Solarenergie nutzen 2026: 2 Wege, Vorteile & Nachteile
Solarenergie lieferte 2025 erstmals 16 % des eingespeisten Stroms. Wie Sie die Sonne per Photovoltaik oder Solarthermie nutzen und was sich 2026 rechnet.

Das Wichtigste in Kürze
- Rekordanteil Solarstrom: Photovoltaik lieferte 2025 mit 70,1 Mrd. kWh erstmals 16,0 % der in Deutschland eingespeisten Strommenge, ein Plus von 17,4 % gegenüber 2024 (Statistisches Bundesamt).
- Zwei Nutzungswege: Photovoltaik macht aus Sonnenlicht Strom, Solarthermie macht Wärme. Ende 2025 waren mehr als 5,7 Mio. PV-Einheiten und rund 2,55 Mio. Solarwärme-Anlagen in Betrieb.
- Ausbau auf Rekordniveau: Ende 2025 waren rund 117 GW Solarleistung installiert, im Juli 2026 bereits 127,6 GW. Das gesetzliche Ziel liegt bei 215 GW bis 2030.
- Genug Sonne vorhanden: Die Globalstrahlung erreichte 2025 im Deutschlandmittel 1.187 kWh/m². Ein Kilowatt Photovoltaik-Leistung erzeugt hierzulande 900–1.100 kWh Strom pro Jahr.
- Überschaubare Einstiegskosten: Schlüsselfertige 10-kWp-Anlagen kosten 900–1.500 €/kWp netto bei 0 % Umsatzsteuer, die EEG-Vergütung beträgt 7,70 ct/kWh bei Teileinspeisung bis 10 kWp.
- Messbarer Klimaeffekt: Photovoltaik vermied 2025 rund 63 Mio. t Treibhausgase, Solarthermie zusätzlich rund 2,5 Mio. t.
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Solarenergie ist in Deutschland von der Nischentechnik zur zweitwichtigsten Stromquelle aufgestiegen: 16,0 % der eingespeisten Strommenge kamen 2025 aus Photovoltaik, und die installierte Leistung wuchs bis Juli 2026 auf 127,6 GW. Dieser Überblick erklärt, was Solarenergie ist, wie sich die beiden Nutzungswege Strom und Wärme unterscheiden, wo Deutschland beim Ausbau steht und welche Stärken und Schwächen die Technologie ehrlich betrachtet hat.
Der Artikel ist als Einstieg gedacht. Die Technik erklärt der Beitrag Wie funktioniert Photovoltaik? im Detail, die Rendite rechnet der Ratgeber Lohnt sich Photovoltaik 2026? durch.
Was ist Solarenergie? Die Ressource in Zahlen
Solarenergie ist die Strahlungsenergie der Sonne. Sie lässt sich auf zwei Wegen direkt nutzen: als Strom über Photovoltaik und als Wärme über Solarthermie. Auch Windkraft, Wasserkraft und Biomasse gehen physikalisch auf die Sonne zurück; im üblichen Sprachgebrauch, und so auch in diesem Artikel, meint Solarenergie aber die direkte Nutzung der Sonnenstrahlung am Gebäude oder auf der Freifläche.
Die zentrale Messgröße dafür ist die Globalstrahlung: die Summe aus direkter und diffuser Sonnenstrahlung, die auf eine horizontale Fläche trifft, angegeben in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.
Für die Nutzung ist wichtig: Auch der diffuse Anteil zählt. Photovoltaikmodule erzeugen deshalb ebenso bei bedecktem Himmel Strom, nur entsprechend weniger. Wer die Erträge eines Standorts realistisch abschätzen will, braucht daher keine Wüstensonne, sondern belastbare Strahlungsdaten, wie sie der Deutsche Wetterdienst jährlich für ganz Deutschland veröffentlicht.
Wie viel Sonne kommt in Deutschland an?
Mehr, als viele vermuten. Nach der Auswertung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erreichte die Globalstrahlung 2025 im Deutschlandmittel 1.187 kWh/m². Das waren 101 kWh/m² mehr als im vieljährigen Mittel 1991–2020 von 1.086 kWh/m² und zugleich der vierthöchste Wert seit Beginn der Auswertung 1983, übertroffen nur von 2022 (1.227), 2018 (1.207) und 2003 (1.197 kWh/m²).
| Kennzahl | Wert | Einordnung |
|---|---|---|
| Jahressumme Globalstrahlung 2025 (Deutschlandmittel) | 1.187 kWh/m² | +101 kWh/m² gegenüber dem Mittel 1991–2020 (1.086 kWh/m²) |
| Sonnenärmste Region 2025 | 1.092 kWh/m² (Schleswig-Holstein) | Nord-Süd-Gefälle bleibt moderat |
| Sonnenreichste Regionen 2025 | 1.280–1.307 kWh/m² (Bodensee, Breisgau, Saarland, Niederbayern) | Spitzenwerte im Süden |
| Sonnigster Monat 2025 | Juni: 186,8 kWh/m² | Sommerhalbjahr dominiert den Jahresertrag |
| Dunkelste Monate 2025 | November und Dezember: 16,8 bzw. 16,9 kWh/m² | Faktor 11 unter dem Juni-Wert |
| Langfristtrend seit 1991 | +3 kWh/m² pro Jahr | Einstrahlung nimmt linear zu |
Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), „Das Strahlungsjahr 2025".
Zwei Befunde aus den DWD-Daten sind für die Praxis besonders relevant. Erstens nimmt die Globalstrahlung in Deutschland seit 1991 im Trend um rund 3 kWh/m² pro Jahr zu, die Bedingungen für Solarenergie werden also tendenziell besser. Zweitens ist das regionale Gefälle kleiner als sein Ruf: Zwischen Schleswig-Holstein und den Spitzenregionen im Süden liegen keine Welten, sondern knapp 20 %. Solaranlagen funktionieren deshalb im ganzen Bundesgebiet.
Das Sommer-Winter-Gefälle ist die eigentliche Herausforderung
Deutlich größer als der regionale Unterschied ist der saisonale: Im Juni 2025 kamen 186,8 kWh/m² an, im Dezember nur 16,9 kWh/m², ein Faktor von 11. Diese Saisonalität prägt die gesamte Nutzung der Solarenergie. Im Sommer entstehen Erzeugungsüberschüsse, im Winter bleibt eine Lücke, die andere Kraftwerke und zunehmend Speicher füllen müssen.
Für das einzelne Gebäude übersetzt sich die Einstrahlung in konkrete Erträge: 1 kWp installierte Photovoltaik-Leistung erzeugt in Deutschland typischerweise 900–1.100 kWh Strom pro Jahr. Was das je nach Region, Dachausrichtung und Neigung genau bedeutet, zeigt die Ertragstabelle pro kWp.
Photovoltaik und Solarthermie: die zwei Nutzungswege
Wer Solarenergie nutzen will, wählt zwischen zwei grundsätzlich verschiedenen Technologien. Beide ernten dieselbe Strahlung, liefern aber unterschiedliche Produkte.
Photovoltaik: Sonnenlicht wird Strom
Photovoltaikmodule wandeln Licht in Halbleiterzellen direkt in Gleichstrom um, ein Wechselrichter macht daraus netzüblichen Wechselstrom. Aktuelle Serienmodule erreichen Wirkungsgrade von 20–24 %. Der entscheidende Vorteil: Strom ist die vielseitigste Energieform. Er deckt den Haushaltsverbrauch, treibt Wärmepumpe und E-Auto an, lässt sich in Batterien speichern, und der Überschuss wird vergütet ins Netz eingespeist.
Diese Vielseitigkeit erklärt die Marktdynamik: Ende 2025 waren in Deutschland mehr als 5,7 Mio. Photovoltaik-Einheiten in Betrieb (inklusive Steckersolargeräte), allein 2025 kamen rund 0,9 Mio. hinzu.
Solarthermie: Sonnenlicht wird Wärme
Solarthermische Kollektoren erhitzen eine Trägerflüssigkeit und geben die Wärme über einen Speicher an Trinkwarmwasser und Heizung ab. Flach- und Röhrenkollektoren erreichen dabei höhere Flächenwirkungsgrade als PV-Module, liefern aber ausschließlich Wärme, und zwar vor allem im Sommer, wenn der Bedarf am geringsten ist.
In der Praxis werden die meisten Anlagen auf die Trinkwassererwärmung ausgelegt; größere Kombianlagen unterstützen zusätzlich die Raumheizung in der Übergangszeit. Ein ausreichend dimensionierter Wärmespeicher gehört immer dazu, denn ohne ihn bleibt der sommerliche Überschuss schlicht ungenutzt.
Der Bestand ist beachtlich: Rund 2,55 Mio. Solarwärme-Anlagen mit zusammen 21,73 Mio. m² Kollektorfläche waren Ende 2025 installiert (BSW-Solar/BDH). Sie erzeugten 2025 nach Angaben des Umweltbundesamts rund 9,2 TWh Wärme, dank des sonnigen Jahres etwa 5 % mehr als 2024. Zur Einordnung: Am gesamten Wärmeverbrauch haben erneuerbare Energien erst 19,0 % Anteil, Solarthermie steuert davon nur einen kleinen Teil bei. Der Neumarkt schrumpft zudem deutlich: 2025 kamen nur noch rund 151.500 m² Kollektorfläche neu hinzu, im Heimsegment wurden 46 % weniger Anlagen in Betrieb genommen als 2024. Was eine Anlage kostet und wann sie sich noch trägt, zeigt der Ratgeber zu den Solarthermie-Kosten für Warmwasser.
Welcher Weg passt zu welchem Gebäude?
| Kriterium | Photovoltaik | Solarthermie |
|---|---|---|
| Energieprodukt | Strom (Haushalt, Wärmepumpe, E-Auto, Einspeisung) | Wärme (Warmwasser, Heizungsunterstützung) |
| Anlagenbestand Ende 2025 | über 5,7 Mio. Einheiten | rund 2,55 Mio. Anlagen |
| Erzeugung 2025 | rund 87–90 TWh Strom (inkl. Eigenverbrauch, je nach Datenstand) | rund 9,2 TWh Wärme |
| Zubau 2025 | rund 0,9 Mio. neue Einheiten | nur rund 151.500 m² neue Kollektorfläche |
| Vergütung | EEG: 7,70 ct/kWh Teileinspeisung, 12,22 ct/kWh Volleinspeisung (bis 10 kWp) | keine Einspeisevergütung, Nutzen über eingesparten Brennstoff |
| Markttrend | stark wachsend (+21 % Erzeugung gegenüber 2024) | schrumpfender Neumarkt |
Quellen: Statistisches Bundesamt, Fraunhofer ISE, Bundesnetzagentur, Umweltbundesamt, BSW-Solar (Marktdaten 2026).
Drei Fragen führen in der Praxis zur Entscheidung. Erstens: Welche Energieform fehlt Ihnen? Wer eine Wärmepumpe oder ein E-Auto betreibt oder plant, profitiert von zusätzlichem Strom deutlich stärker als von Sommerwärme. Zweitens: Wie viel geeignete Dachfläche steht zur Verfügung? Auf knappen Dächern verdrängt die flexiblere Photovoltaik die Solarthermie meist vollständig. Drittens: Wie modern ist Ihre Heizung? Eine Solarthermie-Nachrüstung lohnt am ehesten dort, wo ein effizienter Wärmeerzeuger mit passendem Speicher bereits vorhanden ist.
Als Faustregel hat sich durchgesetzt: Photovoltaik zuerst, weil Strom universeller nutzbar ist und sich mit Wärmepumpe und Speicher koppeln lässt. Solarthermie bleibt eine Option für Gebäude mit hohem, ganzjährigem Warmwasserbedarf oder als Ergänzung einer bestehenden Heizung. Den vollständigen Systemvergleich mit 20-Jahres-Rechnung finden Sie im Duell Photovoltaik oder Solarthermie.
Solarenergie in Deutschland: der Stand 2026 in amtlichen Zahlen
Kein anderes Segment der Energiewende ist zuletzt so schnell gewachsen wie die Solarenergie. Die wichtigsten Kennzahlen aus den amtlichen Statistiken im Überblick.
Solarstrom: 16 % der Einspeisung und Platz 2 hinter der Windkraft
Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts speisten Photovoltaikanlagen 2025 70,1 Mrd. kWh Strom ein und erreichten damit 16,0 % der gesamten eingespeisten Strommenge, 17,4 % mehr als 2024 und der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 2018. Alle erneuerbaren Energien zusammen kamen auf 58,6 % (2024: 59,5 %).
| Energieträger | Anteil an der eingespeisten Strommenge 2025 |
|---|---|
| Windkraft | 30,0 % |
| Kohle | 22,1 % |
| Erdgas | 16,1 % |
| Photovoltaik | 16,0 % |
| Erneuerbare Energien gesamt | 58,6 % |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 073 vom 06.03.2026.
Je nach Statistik fällt der Solar-Anteil leicht unterschiedlich aus, weil unterschiedlich abgegrenzt wird. Das Fraunhofer ISE betrachtet die öffentliche Nettostromerzeugung: Dort kam Solarstrom 2025 nach den Energy-Charts auf rund 16,5 %, Wind und Solar bildeten erstmals die „Doppelspitze" des deutschen Strommixes. Rechnet man den privaten Eigenverbrauch hinzu, erzeugten die deutschen PV-Anlagen 2025 nach der ersten Jahresauswertung des Fraunhofer ISE insgesamt rund 87 TWh Strom, davon wurden 16,9 TWh selbst verbraucht; die laufend nachkorrigierten Energy-Charts weisen inzwischen rund 90 TWh aus. Damit überholte die Photovoltaik erstmals die Braunkohle und rückte auf Platz 2 der Stromerzeuger hinter der Windkraft vor.
Installierte Leistung: von 117 auf knapp 128 GW in sieben Monaten
Die Bundesnetzagentur meldet für 2025 einen Solar-Zubau von 16,4 GW; Ende 2025 waren damit rund 117 GW installiert (das Fraunhofer ISE wies in seiner Jahresauswertung 116,8 GW Modulleistung aus, mit inzwischen nachgemeldeten Anlagen sind es rund 118 GW). Der Zubau verteilte sich je zur Hälfte auf Gebäude- und Freiflächenanlagen, das Länder-Ranking führte Bayern mit 4,5 GW an. Hinzu kamen rund 430.000 neu registrierte Steckersolargeräte, die mit zusammen 0,5 GW allerdings nur 3,2 % des Zubaus ausmachten.
2026 setzt sich das Wachstum Monat für Monat fort:
| Stand | Installierte Solarleistung |
|---|---|
| Dezember 2025 | 118,0 GW |
| Mai 2026 | 124,5 GW |
| Juni 2026 | 125,9 GW |
| Juli 2026 | 127,6 GW |
Quelle: Fraunhofer ISE, Energy-Charts (Monatswerte auf Basis Marktstammdatenregister, Abruf: 19. August 2026; durch Nachmeldungen steigen die Werte rückwirkend leicht an).
Parallel wächst der Speicherbestand: Ende 2025 waren rund 25 GWh Batteriespeicher installiert, davon knapp 20 GWh Heimspeicher. Großbatteriespeicher legten 2025 von 2,3 auf 3,7 GWh zu, ein Plus von 60 %.
2026 bisher: schwaches Winterquartal, starkes Halbjahr
Wie stark die Jahreszeiten den Solarstrom prägen, zeigte das 1. Quartal 2026: Photovoltaik speiste 10,3 Mrd. kWh ein, 7,4 % weniger als im ungewöhnlich sonnigen Vorjahresquartal, und kam damit auf 8,1 % der Einspeisung (1. Quartal 2025: 9,3 %). Hinzu kam ein windstarkes Winterquartal, in dem allein die Windkraft 33,8 % beisteuerte. Zum Halbjahr summierten die Energy-Charts des Fraunhofer ISE dann 44,2 TWh Solarstrom, rund 12 % mehr als im ersten Halbjahr 2025, bei knapp 8 GW Zubau.
Vorteile und Nachteile der Solarenergie
Zu jeder Technologieentscheidung gehört eine ehrliche Bilanz. Die der Solarenergie fällt insgesamt klar positiv aus, hat aber reale Grenzen.
Die Vorteile
- Kostenloser, zunehmender Brennstoff: Die Sonne stellt keine Rechnung, und die Einstrahlung steigt in Deutschland seit 1991 um rund 3 kWh/m² pro Jahr.
- Niedrige Erzeugungskosten: Anlagenpreise von 900–1.500 €/kWp und Erträge von 900–1.100 kWh je kWp machen selbst erzeugten Solarstrom über die Lebensdauer sehr günstig; laufende Kosten fallen kaum an.
- Messbarer Klimaschutz: Photovoltaik vermied 2025 rund 63 Mio. t Treibhausgas-Emissionen, Solarthermie weitere rund 2,5 Mio. t (Datenbasis Umweltbundesamt).
- Skalierbarkeit: Vom Steckersolargerät über die Hausdach-Anlage bis zum Freiflächenpark nutzt dieselbe Technik jede Größenordnung; 2025 entfiel je die Hälfte des Zubaus auf Gebäude und Freiflächen.
- Leiser, emissionsfreier Betrieb: Solaranlagen arbeiten ohne Verbrennung, ohne Abgase und praktisch ohne bewegliche Teile.
- Sektorkopplung: Solarstrom versorgt Wärmepumpe, E-Auto und Batteriespeicher und erhöht so die Unabhängigkeit vom Strompreis.
- Steuerlich privilegiert: Auf Kauf und Installation fallen 0 % Umsatzsteuer an (§ 12 Abs. 3 UStG), Einnahmen sind bis 30 kWp einkommensteuerfrei (§ 3 Nr. 72 EStG, rückwirkend seit 2022).
Die Nachteile und Grenzen
- Saisonalität und Volatilität: Zwischen Juni und Dezember liegt der Faktor 11 bei der Einstrahlung, nachts liefert Photovoltaik nichts. Ohne Speicher und flexible Netze bleibt Solarstrom ein Teilzeitkraftwerk.
- Winterlücke: Im 1. Quartal 2026 trug Photovoltaik trotz Rekordbestands nur 8,1 % zur Einspeisung bei. Die dunklen Monate müssen andere Erzeuger abdecken.
- Speicher- und Netzbedarf: ISE-Szenarien beziffern den Speicherbedarf 2030 auf 100–170 GWh, installiert waren Ende 2025 rund 25 GWh. Der Ausbau von Netzen und Flexibilität muss mit dem Solarboom Schritt halten.
- Flächen- und Dachabhängigkeit: Ausrichtung, Neigung, Verschattung, Statik und Denkmalschutz entscheiden mit; nicht jedes Dach ist geeignet.
- Vorleistungen: Die Herstellung von Modulen, Speichern und Kollektoren kostet Energie und Rohstoffe, Rückbau und Recycling müssen organisiert werden.
- Grenzen der Solarthermie: Sie liefert ausschließlich Wärme und die vor allem im Sommer; der Neumarkt schrumpft seit Jahren, 2025 kamen nur noch rund 151.500 m² Kollektorfläche hinzu.
Unterm Strich überwiegen die Vorteile deutlich, solange die Systemfrage mitgedacht wird: Solarenergie entfaltet ihren Wert am besten im Verbund mit Speichern, Wärmepumpen und einem intelligenten Netz.
Wirtschaftlichkeit im Überblick: Kosten, Vergütung, Steuern
Die Kosten sind der Hauptgrund für den Boom. Eine schlüsselfertige 10-kWp-Aufdachanlage kostet nach dem Photovoltaics Report des Fraunhofer ISE 900–1.500 €/kWp netto (Datenstand Ende 2025). Ein Batteriespeicher kommt schlüsselfertig auf 270–420 €/kWh, im Schnitt rund 315 €/kWh.
| Posten | Richtwert Stand August 2026 |
|---|---|
| Schlüsselfertige PV-Aufdachanlage, 10 kWp (netto) | 900–1.500 €/kWp |
| Batteriespeicher, schlüsselfertig | 270–420 €/kWh (Ø rund 315 €/kWh) |
| EEG-Vergütung Teileinspeisung, bis 10 kWp | 7,70 ct/kWh |
| EEG-Vergütung Volleinspeisung, bis 10 kWp | 12,22 ct/kWh |
| Umsatzsteuer auf Kauf und Installation | 0 % (seit 01.01.2023) |
| Einkommensteuer auf Erträge | befreit bis 30 kWp (§ 3 Nr. 72 EStG) |
| Typischer Jahresertrag | 900–1.100 kWh je kWp |
Quellen: Fraunhofer ISE Photovoltaics Report (Datenstand Ende 2025), Bundesnetzagentur (Vergütungssätze 01.08.2026 bis 31.01.2027), § 3 EStG, § 12 UStG.
Für neu in Betrieb genommene Anlagen bis 10 kWp zahlt das EEG aktuell 7,70 ct/kWh bei Teileinspeisung und 12,22 ct/kWh bei Volleinspeisung; die Sätze gelten für den Vergütungszeitraum vom 01.08.2026 bis zum 31.01.2027. Da die Vergütung deutlich unter dem Haushaltsstrompreis liegt, ist der Eigenverbrauch der wichtigste Renditehebel. Solarthermie erhält keine Einspeisevergütung, ihr Nutzen entsteht über eingesparten Brennstoff; Zuschüsse gibt es über die staatliche Heizungsförderung. Alle Preisbestandteile, Förderwege und Rechenbeispiele bündelt der Ratgeber Photovoltaik: Kosten und Förderung 2026.
Auch steuerlich ist der Einstieg unkompliziert: Die Einkommensteuerbefreiung greift bis 30 kWp je Wohn- oder Gewerbeeinheit und insgesamt bis 100 kWp je Steuerpflichtigem, rückwirkend seit dem Veranlagungszeitraum 2022. Beim Nullsteuersatz auf Lieferung und Installation gilt eine Vereinfachung: Bei Anlagen bis 30 kWp Bruttoleistung laut Marktstammdatenregister gelten die Voraussetzungen als erfüllt (§ 12 Abs. 3 UStG).
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Ziele und Zukunft: wohin die Solarenergie steuert
Der gesetzliche Ausbaupfad bis 2040
Deutschland hat den Solarausbau gesetzlich verankert: § 4 EEG schreibt 215 GW installierte Solarleistung für 2030 und 400 GW für 2040 vor. Übergeordnet sollen erneuerbare Energien 2030 mindestens 80 % des Bruttostromverbrauchs decken; 2025 lag dieser Anteil nach AGEE-Stat/Umweltbundesamt bei 55,1 %.
| Jahr | Zielmarke installierte Solarleistung (§ 4 EEG) |
|---|---|
| 2026 | 128 GW |
| 2028 | 172 GW |
| 2030 | 215 GW |
| 2035 | 309 GW |
| 2040 | 400 GW |
Quelle: § 4 EEG 2023, gesetze-im-internet.de.
Das Tempo muss dafür steigen: Die Bundesnetzagentur beziffert den ab 2026 nötigen Zubau auf durchschnittlich 19,6 GW pro Jahr, real waren es 2025 16,4 GW. Das Fraunhofer ISE hält für die Klimaziele sogar 22 GW im Jahr 2026 für erforderlich. Mit 127,6 GW im Juli 2026 war die Jahreszielmarke von 128 GW so gut wie erreicht, im laufenden August wurde sie nach den Energy-Charts bereits überschritten (128,2 GW, Stand 19. August 2026). Der Pfad danach wird jedoch steiler.
Effizienz und Europa: die nächsten Sprünge
Technologisch ist das Ende der Entwicklung nicht erreicht. Serienmodule wandeln heute 20–24 % des Lichts in Strom um; Perowskit-Silizium-Tandemzellen erreichen im Labor bereits Wirkungsgrade über 30 % und gelten als nächster Effizienzsprung. Auch europaweit hat die Solarenergie einen Meilenstein passiert: 2025 lag die PV-Erzeugung in der EU mit 275 TWh erstmals über der gesamten Kohleverstromung (243 TWh). Innerhalb von zehn Jahren hat sich die PV-Erzeugung verdreifacht, während Kohlestrom um 60 % zurückging.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Solarenergie, Photovoltaik und Solarthermie?
Solarenergie ist der Oberbegriff für die Strahlungsenergie der Sonne. Photovoltaik wandelt diese Strahlung in Strom um, Solarthermie in Wärme für Warmwasser und Heizung. Beide Technologien nutzen dieselbe Quelle, liefern aber unterschiedliche Produkte und lassen sich auf einem Dach auch kombinieren.
Wie viel Strom liefert Solarenergie in Deutschland?
2025 speisten Photovoltaikanlagen 70,1 Mrd. kWh ein, das waren 16,0 % der gesamten eingespeisten Strommenge und ein neuer Höchstwert. Rechnet man den Eigenverbrauch hinzu, erzeugten sie nach Fraunhofer ISE rund 87 bis 90 TWh (je nach Datenstand). Damit lag die Photovoltaik erstmals vor der Braunkohle auf Platz 2 hinter der Windkraft.
Reicht die Sonneneinstrahlung in Deutschland für Solarenergie aus?
Ja. 2025 lag die Globalstrahlung im Bundesmittel bei 1.187 kWh/m², selbst die sonnenärmste Region Schleswig-Holstein kam auf 1.092 kWh/m². Ein Kilowatt Photovoltaik-Leistung liefert daraus 900–1.100 kWh Strom pro Jahr. Zudem nimmt die Einstrahlung seit 1991 um rund 3 kWh/m² pro Jahr zu.
Warum liefert Photovoltaik im Winter so wenig?
Die Einstrahlung schwankt saisonal um den Faktor 11: Im Juni 2025 kamen 186,8 kWh/m² an, im Dezember nur 16,9 kWh/m². Deshalb lag der Solar-Anteil im 1. Quartal 2026 bei nur 8,1 %, obwohl mehr Leistung installiert war als je zuvor. Die Winterlücke füllen derzeit vor allem Windkraft und konventionelle Kraftwerke, künftig zunehmend Speicher.
Was sind die größten Nachteile der Solarenergie?
Solarstrom fällt nur bei Tageslicht an und schwankt mit Wetter und Jahreszeit, das System braucht deshalb Speicher und flexible Netze. Für 2030 sehen ISE-Szenarien einen Speicherbedarf von 100–170 GWh, installiert waren Ende 2025 rund 25 GWh. Hinzu kommen die Abhängigkeit von geeigneten Dach- und Freiflächen sowie der Energie- und Rohstoffeinsatz in der Herstellung.
Lohnt sich der Einstieg in die Solarenergie 2026 noch?
Für die meisten Eigentümer mit geeignetem Dach: ja. Anlagenpreise von 900–1.500 €/kWp, 0 % Umsatzsteuer, einkommensteuerfreie Erträge bis 30 kWp und eine Vergütung von 7,70 ct/kWh ergeben solide Renditen, vor allem bei hohem Eigenverbrauch. Entscheidend sind Dachlage, Strompreis und Verbrauchsprofil des Haushalts.
Ist Solarthermie noch zeitgemäß?
Im Bestand ja: Rund 2,55 Mio. Anlagen lieferten 2025 etwa 9,2 TWh Wärme. Im Neugeschäft verliert die Technik jedoch stark an Boden: 2025 wurden im Heimsegment 46 % weniger Anlagen in Betrieb genommen als im Vorjahr, weil Photovoltaik plus Wärmepumpe die Dachfläche meist wirtschaftlicher nutzt. Für Gebäude mit hohem, ganzjährigem Warmwasserbedarf bleibt sie eine prüfenswerte Option.
Kann man Photovoltaik und Solarthermie auf einem Dach kombinieren?
Ja, technisch spricht nichts dagegen, beide Systeme nebeneinander zu installieren. Sinnvoll ist das vor allem auf großen Dächern, wenn sowohl hoher Strombedarf als auch ganzjährig hoher Warmwasserbedarf besteht. Auf begrenzter Fläche hat sich dagegen die Priorisierung der Photovoltaik durchgesetzt, weil sich Strom vielseitiger nutzen und bei Bedarf auch in Wärme umwandeln lässt.
Welche Ausbauziele hat Deutschland bei der Solarenergie?
Das EEG schreibt 215 GW installierte Solarleistung bis 2030 und 400 GW bis 2040 vor, als Zwischenschritt 128 GW schon 2026. Insgesamt sollen erneuerbare Energien 2030 mindestens 80 % des Bruttostromverbrauchs decken. Dafür müsste der jährliche Zubau von zuletzt 16,4 GW auf durchschnittlich 19,6 GW steigen.
Nächster Schritt: Das Solarpotenzial Ihres Gebäudes prüfen
Ob sich Solarenergie für Sie rechnet, entscheidet nicht die Bundesstatistik, sondern Ihr Gebäude: Dachfläche, Ausrichtung, Verschattung und Ihr Strom- und Wärmebedarf. Mit der digitalen Gebäudeanalyse von reduco erfassen Sie Ihr Haus als 3D-Modell und prüfen, wie Photovoltaik mit Wärmepumpe, Speicher und Dämmung im Gesamtkonzept zusammenspielt. So vergleichen Sie Angebote auf Basis belastbarer Zahlen statt nach Bauchgefühl. Vor dem ersten Handwerkertermin sehen Sie damit, welche Dachflächen sich eignen und in welcher Reihenfolge sich Photovoltaik, Speicher und Heizungstausch für Ihr Gebäude rechnen.
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