Effizienteste Wärmepumpe 2026: SCOP-Vergleich bis 6,10
SCOP-Vergleich 2026: Spitzenwerte bis 6,10 bei 35 °C, aber nur 4,57 bei 55 °C. Welche Wärmepumpe im Altbau mit Heizkörpern wirklich effizient bleibt.
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Hendrik Stotz
31. August 2026
Hendrik ist zertifizierter Energieeffizienz-Experte und bringt durch seinen Bachelor of Engineering und Master of Science tiefe Expertise in den Bereichen Sanierung und Gebäudeenergiesysteme mit sich. Seit fast 7 Jahren beschäftigt er sich angefangen bei Bosch Building Technologies mit Gebäudetechnik und verfolgt mit Reduco die Mission, so viele Eigentümer, Berater und Installateure wie möglich bei der Planung von wirtschaftlich sinnvollen Sanierungen zu unterstützen.

Das Wichtigste in Kürze
- Spitzenwert 2026: Die Lambda EUREKA EU13L führt die Herstellerdaten mit einem SCOP von 6,10 bei 35 °C an. Bei 55 °C sind es noch 4,57.
- Der Einbruch bei 55 °C: Vom Niedertemperatur- in den Mitteltemperaturbetrieb verliert jedes Gerät rund ein Viertel seines SCOP. Die Spanne der ausgewerteten Modelle reicht von 20,8 bis 28,3 Prozent.
- A+++ steht für zwei verschiedene Skalen: Nach der EU-Verordnung 811/2013 gilt A+++ ab ηs 175 % bei 35 °C, aber schon ab 150 % bei 55 °C. Bei 35 °C erreicht heute praktisch jedes Neugerät A+++.
- Die Rangfolge dreht sich: Bei 35 °C liegt die Panasonic Aquarea L (5 kW) vor der Viessmann Vitocal 250-A 251.A10 (5,06 zu 5,01), bei 55 °C ist es umgekehrt (3,87 zu 3,63).
- Feldmessung statt Prüfstand: Das Fraunhofer ISE hat vier Jahre lang 77 Anlagen im Bestand vermessen und kommt bei Luft/Wasser auf eine mittlere Jahresarbeitszahl von 3,4 (Spanne 2,6–4,9), bei Erdwärme auf 4,3.
- Was das kostet: Bei 15.000 kWh Wärmebedarf und 27,44 ct/kWh liegen zwischen JAZ 2,6 und JAZ 4,9 rund 743 € Stromkosten pro Jahr.
Wer nach der effizientesten Wärmepumpe sucht, bekommt fast überall dieselbe Antwort: eine Liste mit SCOP-Werten bei 35 °C Vorlauftemperatur. Diese Liste ist für die meisten Bestandsgebäude die falsche Liste. Sie beschreibt den Betrieb an einer Fußbodenheizung. Wer klassische Heizkörper hat, arbeitet näher an 55 °C, und dort sehen die Zahlen deutlich anders aus: Aus 6,10 werden 4,57, aus 5,06 werden 3,63, und die Reihenfolge der Hersteller stellt sich teilweise um.
Dieser Vergleich stellt deshalb beide Werte nebeneinander, Modell für Modell und ausschließlich aus veröffentlichten Herstellerdatenblättern nach EN 14825. Danach ordne ich ein, was ein SCOP-Punkt konkret in Euro bedeutet, warum die gemessene Jahresarbeitszahl im Bestand systematisch darunter liegt und welche Stellschrauben im Haus mehr bewegen als die Wahl des Fabrikats.
SCOP, COP und JAZ: die drei Zahlen in einem Absatz getrennt
Die drei Kennzahlen werden ständig vermischt, obwohl sie unterschiedliche Dinge messen:
- COP ist eine Momentaufnahme im Labor bei einem einzigen Betriebspunkt, etwa A7/W35 (7 °C Außenluft, 35 °C Vorlauf). Ein guter Wert sagt wenig über das Jahr aus.
- SCOP ist die jahreszeitbedingte Leistungszahl nach EN 14825. Sie rechnet ein komplettes Heizjahr mit wechselnden Außentemperaturen durch, inklusive Teillastverhalten und Abtauung. Bezugsklima ist laut Verordnung (EU) Nr. 811/2013 der Standort Straßburg für die "durchschnittlichen Klimaverhältnisse".
- JAZ ist die tatsächlich gemessene Jahresarbeitszahl einer konkreten Anlage in einem konkreten Haus, inklusive Heizstab, Pumpenstrom, Warmwasser und Taktverhalten.
Für einen Modellvergleich ist der SCOP die richtige Größe, weil er normiert und zwischen Herstellern vergleichbar ist. Für die Stromrechnung zählt die JAZ. Wie groß der Abstand zwischen beiden ausfällt, steht weiter unten. Die vollständige Herleitung der drei Begriffe steht im Grundlagenartikel zu COP, JAZ und SCOP.
SCOP-Vergleich 2026: die effizientesten Wärmepumpen bei 35 und 55 °C
Die Tabelle führt je Hersteller das effizienteste Modell, für das ein SCOP-Wert bei beiden Vorlauftemperaturen veröffentlicht ist. Sortiert ist nach dem 55-°C-Wert, weil das die Spalte ist, die im Bestand über die Stromrechnung entscheidet. Alle Werte stammen aus Herstellerdatenblättern nach EN 14825, mittleres Klima.
| Modell | SCOP 35 °C | SCOP 55 °C | Abfall | Klasse 35/55 °C | Kältemittel |
|---|---|---|---|---|---|
| Lambda EUREKA EU13L | 6,10 | 4,57 | −25,1 % | A+++/A+++ | R290 |
| Ovum AirCube AC312P | 6,02 | 4,50 | −25,2 % | A+++/A+++ | R290 |
| NIBE S2125-16 | 5,33 | 4,08 | −23,5 % | A+++/A+++ | R290 |
| Viessmann Vitocal 250-A (251.A13) | 4,96 | 3,93 | −20,8 % | A+++/A+++ | R290 |
| Vaillant aroTHERM plus VWL 105/8.1 | 5,13 | 3,86 | −24,8 % | A+++/A+++ | R290 |
| OCHSNER AIR HAWK 518 C11A | 5,04 | 3,72 | −26,2 % | A+++/A++ | R32 |
| Bosch Compress 6800i AW 10 OR-T | 4,77 | 3,64 | −23,7 % | A+++/A++ | R290 |
| Panasonic Aquarea L WH-WDG05LE5 (5 kW) | 5,06 | 3,63 | −28,3 % | A+++/A++ | R290 |
| Stiebel Eltron WPL-A 07 HK 230 Premium | 4,88 | nicht ausgewiesen | – | A+++/A+++ | R454C |
| iDM AERO ALM 6-15 | nicht ausgewiesen | nicht ausgewiesen | – | A+++/A+++ | R290 |
| Daikin Altherma 4 H | nicht ausgewiesen | nicht ausgewiesen | – | bis zu A+++ | R290 |
Quellen: Herstellerdatenblätter und Produktinformationen von Lambda, Ovum, NIBE, Viessmann, Vaillant, OCHSNER, Bosch, Panasonic, iDM, Stiebel Eltron und Daikin, Stand August 2026. Werte nach EN 14825, mittleres Klima. Die Spalte "Abfall" ist aus den beiden SCOP-Werten gerechnet.
Was in der Tabelle steht und was nicht
Drei Einschränkungen gehören dazu, sonst wird die Rangliste falsch gelesen.
Erstens der Spitzenwert. Lambda weist die EU13L im Prospekt 2026 mit ηs 241 % und damit SCOP 6,10 aus; die Effizienzmessungen stammen laut Hersteller vom Schweizer Wärmepumpentestzentrum Buchs nach EN 14825. Dieser Wert gilt ausschließlich für diese eine Baugröße. Die übrige EU-L-Baureihe liegt laut Lambda-Prospekt zwischen 5,68 (EU20L) und 6,08 (EU10L) bei 35 °C sowie zwischen 4,47 und 4,55 bei 55 °C. Wer eine andere Leistungsstufe bestellt, bekommt also nicht den Schlagzeilenwert.
Zweitens die Lücken. Stiebel Eltron veröffentlicht im Datenblatt nur den 35-°C-Wert und gibt für beide Anwendungen die Klasse A+++ an. iDM nennt im Produktblatt der AERO-ALM-Reihe gar keinen SCOP, sondern nur die Klassen A+++/A+++ und den COP bei A2/W35. Daikin führt für die Altherma 4 H bislang ausschließlich die Effizienzklasse "bis zu A+++" auf, keine SCOP-Zahlen. Das ist keine Wertung über diese Geräte, aber es macht den Vergleich für Heizkörper-Häuser bei genau diesen Modellen unmöglich. Zurückrechnen lässt sich der Wert nicht seriös, weil in die Klassenangabe zusätzlich Korrekturen für Regelung und Hilfsstrom einfließen.
Drittens die Baugrößen. SCOP-Werte gelten pro Baugröße, nicht pro Baureihe. Bei Vaillant liegt die aroTHERM plus VWL 105/8.1 bei 55 °C mit 3,86 in der Klasse A+++, die kleineren VWL 35, 55 und 75/8.1 mit 3,62 bis 3,65 dagegen in A++. Bei Viessmann reicht die Vitocal 250-A von 3,3 (251.A04) bis 3,93 (251.A13). Wer die Baureihe kauft, kauft also nicht automatisch den Katalogwert. Welche Baugröße überhaupt zum Haus passt, hängt an der Heizlast, nicht am Datenblatt.
Warum der SCOP bei 55 °C um bis zu 28 Prozent einbricht
Physikalisch ist der Grund simpel: Je größer der Temperaturhub zwischen Wärmequelle und Vorlauf, desto mehr Verdichterarbeit ist pro Kilowattstunde Wärme nötig. Bemerkenswert ist nicht das Ob, sondern die Streuung des Wie viel.
| Modell | SCOP 35 °C | SCOP 55 °C | Abfall |
|---|---|---|---|
| Viessmann Vitocal 250-A (251.A13) | 4,96 | 3,93 | −20,8 % |
| Viessmann Vitocal 250-A (251.A10) | 5,01 | 3,87 | −22,8 % |
| NIBE S2125-16 | 5,33 | 4,08 | −23,5 % |
| Bosch Compress 6800i AW 10 OR-T | 4,77 | 3,64 | −23,7 % |
| Vaillant aroTHERM plus VWL 105/8.1 | 5,13 | 3,86 | −24,8 % |
| Lambda EUREKA EU13L | 6,10 | 4,57 | −25,1 % |
| Ovum AirCube AC312P | 6,02 | 4,50 | −25,2 % |
| OCHSNER AIR HAWK 518 C11A | 5,04 | 3,72 | −26,2 % |
| Ovum AirCube AC208P | 5,53 | 4,00 | −27,7 % |
| Panasonic Aquarea L WH-WDG05LE5 (5 kW) | 5,06 | 3,63 | −28,3 % |
Zwischen dem robustesten und dem empfindlichsten Gerät liegen 7,5 Prozentpunkte. Das klingt akademisch, entscheidet aber genau dann, wenn ein Gebäude nicht komplett auf Flächenheizung umgebaut wird.
Der Rangwechsel: zwei konkrete Paare
Der praktische Kern des Vergleichs sind die Modelle, die je nach Spalte die Plätze tauschen.
Panasonic Aquarea L (5 kW) gegen Viessmann Vitocal 250-A 251.A10: Bei 35 °C führt Panasonic mit 5,06 gegenüber 5,01. Bei 55 °C führt Viessmann mit 3,87 gegenüber 3,63, ein Vorsprung von 0,24 Punkten. Die Viessmann-Datenblattwerte sind dabei nach derselben Verordnung ermittelt wie die Panasonic-Werte, der Vergleich ist also zulässig.
Ovum AirCube AC208P gegen NIBE S2125-16: Bei 35 °C liegt Ovum mit 5,53 gegenüber 5,33 vorn. Bei 55 °C dreht sich das: NIBE erreicht 4,08, Ovum 4,00.
Wer also einen Vergleichstest liest, der nur die 35-°C-Spalte zeigt, bekommt für ein Heizkörper-Haus eine schlicht falsche Rangfolge geliefert. Die Konsequenz ist nicht, ein bestimmtes Fabrikat zu bevorzugen, sondern im Angebot die 55-°C-Zahl zu verlangen und sie mit der real geplanten Vorlauftemperatur abzugleichen. Wie weit sich die im Bestand drücken lässt, steht im Detailartikel zur Vorlauftemperatur der Wärmepumpe.
A+++ sagt fast nichts mehr: die Zwei-Tabellen-Regel
Der häufigste Denkfehler beim Energielabel: Viele nehmen an, A+++ sei A+++. Tatsächlich enthält Anhang II der Delegierten Verordnung (EU) Nr. 811/2013 zwei getrennte Klassentabellen, und Wärmepumpen werden nach beiden gleichzeitig bewertet.
| Klasse | ηs bei 55 °C (Mitteltemperatur) | ηs bei 35 °C (Niedertemperatur) |
|---|---|---|
| A+++ | ≥ 150 % | ≥ 175 % |
| A++ | 125–149 % | 150–174 % |
| A+ | 98–124 % | 123–149 % |
| A | 90–97 % | 115–122 % |
| B | 82–89 % | 107–114 % |
| C | 75–81 % | 100–106 % |
| D | 36–74 % | 61–99 % |
Quelle: Delegierte Verordnung (EU) Nr. 811/2013, Anhang II, Tabellen 1 und 2.
Die Verordnung definiert die beiden Anwendungsfälle ausdrücklich: Der Niedertemperaturbereich meint 35 °C am Auslass des Innenraum-Wärmetauschers, der Mitteltemperaturbereich 55 °C. Das Etikett selbst trägt laut Anhang III beide Angaben nebeneinander, den Text "55 °C" und "35 °C".
Die Folge sieht man in der Haupttabelle: Bei 35 °C trägt dort jedes Modell mit ausgewiesener Klasse die Bestnote A+++. Erst bei 55 °C trennt sich das Feld, weil die 150-Prozent-Schwelle greift. OCHSNER AIR HAWK 518, Bosch Compress 6800i, die Panasonic L-Serie sowie die kleineren Vaillant- und Viessmann-Baugrößen landen dort in A++. Anders formuliert: In der 35-°C-Spalte ist das Label als Unterscheidungsmerkmal tot, in der 55-°C-Spalte lebt es noch.
Was ηs überhaupt bedeutet
ηs (im Datenblatt oft "ETAs") ist die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz in Prozent. Die Verordnung leitet sie aus dem SCOP ab, geteilt durch den Umrechnungskoeffizienten CC = 2,5, anschließend korrigiert um Beiträge für Temperaturregelung, Hilfsstromverbrauch und Anlagenverluste. Als Daumenregel gilt: ηs entspricht etwa SCOP ÷ 2,5, minus ein paar Prozentpunkte. Gegenprobe an den Datenblättern: Lambda EU13L 6,10 ÷ 2,5 = 244 %, publiziert sind 241 %. Viessmann 251.A10: 5,01 ÷ 2,5 = 200,4 %, publiziert sind 197 %.
Die Skala wird gerade überarbeitet
Genau weil bei 35 °C alles A+++ ist, arbeitet die EU an einer Neuskalierung. Die Europäische Kommission hat vom 28. November 2025 bis zum 23. Januar 2026 vier überarbeitete Verordnungen zu Ökodesign und Energielabel konsultiert. Der Entwurf sieht den Wechsel von der heutigen Skala A+++ bis D auf eine reine A-bis-G-Skala vor, dazu einen QR-Code zur EPREL-Datenbank, aktualisierte Prüfmethoden für Effizienz, Schallleistung und NOx sowie neue Symbole für Smart-Grid-Tauglichkeit und klimafreundliche Kältemittel.
Wichtig für die Kaufentscheidung heute: Das ist ein Entwurf. Annahme durch die Kommission und Veröffentlichung im Amtsblatt stehen aus, ein Datum gibt es nicht. Wer 2026 kauft, sollte deshalb weiter auf den SCOP-Zahlenwert schauen und nicht auf die Buchstabenklasse. Kursierende Angaben zu künftigen Mindestklassen oder Schwellenwerten sind bislang unbelegt.
Was ein SCOP-Punkt im Jahr kostet
Jetzt die Übersetzung in Euro. Die Rechnung nutzt zwei Annahmen, die ich offenlege, damit Sie sie durch Ihre eigenen ersetzen können:
- Wärmebedarf 15.000 kWh pro Jahr (Heizung und Warmwasser). Das ist ein Annahmewert für ein durchschnittliches Einfamilienhaus im Bestand, keine Messgröße.
- Strompreis 27,44 ct/kWh. Das ist der amtliche Bundesschnitt für Wärmepumpenstrom mit getrennter Messung zum Stichtag 1. April 2025 laut Monitoringbericht Energie 2025 der Bundesnetzagentur. Der Wert mittelt über alle Bestandsverträge und liegt deshalb höher als ein heute abgeschlossener Neuvertrag.
| Jahresarbeitszahl | Stromverbrauch | Stromkosten pro Jahr |
|---|---|---|
| 2,6 (schwächste gemessene Anlage) | 5.769 kWh | 1.583 € |
| 3,0 | 5.000 kWh | 1.372 € |
| 3,4 (Feldmittel Luft/Wasser) | 4.412 kWh | 1.211 € |
| 4,0 | 3.750 kWh | 1.029 € |
| 4,3 (Feldmittel Erdwärme) | 3.488 kWh | 957 € |
| 4,9 (stärkste gemessene Anlage) | 3.061 kWh | 840 € |
Rechnung: 15.000 kWh ÷ JAZ × 27,44 ct/kWh. Wärmebedarf und Strompreis sind Annahmen, die JAZ-Stützwerte stammen aus der Fraunhofer-Feldmessung.
Zwischen der schwächsten und der stärksten gemessenen Luft-Wasser-Anlage liegen damit 743 € pro Jahr. Über 20 Betriebsjahre sind das knapp 15.000 €, also die Größenordnung einer halben Anlage.
Auf die Datenblattwerte übertragen: Zwischen dem Tabellenkopf (SCOP 4,57 bei 55 °C) und dem Tabellenende (3,63) liegen rund 26 Prozent Mehrverbrauch für dieselbe Wärme. Bei denselben Annahmen sind das 3.282 gegenüber 4.132 kWh, also rund 233 € Unterschied im Jahr. Wer heute einen Wärmepumpentarif mit separatem Zähler abschließt, zahlt eher um 24 ct/kWh zuzüglich Grundpreis. Dann sinken alle Beträge um etwa ein Achtel, die Abstände bleiben anteilig gleich. Eine ausführliche Verbrauchsrechnung mit unterschiedlichen Gebäudegrößen steht im Artikel zu Stromverbrauch und Stromkosten der Wärmepumpe.
Warum die reale Jahresarbeitszahl unter dem SCOP liegt
Der SCOP ist ein Prüfstandswert für ein normiertes Klima und eine normierte Anlage. Wie weit die Praxis abweicht, hat das Fraunhofer ISE im Projekt "Wärmepumpen-Qualitätssicherung im Bestand" gemessen: 77 Wärmepumpenheizungen in Ein- bis Dreifamilienhäusern, vier Jahre Messdauer, davon 61 Luft/Wasser- und 16 Sole/Wasser-Anlagen.
Die Ergebnisse der Feldmessung im Überblick:
- Luft/Wasser: mittlere JAZ 3,4, niedrigster Wert 2,6, höchster 4,9. Im Vorgängerprojekt lag der Mittelwert noch bei 3,1.
- Erdgekoppelte Anlagen: mittlere JAZ 4,3, Bandbreite 3,6 bis 5,4. Vorher waren es 4,1.
- Elektroheizstäbe übernahmen bei den Luft-Wasser-Anlagen nur 1,3 % der elektrischen Arbeit, bei den Erdreich-Anlagen nahezu null. Der oft befürchtete Heizstab-Effekt spielt in gut eingestellten Anlagen also kaum eine Rolle.
- Die untersuchten Gebäude stammen aus den Jahren 1826 bis 2001 mit 90 bis 370 m² beheizter Fläche. Eine Korrelation zwischen Baujahr und Effizienz konnte das Institut nicht feststellen.
- Der CO₂-Ausstoß lag 2024 um 64 % unter dem einer Erdgasheizung, dynamisch viertelstündlich bilanziert.
Der Vergleich zum Datenblatt ist ernüchternd und ehrlich zugleich: Spitzengeräte weisen 4,8 bis 6,1 bei 35 °C aus, im Feld liegt der Luft-Wasser-Durchschnitt bei 3,4. Das ist kein Etikettenschwindel, sondern die Summe aus höheren Vorlauftemperaturen, Warmwasserbereitung, Speicherverlusten, Hilfsstrom und Regelungsfehlern. Der Erdwärme-Vorsprung von 0,9 Punkten im Mittel deckt sich mit dem, was die Herstellerdaten für Sole-Wasser-Wärmepumpen erwarten lassen.
Zwei Befunde aus derselben Messreihe sind für die Kaufentscheidung besonders relevant: Viele Anlagen waren auf den tatsächlichen Verbrauch bezogen überdimensioniert, und die Schalthäufigkeiten lagen teilweise im sehr hohen Bereich. Beides sind Auslegungs- und Einstellungsfehler, keine Gerätefehler.
Auslegung schlägt Datenblatt
Aus den Fraunhofer-Befunden folgt die unbequeme Wahrheit dieses Vergleichs: Der Abstand zwischen einer gut und einer schlecht ausgelegten Anlage ist größer als der Abstand zwischen dem besten und dem schlechtesten Gerät der Tabelle. 743 € Spannweite im Feld gegenüber 233 € Spannweite zwischen den Datenblattwerten.
Vier Punkte entscheiden diesen größeren Anteil:
- Heizlast statt Faustformel. Eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist die Grundlage jeder sinnvollen Geräteauswahl. Überdimensionierung führt zu Takten, und Takten kostet Effizienz, ohne dass es im Datenblatt sichtbar wäre.
- Die richtige Baugröße. Welche kW-Klasse zu welchem Gebäude passt, zeigt die Übersicht zum Dimensionieren der Wärmepumpe. Die SCOP-Unterschiede zwischen den Baugrößen einer Baureihe sind, wie oben gezeigt, teils größer als die zwischen zwei Herstellern.
- Vorlauftemperatur senken. Jedes Grad weniger verschiebt den Betriebspunkt Richtung 35-°C-Spalte. Das Fraunhofer ISE hält ausdrücklich fest, dass ausreichend dimensionierte Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden können wie Flächenheizungen. Für Bestandsgebäude ist das die zentrale Entlastung, und sie ist im Artikel zur Wärmepumpe im Altbau mit Praxisbeispielen unterlegt.
- Spreizung und Volumenstrom. Wie weit Vor- und Rücklauf auseinanderliegen, bestimmt, ob der Verdichter im effizienten Bereich arbeitet. Die Details stehen im Artikel zur Spreizung der Wärmepumpe.
Ein fünfter Punkt betrifft die Aufstellung: Der SCOP sagt nichts über die Geräuschemission. Weil die Schallwerte der Spitzenmodelle weit auseinanderliegen, von 42 bis 55 dB(A) Nenn-Schallleistung, lohnt der Blick in den Vergleich der leisesten Wärmepumpen, bevor die Auswahl auf ein Modell fällt.
Förderung 2026 kurz eingeordnet
Effizienz ist auch eine Förderfrage, allerdings nicht über den SCOP. Über die KfW-Heizungsförderung 458 gibt es 30 % Grundförderung für Wärmepumpen, dazu den Klimageschwindigkeitsbonus von 16 % bis zum 31. Januar 2027 und einen einkommensabhängigen Bonus. Beim Einfamilienhaus berücksichtigt die KfW förderfähige Kosten "bis zu einer Höhe von 28.000 Euro".
Zwei Punkte sind dabei häufig unklar. Erstens: Die Förderhöhe hängt nicht vom SCOP ab, sondern von Anlagentyp, Zeitpunkt und Einkommen. Ein Gerät mit SCOP 4,57 bekommt denselben Prozentsatz wie eines mit 3,63. Zweitens: Neben der Effizienz ist die Geräuschemission des Außengeräts eine eigenständige Förderbedingung. Die technischen FAQ zur BEG EM (Version 7.0, 06/2026, Nr. 8.38) halten fest, dass Schallschutzhauben oder -matten zur Einhaltung der Geräuschemissionsgrenzwerte genutzt werden dürfen, sofern das Gerät einschließlich Haube unabhängig geprüft, zertifiziert und im Wärmeerzeugerportal gelistet ist. Der dB-Wert im Datenblatt gehört deshalb genauso in die Angebotsprüfung wie der SCOP. Die aktuellen Sätze und Fristen sind in der Übersicht zur KfW 458 im Detail aufgeschlüsselt.
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Häufige Fragen (FAQ)
Welche Wärmepumpe hat 2026 den höchsten SCOP?
Nach den veröffentlichten Herstellerdatenblättern führt die Lambda EUREKA EU13L mit einem SCOP von bis zu 6,10 bei 35 °C und 4,57 bei 55 °C, entsprechend ηs 241 % und 180 %. Dicht dahinter liegt die Ovum AirCube AC312P mit 6,02 und 4,50. Wichtig: Der Wert gilt nur für diese eine Baugröße. Die übrigen Modelle der EU-L-Baureihe liegen bei 35 °C zwischen 5,68 und 6,08.
Was ist ein guter SCOP-Wert bei einer Wärmepumpe?
Der Prüfstein ist der Wert bei 55 °C, nicht bei 35 °C. Nach der Verteilung der hier ausgewerteten Geräte gilt: ab 4,0 Spitzenklasse, 3,6 bis 3,9 gut, unter 3,3 unterdurchschnittlich. Bei 35 °C ist die Aussagekraft gering, weil dort praktisch jedes aktuelle Neugerät zwischen 4,5 und 6,1 liegt und damit A+++ erreicht.
Warum ist der SCOP bei 55 °C so viel niedriger als bei 35 °C?
Weil der Verdichter einen größeren Temperaturhub überwinden muss und dafür mehr Strom braucht. Bei den ausgewerteten Modellen fällt der SCOP um 20,8 bis 28,3 Prozent, im Mittel also um rund ein Viertel. Wie stark der Einbruch ausfällt, ist modellabhängig und einer der wenigen echten Unterschiede zwischen den Fabrikaten.
Was ist der Unterschied zwischen SCOP, COP und JAZ?
Der COP ist eine Momentaufnahme bei einem einzelnen Betriebspunkt im Labor. Der SCOP rechnet ein normiertes Heizjahr nach EN 14825 durch, Bezugsklima ist Straßburg. Die JAZ ist die tatsächlich gemessene Jahresbilanz einer konkreten Anlage inklusive Heizstab, Pumpen und Warmwasser. Für den Modellvergleich zählt der SCOP, für die Stromrechnung die JAZ.
Welche Jahresarbeitszahl erreichen Wärmepumpen wirklich im Bestandsgebäude?
Das Fraunhofer ISE hat 77 Anlagen über vier Jahre vermessen. Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten im Mittel eine JAZ von 3,4 bei einer Spanne von 2,6 bis 4,9, erdgekoppelte Anlagen 4,3 bei einer Spanne von 3,6 bis 5,4. Bemerkenswert: Zwischen Baujahr des Gebäudes und Effizienz fand sich keine Korrelation.
Sagt die Energieeffizienzklasse A+++ noch etwas über die Effizienz aus?
Bei 35 °C kaum noch, bei 55 °C schon. Die Verordnung (EU) Nr. 811/2013 nutzt zwei getrennte Skalen: A+++ beginnt bei ηs 175 % für die Niedertemperaturanwendung, aber bereits bei 150 % für die Mitteltemperaturanwendung. Nahezu jedes aktuelle Gerät erfüllt die 35-°C-Schwelle, während sich bei 55 °C A+++ und A++ noch trennen.
Was bedeutet ETAs beziehungsweise ηs im Datenblatt?
ηs ist die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz in Prozent und die Größe, nach der die Effizienzklasse vergeben wird. Sie ergibt sich aus dem SCOP geteilt durch den Umrechnungskoeffizienten CC = 2,5, korrigiert um Regelung, Hilfsstrom und Anlagenverluste. Als Näherung gilt ηs ≈ SCOP ÷ 2,5, abzüglich weniger Prozentpunkte.
Sind Erdwärmepumpen effizienter als Luft-Wasser-Wärmepumpen?
Im Feld ja, mit deutlichem Abstand. Die Fraunhofer-Messung ergab 4,3 gegenüber 3,4 im Mittel, also rund 0,9 Punkte mehr. Ursache ist die konstantere Quellentemperatur des Erdreichs. Dem stehen die Erschließungskosten für Bohrung oder Kollektor gegenüber, die den Effizienzvorteil je nach Grundstück und Genehmigungslage teilweise wieder aufzehren.
Nächster Schritt: die eigene Zahl statt der Katalogzahl
Die Tabelle oben beantwortet die Frage, welche Geräte auf dem Prüfstand vorn liegen. Sie beantwortet nicht, welcher SCOP für Ihr Haus überhaupt der richtige Maßstab ist. Das hängt an der Heizlast, an der tatsächlich nötigen Vorlauftemperatur und daran, ob die vorhandenen Heizkörper groß genug sind. Genau diese drei Größen entscheiden, ob Sie in der 35-°C- oder in der 55-°C-Spalte einkaufen und ob am Ende eine JAZ von 3,0 oder 4,3 herauskommt.
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