Sole-Wasser-Wärmepumpe: Sole-Kreis, Kosten & JAZ bis 3,7
Was steckt im Sole-Kreis? Zulässige Frostschutzmittel, Genehmigungsschwellen, KfW-Sonderbedingungen und warum der 28.000-EUR-Deckel Ihren Sole-Aufpreis frisst.

Das Wichtigste in Kürze
- Sole ist ein rechtlich geregeltes Bauteil: Als Wärmeträgermedium zulässig sind nur nicht wassergefährdende Stoffe oder Gemische der Wassergefährdungsklasse 1, deren Hauptbestandteile Ethylen- oder Propylenglycol sind (§ 35 Abs. 2 AwSV).
- Gemessene Effizienz: Erd-Wärmepumpen erreichen in deutschen Feldtests Jahresarbeitszahlen von 3,0 bis 3,7 im Altbau und 3,2 bis 4,3 im Neubau, Luft-Wärmepumpen dagegen nur 2,4 bis 3,1 bzw. 2,6 bis 3,3 (Umweltbundesamt).
- Genehmigung: Erdaufschlüsse sind der zuständigen Behörde einen Monat vor Beginn anzuzeigen (§ 49 Abs. 1 WHG). Ab 100 Metern Bohrtiefe greift zusätzlich das Bergrecht, ab 400 Metern ist Erdwärme bergfreier Bodenschatz.
- Zwei KfW-Bedingungen, an denen Anträge real scheitern: Die Bohrfirma muss nach DVGW W 120-2 zertifiziert sein, und für das Bohrvorhaben muss eine verschuldensunabhängige Versicherung über mindestens 1,0 Mio. EUR bestehen.
- Der Deckel schlägt die Förderfähigkeit: Die Erschließung ist bei KfW 458 ausdrücklich förderfähig, doch weil die förderfähigen Kosten bei 28.000 EUR enden, tragen Sie den Aufpreis gegenüber einer Luft-Wasser-Anlage praktisch vollständig selbst.
- Amortisation: Rund 310 bis 500 EUR Stromersparnis pro Jahr stehen typischerweise etwa 12.000 EUR ungeförderten Mehrkosten gegenüber, rechnerisch also 24 bis 38 Jahre.
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Sole-Wasser-Wärmepumpe und Erdwärmepumpe bezeichnen dieselbe Maschine, betonen aber zwei verschiedene Dinge. "Erdwärme" meint die Quelle im Boden, "Sole-Wasser" meint den Kreislauf, der die Wärme dort abholt: ein frostsicheres Wasser-Glykol-Gemisch auf der Primärseite, Heizwasser auf der Sekundärseite. Dieser Sole-Kreis entscheidet über Effizienz, Genehmigungsaufwand und einen erheblichen Teil der Kosten. Die vollständige Kosten- und Funktionsübersicht mit allen Preisspannen finden Sie im Ratgeber Erdwärmepumpe: Kosten, Funktion und Voraussetzungen. Hier geht es eine Ebene tiefer: um das Bauteil Sole, um die Wahl der Wärmequelle als Entscheidungslogik und um die Frage, ob sich der Aufpreis gegenüber der Luft-Wasser-Wärmepumpe unter den aktuellen Förderbedingungen noch rechnet.
Die harte Zahl vorweg: Im Normpunkt B0/W35 erreichen marktübliche Geräte einen COP von 4,70 bis 4,95. In den vom Umweltbundesamt ausgewerteten Feldtests kommen dieselben Anlagen im Bestand auf JAZ 3,0 bis 3,7. Die Differenz zwischen Prüfstand und Praxis ist der eigentliche Gegenstand jeder seriösen Planung.
Gemessene Jahresarbeitszahlen im Vergleich
| Wärmequelle | JAZ Neubau (Feldtest) | JAZ Altbau (Feldtest) | Bestwerte |
|---|---|---|---|
| Erdreich (Sole-Wasser) | 3,2 bis 4,3 | 3,0 bis 3,7 | bis 5,4 (Neubau), bis 4,8 (Altbau) |
| Grundwasser (Wasser-Wasser) | vergleichbar, etwas geringer | vergleichbar, etwas geringer | keine gesonderte Angabe |
| Außenluft (Luft-Wasser) | 2,6 bis 3,3 | 2,4 bis 3,1 | über 4,0 (Neubau), bis 4,8 (Altbau) |
Quelle: Umweltbundesamt, Umgebungswärme und Wärmepumpen.
Was "Sole" bei der Wärmepumpe wirklich ist
Sole ist im Wärmepumpenbau kein Salzwasser, sondern ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel. Es zirkuliert im geschlossenen Primärkreis zwischen Erdreich und Verdampfer, nimmt dort Wärme auf und gibt sie an das Kältemittel ab. Weil es unterirdisch und nahe am Grundwasser läuft, ist seine Zusammensetzung nicht Geschmackssache, sondern geregelt.
Zulässige Wärmeträgermedien: was das Gesetz vorschreibt
Nach § 35 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) dürfen im Wärmeträgerkreislauf ausschließlich nicht wassergefährdende Stoffe oder Gemische der Wassergefährdungsklasse 1 eingesetzt werden, deren Hauptbestandteile Ethylen- oder Propylenglycol sind. Wer ein beliebiges Frostschutzmittel aus dem Baumarkt einfüllt, verletzt die Vorgabe und riskiert im Schadensfall den Versicherungsschutz.
§ 35 Abs. 2 bis 4 AwSV gilt seinem Wortlaut nach für Anlagen der gewerblichen Wirtschaft und öffentlicher Einrichtungen (§ 35 Abs. 1 AwSV). Für private Eigentümer wirkt die Norm mittelbar, weil § 49 Abs. 1 Satz 3 WHG für die wasserrechtliche Privilegierung von Erdwärmekollektoren ausdrücklich auf § 35 Abs. 2 AwSV verweist. Wer die Anforderungen nicht einhält, verliert also die gesetzliche Vermutung, dass seine Anlage das Grundwasser nicht beeinträchtigt.
Einwandig oder doppelwandig: die drei Bedingungen
Die AwSV lässt eine einwandige unterirdische Ausführung des Sole-Kreises nur zu, wenn drei Bedingungen kumulativ erfüllt sind:
- Der Sondenfuß ist werkseitig geschweißt, nicht auf der Baustelle gefügt.
- Es werden endlose Sondenrohre ohne unterirdische Verbindungsstellen verwendet.
- Eine selbsttätige Überwachungseinrichtung erkennt Leckagen, schaltet die Umwälzpumpe sofort ab und löst Alarm aus.
Diese drei Punkte gehören in jedes Angebot. Sie erklären auch, warum der Preisunterschied zwischen zwei Bohrangeboten selten am Bohrmeter allein liegt.
Das Temperaturfenster: wie kalt die Sole werden darf
Herstellerdatenblätter definieren ein zulässiges Fenster für die Soleeintrittstemperatur. Beim Viessmann Vitocal 300-G liegt es zwischen −10 °C und 25 °C. Dieselbe Baureihe erlaubt im direkten Wasser/Wasser-Betrieb minimal 7,5 °C, weil dort kein Frostschutz im Spiel ist.
Die Frostschutzkonzentration muss dieses Fenster nach unten absichern. Eine Volumenprozent-Angabe nennen wir bewusst nicht: Der verbindliche Wert steht in der Montageanleitung und hängt vom Konzentrat ab. Prüfen können Sie aber, ob der Fachbetrieb die eingefüllte Konzentration protokolliert und die Frostsicherheit misst. Eine zu dünne Sole friert bei Dauerfrost am Verdampfer an, eine zu dicke erhöht die Viskosität und damit den Pumpenstrom.
Solepumpe und Restförderhöhe: das versteckte Auslegungsbudget
Der am häufigsten übersehene Punkt beim Sole-Kreis ist die Hydraulik. Die im Gerät verbaute Primärpumpe muss das Gemisch durch die gesamte Sonde oder den gesamten Kollektor drücken. Ihre Restförderhöhe ist das Budget, das dem Erdreichkreis zur Verfügung steht. Wird die Sonde zu lang oder der Rohrdurchmesser zu klein geplant, reicht das Budget nicht, der Volumenstrom sinkt und die Effizienz mit ihm.
| Kenngröße (Vitocal 300-G, EN 14511) | BWC 301.C06 | BWC 301.C12 | BWC 301.C16 |
|---|---|---|---|
| Nenn-Wärmeleistung B0/W35 | 4,28 kW | 5,31 kW | 7,44 kW |
| Elektrische Leistungsaufnahme | 0,91 kW | 1,10 kW | 1,50 kW |
| COP B0/W35 | 4,70 | 4,80 | 4,95 |
| SCOP bei 35 °C Vorlauf | 5,29 | 5,32 | 5,64 |
| SCOP bei 55 °C Vorlauf | 3,72 | 3,97 | 4,18 |
| Nenn-Volumenstrom Sole | 1.070 l/h | 1.300 l/h | 1.840 l/h |
| Restförderhöhe Solepumpe | 780 mbar | 720 mbar | 570 mbar |
| Sole-Inhalt im Gerät | 3,7 l | 4,2 l | 5,5 l |
Quelle: Viessmann Datenblatt Vitocal 300-G. Der zulässige Betriebsdruck im Primärkreis beträgt 3,0 bar.
Auffällig: Das leistungsstärkste Gerät hat die geringste Restförderhöhe bei gleichzeitig höchstem Volumenstrom. Wer eine große Anlage plant, hat also weniger hydraulische Reserve, nicht mehr. Die Primärpumpe nimmt je nach Betriebspunkt 5,7 bis 87 Watt auf, die Sekundärpumpe 4 bis 60 Watt. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf den COP allein, sondern auf die berechnete Jahresarbeitszahl, wie sie der Ratgeber COP, JAZ und SCOP verständlich erklärt.
Erdsonde, Flächenkollektor oder Erdwärmekorb
Die Wahl der Wärmequelle ist keine Preisfrage, sondern eine Frage von Grundstück, Untergrund und Genehmigungslage. Die Kosten je Variante behandeln die verlinkten Fachartikel, hier geht es um die Entscheidungslogik.
Die Erdsonde ist die kompakteste Lösung. Sie braucht wenige Quadratmeter Zufahrt für das Bohrgerät und liefert die stabilsten Soletemperaturen über den Winter. Der Preis dafür ist das Verfahren: Anzeige bei der Wasserbehörde, in vielen Ländern eine wasserrechtliche Erlaubnis, ab 100 Metern zusätzlich Bergrecht. Bohrablauf und Preis je Bohrmeter stehen im Ratgeber Erdwärme nutzen: Bohrung, Kosten, Förderung und Genehmigung.
Der Flächenkollektor liegt frostfrei unter der Rasenfläche und bleibt meist unterhalb der kritischen Tiefenschwelle. Dafür braucht er ein Vielfaches der beheizten Fläche und ein Grundstück, das nicht überbaut oder versiegelt werden soll. Seine Soletemperatur folgt den Jahreszeiten stärker als bei der Sonde, weshalb die JAZ am Ende eines langen Winters absinkt. Flächenbedarf und Bodenarten behandelt der Ratgeber Flächenkollektor für die Wärmepumpe.
Erdwärmekörbe sind spiralförmige Wärmetauscher in Baugruben von wenigen Metern Tiefe. Sie kombinieren moderaten Flächenbedarf mit geringerem Verfahrensaufwand als die Sonde, und die KfW listet sie ausdrücklich als förderfähige Erschließungsart. Der Grabenkollektor verlegt das Rohr in einem tiefen, schmalen Graben. Wenn Sie den Aushub selbst organisieren, ist er die günstigste Variante überhaupt, wie der Ratgeber Ringgrabenkollektor: Kosten ab 2.000 EUR Eigenleistung zeigt.
Entscheidungsmatrix
| Kriterium | Erdsonde | Flächenkollektor | Erdwärmekorb / Grabenkollektor |
|---|---|---|---|
| Flächenbedarf | sehr gering | hoch, Freifläche nötig | mittel |
| Eingriffstiefe | typischerweise über 40 m | unter 4 m möglich | wenige Meter |
| Genehmigungsaufwand | hoch, Anzeige und Erlaubnis | gering bei Einhaltung der 4-m-Grenze | gering bis mittel |
| Bergrecht relevant? | ab 100 m ja | nein | nein |
| Stabilität der Soletemperatur | sehr hoch | jahreszeitlich schwankend | mittel |
| Eigenleistung möglich? | nein | begrenzt | ja, beim Aushub |
| Bei versiegeltem Grundstück | einzige Option | ausgeschlossen | meist ausgeschlossen |
Die spezifischen Entzugsleistungen je Gestein und Bodenart regelt die VDI 4640 Blatt 2. Weil diese Richtlinie kostenpflichtig ist, nennen wir hier keine eigenen Watt-Werte, sondern verweisen auf die Auslegung durch den Bohrbetrieb. Ist weder Bohrung noch Kollektor möglich, kommt als dritte Quelle das Grundwasser in Betracht, das laut UBA etwa mit Erdreich vergleichbare Jahresarbeitszahlen erreicht: siehe Grundwasser-Wärmepumpe.
Wasserrecht und Bergrecht: die vier Schwellen
Diese vier Schwellen bestimmen den Projektzeitplan und sollten vor dem Bohrtermin geklärt sein.
| Schwelle | Rechtsfolge | Fundstelle |
|---|---|---|
| Jeder Erdaufschluss mit möglicher Grundwasserwirkung | Anzeige bei der zuständigen Behörde einen Monat vor Beginn der Arbeiten | § 49 Abs. 1 Satz 1 WHG |
| Kollektoren bis 4 m Tiefe außerhalb von Wasserschutzgebieten | gesetzliche Vermutung, dass die Grundwasserbeschaffenheit nicht nachteilig beeinflusst wird, sofern § 35 Abs. 2 AwSV eingehalten ist | § 49 Abs. 1 Satz 3 WHG |
| Bohrungen über 100 m Tiefe | zusätzlich bergrechtlich anzuzeigen, mindestens zwei Wochen vor Beginn und vor Einstellung der Arbeiten | § 127 Abs. 1 Nr. 1 BBergG |
| Bohrungen ab 400 m Teufe | Erdwärme gilt als bergfreier Bodenschatz und ist dem Grundeigentum entzogen | § 3 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 Buchst. b BBergG |
Drei Details, die in der Praxis über Wochen entscheiden:
Die 4-Meter-Vermutung ist nicht absolut. Sie entfällt, wenn aufgrund räumlicher Konzentration von Anlagen in einem Gebiet eine nachteilige thermische Wirkung auf das Grundwasser zu besorgen ist (§ 49 Abs. 1 Satz 4 WHG). In Neubaugebieten mit vielen Kollektoren kann die Behörde also eingreifen.
Ihr Bundesland kann abweichen. Die Behörde darf für bestimmte Gebiete die anzeigepflichtige Tiefe näher bestimmen (§ 49 Abs. 1 Satz 5 WHG), und die Länder dürfen von § 49 WHG insgesamt abweichen (§ 49 Abs. 4 WHG). Bayern hat davon über Art. 30 BayWG Gebrauch gemacht, und die Landesregelung geht der Bundesnorm vor.
Bis 400 Meter Teufe gilt eine Genehmigungsfiktion. Nach § 127 Abs. 2 BBergG prüft die Behörde die Unterlagen innerhalb von vier Wochen. Äußert sie sich nicht, gilt eine Betriebsplanpflicht als nicht erforderlich. Die Anzeige darf frühestens neun Monate vor Bohrbeginn erfolgen. Wird unbeabsichtigt Grundwasser erschlossen, ist das unverzüglich anzuzeigen; die Behörde kann Einstellung oder Beseitigung anordnen (§ 49 Abs. 2 und 3 WHG).
Effizienz: Normpunkt, Vorlauftemperatur, Praxis
Der Sole-Kreis liefert im Winter deutlich höhere Quellentemperaturen als Außenluft, und daraus entsteht der Effizienzvorsprung. Er verschwindet aber schnell, wenn die Vorlauftemperatur zu hoch liegt. Beim Vitocal 300-G sinkt der SCOP von 5,29 bis 5,64 bei 35 °C Vorlauf auf 3,72 bis 4,18 bei 55 °C, ein Rückgang um rund 25 bis 30 Prozent allein durch die Systemtemperatur. Vor dem Kauf lohnt deshalb jede Maßnahme, die den Vorlauf senkt: größere Heizflächen, hydraulischer Abgleich, angepasste Heizkurve. Der Ratgeber Vorlauftemperatur senken zeigt die Reihenfolge.
Für den Altbau relevant: Der Vitocal 300-G erreicht bis zu 65 °C Heizwasser-Vorlauf und bringt einen 9,0-kW-Durchlauferhitzer als Zusatzwärme mit. Technisch ist ein Betrieb mit vorhandenen Heizkörpern also möglich, wirtschaftlich sinnvoll aber erst nach Absenkung der Systemtemperatur.
Der COP von 4,70 bis 4,95 gilt für den Normpunkt B0/W35 nach EN 14511. Die Feldtests des Umweltbundesamts messen dagegen komplette Anlagen über ein ganzes Jahr, inklusive Warmwasser, Takten und Hilfsenergie. Das Ergebnis von 3,0 bis 3,7 im Altbau ist die Zahl, mit der Sie kalkulieren sollten.
Kosten: Gerät und Erschließung getrennt betrachten
Die Investition zerfällt in zwei Blöcke, die von verschiedenen Gewerken kommen und getrennt verhandelt werden sollten: Wärmepumpe samt Speicher und Installation, und Erschließung der Wärmequelle. Der zweite Block ist der Grund, warum Sole-Anlagen teurer sind als Luft-Wasser-Systeme.
Als Orientierung nennt unser Kostenratgeber für eine komplett installierte Anlage 24.000 bis 50.000 EUR mit Erdsonde und 20.000 bis 30.000 EUR mit Erdkollektor. Die vollständige Aufschlüsselung inklusive Betriebskosten steht im Ratgeber Erdwärmepumpe: Kosten, Funktion und Voraussetzungen, den Gerätevergleich liefert der Vergleich der Erdwärmepumpen-Hersteller.
Bei der Angebotsprüfung sollten diese Positionen einzeln ausgewiesen sein:
- Bohrmeter oder Kollektorfläche, jeweils mit Auslegungsgrundlage
- Sondenmaterial und Nachweis des werkseitig geschweißten Sondenfußes
- Verpressung des Bohrlochs und Entsorgung des Bohrguts
- Soleverteiler, Anbindeleitungen und Erdarbeiten bis zum Gebäude
- Solekonzentrat, Befüllung, Protokoll der Frostsicherheit und Leckageüberwachung
- Versicherungsnachweis für die Bohrung (siehe Förderabschnitt)
Förderung: Erschließung ist förderfähig, der Deckel aber auch
Hier liegt der wirtschaftlich entscheidende Punkt, und er wird im Netz durchgehend falsch oder gar nicht dargestellt.
Die Erschließung ist ausdrücklich förderfähig
Das KfW-Infoblatt zu den förderfähigen Maßnahmen listet die Erschließung namentlich auf: Erdsondenbohrungen einschließlich Probebohrungen, Erdflächenkollektoren, Grabenkollektoren, Erdwärmekörbe, Energiepfähle, Brunnenbohrungen, Energiezäune, Massivabsorber und Luft-Sole-Wärmeübertrager (Infoblatt Förderfähige Maßnahmen, Version 10.1, 07/2026, Nr. 4.1.3). Wer liest, Bohrkosten seien nicht förderfähig, liest etwas Falsches.
Die Fördersätze, Stand 21. Juli 2026
| Baustein | Satz | Bedingung |
|---|---|---|
| Grundförderung | 30 % | Einbau einer förderfähigen Wärmepumpe |
| Klimageschwindigkeitsbonus | 16 % | Ersatz einer funktionstüchtigen Öl-, Gas- oder Kohleheizung, sinkt ab 01.02.2027 halbjährlich um 4 Prozentpunkte |
| Einkommensbonus | 40 / 30 / 10 % | zu versteuerndes Haushaltseinkommen bis 30.000 / 40.000 / 50.000 EUR, nur Selbstnutzer |
| Maximaler Fördersatz | 80 % | mit vollem Einkommensbonus, sonst 70 %; Vermieter 30 % |
| Maximal förderfähige Kosten | 28.000 EUR | Einfamilienhaus bzw. erste Wohneinheit; 15.000 EUR je 2. bis 6. WE, 8.000 EUR ab der 7. WE |
Quelle: KfW 458, Heizungsförderung für Privatpersonen. Der Höchstbetrag für die erste Wohneinheit sinkt ab Anträgen vom 01.02.2027 an halbjährlich um 750 EUR, zuerst also von 28.000 EUR auf 27.250 EUR. Wichtig für Sole-Interessenten: Der frühere Effizienzbonus von 5 Prozent für Erdwärme und Wasser als Wärmequelle taucht in der aktuellen Fördertabelle nicht mehr auf. Für Wärmepumpen sind nur noch Grundförderung, Klimageschwindigkeitsbonus und Einkommensbonus gelistet. Alle Antragsschritte erklärt der Ratgeber KfW 458 Heizungsförderung.
Zwei Sonderbedingungen, die nur Erdsonden betreffen
Diese beiden Punkte stehen in den technischen FAQ der KfW und fehlen in praktisch jedem Ratgeber. An ihnen scheitern reale Anträge.
Erstens: Zertifizierung der Bohrfirma. Wärmepumpen mit neu erstellten Erdwärmesondenbohrungen sind nur förderfähig, wenn das Bohrunternehmen nach der technischen Regel DVGW W 120-2 zertifiziert ist, und zwar durch eine bei der Deutschen Akkreditierungsstelle akkreditierte Stelle. Ausländische Firmen ohne diese Zertifizierung müssen eine vergleichbare Qualifikation belegen, in der Regel durch Vorlage der wasserrechtlichen Erlaubnis (KfW TFAQ 8.19, Version 7.0, 06/2026).
Zweitens: verschuldensunabhängiger Versicherungsschutz. Für das Bohrvorhaben muss ein Versicherungsschutz gegen Sachschäden Dritter bestehen, verschuldensunabhängig und mit mindestens 1,0 Mio. EUR Deckungssumme. Die Police muss zum Zeitpunkt des Bohrvorhabens bestehen, der Grundstückseigentümer muss über sie versichert sein, und der Nachweis erfolgt per Versicherungsbescheinigung samt Zahlungsnachweis. Fragen Sie beides ab, bevor Sie unterschreiben.
Hinzu kommen zwei allgemeine Nachweise: Die Jahresarbeitszahl ist nach VDI 4650 Blatt 1 mit den tatsächlichen Randbedingungen vor Ort zu berechnen, also mit der real erwarteten Wärmequellentemperatur (KfW TFAQ 8.18). Und Sole-Wasser-Geräte bis einschließlich 100 kW benötigen eine Einzelprüfung nach DIN EN 14511/14825 oder eine Zertifizierung durch ein nach ISO 17025 akkreditiertes Prüfinstitut (KfW TFAQ 8.17). Bei Luft-Wasser-Geräten liegt diese Grenze bei 50 kW.
Die Deckelrechnung: warum der Sole-Aufpreis unbezuschusst bleibt
Ein Rechenbeispiel mit gesetzten, aber realistischen Investitionssummen:
| Position | Luft-Wasser | Sole-Wasser |
|---|---|---|
| Gesamtinvestition (Annahme) | 30.000 EUR | 42.000 EUR |
| Förderfähige Kosten (gedeckelt) | 28.000 EUR | 28.000 EUR |
| Zuschuss bei 46 % (30 % + 16 %) | 12.880 EUR | 12.880 EUR |
| Eigenanteil | 17.120 EUR | 29.120 EUR |
| Mehrkosten Sole gegenüber Luft | Referenz | 12.000 EUR, davon 0 EUR gefördert |
Beide Systeme schöpfen den Deckel von 28.000 EUR ohnehin aus. Der gesamte Aufpreis für Sole-Kreis und Erschließung landet also zu 100 Prozent beim Eigentümer, obwohl die Erschließung dem Grunde nach förderfähig ist. Wirtschaftlich nützt Ihnen diese Förderfähigkeit nur, wenn Ihre Gesamtinvestition unter 28.000 EUR bleibt oder mehrere Wohneinheiten den Deckel anheben.
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Betriebskosten und Amortisation: die ehrliche Rechnung
Rechnen wir mit einem Bestandsgebäude, das 20.000 kWh Heizwärme im Jahr benötigt, und mit den gemessenen Feldtest-Werten für den Altbau.
| Kennzahl | Luft-Wasser | Sole-Wasser |
|---|---|---|
| JAZ Altbau (UBA-Feldtest) | 2,4 bis 3,1 | 3,0 bis 3,7 |
| Stromverbrauch bei 20.000 kWh Wärme | 6.452 bis 8.333 kWh | 5.405 bis 6.667 kWh |
| Differenz | Referenz | 1.050 bis 1.670 kWh weniger |
| Ersparnis bei 30 ct/kWh (Annahme) | Referenz | rund 310 bis 500 EUR pro Jahr |
| Amortisation von 12.000 EUR Mehrkosten | Referenz | 24 bis 38 Jahre |
Zur Einordnung: Die 30 ct/kWh sind eine gesetzte Annahme für einen Wärmepumpentarif. Amtlich belegt ist nur der allgemeine Haushaltsstrompreis von 40,55 ct/kWh im zweiten Halbjahr 2025 (Destatis); welcher Tarif erreichbar ist, klärt der Ratgeber Wärmepumpen-Stromtarif. Die 12.000 EUR Mehrkosten stammen aus dem Rechenbeispiel oben und fallen kleiner aus, wenn ein Grabenkollektor in Eigenleistung möglich ist.
Rein rechnerisch trägt sich der Sole-Aufpreis in den meisten Einfamilienhäusern also nicht innerhalb der Gerätelebensdauer. Vier Argumente jenseits der Amortisationstabelle wiegen für viele Bauherren trotzdem schwerer:
- Kein Platz für eine Außeneinheit. In enger Reihenhausbebauung oder bei strengen Abstands- und Schallauflagen ist die Innenaufstellung oft die einzige genehmigungsfähige Lösung. Der Vitocal 300-G erreicht nach ErP-Messung 40 bis 41 dB(A) Schall-Leistungspegel bei B0/W55 auf 0,41 m² Stellfläche.
- Passive Kühlung. Das Erdreich lässt sich im Sommer als Kältequelle nutzen, ohne den Verdichter zu starten. Mehrere Hersteller bieten das als eigene Gerätevariante an, etwa NIBE mit den PC-Modellen in drei Leistungsgrößen von 1,5 bis 18 kW (NIBE Erdwärmepumpen). Den Unterschied zur aktiven Kühlung erklärt der Ratgeber Wärmepumpe zum Kühlen.
- Langlebigkeit der Quelle. Die Erdsonde überdauert den ersten Gerätetausch. Wird die Wärmepumpe nach zwei Jahrzehnten ersetzt, bleibt die teure Erschließung erhalten.
- Hohe Volllaststunden. Je größer der Wärmebedarf, desto schneller amortisiert sich der Effizienzvorsprung. Bei 40.000 statt 20.000 kWh halbiert sich die Amortisationszeit rechnerisch.
Gerätetechnik: Kältemittel und Abmessungen
Sole-Geräte hinken bei Kältemitteln der Luft-Wasser-Klasse hinterher. Ein Blick in zwei Herstellerdatenblätter zeigt die Spannweite.
| Merkmal | Viessmann Vitocal 300-G | NIBE S1256 |
|---|---|---|
| Kältemittel | R410A, Sicherheitsgruppe A1 | R454B |
| Treibhauspotenzial (GWP) | 1.924 | 466 |
| Füllmenge | 2,0 bis 3,25 kg | 1,15 bis 1,72 kg |
| CO2-Äquivalent der Füllung | 3,9 bis 6,3 t | 0,54 t (kleinste Baugröße) |
| Heizleistung | 4,28 bis 7,44 kW (B0/W35) | 1,5 bis 18 kW |
| Max. Vorlauftemperatur | 65 °C | keine Angabe im Datenblatt |
| Effizienzklasse (ErP) | A+++ bei 35 °C, A++ bis A+++ bei 55 °C | A+++ bei 35 °C und bei 55 °C |
| Maße (H × B × T) | 1.081 × 600 × 680 mm | 1.800 × 600 × 620 mm |
Quellen: Viessmann Datenblatt Vitocal 300-G und NIBE S1256. Das ist ein Datenvergleich, keine Bewertung. Fragen Sie beim Angebot nach dem Kältemittel des konkreten Geräts, nicht nach dem der Baureihe; warum das langfristig relevant ist, ordnet der Ratgeber zu R32 und R290 als Kältemittel ein.
Rechtsstand: Es gibt keine Pflicht mehr
Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ist am 29. Juli 2026 in Kraft getreten (BGBl. 2026 I Nr. 226). Die 65-Prozent-Erneuerbaren-Pflicht als Einbaupflicht ist ersatzlos gestrichen, ebenso die 30-Jahre-Austauschpflicht. Nachfolger ist eine Brennstoffquote nach § 43 GModG für ab dem 30. Juli 2026 eingebaute Gas-, Öl- und Flüssiggasheizungen: 10 Prozent ab 2029, 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035, 60 Prozent ab 2040. Die Sole-Wasser-Wärmepumpe ist damit eine reine Wirtschaftlichkeitsentscheidung.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist Sole bei einer Wärmepumpe und woraus besteht sie?
Sole ist kein Salzwasser, sondern ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel, das im geschlossenen Primärkreis zwischen Erdreich und Verdampfer zirkuliert. Zulässig sind nur nicht wassergefährdende Stoffe oder Gemische der Wassergefährdungsklasse 1 mit Ethylen- oder Propylenglycol als Hauptbestandteil (§ 35 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 AwSV). Die Konzentration gibt der Gerätehersteller vor.
Ist eine Sole-Wasser-Wärmepumpe dasselbe wie eine Erdwärmepumpe?
Technisch ja, sprachlich nicht ganz. "Sole-Wasser" benennt die beiden Kreisläufe der Maschine, "Erdwärmepumpe" die Wärmequelle. Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe lässt sich auch an anderen Solequellen betreiben, etwa an einem Luft-Sole-Wärmeübertrager, den die KfW als förderfähige Erschließungsart listet. Im Einfamilienhaus meinen beide Begriffe dieselbe Anlage.
Kann die Sole im Erdreich einfrieren?
Die Sole selbst ist durch das Glykol frostsicher ausgelegt. Kritisch wird es am Verdampfer: Herstellerdatenblätter geben ein zulässiges Fenster für die Soleeintrittstemperatur an, beim Vitocal 300-G von −10 °C bis 25 °C. Ist die Wärmequelle zu knapp dimensioniert, sinkt die Soletemperatur am Ende eines langen Winters an diese Grenze, die Wärmepumpe schaltet ab und die JAZ bricht ein. Das ist ein Auslegungsfehler, kein Materialproblem.
Muss die Soleflüssigkeit gewechselt werden?
Der Sole-Kreis ist ein geschlossenes System, das im Normalbetrieb nichts verliert. Zur Wartung gehört trotzdem die Kontrolle von Anlagendruck und Frostschutzkonzentration, denn ein schleichender Druckverlust ist der erste Hinweis auf eine Undichtigkeit. Bei einwandiger Ausführung schreibt die AwSV ohnehin eine selbsttätige Leckageüberwachung vor, die die Umwälzpumpe abschaltet und Alarm auslöst.
Brauche ich für die Bohrung eine Genehmigung?
Ja, zumindest eine Anzeige. Erdaufschlüsse, die sich auf Bewegung, Höhe oder Beschaffenheit des Grundwassers auswirken können, sind der Behörde einen Monat vor Beginn der Arbeiten anzuzeigen (§ 49 Abs. 1 Satz 1 WHG). In den meisten Bundesländern kommt eine wasserrechtliche Erlaubnis hinzu. Für Kollektoren bis 4 Meter Tiefe außerhalb von Wasserschutzgebieten gilt eine gesetzliche Vermutung zugunsten des Vorhabens, sofern § 35 Abs. 2 AwSV eingehalten ist. Details im Ratgeber zur Erdwärmebohrung.
Wie tief darf man bohren, bevor das Bergrecht greift?
Ab mehr als 100 Metern Bohrtiefe gilt zusätzlich das Bundesberggesetz. Beginn und Einstellung der Bohrarbeiten sind mindestens zwei Wochen vorher anzuzeigen (§ 127 Abs. 1 Nr. 1 BBergG). Bis 400 Meter Teufe prüft die Behörde innerhalb von vier Wochen; äußert sie sich nicht, gilt eine Betriebsplanpflicht als nicht erforderlich. Ab 400 Metern ist Erdwärme bergfreier Bodenschatz und dem Grundeigentum entzogen, was für Einfamilienhäuser praktisch nie relevant wird.
Werden die Bohr- und Erschließungskosten von der KfW mitgefördert?
Dem Grunde nach ja: Das KfW-Infoblatt listet Erdsondenbohrungen, Erdflächenkollektoren, Grabenkollektoren, Erdwärmekörbe und Energiepfähle als förderfähig. Praktisch bringt das wenig, weil die förderfähigen Kosten bei 28.000 EUR je Einfamilienhaus enden und schon eine Luft-Wasser-Anlage diesen Deckel ausschöpft. Der Aufpreis für die Erschließung bleibt damit in aller Regel ungefördert. Zusätzlich verlangt die KfW für Erdsondenbohrungen eine Zertifizierung nach DVGW W 120-2 und eine verschuldensunabhängige Versicherung über mindestens 1,0 Mio. EUR.
Ab wann rechnet sich der Aufpreis gegenüber einer Luftwärmepumpe?
Mit den gemessenen Feldtest-Werten spart eine Sole-Anlage im Bestand bei 20.000 kWh Heizwärmebedarf zwischen 1.050 und 1.670 kWh Strom pro Jahr. Bei angenommenen 30 ct/kWh sind das rund 310 bis 500 EUR jährlich. Gegen 12.000 EUR ungeförderte Mehrkosten ergibt das eine rechnerische Amortisation nach 24 bis 38 Jahren. Der Vergleich fällt günstiger aus, wenn der Wärmebedarf höher liegt, die Erschließung günstiger ausfällt oder Eigenleistung beim Graben möglich ist. Die Gegenüberstellung beider Systeme im Detail liefert der Ratgeber Luftwärmepumpe gegen Erdwärmepumpe.
Ist eine Sole-Wasser-Wärmepumpe im Altbau mit Heizkörpern möglich?
Technisch ja. Marktübliche Geräte erreichen bis zu 65 °C Vorlauf und haben einen Durchlauferhitzer als Zusatz. Wirtschaftlich sinnvoll wird es erst nach Absenkung der Systemtemperatur, denn der SCOP fällt von 5,29 bis 5,64 bei 35 °C auf 3,72 bis 4,18 bei 55 °C, also um rund 25 bis 30 Prozent. Bei einer Investition dieser Größenordnung sollten größere Heizflächen und ein hydraulischer Abgleich vor der Bestellung geklärt sein.
Nächster Schritt: Passt der Sole-Kreis zu Ihrem Grundstück?
Ob sich die Sole-Wasser-Wärmepumpe für Ihr Haus rechnet, hängt an vier grundstücksspezifischen Größen: der erreichbaren Vorlauftemperatur, dem Wärmebedarf, der genehmigungsfähigen Erschließungsart und dem Abstand Ihrer Gesamtinvestition zum Förderdeckel. Pauschale Empfehlungen führen hier besonders oft in die Irre, weil sich Bohrkosten und JAZ-Erwartung schon zwischen zwei Nachbargrundstücken deutlich unterscheiden. Mit der reduco-Gebäudeanalyse ermitteln Sie in wenigen Minuten, welches Wärmepumpensystem technisch und wirtschaftlich zu Ihrem Gebäude passt, inklusive Förderberechnung und Gegenüberstellung mit der Luft-Wasser-Variante.
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