Solar-Terrassendach 2026: Glas oder Module? 198 Wp/m²
Über der Terrasse brauchen Module eine DIBt-Zulassung – rund 25 haben sie. Sie erfahren, wie viel Licht bleibt, was der Ertrag bringt und wo 19 % USt drohen.

Das Wichtigste in Kürze
- Nur rund 25 Zulassungen: Im DIBt-Verzeichnis der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen für Glas im Bauwesen stehen mit Stand 28.07.2026 rund 25 gültige Zulassungen für PV-Module als Überkopfverglasung (Nummernkreis Z-70.3-xxx). Alles andere braucht einen Einzelnachweis.
- Leistung je Quadratmeter rund 17 % niedriger: Ein überkopfzugelassenes Glas-Glas-Modul liefert ca. 198 Wp/m², ein aktuelles Standard-Dachmodul desselben Herstellers laut Datenblatt 238 Wp/m² – kleineres Format plus ältere Zelltechnik.
- Licht: 7,4 %, nicht 95 %: Das Datenblatt des überkopfzugelassenen SOLARWATT-Moduls weist ca. 7,4 % transparente Fläche aus. Ein stärker semitransparentes Überkopfmodul kommt auf 20 % Transparenz – dafür nur noch rund 173 Wp/m².
- Ertrag realistisch: Ein 20-m²-Terrassendach mit 3,7 kWp bringt bei 10° Neigung nach Süden rund 3.600 kWh im Jahr, nach Ost oder West rund 3.300 kWh, nach Norden noch rund 3.000 kWh (abgeleitet aus der Ausrichtungsmatrix des Fraunhofer ISE).
- Keine belastbaren Quadratmeterpreise: Für Solar-Terrassendächer veröffentlicht keine unabhängige Stelle Preise. Der einzige seriöse Anker ist die Fraunhofer-ISE-Zusammenstellung mit 900–1.500 €/kWp für eine normale 10-kWp-Aufdachanlage – der Aufschlag für zugelassene Überkopfmodule und die Unterkonstruktion ist nicht belegbar quantifizierbar.
- Steuerfalle: Die 0 % Umsatzsteuer nach § 12 Abs. 3 UStG gelten für das Gesamtwerk nur bei einer einheitlichen Paketlösung. Wer Zimmerer, Fundament und Statik getrennt beauftragt, zahlt darauf 19 %.
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Ein Solar-Terrassendach ist kein Photovoltaik-Projekt mit Dachbonus, sondern ein Bauteil mit zwei Funktionen: Es muss Strom erzeugen und über den Köpfen von Menschen halten. Genau daran scheitern die meisten Angebote im Netz. Denn über einem Aufenthaltsbereich gilt die Verglasung baurechtlich als Überkopfverglasung – damit greifen Regeln, die mit Photovoltaik erst einmal nichts zu tun haben. Praktisch heißt das: Von den Tausenden am Markt erhältlichen Modulen kommen nur rund 25 Zulassungsgegenstände infrage, und die kosten Leistung: ca. 198 Wp/m² statt 238 Wp/m².
In diesem Ratgeber trenne ich, was viele Anbieterseiten vermischen: die drei möglichen Eindeckungen, die tatsächliche Lichtdurchlässigkeit, den Ertrag bei flacher Terrassenneigung und die Kostenbausteine, die sich wirklich belegen lassen. Details zur Preisstruktur finden Sie ergänzend im Ratgeber Solar-Terrassendach Kosten im Überblick, die baurechtliche Seite vertieft Genehmigung und Statik beim Solar-Terrassendach.
Die drei Bauarten im direkten Vergleich
Wenn Sie ein Terrassendach planen, stehen genau drei Eindeckungen zur Wahl. Sie unterscheiden sich weniger im Preis als in der Frage, ob sie über einem Aufenthaltsbereich überhaupt eingebaut werden dürfen.
| Kriterium | Verbundsicherheitsglas (ohne PV) | Glas-Glas-Modul mit Überkopf-Zulassung | Standard-Dachmodul |
|---|---|---|---|
| Über der Terrasse zulässig? | ja, VSG ist der Regelfall nach DIN 18008-2 | ja, über allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) | nur mit gesondertem Nachweis (Glaskonstruktionsregeln oder Zustimmung im Einzelfall) |
| Flächenleistung | keine | ca. 198 Wp/m² | 238 Wp/m² |
| Lichtdurchlass | hoch, je nach Glasart und Beschichtung | ca. 7,4 % transparente Fläche (Beispielmodul), 20 % bei einem stärker semitransparenten Modul | wie Glas-Glas-Modul, aber ohne Überkopf-Freigabe |
| Modulfläche | frei planbar | 1,87 m² je Modul (Beispielmodul) | 1,998 m² je Modul – knapp unter der 2-m²-Grenze |
| Typischer Auslöser für Mehrkosten | Statik, Rahmenprofile | Zulassung, kleineres Format, Verkabelung, Wechselrichter | Nachweisaufwand, im Zweifel Zustimmung im Einzelfall |
| Nachrüstbarkeit von Strom | nein, nur durch Austausch der Felder | – | – |
Die Tabelle zeigt den eigentlichen Zielkonflikt: Wer über der Terrasse Strom erzeugen will, kauft nicht das leistungsstärkste Modul, sondern das zugelassene. Der Verzicht auf rund ein Sechstel der Flächenleistung ist der Preis dafür, dass die Auswahl klein ist: Das zugelassene Sortiment ist deutlich schmaler und technologisch meist eine Zellgeneration hinter dem Standardangebot. Wer diese Einbuße nicht akzeptieren will, sollte die Module besser dort montieren, wo niemand darunter steht – etwa auf einem Solarcarport oder als Photovoltaik im Garten auf einer freistehenden Unterkonstruktion.
Überkopfverglasung: Warum über der Terrasse andere Regeln gelten
Die VSG-Pflicht ist der Ausgangspunkt
Sobald sich aus der Nutzungsart ergibt, dass sich Personen unter der Verglasung aufhalten können, handelt es sich um eine Überkopfverglasung. Dann sind nach DIN 18008-2 Abschnitt 4.2 nur bestimmte Glasarten zulässig – im Kern Verbundsicherheitsglas oder Drahtglas. Über die Musterverwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) in der Fassung 2024 ist das baurechtlich verbindlich; der DIN-Normenausschuss Bauwesen bestätigt diese Auslegung ausdrücklich in seinen Auslegungen zur DIN 18008-Reihe (lfd. Nr. 15, Stand Mai 2026).
Ausnahmen gibt es nur zwei und sie helfen beim Terrassendach nicht weiter: verglaste Dachausstiege in Dachräumen bis 0,4 m² lichter Glasfläche sowie Kultur- und Produktionsgewächshäuser.
Der zweite, oft übersehene Punkt ist die Stützweite. Für zweiseitig linienförmig gelagerte Scheiben ist nach der Norm eine maximale Stützweite von 1,2 m zu bemessen; größere Stützweiten sind bei Überkopfverglasungen zwar möglich, erfordern aber einen Nachweis der Resttragfähigkeit über einen bauaufsichtlichen Anwendbarkeitsnachweis (NABau-Auslegung lfd. Nr. 14, Antwort 09/2024). Praktisch bestimmt das die Optik Ihrer Konstruktion: Ein Terrassendach mit Überkopfverglasung hat viele Sparren, nicht wenige.
Die 2-m²-Grenze für PV-Module
Für Photovoltaik gilt zusätzlich eine eigene Erleichterung. Nach der Information des Deutschen Instituts für Bautechnik vom 27.10.2023 dürfen PV-Module mit mechanisch gehaltenen Glasdeckflächen im Dachbereich – also bei einem Neigungswinkel bis 75° – ohne bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweis bis zu einer Einzelmodulfläche von 2,0 m² verwendet werden (MVV TB Teil B, Kapitel 3, lfd. Nrn. B 3.2.1.25 bis B 3.2.1.27).
Größere Module müssen ihre mechanische Festigkeit über die technischen Regeln zu Glaskonstruktionen nachweisen (MVV TB Teil A, Kapitel A 1, lfd. Nr. A 1.2.7) oder brauchen einen Verwendbarkeitsnachweis: eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ), eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE) oder ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP).
Wichtig für die Einordnung: Das DIBt formuliert ausdrücklich, dass es sich nicht um ein generelles Verwendungsverbot handelt. Ein Modul ohne abZ ist nicht automatisch unzulässig – der Nachweis muss nur anders geführt werden. Das setzt einen Tragwerksplaner und meist die Abstimmung mit der unteren Bauaufsichtsbehörde voraus: teurer und langsamer als ein Modul mit fertiger Zulassung.
Am Rande: Das DIBt hat der Bauministerkonferenz vorgeschlagen, die Grenze im Dachbereich von 2,0 m² auf 3,0 m² anzuheben. Der Vorschlag stammt aus der Meldung von 2023; ob und in welcher MVV-TB-Fassung er umgesetzt wurde, sollten Sie vor der Planung mit dem Statiker prüfen. Verlassen Sie sich nicht darauf.
Was Verfahrensfreiheit nicht bedeutet
Viele Bauherren hören vom Bauamt „das ist verfahrensfrei" und schließen daraus, es gebe keine Anforderungen. Das ist ein Irrtum, der teuer werden kann. In Bayern sind Terrassenüberdachungen bis 30 m² Fläche nach Art. 57 BayBO verfahrensfrei, ebenso Solarenergieanlagen in, auf und an Dach- und Außenwandflächen. Andere Landesbauordnungen setzen andere Grenzen, teils zusätzlich eine maximale Tiefe, teils gar keine Freistellung – die bayerische Regel lässt sich nicht bundesweit verallgemeinern.
Die materiellen Anforderungen gelten unabhängig davon weiter: Standsicherheit, Brandschutz, Technische Baubestimmungen. Das DIBt weist zudem darauf hin, dass auch bei zulassungsfreien Modulen die Herstellervorgaben einzuhalten sind und die Bauteile, an denen montiert wird, ausreichend tragfähig sein müssen. Verfahrensfrei heißt: Sie stellen keinen Antrag. Verantwortlich sind Sie trotzdem.
Diese Module haben eine gültige Überkopf-Zulassung
Der praktisch wertvollste Prüfstein für jedes Angebot ist eine einzige Frage: „Nennen Sie mir bitte die Z-70.3-Nummer des Moduls." Kommt darauf keine Antwort oder nur ein allgemeiner Verweis auf „VSG-Qualität", ist das ein Warnsignal.
| Zulassungsgegenstand | Antragsteller / Hersteller | Zulassungsnummer | Bescheid vom | gültig bis |
|---|---|---|---|---|
| Module „Vision 36M glass", „Vision 60M construct", „Panel vision GM 3.0 construct" | SOLARWATT GmbH, Dresden | Z-70.3-199 | 26.08.2025 | 17.05.2028 |
| PV Modul „PS XXX M" | Premium Solarglas GmbH, Erfurt | Z-70.3-255 | 23.02.2026 | 23.02.2031 |
| Sonnenstromfabrik GG PV-Modul | CS Wismar GmbH | Z-70.3-280 | 29.06.2022 | 29.06.2027 |
| PV Modul ATF Diamant | Antec Solar GmbH, Arnstadt | Z-70.3-285 | 30.04.2024 | 30.04.2029 |
| PV Module BS-XXX-XXXMXHBT-GGP | Bauer Solar GmbH, Selzen | Z-70.3-296 | 22.05.2024 | 22.05.2029 |
| PV Modul Mxxx-HCxxx-(b/w) (RC/BF) GG U30b | Megasol Energie AG (CH) | Z-70.3-298 | 20.03.2026 | 17.04.2030 |
| PV-Modul Eco Line Secure | Luxor Solar GmbH, Stuttgart | Z-70.3-306 | 13.11.2025 | 20.12.2029 |
| GES BIPV-VSG Photovoltaik Modul | GES Gebäude-Energiesysteme GmbH | Z-70.3-313 | 15.09.2025 | 15.09.2030 |
| PV Module „solar roof systems general"/„optimal" | srs-solar roof systems GmbH, Merkendorf | Z-70.3-314 | 11.12.2025 | 11.12.2030 |
| PV-Module „ertex solartechnik VSG Module" | ertex solartechnik GmbH (AT) | Z-70.3-321 | 28.05.2026 | 28.05.2031 |
| PV Module Guard Series, Guard HJT, Guard BC | Solar Fabrik GmbH, Laufach | Z-70.3-322 | 02.06.2026 | 02.06.2031 |
| Photovoltaisches Verbund-Sicherheitsglas „Elegante" | aleo solar GmbH, Prenzlau | Z-70.3-232 | 18.08.2016 | 14.04.2020 – nicht mehr im aktuellen Verzeichnis |
Auszug aus dem DIBt-Verzeichnis der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen – Glas im Bauwesen, Sachgebiet Überkopfverglasungen, Stand 28.07.2026. Insgesamt sind dort rund 25 PV-Modul-Zulassungen mit gültiger Geltungsdauer gelistet.
Der Fall Z-70.3-232: Warum Sie das Ablaufdatum prüfen müssen
Die letzte Zeile der Tabelle zeigt, warum das Datum genauso wichtig ist wie die Nummer. Die abZ Z-70.3-232 für das „Photovoltaische Verbund-Sicherheitsglas Elegante" wird in Onlineshops und Produktbeschreibungen bis heute als Zulassungsnachweis zitiert. Laut der DIBt-Detailseite zur Zulassung lief ihre Geltungsdauer vom 18.08.2016 bis zum 14.04.2020; im aktuellen Verzeichnis vom 28.07.2026 taucht der Hersteller nicht mehr auf.
Nüchtern formuliert: Das heißt nicht, dass das Produkt schlecht wäre, und auch nicht, dass es heute definitiv unzulässig ist – ob eine Nachfolgezulassung existiert, lässt sich aus dem Verzeichnis nicht ableiten. Es heißt nur, dass die zitierte Nummer als Nachweis nichts mehr trägt. Lassen Sie sich die Zulassung mit Nummer, Bescheiddatum und Geltungsdauer nennen und gleichen Sie sie mit dem aktuellen DIBt-Verzeichnis ab. Das dauert zwei Minuten und ist die wirksamste Prüfung, die Sie als Laie durchführen können.
Glas-Glas-Modul vs. Standard-Dachmodul: der Datenblattvergleich
Der Unterschied zwischen einem überkopfzugelassenen Modul und einem normalen Dachmodul lässt sich am besten innerhalb einer Produktfamilie zeigen – derselbe Hersteller, derselbe Glas-Glas-Aufbau, unterschiedliche Bestimmung.
| Kennwert | Panel vision GM 3.0 construct (abZ Z-70.3-199) | Panel vision M 5.5 (Standard-Dachmodul, keine Überkopf-abZ) |
|---|---|---|
| Glasaufbau | 2 mm gehärtetes Solarglas + 2 mm gehärtetes Glas | 2 mm gehärtetes Solarglas + 2 mm gehärtetes Solarglas |
| Zelltechnologie | 120 bifaziale PERC-Halbzellen | 96 bifaziale TOPCon-Halbzellen |
| Abmessungen (L × B × H) | 1.780 × 1.052 × 40 mm | 1.762 × 1.134 × 35 mm |
| Modulfläche (berechnet) | 1,87 m² | 1,998 m² |
| Gewicht | ca. 25 kg | 24,8 kg |
| Flächengewicht (berechnet) | ca. 13,4 kg/m² | ca. 12,4 kg/m² |
| Nennleistung | 360 / 365 / 370 Wp | 460 / 465 / 470 Wp |
| Leistung je m² | ca. 198 Wp/m² (aus Maß und Nennleistung berechnet) | 233 / 235 / 238 Wp/m² (Datenblatt) |
| Transparente Fläche | ca. 7,4 % | keine Angabe (Variante mit transparentem Zellhintergrund verfügbar) |
| Zertifizierte Auflast (IEC 61215) | 8.100 Pa (Testlast 12.150 Pa) | 8.100 Pa (Testlast 12.150 Pa) |
| Zertifizierte Soglast (IEC 61215) | 3.600 Pa (Testlast 5.400 Pa) | 2.800 Pa (Testlast 4.200 Pa) |
| Garantie | 30 Jahre Produkt- und Leistungsgarantie (90 %) | 30 Jahre Produkt- und Leistungsgarantie (90 %) |
| Überkopfmontage über Aufenthaltsbereich | zulässig (abZ Z-70.3-199) | nicht im Überkopf-Zulassungsverzeichnis geführt |
Quellen: Herstellerdatenblätter SOLARWATT Panel vision GM 3.0 construct und Panel vision M 5.5; DIBt-Zulassungsverzeichnis Glas im Bauwesen, Stand 28.07.2026. Die Werte „Modulfläche", „Flächengewicht" und „Leistung je m²" beim GM 3.0 construct sind aus den Datenblattmaßen berechnet.
Drei Beobachtungen sind daraus wichtig:
Erstens: Der Glasaufbau ist praktisch identisch, die Zelltechnik nicht. Beide Module sind Glas-Glas-Laminate aus 2 mm plus 2 mm gehärtetem Glas. Der Leistungsunterschied hat deshalb zwei Ursachen: das kleinere, überkopftaugliche Format – und die ältere PERC-Zellgeneration im zugelassenen Modul gegenüber TOPCon im aktuellen Standardmodul. Das ist typisch für den Markt: Bauartzulassungen laufen der Zellentwicklung hinterher.
Zweitens: Das Standardmodul liegt mit 1,998 m² haarscharf an der 2-m²-Grenze. Ein typisches 470-Wp-Modul misst 1,762 m × 1,134 m – gerade noch innerhalb der DIBt-Erleichterung. Die am Markt üblichen größeren Formate überschreiten sie. Das ist der eigentliche Grund, warum Terrassendächer fast immer kleinere Spezialmodule bekommen.
Drittens: Die höhere Soglast des Überkopfmoduls ist kein Zufall. 3.600 Pa statt 2.800 Pa – freistehende Überdachungen sind windtechnisch stärker belastet, weil der Wind von unten angreifen kann.
Ein Warnhinweis, weil ich diese Verwechslung immer wieder in Angeboten sehe: Die 8.100 Pa Auflast sind ein Prüfwert nach IEC 61215 für das Modul selbst – keine Freigabe für eine beliebige Schneelastzone. Die maßgebliche Schneelast nach DIN EN 1991-1-3 und die Tragfähigkeit von Sparren, Pfosten und Fundamenten sind davon unabhängig und müssen projektbezogen nachgewiesen werden.
Lichtdurchlässigkeit: Wird es dunkel unter dem Dach?
Das ist die Frage, die fast jeden Bauherren umtreibt – und die im Netz am unsaubersten beantwortet wird. Es kursieren drei Zahlen, die unterschiedliche Produkte und teilweise unterschiedliche Größen beschreiben. Sie dürfen deshalb nicht gegeneinander verrechnet oder als eine gemeinsame Bandbreite dargestellt werden.
| Angabe | Was tatsächlich gemeint ist | Quelle |
|---|---|---|
| ca. 7,4 % transparente Fläche | Flächenanteil der Zellzwischenräume beim überkopfzugelassenen Serienmodul – dort geht Licht direkt hindurch | Datenblatt SOLARWATT Panel vision GM 3.0 construct (abZ Z-70.3-199) |
| 20 % Transparenz | Datenblattwert eines zweiten überkopfzugelassenen Serienmoduls mit deutlich größerem Zellabstand – dafür nur ca. 173 Wp/m² statt 198 Wp/m² | Datenblatt Premium Solarglas „PS 190M" 2026 (abZ Z-70.3-255) |
| „95 Prozent Tageslicht" | Werbeaussage einer Anbieterseite, ohne Messgrundlage oder Definition | nicht belegt – nicht als Fakt verwendbar |
Praktisch heißt das: Ein Serienmodul mit 7,4 % transparenter Fläche wirkt wie ein dichtes Dach mit Lichtpunkten – deutlich dunkler als ein Klarglasdach, aber nicht schwarz, weil Licht seitlich einfällt und von hellen Flächen reflektiert wird. Ein stärker semitransparentes Modul lässt spürbar mehr durch, kostet aber genau dort Leistung, wo keine Zellen sitzen: Das zweite Beispielmodul erreicht mit 20 % Transparenz nur noch rund 173 Wp/m² (190 Wp auf 1,55 m × 0,71 m) – gut ein Achtel weniger als die bereits reduzierten 198 Wp/m².
Meine Empfehlung: Entscheiden Sie diese Frage nicht am Prospekt, sondern am Ort. Eine Nordterrasse, die ohnehin wenig direkte Sonne bekommt, verträgt ein dichtes Modul schlecht. Eine Südterrasse, auf der Sie im Hochsommer Schatten wollen, profitiert davon – ein PV-Terrassendach ist auch ein Verschattungselement für die dahinterliegenden Räume und verbessert den sommerlichen Wärmeschutz. Wenn Ihnen Helligkeit wichtiger ist als Stromertrag, ist die ehrlichste Antwort dagegen: klassisches VSG-Dach, Photovoltaik woanders – etwa als Solar-Pergola neben der Terrasse oder auf dem Hauptdach.
Aufbau und Konstruktion: Worauf es handwerklich ankommt
Unterkonstruktion und Fugenmaß
Anders als beim Aufdach-System, wo Schienen auf vorhandene Sparren geschraubt werden, ist die Unterkonstruktion beim Terrassendach das Bauwerk selbst. Sie trägt die Module, führt das Wasser ab, nimmt Wind- und Schneelasten auf und muss dauerhaft dicht bleiben.
Zwischen den Modulen wird Platz für die Verkabelung gebraucht: Laut den Montagehinweisen des Modulherstellers ertex solartechnik ist ein Abstand von etwa 25–30 mm vorzusehen. Das klingt nach einer Nebensache, bestimmt aber zusammen mit der 1,2-m-Regelstützweite das Rastermaß und die Sparrenteilung – und damit die Optik.
Regendichtigkeit
Ein Solar-Terrassendach ist regendicht, wenn die Fugen zwischen den Modulen mit einem dafür vorgesehenen Profil- oder Dichtsystem geschlossen sind. Genau hier trennt sich die Qualität: Systeme aus dem Gewächshaus- und Wintergartenbau haben durchdachte Trag- und Deckprofile mit Entwässerungsebene. Improvisierte Lösungen, bei denen Standardmodule auf eine Holzkonstruktion geschraubt und die Fugen mit Silikon geschlossen werden, sind erfahrungsgemäß nach wenigen Jahren undicht.
Wovon ich abrate: von jeder Konstruktion, deren Dichtebene aus Dauerelastik statt aus Profilen mit definierter Wasserführung besteht, und von Angeboten, die die Entwässerung nicht darstellen. Fragen Sie nach einem Schnitt durch die Traufe – wenn der nicht existiert, existiert meist auch die Planung nicht.
Statik und Fundament
Das Flächengewicht der Module ist mit ca. 13,4 kg/m² selten das Problem. Kritisch sind Schnee und Wind, beides standortabhängig und über die maßgebliche Schnee- und Windlastzone nachzuweisen. Hinzu kommen die Punktfundamente unter den Pfosten – und bei Wandbefestigung die Frage, ob Mauerwerk oder Wärmedämmverbundfassade die Ankerkräfte überhaupt aufnehmen. Die konstruktive Seite habe ich im Ratgeber Genehmigung und Statik beim Solar-Terrassendach aufgeschlüsselt.
Ertrag: Was eine flache Terrasse wirklich liefert
Die Ausrichtungsmatrix
Terrassendächer haben typischerweise 5–15° Neigung – gerade genug, damit Wasser abläuft. Das kostet Ertrag, aber weit weniger, als die meisten annehmen. Das Fraunhofer ISE veröffentlicht in seiner Studie „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland" eine Matrix des relativen Jahresertrags nach Ausrichtung und Neigung:
| Neigung | Ost (−90°) | Südost (−45°) | Süd (0°) | Südwest (+45°) | West (+90°) | Nord (180°) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 0° (waagerecht) | 84 % | 84 % | 84 % | 84 % | 84 % | 84 % |
| 10° | 83 % | 89 % | 91 % | 89 % | 83 % | 75 % |
| 20° | 82 % | 92 % | 96 % | 92 % | 81 % | 65 % |
| 30° | 81 % | 94 % | 99 % | 93 % | 79 % | 56 % |
| 40° | 78 % | 94 % | 100 % | 93 % | 76 % | 47 % |
Standort Freiburg, unverschattet; 100 % = Süd bei 40° Neigung. Quelle: Fraunhofer ISE, Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Abbildung 33, Fassung 05.05.2026. Für norddeutsche Standorte verschiebt sich das Optimum laut derselben Quelle zu größeren Neigungen – die Werte sind ein Orientierungsmuster, keine Standortprognose.
Daraus folgt eine Empfehlung, die ich sonst kaum irgendwo lese: Bei einem Terrassendach lohnt sich das Optimieren von Neigung und Verschattungsfreiheit deutlich mehr als das Drehen Richtung Süden. Bei 10° Neigung liegen Ost und West mit 83 % nur rund acht Prozentpunkte hinter Süd (91 %) – die flache Neigung selbst kostet gegenüber dem Optimum bereits neun Punkte. Und ein Nordterrassendach mit 75 % ist keineswegs sinnlos. Das ISE weist zudem darauf hin, dass das Maximum um Süd bei 40° flach ausgebildet ist: Geringe Abweichungen haben kaum Einfluss.
Rechenbeispiel: 20 m² Terrassendach
Nehmen wir eine übliche Größe: eine Terrassenüberdachung von rund 20 m² Bruttofläche. Mit dem überkopfzugelassenen Beispielmodul (1,87 m² je Stück) passen dort 10 Module hinein – zuzüglich der 25–30 mm Fugen. Das ergibt 3,7 kWp. Mit Standard-Dachmodulen wären auf derselben Fläche 4,7 kWp möglich; das ist der Preis der Zulassung.
Für die Ertragsrechnung nutze ich die Annahmen des Fraunhofer ISE: Ein neues, optimal nach Süden ausgerichtetes System mit 1.270 kWh/(m²·a) Einstrahlung in Modulebene und einer Performance Ratio von 85 % erreicht rund 1.080 kWh/kWp im Jahr. Dieser Wert entspricht dem 100-Prozent-Feld der Matrix; auf ihn lege ich die relativen Faktoren an.
| Ausrichtung (10° Neigung) | rel. Ertrag | Ertrag je kWp (abgeleitet) | Jahresertrag 3,7 kWp | Wirtschaftlicher Wert bei 30 % Eigenverbrauch |
|---|---|---|---|---|
| Süd | 91 % | ca. 983 kWh | ca. 3.600 kWh | ca. 600 € |
| Südost / Südwest | 89 % | ca. 961 kWh | ca. 3.550 kWh | ca. 590 € |
| waagerecht (0°, jede Richtung) | 84 % | ca. 907 kWh | ca. 3.350 kWh | ca. 550 € |
| Ost / West | 83 % | ca. 896 kWh | ca. 3.300 kWh | ca. 550 € |
| Nord | 75 % | ca. 810 kWh | ca. 3.000 kWh | ca. 500 € |
Eigene Ableitung aus den Fraunhofer-ISE-Kennwerten. Wert = 30 % Eigenverbrauch bewertet mit 37,2 ct/kWh (durchschnittlicher Haushaltsstrompreis 2026 bei 3.500 kWh Jahresverbrauch inklusive Grundpreis) plus Überschusseinspeisung mit 7,70 ct/kWh.
Zur Eigenverbrauchsquote: Haushalte erreichen laut ISE (nach Auswertungen der HTW Berlin) je nach Anlagengröße 20–40 % Eigenverbrauch ohne Speicher. Die 30 % in der Tabelle sind ein Mittelwert – bei Homeoffice, Wärmepumpe oder Elektroauto liegen Sie darüber, bei einem klassischen Pendlerhaushalt darunter.
Weitere ISE-Rechenannahmen für eine eigene Wirtschaftlichkeitsbetrachtung: mittlere Jahressumme der horizontalen Globalstrahlung in Deutschland 1.100 kWh/(m²·a), Performance Ratio 85 %, jährliche Degradation 0,5 %, Betriebskosten 1 % des Anlagenpreises pro Jahr, Nutzungsdauer 20 Jahre. Die Stromgestehungskosten kleiner Dachanlagen beziffert das ISE auf 6–14 ct/kWh – ein Solar-Terrassendach liegt wegen der Sonderkonstruktion eher am oberen Rand oder darüber.
Und kein Rechenmodell rettet ein verschattetes Dach. Terrassen liegen direkt am Haus, also oft im Schatten von Dachüberständen, Gauben, Bäumen oder Nachbargebäuden. Eine Überdachung an der Nordwestecke, die ab 15 Uhr im Hausschatten liegt, verliert mehr Ertrag als jede Ausrichtungsentscheidung. Prüfen Sie die Verschattung über den Tages- und Jahresverlauf, bevor Sie über Module reden.
Kosten: Was sich belegen lässt – und was nicht
Hier muss ich ehrlicher sein als die meisten Seiten zu diesem Thema: Für Solar-Terrassendächer existieren keine belastbaren Quadratmeter- oder Komplettpreise aus unabhängiger Quelle. Weder Verbraucherzentralen noch Warentest-Institute noch das Fraunhofer ISE noch die Hersteller veröffentlichen Listenpreise für diese Bauart. Die Spannen, die in Vergleichsportalen kursieren, sind nicht überprüfbar – ich zitiere sie deshalb nicht. Was sich belegen lässt, sind Anker aus der Standard-Photovoltaik:
| Kostenbaustein | Belegter Wert | Übertragbarkeit auf das Terrassendach |
|---|---|---|
| Komplette 10-kWp-Aufdachanlage | 900–1.500 €/kWp (Stand Ende 2025) | Untergrenze. Gilt für Standardmodule auf vorhandenem Dach, nicht für überkopfzugelassene Module |
| Globaler Modul-Durchschnittspreis (ASP) | ca. 0,10 US$/Wp (2025) | zeigt: Das Modul ist der kleinste Posten. Zulassungspflichtige Module liegen deutlich darüber |
| Preisentwicklung 10–100 kWp | Ende 2025 unter 8 % des Preises von 1990, im Mittel rund −7 % pro Jahr | Der langfristige Trend hilft, aber siehe nächste Zeile |
| Preisrichtung ab April 2026 | steigend | Chinas Streichung der 9-prozentigen Exportumsatzsteuer-Rückerstattung erhöht zusammen mit Material- und Frachtkosten die weltweiten Modul- und Installationspreise |
| Unterkonstruktion, Fundament, Statik, Montage | nicht öffentlich beziffert | beim Terrassendach der dominierende Kostenblock |
Quellen: Fraunhofer ISE, Photovoltaics Report, aktualisiert 14.07.2026. Der Wert 900–1.500 €/kWp stammt aus einer Fraunhofer-ISE-Zusammenstellung, nicht aus einer eigenen Fraunhofer-Erhebung.
Wie Sie daraus ein realistisches Bild bekommen: Lassen Sie sich das Angebot in Bausteine aufschlüsseln – Module (Stückzahl × Typ × abZ-Nummer), Wechselrichter, Unterkonstruktion und Profile, Fundamente, Elektroinstallation, Zählerschrank, Gerüst, Statik und Planung. Ein Pauschalpreis „schlüsselfertig" ohne Aufschlüsselung sagt Ihnen nichts über die Qualität der Konstruktion.
Eine vertiefte Kostenaufschlüsselung finden Sie im Ratgeber Solar-Terrassendach Kosten im Überblick. Zum Vergleich lohnt der Blick auf Photovoltaik-Fassade: Kosten pro Quadratmeter und Solardachziegel: Kosten und Anbieter – beide teilen das Grundproblem gebäudeintegrierter Photovoltaik: höhere Kosten je Watt, dafür ein Bauteil, das ohnehin gebraucht wird.
Steuern, Vergütung und Pflichten
Die Umsatzsteuerfalle beim Terrassendach
Das ist der Punkt, an dem beim Solar-Terrassendach am meisten Geld verloren geht – und den fast alle Anbieterseiten falsch darstellen.
Der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 Nr. 1 UStG gilt für die Lieferung von Solarmodulen an den Betreiber einschließlich der wesentlichen Komponenten und des Speichers, wenn die Anlage auf oder in der Nähe von Privatwohnungen oder Wohngebäuden installiert wird. Die Voraussetzungen gelten als erfüllt, wenn die installierte Bruttoleistung laut Marktstammdatenregister nicht mehr als 30 kW (peak) beträgt. „In der Nähe" ist großzügig ausgelegt: Nach dem BMF-Schreiben vom 27.02.2023 genügt die Installation auf demselben Grundstück – ausdrücklich auch auf Garage, Gartenschuppen oder Zaun. Zu den „wesentlichen Komponenten" zählt laut BMF-Schreiben ausdrücklich die Dachhalterung, außerdem Wechselrichter, Energiemanagement-System, Solarkabel, Einspeisesteckdose, Funk-Rundsteuerungsempfänger und Backup-Box.
Und jetzt der entscheidende Satz: Vorarbeiten, die auch anderen Zwecken zugutekommen – Dacharbeiten, Bodenarbeiten, die Erweiterung des Zählerschranks – unterliegen bei getrennter Beauftragung dem Regelsteuersatz von 19 %. Werden dieselben Arbeiten dagegen als einheitliche Paketlösung von einem Solarunternehmen erbracht, gilt der Nullsteuersatz für das gesamte Werk (Abschn. 12.18 Abs. 10 UStAE, Beispiele 1 und 3).
Beim Terrassendach ist genau dieser Block – Zimmerer, Fundament, Statik, Profilsystem – der größte Einzelposten. Wer ihn separat vergibt, zahlt darauf 19 % Umsatzsteuer; bei einem fünfstelligen Auftrag ist das ein vierstelliger Betrag. Nicht begünstigt sind zudem eigenständige Serviceleistungen wie Wartung, das Einholen behördlicher Genehmigungen und die Versicherung der Anlage.
Vergütung, Pflichten und Fristen im Überblick
| Thema | Wert / Regel | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Umsatzsteuer auf Module, Speicher, Wechselrichter, Dachhalterung | 0 % (Nullsteuersatz) | § 12 Abs. 3 UStG; BMF-Schreiben 27.02.2023, Abschn. 12.18 Abs. 8 UStAE |
| Vereinfachungsgrenze für den Nullsteuersatz | bis 30 kW (peak) laut Marktstammdatenregister | § 12 Abs. 3 Nr. 1 Satz 2 UStG |
| Unterkonstruktion, Fundament, Zimmererarbeiten bei getrennter Beauftragung | 19 % Umsatzsteuer | BMF-Schreiben 27.02.2023, Abschn. 12.18 Abs. 10 UStAE, Beispiel 1 |
| Gleiche Arbeiten als einheitliche Paketlösung aus einer Hand | 0 % Umsatzsteuer | BMF-Schreiben 27.02.2023, Abschn. 12.18 Abs. 10 UStAE, Beispiel 3 |
| Einspeisevergütung, Inbetriebnahme 01.08.2026–31.01.2027, bis 10 kW | 7,70 ct/kWh (Teileinspeisung) / 12,22 ct/kWh (Volleinspeisung) | Bundesnetzagentur, EEG-Fördersätze |
| Einspeisevergütung bis 40 kW | 6,66 ct/kWh (Teileinspeisung) / 10,24 ct/kWh (Volleinspeisung) | Bundesnetzagentur, Stand August 2026 |
| Anlagen unter 25 kW mit Einspeisevergütung, solange kein intelligentes Messsystem eingebaut und getestet ist | Begrenzung der maximalen Wirkleistungseinspeisung auf 60 % der installierten Leistung | § 9 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 EEG 2023 |
| Negative Börsenpreise | anzulegender Wert sinkt auf null (bei < 100 kW erst nach Smart-Meter-Einbau) | § 51 EEG 2023 |
| Registrierung im Marktstammdatenregister | innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme | § 5 MaStRV |
| Modulfläche ohne Verwendbarkeitsnachweis (Dachbereich ≤ 75°) | bis 2,0 m² je Einzelmodul | MVV TB Teil B, B 3.2.1.25; DIBt-Information 27.10.2023 |
| Verglasung über Aufenthaltsbereichen | Verbundsicherheitsglas oder Drahtglas zwingend | DIN 18008-2 Abschn. 4.2 i. V. m. MVV TB 2024; DIN-NABau-Auslegung Nr. 15, Stand Mai 2026 |
| Terrassenüberdachung verfahrensfrei (Beispiel Bayern) | bis 30 m² Fläche | Art. 57 BayBO |
Die Fördersätze der Bundesnetzagentur degressieren regelmäßig – zum 01.02.2027 steht die nächste Absenkung um rund 1 % an. Prüfen Sie den Wert für Ihren konkreten Inbetriebnahmezeitpunkt.
Ein letzter, oft übersehener Vorteil: Bei einem Neubau darf Strom aus erneuerbaren Energien, der im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang zum Gebäude erzeugt wird, nach § 23 GEG beim Jahres-Primärenergiebedarf in Abzug gebracht werden. Ein Solar-Terrassendach kann also die Erfüllung der energetischen Neubauanforderungen unterstützen – die konkrete Anrechnung gehört in die Hand des Energieberaters. Beachten Sie dabei: Das Gebäudeenergiegesetz heißt seit dem 29.07.2026 Gebäudemodernisierungsgesetz und wurde in Teilen neu nummeriert – gleichen Sie die Paragraphenangabe mit der jeweils aktuellen Fassung ab.
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Solar-Terrassendach, Solarcarport und Solar-Pergola: die Unterschiede
Die drei Begriffe werden im Marketing durcheinandergeworfen, meinen baurechtlich aber Verschiedenes. Der entscheidende Trennstrich ist immer derselbe: Halten sich darunter regelmäßig Personen auf?
| Merkmal | Solar-Terrassendach | Solarcarport | Solar-Pergola |
|---|---|---|---|
| Aufenthaltsbereich darunter | ja | in der Regel nein (Fahrzeugabstellfläche) | je nach Nutzung, meist ja |
| Überkopfverglasung im Sinne der DIN 18008 | ja | im Regelfall nein | abhängig von der Ausführung |
| Modulwahl | zwingend zugelassene bzw. nachgewiesene Module | Standardmodule möglich | abhängig von der Einstufung |
| Regendichtigkeit gefordert | ja | meist ja | häufig nein, oft bewusst offen |
| Neigung typisch | 5–15° | flach | flach bis leicht geneigt |
| Flächenleistung | niedriger (ca. 198 Wp/m²) | höher (Standardmodule, 238 Wp/m²) | abhängig von Modulwahl und Fugenanteil |
| Kostentreiber | Zulassung, Dichtebene, Statik | Fundamente, Länge der Zuleitung | Konstruktion, Optik |
Der Herstellerhinweis von ertex solartechnik deckt sich mit der Fraunhofer-Matrix: Eine südorientierte Überdachung mit 30° Neigung erreicht in Mitteleuropa den höchsten Gesamtertrag über den Jahresverlauf, bei leicht geneigten Konstruktionen wie Carports ist noch mit rund 90 % des Optimalwerts zu rechnen.
Praktisch bedeutet das: Wenn Sie primär Strom wollen, ist der Carport die bessere Fläche. Dort dürfen Standardmodule verbaut werden, die Anforderung an die Dichtebene ist geringer und die Flächenleistung rund 20 % höher – Details im Ratgeber Solarcarport: Kosten und Förderung. Wenn Sie dagegen primär eine regendichte Terrasse wollen und der Strom ein Nebeneffekt ist, führt am zugelassenen Überkopfmodul kein Weg vorbei. Für kleine Flächen am Haus lohnt der Blick auf das Solar-Vordach für den Hauseingang, das denselben Überkopfregeln unterliegt, aber mit deutlich weniger Fläche auskommt.
Für Glas-Glas-Module spricht über die Statik hinaus die Treibhausgasbilanz: Sie schneiden laut Fraunhofer ISE günstig ab, weil sie geringer degradieren und je nach Ausführung ohne Aluminiumrahmen auskommen. Bei einer Bauform, die auf 20 bis 30 Jahre ausgelegt ist, ist das ein reales Argument.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist besser für ein Terrassendach: Glas-Glas-Solarmodule oder normales Verbundsicherheitsglas?
Das hängt davon ab, was Sie primär wollen. Ein klassisches VSG-Dach ist heller, planerisch einfacher und in der Fläche frei teilbar. Ein überkopfzugelassenes Glas-Glas-Modul erzeugt zusätzlich Strom – bei einem 20-m²-Dach rund 3.600 kWh im Jahr bei Südausrichtung –, kostet aber Lichtdurchlass (ca. 7,4 % transparente Fläche) und ist an das Modulraster gebunden. Nachrüsten lässt sich Strom in ein fertiges Glasdach praktisch nicht. Entscheiden Sie also vor dem Bau, nicht danach.
Wie viel Licht kommt unter einem Solar-Terrassendach noch durch?
Beim überkopfzugelassenen Serienmodul SOLARWATT Panel vision GM 3.0 construct weist das Datenblatt ca. 7,4 % transparente Fläche aus – das sind die Zellzwischenräume. Ein zweites überkopfzugelassenes Serienmodul kommt mit größerem Zellabstand auf 20 % Transparenz, erreicht dafür aber nur noch rund 173 statt 198 Wp/m². Werbeaussagen wie „95 Prozent Tageslicht bleiben erhalten" sind ohne Messgrundlage und sollten nicht als Fakt behandelt werden. Der subjektive Helligkeitseindruck ist übrigens besser als die 7,4 % vermuten lassen, weil Licht seitlich einfällt.
Brauchen Solarmodule über einer Terrasse eine bauaufsichtliche Zulassung?
Nicht zwingend eine Zulassung, aber immer einen Nachweis. Module bis 2,0 m² Einzelmodulfläche dürfen im Dachbereich (Neigung ≤ 75°) ohne Verwendbarkeitsnachweis verwendet werden; über einem Aufenthaltsbereich kommt zusätzlich die VSG-Pflicht der DIN 18008-2 zum Tragen. Der einfachste Weg ist ein Modul mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung für Überkopfverglasungen (Nummernkreis Z-70.3-xxx); alternativ ist der Nachweis über die Glaskonstruktionsregeln oder eine Zustimmung im Einzelfall möglich. Das DIBt betont ausdrücklich, dass kein generelles Verwendungsverbot besteht. Klären Sie den konkreten Weg mit Tragwerksplaner und Bauamt.
Was kostet ein Solar-Terrassendach pro Quadratmeter?
Dafür gibt es keine belastbare unabhängige Zahl – weder Verbraucherschutzorganisationen noch Forschungsinstitute noch die Hersteller veröffentlichen Preise für diese Bauart. Der einzige seriöse Anker: Eine normale 10-kWp-Aufdachanlage kostet laut Fraunhofer-ISE-Zusammenstellung 900–1.500 €/kWp (Stand Ende 2025). Für ein Terrassendach ist das die Untergrenze der Photovoltaik-Seite; hinzu kommen Unterkonstruktion, Fundamente, Statik und Profilsystem, die hier den größten Block bilden und nicht öffentlich beziffert sind.
Wie viel Strom bringt ein Solar-Terrassendach im Jahr?
Ein 20-m²-Dach mit zehn überkopfzugelassenen Modulen ergibt rund 3,7 kWp. Bei 10° Neigung nach Süden sind daraus rund 3.600 kWh im Jahr abzuleiten, nach Ost oder West rund 3.300 kWh, nach Norden noch rund 3.000 kWh. Grundlage sind die Fraunhofer-ISE-Kennwerte (ca. 1.080 kWh/kWp bei optimaler Ausrichtung, Performance Ratio 85 %) und die Ausrichtungsmatrix für den Standort Freiburg. Bei 30 % Eigenverbrauch entspricht das rund 500–600 € Nutzen pro Jahr. Verschattung durch Haus, Gauben oder Bäume drückt diese Werte deutlich.
Ist ein Solar-Terrassendach regendicht?
Ja, wenn ein dafür entwickeltes Profilsystem mit definierter Wasserführung eingesetzt wird. Zwischen den Modulen wird für die Verkabelung ein Abstand von etwa 25–30 mm gebraucht; diese Fugen werden mit Trag- und Deckprofilen geschlossen. Konstruktionen, bei denen Module auf eine Holzunterkonstruktion geschraubt und die Fugen mit dauerelastischer Masse abgedichtet werden, sind erfahrungsgemäß nach wenigen Jahren undicht. Lassen Sie sich einen Schnitt durch Traufe und Fuge zeigen.
Was ist der Unterschied zwischen Solar-Terrassendach, Solarcarport und Solar-Pergola?
Entscheidend ist, ob sich unter der Konstruktion regelmäßig Personen aufhalten. Beim Terrassendach ist das der Fall, deshalb gilt es als Überkopfverglasung mit VSG-Pflicht und braucht zugelassene oder gesondert nachgewiesene Module. Ein Carport überdacht in der Regel nur eine Fahrzeugabstellfläche, dort sind Standardmodule mit 238 Wp/m² statt 198 Wp/m² möglich. Eine Pergola liegt dazwischen und ist häufig bewusst nicht regendicht. Wenn Ihnen der Stromertrag wichtiger ist als die Terrasse, ist der Carport die wirtschaftlichere Fläche.
Gilt die 0 % Mehrwertsteuer auch für die Unterkonstruktion des Terrassendachs?
Nur unter einer Bedingung. Die Dachhalterung selbst ist laut BMF-Schreiben eine „wesentliche Komponente" mit Nullsteuersatz. Vorarbeiten, die auch anderen Zwecken dienen – Zimmererarbeiten, Fundamente, Bodenarbeiten, Zählerschrankerweiterung –, unterliegen bei getrennter Beauftragung 19 % Umsatzsteuer. Werden alle Leistungen als einheitliche Paketlösung von einem Solarunternehmen erbracht, gilt der Nullsteuersatz für das gesamte Werk. Beim Terrassendach ist das ein vierstelliger Unterschied. Nicht begünstigt bleiben in jedem Fall Wartung, Genehmigungseinholung und Versicherung.
Braucht man für ein Solar-Terrassendach eine Baugenehmigung?
Das regeln die Landesbauordnungen unterschiedlich. In Bayern sind Terrassenüberdachungen bis 30 m² nach Art. 57 BayBO verfahrensfrei, Solarenergieanlagen in, auf und an Dach- und Außenwandflächen ebenfalls. Andere Bundesländer setzen abweichende Grenzen, teils zusätzlich eine maximale Tiefe, teils gar keine Freistellung. Verfahrensfreiheit entbindet außerdem nicht von den materiellen Anforderungen: Standsicherheit, Brandschutz und Technische Baubestimmungen gelten weiter. Klären Sie den Fall für Ihr Bundesland und Ihr Grundstück – inklusive Bebauungsplan, Abstandsflächen und etwaiger Gestaltungssatzung.
Nächster Schritt: Passt ein Solar-Terrassendach zu Ihrem Haus?
Ob sich ein Solar-Terrassendach für Sie rechnet, entscheidet sich nicht am Modulpreis, sondern an drei gebäudespezifischen Fragen: Wie stark ist die geplante Fläche verschattet, wie hoch ist Ihr tatsächlicher Eigenverbrauch über den Tag, und lohnt sich die Sonderkonstruktion überhaupt gegenüber der Alternative, dieselbe Leistung auf dem Hauptdach oder einem Carport unterzubringen? Pauschale Antworten helfen dabei nicht weiter – dafür unterscheiden sich Grundstücke, Dachflächen und Haushaltsprofile zu stark. Mit der reduco-Gebäudeanalyse ordnen Sie Ihr Gebäude in wenigen Minuten datenbasiert ein und sehen, welche Photovoltaik-Variante an Ihrem konkreten Standort wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist – inklusive Ertragsabschätzung und Einordnung der Förder- und Steuerfragen.
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