Fassadendämmung: 6 Dämmstoffe im Vergleich 2026 (λ & Preis)
EPS, Steinwolle, Holzfaser oder Resol? Bemessungswerte von 0,022 bis 0,045, Brandklassen und die Dicke für U 0,20 – plus warum Material nur 30 % der Kosten ist.
Was kostet eine Fassadendämmung?
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Hendrik Stotz
31. August 2026
Hendrik ist zertifizierter Energieeffizienz-Experte und bringt durch seinen Bachelor of Engineering und Master of Science tiefe Expertise in den Bereichen Sanierung und Gebäudeenergiesysteme mit sich. Seit fast 7 Jahren beschäftigt er sich angefangen bei Bosch Building Technologies mit Gebäudetechnik und verfolgt mit Reduco die Mission, so viele Eigentümer, Berater und Installateure wie möglich bei der Planung von wirtschaftlich sinnvollen Sanierungen zu unterstützen.

Das Wichtigste in Kürze
- Wärmeleitfähigkeit: Die Bemessungswerte gängiger Fassadendämmstoffe reichen von 0,022 W/(m·K) (Resol-Hartschaum) bis 0,045 W/(m·K) (Mineralschaum). Daraus folgt der praktisch wichtigste Unterschied: die nötige Aufbaudicke.
- Dicke für die Förderung: Für den geforderten U-Wert 0,20 W/(m²·K) braucht eine typische unsanierte Altbauwand je nach Material rund 10 cm (Resol) bis 20 cm (Mineralschaum). Graues EPS liegt bei etwa 14 cm, Holzfaser bei 18 cm.
- Brandschutz: Nichtbrennbar (Euroklasse A1) sind als Produkt nur Steinwolle und Mineralschaum. EPS ist als Produkt Euroklasse E, schwerentflammbar wird erst das fertige System mit Putz.
- Kosten: Auf das Material entfallen nur rund 30 Prozent der Kosten, ein komplettes WDVS kostet 160–190 €/m². Ein Materialaufpreis von 10 €/m² verschiebt den Endpreis deshalb nur um etwa 6 Prozent.
- Förderung: 15 % Zuschuss für die Gebäudehülle, mit iSFP-Bonus 20 % ab 30.000 € Investitionsvolumen. Gesetzlich gefordert sind nur 0,24 W/(m²·K), gefördert wird erst ab 0,20.
- Kerndämmung: Im bestehenden zweischaligen Mauerwerk gilt kein U-Wert, sondern λ ≤ 0,035 W/(m·K). EPS-Granulat erreicht 0,033 und ist damit förderfähig, andere Schüttdämmstoffe liegen teils darüber.
Die Materialfrage wird fast immer als Preisfrage gestellt. Das ist der teuerste Denkfehler an der Fassade, denn auf den Dämmstoff entfallen nur rund 30 Prozent der Kosten. Gerüst, Löhne, Putz, Laibungen und Anschlüsse fallen bei jedem Material identisch an. Wer statt EPS eine Holzfaserplatte wählt, zahlt am Ende ungefähr 6 Prozent mehr für das Gesamtprojekt, nicht das Doppelte. Die Materialwahl ist damit die billigste Stellschraube am ganzen Vorhaben.
Was die Materialien wirklich trennt, ist etwas anderes: Dicke, Brandklasse und Feuchteverhalten. Zwischen dem dünnsten und dem dicksten der hier verglichenen Dämmstoffe liegt bei identischem U-Wert ein Faktor 2 in der Aufbaudicke, und genau das entscheidet bei Grenzbebauung, knappem Dachüberstand oder tiefen Fensterlaibungen über die Machbarkeit. Dieser Artikel vergleicht die Materialien innerhalb der Fassade. Welches System dabei überhaupt in Frage kommt und was es kostet, klärt der Ratgeber Fassadendämmung Kosten 2026: 4 Methoden im Vergleich; die Materialübersicht über alle Bauteile, also auch Dach und Keller, steht im großen Dämmstoff-Vergleich.
Die sechs Fassadendämmstoffe im Direktvergleich
Alle Werte in dieser Tabelle sind Bemessungswerte aus aktuellen Herstellerdatenblättern, nicht die häufig zitierten Nennwerte oder Wärmeleitgruppen. Warum das ein Unterschied ums Geld ist, steht im nächsten Abschnitt.
| Dämmstoff (Beispielprodukt) | λ Bemessungswert | Euroklasse (Produkt) | μ | Dicke für U ≤ 0,20 | Diffusion |
|---|---|---|---|---|---|
| EPS grau, Grafit (Sto Top32) | 0,032 W/(m·K) | E | 20–50 | ca. 14 cm | bremsend |
| Steinwolle, Putzträgerplatte (Rockwool Coverrock X-2) | 0,035 W/(m·K) | A1 nichtbrennbar | 1 | ca. 15–16 cm | offen |
| Steinwolle, Lamellenplatte (Rockwool Speedrock II) | 0,041 W/(m·K) | A1 nichtbrennbar | 1 | ca. 18 cm | offen |
| Holzfaser (Gutex Thermowall) | 0,042 W/(m·K) | E | 4 | ca. 18 cm | offen |
| Resol-Hartschaum (Kingspan Kooltherm K5) | 0,022 W/(m·K) | organisch, brennbar | k. A. | ca. 10 cm | k. A. |
| Mineralschaum (Multipor Mineraldämmplatte) | 0,045 W/(m·K) | A1 nicht brennbar | 3 | ca. 20 cm | offen |
Quellen: aktuelle Herstellerdatenblätter von Sto, Rockwool, Gutex, Kingspan und Xella/Multipor; Dicken eigene Berechnung, Methode siehe unten. Bei Resol nennt das Produktblatt weder Euroklasse noch μ-Wert; die verbindliche Klassifizierung steht in der jeweiligen Systemzulassung.
Polyurethan beziehungsweise PIR erreicht ähnlich niedrige Werte wie Resol, spielt an der Putzfassade aber eine Nebenrolle und wird überwiegend im Dach und unter Estrich eingebaut. Für einen belastbaren Zahlenvergleich an der Fassade fehlen dafür herstellerseitig ausgewiesene WDVS-Datenblätter, deshalb steht PIR hier bewusst nicht in der Tabelle.
Nennwert oder Bemessungswert: welche Zahl im Angebot zählt
Auf Datenblättern stehen zwei Lambda-Zahlen. Der Nennwert λ_D ist der aus der Produktprüfung abgeleitete Wert nach der jeweiligen Produktnorm. Der Bemessungswert λ liegt nach DIN 4108-4 typischerweise eine Stufe darüber und ist die Zahl, mit der ein Planer rechnen darf. Bei der Rockwool-Putzträgerplatte sind das 0,034 gegenüber 0,035, bei Kingspan Kooltherm K5 0,021 gegenüber 0,022, bei der Sto-Dämmplatte Top32 0,031 gegenüber 0,032.
Das klingt nach Kommastellen-Pedanterie, ist aber förderrelevant. Die Nachweisregeln der BEG-Einzelmaßnahmen verlangen ausdrücklich Herstellernachweise zu den Bemessungswerten der Wärmeleitfähigkeit der verbauten Materialien. An der Grenze λ ≤ 0,035, die für die Kerndämmung gilt, entscheidet genau diese Umstellung über die Förderfähigkeit: Ein Produkt mit Nennwert 0,034 und Bemessungswert 0,035 liegt noch drin, ein Produkt mit Nennwert 0,035 nicht mehr. Prüfen Sie im Angebot deshalb, ob der genannte Lambda-Wert als Bemessungswert ausgewiesen ist. Die weiteren Prüfpunkte einer WDVS-Position finden Sie in der Checkliste zum Fassadendämmungs-Angebot.
Wie dick wird es? Dämmstärke für U 0,20
Die folgende Tabelle ist eine Beispielrechnung, keine zitierte Fremdquelle. Angenommen ist eine unsanierte Altbau-Außenwand aus 36,5 cm Vollziegel mit einem Ausgangs-U-Wert von 1,4 W/(m²·K), das entspricht einem Wärmedurchlasswiderstand von 0,71 m²K/W einschließlich der Wärmeübergangswiderstände. Gerechnet wird U = 1 / (R_Bestand + d/λ).
| Dämmstoff (λ Bemessungswert) | Dicke für U ≤ 0,20 (Förderung) | Dicke für U ≤ 0,24 (Pflicht) |
|---|---|---|
| Resol 0,022 | 9,4 cm, praxisnah 10 cm | 7,6 cm |
| EPS grau 0,032 | 13,7 cm, praxisnah 14 cm | 11,0 cm |
| Steinwolle 0,035 | 15,0 cm, praxisnah 16 cm | 12,1 cm |
| Steinwolle-Lamelle 0,041 | 17,6 cm, praxisnah 18 cm | 14,2 cm |
| Holzfaser 0,042 | 18,0 cm | 14,5 cm |
| Mineralschaum 0,045 | 19,3 cm, praxisnah 20 cm | 15,5 cm |
Die Methode lässt sich gegenprüfen: Die Verbraucherzentrale kommt in ihrem Rechenbeispiel mit 16 cm von U 1,5 auf 0,19 W/(m²·K). Rückwärts gerechnet entspricht das einem Lambda von rund 0,035, also exakt dem Standard-Bemessungswert für Steinwolle und weißes EPS. Die Rechnung reproduziert damit eine unabhängige Quelle.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist die Tabelle eine Altbau-Orientierung und kein Ersatz für die Bauteilberechnung Ihres Planers. Ist die Wand schon leicht gedämmt oder als zweischaliges Mauerwerk besser aufgebaut, etwa mit U 0,8 im Bestand, sinken die Werte um rund 2 cm; für EPS 0,032 wären es dann 12,0 statt 13,7 cm. Zweitens gilt der Spitzenwert von Resol nur, solange das System an dieser Wand überhaupt zulässig ist. Sätze wie „16 cm sind Pflicht" sind falsch, richtig ist: rund 15 bis 16 cm bei einer typischen unsanierten Altbauwand mit einem Dämmstoff der Klasse 035.
Die eigentliche Kernaussage der Tabelle: Zwischen Resol mit 10 cm und Mineralschaum mit 20 cm liegt bei gleichem U-Wert der Faktor 2. Wenn Ihr Dachüberstand 12 cm hergibt, das Nachbargrundstück direkt anschließt oder die Fensterlaibungen sonst zu tief werden, ist das die Entscheidung. In allen anderen Fällen sind 4 cm Mehrdicke ein Detail und kein Ausschlusskriterium.
Was das Material wirklich kostet
Erst die Systemebene, dann das Material. Ein komplettes Wärmedämm-Verbundsystem kostet nach Erhebung der Verbraucherzentrale 160–190 €/m² Wandfläche inklusive Material, Arbeitszeit und Gerüst; im dortigen Rechenbeispiel sind es 175 €/m². Wird die Fassade ohnehin eingerüstet und neu verputzt, sinken die reinen Dämm-Mehrkosten auf 90 bis 100 €/m². Dieselbe Quelle rechnet für ein unsaniertes Haus mit 110 m² Fassadenfläche eine Ersparnis von 9.370 kWh oder 1.120 € pro Jahr vor, bei 16.360 € Investition nach 15 % Zuschuss also 14 bis 15 Jahre bis zur Amortisation, im Sowieso-Fall rund 8 Jahre.
Die reinen Materialpreise liegen darunter, und zwar deutlich. Die folgenden Werte sind Materialpreise pro Quadratmeter Fassadendämmung, keine Systempreise:
| Material | Materialpreis je m² |
|---|---|
| Zellulose | 9–17 € |
| Polystyrol (EPS) | 16–24 € |
| Holzweichfaser | 15–29 € |
| Hanf | 22–30 € |
| Seegras | 25 € |
| Schafwolle | 27 € |
Quelle: Verbraucherzentrale, Stand 07/2025.
Jetzt die Rechnung, die den ganzen Preisstreit auflöst. Wenn das Material rund 30 Prozent von 175 €/m² ausmacht, sind das etwa 52 €/m². Ein Aufpreis von 10 €/m² beim Material, also ungefähr der Sprung von EPS auf Holzweichfaser, hebt den Systempreis auf rund 185 €/m². Das sind 6 Prozent auf das Gesamtprojekt. Bei 110 m² Fassade entspricht das etwa 1.100 € Unterschied bei einer Investition im mittleren fünfstelligen Bereich. Wer dafür ein nichtbrennbares oder ein diffusionsoffenes Material bekommt, hat einen guten Tausch gemacht. Wer umgekehrt beim Material spart und dafür die Dämmstärke reduziert, riskiert die Förderfähigkeit und damit einen Betrag, der ein Vielfaches der Materialersparnis ausmacht. Die Preise je System und Methode stehen im Detail in der Kostenübersicht zur Fassadensanierung.
Brandschutz: wann Brandriegel wirklich nötig sind
Hier steht in vielen Ratgebern schlicht Falsches. Zwei Klarstellungen vorweg.
Erstens: Produktklasse ist nicht Systemklasse. EPS ist als Produkt Euroklasse E nach DIN EN 13501-1. Schwerentflammbar wird nicht die Platte, sondern das fertige WDVS mit Putzschicht als geprüftes System. Die A1-Einstufung von Steinwolle und Mineralschaum ist dagegen eine Produkteigenschaft: Diese Materialien sind für sich genommen nichtbrennbar, Rockwool nennt für seine Steinwolle einen Schmelzpunkt über 1.000 °C. Wer beides in einer Spalte vergleicht, ohne die Asymmetrie zu benennen, vergleicht zwei verschiedene Dinge.
Zweitens: Brandriegel sind keine EPS-Pflicht, sondern eine Frage von Gebäudeklasse und Dicke. Maßgeblich sind § 28 der Musterbauordnung, den die Landesbauordnungen inhaltlich übernehmen, und die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des jeweiligen Systems, in der die konstruktiven Brandschutzmaßnahmen produktscharf festgelegt sind.
| Gebäudeart | Anforderung an die Außenwandbekleidung |
|---|---|
| Gebäudeklasse 1–3 (Höhe bis 7 m) | mindestens normalentflammbar |
| Gebäudeklasse 4 (bis 13 m) und 5 | mindestens schwerentflammbar |
| Hochhäuser (Höhe über 22 m) | nichtbrennbar |
„Höhe" meint dabei nicht die Gebäudehöhe, sondern die Höhe des Fußbodens des höchstgelegenen Geschosses mit einem Aufenthaltsraum über dem Gelände. Das typische Ein- oder Zweifamilienhaus fällt damit in die Gebäudeklassen 1 bis 3. Dort verlangt das Baurecht nur Normalentflammbarkeit, das Schwerentflammbarkeits-Gebot gilt für diese Gebäudeklassen ausdrücklich nicht. Sinnvoll sind die konstruktiven Maßnahmen trotzdem, und viele Systemzulassungen sehen sie ohnehin vor.
Wo Schwerentflammbarkeit gefordert ist, hängt der Aufwand an der Dämmdicke. Gegen den Raumbrand sind bis 10 cm Dämmdicke keine Maßnahmen nötig. Zwischen 10 und 30 cm ist eine von drei Varianten zu wählen: Brandriegel in jedem zweiten Geschoss, ein Sturzschutz über jeder Außenwandöffnung oder eine dreiseitige Umschließung der Öffnungen. Gegen den Sockelbrand kommen im Regelfall drei Brandriegel dazu, an der Unterkante des Systems beziehungsweise maximal 90 cm über Geländeanschluss sowie im Deckenbereich des ersten und des dritten darüberliegenden Geschosses. Brandriegel bestehen aus nichtbrennbarer Steinwolle.
Und hier schließt sich der Kreis zur Dickentabelle: Die Förderanforderung U 0,20 zwingt bei EPS zu 14 bis 16 cm. Wer EPS förderfähig dämmt, landet damit automatisch über der 10-cm-Schwelle und in einem Mehrfamilienhaus der Gebäudeklasse 4 oder 5 im maßnahmenpflichtigen Bereich. Bei Steinwolle und Mineralschaum entfällt das Thema, weil beide Materialien nichtbrennbar sind. Der ehrliche Preisvergleich lautet deshalb nicht „EPS gegen Steinwolle", sondern „EPS plus konstruktiver Brandschutz gegen Steinwolle ohne".
Diffusionsoffenheit: Faktor 20 statt feiner Unterschied
Wie stark ein Dämmstoff den Wasserdampf bremst, beschreibt die Diffusionswiderstandszahl μ. Praktisch relevant ist daraus die diffusionsäquivalente Luftschichtdicke s_d, also μ multipliziert mit der Dicke. Bei einheitlich 16 cm Dämmung ergibt sich:
| Dämmstoff | μ | s_d bei 16 cm |
|---|---|---|
| Steinwolle | 1 | 0,16 m |
| Mineralschaum (Multipor) | 3 | 0,48 m |
| Holzfaser (Gutex) | 4 | 0,64 m |
| EPS grau (Sto Top32) | 20–50 | 3,2–8,0 m |
Der Unterschied zwischen Steinwolle und grauem EPS beträgt damit Faktor 20 bis 50, das ist kein gradueller Vorzug mehr. Relevant wird das bei Fachwerk, bei feuchtebelasteten Bestandswänden und überall dort, wo innen und außen gedämmt wird.
Eine Warnung dazu, weil der Begriff im Marketing gern überdehnt wird: Diffusionsoffen heißt nicht „atmende Wand" und ist keine Schimmelversicherung. Die technischen Mindestanforderungen der BEG formulieren es nüchtern und richtig, nämlich dass bei Sanierungsmaßnahmen stets zu prüfen ist, ob Maßnahmen zum Feuchteschutz und zur Vermeidung von Tauwasserausfall und Schimmelpilzbildung erforderlich sind. Was dabei wirklich schiefgehen kann und woran es liegt, steht ausführlich unter Fassadendämmung: Risiken. Wenn die Fassade von außen unangetastet bleiben muss, ist die Innendämmung der Weg, dort verschieben sich die Materialprioritäten allerdings vollständig.
Förderung: 0,20 statt 0,24 und die Lambda-Sonderregel
Zwei Zahlen, die man nicht verwechseln darf. Gesetzlich fordert § 36 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG, das umbenannte GEG), dass erneuerte oder ersetzte Außenbauteile die Werte der Anlage 7 einhalten. Für Außenwände von Wohngebäuden sind das 0,24 W/(m²·K). Ausgenommen sind Änderungen, die nicht mehr als 10 Prozent der gesamten Fläche der jeweiligen Bauteilgruppe betreffen; diese Bagatellgrenze bezieht sich also auf die gesamte Bauteilgruppe, nicht auf ein einzelnes Wandstück.
Gefördert wird dagegen erst ab U ≤ 0,20 W/(m²·K), und zwar in beiden Wegen. Für den Zuschuss steht der Wert in den technischen Mindestanforderungen der BEG-Einzelmaßnahmen, für den Steuerbonus nach § 35c EStG in Anlage 1 der Energetische-Sanierungsmaßnahmen-Verordnung. Wer die Anforderung verfehlt, verfehlt beide Wege gleichzeitig. In Dicke übersetzt bedeutet das bei einem Dämmstoff der Klasse 035 etwa 12 cm für die Pflicht und rund 16 cm für die Förderung. Über diese vier Zentimeter entscheiden sich 15 bis 20 Prozent Zuschuss.
Die Sonderregel für die Kerndämmung steht in derselben Anlage: Bei Einblasdämmung im bestehenden zweischaligen Mauerwerk tritt an die Stelle des U-Werts die Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs mit λ ≤ 0,035 W/(m·K). Es gibt dort also gar keine U-Wert-Anforderung, weil die Dicke durch den vorhandenen Hohlraum vorgegeben ist. Wichtig ist die Einschränkung im Wortlaut: Die Regel gilt für bestehendes zweischaliges Mauerwerk, nicht für Einblasdämmung allgemein.
Die Rahmenbedingungen 2026 im Überblick: 15 % Grundförderung auf die förderfähigen Ausgaben der Gebäudehülle, plus 5 Prozentpunkte iSFP-Bonus, den es allerdings erst ab einem förderfähigen Investitionsvolumen von 30.000 € brutto und nur innerhalb von 15 Jahren nach Erstellung des Sanierungsfahrplans gibt. Die förderfähigen Höchstkosten liegen bei 30.000 € für die erste Wohneinheit, mit iSFP-Bonus bei 60.000 €; für weitere Wohneinheiten gelten gestaffelt niedrigere Grenzen. Fachplanung und Baubegleitung sind bei Ein- und Zweifamilienhäusern auf 5.000 € gedeckelt. Ein weiterer Bonus steht bereits in derselben Richtlinie, greift aber erst ab dem ersten Quartal 2027: zusätzliche 5 Prozentpunkte für Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle, die sich auf ein Worst Performing Building beziehen, also auf ein energetisch besonders schlechtes Gebäude. Auch dieser WPB-Bonus setzt einen geförderten Sanierungsfahrplan voraus, das Mindestinvestitionsvolumen von 30.000 € muss dafür allerdings nicht erreicht sein. Für 2026 gilt also: 15 Prozent, mit iSFP 20 Prozent.
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Kerndämmung: welches Granulat schafft λ ≤ 0,035?
Die Lambda-Grenze ist der Grund, warum bei der Kerndämmung die Materialfrage härter ist als beim WDVS. Beim WDVS gleicht man einen schlechteren Lambda-Wert mit mehr Dicke aus. Im Hohlraum eines zweischaligen Mauerwerks geht das nicht, die Dicke ist gebaut.
Primär belegt ist an dieser Stelle vor allem ein Wert: Das Polystyrol-Partikelschaum-Granulat „Supearl 033" trägt nach der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung Z-23.12-1991 des Deutschen Instituts für Bautechnik einen Bemessungswert von 0,033 W/(m·K) und liegt damit sicher unter der Förderschwelle. Andere Schüttdämmstoffe, etwa Granulate aus Steinwolle oder Perlite, liegen je nach Produkt teils über 0,035; der maßgebliche Bemessungswert steht in der Zulassung des jeweiligen Produkts und gehört ins Angebot.
Daraus folgt ein sehr konkreter Prüfpunkt: Kerndämmstoffe brauchen eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, und diese Zulassung erfasst auch das Verarbeitungsverfahren, das der Fachbetrieb anwenden muss. Nennt Ihr Angebot keine Zulassungsnummer und keinen Bemessungswert, ist es nicht prüfbar und im Zweifel nicht förderfähig.
WDVS, VHF oder Kerndämmung: wohin das Material gehört
Alle sechs Materialien der Vergleichstabelle sind WDVS-Materialien, also für das verputzte Verbundsystem gedacht, das komplett 160 bis 190 €/m² kostet. Bei einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade liegt der Dämmstoff hinter einer belüfteten Luftschicht. Dort ist Mineralwolle der Regelfall, EPS praktisch ausgeschlossen, und die Brandriegel-Systematik des WDVS gilt nicht, dafür greifen eigene Anforderungen an die Unterkonstruktion. Der Preisrahmen liegt bei 250 bis 400 €/m². Die Kerndämmung schließlich ist kein frei wählbares System, sondern nur dort möglich, wo ein zweischaliges Mauerwerk mit Hohlraum vorhanden ist. Den vollständigen Systemvergleich mit allen Kosten finden Sie unter Fassadendämmung Kosten und Methoden, eine Einordnung nach Baujahr unter Lohnt sich die Fassadendämmung im Altbau?.
Ökologie ehrlich gerechnet
Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sind am deutschen Dämmstoffmarkt bis heute eine einstellig-prozentige Nische, und innerhalb dieser Nische dominieren Holzfaser und Zellulose. An der Putzfassade ist die Holzfaserplatte damit der mit Abstand relevanteste ökologische Vertreter. Technisch punktet sie weniger beim Lambda-Wert als bei der Wärmespeicherfähigkeit: Gutex weist für die Thermowall-Platten eine spezifische Wärmekapazität von 2.100 J/(kg·K) aus, bei einer Rohdichte je nach Variante zwischen rund 160 und 185 kg/m³. Das ist der belastbare materialseitige Beleg für den Vorteil beim sommerlichen Wärmeschutz.
Der ehrliche Gegenposten: Alternative Dämmstoffe erreichen nach Einschätzung der Verbraucherzentrale bestenfalls die Wärmeleitstufe 035 und liegen meist bei 040 bis 045. Ökologie kostet an der Fassade also Dicke, konkret rund 3 bis 4 cm mehr als graues EPS bei gleichem U-Wert. Das gehört offen gesagt, weil es planbar ist. Auf der anderen Seite steht bei Steinwolle ein etabliertes Rücknahme- und Recyclingsystem des Herstellers, und für Resol-Hartschaum liegen veröffentlichte Umweltproduktdeklarationen vor. Wer die Naturdämmstoffe im Detail vergleichen will, findet die Übersicht unter ökologische Dämmstoffe: Holzfaser und Hanf.
Welches Material für welchen Fall
Es gibt kein bestes Material. Es gibt eine beste Passung zu Gebäudeklasse, Wandaufbau und verfügbarem Platz. Die kurze Entscheidungshilfe:
- Wenig Platz, Grenzbebauung, knapper Dachüberstand: Resol-Hartschaum. Rund 10 cm für U 0,20 sind konkurrenzlos dünn, dafür ist es das teuerste Material der Tabelle und organisch, also brennbar.
- Mehrfamilienhaus ab Gebäudeklasse 4, Hochhaus, hoher Brandschutzanspruch: Steinwolle oder Mineralschaum. Nichtbrennbar als Produkt, kein Thema mit Brandriegeln, dafür 16 bis 20 cm Aufbau.
- Altbau mit feuchtebelasteter Wand oder Fachwerkbezug: Steinwolle oder Holzfaser. Beide sind diffusionsoffen, Holzfaser bringt zusätzlich die Speichermasse mit.
- Bestmögliches Preis-Leistungs-Verhältnis am freistehenden Einfamilienhaus: graues EPS. 14 cm für U 0,20, günstigster Materialpreis, und in Gebäudeklasse 1 bis 3 verlangt das Baurecht keine Schwerentflammbarkeit.
- Zweischaliges Mauerwerk mit Hohlraum: Kerndämmung mit einem Granulat, dessen Bemessungswert nachweislich bei höchstens 0,035 liegt.
- Fassade wird ohnehin eingerüstet und neu verputzt: jedes der Materialien. In diesem Fall sind es nur 90 bis 100 €/m² Mehrkosten, und die Materialentscheidung darf ruhig zugunsten der besseren Eigenschaften ausfallen.
Wovon ich abrate
Nur auf 0,24 dämmen. Das erfüllt die Pflicht und lässt die Förderung liegen. Vier Zentimeter mehr Dämmstoff kosten wenige hundert Euro und bringen 15 bis 20 Prozent Zuschuss auf die gesamte Maßnahme.
Die Materialentscheidung über den Materialpreis führen. Bei 30 Prozent Materialanteil ist die Differenz zwischen dem günstigsten und dem teureren Dämmstoff im Endpreis meist einstellig prozentual. Entscheiden Sie über Dicke, Brandklasse und Feuchteverhalten.
Eine bereits mäßig gedämmte Wand aus Energiespargründen dämmen. Die Verbraucherzentrale rechnet für ein Haus aus den 1980er-Jahren mit U 0,50 und 90 m² Fassade eine Einsparung von nur 1.870 kWh oder 170 € pro Jahr vor. Die Amortisation liegt bei über 70 Jahren, das Vorhaben rechnet sich energetisch nicht mehr. Sinnvoll bleibt es nur, wenn die Fassade ohnehin saniert wird oder Komfortgründe überwiegen; ob das auf Ihr Baujahr zutrifft, klärt der Baujahr-Check zur Fassadendämmung.
Diffusionsoffenheit als Schimmelversicherung verstehen. Sie ist ein bauphysikalischer Parameter unter mehreren. Ohne Betrachtung von Wärmebrücken, Anschlüssen und Lüftungsverhalten schützt sie niemanden.
Häufige Fragen (FAQ)
Welches Material ist die beste Fassadendämmung?
Diese Frage hat keine allgemeingültige Antwort, weil die Materialien in verschiedenen Disziplinen führen. Resol dämmt mit einem Bemessungswert von 0,022 W/(m·K) am dünnsten, Steinwolle und Mineralschaum sind als einzige Produkte der Auswahl nichtbrennbar, Holzfaser bringt die höchste Wärmespeicherfähigkeit mit und graues EPS das beste Verhältnis aus Preis und Dämmleistung. Entscheiden Sie entlang der Reihenfolge: verfügbarer Platz, Gebäudeklasse und Brandschutzanforderung, Feuchtesituation der Wand, dann erst Preis.
Wie dick muss eine Fassadendämmung sein, um die Förderung zu bekommen?
Gefördert wird ein U-Wert von höchstens 0,20 W/(m²·K). Bei einer typischen unsanierten Altbauwand bedeutet das rund 14 cm mit grauem EPS, 15 bis 16 cm mit Steinwolle, 18 cm mit Holzfaser und etwa 10 cm mit Resol. Die gesetzliche Pflicht liegt mit 0,24 W/(m²·K) darunter und wäre bei denselben Materialien schon mit 8 bis 15 cm erfüllt, bringt dann aber keinen Zuschuss. Maßgeblich ist immer die Berechnung für Ihre konkrete Bestandswand.
Was kostet Fassadendämmung pro Quadratmeter nach Material?
Die reinen Materialpreise liegen laut Verbraucherzentrale zwischen 9 und 30 €/m², je nach Dämmstoff. Entscheidend ist aber der Systempreis: Ein komplettes WDVS kostet 160 bis 190 €/m² inklusive Gerüst, Putz und Arbeitszeit, und auf das Material entfallen davon nur rund 30 Prozent. Ein Materialwechsel, der 10 €/m² teurer ist, verteuert das Gesamtprojekt deshalb um etwa 6 Prozent.
Ist EPS an der Fassade brandgefährlich, und brauche ich Brandriegel?
EPS ist als Produkt Euroklasse E und damit normalentflammbar; schwerentflammbar wird erst das fertige System mit Putz. Ob Brandriegel nötig sind, hängt an der Gebäudeklasse und an der Dämmdicke, nicht am Material allein. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern der Gebäudeklassen 1 bis 3 verlangt das Baurecht nur Normalentflammbarkeit, die konstruktiven Maßnahmen werden aber empfohlen und stehen häufig in der Systemzulassung. Wo Schwerentflammbarkeit gefordert ist, sind bis 10 cm Dämmdicke gegen den Raumbrand keine Maßnahmen nötig, darüber ist eine der drei zulässigen Varianten auszuführen.
Was ist der Unterschied zwischen Nennwert und Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit?
Der Nennwert λ_D stammt aus der Produktprüfung nach der jeweiligen Produktnorm, der Bemessungswert liegt nach DIN 4108-4 typischerweise eine Stufe höher und ist die Rechengröße für die Planung. Beispiel: 0,034 gegenüber 0,035 bei einer Steinwolle-Putzträgerplatte. Für die Förderung zählt der Bemessungswert, weil die BEG-Nachweisregeln ausdrücklich Herstellernachweise zu den Bemessungswerten verlangen. An der Grenze 0,035 für die Kerndämmung entscheidet genau diese Unterscheidung.
Mineralwolle oder EPS: Was lohnt sich beim Altbau?
Steinwolle ist nichtbrennbar, mit μ = 1 vollständig diffusionsoffen und braucht für U 0,20 rund 15 bis 16 cm. Graues EPS kommt mit etwa 14 cm aus, ist günstiger, bremst den Wasserdampf aber um den Faktor 20 bis 50 stärker. Bei feuchtebelasteten Bestandswänden und in höheren Gebäudeklassen spricht mehr für Steinwolle, beim freistehenden Einfamilienhaus mit trockener Wand ist EPS die wirtschaftlichere Wahl. Der Preisunterschied im Gesamtprojekt liegt im einstelligen Prozentbereich.
Welcher Dämmstoff ist bei wenig Platz am dünnsten?
Resol-Hartschaum mit einem Bemessungswert von 0,022 W/(m·K). Für U 0,20 reichen an einer typischen Altbauwand rund 10 cm, gegenüber 20 cm bei Mineralschaum. Das ist der Faktor 2, der bei Grenzbebauung, knappem Dachüberstand oder tiefen Fensterlaibungen über die Machbarkeit entscheidet. Der Preis dafür ist das höchste Materialbudget der Auswahl und ein organischer, brennbarer Dämmstoff.
Warum ist bei der Kerndämmung im zweischaligen Mauerwerk kein U-Wert vorgeschrieben?
Weil die Dämmdicke dort nicht frei wählbar ist, sondern durch den vorhandenen Hohlraum zwischen den beiden Mauerwerksschalen vorgegeben. Statt eines U-Werts verlangen sowohl die BEG-Einzelmaßnahmen als auch Anlage 1 der ESanMV deshalb eine Wärmeleitfähigkeit von höchstens 0,035 W/(m·K) für den eingeblasenen Dämmstoff. Die Regel gilt ausdrücklich nur für bestehendes zweischaliges Mauerwerk, nicht für jede Einblasdämmung.
Nächster Schritt: Materialwahl am eigenen Gebäude prüfen
Die Materialentscheidung wird belastbar, sobald drei Angaben zu Ihrem Haus feststehen: der U-Wert der Bestandswand, die Gebäudeklasse und der Platz, den Dachüberstand, Grundstücksgrenze und Fensterlaibungen tatsächlich hergeben. Aus diesen drei Größen ergibt sich die zulässige Materialliste fast von selbst, und die Dicken- und Fördertabellen oben werden von einer Orientierung zu einer Planungsgrundlage.
Genau dort setzt die Gebäudeanalyse von reduco an: Sie ordnet Ihr Gebäude anhand von Baujahr, Bauweise und Fläche ein, zeigt den energetischen Ausgangspunkt der Hülle und macht sichtbar, welche Maßnahme in welcher Reihenfolge den größten Effekt bringt. Wer parallel mehrere Angebote einholt, sollte sie anhand der WDVS-Angebotscheckliste vergleichen und dabei bei jedem Posten auf Bemessungswert, Systemzulassung und das erreichte U-Wert-Ziel achten.
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