Heizen mit Photovoltaik 2026: nur 14 % Ertrag im Winter
Von November bis Februar liefert Ihre 10-kWp-Anlage nur 14 % des Jahresertrags, der Winter braucht 58 % der Wärme. Welcher Weg zur Wärme sich rechnet.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Kernzahl: Von November bis Februar liefert eine 10-kWp-Anlage nur 14,1 % ihres Jahresertrags, während in diesen vier Monaten 58,1 % des Heizwärmebedarfs anfallen. Das ist eine Schieflage um den Faktor 4,1.
- Dezember rechnet sich nicht schön: 265 kWh PV-Ertrag stehen rund 292 kWh reinem Haushaltsstrom gegenüber. Bilanziell bleibt für die Heizung nichts übrig, im Januar sind es 26 kWh im ganzen Monat.
- Der Hebel liegt nicht in der PV, sondern im Wärmeerzeuger: Eine Wärmepumpe macht aus 1 kWh Strom 3–4 kWh Wärme (Feldwert 3,4 bei Luft/Wasser), ein Heizstab oder eine Infrarotheizung nur 1 kWh.
- Wärmekosten mit eigenem Solarstrom: Wärmepumpe 2,3 ct/kWh, Luft-Luft-Wärmepumpe 1,9 ct/kWh, Heizstab 7,7 ct/kWh. Mit Netz-Haushaltsstrom kostet Direktstrom-Wärme dagegen 36 ct/kWh.
- Realistischer Deckungsgrad: Im Beispielhaus deckt die 10-kWp-Anlage rein bilanziell 49 % des Wärmepumpen-Jahresstroms, in den vier kalten Monaten aber nur 12,5 %. Der Rest kommt aus dem Netz.
- Keine Pflicht, kein Zeitdruck: Die 65-%-Erneuerbaren-Pflicht ist mit dem GModG ersatzlos gestrichen. Ihre Gas- oder Ölheizung darf bleiben, und eine neue darf weiterhin eingebaut werden.
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"Ich habe eine PV-Anlage, damit will ich heizen." Der Gedanke ist naheliegend und im Sommer auch richtig. Nur fällt Sonnenstrom genau dann an, wenn niemand Wärme braucht: 70,4 % des Jahresertrags kommen zwischen April und September, aber nur 20 % des Heizwärmebedarfs. Im Winter dreht sich das Verhältnis um. Wer das ignoriert, kauft Technik, die im Dezember stillsteht.
Die gute Nachricht: Es gibt vier ehrliche Wege vom Solarstrom zur Wärme, und sie unterscheiden sich um den Faktor 4 bis 19 in den Wärmekosten. Dieser Artikel rechnet alle vier mit denselben Zahlen durch, mit amtlichen Ertragsdaten der EU-Kommission und einer nachvollziehbaren Deckungsgrad-Rechnung. Vertiefend passen dazu die Ratgeber zur Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpe plus Photovoltaik, zum Heizstab für Warmwasser und zur Klimaanlage mit Photovoltaik.
Warum PV-Ertrag und Heizbedarf gegeneinander laufen
Grundlage der folgenden Rechnung ist eine amtliche Ertragssimulation: 10 kWp, Südausrichtung, 35 Grad Neigung, 14 % Systemverluste, Standort Deutschlandmitte (51,0° N / 10,0° E). Die Daten stammen aus PVGIS 5.3 der EU-Kommission auf Basis der Jahre 2005 bis 2023. Jahresertrag: 10.344 kWh.
Die Verteilung des Heizwärmebedarfs stammt aus derselben Datenquelle, gerechnet als Gradtagzahl 20/15 aus den ERA5-Monatsmitteltemperaturen desselben Standorts. Beide Kurven lassen sich damit direkt gegenüberstellen.
| Zeitraum | Anteil am PV-Jahresertrag | Anteil am Heizwärmebedarf | Schieflage |
|---|---|---|---|
| April–September | 70,4 % | 20,0 % | 3,5× zu viel Strom |
| Oktober–März | 29,6 % | 80,0 % | 2,7× zu wenig Strom |
| November–Februar | 14,1 % | 58,1 % | Faktor 4,1 |
| Dezember + Januar | 5,6 % | 31,1 % | Faktor 5,5 |
Lesen Sie die letzte Zeile noch einmal. In den beiden Monaten, in denen fast ein Drittel der Jahresheizarbeit anfällt, liefert die Anlage 583 von 10.344 Kilowattstunden. Das ist keine Frage der Anlagengröße, sondern der Sonnenhöhe. Eine doppelt so große Anlage liefert im Dezember doppelt so wenig wie im Juli, nur eben auf höherem Niveau.
Dezember und Januar: bilanziell bleibt nichts übrig
Der ehrlichste Test ist der Vergleich mit dem, was ein Haushalt ohnehin verbraucht. Bei 3.500 kWh Haushaltsstrom im Jahr sind das rund 292 kWh pro Monat, Kühlschrank, Licht, Waschmaschine, Router.
- Dezember: 265 kWh PV gegen 292 kWh Haushaltsstrom. Ergebnis: ein Defizit von 27 kWh. Für Wärme bleibt rechnerisch nichts.
- Januar: 318 kWh PV, nach Abzug der Haushaltslast bleiben 26 kWh. Im ganzen Monat. Das reicht bei einer Wärmepumpe für etwa einen halben Heiztag.
Und das ist noch die geschönte Variante, weil sie Monatsbilanzen vergleicht. In Wirklichkeit produziert die Anlage mittags und die Wärmepumpe läuft nachts mit. Bundesweit werden deshalb auch nur 17 % der PV-Erzeugung selbst verbraucht, 12,28 TWh Eigenverbrauch gegenüber knapp 60 TWh Netzeinspeisung im Jahr 2024. Der Rest geht ins Netz, egal wie gut die Absicht war.
Das ist die zentrale Botschaft dieses Artikels: Photovoltaik allein heizt kein Haus durch den Winter. Sie senkt die Heizkosten deutlich, aber sie ersetzt weder Netzanschluss noch Wärmeerzeuger. Wer Ihnen Autarkie beim Heizen verspricht, rechnet mit Jahresbilanzen statt mit Dezembertagen.
Die vier Wege vom Solarstrom zur Wärme
Wenn im Winter nur wenig Strom da ist, entscheidet alles daran, wie viel Wärme aus jeder Kilowattstunde wird. Genau hier trennen sich die vier Wege.
| Weg | Wärme aus 1 kWh Strom | Wärmekosten mit PV-Strom | Als Hauptheizung geeignet? |
|---|---|---|---|
| PV + Luft/Wasser-Wärmepumpe | 3,4 kWh (Feldwert) | 2,3 ct/kWh | ja, inklusive Warmwasser |
| PV + Luft-Luft-Wärmepumpe (Klimaanlage) | 4,0 kWh (SCOP) | 1,9 ct/kWh | eingeschränkt, kein Warmwasser |
| PV + Heizstab | 1,0 kWh | 7,7 ct/kWh | nein, sinnvoll für Warmwasser |
| PV + Infrarotheizung | 1,0 kWh | 7,7 ct/kWh, aus dem Netz 36 ct | in der Regel nein |
Annahmen: PV-Strom bewertet mit der entgangenen Einspeisevergütung von 7,70 ct/kWh, Wärmepumpenstrom 24 ct/kWh, Haushaltsstrom 36 ct/kWh, JAZ 3,4, SCOP 4,0. Zum Vergleich liegt eine Gasbrennwertheizung bei 90 % Nutzungsgrad und 12,23 ct/kWh Gaspreis bei 13,6 ct je kWh Wärme.
Weg 1: PV + Wärmepumpe, der effiziente Standardweg
Die Wärmepumpe ist der einzige Weg, der die Winterschwäche der PV wirklich abfedert, weil sie den knappen Strom vervielfacht. Das Umweltbundesamt beschreibt die Bilanz nüchtern: Für 100 kWh Heizwärme braucht eine Wärmepumpe bei einer JAZ von 3,0 nur 33 kWh Strom und holt die übrigen 67 kWh als Umgebungswärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser.
Dass das nicht nur im Labor funktioniert, zeigt die abgeschlossene Feldmessung des Fraunhofer ISE an 77 Wärmepumpen in Bestandsgebäuden: Luft/Wasser-Geräte erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4 (Vorgängerprojekt 2019: 3,1), Sole/Wasser-Geräte 4,3. Die Spannen reichten bei Luft/Wasser von 2,6 bis 4,9 und bei Sole/Wasser von 3,6 bis 5,4, die Treibhausgasminderung gegenüber einem Gaskessel lag bei 57–68 %. Das Umweltbundesamt nennt für den Altbau etwas vorsichtigere Bandbreiten von 2,4–3,1 bei Luft-Wärmepumpen und 3,0–3,7 bei Erdwärmepumpen.
Praktisch heißt das: Jede Kilowattstunde Solarstrom, die in die Wärmepumpe geht, ersetzt gut drei Kilowattstunden Gas. Damit die Anlage den Überschuss auch tatsächlich abnimmt, braucht es eine Ansteuerung, die auf die PV-Erzeugung reagiert, siehe dazu SG-Ready und PV-Überschusssteuerung. Wie viel Autarkie realistisch ist, rechnet der Ratgeber Wärmepumpe, PV und Speicher durch.
Nachteil, ehrlich benannt: Die Wärmepumpe ist der teuerste der vier Wege in der Anschaffung, sie braucht eine passende Wärmeverteilung und eine ordentliche Heizlastberechnung, und sie ist genau im Dezember am stärksten auf Netzstrom angewiesen. Der Vorteil ist trotzdem so groß, dass alle anderen Wege dagegen anrechnen müssen.
Weg 2: PV + Heizstab, einfach, aber Faktor 1
Ein PV-Heizstab ist die simpelste Lösung überhaupt: Ein Regler misst den Einspeiseüberschuss und leitet ihn stufenlos in einen elektrischen Heizeinsatz im Warmwasser- oder Pufferspeicher. Marktübliche Geräte regeln von 0 bis 3.500 W stufenlos, hängen an 230 V und werden über einen G-1½-Zoll-Anschluss in den Speicher geschraubt.
Der physikalische Haken lässt sich nicht wegdiskutieren. Stiftung Warentest formuliert ihn für alle elektrischen Direktheizungen gleich: Sie wandeln bestenfalls 100 Prozent des bezahlten Stroms in Wärme, während Wärmepumpen dank der Umweltwärme auf etwa 300 bis 450 Prozent kommen. Aus 1 kWh Solarstrom wird also 1 kWh Wärme, nicht mehr.
Deshalb ist der Heizstab ein Sommerwerkzeug, kein Winterwerkzeug. Von April bis September ist der Überschuss reichlich, das Warmwasser lässt sich damit fast vollständig decken, und die Alternative wäre eine Einspeisung für 7,70 ct. In der Heizperiode dagegen ist jede Kilowattstunde knapp, und sie in einem Heizstab mit Faktor 1 zu verbrennen, ist die schlechteste denkbare Verwendung. Die Details zur Auslegung stehen im Ratgeber Warmwasser mit Photovoltaik und Heizstab.
Weg 3: PV + Infrarotheizung, die kritische Einordnung
Infrarotheizungen werden gern als "perfekte Ergänzung zur PV" verkauft. Physikalisch sind sie derselbe Faktor 1 wie der Heizstab, nur ohne Speicher, der den Mittagsüberschuss in den Abend rettet.
Stiftung Warentest hat den Fall für eine 100-m²-Wohnung durchgerechnet: rund 8.000 W Gesamtleistung, acht Betriebsstunden täglich in der kalten Jahreshälfte, macht 11.680 kWh im Jahr. Bei 40 ct/kWh sind das knapp 4.700 Euro jährlich gegenüber gut 2.000 Euro mit einer Gasheizung, also rund das 2,3-Fache. Das Fazit der Tester fällt entsprechend aus: "Infrarotheizungen können eine Notlösung sein, wenn beispielsweise die Gasversorgung vorübergehend ausfällt."
Dazu kommt ein Tarifproblem, auf das die Verbraucherzentrale hinweist: Infrarotheizungen müssen meist mit teurem Haushaltsstrom betrieben werden. Einen Anspruch auf den günstigen Wärmestrom haben Sie nicht, und ein zweiter Zähler kostet 50–100 Euro plus Montage.
Bleibt der PV-Bezug, und der zerfällt an derselben Stelle wie bei allen Direktheizern: Wenn im Dezember bilanziell null Kilowattstunden übrig sind und im Januar 26, dann läuft eine Infrarotheizung praktisch vollständig aus dem Netz. Als Hauptheizung mit PV ist sie in aller Regel unwirtschaftlich. Sinnvoll bleibt sie in klar abgegrenzten Nischen: ein selten genutztes Gästezimmer, ein Hobbyraum, ein Bad als Zusatzwärme. Eine ausführliche Bewertung steht in den Ratgebern Infrarotheizung: Kosten und Erfahrungen und Wärmepumpe oder Infrarotheizung.
Weg 4: PV + Klimaanlage als Luft-Luft-Wärmepumpe
Der vierte Weg wird oft übersehen, obwohl er rechnerisch der günstigste ist. Eine reversible Split-Klimaanlage ist technisch eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Sie holt dieselbe Umweltwärme, gibt sie nur an die Raumluft statt an einen Wasserkreis ab, und kostet in der Anschaffung deutlich weniger als eine Luft/Wasser-Wärmepumpe.
Die Effizienz wird als SCOP angegeben. Die EU-Verordnung 626/2011 setzt für Luftkonditionierer bis 12 kW, ausgenommen Ein- und Zweikanalgeräte, die Klassengrenzen bei SCOP 5,10 für A+++, 4,60 für A++, 4,00 für A+ und 3,40 für A. Mit SCOP 4,0 und PV-Strom landet die Wärme bei 1,9 ct/kWh, mit Haushaltsstrom bei 9,0 ct/kWh und damit immer noch unter Gasniveau.
Die Grenzen sind klar: kein Warmwasser, weniger Strahlungswärme, und geheizt wird nur, wo ein Innengerät hängt. Bei der Förderung wird es zusätzlich eng. Luft-Luft-Wärmepumpen sind laut Verbraucherzentrale nur förderfähig, wenn sie in der Liste der förderfähigen Anlagen des BAFA geführt werden. Die BEG verlangt dafür den Einsatz als Hauptheizung und bei bis zu 12 kW Heizleistung mindestens 181 % jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz. Viele einfache Klimageräte schaffen das nicht. Mehr dazu im Ratgeber Klimaanlage mit Photovoltaik und im Vergleich Luft-Luft oder Luft-Wasser.
Die Deckungsgrad-Rechnung: Was eine 10-kWp-Anlage wirklich beisteuert
Jetzt wird es konkret. Beispielhaus: 15.000 kWh Heizwärmebedarf im Jahr, Luft/Wasser-Wärmepumpe mit der Feld-JAZ von 3,4, macht rund 4.400 kWh Heizstrom pro Jahr. Dazu 3.500 kWh Haushaltsstrom, die immer Vorrang haben, weil sie ganzjährig anfallen. Die PV-Erträge sind die PVGIS-Monatswerte von oben, die Heizstromverteilung folgt der Gradtagzahl.
| Monat | PV-Ertrag | abzüglich Haushalt | Heizstrom-Bedarf | davon aus PV |
|---|---|---|---|---|
| Januar | 318 kWh | 26 kWh | 717 kWh | 26 kWh |
| Februar | 514 kWh | 222 kWh | 647 kWh | 222 kWh |
| März | 914 kWh | 622 kWh | 585 kWh | 585 kWh |
| April | 1.190 kWh | 898 kWh | 405 kWh | 405 kWh |
| Mai | 1.283 kWh | 991 kWh | 268 kWh | 268 kWh |
| Juni | 1.305 kWh | 1.013 kWh | 0 kWh | 0 kWh |
| Juli | 1.293 kWh | 1.001 kWh | 0 kWh | 0 kWh |
| August | 1.195 kWh | 903 kWh | 0 kWh | 0 kWh |
| September | 1.014 kWh | 722 kWh | 207 kWh | 207 kWh |
| Oktober | 691 kWh | 399 kWh | 374 kWh | 374 kWh |
| November | 362 kWh | 70 kWh | 541 kWh | 70 kWh |
| Dezember | 265 kWh | 0 kWh | 647 kWh | 0 kWh |
| Summe | 10.344 kWh | 6.867 kWh | 4.391 kWh | 2.157 kWh |
Das Ergebnis in zwei Zahlen:
- Über das Jahr: 2.157 von 4.391 kWh, also 49 % des Wärmepumpenstroms aus der eigenen Anlage.
- In den vier kalten Monaten November bis Februar: 318 von 2.552 kWh, also 12,5 %. Fast neun von zehn Kilowattstunden Heizstrom kommen dann aus dem Netz.
Und auch die 49 % sind eine Obergrenze, kein Versprechen. Die Tabelle rechnet mit Monatsbilanzen und unterstellt damit, dass Mittagsstrom auch nachts heizt. Ohne Speicher erreichen Haushalte laut Verbraucherzentrale nur rund 25 bis 30 Prozent Autarkie, mit Speicher bis zu 70 Prozent, wobei diese Werte für Haushalte ohne Wärmepumpe gelten. Kommt eine Wärmepumpe dazu, sinkt der Autarkiegrad, weil der Zusatzverbrauch überwiegend im Winter anfällt. Rechnen Sie deshalb stundengenau nach, etwa mit dem Ratgeber Autarkiegrad berechnen.
Was der Rest kostet
Bleiben im Beispiel 2.234 kWh Netzstrom für die Heizung. Mit einem Wärmepumpentarif von 24 ct/kWh sind das rund 536 Euro im Jahr. Rechnet man die 2.157 selbst genutzten Kilowattstunden ehrlich mit den entgangenen 7,70 ct Einspeisevergütung, kommen 166 Euro dazu: rund 700 Euro Heizkosten im Jahr.
Dieselben 15.000 kWh Wärme aus einer Gasbrennwertheizung mit 90 % Nutzungsgrad brauchen 16.667 kWh Gas. Beim Bundesdurchschnitt von 12,23 ct/kWh im zweiten Halbjahr 2025 sind das rund 2.040 Euro, ohne Grundpreis, Schornsteinfeger und Wartung.
Zur Gegenprobe derselbe Haushalt mit Direktstrom-Heizung: 15.000 kWh Wärme brauchen 15.000 kWh Strom. Bilanziell deckt die PV davon 3.852 kWh, die restlichen 11.148 kWh kosten bei den hier angesetzten 36 ct/kWh rund 4.000 Euro im Jahr, beim Destatis-Durchschnitt von 40,55 ct/kWh sogar gut 4.500 Euro. Das ist der Unterschied zwischen Faktor 3,4 und Faktor 1, im selben Haus, mit derselben Anlage.
Und ein Speicher?
Ein Hausspeicher verschiebt Stunden, keine Monate. Er holt den Mittagsüberschuss in den Abend, und dafür lohnt er sich oft. Die Faustregel der Verbraucherzentrale lautet 1,5 kWh Speicher je 1.000 kWh Jahresverbrauch, die Kosten liegen bei 300–700 Euro je kWh.
Ein Speicher, der das Dezemberdefizit von rund 647 kWh Heizstrom überbrücken soll, läge selbst am unteren Preisende im sechsstelligen Bereich und stünde elf Monate im Jahr leer. Saisonale Speicherung ist im Einfamilienhaus keine wirtschaftliche Option. Ob sich ein normal dimensionierter Speicher rechnet, klärt der Ratgeber Stromspeicher 2026.
Was Sie beim Verheizen aufgeben: 7,70 ct je Kilowattstunde
Jede selbst verheizte Kilowattstunde ist eine, die nicht eingespeist wird. Für Dachanlagen bis 10 kW liegt die Überschusseinspeisung im Zeitraum vom 1. August 2026 bis 31. Januar 2027 bei 7,70 ct/kWh, die Volleinspeisung bei 12,22 ct/kWh. Das sind die Opportunitätskosten, mit denen in allen Rechnungen dieses Artikels der PV-Strom bewertet wird.
Deshalb ist die Rechnung so eindeutig: Über eine Wärmepumpe wird aus 7,70 ct Opportunitätskosten eine Wärme-Kilowattstunde für 2,3 ct, über einen Heizstab eine für 7,7 ct. Gegen Gas bei 13,6 ct gewinnen beide, aber der Abstand ist ein anderer.
Steuerlich ändert sich durch die Eigennutzung nichts: Die Einkommensteuerfreiheit nach § 3 Nr. 72 EStG und der Nullsteuersatz auf Lieferung und Installation nach § 12 Abs. 3 UStG gelten unabhängig davon, ob der Strom eingespeist oder verheizt wird.
Förderung und Rechtslage 2026
Für die PV-Anlage selbst gibt es keinen BEG-Zuschuss. Die Förderung besteht aus der Einspeisevergütung, der Steuerfreiheit und dem Nullsteuersatz. Gefördert wird der Wärmeerzeuger.
Nach der seit dem 21. Juli 2026 geltenden Richtlinie zur Heizungsförderung KfW 458 gilt:
| Baustein | Satz | Bedingung |
|---|---|---|
| Grundförderung | 30 % | für alle förderfähigen Wärmeerzeuger |
| Klimageschwindigkeitsbonus | 16 % | bis 31.01.2027, danach halbjährlich −4 Prozentpunkte bis 01.08.2028 |
| Einkommensbonus | 40 / 30 / 10 % | zvE bis 30.000 / 40.000 / 50.000 Euro, nur Selbstnutzer |
| Deckel | 70 %, einkommensabhängig bis 80 % |
Die förderfähigen Höchstkosten liegen bei 28.000 Euro für die erste Wohneinheit, 15.000 Euro je 2. bis 6. und 8.000 Euro ab der 7. Wohneinheit. Für ein Einfamilienhaus sind damit maximal 22.400 Euro möglich, im Standardfall aus 30 % plus 16 % ergeben sich 12.880 Euro. Details zur Antragsreihenfolge stehen im Ratgeber Heizungsförderung 2026 im Überblick.
Zur Rechtslage, weil an dieser Stelle viel Unsinn kursiert: Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz, verkündet im BGBl. 2026 I Nr. 226 und in Kraft seit dem 29. Juli 2026, sind die 65-%-Erneuerbaren-Pflicht beim Heizungstausch und die frühere 30-Jahre-Austauschpflicht ersatzlos gestrichen. Es gibt keine pauschale Sanierungspflicht für Wohngebäude, und eine Gas- oder Ölheizung darf weiterhin eingebaut werden. Was bleibt, ist ein wirtschaftliches Argument: Der nationale CO2-Preis bewegt sich 2026 im gesetzlichen Korridor von 55 bis 65 Euro je Zertifikat mit Nachverkauf zu 68 Euro, was Erdgas um bis zu 0,28 ct/kWh und Heizöl um bis zu 4,1 ct/Liter gegenüber 2025 verteuert. Der EU-Emissionshandel für Gebäude und Verkehr, der den nationalen Handel ablöst, wird 2028 voll wirksam; ursprünglich war er für 2027 geplant.
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| Ihre Ausgangslage | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Gas- oder Ölheizung, Austausch steht ohnehin an | PV + Luft/Wasser-Wärmepumpe | Faktor 3,4, Warmwasser inklusive, bis 22.400 Euro Förderung |
| Heizung läuft noch gut, PV vorhanden | PV + Heizstab für Warmwasser | kleiner Eingriff, nutzt den Sommerüberschuss statt 7,70 ct |
| Einzelne Räume, Altbau, kein Wasserkreis | PV + Luft-Luft-Wärmepumpe | 1,9 ct/kWh Wärme, günstige Anschaffung, kein Warmwasser |
| Gästezimmer, Hobbyraum, seltene Nutzung | Infrarot als Zusatz | akzeptabel bei wenigen Betriebsstunden, nie als Hauptheizung |
| Nur PV geplant, Heizung soll bleiben | erst PV, Wärme später | Anlage nach Verbrauch auslegen, Wärmepumpe später nachrüstbar |
Zwei Fehler tauchen dabei besonders oft auf. Der erste: die PV-Anlage im Vorgriff auf eine spätere Wärmepumpe deutlich größer bauen und dann feststellen, dass der Zusatzertrag genau in den Sommermonaten anfällt, in denen ohnehin Überschuss herrscht. Der zweite: die Heizungsentscheidung von der PV abhängig machen. Sinnvoll ist die umgekehrte Reihenfolge. Erst klären, welcher Wärmeerzeuger zum Gebäude passt, siehe dazu die Ratgeber zur Alternative zur Gasheizung und zu den Gasheizungskosten 2026. Danach die Anlage auf den dann bekannten Verbrauch auslegen.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich mein Haus komplett mit Photovoltaik heizen?
Nein, nicht ohne Netzanschluss. Von November bis Februar liefert eine 10-kWp-Anlage nur 14,1 % ihres Jahresertrags, während in diesem Zeitraum 58,1 % des Heizwärmebedarfs anfallen. Im Dezember liegt der Ertrag mit 265 kWh sogar unter dem reinen Haushaltsstromverbrauch von rund 292 kWh. Solarstrom senkt die Heizkosten erheblich, ersetzt den Netzbezug im Winter aber nicht.
Wie viel Prozent meines Heizstroms deckt eine 10-kWp-Anlage?
In der Beispielrechnung dieses Artikels sind es rein bilanziell 49 % des Wärmepumpen-Jahresstroms, in den vier kalten Monaten aber nur 12,5 %. Der Jahreswert ist eine Obergrenze, weil er Monatsbilanzen vergleicht und nicht Stunden. Real liegt der Anteil ohne Speicher deutlich darunter.
Ist ein Heizstab oder eine Wärmepumpe besser für PV-Überschuss?
Für das Warmwasser im Sommer ist der Heizstab die einfachere und ausreichende Lösung, weil der Überschuss dann ohnehin ins Netz ginge. Für die Raumheizung ist die Wärmepumpe klar überlegen: Sie macht aus 1 kWh Strom 3–4 kWh Wärme, der Heizstab nur 1 kWh. In Wärmekosten sind das 2,3 ct gegenüber 7,7 ct je kWh.
Lohnt sich eine Infrarotheizung mit eigener Photovoltaik?
Als Hauptheizung fast nie. Stiftung Warentest rechnet für eine 100-m²-Wohnung mit 11.680 kWh Stromverbrauch im Jahr, was bei 40 ct/kWh knapp 4.700 Euro kostet, rund das 2,3-Fache einer Gasheizung. Genau in den Monaten mit dem höchsten Verbrauch liefert die PV am wenigsten, sodass der Strom überwiegend aus dem Netz kommt. In selten genutzten Einzelräumen kann Infrarot dagegen sinnvoll sein.
Brauche ich einen Batteriespeicher, um mit PV zu heizen?
Ein Speicher hilft, den Mittagsüberschuss in den Abend zu verschieben, und hebt den Autarkiegrad laut Verbraucherzentrale von 25–30 % auf bis zu 70 %, allerdings gemessen an Haushalten ohne Wärmepumpe. Das Winterproblem löst er nicht, weil es ein saisonales und kein tägliches Problem ist. Ein Speicher für das Dezemberdefizit läge im sechsstelligen Bereich.
Verliere ich Geld, wenn ich Solarstrom verheize statt einzuspeise?
Sie geben die Einspeisevergütung auf, aktuell 7,70 ct/kWh bei Überschusseinspeisung für Anlagen bis 10 kW. Über eine Wärmepumpe mit JAZ 3,4 entsteht daraus Wärme für 2,3 ct/kWh, also deutlich günstiger als Gaswärme für 13,6 ct/kWh. Über einen Heizstab bleiben es 7,7 ct/kWh, was gegenüber Gas immer noch günstiger ist, gegenüber der Wärmepumpe aber das Dreifache.
Muss ich meine Gasheizung überhaupt austauschen?
Nein. Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz sind die 65-%-Erneuerbaren-Pflicht und die frühere 30-Jahre-Austauschpflicht ersatzlos gestrichen. Es gibt keine pauschale Sanierungspflicht für Wohngebäude, und auch der Einbau einer neuen Gas- oder Ölheizung ist weiterhin erlaubt. Die Entscheidung ist damit eine rein wirtschaftliche, in die auch der steigende CO2-Preis gehört.
Zählt eine Klimaanlage als Wärmepumpe für die Förderung?
Nur unter engen Bedingungen. Laut Verbraucherzentrale ist eine Luft-Luft-Wärmepumpe nur förderfähig, wenn sie in der Liste der förderfähigen Anlagen des BAFA geführt wird. Die BEG verlangt zusätzlich den Einsatz als Hauptheizung und bei bis zu 12 kW Heizleistung mindestens 181 % jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz. Viele einfache Klimageräte erfüllen das nicht, obwohl sie technisch heizen können.
Wie groß sollte die PV-Anlage sein, wenn eine Wärmepumpe dazukommt?
Legen Sie die Anlage nach dem Dach und dem Gesamtverbrauch aus, nicht nach dem Winterbedarf der Wärmepumpe. Eine größere Anlage bringt den Zusatzertrag überwiegend im Sommer, wo ohnehin Überschuss herrscht. Der Winteranteil steigt proportional mit, bleibt aber bei 14,1 % von November bis Februar, unabhängig von der Anlagengröße.
Nächster Schritt: erst das Gebäude verstehen, dann den Weg wählen
Welcher der vier Wege für Sie der richtige ist, hängt nicht an der Photovoltaik, sondern am Gebäude: an der Heizlast, an den vorhandenen Heizflächen, an der Vorlauftemperatur und daran, wie viel Wärme das Haus überhaupt braucht. Ein Haus mit 15.000 kWh Bedarf rechnet anders als eines mit 25.000 kWh, und die Wahl zwischen Wärmepumpe, Luft-Luft-Gerät und Heizstab kippt genau an diesen Zahlen.
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