Heizung & Wärmewende
Heizung entlüften 2026: Anleitung in 6 Schritten und Druckcheck

Hendrik Stotz
Zertifizierter Energieeffizienz-Experte
Stand: 7. September 202616 Minuten

Bekannt aus


















Das Wichtigste in Kürze
- Reihenfolge: Zuerst die Heizkörper in der untersten Etage, zuletzt der höchstgelegene. So wandert die verdrängte Luft zum letzten Hochpunkt und nicht zurück in die Stränge.
- Vorbereitung: Umwälzpumpe abschalten, 30–60 Minuten warten, Thermostate vollständig aufdrehen, Vierkantschlüssel (meist 5 mm), Auffanggefäß und Lappen bereitlegen.
- Ventil: Eine Viertel- bis halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn genügt. Sobald statt Luft Wasser austritt, wird das Ventil zügig wieder geschlossen.
- Druck danach: Jeder Entlüftungsvorgang senkt den Anlagendruck. Sollwert ist die Höhe in Metern mal 0,1 plus 0,5 bar, also 1,5 bar bei 10 Metern. Unter 1,3 bar wird nachgefüllt.
- Intervall: Einmal im Jahr, am besten im Oktober oder November vor Beginn der Heizperiode, zusätzlich nach jedem Nachfüllen.
- Wenn es weiter gluckert: Kein zweiter Entlüftungsversuch, sondern Anlagendruck, Ausdehnungsgefäß und Leckage prüfen lassen. Ständig neue Luft ist ein Symptom, kein Wartungsfall.
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Die Heizung entlüften Sie je Heizkörper in rund zwei Minuten: Umwälzpumpe ausschalten, 30 bis 60 Minuten warten, Thermostat voll aufdrehen, dann das Ventil mit dem Vierkantschlüssel eine Viertel- bis halbe Umdrehung öffnen, bis statt Luft Wasser austritt. Gearbeitet wird von der untersten Etage nach oben, der oberste Heizkörper kommt zuletzt. Anschließend gehört der Blick aufs Manometer, denn jeder Entlüftungsvorgang senkt den Anlagendruck. Er darf nicht unter 1,3 bar fallen. Bleibt das Gluckern danach, liegt die Ursache selten in der Luft selbst.
Heizung entlüften: Anleitung in 6 Schritten
Die Anleitung sieht überall gleich aus und scheitert in der Praxis trotzdem an zwei Stellen: an der laufenden Umwälzpumpe, die die Luftblasen im Kreis schiebt, und am fehlenden Druckcheck danach. Beides steht in dieser Schrittfolge drin. Rechnen Sie für ein Einfamilienhaus mit acht Heizkörpern insgesamt eine gute Stunde, davon ist der größte Teil Wartezeit.
| Schritt | Was Sie tun | Warum | Dauer |
|---|---|---|---|
| 1. Vorbereiten | Anlage normal warmfahren, Vierkantschlüssel (meist 5 mm), kleines Gefäß und Lappen bereitlegen | Warmes Heizungswasser gibt gelöste Luft ab, der Vierkant passt auf fast jedes Ventil | 5 Minuten |
| 2. Pumpe abschalten | Umwälzpumpe am Wärmeerzeuger oder über die Regelung ausschalten, danach 30–60 Minuten warten | Ohne Strömung steigen die Luftblasen an die Hochpunkte der Heizkörper | 30–60 Minuten |
| 3. Thermostate öffnen | Alle Thermostatventile vollständig aufdrehen, meist Stufe 5 | Nur ein offenes Ventil lässt die Luft bis zum Entlüfter durch | 2 Minuten |
| 4. Ventil öffnen | Gefäß unter das Entlüftungsventil halten, Schlüssel eine Viertel- bis halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn | Ein leicht geöffnetes Ventil zischt kontrolliert, ein weit geöffnetes spritzt | 1–2 Minuten je Heizkörper |
| 5. Schließen | Sobald gleichmäßig Wasser austritt, Ventil zügig zudrehen | Ab diesem Moment fließt nur noch Heizungswasser ab und der Druck sinkt unnötig | 10 Sekunden |
| 6. Druck prüfen | Manometer ablesen, bei Bedarf nachfüllen, Pumpe wieder einschalten | Jeder Entlüftungsvorgang kostet Wasser und damit Anlagendruck | 5 Minuten |
Quellen: Verbraucherzentrale, Viessmann, Vaillant · Stand: September 2026
Die Verbraucherzentrale beschreibt die Kernschritte knapp: Thermostatventil vollständig aufdrehen, einen kleinen Behälter unter das Entlüftungsventil stellen und das Ventil so lange offen halten, bis nur noch heißes Wasser herauskommt. Genau dieser Satz enthält die Gefahr: Es ist heißes Wasser, das aus einem Ventil in Hüfthöhe austritt.
Heiß oder abgekühlt entlüften? Der Sicherheitsabstand zum Ventil
An dieser Stelle widersprechen sich die Quellen, und das sollte man wissen, statt es zu glätten. Die Verbraucherzentrale lässt den Heizkörper vor dem Entlüften vollständig warm werden, weil warmes Wasser die gelöste Luft besser abgibt. Vaillant empfiehlt dagegen, die Heizung vorher abzuschalten und etwa eine Stunde abkühlen zu lassen, ausdrücklich zum Schutz vor heißem Spritzwasser und Dampf.
Der praktikable Mittelweg ist der Ablauf aus der Tabelle: warmfahren, Pumpe aus, dann 30 bis 60 Minuten Ruhe. Die Anlage ist danach immer noch heiß. Halten Sie deshalb Gefäß und Lappen dicht an das Ventil, greifen Sie nie mit der Handfläche unter die Öffnung und öffnen Sie im Zweifel nur eine Viertelumdrehung. Wer unsicher ist oder Kinder im Raum hat, lässt die Anlage komplett auskühlen und nimmt den kleinen Effizienzverlust in Kauf.
Werkzeug: Vierkantschlüssel, Auffanggefäß und Lappen
Der Entlüftungsschlüssel ist laut Viessmann ein standardisierter Vierkantschlüssel, im Handel überwiegend als Vierkant mit 5 mm geführt. Er kostet wenige Euro und passt auf die überwiegende Mehrheit der Heizkörperventile in deutschen Wohngebäuden. Dazu brauchen Sie ein flaches Gefäß, das unter das Ventil passt, einen saugfähigen Lappen und, falls das Manometer im Keller sitzt, eine Taschenlampe.
In welcher Reihenfolge werden die Heizkörper entlüftet?
Von unten nach oben. Erstreckt sich die Wohnung über mehrere Etagen, ist es laut Verbraucherzentrale sinnvoll, zuerst die unteren Heizkörper zu entlüften und zum Schluss die obersten. Vaillant beschreibt denselben Weg: in der untersten Etage beginnen und sich von dort sukzessive nach oben arbeiten.
Der physikalische Grund ist einfach. Luft sammelt sich an den Hochpunkten des Systems. Öffnen Sie unten zuerst, drückt das nachströmende Wasser die verbliebene Luft weiter nach oben, wo sie beim nächsten Heizkörper wieder herauskommt. Der oberste Heizkörper ist damit der letzte Sammelpunkt, und er wird zuletzt geöffnet. Innerhalb einer Etage arbeiten Sie vom Wärmeerzeuger weg, also erst die nahen, dann die entfernten Heizkörper.
Warum Verbraucherzentrale und Hersteller unterschiedliche Reihenfolgen empfehlen
Viessmann empfiehlt den umgekehrten Weg und rät, zunächst den am höchsten gelegenen Heizkörper zu entlüften, weil sich dort in der Regel die meiste Luft sammelt. Beides ist vertretbar, und wer nur einen einzelnen gluckernden Heizkörper hat, kann ohnehin direkt an dieses Gerät gehen.
Für den kompletten Durchgang durch ein Haus ist die Reihenfolge von unten nach oben trotzdem die bessere Wahl, weil sie mit der Strömungsrichtung arbeitet statt gegen sie: Wer oben anfängt, schiebt die Restluft aus den unteren Heizkörpern anschließend wieder in den bereits entlüfteten Hochpunkt. In der Praxis heißt das nur, dass Sie oben ein zweites Mal ansetzen müssen. Ein Schaden entsteht dadurch nicht, Zeit kostet es schon.
Muss die Umwälzpumpe beim Entlüften ausgeschaltet werden?
Ja. Viessmann nennt das Abschalten der Umwälzpumpe ausdrücklich als ersten Schritt, sofern Sie Zugriff darauf haben, gefolgt von einer Wartezeit von 30 bis 60 Minuten, damit sich die Luftbläschen oben sammeln können. Solange die Pumpe läuft, werden die Blasen mit dem Wasser durch das Rohrnetz transportiert und stehen beim Öffnen des Ventils schlicht nicht dort, wo Sie sie herauslassen wollen.
In Einfamilienhäusern schalten Sie die Pumpe über die Regelung des Wärmeerzeugers ab, häufig über einen Sommer- oder Standby-Modus. In Mietwohnungen mit Zentralheizung haben Sie diesen Zugriff nicht. Dort entlüften Sie ohne den Zwischenschritt, was funktioniert, aber häufiger einen zweiten Durchgang nötig macht. Vergessen Sie nicht, die Pumpe nach dem Druckcheck wieder einzuschalten.
Anlagendruck prüfen und Heizungswasser nachfüllen
Der Schritt, den fast jede Kurzanleitung unterschlägt: Bei jedem Entlüftungsvorgang verliert die Anlage Wasser, wodurch der Systemdruck sinkt. Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb, den Druck sowohl vor als auch nach dem Entlüften zu prüfen und gegebenenfalls Wasser nachzufüllen. Wie Sie dabei genau vorgehen, welches Wasser hineingehört und woran Sie ein defektes Ausdehnungsgefäß erkennen, steht im Ratgeber zum Heizungswasser nachfüllen und den Anlagendruck prüfen.
Faustformel: 0,1 bar je Meter Höhe plus 0,5 bar
Der richtige Anlagendruck hängt an der Gebäudehöhe, nicht am Bauchgefühl. Viessmann rechnet mit 0,1 bar je Meter Höhenunterschied zwischen Wärmeerzeuger und höchstem Punkt der Anlage, plus einem Zuschlag von 0,5 bar. Bei 10 Metern Höhe sind das 1,5 bar. Nach dem Befüllen soll der Druck konstant bleiben und nicht unter 1,3 bar liegen.
| Höhe vom Kessel bis zum obersten Heizkörper | Rechenwert (Höhe × 0,1 + 0,5) | Fülldruck kalt in der Praxis | Typisches Gebäude |
|---|---|---|---|
| 5 m | 1,0 bar | 1,3 bar (Untergrenze) | Bungalow oder Haus mit einem Vollgeschoss |
| 7 m | 1,2 bar | 1,3 bar (Untergrenze) | Einfamilienhaus mit ausgebautem Dachgeschoss |
| 10 m | 1,5 bar | 1,5 bar | Dreigeschossiges Haus, Wärmeerzeuger im Keller |
| 14 m | 1,9 bar | 1,9 bar | Mehrfamilienhaus mit vier Vollgeschossen |
Quellen: Viessmann (Faustformel und Untergrenze 1,3 bar) · Stand: September 2026
Das nachgefüllte Wasser muss klar und frei von Ablagerungen sein und den Vorgaben der VDI-Richtlinie 2035 entsprechen. In Regionen mit hartem Wasser ist deshalb oft eine Enthärtung oder Entsalzung nötig, sonst setzen sich Kalk und Schlamm im Wärmeerzeuger ab.
Warum der Füllschlauch nicht dauerhaft angeschlossen bleiben darf
Ein Detail, das viele Heizungskeller betrifft und in kaum einer Anleitung steht: Das Nachfüllen über einen permanent verbundenen Füllschlauch in Verbindung mit einem Rückflussverhinderer ist gesetzlich nicht mehr zulässig. Nach der europäischen Norm DIN EN 12828 muss stattdessen ein Systemtrenner in das Heizsystem eingebaut werden.
Der Grund ist der Trinkwasserschutz. Heizungswasser mit Inhibitoren oder Frostschutz fällt in Flüssigkeitskategorie 4 und verlangt einen DVGW-zugelassenen Systemtrenner vom Typ BA. Praktisch heißt das: Schlauch nach dem Nachfüllen abnehmen, Füllhahn schließen. Wer dauerhaft nachfüllen muss, hat ohnehin ein Leck oder ein defektes Ausdehnungsgefäß und keinen Bedarf an einem festen Schlauch.
Wie oft muss man die Heizung entlüften?
Einmal jährlich. Viessmann formuliert es als Grundregel, die Heizung jährlich zu entlüften, Vaillant empfiehlt, die Heizkörper prophylaktisch im Oktober oder November zu entlüften, also unmittelbar vor Beginn der Heizperiode. Dazu kommt ein Entlüftungsdurchgang nach jedem Nachfüllen und immer dann, wenn ein Heizkörper hörbar gluckert oder oben kalt bleibt.
Wichtig ist die Abgrenzung: Ein jährlicher Durchgang ist Wartung, ein monatlicher ist ein Symptom. Wenn dieselben Heizkörper vier- oder fünfmal pro Saison Luft ziehen, kommt die Luft irgendwo ins System nach, und dann hilft Entlüften nur für ein paar Wochen. Die Ursachen dafür stehen weiter unten im Abschnitt zum anhaltenden Gluckern.
Heizung entlüften ohne Entlüftungsschlüssel: was funktioniert und was nicht
Der Standard ist der Vierkantschlüssel. Es gibt aber Heizkörper, deren Entlüftungsventil zusätzlich einen Schlitz trägt. Bei diesen Ventilen genügt ein passender Schlitzschraubendreher, und zwar einer, der die Breite des Schlitzes wirklich ausfüllt. Manche älteren Modelle haben stattdessen einen kleinen Sechskant, dafür passt ein Maulschlüssel oder ein Bit aus dem Standardsatz.
Wovon ich abrate: Kombi- oder Rohrzange am Ventilvierkant. Die Ventile bestehen aus weichem Messing, die Zange rundet die Kanten in Sekunden ab, und danach passt auch der richtige Schlüssel nicht mehr. Ein rundgedrehtes Ventil bedeutet einen Fachbetriebstermin für eine Aufgabe, die zwei Euro Werkzeug gekostet hätte. Wer dauerhaft keinen Schlüssel benutzen will, rüstet automatische Entlüfter nach. Diese Ventile öffnen selbsttätig, wenn Luft ansteht, und schließen bei Wasserkontakt. Sie werden anstelle des Handentlüfters eingeschraubt. Achten Sie beim Kauf darauf, dass zulässiger Betriebsdruck und Temperaturbereich des Modells zu Ihrer Anlage passen.
Fußbodenheizung entlüften: warum sie gespült statt am Heizkörper entlüftet wird
Eine Fußbodenheizung hat kein Ventil am Heizkörper, weil sie keinen Heizkörper hat. Entlüftet wird am Heizkreisverteiler, und zwar Heizkreis für Heizkreis. Wichtiger als das reine Entlüften ist bei Flächenheizungen das Spülen: Vor dem hydraulischen Abgleich an einer alten Anlage sollen Fachleute das Rohrnetz zuvor spülen und komplett entlüften, weil sich Luft in den langen, flach verlegten Schleifen sonst hartnäckig hält.
Heizkreisverteiler: einzelne Heizkreise nacheinander absperren
Das Prinzip: Alle Heizkreise am Verteiler schließen, dann genau einen öffnen und über den Entleerungshahn mit Schlauch spülen, bis das Wasser blasenfrei läuft. Danach der nächste Kreis. Nur so wird die Strömungsgeschwindigkeit in dem einen Kreis hoch genug, um die Luft mitzureißen. Das ist deutlich mehr Aufwand als ein Heizkörper, verlangt einen Wasseranschluss am Verteiler und geht mit Wasserverlust einher, weshalb der Anlagendruck danach zwingend kontrolliert und das Wasser nach VDI 2035 aufbereitet nachgefüllt wird.
Wenn einzelne Räume dauerhaft kalt bleiben, obwohl der Kreis blasenfrei läuft, liegt es fast immer an der Einregulierung und nicht an der Luft. Wer über den Einbau einer Flächenheizung im Bestand nachdenkt, findet die Kosten und Aufbauhöhen im Ratgeber zum Fußbodenheizung nachrüsten.
Wärmepumpe entlüften: Heizkreis ja, Gerät nein
Auch eine Wärmepumpe hängt an einem wassergeführten Heizkreis, und dieser Heizkreis wird genauso entlüftet wie bei jeder anderen Heizung: an den Heizkörpern oder am Verteiler der Flächenheizung. Was Sie nicht selbst tun: geräteinterne Entlüftungsprogramme starten, am Kältekreis arbeiten oder Anschlüsse an der Hydraulikeinheit lösen. Der Kältekreis ist ein geschlossenes System und Sache des Fachbetriebs, für Wartung und Inbetriebnahme gelten die Angaben des jeweiligen Herstellers.
Luft im Heizkreis kostet Volumenstrom und provoziert Takten
Luft ist bei Wärmepumpen kein kosmetisches Problem. Das Informationsblatt Nr. 62 von BWP und BDH führt Luft in den Heizkreisen ausdrücklich als Ursache auf, wenn die Temperaturspreizung der Heizkreise zu hoch ist oder die Rücklauftemperaturen unterschiedlich ausfallen. Ein zu geringer Volumenstrom führt laut derselben Quelle zu hoher Schalthäufigkeit und kurzen Laufzeiten, also zu dem Taktverhalten, das Effizienz und Verdichterlebensdauer kostet.
Verwechseln Sie das nicht mit Eis am Außengerät. Reif und Eis auf dem Verdampfer sind normaler Betrieb und werden über den Abtauzyklus abgebaut, wie der Ratgeber zur vereisten Wärmepumpe und zum Abtauzyklus zeigt. Mit Luft im Heizungswasser hat das nichts zu tun.
Heizung entlüften im Mehrfamilienhaus: Rechte von Mietern und Eigentümern
Den Heizkörper in der eigenen Wohnung dürfen Sie als Mieter entlüften, das ist normale Bedienung. Alles, was an der Zentralheizung passiert, dürfen Sie nicht: Der Anlagendruck und das Nachfüllen gehören nicht in Mieterhand. In einem Mehrfamilienhaus mit Zentralheizung ist dafür laut Verbraucherzentrale eine Rücksprache mit dem Gebäudemanagement oder der Verwaltung nötig.
Was der Vermieter nach § 535 BGB schuldet
Die Rechtsgrundlage ist knapp. Nach § 535 Abs. 1 Satz 2 BGB hat der Vermieter die Mietsache in einem zum vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten Zustand zu überlassen und sie während der Mietzeit in diesem Zustand zu erhalten. Eine funktionierende Heizung gehört dazu. Bleibt die Wohnung trotz Meldung kalt, ist die Miete nach § 536 Abs. 1 BGB für die Zeit gemindert, in der die Tauglichkeit gemindert ist. Eine unerhebliche Minderung bleibt dabei außer Betracht, ein gluckernder Heizkörper allein reicht also nicht.
Melden Sie den Defekt schriftlich mit Datum und beschreiben Sie das Symptom konkret. Wer das Haus dagegen selbst besitzt, hat nach dem Entlüften zwei Hebel in der Hand, die deutlich mehr bringen als der Entlüftungsschlüssel.
Warum gluckert die Heizung trotz Entlüften?
Weil Luft in den allermeisten Fällen die Folge und nicht die Ursache ist. Sinkt der Anlagendruck unter den Sollwert, zieht das System an undichten Stellen und über Automatikentlüfter neue Luft. Das Informationsblatt Nr. 62 von BWP und BDH nennt für einen Druckabfall im Heizsystem drei Ursachen: ein nicht vollständig entlüfteter Heizkreis, ein unzureichend bemessenes, falsch eingestelltes oder defektes Ausdehnungsgefäß und eine Leckage.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Selbst machbar oder Fachbetrieb |
|---|---|---|
| Gluckern hält nach dem Entlüften an | Anlagendruck zu niedrig, System zieht Luft nach | Druck selbst prüfen, Ursachensuche Fachbetrieb |
| Anlagendruck fällt wöchentlich | Ausdehnungsgefäß falsch eingestellt oder defekt, Leckage | Fachbetrieb |
| Heizkörper oben kalt, unten warm | Luftpolster im oberen Bereich des Heizkörpers | selbst entlüften |
| Wärmepumpe taktet, kurze Laufzeiten | Zu geringer Volumenstrom, unter anderem durch Luft im Heizkreis | Fachbetrieb |
| Einzelne Räume bleiben kalt, andere sind zu warm | Fehlender hydraulischer Abgleich | Fachbetrieb |
Quellen: BWP/BDH Informationsblatt Nr. 62 (November 2015), Viessmann · Stand: September 2026
Welches Geräusch für welchen Fehler steht, vom Gluckern über Klopfen bis zum Pfeifen am Ventil, ordnet der Ratgeber Geräusche der Heizung richtig deuten ein.
Automatische Entlüfter und Mikroblasenabscheider im Heizkreis
Wo regelmäßig Luft anfällt, arbeiten Anlagen mit automatischen Schnellentlüftern an den Hochpunkten und mit Mikroblasenabscheidern in der Vorlaufleitung. Die Schnellentlüfter sitzen dort, wo sich Luft zwangsläufig sammelt, die Abscheider holen feinste Blasen dauerhaft aus dem Umlauf. Sie ersparen den jährlichen Durchgang nicht vollständig, halten die Anlage aber deutlich stabiler.
Wenn nach dem Entlüften nichts besser wird
Dann ist Luft nicht das Problem. Bleibt ein Heizkörper trotz offenem Thermostat und blasenfreiem Ventil kalt, sind die häufigsten Ursachen ein festsitzender Ventilstift, eine defekte Umwälzpumpe, eine zu niedrige Vorlauftemperatur oder ein fehlender hydraulischer Abgleich. Die Reihenfolge, in der Sie diese Punkte abarbeiten, steht im Ratgeber Heizung wird nicht warm: die Ursachen der Reihe nach.
Was kostet es, die Heizung vom Fachbetrieb entlüften zu lassen?
Ehrlich gesagt: Diese Position gibt es so nicht. Entlüften wird praktisch nie einzeln beauftragt, sondern fällt im Rahmen einer Wartung, einer Störungssuche oder eines hydraulischen Abgleichs an. Für die reine Leistung existiert keine belastbare Preisquelle, und wer Ihnen dafür eine Anfahrt plus Stundensatz in Rechnung stellt, zahlt einen Termin, keinen Handgriff. Belastbar sind dagegen die Nachbarpositionen, die tatsächlich abgerechnet werden.
| Leistung | Kostenspanne | Quelle |
|---|---|---|
| Hydraulischer Abgleich, Gesamtpaket Einfamilienhaus | 750–1.200 € | Verbraucherzentrale |
| Heizlastberechnung nach Verfahren A | 300–450 € | Verbraucherzentrale |
| Berechnung des Abgleichs | 250–400 € | Verbraucherzentrale |
| Ventileinstellung je Heizkörper | 20–35 € | Verbraucherzentrale |
| Voreinstellbare Ventile nachrüsten, je Heizkörper | 50–100 € | Verbraucherzentrale |
| Hocheffizienzpumpe inklusive Einbau | 350–550 € | Verbraucherzentrale |
| Heizkörper austauschen, je Stück | 150–450 € | Verbraucherzentrale |
Quellen: Verbraucherzentrale, Statistisches Bundesamt (Baupreisindex Mai 2026) · Stand: September 2026
Zur Einordnung der Preisentwicklung: Das Statistische Bundesamt weist für Heizanlagen und zentrale Wassererwärmungsanlagen im Mai 2026 ein Plus von 5,0 % gegenüber dem Vorjahresmonat aus, für Elektro- und Sicherheitstechnik sogar 6,4 %. Angebote aus dem Vorjahr sind also keine belastbare Grundlage mehr.
Warum es für Stundensätze im Heizungsbau keine amtliche Statistik gibt
Die kursierenden Tabellen mit Stundenverrechnungssätzen stammen aus Branchenblogs, nicht aus einer amtlichen Erhebung. Für das SHK-Handwerk existiert keine offizielle Statistik der Stundensätze, weshalb ich hier bewusst keine Zahl nenne. Was Sie dagegen selbst steuern können, ist die Beauftragung: Die Verbraucherzentrale rät, die Kosten vor dem Termin zu klären und die Rechnung anschließend zu prüfen, gerade bei Notdiensten an Abenden und Feiertagen.
Steuerbonus nach § 35a EStG auf den Lohnanteil
Greift keine Förderung, bleibt der Handwerkerbonus. Nach § 35a Abs. 3 EStG sind 20 % der Arbeitskosten absetzbar, höchstens 1.200 € im Jahr. Begünstigt ist ausschließlich der Lohnanteil, nicht das Material, und die Rechnung muss unbar bezahlt werden. Für einen Wartungstermin mit Abgleich einzelner Ventile ist das der einfachste Weg zu einer Entlastung.
Entlüftet, aber weiter hohe Heizkosten: Abgleich, Tausch und Förderung 2026
Für das Entlüften selbst kursiert die Behauptung, es spare bis zu 15 % Heizkosten. Belegt ist das nicht, und ich schreibe es deshalb auch nicht. Belegt sind die physikalische Wirkung, nämlich dass ein Luftpolster Heizfläche blockiert und die Umwälzung stört, und die Einsparungen der nächsten Ausbaustufen. Die Verbraucherzentrale beziffert den Effekt von einem Grad weniger Raumtemperatur auf 6 % weniger Verbrauch; optimierte Heizungseinstellungen bringen nach derselben Quelle 10 bis 15 %. Wie Sie diese Hebel im Alltag nutzen, zeigt der Ratgeber richtig heizen und Heizkosten senken.
Hydraulischer Abgleich: 15 % BAFA-Zuschuss, Pflicht ab sechs Wohneinheiten
Der Abgleich ist laut BWP und BDH die unbedingte Voraussetzung zur Systemoptimierung und muss dokumentiert werden. Die Verbraucherzentrale rechnet vor, dass ein hydraulischer Abgleich 15 Prozent der Kosten einsparen kann, bei 15.000 kWh Gasverbrauch also rund 270 € im Jahr, und eine moderne Pumpe noch einmal etwa 100 € Stromkosten. Gefördert wird die Heizungsoptimierung vom BAFA mit einem Grundfördersatz von 15 % bei einem Mindestinvestitionsvolumen von 300 € brutto; der Wärmeerzeuger muss älter als zwei Jahre und bei fossilen Brennstoffen jünger als 20 Jahre sein.
Für größere Häuser ist der Abgleich keine Kür. Nach § 60b GModG müssen wassergeführte Heizungsanlagen außer Wärmepumpen, die vor dem 1. Oktober 2009 eingebaut wurden, in Gebäuden mit mindestens sechs Wohnungen bis zum Ablauf des 30. September 2027 geprüft und optimiert werden, die Maßnahmen folgen innerhalb eines Jahres nach der Prüfung. Beim Neueinbau in Gebäuden ab sechs Wohnungen schreibt § 60c GModG den hydraulischen Abgleich direkt vor. Kosten, Verfahren A und B sowie den Ablauf erklärt der Ratgeber zum hydraulischen Abgleich.
Heizungstausch mit bis zu 22.400 € Zuschuss über KfW 458
Ist der Wärmeerzeuger alt, ist die Optimierung nur ein Zwischenschritt. Die KfW-458-Heizungsförderung zahlt seit dem 21.07.2026 eine Grundförderung von 30 % plus einen Klimageschwindigkeitsbonus von 16 % für den Austausch einer funktionstüchtigen fossilen Heizung durch selbstnutzende Eigentümer. Dazu kommt ein Einkommensbonus von 40, 30 oder 10 % bei einem zu versteuernden Haushaltseinkommen bis 30.000, 40.000 oder 50.000 €, und der Familienzuschlag senkt das anzurechnende Einkommen einmalig um 10.000 €, wenn mindestens ein minderjähriges, im Haushalt gemeldetes Kind dort lebt. Gedeckelt wird auf 80 % bei einem zvE bis 30.000 €, mit Familienzuschlag bis 40.000 €, sonst auf 70 %.
Förderfähig sind 28.000 € für die erste Wohneinheit, maximal fließen 22.400 €. Im Standardfall ohne Einkommensbonus sind es 46 %, also rund 12.880 €. Den Eigenanteil können Sie über den Ergänzungskredit KfW 358/359 mit bis zu 120.000 € je Wohneinheit finanzieren. Was der Tausch je nach System kostet, steht im Ratgeber zu den Kosten einer neuen Heizung.
| Maßnahme | Kosten brutto | Förderung 2026 | Eigenanteil | Wirkung pro Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Entlüften in Eigenregie | 0 € | keine | 0 € | keine belegte Prozentzahl, aber Voraussetzung für jede Optimierung |
| Hydraulischer Abgleich (EFH) | 750–1.200 € | 15 % BAFA | 638–1.020 € | bis 15 % weniger Heizkosten, rund 270 € bei 15.000 kWh Gas |
| Hocheffizienzpumpe | 350–550 € | 15 % BAFA | 298–468 € | rund 100 € weniger Stromkosten |
| Heizungstausch auf Wärmepumpe | 28.000 € förderfähig | 46 % im Standardfall (30 % + 16 %) | 15.120 € | ersetzt Gas zu 11,93 ct/kWh und den CO₂-Preis |
Quellen: Verbraucherzentrale, BAFA, KfW · Stand: September 2026
Rechenbeispiel: Gas zu 11,93 ct/kWh gegen den CO₂-Preis
Ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Gasverbrauch zahlt beim aktuellen Haushaltspreis von 11,93 ct/kWh rund 2.386 € im Jahr, Stand der BDEW-Gaspreisanalyse vom 24.08.2026. Ein hydraulischer Abgleich mit angenommenen 10 % Einsparung nimmt davon knapp 240 € weg und hat sich nach Förderung in etwa drei bis vier Jahren gerechnet. Der Kostendruck kommt zusätzlich von der CO₂-Bepreisung: Für die Versteigerungen im nationalen Emissionshandel gilt 2026 ein Preiskorridor von 55 bis 65 € je Tonne. Für Haushaltsstrom weist der BDEW für 2026 im Schnitt 37,0 ct/kWh aus, Stand der Strompreisanalyse vom 21.08.2026.
Die ehrliche Reihenfolge lautet deshalb: erst entlüften und den Druck einstellen, dann abgleichen lassen, und erst wenn der Wärmeerzeuger ohnehin alt ist, über den Tausch entscheiden. Wer die Reihenfolge umdreht, kauft eine Wärmepumpe für eine Anlage, die noch nicht sauber arbeitet.
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Häufige Fragen zum Entlüften der Heizung
Muss die Heizung beim Entlüften an oder aus sein?
Beides ist verbreitet. Die Verbraucherzentrale lässt den Heizkörper vollständig warm werden, weil warmes Wasser die gelöste Luft besser abgibt, Vaillant lässt die Anlage vorher etwa eine Stunde abkühlen, um vor heißem Spritzwasser und Dampf zu schützen. Der praktikable Weg: Anlage warmfahren, Umwälzpumpe abschalten, 30 bis 60 Minuten warten und dann mit Gefäß und Lappen dicht am Ventil arbeiten. Wer unsicher ist, lässt komplett auskühlen.
Welcher Druck muss nach dem Entlüften auf der Heizung sein?
Der Sollwert richtet sich nach der Gebäudehöhe: 0,1 bar je Meter Höhenunterschied zwischen Wärmeerzeuger und höchstem Heizkörper plus 0,5 bar. Bei 10 Metern sind das 1,5 bar. Nach dem Befüllen soll der Druck konstant bleiben und laut Viessmann nicht unter 1,3 bar liegen. Fällt er innerhalb von Tagen wieder ab, liegt kein Luftproblem vor, sondern ein Leck oder ein defektes Ausdehnungsgefäß.
Muss man nach dem Entlüften Wasser nachfüllen?
Oft ja, weil bei jedem Entlüftungsvorgang Wasser austritt und der Systemdruck sinkt. Die Verbraucherzentrale rät, den Druck vor und nach dem Entlüften zu prüfen und bei Bedarf nachzufüllen. Das Wasser muss klar und frei von Ablagerungen sein und der VDI-Richtlinie 2035 entsprechen. Der Füllschlauch darf nicht dauerhaft angeschlossen bleiben, dafür verlangt DIN EN 12828 einen Systemtrenner.
Wie lange dauert es, einen Heizkörper zu entlüften?
Der eigentliche Vorgang dauert ein bis zwei Minuten je Heizkörper. Der Zeitaufwand steckt in der Vorbereitung: Nach dem Abschalten der Umwälzpumpe sind 30 bis 60 Minuten Wartezeit nötig, damit sich die Luft an den Hochpunkten sammelt. Für ein Einfamilienhaus mit acht Heizkörpern sollten Sie inklusive Druckcheck rund eine Stunde einplanen.
Wie viel Wasser kommt beim Entlüften der Heizung heraus?
Eine belegte Mengenangabe gibt es nicht, weil sie von Heizkörpergröße, Luftmenge und Öffnungsdauer abhängt. Ein flaches Gefäß mit ein paar Zentilitern Fassungsvermögen reicht in aller Regel. Der bessere Maßstab ist das Manometer: Entscheidend ist nicht die Menge im Becher, sondern der Druckabfall, den Sie danach ausgleichen.
Was passiert, wenn man die Heizung nie entlüftet?
Das Luftpolster sammelt sich im oberen Bereich der Heizkörper und blockiert dort Heizfläche. Der Raum wird langsamer warm, es gluckert, und die Umwälzpumpe arbeitet gegen einen gestörten Volumenstrom. Bei einer Wärmepumpe kommt hinzu, dass ein zu geringer Volumenstrom laut BWP und BDH zu kurzen Laufzeiten und hoher Schalthäufigkeit führt. Ein jährlicher Durchgang vor der Heizperiode verhindert das.
Warum wird der Heizkörper oben kalt und unten warm?
Das ist das klassische Luftbild: Luft steigt im Heizkörper nach oben und verdrängt dort das Wasser, während der untere Teil weiter durchströmt wird. Entlüften löst genau diesen Fall. Ist der Heizkörper umgekehrt oben warm und unten kalt, hilft Entlüften nicht, dann deutet es auf Ablagerungen oder ein Ventilproblem hin und gehört in die Hände eines Fachbetriebs.
Kann man beim Entlüften der Heizung etwas kaputt machen?
Die typischen Schäden sind ein rundgedrehter Ventilvierkant durch eine Zange und ein Ventil, das nach zu weitem Öffnen nicht mehr dicht schließt. Beides ist vermeidbar: passendes Werkzeug, maximal eine halbe Umdrehung, und zügig schließen, sobald Wasser kommt. Das zweite Risiko ist der vergessene Druckcheck, weil eine Anlage unter 1,3 bar dauerhaft Luft nachzieht.
Nächster Schritt: Erst entlüften, dann rechnen
Entlüften ist die einzige Maßnahme an der Heizung, die nichts kostet und trotzdem regelmäßig übersehen wird. Sie ist aber auch die kleinste. Ob bei Ihnen der hydraulische Abgleich, eine neue Pumpe oder der Heizungstausch die richtige nächste Stufe ist, hängt an Baujahr, Dämmstandard, Heizlast und Alter des Wärmeerzeugers. Mit reduco analysieren Sie Ihr Gebäude auf Basis realer Gebäudedaten und sehen, welche Maßnahme in Ihrem Haus welchen Effekt hat, welche Förderung greift und was nach Abzug des Zuschusses tatsächlich übrig bleibt, bevor Sie das erste Angebot einholen.
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