Welche Heizung für Altbau 2026: Entscheidung ab 55 °C Vorlauf
Welche Heizung passt zu Ihrem Altbau? Entscheidungsbaum nach Baujahr, Selbstcheck zur Vorlauftemperatur und Förderung bis 80 %, sachlich statt Panikmache.

Das Wichtigste in Kürze
- Nicht das Baujahr entscheidet, sondern die Vorlauftemperatur. Das Fraunhofer ISE hat vier Jahre lang 77 Wärmepumpen in Häusern der Baujahre 1826 bis 2001 vermessen. Ergebnis: "Eine Korrelation zwischen Baujahr der Gebäude und Effizienz der Wärmepumpe konnte nicht festgestellt werden."
- Die Schwelle heißt 55 °C: Ein Gebäude gilt laut Verbraucherzentrale als wärmepumpengeeignet, wenn die Vorlauftemperatur möglichst ganzjährig unter 55 °C bleibt. Darüber wird es nicht unmöglich, aber teurer im Betrieb.
- Zwei Selbstchecks reichen für die Vorentscheidung: der Heizkörper-Test am kältesten Tag und Ihr Verbrauch in kWh/m². Bundesweiter Referenzwert 2022: 155,4 kWh/m²a klimabereinigt.
- Es gibt keine Austauschpflicht. § 71 (65-%-Regel) und § 72 (30-Jahre-Kessel) sind im Gebäudemodernisierungsgesetz ausdrücklich "(weggefallen)". Gas und Öl bleiben erlaubt.
- Der Preis dafür steht in § 43 GModG: Wer nach dem 29.07.2026 einen neuen Gas- oder Ölkessel in ein bestehendes Gebäude einbaut, muss ab 2029 mindestens 10 % erneuerbare Brennstoffe einsetzen, ab 2030 dann 15 %, ab 2035 dann 30 % und ab 2040 dann 60 %.
- Förderung gibt es nur für erneuerbare Systeme: bis zu 80 % Zuschuss auf maximal 28.000 EUR förderfähige Kosten in der ersten Wohneinheit, also höchstens 22.400 EUR. Gas- und Ölheizungen sind ausgeschlossen.
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Die Frage "Welche Heizung für den Altbau?" wird fast immer falsch gestellt. Sie lautet in der Praxis nicht "Baujahr 1962, was passt?", sondern: Wie warm muss das Wasser in Ihren Heizkörpern sein, damit es am kältesten Tag des Jahres in allen Räumen behaglich wird? Diese eine Zahl, die Vorlauftemperatur, entscheidet über Technik, Betriebskosten und Förderfähigkeit. Alles andere sind Randbedingungen.
Dieser Artikel ist der Entscheidungsbaum davor, keine Produktempfehlung. Wenn am Ende eine Wärmepumpe herauskommt, führen die nächsten Schritte über Wärmepumpe im Altbau nachrüsten, die Frage nach den Heizkörpern im Altbau und, bei hohen Vorlauftemperaturen, über die Hochtemperatur-Wärmepumpe. Die konkrete Modellauswahl steht in unserem Vergleich der besten Wärmepumpen für den Altbau 2026. Hier geht es zuerst darum, ob es überhaupt die Wärmepumpe wird oder Pellets, Fernwärme, ein Hybrid oder bewusst noch einmal ein Brennwertkessel.
Welches System schafft welche Vorlauftemperatur?
Der schnellste Weg zur Vorauswahl ist eine Tabelle, die Systeme nicht nach Sympathie sortiert, sondern nach der Temperatur, die sie liefern können.
| System | Typische Vorlauftemperatur | Passt zu | Förderfähig (KfW 458) |
|---|---|---|---|
| Luft-Wasser-Wärmepumpe (Standard) | 35–55 °C | Fußbodenheizung, großflächige oder getauschte Heizkörper | ja |
| Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdreich) | 35–55 °C | wie oben, bei Platz für Bohrung/Kollektor | ja |
| Hochtemperatur-Wärmepumpe (R290) | bis 70–75 °C | alte Guss- und Rippenheizkörper, unsanierter Bestand | ja |
| Pelletheizung | 40–80 °C | jeder Altbau mit Lagerraum, auch bei hoher Heizlast | ja |
| Fernwärme | vom Netz vorgegeben, meist 60–90 °C | Gebäude im Anschlussgebiet | Anschluss ja |
| Hybrid (Wärmepumpe + Brennwertkessel) | Wärmepumpe bis ca. 55 °C, Kessel darüber | Häuser mit sehr ungleichen Räumen, Etappensanierung | Wärmepumpen-Teil ja |
| Gas-Brennwert allein | bis 75 °C | Übergangslösung, wenn Sanierung oder Verkauf ansteht | nein |
Die Tabelle zeigt bereits das Grundmuster: Technisch scheidet fast nichts aus. Was sich unterscheidet, sind die Betriebskosten und die Förderfähigkeit. Und beides hängt an derselben Größe, der benötigten Temperatur.
Die eine Zahl: Ihre Vorlauftemperatur
Der Zusammenhang ist physikalisch und lässt sich beziffern. Die Viessmann Vitocal 250-A erreicht laut Hersteller bis 70 °C Vorlauf, selbst bei minus 10 °C Außentemperatur. Dieselbe Baugröße kommt laut Datenblatt bei 35 °C Vorlauf auf einen SCOP von 5,01, bei 55 °C nur noch auf 3,87. Das sind rund 23 % Effizienzverlust allein durch 20 Kelvin mehr Vorlauf. Dieselbe Maschine, dasselbe Haus, nur eine andere Heizkurve.
Genau deshalb ist die Vorlauftemperatur der Knotenpunkt jeder Altbau-Entscheidung. Sie können sie senken (durch Dämmung, größere Heizflächen, hydraulischen Abgleich), Sie können sie mit Technik erkaufen (Hochtemperatur-Wärmepumpe, Pellets, Fernwärme), aber Sie können sie nicht ignorieren.
Selbstcheck 1: Der Heizkörper-Test
Der Test kostet nichts und dauert eine Heizperiode. Warten Sie einen richtig kalten Tag ab, idealerweise bei minus 5 °C oder darunter. Dann:
- Drehen Sie alle Thermostatventile im Haus voll auf.
- Stellen Sie die Vorlauftemperatur an der Heizung schrittweise nach unten, in Schritten von 5 Kelvin, etwa alle zwei Tage.
- Notieren Sie, bei welcher Einstellung es in einem Raum nicht mehr warm genug wird. Meist ist es der schlechteste Raum, häufig ein Nordzimmer oder ein Raum über einer Durchfahrt.
Der niedrigste Wert, bei dem noch alle Räume ihre Solltemperatur erreichen, ist Ihre reale Vorlauftemperatur. Liegt sie unter 55 °C, ist Ihr Haus im Sinne der Verbraucherzentrale wärmepumpengeeignet, unabhängig vom Baujahr. Liegt sie bei 60 bis 70 °C, ist die Wärmepumpe weiterhin möglich, aber die Frage nach Heizkörpertausch oder Hochtemperaturgerät wird zur Kostenfrage. Eine ausführliche Anleitung samt Stellschrauben steht in unserem Beitrag zum Vorlauftemperatur senken.
Wichtig: Die meisten Altbau-Heizungen laufen mit deutlich höherer Vorlauftemperatur, als sie müssten. Alte Kessel wurden auf 70/90 °C ausgelegt und nie nachjustiert. Sehr oft ergibt der Test 50 bis 55 °C, wo im Regler 70 °C stehen.
Selbstcheck 2: Der Verbrauchscheck in kWh/m²
Die zweite Zahl holen Sie aus der Heizkostenabrechnung oder vom Gaszähler. Teilen Sie den Jahresverbrauch in Kilowattstunden durch die beheizte Wohnfläche.
| Verbrauch | Einordnung | Was das für die Systemwahl heißt |
|---|---|---|
| unter 100 kWh/m²a | gut gedämmt oder teilsaniert | Standard-Wärmepumpe unkritisch, oft ohne Heizkörpertausch |
| 100–160 kWh/m²a | typischer Bestand | Wärmepumpe realistisch, einzelne Heizkörper prüfen |
| 160–220 kWh/m²a | unsanierter Altbau | Hochtemperatur-Wärmepumpe, Pellets, Fernwärme oder Hülle zuerst |
| über 220 kWh/m²a | Sanierungsfall | Erst Dach, Fenster und Fassade rechnen, dann Wärmeerzeuger |
Zur Einordnung: Der klimabereinigte Wärmeverbrauch je Quadratmeter beheizter Wohnfläche lag in Deutschland 2022 bei 155,4 kWh/m²a, der reale, nicht klimabereinigte Wert bei 137,7 kWh/m². Wer also im Bereich um 150 liegt, ist Durchschnitt und keineswegs ein hoffnungsloser Fall.
Zwei Fallstricke: Ölverbrauch rechnen Sie mit rund 10 kWh je Liter um, und Warmwasser steckt in der Zahl mit drin. Wer keinen separaten Zähler hat, zieht überschlägig 12 bis 15 kWh/m²a für Warmwasser ab.
Warum das Baujahr weniger sagt, als Sie denken
Rund 24 % aller deutschen Wohngebäude stammen aus der Zeit vor 1946, weitere 36 % aus den Jahren 1946 bis 1977. Zusammen sind das etwa 60 % des Bestands, alle errichtet vor der Ersten Wärmeschutzverordnung von 1978. Trotzdem taugt das Baujahr nur als grober Startpunkt.
Das Fraunhofer ISE hat im Projekt "WP-QS im Bestand" 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern über vier Jahre vermessen, Baujahre 1826 bis 2001, beheizte Fläche 90 bis 370 m². Die Luft-Wasser-Geräte erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4 (Spanne 2,6 bis 4,9), die erdgekoppelten Anlagen im Mittel 4,3 (Spanne 3,6 bis 5,4). Der Elektroheizstab, der immer als Kostenfalle im Altbau genannt wird, übernahm bei den Luft-Wasser-Geräten nur 1,3 % der elektrischen Arbeit, bei den Erdreich-Anlagen nahezu nichts. Und: Ausreichend dimensionierte Heizkörper ließen sich im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betreiben wie Flächenheizungen.
Eine Einordnung gehört dazu, weil sie sonst unterschlagen wird: Bei den vor 1977 errichteten Häusern des Messpools war die Fassade zu 51 % nachträglich gedämmt, bundesweit waren es zum Bezugsjahr 2016 nur 30 %. Der Pool war also besser saniert als der Durchschnitt. Die ab 1977 gebauten Häuser der Studie waren dagegen bis auf eines durchweg unsaniert. Die Botschaft bleibt trotzdem belastbar: Ein Baujahr allein disqualifiziert kein Haus.
Nebenbei liefert dieselbe Messreihe die Klimazahl: Gegenüber Erdgasheizungen sparten die vermessenen Bestands-Wärmepumpen 2024 rund 68 % CO2 bei statischer Bilanzierung und 64 % bei erstmals viertelstündlich dynamischer Bilanzierung des deutschen Strommix.
Der Entscheidungsbaum nach Baualter
Das Baualter ist kein Urteil, aber es sagt etwas über die wahrscheinliche Ausgangslage: über Wandaufbau, Fenster, Heizkörpertyp und darüber, was bereits gemacht wurde.
Altbau vor 1978: die größte Spannbreite
Hier finden Sie alles vom ungedämmten Ziegelbau mit Gussradiatoren bis zum energetisch komplett ertüchtigten Gründerzeithaus. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern was seither passiert ist.
Wenn Dach oder oberste Geschossdecke gedämmt sind und die Fenster zweifachverglast: Der Heizkörper-Test ergibt in diesen Häusern erstaunlich oft 50 bis 60 °C. Damit ist eine normale Luft-Wasser-Wärmepumpe im Spiel, gegebenenfalls nach Tausch von zwei bis vier kritischen Heizkörpern gegen Niedertemperaturmodelle. Wie das im Detail läuft, steht unter Wärmepumpe im Altbau nachrüsten.
Wenn nichts gedämmt ist und der Verbrauch über 200 kWh/m²a liegt: Dann sind drei Wege sinnvoll. Erstens: Hülle zuerst, Wärmeerzeuger danach. Die Verbraucherzentrale rät in diesem Fall ausdrücklich, die Heizung erst nach der Sanierung zu tauschen, damit sie zum veränderten Wärmebedarf passt. Zweitens: Hochtemperatur-Wärmepumpe, wenn die Sanierung realistisch nicht kommt. Drittens: Pellets oder Fernwärme, wenn hohe Vorlauftemperaturen dauerhaft gebraucht werden.
Bei Fachwerk, Denkmalschutz oder Gestaltungssatzung kommt eine Fassadendämmung außen häufig nicht infrage. Dann verschiebt sich das Gewicht Richtung Innendämmung, Hochtemperaturlösung oder Pellets.
Baujahr 1978–1995: der unauffällige Normalfall
Diese Häuser wurden nach der Ersten und Zweiten Wärmeschutzverordnung gebaut, also mit einem Mindestmaß an Dämmung, aber oft mit Heizkörpern, die auf 70/55 °C ausgelegt wurden. Typische Verbräuche liegen bei 120 bis 170 kWh/m²a.
Das ist der Bereich, in dem die Standard-Wärmepumpe fast immer funktioniert, und zwar meist mit den vorhandenen Heizkörpern. Der Hebel ist selten der Gerätetyp, sondern die Anlagenhydraulik: hydraulischer Abgleich, Heizkurve, Pufferstrategie, gegebenenfalls zwei größere Heizkörper. Rechnen Sie die Heizlast vor der Angebotsphase durch, sonst bekommen Sie eine zu groß dimensionierte Maschine, die taktet und nie ihre Auslegungseffizienz erreicht.
Baujahr ab 1995: fast immer unkritisch
Häuser ab Mitte der 1990er haben in aller Regel Isolierverglasung, gedämmte Dächer und häufig bereits Fußbodenheizung. Vorlauftemperaturen von 35 bis 45 °C sind normal, Verbräuche unter 110 kWh/m²a ebenfalls. Hier ist die Wärmepumpe technisch die naheliegende Wahl, und die Diskussion verschiebt sich zu Detailfragen: Luft oder Erdreich, Kombination mit Photovoltaik, Kühlfunktion im Sommer.
Die Systeme im Einzelnen, mit ihren Nachteilen
Wärmepumpe (Standard, bis 55 °C)
Wirtschaftlich das stärkste System, wenn die Vorlauftemperatur passt: gemessene Jahresarbeitszahlen von 3,4 (Luft) bis 4,3 (Sole) im echten Bestand, volle Förderfähigkeit, keine Brennstofflogistik, keine Schornsteinfeger-Abgasmessung. Nachteile ehrlich benannt: hohe Investition vor Förderung, Platzbedarf für das Außengerät, Schallthema in enger Bebauung, und die Effizienz reagiert empfindlich auf schlechte Hydraulik. Wer Heizkörper behalten will, sollte deren Auslegung prüfen lassen, statt zu raten.
Hochtemperatur-Wärmepumpe (bis 70–75 °C)
Geräte mit dem natürlichen Kältemittel R290 erreichen Vorlauftemperaturen, die alten Radiatoren genügen. Die Vaillant aroTHERM plus deckt zum Beispiel den Bereich 20 bis 75 °C ab und wird vom Hersteller ausdrücklich für die Kombination mit bestehenden Heizkörpern beworben. Der Preis steht oben: rund 23 % weniger SCOP zwischen 35 und 55 °C, darüber entsprechend mehr. Das kann trotzdem die richtige Wahl sein, wenn der Heizkörpertausch teurer wäre als die Effizienzdifferenz über 15 Jahre. Welche Modelle wie weit kommen und wo die Fördergrenze bei JAZ 3,0 kippt, steht im Beitrag zur Hochtemperatur-Wärmepumpe im Altbau.
Pelletheizung
Der pragmatische Weg für Häuser mit hoher Heizlast, die sich nicht sinnvoll dämmen lassen. Pellets liefern jede Vorlauftemperatur, die ein Ölkessel auch geliefert hat, die Feuerung läuft automatisch, und die Schadstoffemissionen liegen unter denen von Scheitholz. Nachteile: Sie brauchen einen trockenen Lagerraum, die Asche muss einige Male im Jahr entsorgt werden, es bleibt eine Verbrennungsanlage mit Wartung und Schornsteinfeger, und der Pelletpreis ist ein Marktpreis wie jeder andere. Förderfähig ist die Anlage. Zahlen und Vergleich stehen unter Pelletheizung Kosten und Förderung 2026.
Fernwärme
Wo ein Netz liegt, ist Fernwärme die bequemste Lösung: kein Kessel, kein Brennstoff, wenig Wartung, und hohe Vorlauftemperaturen sind kein Problem. Die Umstellungskosten liegen bei kleineren Gebäuden häufig einmalig bei 8.000 bis 15.000 EUR, der Durchschnittspreis bei rund 17 ct/kWh. Aber: In gut jedem vierten Wärmenetz zahlen Haushalte 20 Cent oder mehr pro Kilowattstunde, in fast jedem zehnten sogar 25 Cent oder mehr. Verträge können nach AVBFernwärmeV bis zu zehn Jahre laufen, ein Anbieterwechsel ist wegen des Netzmonopols nicht möglich, und der Energieträgermix ist zu rund zwei Dritteln fossil, also weniger grün, als der Name vermuten lässt.
Bevor Sie sich für oder gegen Fernwärme entscheiden, lohnt der Blick in die kommunale Wärmeplanung. Nach § 4 Abs. 2 WPG mussten Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern ihren Wärmeplan bis zum 30. Juni 2026 vorlegen, alle kleineren Gemeinden haben bis zum 30. Juni 2028 Zeit. In Großstädten können Sie also heute nachsehen, ob Ihre Straße überhaupt als Netzgebiet vorgesehen ist. In kleineren Gemeinden ist das Warten auf eine Fernwärmezusage bis 2028 ein Risiko, wenn der alte Kessel jetzt ausfällt.
Hybridheizung
Wärmepumpe für den Grundbedarf, Brennwertkessel für die kältesten Tage. Das löst das Vorlaufproblem elegant und senkt die nötige Wärmepumpenleistung. Der Nachteil ist strukturell: Ein Teil der Wärme bleibt fossil, und damit bleibt auch die Abhängigkeit vom Gaspreis samt CO2-Aufschlag bestehen. Dazu kommen zwei Anlagen mit zwei Wartungen und zwei Lebenszyklen. Sinnvoll ist ein Hybrid vor allem dann, wenn ein junger Brennwertkessel bereits im Keller steht und nur ergänzt wird. Mehr dazu unter Hybridheizung aus Wärmepumpe und Gas.
Gas-Brennwert als bewusste Übergangslösung
Diese Option wird in Ratgebern gern verschwiegen, ist aber legitim. Wenn das Haus in drei Jahren verkauft wird, wenn eine Kernsanierung ansteht oder wenn das Geld schlicht nicht da ist, kann ein neuer Brennwertkessel die richtige Entscheidung sein. Sie sollten dabei nur zwei Dinge wissen: Es gibt dafür keine Förderung, und für Anlagen, die nach dem 29. Juli 2026 in bestehende Gebäude eingebaut werden, gilt die steigende Quote erneuerbarer Brennstoffe nach § 43 GModG, also 10 % ab 2029, 15 % ab 2030, 30 % ab 2035 und 60 % ab 2040. Erfüllbar ist diese Quote auch über Solarthermie, Lüftung mit Wärmerückgewinnung oder eine Wärmepumpen-Hybridheizung, nicht nur über teure Biobrennstoffe. Eine Kostenrechnung finden Sie unter Gasheizung Kosten 2026.
Rechtslage 2026: was gilt, was nicht mehr gilt
Hier wird viel Angst verkauft, deshalb nüchtern: Das Gebäudeenergiegesetz heißt seit der Verkündung im Bundesgesetzblatt am 28. Juli 2026 Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) und ist seit dem 29. Juli 2026 in Kraft. Zwei Paragraphen, die jahrelang für Schlagzeilen sorgten, stehen im amtlichen Text jetzt nur noch als "(weggefallen)" da:
- § 71, die 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien beim Heizungseinbau. Ersatzlos gestrichen.
- § 72, das Betriebsverbot beziehungsweise die Austauschpflicht für über 30 Jahre alte Heizkessel. Ebenfalls gestrichen.
Es gibt damit keine pauschale Austauschpflicht für alte Kessel und keine pauschale Sanierungspflicht für Wohngebäude. Wer eine funktionierende Gas- oder Ölheizung hat, darf sie weiterbetreiben, reparieren und im Ernstfall auch durch ein neues fossiles Gerät ersetzen. Was bleibt, ist die Quotenregel nach § 43 für neu eingebaute Gas- und Ölheizungen und die schlichte Ökonomie: steigende CO2-Kosten auf der einen Seite, ein Förderprogramm auf der anderen, das fossile Technik nicht bedient.
Wie stark das ins Gewicht fällt, zeigt der Bestand. 2022 waren von rund 24,9 Millionen Wärmeerzeugern 19,5 Millionen fossil, also etwa 78 %: 14,3 Millionen Gasheizungen, 5,1 Millionen Ölheizungen. Wärmepumpen kamen inklusive Warmwassergeräten auf rund 7,3 %. Die Frage betrifft also fast jeden Hauseigentümer, aber sie betrifft ihn nicht mit der Stoppuhr.
Förderung 2026: was es für welches System gibt
Die Heizungsförderung läuft über das KfW-Programm 458. Nach dem Stand der Richtlinie vom 21. Juli 2026 gilt:
| Baustein | Höhe | Bedingung |
|---|---|---|
| Grundförderung | 30 % | für alle förderfähigen Systeme |
| Klimageschwindigkeitsbonus | 16 % | sinkt ab 01.02.2027 halbjährlich um 4 Prozentpunkte, endet 01.08.2028 |
| Einkommensbonus | 40 / 30 / 10 % | zvE bis 30.000 / 40.000 / 50.000 EUR, nur Selbstnutzer |
| Maximum gesamt | 80 % bzw. 70 % | 80 % nur bei zvE bis 30.000 EUR, sonst 70 % |
Förderfähige Höchstkosten: 28.000 EUR für die erste Wohneinheit, je 15.000 EUR für die zweite bis sechste und je 8.000 EUR ab der siebten Wohneinheit. Im Einfamilienhaus sind damit maximal 22.400 EUR Zuschuss möglich. Bei minderjährigen Kindern erhöht ein Familienzuschlag die Einkommensgrenze um 10.000 EUR.
Gefördert werden Wärmepumpen, Biomasse- und Pelletheizungen, Solarthermie, Brennstoffzellen, wasserstofffähige Heizungen sowie der Gebäude- oder Wärmenetzanschluss. Nicht gefördert werden Gas- und Ölheizungen. Diese Asymmetrie ist in der Praxis oft das eigentliche Argument: Nicht ein Verbot verdrängt den fossilen Kessel, sondern die Tatsache, dass die Alternative nach Zuschuss häufig günstiger in der Anschaffung ist.
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Die vier häufigsten Fehler bei der Systemwahl
Fehler 1: Zuerst das Gerät aussuchen, dann rechnen. Die Reihenfolge muss umgekehrt sein. Heizlast und reale Vorlauftemperatur bestimmen, welche Systeme überhaupt in die engere Wahl kommen. Die Verbraucherzentrale rät deshalb, sich zur Energiebilanz des ganzen Hauses und zur benötigten Heizleistung beraten zu lassen, bevor man einen Heizungsfachbetrieb beauftragt.
Fehler 2: Vom Baujahr auf die Eignung schließen. Die ISE-Messreihe über Baujahre von 1826 bis 2001 hat genau diesen Zusammenhang nicht gefunden. Ein Haus von 1955 mit gedämmtem Dach kann eine bessere Ausgangslage haben als ein ungedämmter Bau von 1985.
Fehler 3: Die Heizkörper vorschnell abschreiben. In der ISE-Studie ließen sich ausreichend dimensionierte Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen fahren wie Flächenheizungen. Rechnen Sie die vorhandenen Flächen nach, statt pauschal eine Fußbodenheizung einzuplanen. Was dabei zu beachten ist, steht unter Wärmepumpe mit Heizkörpern im Altbau.
Fehler 4: Auf eine Fernwärmezusage warten, die vielleicht nie kommt. In Gemeinden bis 100.000 Einwohner liegt die Frist für den Wärmeplan erst im Juni 2028. Ein 25 Jahre alter Kessel wartet unter Umständen nicht so lange.
Häufige Fragen (FAQ)
Brauche ich für eine Wärmepumpe im Altbau zwingend eine Fußbodenheizung?
Nein. Entscheidend ist die Vorlauftemperatur, nicht die Bauart der Heizfläche. Das Fraunhofer ISE hat festgestellt, dass ausreichend dimensionierte Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden können wie Flächenheizungen. Häufig genügt es, zwei oder drei unterdimensionierte Heizkörper zu tauschen, statt das gesamte Haus umzubauen.
Muss ich meine alte Öl- oder Gasheizung austauschen?
Nein. § 72 GModG, der eine Austauschpflicht für über 30 Jahre alte Kessel vorsah, ist im amtlichen Gesetzestext als "(weggefallen)" ausgewiesen. Auch die 65-Prozent-Pflicht nach § 71 ist gestrichen. Es gibt damit keine pauschale Pflicht, eine funktionierende Heizung zu ersetzen. Wirtschaftliche Gründe können trotzdem dafür sprechen.
Ab welcher Vorlauftemperatur wird eine Wärmepumpe unwirtschaftlich?
Eine harte Grenze gibt es nicht, aber eine belastbare Orientierung. Die Verbraucherzentrale nennt 55 °C als Eignungsschwelle. Darüber steigt der Stromverbrauch messbar: Die Viessmann Vitocal 250-A kommt laut Datenblatt bei 35 °C auf einen SCOP von 5,01, bei 55 °C nur noch auf 3,87. Ob sich der Betrieb bei 65 oder 70 °C rechnet, hängt davon ab, was die Alternative kostet.
Lohnt sich ein Hybrid aus Wärmepumpe und Gaskessel?
Vor allem dann, wenn der Gaskessel noch jung ist und ohnehin bleibt. Der Hybrid senkt die nötige Wärmepumpenleistung und deckt die kältesten Tage ab. Der Nachteil: Ein Teil der Wärme bleibt fossil, Sie bleiben also vom Gaspreis samt CO2-Aufschlag abhängig, und Sie warten zwei Anlagen statt einer.
Was kostet der Anschluss an ein Fernwärmenetz?
Bei kleineren Gebäuden liegen die Umstellungskosten häufig einmalig zwischen 8.000 und 15.000 EUR. Der Durchschnittspreis der Wärme liegt bei rund 17 ct/kWh, wobei in gut jedem vierten Netz 20 Cent oder mehr fällig werden. Kalkulieren Sie ein, dass ein Anbieterwechsel wegen des Netzmonopols nicht möglich ist und Verträge bis zu zehn Jahre laufen können.
Sollte ich zuerst dämmen oder zuerst die Heizung tauschen?
Wenn Ihr Verbrauch deutlich über 200 kWh/m²a liegt und die Hülle ohnehin ansteht, ist die Reihenfolge Hülle zuerst technisch sauberer: Ein gedämmtes Gebäude erlaubt eine kleinere und effizientere Wärmepumpe. Wenn der Kessel aber jetzt ausfällt, ist die Reihenfolge in der Praxis vorgegeben. Dann planen Sie die Wärmepumpe auf den Zustand nach der Sanierung und überbrücken die Zwischenzeit gegebenenfalls mit einer höheren Heizkurve.
Wie viel CO2 spart eine Wärmepumpe im Altbau wirklich?
Die vom Fraunhofer ISE vermessenen Bestandsanlagen sparten 2024 gegenüber Erdgasheizungen rund 68 % CO2 bei statischer Jahresbilanzierung und 64 % bei viertelstündlich dynamischer Bilanzierung des deutschen Strommix. Das sind Feldwerte aus echten Häusern, keine Laborwerte.
Was ist mit Häusern unter Denkmalschutz?
Dort scheidet eine Außendämmung meist aus, und auch das Außengerät einer Wärmepumpe kann genehmigungspflichtig sein. Übrig bleiben Innendämmung, Hochtemperatur-Wärmepumpe, Pellets oder Fernwärme. Die Förderfähigkeit bleibt in allen vier Fällen erhalten. Sprechen Sie die Untere Denkmalschutzbehörde früh an, sie ist selten der Blockierer, für den sie gehalten wird.
Nächster Schritt: Erst die Zahlen Ihres Hauses, dann die Technik
Der Entscheidungsbaum in diesem Artikel endet immer an derselben Stelle: bei zwei Zahlen, die nur Ihr Haus liefern kann, nämlich der realen Vorlauftemperatur und dem Verbrauch je Quadratmeter. Beide bekommen Sie mit den Selbstchecks oben grob heraus, belastbar werden sie durch eine Heizlastberechnung.
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