme zwischen 01.08.2026 und 31.01.2027 laut Bundesnetzagentur. Im Segment 10-40 kWp sind es 6,66 beziehungsweise 10,24 ct/kWh.

Wie lange halten Solarziegel?

Die Hersteller garantieren 25 Jahre lang mindestens 80 % der Nennleistung, das gilt sowohl für Autarq als auch für Nelskamp. Wienerberger gibt für Wevolt Autarq zusätzlich 25 Jahre Produktgarantie auf Ziegel und Verkabelung sowie 10 Jahre auf den PV-Wandler, Nelskamp 10 Jahre Produktgarantie und 90 % der Nennleistung nach 10 Jahren. Prüfen Sie angesichts der Marktbereinigung, wer die Garantie im Ernstfall trägt.

Nächster Schritt: erst das Dach bewerten, dann die Ziegel

Die Entscheidung für oder gegen Solarziegel fällt nicht am Produkt, sondern am Zustand Ihres Dachs. Steht die Neueindeckung an, ist der Aufpreis überschaubar und die Optik ein echtes Argument. Ist das Dach intakt, spricht die Wirtschaftlichkeit klar für eine klassische Aufdachanlage.

Mit der Gebäudeanalyse von reduco.ai können Sie beides in einem Schritt bewerten: Restlebensdauer und Sanierungsbedarf des Dachs, das realistische Solarpotenzial Ihrer Dachflächen und die passende Reihenfolge der Maßnahmen inklusive Förderung. So sehen Sie schwarz auf weiß, ob Ihr Haus überhaupt zu den Fällen gehört, in denen sich Solarziegel rechnen, bevor Sie ein fünfstelliges Angebot einholen.

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