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Ratgeber18 Min. Lesezeit

Photovoltaik im Winter: 14 % Ertrag von November bis Februar

Wie viel Strom liefert Ihre PV-Anlage im Winter? Belegte Monatswerte: Dezember 2,3–4,2 % des Jahresertrags. So planen Sie realistisch statt enttäuscht.

Schneebedeckte Photovoltaik-Module auf einem Hausdach bei tief stehender Wintersonne

Das Wichtigste in Kürze

  • Die harte Zahl: Die vier dunkelsten Monate November bis Februar liefern nur 13–20 % des Jahresertrags – in Deutschlandmitte 1.459 von 10.344 kWh, also 14,1 % (10 kWp, Süd, 35°).
  • Das Winterhalbjahr ist besser als sein Ruf: Oktober bis März bringt 28–36 % (Hamburg 28,2 %, Deutschlandmitte 29,6 %, München 36,0 %). Wer „Winter" sagt, muss den Zeitraum nennen.
  • Dezember und Januar: je 2,3–4,2 % bzw. 2,7–4,4 % des Jahresertrags, gegen 11,5–12,9 % im Juni/Juli.
  • Kälte hilft, aber wenig: Bei −0,29 %/°C bringen 0 °C Modultemperatur rund +7,3 % Leistung – ein Dezembertag liefert aber 4,4-mal weniger Einstrahlungsenergie als ein Junitag.
  • Schnee kehren lohnt fast nie: Zehn Tage komplette Schneebedeckung kosten rund 0,9 % des Jahresertrags, etwa 7–28 €. Dafür steigt niemand aufs winterliche Dach.
  • Speicher überbrückt Stunden, nicht Wochen: 8,5 kWh Dezember-Tagesertrag (10 kWp, Deutschlandmitte) gegen 9,6 kWh Tagesbedarf eines Zwei-Personen-Haushalts.

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Die häufigste Frage im Herbst lautet: Lohnt sich Photovoltaik, wenn im Winter kaum Sonne kommt? Die ehrliche Antwort besteht aus zwei Zahlen statt einer. Das Winterhalbjahr Oktober bis März liefert 28–36 % des Jahresertrags – deutlich mehr, als die meisten erwarten. Die vier dunkelsten Monate November bis Februar liefern dagegen nur 13–20 %, und das ist das eigentliche Problem, weil genau dann der Heizstrombedarf am höchsten ist.

Dieser Artikel rechnet Monatsverteilung, Kälte-Effekt, Schnee und die Winterlücke bei Wärmepumpen mit belegten Zahlen durch – ohne Panikmache und ohne Hype. Bezugsgröße ist der Jahresertrag pro Kilowatt-Peak aus dem Ratgeber Photovoltaik-Ertrag pro kWp. Und wenn Sie im Dezember erschrocken auf die Monitoring-App schauen: Bevor Sie einen Defekt vermuten, hilft PV-Ertrag zu niedrig: Ursachen – normale Saisonalität sieht aus wie ein Fehler, ist aber keiner.

Monatsverteilung: So verteilt sich der Jahresertrag wirklich

Grundlage ist eine eigene Berechnung mit dem PVGIS-Tool der Europäischen Kommission (JRC, Version 5.3): 10 kWp, Süd, 35°, 14 % angenommene Systemverluste, Deutschlandmitte (51,0° N / 10,0° E). Das sind Modellwerte auf Satellitendatenbasis, keine Messungen – das Fraunhofer ISE nutzt dieselbe Datenbasis in seinen Ertragsabbildungen (Fraunhofer ISE).

Monat Ertrag (kWh) Anteil am Jahr
Januar 318 3,1 %
Februar 514 5,0 %
März 914 8,8 %
April 1.190 11,5 %
Mai 1.283 12,4 %
Juni 1.305 12,6 %
Juli 1.293 12,5 %
August 1.195 11,6 %
September 1.014 9,8 %
Oktober 691 6,7 %
November 362 3,5 %
Dezember 265 2,6 %
Jahr 10.344 100 %

Quelle: eigene Berechnung mit PVGIS 5.3 (Europäische Kommission, JRC), 10 kWp, Süd, 35°, 14 % Systemverluste, 51,0° N / 10,0° E. Modellrechnung, keine Messung.

Daraus ergeben sich die Zeitraum-Summen, auf die es ankommt:

Zeitraum Ertrag (kWh) Anteil am Jahr
Sommerhalbjahr April–September 7.280 70,4 %
Winterhalbjahr Oktober–März 3.064 29,6 %
Dunkle Monate November–Februar 1.459 14,1 %
Meteorologischer Winter Dezember–Februar 1.097 10,6 %
Dezember + Januar 583 5,6 %

Quelle: eigene Berechnung aus den PVGIS-5.3-Monatswerten (Standort Deutschlandmitte).

Warum das wichtig ist: Die Pauschale „im Winter nur 20–30 %" ist ohne Zeitraumangabe nicht überprüfbar – ein Süddach mit nur 20 % Winterhalbjahresanteil existiert in Deutschland nicht. 29,6 % im Halbjahr klingt beruhigend, 14,1 % in den vier Heizmonaten nicht. Beide Zahlen stimmen; nur zusammen ergeben sie ein ehrliches Bild.

Die Nord-Süd-Schere ist im Winter viel größer als im Jahr

Über das Jahr trennen Hamburg und München rund 15 % Ertrag. Im Dezember ist die Spreizung mehr als doppelt so groß.

Standort Jahresertrag (kWh) Dezember Januar Okt–Mär Nov–Feb
Hamburg (53,55° N) 9.870 230 kWh = 2,3 % 269 kWh = 2,7 % 28,2 % 13,1 %
Deutschlandmitte (51,0° N) 10.344 265 kWh = 2,6 % 318 kWh = 3,1 % 29,6 % 14,1 %
München (48,14° N) 11.386 474 kWh = 4,2 % 502 kWh = 4,4 % 36,0 % 19,5 %

Quelle: eigene Berechnung mit PVGIS 5.3 (Europäische Kommission, JRC), jeweils 10 kWp, Süd, 35°, 14 % Systemverluste. Modellwerte.

Absolut heißt das im Dezember-Monatsmittel bei 10 kWp: 7,4 kWh pro Tag in Hamburg, 8,5 kWh in Deutschlandmitte, 15,3 kWh in München – mehr als das Doppelte, weil Alpenrandlagen im Winter von Hochdruckwetter oberhalb der Nebeldecke profitieren.

Einschränkung, die dazugehört: Gerade der hohe München-Winterwert ist ein Modellwert – lokale Nebellagen und Horizontverschattung können ihn deutlich drücken. Über das Jahr relativieren sich Standortunterschiede ohnehin: Die mittlere Globalstrahlung lag 2001–2020 bei 1.102 kWh/(m²·a) und variiert standortabhängig nur um etwa ±10 %; zudem überträgt sich der Einstrahlungsunterschied „nicht 1:1 auf den spezifischen Ertrag (kWh/kWP)", weil auch Betriebstemperatur, Verschmutzung und „die Dauer der Schneeauflage eine Rolle spielen" (Fraunhofer ISE).

Warum der Winterertrag einbricht: kurze Tage, nicht schwache Sonne

Die verbreitete Erklärung „die Sonne steht zu tief" ist nur zur Hälfte richtig. Der Blick auf die Einstrahlung in Modulebene zeigt, wo die Energie wirklich verloren geht.

Kennwert (Modulebene Süd 35°, 51° N) Durchschnittlicher Dezembertag Durchschnittlicher Junitag
Maximale Einstrahlung 195 W/m² (11:00 UTC) 667 W/m² (11:00 UTC)
Nutzbares Zeitfenster ca. 7 Stunden ca. 15 Stunden
Tagessumme 1.273 Wh/m² 5.612 Wh/m²

Quelle: eigene Berechnung mit PVGIS 5.3 (Europäische Kommission, JRC), Tagesprofile Dezember und Juni; Zeitangaben in UTC (im Winter entspricht 11:00 UTC = 12:00 MEZ).

Die Spitzenleistung im Juni ist nur 3,4-mal so hoch wie im Dezember – die Tagesenergie aber 4,4-mal. Der Unterschied kommt allein aus der Tageslänge. Die Winterlücke entsteht überwiegend daraus, dass der Tag kurz ist, nicht daraus, dass die Anlage mittags schwach wäre.

Noch deutlicher wird es im Clear-Sky-Vergleich: Bei wolkenlosem Himmel erreicht die Modulebene im Dezember 666 W/m² (Maximum um 10:00 UTC) und eine Tagessumme von 3.493 Wh/m²2,7-mal so viel wie am durchschnittlichen Dezembertag und praktisch dieselbe Spitzenleistung wie an einem durchschnittlichen Junitag. Der niedrige Dezember-Durchschnitt entsteht also vor allem daraus, dass die meisten Dezembertage bedeckt sind.

Was zusätzlich am Winterertrag zehrt

Das Fraunhofer ISE listet als ertragsmindernde Betriebsfaktoren ausdrücklich „Modultemperatur, Schwachlicht, Schräglicht, inhomogene Einstrahlung" sowie beim Wechselrichter „thermisches Abregelungsverhalten, Teillastbetrieb" auf (Fraunhofer ISE). Bei diffusem Licht und flachem Einfallswinkel arbeiten Module unterhalb ihres Nennwirkungsgrads, und der Wechselrichter läuft im Winter fast dauerhaft im Teillastbereich – trotz Datenblattwerten um 98 %.

Der Kälte-Bonus: real, aber deutlich kleiner als sein Ruf

Ja, Solarmodule arbeiten in der Kälte effizienter. Nein, das macht den Winter nicht wett.

Moderne N-Type-Module haben einen Temperaturkoeffizienten von rund −0,29 %/°C (JinkoSolar nennt für die Serie Tiger Neo einen „optimized temperature coefficient" von −0,29 %/°C, einzelne neuere Modelle −0,26 %/°C, für ältere P-Type-Zellen −0,35 %/°C, JinkoSolar; Trina Solar nennt im Datenblatt des Vertex S+ G3 (TSM-NEG9R.28) −0,30 %/K für die Maximalleistung). Daraus folgt als eigene Rechnung (keine Herstellerangabe): Bei 0 °C Modultemperatur statt der Normbedingung 25 °C liefert das Modul bei gleicher Einstrahlung rund +7,3 % Leistung, bei −5 °C rund +8,7 %.

Der Vergleich, der die Sache entscheidet: Diesen +7,3 % steht ein Dezembertag mit nur 1.273 statt 5.612 Wh/m² gegenüber – Faktor 4,4. Ein Bonus von rund 7 % gegen einen Faktor 4,4 ist keine Kompensation, sondern eine Fußnote. Die Aussage „PV liefert im Winter mehr, weil es kalt ist" ist falsch. Richtig ist: Ein kalter, klarer Wintertag ist ein guter PV-Tag – aber selten und kurz.

Schnee auf den Modulen: erst rechnen, dann handeln

Eine geschlossene Schneedecke bringt den Ertrag praktisch auf null. Kritischer sind aber die Reste: Weil Solarzellen in Serie verschaltet sind, können „stark verschmutzte Teilflächen erheblich stärkere Ertragseinbußen verursachen, als es ihrem Flächenanteil entspricht" (Fraunhofer ISE). Ein Schneerand auf der unteren Modulkante kostet also mehr, als seine Fläche vermuten lässt – besonders bei Neigungen unter 15°.

Wann rutscht Schnee ab?

Maßgeblich ist die Dachneigung. Die Schneelast ergibt sich nach DIN EN 1991-1-3 aus der Bodenschneelast und einem Formbeiwert μ, wobei der Neigungswinkel bestimmt, in welchem Maß Schnee abrutscht: Für 0° bis 30° wird μ = 0,8 angesetzt, mit steigender Neigung sinkt der Beiwert. Ein Abtauen durch Wärme aus dem Dach wird normativ nicht angesetzt – bei gedämmten Gebäuden mit Aufdachmontage ist der Wärmeübergang gering. Praktisch: Auf steilen Dächern rutscht Schnee meist von selbst, auf flachen bleibt er liegen.

Lohnt sich Schnee-Kehren? Die Rechnung

Dezember und Januar bringen zusammen 583 von 10.344 kWh, also 5,6 % des Jahresertrags (10 kWp, Süd, 35°, Deutschlandmitte). Nehmen wir bewusst pessimistisch an, die Module wären in diesen 62 Tagen an zehn Tagen vollständig schneebedeckt:

Größe Wert
Verlust bei 10 Tagen kompletter Schneedeckung ca. 94 kWh
Anteil am Jahresertrag ca. 0,9 %
Wert bei 30 ct/kWh vermiedenem Netzbezug ca. 28 €
Wert bei 7,78 ct/kWh Einspeisevergütung ca. 7 €

Quelle: eigene Rechnung aus den PVGIS-5.3-Monatswerten; Vergütungssatz 7,78 ct/kWh nach Bundesnetzagentur (gültig 01.02.–31.07.2026, Dachanlagen bis 10 kWp).

Zwischen 7 und 28 Euro. Dafür klettert niemand auf ein verschneites Dach. Dagegen stehen Absturzgefahr, das Risiko einer Dachlawine für Personen darunter und die Gefahr, Glas, Rahmen oder Rückseitenfolie zu beschädigen – Module sind auf Flächenlasten geprüft (JinkoSolar, Datenblatt Tiger Neo 54HL4R-B: „Certified to withstand: wind load (4000 Pascal) and snow load (6000 Pascal)", JinkoSolar), aber nicht auf Schaben. Heißes Wasser kann durch Thermoschock Glasbruch verursachen, Streusalz greift Materialien an.

Die Standardempfehlung lautet deshalb: nichts tun und abwarten. Dacharbeiten gehören zu Fachbetrieben mit Absturzsicherung. Ob eine Reinigung sinnvoll ist, „muss wegen der Vielzahl der Einflussfaktoren im Einzelfall bewertet werden" (Fraunhofer ISE). Details im Ratgeber Solaranlage reinigen und pflegen.

Ein Punkt gegen doppeltes Rechnen

Viele Interessenten ziehen von einer Ertragsprognose noch einmal „Schneeverluste" ab. Das ist falsch: Eine heute installierte Anlage erreicht laut Fraunhofer ISE Performance-Ratio-Werte von 80–90 % im Jahresmittel, und zwar „inkl. aller Verluste durch erhöhte Betriebstemperatur, ungünstige Einstrahlungsbedingungen …, Verschmutzung, Verschattung und Schneeauflage" (Fraunhofer ISE). Wer mit realistischen Jahreserträgen rechnet, hat Schnee bereits eingepreist. Zur Statik nur so viel: Modul-Prüfdrücke sagen nichts über die Tragfähigkeit von Dachtragwerk und Montagesystem aus – maßgeblich sind Schneelastzone und Formbeiwerte nach DIN EN 1991-1-3.

Flacher Sonnenstand: Verschattung wird im Winter zum Thema

Im Dezember steht die Sonne mittags nur wenige Grad über dem Horizont – Schatten werden lang. Ein Baum oder ein Kamin, der im Juni wirkungslos ist, kann im Dezember die halbe Modulfläche streifen, und zwar genau in den wenigen Stunden, in denen überhaupt Ertrag entsteht. Verstärkt wird das durch denselben Serienverschaltungs-Effekt wie beim Schnee. Analyse und Gegenmaßnahmen stehen im Ratgeber Photovoltaik und Verschattung.

Ebenso trifft ein Ausrichtungsnachteil den Winter härter als das Jahr: Ein Westdach mit 35° erreicht in Deutschlandmitte 8.268 kWh, also 79,9 % des Süddachs – im Dezember aber nur 131 kWh, also 49 % des Süd-Dezembers, im Januar 52 % (eigene PVGIS-5.3-Rechnung). Mehr dazu in Photovoltaik Nordausrichtung.

Dachneigung als Winter-Hebel – mit Preisschild

„Steiler ist im Winter besser" stimmt. Interessant ist erst, was es kostet.

Neigung (Süd, Deutschlandmitte, 10 kWp) Jahresertrag Dezember Januar Anteil Okt–Mär
35° (Referenz) 10.344 kWh 265 kWh 318 kWh 29,6 %
45° 10.290 kWh (−0,5 %) 288 kWh (+8,7 %) 343 kWh (+7,9 %) 31,2 %
60° 9.781 kWh (−5,4 %) 308 kWh (+16,2 %) 363 kWh (+14,2 %) 33,6 %

Quelle: eigene Berechnung mit PVGIS 5.3 (Europäische Kommission, JRC), 10 kWp, Süd, 14 % Systemverluste, 51,0° N / 10,0° E.

Die Lesart: Von 35° auf 45° ist die Winteroptimierung fast gratis – 0,5 % Jahresertrag für +8,7 % im Dezember. Von 35° auf 60° wird es teuer: 5,4 % Jahresertrag für +16,2 % im Dezember. Das lohnt sich nur bei hohem Winterverbrauch (Wärmepumpe, Heizstab); bei Einspeise-Fokus ist der flachere Winkel die bessere Wahl. Steile Flächen haben zusätzlich den Nebeneffekt, dass Schnee eher abrutscht. Zur Einordnung: Laut ISE ist das Maximum um Süd/40° „flach ausgebildet" – Süd 30° und Süd 50° liefern noch 99 %, Süd 60° noch 95 %, eine senkrechte Südfassade 71 % (Fraunhofer ISE).

Der Extremfall: senkrechte Südmontage

Wer bewusst den Winter optimieren will, landet bei der Fassade. Laut ISE bringt PV an einer vertikalen Südfassade rund 29 % weniger Jahresertrag als auf einem Süddach mit 45° – aber: „Die saisonale Fluktuation zwischen Sommer- und Winterertrag fällt aber bei der vertikalen Anlage deutlich geringer aus … Der Minderertrag der vertikalen Anlage trifft das sonnenreiche Halbjahr." Das gilt auch für senkrechte Süd-Steckersolargeräte: Jahresertrag gegen Gleichmäßigkeit getauscht.

Ertrag gegen Verbrauch: die unbequeme Winterrechnung

Der Winterertrag ist nicht deshalb ein Problem, weil er niedrig ist – sondern weil er dann niedrig ist, wenn der Verbrauch hoch ist. Das Fraunhofer ISE formuliert es knapp: „Der Heizwärmebedarf korreliert negativ mit der Globalstrahlung, bei höchster Koinzidenz im Frühjahr" (Fraunhofer ISE). Übersetzt: Genau in den vier Monaten mit dem höchsten Heizstrombedarf liefert Ihre Anlage nur 13–20 % ihres Jahresertrags. Die Größenordnung an einem einzigen Tag:

Größe (Dezember, Deutschlandmitte) Wert
Ertrag 10 kWp Süd 35°, Monatsmittel ca. 8,5 kWh/Tag
Tagesbedarf 2-Personen-Haushalt (Strom, Warmwasser, Raumwärme) ca. 9,6 kWh/Tag
Differenz ca. −1,1 kWh/Tag – vor jeder Wärmepumpe

Quelle: Ertrag = eigene Berechnung PVGIS 5.3; Verbrauch = 3,5 MWh/Jahr für Elektrogeräte, Beleuchtung, Warmwasser und Raumwärme (Destatis 2021, zitiert von Fraunhofer ISE), auf den Tag umgerechnet.

Was das für den Speicher bedeutet

Ein Hausspeicher überbrückt im Winter Stunden, nicht Tage – und ganz sicher keine Jahreszeiten.

  • Ein 10-kWh-Speicher wird an vielen Dezembertagen gar nicht voll, weil der Tagesertrag darunter liegt.
  • Saisonale Speicherung ist eine andere Größenklasse: Laut ISE lassen sich nur Wärmespeicher „ab mehrere Tausend m³, bspw. Quartiersspeicher" saisonal betreiben. Im Einfamilienhaus gibt es keinen Sommerstrom, der bis Januar hält.
  • Der sinnvolle saisonale Nutzen liegt umgekehrt: „Wärmespeicher erhöhen den Eigenverbrauch von PV-Anlagen, wenn sie v. a. im Sommerhalbjahr über Wärmepumpe und Heizstab beladen werden" (Fraunhofer ISE).
  • Standby-Verluste fallen im Winter besonders auf. Die HTW Berlin misst in der Stromspeicher-Inspektion 2026 Standby-Leistungen von 4 W bis 64 W und rund 200 € Kostenunterschied pro Jahr zwischen bestem und schwächstem System (HTW Berlin). 64 W dauerhaft sind rechnerisch 561 kWh im Jahr (eigene Rechnung: 64 W × 8.760 h) – im Dezember rund 48 kWh, also rund 18 % des Monatsertrags einer 10-kWp-Anlage.

Nebenbei kehren sich im Winter die Kennzahlen um: Ohne Speicher erreichen Haushalte 20–40 % Eigenverbrauch bezogen auf den erzeugten Strom (Fraunhofer ISE unter Verweis auf die HTW Berlin). Im Winter steigt dieser Anteil, weil fast alles Erzeugte sofort im Haus gebraucht wird – gleichzeitig sinkt der Deckungsgrad Ihres Verbrauchs stark. Wie Sie das durchrechnen, zeigt Autarkiegrad mit Photovoltaik und Speicher berechnen.

Wärmepumpe plus PV: wo der Nutzen wirklich entsteht

Die Kombination funktioniert – nur nicht im Hochwinter. Der Gewinn entsteht im Frühjahr und Herbst, wenn Heizbedarf und Einstrahlung sich überlappen („höchste Koinzidenz im Frühjahr", ISE), und im Sommerhalbjahr über die Warmwasserbereitung. Im Dezember und Januar bleibt Netzbezug – wer das anders verspricht, rechnet nicht mit Monatswerten. Die Systembetrachtung steht in Wärmepumpe und Photovoltaik kombinieren.

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Winterstrom und die geplante EEG-Novelle: drei Winter-Nuancen

Am 29.07.2026 hat das Bundeskabinett den Regierungsentwurf des EEG 2027 beschlossen (BMWE). Das parlamentarische Verfahren läuft erst ab September 2026; zum Jahresende endet für Teile des EEG die beihilferechtliche Genehmigung, die auch für das Inkrafttreten nötig ist, und die SPD-Fraktion fordert Änderungen. Alles Folgende ist geplant, nicht geltend. Drei Punkte haben Winterbezug:

1. Die geplante 50-%-Kappung greift im Winter selten – aber nicht nie. Nach § 9 Abs. 2b des Entwurfs sollen neue Gebäude-Solaranlagen unter 100 kW die Wirkleistungseinspeisung „dauerhaft und unabhängig vom Einbau eines intelligenten Messsystems … auf maximal 50 Prozent der installierten Leistung" begrenzen; ausgenommen sind Steckersolargeräte bis 2 kW/800 VA und Nulleinspeiser, und laut Begründung gilt die Regelung nur für Neuanlagen. An einem durchschnittlichen Dezembertag mit 195 W/m² bleibt eine 10-kWp-Anlage grob bei 1,5–2 kW AC, also weit unter der 5-kW-Grenze – an klaren, kalten Tagen mit 666 W/m² plus rund 8 % Kältegewinn kann sie dagegen kurzzeitig greifen. Betroffen ist dann wenig Energie, weil der ganze Dezember nur 2,3–4,2 % des Jahresertrags ausmacht. Wichtig: Das ist nicht die 60-%-Regel des Solarspitzengesetzes, die nur bis zum Einbau eines intelligenten Messsystems gilt. Einordnung im Ratgeber 50-Prozent-Einspeiselimit für Photovoltaik.

2. Winterstrom ist am Markt mehr wert. Das ISE nennt für größere Modulneigung ausdrücklich „höhere Stromerträge im Winterhalbjahr bei höheren Marktwertfaktoren Solarstrom". Passend dazu: Negative Börsenpreise, bei denen nach § 51 des Entwurfs der Zahlungsanspruch auf null sinken soll – bei Anlagen unter 100 kW in der Netzbetreiberabnahme erst ab dem Einbau eines intelligenten Messsystems (§ 51 Abs. 2) –, treten überwiegend an sonnigen Frühjahrs- und Sommermittagen auf – kaum im Dezember.

3. Der Stichtag 31.12.2026. Nach § 100 Abs. 1 Nr. 1 lit. a des Entwurfs soll für Anlagen mit Inbetriebnahme vor dem 01.01.2027 bisheriges Recht über die volle Laufzeit gelten; das BMWE bestätigt: „Bestandsanlagen sind aber geschützt. Sie behalten ihre zugesicherte Förderung für die gesamte Laufzeit." Aktuell gelten bis 31.07.2026 für Dachanlagen bis 10 kWp 7,78 ct/kWh Überschusseinspeisung und 12,34 ct/kWh Volleinspeisung, ab 01.08.2026 jeweils 1 % weniger (Bundesnetzagentur). Geplant ab 2027: keine feste Einspeisevergütung (§ 21), einheitlicher anzulegender Wert 6,2 ct/kWh (§ 48 Abs. 1), befristete Übergangszahlung von anzulegendem Wert minus 1 ct – also 5,2 ct/kWh, eine Rechnung aus 6,2 − 1 und kein wörtliches Gesetzeszitat – über 36 Monate (§ 53 Abs. 1, § 25 Abs. 2), 2027 für Anlagen unter 50 kW. Gegenläufig zum Termindruck: Die Modulpreise steigen 2026 von rund 0,10 auf etwa 0,15 €/Wp. Der Nullsteuersatz von 0 % Umsatzsteuer auf Anlagen und Speicher bis 30 kWp gilt weiterhin ohne Ablaufdatum.

Für wen sich die Anlage trotz Winterlücke rechnet

Der Winter ist kein Argument gegen Photovoltaik, sondern gegen falsche Erwartungen. Über die Wirtschaftlichkeit entscheidet die Differenz zwischen Strombezugs- und Stromgestehungskosten über das ganze Jahr, nicht der Dezemberwert.

Die Anlage rechnet sich gut, wenn …

  • Sie einen nennenswerten Tagesverbrauch über das Jahr verteilt haben – dann ersetzt jede selbst genutzte Kilowattstunde teuren Netzstrom.
  • Ihr Dach nach Süd, Ost oder West zeigt und nicht dauerhaft verschattet ist: Ein Westdach mit 45° bringt laut Fraunhofer ISE rund 26 % weniger Jahresertrag als ein Süddach gleicher Neigung – bei hohen Strombezugspreisen und gutem Eigenverbrauch trägt es sich trotzdem oft.
  • Sie verschiebbare Verbraucher haben (Warmwasser, Wallbox, Waschen, Trocknen) – die entscheiden über den Eigenverbrauch mehr als der letzte Prozentpunkt Einstrahlung.
  • Sie den Winter als Netzbezugs-Saison akzeptieren, statt Vollautarkie anzustreben.

Sie sollten genauer nachrechnen, wenn …

  • Sie die Anlage primär für die Wärmepumpe im Hochwinter planen – diese Rechnung geht nicht auf, der Nutzen liegt in den Übergangsmonaten.
  • Sie in einer Nebellage oder mit hohem Horizont wohnen: Die Modellwerte oben sind dort zu optimistisch.
  • Ihr Dach sehr flach geneigt ist (unter 15°): mehr Verschmutzung, liegen bleibender Schnee, schwächeres Winterhalbjahr.
  • Sie mit Autarkiequoten aus der Werbung kalkulieren statt mit Monatswerten.

Beruhigend zum Schluss: Der Winterertrag bleibt über Jahrzehnte stabil. Eine Fraunhofer-ISE-Untersuchung an 44 qualitätsgeprüften Aufdachanlagen ergab eine durchschnittliche jährliche Degradation der Modul-Nennleistung von rund 0,15 % (Fraunhofer ISE).

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viel Strom bringt eine Photovoltaikanlage im Winter?

Bei 10 kWp, Süd, 35° liefert das Winterhalbjahr Oktober bis März 28–36 % des Jahresertrags (Hamburg 28,2 %, Deutschlandmitte 29,6 %, München 36,0 %). Die vier dunkelsten Monate November bis Februar bringen nur 13–20 %: Dezember 2,3–4,2 %, Januar 2,7–4,4 % – gegen 11,5–12,9 % im Juni oder Juli. Absolut sind das im Dezember-Monatsmittel 7,4 kWh pro Tag in Hamburg bis 15,3 kWh in München (eigene PVGIS-5.3-Berechnung).

Lohnt sich eine Photovoltaikanlage, wenn bei mir wenig Sonne ist?

Meist ja – der Standort ist der am stärksten überschätzte Faktor. Die Globalstrahlung variiert in Deutschland nur um etwa ±10 % um den Mittelwert von 1.102 kWh/(m²·a) (2001–2020), und regionale Unterschiede übertragen sich laut Fraunhofer ISE nicht 1:1 auf den spezifischen Ertrag. Auch die Dachlage ist gnädiger als vermutet: Süd 30° und Süd 50° liefern noch 99 % des Optimums. Entscheidend sind die Differenz zwischen Strombezugs- und Stromgestehungskosten und Ihr verschiebbarer Verbrauch.

Bringt Photovoltaik bei Kälte mehr Leistung?

Pro Grad ja, in der Summe nein. Moderne Module haben Temperaturkoeffizienten von −0,29 %/°C (JinkoSolar Tiger Neo; ältere P-Type-Zellen −0,35 %/°C). Bei 0 °C statt 25 °C Modultemperatur ergibt das bei gleicher Einstrahlung rund +7,3 %, bei −5 °C rund +8,7 % (eigene Rechnung aus dem Herstellerwert). Dem steht gegenüber: Ein durchschnittlicher Dezembertag liefert nur 1.273 statt 5.612 Wh/m² – Faktor 4,4. Zusätzlich mindern Schwachlicht- und Schräglichtverluste den Wirkungsgrad.

Liefert eine Solaranlage bei Schnee auf den Modulen noch Strom?

Eine geschlossene Schneedecke bringt den Ertrag praktisch auf null. Reste am unteren Modulrand wirken überproportional, weil bei Serienverschaltung stark bedeckte Teilflächen stärkere Einbußen verursachen, als es ihrem Flächenanteil entspricht (Fraunhofer ISE). Ob Schnee abrutscht, hängt maßgeblich von der Dachneigung ab: DIN EN 1991-1-3 setzt für 0–30° μ = 0,8 an, mit steigender Neigung sinkt der Beiwert. Wichtig: Schneeauflage ist in der Performance Ratio von 80–90 % bereits enthalten.

Soll ich Schnee von den Solarmodulen entfernen?

In der Regel nein. Dezember und Januar sind zusammen nur 5,6 % des Jahresertrags (583 von 10.344 kWh bei 10 kWp Süd 35°). Zehn Tage vollständiger Schneebedeckung entsprechen rund 94 kWh oder 0,9 % des Jahresertrags – etwa 28 € bei 30 ct/kWh Eigenverbrauchswert, rund 7 € bei 7,78 ct/kWh Einspeisung. Dagegen stehen Absturzgefahr, Dachlawinenrisiko und Beschädigungsgefahr an Glas, Rahmen und Rückseitenfolie. Kein heißes Wasser, kein Streusalz, keine harten Werkzeuge – Dacharbeiten gehören zu Fachbetrieben mit Absturzsicherung.

Hilft ein Stromspeicher, im Winter unabhängig zu werden?

Nur stundenweise. Der Dezember-Tagesertrag einer 10-kWp-Anlage in Deutschlandmitte liegt bei rund 8,5 kWh und damit unter dem Tagesbedarf eines Zwei-Personen-Haushalts von etwa 9,6 kWh (3,5 MWh/Jahr, Destatis/ISE) – ein 10-kWh-Speicher wird an vielen Dezembertagen nicht einmal voll. Saisonale Speicherung funktioniert laut ISE erst „ab mehrere Tausend m³" Wärmespeichervolumen. Dazu kommen Verluste: Die HTW Berlin misst Standby-Leistungen von 4 W bis 64 W und bis zu 200 € Kostenunterschied pro Jahr.

Welche Dachneigung ist im Winter am besten?

Steiler hilft, kostet aber Jahresertrag. Bei Süd-Ausrichtung kostet 45° statt 35° nur 0,5 % im Jahr, bringt aber +8,7 % im Dezember und +7,9 % im Januar. 60° statt 35° kostet 5,4 % im Jahr für +16,2 % im Dezember; der Winterhalbjahresanteil steigt von 29,6 % auf 33,6 %. Größere Neigung senkt laut Fraunhofer ISE zusätzlich Verschmutzungs- und Schneeverluste. Extremfall senkrechte Südfassade: rund 29 % weniger Jahresertrag als Süd 45°, dafür geringere saisonale Schwankung.

Reicht der PV-Strom im Winter für die Wärmepumpe?

Dauerhaft nicht. Fraunhofer ISE: „Der Heizwärmebedarf korreliert negativ mit der Globalstrahlung, bei höchster Koinzidenz im Frühjahr." Genau in den vier Monaten mit dem höchsten Heizstrombedarf liefert die Anlage nur 13–20 % ihres Jahresertrags. Der Nutzen entsteht in Frühjahr und Herbst sowie über die Warmwasserbereitung im Sommerhalbjahr. Netzbezug im Hochwinter bleibt.

Ist der Winter ein guter Zeitpunkt, eine PV-Anlage zu bestellen?

Planungsseitig ja, mit einem konkreten Stichtag. Nach dem am 29.07.2026 vom Kabinett beschlossenen EEG-2027-Regierungsentwurf soll für Anlagen mit Inbetriebnahme vor dem 01.01.2027 bisheriges Recht über die volle Laufzeit gelten (§ 100 Abs. 1 Nr. 1 lit. a); das BMWE bestätigt den Bestandsschutz ausdrücklich. Aktuell gelten bis 31.07.2026 7,78 ct/kWh Überschusseinspeisung bis 10 kWp, ab 01.08.2026 1 % weniger. Geplant ab 2027: keine feste Einspeisevergütung, anzulegender Wert 6,2 ct/kWh, Übergangszahlung 5,2 ct/kWh (Rechnung 6,2 − 1) über 36 Monate, 2027 für Anlagen unter 50 kW. Das parlamentarische Verfahren beginnt erst im September 2026 – geplant, nicht geltend.

Nächster Schritt: Ihre Winterlücke konkret beziffern

Pauschale Winterprozente helfen bei der Entscheidung nur begrenzt. Was Sie wissen wollen, ist die Differenz zwischen Ihrem Winterverbrauch und dem, was Ihr Dach von November bis Februar liefert – bei Ihrer Neigung, Ihrer Ausrichtung, Ihrem Horizont und Ihrem Verbrauchsprofil mit oder ohne Wärmepumpe. Mit der Gebäudeanalyse von reduco erhalten Sie eine datenbasierte Einschätzung für Ihre Adresse und können anschließend Angebote vergleichen, die auf denselben Annahmen beruhen – statt auf Autarkieversprechen, die im Dezember nicht halten.

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