Wärmepumpe bei Stromausfall 2026: Risiko & Notstrom ab 10 kVA
Statistisch fällt der Strom nur 2,43 Minuten im Jahr aus, Berlin erlebte 100 Stunden. Was Ihre Wärmepumpe dann macht und welcher Notstrom wirklich trägt.

Das Wichtigste in Kürze
- Statistisches Risiko ist klein: Der SAIDI-Wert für die Niederspannung, also die Netzebene Ihres Einfamilienhauses, lag 2024 bei 2,43 Minuten je Letztverbraucher; über alle Spannungsebenen waren es 11,68 Minuten (Bundesnetzagentur).
- Das Einzelrisiko ist es nicht: Nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke waren am 3. Januar 2026 in Berlin rund 45.400 Haushalte ohne Strom; die letzten von ihnen wurden erst nach mehr als 100 Stunden wieder versorgt, mitten im Frost (Stromnetz Berlin).
- Ohne Strom kein Frostschutz: Vaillant schreibt in der Anleitung der aroTHERM plus ausdrücklich, dass bei Stromausfall und Minusgraden erhöhte Gefahr besteht, dass das Heizungswasser gefriert, und dass die Frostschutzeinrichtungen nur bei eingeschaltetem System arbeiten (Vaillant).
- Notstromaggregat: Größe zählt. Aus den Anschlusswerten einer typischen Inneneinheit (max. 13,6 A bei 400 V) ergibt sich rechnerisch ein Leistungsbedarf von rund 9,4 kVA allein für die Wärmepumpe, plus Hausgrundlast.
- § 14a EnWG ist kein Stromausfall: Beim netzorientierten Steuern bleiben immer mindestens 4,2 kW verfügbar (Bundesnetzagentur).
- Förderung: Die KfW 458 fördert weder Notstromaggregate noch Batteriespeicher. Für PV samt Speicher gilt aber der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 UStG.
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Der Berliner Blackout im Januar 2026 hat eine Frage in Millionen Haushalte getragen, die vorher kaum jemand gestellt hat: Was macht eigentlich meine Wärmepumpe, wenn der Strom tagelang weg ist? Die kurze Antwort: Sie schaltet ab, sie nimmt in aller Regel keinen Schaden, aber sie schützt sich bei Frost auch nicht mehr selbst. Denn die Frostschutzfunktion braucht genau das, was gerade fehlt. Wie stark Ihr Haus danach auskühlt, hängt fast nur an der Gebäudehülle und kaum an der Heizung, und die verbreitete Hoffnung, ein Pufferspeicher überbrücke den Ausfall, hält der Rechnung nicht stand.
In diesem Ratgeber trenne ich drei Dinge sauber voneinander: das reale statistische Risiko, das tatsächliche Verhalten der Anlage samt Wiederanlaufsperre, und die drei Rückfallebenen, die Eigentümer üblicherweise erwägen. Nicht dazu gehört die Drosselung nach § 14a EnWG: Sie wird oft mit einem Stromausfall verwechselt, ist aber technisch das Gegenteil davon.
Wie oft fällt der Strom in Deutschland wirklich aus?
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht jährlich den SAIDI-Wert, die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung je angeschlossenem Letztverbraucher. Erfasst werden ausschließlich Unterbrechungen von mehr als drei Minuten nach § 52 EnWG. Aktuellster veröffentlichter Jahreswert ist das Berichtsjahr 2024, für 2025 lag zum Redaktionsschluss noch keine Auswertung vor.
| Berichtsjahr | SAIDI gesamt (Minuten) |
|---|---|
| 2006 | 21,53 |
| 2022 | 12,20 |
| 2023 | 12,80 |
| 2024 | 11,68 |
Quelle: Bundesnetzagentur, Kennzahlenentwicklung 2006 bis 2024.
Für Eigenheimbesitzer ist allerdings eine andere Zahl relevanter. Einfamilienhäuser hängen an der Niederspannung, und dort betrug der SAIDI 2024 nur 2,43 Minuten, verteilt auf 146.700 Unterbrechungen bei 53,4 Millionen Letztverbrauchern. Statistisch ist Ihre Wärmepumpe also gut zwei Minuten im Jahr ohne Strom, ein Wert, für den sich keine Investition rechnet.
Warum der Mittelwert die falsche Entscheidungsgrundlage ist
Ein Jahresmittel von 2,43 Minuten entsteht, wenn sehr viele Haushalte gar nichts merken und sehr wenige Haushalte sehr viel merken. Genau diesen Fall lieferte der 3. Januar 2026. Nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal nahe dem Kraftwerk Lichterfelde fielen zwischen 5:44 und 6:26 Uhr mehrere Leitungen aus. Betroffen waren nach Angaben von Stromnetz Berlin rund 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden in Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde.
Die Wiederversorgung zog sich über mehr als 100 Stunden: Am 4. Januar gegen 12:20 Uhr hatten rund 10.000 Haushalte wieder Strom, am Abend des 5. Januar waren immer noch etwa 27.200 Haushalte ohne Versorgung, erst am 7. Januar gegen 20:30 Uhr war die Wiederversorgung aller Kunden abgeschlossen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe formuliert genau diese Zweiteilung als Planungsgrundlage: Stromausfälle würden „in der Regel in wenigen Stunden behoben", in Notsituationen mit großflächigen Schäden könne es aber auch einmal Tage dauern. Planen Sie deshalb nicht gegen den Mittelwert, sondern entscheiden Sie, welche Ausfalldauer Sie ohne fremde Hilfe überstehen wollen.
Was in der Wärmepumpe passiert, wenn der Strom weg ist
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ist ein rein elektrisches Gerät. Fällt die Spannung aus, stoppen gleichzeitig Verdichter, Umwälzpumpen, Ventilatoren und Regelung. Anders als bei einer Gastherme mit Notstromsteckdose gibt es keinen Restbetrieb, denn es gibt keine Energiequelle im Haus, die ohne Strom Wärme liefern würde.
Die Anlage schaltet sich kontrolliert ab
Die Abschaltung selbst ist unkritisch. Wärmepumpen sind auf Spannungsunterbrechungen ausgelegt, weil sie in Deutschland jahrzehntelang mit EVU-Sperrzeiten betrieben wurden. Ein Ausfall wirkt aus Sicht der Steuerung zunächst wie eine solche Sperre. Relevant wird ein Sonderfall: der Ausfall einzelner Phasen. Vaillant beschreibt zum Fehlercode F.1120 „Heizstab: Phasenausfall", dass das Produkt über einen internen Leitungsschutzschalter verfügt, der bei Kurzschlüssen oder beim Ausfall einer Phase (Produkt mit 230-V-Versorgung) beziehungsweise mehrerer Phasen (400 V) die Wärmepumpe abschaltet. Das Zurücksetzen dieses Schutzschalters ist ausdrücklich Sache des Fachhandwerkers. Wer nach einer Störung ein totes Gerät vorfindet, sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass ein Neustart am Hauptschalter genügt.
Auch am Netzanschluss kann Elektronik leiden. Stromnetz Berlin teilte nach der Großstörung mit, es könne „in seltenen Fällen" dazu kommen, dass die Steuerungsgeräte für elektrische Heizungen, also elektrische Wärmepumpen und Nachtspeicheröfen, Schaden genommen haben und nicht mehr funktionsfähig sind. Die Behebung am netzbetreibereigenen Steuergerät ist für Kunden kostenfrei, die Instandsetzung anderer Komponenten der elektrischen Heizung zahlt der Eigentümer.
Wiederanlauf: Regelung sofort, Verdichter mit Verzögerung
Kommt die Spannung zurück, bootet die Regelung und stellt den zuletzt aktiven Betriebsmodus wieder her. Der Verdichter läuft aber typischerweise nicht sofort mit an. Vaillant führt dafür den Statuscode S.290 „Einschaltverzögerung aktiv", der genau diesen Zustand beschreibt. Der Sinn dahinter ist Druckausgleich im Kältekreis und Schutz vor Anlaufvorgängen in dichter Folge.
Eine belastbare Minutenzahl geben die Hersteller in den öffentlichen Anleitungen nicht an, und Pauschalwerte aus Foren helfen nicht weiter. Verlässlich ist nur: Wenn Ihre Wärmepumpe nach dem Stromausfall ein paar Minuten lang nichts tut, ist das kein Defekt, sondern Auslegung. Bleibt sie nach einer halben Stunde stumm oder zeigt einen Fehlercode, ist der Fachbetrieb dran. Auch im Normalbetrieb begrenzen die Geräte ihren Strom: Vaillant nennt zum Statuscode S.289 „Strombegrenzung aktiv" Grenzwerte von unter 16 A für 3-, 5- und 7-kW-Geräte und unter 25 A für 10- und 12-kW-Geräte. Wie Ihr Hausanschluss dafür ausgelegt sein muss, steht im Ratgeber zum Stromanschluss der Wärmepumpe.
Wie lange bleibt das Haus ohne Heizung warm?
Diese Frage entscheidet, ob Sie überhaupt Geld in eine Rückfallebene stecken müssen. Sie lässt sich näherungsweise beantworten, denn ein Gebäude verhält sich beim Auskühlen wie ein Kondensator: Die Innentemperatur nähert sich exponentiell der Außentemperatur an, mit einer Zeitkonstante aus wirksamer Speichermasse geteilt durch spezifischen Wärmeverlust.
Beispielrechnung mit offengelegten Annahmen
Die folgende Rechnung ist eine Modellrechnung, kein Messwert. Angenommen sind ein 150-m²-Haus, eine wirksame Wärmespeicherfähigkeit von rund 75 Wh je Quadratmeter und Kelvin sowie Heizlasten von 100, 40 und 15 W/m² bei einer Auslegungsdifferenz von 32 K. Daraus folgen Zeitkonstanten von rund 24, 60 und 160 Stunden. Startwert 21 °C, Außentemperatur konstant 0 °C, keine internen Gewinne, keine Sonne.
| Stunden ohne Heizung | Unsaniertes EFH (τ ≈ 24 h) | Gut saniert (τ ≈ 60 h) | Neubaustandard (τ ≈ 160 h) |
|---|---|---|---|
| 6 h | 16,4 °C | 19,0 °C | 20,2 °C |
| 12 h | 12,7 °C | 17,2 °C | 19,5 °C |
| 24 h | 7,7 °C | 14,1 °C | 18,1 °C |
| 48 h | 2,8 °C | 9,4 °C | 15,6 °C |
Das Ergebnis ist unbequem eindeutig. Im schlecht gedämmten Bestand wird es innerhalb eines Tages ungemütlich und innerhalb von zwei Tagen frostnah. Im Neubau ist selbst ein zweitägiger Ausfall thermisch ein Ärgernis, aber keine Havarie. Wer über Notstrom nachdenkt, sollte deshalb zuerst wissen, in welcher Spalte sein Haus steht.
Der Pufferspeicher hilft weniger, als alle denken
Ein 200-Liter-Pufferspeicher, der von 45 auf 30 °C abkühlt, gibt rechnerisch etwa 3,5 kWh ab (200 kg mal 1,16 Wh je Kilogramm und Kelvin mal 15 K). Bei einer Heizlast von 6 kW ist das gut eine halbe Stunde Heizbetrieb. Die Stoffwerte sind Überschlagswerte, an der Größenordnung ändert das nichts: Ein Puffer entkoppelt hydraulisch, er überbrückt keinen Blackout.
Deutlich mehr steckt im Estrich. 100 m² Zementestrich mit 6 cm Dicke wiegen rund 12 Tonnen; kühlen sie um 5 K ab, sind das etwa 17 kWh, also grob das Fünffache des Puffers (gerechnet mit 2.000 kg/m³ und 0,28 Wh je Kilogramm und Kelvin). Genau deshalb fühlt sich eine Fußbodenheizung im Ausfall angenehmer an als Heizkörper. Sie speichert die Wärme in der Konstruktion, nicht im Wasser.
Das eigentliche Risiko: Frost, nicht Defekt
Für die Anlage selbst ist ein sommerlicher Stromausfall belanglos. Gefährlich wird es nur in einer Konstellation: mehrtägiger Ausfall bei Minusgraden.
Der Frostschutz braucht Strom
Vaillant benennt den Zusammenhang in der Installations- und Wartungsanleitung der aroTHERM plus unmissverständlich: „Bei negativen Außentemperaturen besteht erhöhte Gefahr, dass das Heizungswasser gefriert, wenn eine Störung der Wärmepumpe z. B. durch Stromausfall oder einen Defekt des Kompressors vorliegt." Und weiter, zur Frostschutzeinrichtung: „Damit die Frostschutzeinrichtungen permanent betriebsbereit sind, müssen Sie das System eingeschaltet lassen."
Wie diese Schutzfunktion arbeitet, macht das Problem deutlich. Zum Statuscode S.34 „Heizbetrieb Frostschutz" beschreibt Vaillant den Ablauf so: Unterschreitet die gemessene Außentemperatur einen eingestellten Wert, überwacht die Regelung Vor- und Rücklauftemperatur des Heizkreises, und wenn deren Differenz den eingestellten Wert überschreitet, starten Pumpe und Kompressor ohne Wärmeanforderung. Der Frostschutz ist also ein aktiver, stromfressender Vorgang. Fehlt der Strom, fehlt er ersatzlos. Vaillant weist zusätzlich darauf hin, dass die Funktion nicht für eine Zirkulation in der gesamten Heizungsanlage sorgen kann, für bestimmte Teile der Anlage also auch im Normalbetrieb Frostgefahr bestehen bleibt.
Was Sie dagegen tun können
Der Hersteller nennt zwei Wege. Erstens Frostschutzmittel: „Es wird dringend empfohlen, bei der Befüllung der Anlagenteile, für die Frostgefahr besteht, Frostschutzmittel zu verwenden." Zweitens, für sehr lange Abschaltzeiten, das vollständige Entleeren von Heizungsanlage und Produkt durch den Fachhandwerker. Beides ist eine Sache für die Planung oder den Wartungstermin, nicht für den Abend eines Blackouts.
Manche Geräte haben ab Werk zusätzlich ein Frostschutzventil, das den wasserführenden Teil bei Frostgefahr entleert. Ob Ihre Anlage ein solches Ventil besitzt oder mit einem Frostschutzmittel befüllt ist, steht in der Anlagendokumentation; fragen Sie im Zweifel Ihren Fachbetrieb. Beides gehört ohnehin auf die Liste für den Winterbetrieb bei Minusgraden.
Wird eine Propan-Wärmepumpe im Blackout gefährlich?
Der Stromausfall selbst ändert am Kältekreis nichts: Das Kältemittel zirkuliert in einem hermetisch geschlossenen System, das nicht von der Versorgungsspannung abhängt. Die Füllmengen sind klein, bei Monoblock-Geräten je nach Baugröße rund 0,6 bis 3,4 kg. Was Sicherheitsabstände, Aufstellregeln und Entflammbarkeit angeht, finden Sie die Details im Ratgeber zur Propan-Wärmepumpe mit R290. Nach einem mehrtägigen Ausfall bei Frost gilt unabhängig vom Kältemittel: Lassen Sie die Anlage vom Fachbetrieb prüfen, statt selbst Hand anzulegen.
§ 14a EnWG ist kein Stromausfall
Diese Abgrenzung fehlt in fast jedem Beitrag zum Thema, sorgt aber für viel Verunsicherung. § 14a Abs. 3 EnWG definiert als steuerbare Verbrauchseinrichtungen Wärmepumpen, nicht öffentlich zugängliche Ladepunkte, Anlagen zur Kälteerzeugung oder Stromspeicherung sowie Nachtstromspeicherheizungen (Gesetzestext).
Entscheidend ist, was der Netzbetreiber daraufhin darf. Die Bundesnetzagentur formuliert es so: „Der Netzbetreiber darf den Strombezug der steuerbaren Verbrauchseinrichtung temporär auf bis zu 4,2 kW reduzieren." Die 4,2 kW bleiben also immer verfügbar. Gesteuert werden darf nur so lange, wie die Gefährdungs- oder Störungssituation besteht; im sogenannten Übergangsmodus ist ein präventives Steuern längstens 24 Monate und bis zu zwei Stunden täglich erlaubt.
| Merkmal | Alte EVU-Sperre | § 14a EnWG seit 2024 | Echter Stromausfall |
|---|---|---|---|
| Eingriff | Komplette Abschaltung | Reduzierung auf mind. 4,2 kW | Totalausfall |
| Dauer | mehrere Stunden täglich, fest getaktet | solange die Gefährdung besteht | unbestimmt |
| Wärmepumpe heizt | nein | ja, gedrosselt | nein |
| Frostschutz aktiv | ja, nach Sperrende | ja | nein |
| Planbar | ja | ja | nein |
Für den Wärmekomfort heißt das: Eine korrekt ausgelegte Wärmepumpe mit trägem Heizsystem merkt eine zweistündige Reduzierung praktisch nicht, während ein Stromausfall sofort alles stilllegt. Wie stark die alte Sperre in der Praxis wirkte, zeigt ein Detail aus der Vaillant-Anleitung: Dauert die EVU-Sperre länger als drei Stunden, wertet die Regelung das als Störungsursache. Was die neue Regel für Netzentgelte und Tarife bedeutet, steht im Ratgeber zu § 14a EnWG.
Option 1: PV mit notstromfähigem Speicher
Die technisch eleganteste Lösung ist eine Photovoltaikanlage mit einem Speicher, der bei Netzausfall weiterversorgen kann. Wichtig ist die Unterscheidung, die viele Angebote verwischen: Ersatzstrom versorgt nach kurzer Unterbrechung ausgewählte Stromkreise, meist einphasig; echte Inselfähigkeit trennt das Haus unterbrechungsfrei vom Netz und versorgt idealerweise dreiphasig weiter. Nur die zweite Variante ist ein realistischer Kandidat für den Wärmepumpenbetrieb. Die Technik dahinter, von Umschaltzeiten über Schwarzstartfähigkeit bis zur Verkabelung, habe ich ausführlich im Ratgeber Notstrom mit Photovoltaik und Speicher beschrieben.
Der Knackpunkt bleibt die Leistung. Ein Speicher, der ersatzstromseitig nur eine Phase mit wenigen Kilowatt bereitstellt, kann eine dreiphasige Wärmepumpe nicht starten. Realistisch ist deshalb ein anderer Anspruch: Der Speicher hält Kühlschrank, Licht, Router und Heizungssteuerung am Leben, die Wärmepumpe läuft nur bei ausreichender PV-Leistung mit. Wie viel Autarkie die Kombination im Jahresmittel bringt, hat das Fraunhofer ISE an sechs Wärmepumpen-PV-Kombinationen gemessen: Die Gebäude-Autarkie lag ohne Batterie bei 25 bis 40 Prozent, mit Batterie bei 32 bis 62 Prozent (Fraunhofer ISE). Das ist ein starkes Argument für die laufenden Kosten, aber keine Blackout-Versicherung im Januar. Zur Dimensionierung hilft der Ratgeber zur Speichergröße für Wärmepumpe und Haushalt.
Option 2: Notstromaggregat
Ein Aggregat ist die einzige Lösung, die unabhängig von Sonne, Jahreszeit und Speicherfüllstand Leistung liefert. Dafür ist sie die unbequemste.
Wie groß muss es sein?
Rechnen wir es an belegten Anschlusswerten durch. Eine typische Inneneinheit mit Elektro-Zusatzheizung, die Vaillant VWZ MEH 97/6, hat laut Anleitung eine Bemessungsleistung von maximal 8,6 kW und einen Bemessungsstrom von maximal 13,6 A bei 400 V 3~/N/PE beziehungsweise 23,5 A bei 230 V. Daraus folgt für den Drehstromfall:
13,6 A × 400 V × √3 ≈ 9,4 kVA
Das ist eine eigene Rechnung aus den Herstellerwerten, keine Herstellerangabe. Sie deckt nur die Wärmepumpe samt Heizstab ab. Kommen Kühlschrank, Beleuchtung, Umwälzpumpen und Kommunikationstechnik dazu, landen Sie bei mindestens 10 bis 12 kVA dreiphasig, wenn die Wärmepumpe wirklich im Volllastbetrieb laufen soll. Wer den Heizstab bewusst abschaltet und die Wärmepumpe gedrosselt fährt, kommt mit weniger aus. Der Heizstab trägt im normalen Betrieb ohnehin kaum bei: In einem 2025 abgeschlossenen Feldtest des Fraunhofer ISE an 77 Anlagen übernahmen die Heizstäbe bei Luft-Wasser-Wärmepumpen 1,3 Prozent der elektrischen Arbeit, bei Erdreichwärmepumpen lag der Anteil nahe null (Fraunhofer ISE). Mehr dazu im Ratgeber zum Heizstab als Backup.
Stromqualität ist wichtiger als Nennleistung
Ein billiges Aggregat kann eine ausreichende Leistungsangabe auf dem Typenschild haben und die Wärmepumpe trotzdem zerstören, weil Spannung und Frequenz zu stark schwanken. Vaillant fordert für die aroTHERM plus:
| Kriterium | Anforderung |
|---|---|
| 1-phasiges Netz | 230 V, +10 % / −15 % |
| 3-phasiges Netz | 400 V, +10 % / −15 % |
| Spannungsdifferenz zwischen den Phasen | max. ±2 % |
| Absicherung Inneneinheit | Charakteristik C, träge, bei 400 V dreipolig schaltend |
Quelle: Vaillant, Installations- und Wartungsanleitung aroTHERM plus. Praktisch heißt das: Ein Inverter-Aggregat oder ein Synchrongenerator mit elektronischer Spannungsregelung, kein einfaches Baustellengerät. Die Toleranz von ±2 % zwischen den Phasen ist dabei die Hürde, an der billige Generatoren scheitern, nicht die Nennleistung.
Die Sicherheitsregel, die nicht verhandelbar ist
Stromnetz Berlin formuliert die Grundregel für jede Notstromeinspeisung so: „Die Versorgung aus dem öffentlichen Netz und die Notstromversorgung dürfen niemals gleichzeitig aktiv sein." Erforderlich ist eine vorbereitete Hausinstallation durch ein Elektroinstallationsunternehmen, also eine normgerechte Umschalteinrichtung. Eine Rückspeisung über eine Steckdose gefährdet Menschenleben im Netz und ist keine Grauzone, sondern verboten.
Der Netzbetreiber beschreibt für Haushalte eine Minimallösung: die wirklich nötigen Verbraucher, also Licht, Kühlschrank, Rollläden und WLAN-Router, auf eine Phase legen und diese ersatzversorgen. Im Bestandsgebäude sei dieser Umbau „aufwendig und kostenintensiv", bei Neubau oder anstehender Modernisierung dagegen gut umsetzbar. Die Wärmepumpe gehört in dieser Logik nicht zum Minimalkreis. Maßgeblich für den Anschluss ist die technische Anschlussregel VDE-AR-N 4100:2026-04, veröffentlicht am 6. März 2026.
Option 3: Kaminofen als Rückfallebene
Der Ofen ist die einzige der drei Optionen, die völlig ohne Strom Wärme erzeugt. Das BBK empfiehlt für den Vorsorgefall, einen Vorrat an Kohle, Briketts oder Holz anzulegen, sofern Kamin oder Ofen vorhanden sind, sich auf einen Aufenthaltsraum zu konzentrieren und Türen geschlossen zu halten. Für gasbetriebene Ersatzheizgeräte gilt: Sauerstoffmangel- und Zündsicherung sind essenziell, ein Kohlenmonoxid-Warnmelder erhöht die Sicherheit.
Rechtlich müssen Einzelraumfeuerungsanlagen die Grenzwerte der 1. BImSchV einhalten. Anlage 4 Nr. 1 nennt für einen Raumheizer mit Flachfeuerung in Stufe 1 (Errichtung ab 22.03.2010) 2,0 g/m³ CO und 0,075 g/m³ Staub, in Stufe 2 (Errichtung nach dem 31.12.2014) 1,25 g/m³ CO und 0,04 g/m³ Staub (1. BImSchV). Für bestehende Altanlagen liefen die Fristen zur Nachrüstung oder Außerbetriebnahme nach § 26 gestaffelt bis zum 31.12.2024 aus, ein sehr alter Ofen im Keller ist also möglicherweise gar nicht mehr betriebserlaubt.
Umweltseitig ist der Ofen die schlechteste der drei Optionen. Das Umweltbundesamt empfiehlt vorrangig den Verzicht auf Holzheizung zugunsten brennstofffreier erneuerbarer Energien und weist darauf hin, dass der Staub aus Holzfeuerungen zu über 90 Prozent aus Partikeln unter 10 µm besteht. Als seltene Rückfallebene ist das etwas anderes als eine tägliche Wärmequelle. Wie sich beide Systeme ergänzen, steht im Ratgeber Wärmepumpe und Kaminofen kombinieren.
Die drei Optionen im direkten Vergleich
| Kriterium | PV mit Ersatzstrom-Speicher | Notstromaggregat | Kaminofen |
|---|---|---|---|
| Läuft ohne Sonne | nur solange der Speicher reicht | ja | ja |
| Wärmepumpe betreibbar | nur bei ausreichender Leistung, meist nicht dreiphasig | ja, ab ca. 10–12 kVA | nein |
| Kraftstoff-/Brennstoffvorrat nötig | nein | ja | ja |
| Automatischer Start | ja | nur mit Notstromautomatik | nein |
| Nutzen im Normalbetrieb | hoch, senkt Strombezug ganzjährig | keiner | Zusatzwärme im Winter |
| Wartungsaufwand | gering | Probelauf und Kraftstoffpflege | Schornsteinfeger, Reinigung |
| Umsatzsteuer | 0 % nach § 12 Abs. 3 UStG bis 30 kWp | 19 % | 19 % |
| KfW-458-förderfähig | nein | nein | nein (Ofen ohne Wasserführung) |
Der wirtschaftliche Befund ist unbequem: Nur die PV-Speicher-Kombination nützt auch dann, wenn nie ein Blackout eintritt. Ein Aggregat ist totes Kapital mit Wartungspflicht. Bei 2,43 Minuten statistischer Ausfallzeit pro Jahr in der Niederspannung ist das keine rationale Investition, sondern eine Versicherungsentscheidung. Vertretbar wird sie, wo weitere Gründe zusammenkommen: medizinische Geräte, ein Betrieb im Gebäude, eine störanfällige Netzsituation oder ein sehr schlecht gedämmtes Haus mit kurzer Zeitkonstante.
Förderung: Was der Staat bezahlt und was nicht
Die Förderübersicht der KfW 458 listet ausschließlich Heiztechnologien: Solarthermie, Biomasse, Wärmepumpen, Brennstoffzellen, wasserstofffähige Heizungen, innovative Heiztechnik sowie Gebäude- und Wärmenetzanschlüsse. Notstromaggregate und Batteriespeicher tauchen dort nicht auf und sind damit nicht förderfähig.
Für die Wärmepumpe selbst gelten seit dem 21. Juli 2026 diese Sätze: Grundförderung 30 %, Klimageschwindigkeitsbonus 16 % mit erster Absenkung um 4 Prozentpunkte am 1. Februar 2027 und danach halbjährlich bis zum 1. August 2028, Einkommensbonus gestaffelt 40 / 30 / 10 %, maximaler Fördersatz 70 % beziehungsweise einkommensabhängig 80 %, förderfähige Höchstkosten 28.000 € für die erste Wohneinheit.
Der einzige steuerliche Hebel für die Notstromseite liegt bei der Photovoltaik. Nach § 12 Abs. 3 UStG gilt ein Nullsteuersatz auf Lieferung und Installation von Solarmodulen, wesentlichen Komponenten und Speichern, sofern die installierte Bruttoleistung laut Marktstammdatenregister 30 kWp nicht übersteigt. Ein notstromfähiger Speicher fällt darunter, ein Aggregat nicht.
Rechtsstand: Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ist das umbenannte GEG und seit dem 29. Juli 2026 in Kraft (BGBl. 2026 I Nr. 226). Die 65-%-Erneuerbaren-Pflicht als Einbaupflicht und die 30-Jahre-Austauschpflicht des früheren § 72 sind ersatzlos gestrichen. An ihre Stelle tritt eine Brennstoffquote nach § 43 GModG für ab dem 30. Juli 2026 eingebaute Gas-, Öl- und Flüssiggasheizungen: 10 % ab 2029, 15 % ab 2030, 30 % ab 2035 und 60 % ab 2040.
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Was Sie ohne jede Investition tun können
Der größte Teil der Vorsorge kostet nichts und lässt sich an einem Nachmittag erledigen.
Vor dem Ernstfall: Klären Sie mit dem Fachbetrieb, ob Ihre Anlage Frostschutzmittel oder ein Frostschutzventil hat. Notieren Sie, wo Hauptschalter, Sicherung und Anleitung liegen. Halten Sie warme Kleidung, Decken und eine Lichtquelle bereit. Ist ein Ofen vorhanden, legen Sie einen Brennstoffvorrat an. Bei Gas-Ersatzheizgeräten gehört ein Kohlenmonoxid-Warnmelder dazu.
Während des Ausfalls: Türen zu ungenutzten Räumen schließen, Rollläden nachts herunterlassen, sich auf einen Aufenthaltsraum konzentrieren. Nicht am Kältekreis oder an der Außeneinheit hantieren. Bei absehbar mehrtägigem Ausfall im Frost den Fachbetrieb kontaktieren, bevor Schaden entsteht.
Nach dem Ausfall: Prüfen, ob Wärmepumpe und Regelung wieder anlaufen. Eine Einschaltverzögerung des Verdichters ist normal. Fehlercodes notieren und melden, statt wiederholt zu entstören. Anlagendruck kontrollieren, denn ein Druckabfall kann auf eine frostbedingte Undichtigkeit hindeuten.
Häufige Fragen (FAQ)
Was passiert mit meiner Wärmepumpe bei einem Stromausfall?
Sie schaltet vollständig ab. Verdichter, Umwälzpumpen, Ventilator und Regelung sind rein elektrisch, es gibt keinen Notbetrieb. Das Gebäude kühlt danach mit der Geschwindigkeit aus, die seine Dämmung vorgibt. Die Anlage selbst nimmt bei kurzen Ausfällen keinen Schaden, da Wärmepumpen wegen der früheren EVU-Sperrzeiten auf regelmäßige Abschaltungen ausgelegt sind.
Nimmt die Wärmepumpe bei einem Stromausfall Schaden?
Im Regelfall nicht. Kritisch ist allein die Kombination aus mehrtägigem Ausfall und Frost, weil dann das Heizungswasser gefrieren kann. Vaillant nennt Stromausfall in der Anleitung der aroTHERM plus ausdrücklich als Ursache für erhöhte Gefriergefahr. Am Netzanschluss kann außerdem Elektronik leiden: Stromnetz Berlin berichtete nach der Großstörung, dass in seltenen Fällen Steuerungsgeräte für elektrische Wärmepumpen beschädigt wurden.
Startet die Wärmepumpe nach einem Stromausfall automatisch wieder?
In der Regel fährt die Regelung selbsttätig hoch und stellt den zuletzt aktiven Betriebsmodus wieder her. Der Verdichter läuft aber erst nach einer Einschaltverzögerung an, die Vaillant als Statuscode S.290 dokumentiert. Eine konkrete Minutenzahl geben die Hersteller in den öffentlichen Anleitungen nicht an. Hat ein Phasenausfall den internen Leitungsschutzschalter ausgelöst (Fehlercode F.1120), muss der Fachhandwerker zurücksetzen.
Kann die Wärmepumpe im Winter einfrieren, wenn der Strom ausfällt?
Ja, das ist das eigentliche Risiko. Die Frostschutzfunktion benötigt selbst Strom: Unterschreitet die Außentemperatur den eingestellten Wert und wird die Differenz zwischen Vor- und Rücklauf zu groß, startet die Steuerung Pumpe und Kompressor ohne Wärmeanforderung. Ohne Strom entfällt dieser Schutz vollständig. Vaillant empfiehlt deshalb dringend Frostschutzmittel in den frostgefährdeten Anlagenteilen und für sehr lange Abschaltzeiten das vollständige Entleeren durch den Fachhandwerker.
Wie lange bleibt das Haus ohne Heizung warm?
Das hängt fast ausschließlich an der Gebäudehülle. In einer Modellrechnung mit 0 °C Außentemperatur, 21 °C Startwert und typischen Heizlasten fällt die Innentemperatur im unsanierten Einfamilienhaus binnen 24 Stunden auf rund 8 °C, im gut sanierten Haus auf etwa 14 °C und im Neubaustandard auf etwa 18 °C. Ein 200-Liter-Pufferspeicher liefert dabei nur rund 3,5 kWh, also weniger als eine Stunde Heizbetrieb.
Kann ich meine Wärmepumpe mit einem Notstromaggregat betreiben?
Technisch ja, aber nur mit passender Auslegung. Aus den Anschlusswerten einer typischen Inneneinheit mit Zusatzheizung (max. 13,6 A bei 400 V) ergeben sich rechnerisch rund 9,4 kVA allein für die Wärmepumpe, mit Hausgrundlast also etwa 10 bis 12 kVA dreiphasig. Entscheidend ist neben der Leistung die Spannungsqualität: Vaillant fordert 400 V mit +10 % / −15 % und maximal ±2 % Differenz zwischen den Phasen. Netz und Notstrom dürfen niemals gleichzeitig aktiv sein, nötig ist eine Umschalteinrichtung vom Elektrofachbetrieb.
Läuft die Wärmepumpe im Ersatzstrombetrieb einer PV-Anlage weiter?
Meist nicht. Viele Speichersysteme stellen im Ersatzstrombetrieb nur eine Phase mit begrenzter Leistung bereit, was für eine dreiphasige Wärmepumpe nicht reicht. Nur echte inselfähige Systeme mit dreiphasiger Ersatzversorgung und ausreichender Leistungsreserve kommen dafür infrage. Details zu Ersatzstrom, Inselbetrieb und Umschaltzeiten finden Sie im Ratgeber zu Notstrom mit Photovoltaik und Speicher.
Ist die Drosselung nach § 14a EnWG ein Stromausfall?
Nein. Der Netzbetreiber darf den Strombezug einer steuerbaren Verbrauchseinrichtung temporär auf bis zu 4,2 kW reduzieren, diese 4,2 kW bleiben aber immer verfügbar. Die Wärmepumpe heizt also weiter, nur gedrosselt. Die alte EVU-Sperre schaltete dagegen komplett ab, bis zu dreimal täglich für je zwei Stunden. Ein Stromausfall ist von beidem verschieden: unangekündigt, unbegrenzt und ohne Restleistung.
Ist eine Gasheizung bei Stromausfall im Vorteil?
Nur scheinbar. Auch moderne Gas- und Ölheizungen brauchen Strom für Regelung, Gebläse und Umwälzpumpe und stehen ohne Netz ebenfalls still. Der Unterschied liegt darin, dass sie sich mit vergleichsweise wenig Leistung notstromversorgen lassen. Rechtlich besteht seit dem GModG kein Zwang mehr, fossil zu heizen, aber ab dem 30. Juli 2026 eingebaute Gasheizungen unterliegen der Brennstoffquote nach § 43 GModG.
Nächster Schritt: Wie robust ist Ihr Gebäude wirklich?
Ob sich eine Rückfallebene für Sie lohnt, entscheidet sich nicht an der Wärmepumpe, sondern an Ihrem Gebäude. Ein Haus mit einer Zeitkonstante von 24 Stunden braucht eine andere Antwort als eines mit 160 Stunden, und ob Ihre Anlage überhaupt notstromtauglich wäre, hängt an Anschlussleistung, Phasenzahl und vorhandener Elektroinstallation. Mit reduco analysieren Sie Ihr Gebäude in wenigen Minuten und erhalten eine datenbasierte Einschätzung zu Heizlast, Dämmzustand und passender Wärmepumpengröße, inklusive Fördermittelberechnung. Auf dieser Grundlage lässt sich sachlich entscheiden, ob Ihr Geld besser in Dämmung, in einen PV-Speicher oder gar nicht in Notstrom fließt.
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